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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-08 · Heft 49 (8.3.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 49 (8.3.1919)
Date
1919-03-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«r. 49 Wie«, Tmnsrag Wiener Morgenzeitung Eine totgeschwiegene Zudendebatte. Vorgestern gab es »m Gemeinderat eine Judendebatte, wie sie m früheren Jahren nicht gehört wurde. Es wurde über das nationale Judentum gebrochen. Von nichtjüdischer und von jüdischer Seite. Frau Anitta Müller sprach namens der jüdischnationalen Bevölkerung und lehnte als Vertreterin des nationalen Judentums den Chauvinismus ab. Gemeinderat H ö d L sagte, der Jude habeein Rechtdarauf, stolzaufseineNationzusein, imjüdischen Volke lebe eine ungewohnte Zähigkeit « n d A « s d a n e r; wäre sie n i ch t v o r h a n de n, so hätte das jüdische Volk nicht Jahrtausende überdauert. Die sogenannten „liberalen Blätter", die sonst aufkreischten, wenn es rüde Beschimpfungen des Judenttmls gab, s ch wiegen diese Debatte tot. Die „Neue Freie Presse" berichtet von Anitta Müller nur, daß sie „antisemitische Aeußerunaeu zurückgewiesen habe" und unterschlagt sogar die Rede ihres Gesinnungsfreundes Dr. H e i n. Das „Neue Wiener Tagblatt" hat völlig verschwiegen, daß es eine Auseinandersetzung über den jüdischen Nationalismus gab — wahrscheinlich deshalb, weil es keine jüdischen Leser hat... Und daß die jüdischen Redakteure der „Arbeiter-Zeitung" aus dem Berichte alles ausmerzten, was sich auf diese für sie so heille Frage bezog, ist nur selbstverständlich. So habe» sie's immer gehalten. Totschweigen! Dann existiert dieses böse jüdische Bolksbewußtsem nicht. . Wie lange wird sich daS jüdische Publikum diese verlogene, verderbte, daS ganze jüdische Volk schwer schädigende Berichter- - stattung gefallen lasten? ■> Inland. Eine Protestnote der deutsch österreichischen Regierung an die Neutralen. Gegen die Vorgänge in Deutschböhmen. t Veranlaßt durch die schrecklichen Vorgänge in den deutschen Teilen Böhmens hat das Staatsamt für Aeußeres eine Zirkularnote an alle neutralen Gesandtschäften, an die Vertreter Deutschv^terreichS im Ausland, an Professor C o o l i d g e, den englischen Bevollmächtigten Oberst Cunningham und den Kommandanten der italienischen Waffenstillstandskommission General Segre gerichtet, in der dargelegt wird, daß die anläßlich des Zusammentrittes der Wiener Nationalversammlung in Deutschböhmen und im Sudetenland durchgeführten imposanten Manifestationen nur den Zweck gehabt hätten, für das Selb stbe st immun göreAt öffentlich einzutreten und in würdiger und feierlicher Weife gegen das Joch zu protestieren, das auf der deutschen Bevölkerung lastet.' . Die Zirkularnote schildert weiter ausführlich die blutigen Ereignisse in Karlsbad, Stcrnberg, Neutitschein, Krade,r, Mies, Arnau, Aussig, stellt fest, daß die 'Zahl der Opfer im ganzen über hundert, die Zahl der Toten über dreißig, darunter acht Frauen und sieben Kinder, betrage. Die beutschösterreichische' Negierung protestiert mit aller Efletgie und Entrüstung, und im Bewußtsein, eine gerechte GHHA...H0P»--, hrm.-.'SMunal - der zivilisierten Welt zu vertreten./ ' v ■ ■ - / k V Dsutschösterreich kommt daher äu'f seine bereits wiederholt geäußerte dringende Bitte zurück, jenen schwergeprüften Ländern Gerechttakett widerfahren zu lassen indem den Bewöhnerrl Denftchvöhmens, des Sudetens^ubes und Sttdmahrans ihr gutes Recht zuerkannt toUb; durch ein Plebiszit zu entscheiden, welchem sie in Zukunft angshören wollen. Diese Vottsabstnp"»mgen sollen unter Aufsicht Neutralen Bevollmächtigter und. unter dem Schutz neuträler Truppen stattfinden. Bis zu dem Tage, an dem diese Volksabstimmungen stattftnben, müssen jedoch unbedingt wirksame Maßnahmen ergriffen werden, um Vorfälle, wie hie eben geschilderten, zu verhindern. Die beutschösterreichische Regierung erlaubt sich daher, vorzuschlagen, daß' die gencknnten Gebiete ohne Verzug durch Truppen einer der Großmächte besetzt werden sollen. . Niederösterreichische Landesversammlung. Die Landtagsrvahlordnung. — Die Kormorane. — Die Requisitionen. Im Einlauf zur gestrigen Sitzung befand sich auch der 'von der StacttSkanzler, arlSgearbettete Entwurf einer neuert Landtaastpählordnung. Die wichtigsten Bestimmungen dieses Entwurfes, der wie in allen anderen Ländern die Grundlag der Beratung in der Landesversammlung bilden soll und sich im wesentlichen an die W a h l o r d n u u g für die Nationalversammlung anlehnt, lauten: An Stelle der bisherigen provisorischen Landesversammlung .tritt ein Landtag. Der erste Landtag wird für zwei Jahre gewählt und 16 Tage nach dem Wahltag einberufen. In den Landtag werden die Landesabgeordneten nach dem System der V erh ält niS w a h l auf Grund des allgemeinen, g l e i ch e n, d i r e kt en und geheimen W a hlrechte 8 aller Staatsbürger ohne Unterf ch r ed des Geschlechtes gewählt, die am Tage der Verlautbarung der Wcchlansschreibung in einer Gemeinde des Landes ihren ordentlichen Wohnsitz und vor dem 1. Jänner 1919 .das 20. Lebensiahr überschritten haben. Unter der Bedingung, daß für die Wahl in den dem Landtag entsprechenden Vertretungskörper eines deutschen B u n b t Sstaates die Gegenseitigkeit gewährt wrrd, steht unter den gleichen Voraussetzungen das Wahlrecht in den Landtag auch den An ach öligen dieses Bundesstaates zn.! . Die Wahl wird durch den Landesrat auf den letzte»: Sonn--;ta0 mt Monat April 1919 ausgeschrieben. 1 Wählbar ist,ohr Unter chird des Geschlechtes jeder jdrntschosterrnchrsche Staatsbürger, der vor dem 1, Jämter 1919 das 29. Lebensjechr. überschritten hat. , Zwer oder mehren in einem Wahlweise ringe» eichte Wahlvorschltzge können wttrverbunden (gekoppelt) werden. Die Erklärung der Kopvelung wird durch die zustellungSbevollmächt»gten Vertreter der Parteien schriftlich bis längstens mn vierzehnten Tage vor der Wahl der Kreiswahlbehörde abgegeben und von »hr sofort verlautbart. Wenn die Zahlen infolge von Krieg, von inneren Unruhen, S örungevdeSVerkehrs oder aus anderen Gründen nicht gemäß den Vorschriften dieser Wahlordnung durchgeführt werden können und hierdurch die Bildung des Landtages überhaupt oder die Ausübung des Wahlrechtes der Einwohner größerer Gebiete des 'LM« rrnmbgltchO>rd, so kann derLanve 2 r a^t di.e Ä o.rnahmedieserWahlen außerhalb desWahlo r t ,e s, die u n m i t t e l b a r e E » n s e»» d ü »» g der Stimmzettel an die Landeswahlbehörde sowie jene s o n st i g e n A e n d e r u n g e n an den Vorschriften dieser Wahlordnung verfüge»», die zur Ausüb»»ng des Wahlrechtes unabwelslich geboten sind. D»e Landesversarnmlung »vies diesen Entwurf an den VerfaffungsausschUß. Der Antrag auf Einstellung des Abe»»dunb Sonntagsmiterrichtes an Fortbildungsschulen wurde augcnoinmcn und sodann über einen Antrag debattiert, die Kormorankolonie in der Loban auszurotten. Diese Vögel vernichten jährlich in der Donau und in der March ein Flschgüantum von einer Biertelmtllion Kilogramin. Die Landesversammlung' beschloß, die Vögel sofort abzusch»eßcn. Der Landeshauptmann Steiner beantwortete, eine Anfrage betreffend ein Zirkular über die Ge»»darmer»eunb Bolks- »vchrassistenz bei Yen V»ehrec>»»»sit»onen. Der Landeshauptmann bemerkt: Als zu Ende des vorigen Jahres die besorgniserregende Wahrnehnmng gemacht wurde, daß die Belieferung der Stadt W»eu vollkommen zu versagen, drohe, tyiu-be den Äezirkshauptrnannschasten tatsächlich die Weisung erteilt, bei Weigerung der Vichbesitzer der betreffende autorisierte Vieheinkäuser be» der politischen Bezirksbehörde Gendarmerie-, eventuell Volkswehrassistenz anzusprechen habe. Dieser Erlaß war aber keineswegs. vertraulich, sondern sollte vielmehr auf den Dienstwegen mit den Bürgermeistern besprochen werden. Nur die zur Verhinderung des Schmuggels nach Ungarn geplanten Maßnahmen sollten in der Besprechung mit den Bürgermeistern vorläufig nicht erwähnt werden. Die Landesregierung fei verpst'chtet, die bereits katastrophale Fleischnot in Wien zu bekämpfen. Eine Zurücknahme des Erlasses könne daher nicht »n Aussicht gestellt »verden. Es sei jedoch angcordnet worden, daß eine bewaffnete Assistenz nur dann anzuordnen sei, »venn die gesevinäßig angcordnete Ablieferung auf gütliche Weise nicht durchzusetzen ist. _ Die Anschlutzfrage. Bei den bisherigen Verhandlungen dcs Staatssekretärs für Aeußeres Dr. B a u e r in Weimar und Berlin handelte es sich nur um chle Vorbereitung des Materials für die Einzelkommissionen, die »n Berlin, München und Wien die weiteren Besprechungen durchführen sollen. Diele Besprechungen werden sich zunächst mit den wirtschaftlichen Angelegenheiten, und zwar den Zoll-, Schutzzoll-, Handels-, Verkehis-, Währungs- und Arbeitergesetzfragcn zu beschäftigen haben. Bei den Beratungen über die Necktsansgleichung wird .die deutschöstcrreichische Republik durch den ehemaligen Justizmimster Dr. Klein vertreten werden. Aus dem Parlament. Die nächste Sitzung der Nationalversammlung wurde für Mittwoch den 12. d. M.. 3 Uhr nachmittags, verschoben. In der gestrigen Staatsratssitzung, die nur von ganz kurzer Dauer war, gab Staatssekretär Dr. Bauer emen Bericht über die Ergebnisse seines AufentbalteS in Weimar und Berlin. Das Resultat dieser Verhandlungen sei zwar kem abgeschlosienes, immerhin liege aber seitens des Deutschen Reiches großes Entgegenkommen vor. Ueber die EmricktuNg der Staatsämter und ihre Besetzung durch die leitenden Persönlichkeiten »st noch nichts bestimm t. Die diesbezüglichen lautgewordenen Meldungen beruhen zum größten Teil auf sozialdemokratischen Wünschen, haben aber auch noch keine feste Form in Jnitiattvanträgen angenommen. Dies dürste jedoch bis zur nächsten Nationalversammlung am Mittwoch der Fall sein. ^__ Die Schlacht in Berlin. Das Polizeipräsidium in Trümmer. — ArtilleriestellungUntergrunddähn-Alexanmirplatz.—Grschietzüüg von Parlamentären. — Gefechte in den Arbeiterbezirken. — Weitere Kämpfe bevorstehend. Berlin, 7. März. (Tel.-Komp.) Zu den gegenwärtigen Vorgängen in Berlin läßt sich authentisch kaum, jedenfalls nur mit allergrößter Schwierigkeit etwas fesistellen, da sämtliche Nachrichtenstellen versagen unb den Erzählungen sogenannter Augenzeugen wenig Glauben beizmnessen ist. Die eigenen Feststellungen können aber nur einzelne Ausschnitte umfassen, die auch nur unter ernster Lebensgefahr zu erheben sind. Erschwerend ist es, daß in Berlin, wo es. bis vor wenigen Tagen, eine bis dahin unerhörte Hochflut von Zeitungen, Flugblättern und Plakaten gab, seit gestern nicht eine gedruckte Zeile mehr erscheint. So kommt es, baß die Bürger von Berlin, wenn sie nicht gerade durch nächtliche Schießereien von den Dächern, die aber als.unwesentlich bezeichnet werben müssen, beunruhigt werden,, nur eine sehr schwache Ahnung davon haben, was in Berlin wirklich vorgeht. Den Höhepunkt der Ereignisse bildeten die gestrigen Angriffe am Alexanderplatz, die man als wirkliche Schlacht im wahrsterr Sinne bezeichnen kann. Der Hauptkampf ging um den Besitz des Polizeipräsidiums, das, wie sich feststellen ließ, teilweise in Trümmer gelegt worden ist. Es ist ursprünglich teiltveise von Regierungstnippen, teilweise von Spartakisten besetzt gewesen-. An diese hatte sich die Marinedivision angeschlossen, die an die Regierungstrnppen ein Ultimatum richtete. Diese sollen aber, wie erzählt wirb, bei Gelegenheit der Verhandlungen sechs Parlamentäre erschossen haben. Der Kampf am Alexänderplatz nahm gestern die erbittert st en F o r me n an. Die Spartakisten haben sämtliche Häuser am Alexanderplatz besetzt und dort Maschinengewehre eingebaut. Es war ihnen auch gelungen, den Untergrundbahnhof Alexander platz zu einer starken Stellung auszubaueil und dort einige 10,5 Zentimeter- Langrohrgeschühe aufzufahren. Mit diesen wurde daS .Polizeipräsidium auf das heftigste beschossen und teilweise, wie erwähnt, in Trümmer gelegt. Die Bolksmarinedivision und die mit ihr verbündeten Spartakisten hielten die Zugangsstraßen unter Feuer, um ein Anrücken der Negierungstruppen zu verhindern. Im kritischen Moment gelang es dem. Korps Lüttwitz, .leichte und schwere Artillerie in Stellu ng zu bringen und besonders durch das Eingreifen von drei Panzerflugzeugen die Stellung der Gegner zu erschüttern. Es sollen. dann, wie berichtet wird, furchtbare Wirkungen durch Verwendung von Minen wer fern erzielt worden sein. . Ein Teil der Häuser, in denen sich die Spartakisten festgesetzt hatten, wurde in Trümmer' gelegt, viele Marinesoldaten und Spartakisten getötet o d e r v e rl e tz k Hauptsächlich durch Minenwerfer gelang eS auch, die starre Stellung des Untergrundbahnhofes zu nehmen. Die Decke des Bahnhofes ist mehrfach durchschlagen, und zwar durch Minentreffer oder Fliegerbomben. Nachdem der Alexanderplatz geräumt war, wandten sich die Truppen gegen den Hauptsitz der 'Volksmarinedivision-, das Bottsmarinehaus. Es wurde gestürmt, und das Lroße Waffenlager, daS sich hier vorfano, in Besitz genommen. Neben diesen wesentlichen und wahrhaft erschütternden Ereignissen hat noch eine große Anzahl kleiner Gefechte im Norden und Nor dpJle.ii der Stadl stat/gefundev, die. aber, wie ctz 8. März 1919 Sette»' ‘ scheint, überall mit einem Sieg der Regierungstruppen geendc? haben. So soll'gestern-nachmittags ein starker Angriff an^ die Reichsdruckerei abgeschlagen worden sein. Kleine Kämpft und Schießereien im Zeitungsviertel und am Rosentaler Tor verblassen natürlich vor diesem Ereignis. Die Nacht auf heute war, wie von allen Seiten be< richtet wird, verhältnismäßig ruhig. Der Alexanderplatz ist von Regierungstruppen besetzt gewesen. Doch ist die republv kanische Bottswehr in den Seitengassen zu weiteren Kämpfen bereit. Die Verworrenheit der Lage-läßt eher den Schluß auf ein Anwachsen als auf ein Abnehme»; der krisenhaften Zustände schließen. Stockung der Lebensmittelversorgung.-Kein Gas. — Teilweiser Zugsverkehr. Berlin, 7. März. (Kön-.-Bur.'i Die Haltung der republn kanischen Bolkswchr ist noch zweisechast, dürsteaber im Lause des heutigen Tages einer Entscheidung zugeführt werden. 'Die Marinebngade hat im Roten Hause tn der Königstraße Quartier bezogen. Was die Streiklage betrifft, so mht seit heute .früh der Vororteverkehr, zun» Teil auch der Fernverkehr auf der Ostbahn Züge in der Richtung aus . Schlesien gelangen nur bis Frankfurt a. d. O. Nach Westen. versucht man vom Charlottenburger Bahnhof aus den Verkehr aufrecht zu erhalten. D ie Lebensmittelversorgung stockt völli g. Es besteht die Gefahr, daß viele Lebensmittel, die m Stationen vor Berlin lagern, z^u g r u n d e g e h e n. - Auf dem Haupttclegraphenamt wird, wenn auch nt -vermindertem Maße, der Betrieb aufrechterhalten, da das Amt über eine eigene Stromanlage verfügt. Infolge des Streiks der Ar^ beiter der Elektrizitätswerke ist ein Teil d e r S t ad 1 ohne Licht. In einzelnne Elektrizitätswerken wird der Betrieb durch technische Truppen der Garde-Kavallerieschützendivisiondie dre Werke besetzt Hallen, aufrechterhalten. Dagegen ruht der Betrieb in den Gaswerken beinahe völlig. Die Wasserwerke sind noch ungestört. Es wirc» sich bei der Rückkehr der Streikkommission aus Weimar entscheiden, ob auch hier die Arbeiter in den Ausstand treten werden. Die Spartakisten zersprengt. . Vereinzeltes Geplänkel. — Die Regierungstruppen haben die Oberhand. Berlin, 7. März. (Wolsi-Bur.) Bei den gestrigen Kämpfen um den Alexanderplatz und das Polizeipräsidium wurde» 150 Matrosen festgenommen. Alle Gebäude, die in der Umgebung von Svartaüsten besetzt waren, befinden sich fest in der Handder Regierungstruppen. Die Spartakisten sind zersprengt und teilweise in die Häuser aesiüchtet, aus denen sie Handgranatenfeuer unterhalten, das heute vormittags von verschiedenen Stellen der Stadt vernehmbar war/ Die vergangene Nackt ist wesentlich ruhiger als die auf Donnerstag verlausen. Das schwere^ Geschützfeuer - und , die Detonationen von Minen haben aufgehört. Hin und wieder hört man das'Krachen von Handgranate», Gewehr- und M a s ch i n e n g e w e h»r f e u e r. Im Zeitungsviertel kam es zu einzelnen Zusammenstößen.^ Das Zentrum der Stadt ist im wetten Umkreis von den Regierungstruppen abgesperrt. Auch die Brücken über die Spree sind besetzt. An verschiedenen Stellen der Stadt sind Maschinengewchre auf den Straßen sowie auf den Balkonen und in den Fenstern der Häuser ausgestellt. Mit Maschinengewehren bestücke Panzer- und Lastautvmöbile durchfahren einzelne Teile der Stadt. Man glaubt, daß die Maßnahmen der in genügender Zahl angerückten seldmäßig ausgerüsteten Regierungstruppen geeignet seren, die Ruhe völlig wieder Herzustetten, beziehungsweise zu sichern. Eine verirrte Granate traf gestem das Friedrich Wilhelm-Spital in der Fröbelstraße und richtete am Gebäude Schaden an. Es wurde niemand verletzt. Schießereien in der Nacht. Auflösung der Vollrsmarinedivifion. Berlin, 7. März. Die Nacht ist im allgememm ruhig verlaufen. Die Säuberung der Gegend des Alexanderplatzes von bewaffneten Aufrührerischen wurde im Laufe der Nacht von Regierungstrnppen vollendet. Auf dem Wilhelmsplatz und an ermgen anderen Stellen der Stadt kam es zu kurzen Schieße-, r ei en, deren Ursprung nicht sestgeftellt werden'konnte. 1 Nachdem nunmehr der bewaffnete Aufruhr niedergeworferr ist, gehen die Regierungstruppen an die Durchführung der ihnen für die nächste Zeit zufallenden Aufgabe: den Schutz der' Arbeitswilligen ur den Berliner Industrien zu sichern. Die Volksmarmedivision mrd zwei Depots der republikanischen Soldntenwchv haben sich aufgelöst. ' Rückzug der Spartakiste». Berlin, 7. Mär^. (Korr.-Bur.) Heute MchmiLiagZ' kam es zu unbedeutenden Schießereien beim Charlottenbmger Rathaus, in der Friedrichstraße und mber- Französischen Straße. Gegen 4 Uhr nachmittags war die Gesamtlage etwa folgende: Die Spartakisten^ bestehend auS Angehörigen der Vvlksmarinedrvision devrepublikanischen Soldatenwehr und allerlei lichtscheuem Gesindel, haben sich in die-Gegend der Köpe^^ nickerstraße und der Frankfurterstraße zurückgezogen^! Die Verluste der Spartakusleute sind sehr groß.. Wenn'! auch der letzte Widerstand noch nicht «gänzlich niedere geschlagen ist, dürfte die Krisis, doch überwunden setzr.-j Der Berliner Generalstreik beendet. Berlin, 7. März. Um 7 Uhr abends war der^ Generalstreik tatsächlich beendet. Die Untergrundbahn nahm den Verkehr sofort wieder aus.'. Die Setzer kehrten alsbald an ihre Arbeitsstätten zurück^ Auch der Telephonverkehr für Privatpersonen wurde wieder freigegeben. Ein formeller Abschluß liegt-zur-i zeit nicht vor, weil der endgültige Beschluß des Arbeiter-,' rateö von Groß-Berlin noch nicht veröffentlicht ist. i Immerhin beginnen die Straßen ihr 'gewöhnliches Aus.-^ sehen anZunehmen. , \ - v Berlin, 7. März. Zu schweren Ausschreitüugsirj kam es heute nachmittags vor dem Kaufhaüse Jandorf air der Ecke der Invaliden-- und Veteranenstraße!° Große A n s a m m l u n g e n hielten hier ein Militärauto auf, setzten es mit Handgranaten iw Brand und mißhandelten die Besatzung. Auf gleiche Weise verfuhr die Menge mit einer Droschke, in der drei Soldaten saßen. Die Droschke würde verbrannt und die Soldaten schwer mißhandelt. Ebenso erging es einem Militärauto und seiner Besatzung. Die Regierungstruppen trafen am Orte der Ausschveitungeü, ein und jorgter» für die Säuberung der Straßen.'^ > .

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