Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 48 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Wiener Alorgenzettung ^- >" - Die Inden Ballin an- Rathens» haben vor dem U-Bootkrieg gewarnt. Gemeinderat Dr. Hein: Ich möchte mit einigen Worten auf die Angriffe erwidern, welche Kollege' .Sedla'k gegen unsere Partei erhoben hat. Ich stelle fest, daß unsere Partei in allen Fragen, welche in den letzten Jahren den Gemeinderat beschäftigten.' einen streng demokratischen Standpunkt eingenommen hat, im Gegensatz zu der Deu tschnationa len Partei, welche in den wichtigsten Fragen einem engherzigen urrd uirdemokratischen Standpunkte huldigte. Ich verweise darauf, daß dieDeutschnationale Partei seinerzeit bei der letzten Wahlrefor« diese obstruieren wollte, verweise auf die Politik der Belange, welche das deutsche Volk schwer schädigte, und verweise darauf, daß die alldeutschen Kriegshetzer und Annexionisten uns den allerschwersten Schaden zugefügt haben, während hingegen die Juden Ballin und Ratyen au vor dem Unterseebootkrieg warnten. Auch durch den Antisemitism us wurde das deutsche Volk in Oesterreich schwer geschädigt und in seiner Widerstandskraft außerordentlich geschwächt. Gemeinderat Dr. Hein stellt schließlich folgende Anträge: § 6 Gemeindewahlordnung. Ganz Wien bildet einen Wahlbezirk. Zu § 38 der Gemeinde- Wahlordnung. Zwei oder mehrere in einem Wahlkreise .'ingereichte Wahlvorschläge können miteinander verbunden (gekoppelt) werden. Die Erklärung der Koppelung wird durch die zustellungsbevollmächtigten Vertreter der Parteien schriftlich bis längstens am zehnten Tage vor der Wahl der Stadtwahlbehörde abgegeben und von ihr sofort durch öffentlichen Anschlag und durch die Tagesblätter verlautbart. Zu § 22 Gemeindestatut. Mit freier Liste. Zu § 67 der Gemeindewahlardnung. Jedes Mitglied des Gemeinderates ist der Partei zuzuzahlen, auf deren Liste es bei der Wahl stand, oder welcher es sich nach der Wahl angeschlossen hat. Zwei oder mehrere Parteien des Gemeinderates tonnen ihre Vorschläge für die Wahl in den Stadtrat miteinander verbinden (koppeln). Die Sicherung der Partcidiktatur. Gemeinderat Schreier betont, daß eZ wohl möglich gewesen wäre, bei einem Entgegenkommen von f-etten der Sozialdemokraten Wie nach den Kreisen ocr Wahlen in die Nationalversammlung einzuteilen, wenn man schon nicht'einen einzigen Wahlkreis haben will. Die gebundene Liste nennt er die Sicherung der Parteidiktätur und tritt für die Koppelung der Listen ein. Schließlich stellt er den Antrag die Sitzung zu unterbrechen, damit' über, die gestellten Kompensationsanträge vor der Abstimmung beraten und entschieden werden könne. Die jüdische Nation. Gemeinderat Hödl verwahrt sich dagegen, daß man die Deuischnationalen Kriegshetzer nenne. Keiner oon ihnen habe den Krieg gewünscht, als er aber da war, mußte Jeder Deutsche seinem Volke deu Sieg wünschen. Wenn in . diesem Saale das Wort ,Hude" rallr, werde man gleich als reaktionär verschrien. Die Juden seien eine Nation für sich, der Jude ist stolz auf seine Nation und hat auch ein Recht dazu. In dein ganzen Volk lebt eine ungewohnte Zähigkeit und Ausdauer. Wäre sie nicht vorhanden, so hätte das jüdische Bol? nicht Jahrtausende überdauert. Wir verwahren uns dagegen, als reaktionär zu gelten, wenn wir sagen, die jüdische Nation sei-eine Nation für sich. Wir wollen nur eine reinliche Scheidung. Frau Müller gegen den Chauvinismus. Frau Gemeinderat Anitta Müller verwahrt sich dagegen, daß das Bewußtsein der Nationalität mit dem deutschen Chauvinismusin eiine Wagschale geworfen werde. Die Juden haben keine Ursache, geduldet zu sein, sie haben auch kein Interesse, bau deutschen Charakter Wiens zu interpretieren. Sie wollen nur ihren Eigenwert zur Geltung bringen. Gemeinderat Moißl bedauert die niedrige antiseininsche Hetze im Saale und betont, er müsse auf hem Standpunkt stehen, daß die Juden vollständig gleichberechtigt anerkannt werden müssen, die ihre Pflicht gegenüber dem Deutschtum genau so erfüllt haben, wie alle anderen. hierauf wird nach einem ^.ch'ußwort der Referenten ,ur Abstimmung geschritten. Die Anträge des Ausschusses werden mit dem Zusatzantrag des Gemeinderates Sedlak angenommen. Letzte Nachrichten. ftein Abbruch der Waffenstillstandsberatungeu in Spaa. Berlin, 6. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Nicht die aroyc W a f f e n st i l l ft a n d S k o m rni ibr o n hat ihre Beratungen abgebrochen. Es tacken von den drMlnterabteÜungen noch zwei, wohl aber haben die UnteMmmissione» für Lebens Mittelversorgung, FW a u z- » nd Schiffahrtwesen ihre Tätigkeit eingestellt. Rach dm Erkundigungen an leitenden Regierungsstellen kann mitgeteilt werden, daß dieser vorläufige Ausgang der Verhandlungen in Weimar nicht überrascht hat. Nach den Instruktionen, die der deutschen WaffenstMandstommission gegeben waren, konnte die emgetretene Wendung erwartet werden.' Die Regienmg ist der Ansicht. daß die Grenze erreicht ist, bis zu der das deutsche Entgegenkommen gehen kann. ES wird letzt <3 a cf) c b c r Cs n t c u t e sein. dieKousequenzen >'. u Z iclit u. Die deutsche Regierung sieht dem Entschluß der Gntenteregierungen mit Ruhe entgegen. Sie findet, daß bte gegenwattigen Ereignis'c in Berlin d-un Gegner als heilsame Lehre Berlin im Dunkeln. Berlin, 6. März. Der Geueralansftand hat sich auf die Elektrizitätswerke ausgedehnt. Seit 7 Ahr abends ist Berlin ohne elektrisches Licht. Die Rückkehr unserer Kriegsgefangenen. Budapest, 6. März. (Ung. Tel.-Äorr.-Bur.) In den Monaten Dezember, Jänner rmd Februar find etwa 70.000 ungarische und österreichische Kriegsgefangene über die Grenzstationen des ungarischen Noten Kreuzes aus Rußland z u r ü ck g e k e h r t. > Dre Zahl der Ungarn beläuft sich auf ungefähr 40.000; 15.000 entfallen auf üngarländische Nationalitäten und Bosniaken, 18.000 auf D e u t s ch oster r e i cher und Tscheche n. Da von der ukrainischen Grenze bis r nach Miskolcz von einer tschechischen, deutschösterreichischen oder rumänischen Fürsorge keine Rede ist, werden sämtliche Kriegsgefangenen von den ungarischen Behörden und vom ungarischen Roten Kceilz ohne Unterschied der Nationalität mit gleicher Fürsorge ausgenommen. Falls nun die T s ch e ch e n weiterhin die Bereitstellung von Kohle für die Kriegsgefangenenziige sowie für die Spitäler und DcsmfeftionZoMalten verweigern sollten, würden die ungarischen BchördeiMtzwungen sein, die Uebernahine tschechischer Kriegsgefangener Mulehnen. Die deutschösterreichische Frage. Rom, 6. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In den politischen Kreisen Roms macht sich eine überaus starke G ereiztheit über die französische Presse wegen deren Haltung in der südslawischen und d e u t s ch ö st e r r e i ch i s ch e n Frage bemerkbar. Man beginnt einzusehen, daß die Politik der französischen Schriftsteller auf nichts anderes hiuausläuft, als auf eine reine BormundschaftFrankreichsüber Europa. Die Prager Spionageaffäre. Ein »unliebsamer Irrtum". Prag, 6. März. Das heutige Amtsblatt meldet zur Anhaltung des denlschösterreichischen Äonsularossizials W o r c l, der angeblich Wettpapiere aus Wien nach Prag schmuggeln wollte. Wie die fünfte Abteilung der Militärpolizei mitteilt, handelt es sich um einen unliebsamen Irrtum., (Die ganze, über Gebühr aufgebauichte Affäre, die aus einer journalistischen Diskretion entstanden war, ist nichts anderes als ein solcher „unliebsamer Jntnm". Die Nervosität der Prager Regierung, die sich nicht mehr so sicher fühlt, wird solche Affären noch m Menge erzeugen. — Die Red.) Der Donau-Theitz-Kanas. Budapest, 6. März. (llng. Tel.-Korr.-°Bur.) Im ungarischen Ingenieur- und Archttektenverein fand in Angelegenheit des Donau?. Th e iß- Kanals eine Konferenz statt, an der dre Minister Buza und Szende teilnahmem Der Ausbau dieses Kanals wurde für unumgänglich notwendig erklärt und es wurde beschloffm, die Vorarbeiten sofort m Angriff zu nehmen. Zu diesem Zweck wird eine aus Regierungsorganen und den Vertretern der Interessenten bestehende Kommission entsendet, die mit den Dauarbeiten unverzüglich beginnen wird. Der Ackerbaummister wird diese Kommission und die Bauleitung am Samstag ernennen, die dann mit den Jngenieurarbeiten und der Trassierung sofort beginnen wird. Die Bauarbeüeu selbst werden im Laust des Sommers beginnen. Frankreich will in Rußland einschreiten. Genf» 6. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Nach einer Meldung des „Temps" trifft die französische Regierung in aller Sülle Vorbereitungen zur Bildung emes Expeditionskorps, das in Rußland mtervemere» soll. Die Ernährung. Der Marktbericht. Das Bild der Märkte war beute dadurch etwas lebhafter, daß nach viel zehntägiger Pause wieder Fleisch zur Ausgabe gelangte. Obwohl gleichzeitig mit der Ankündigung des dieswöchigen Fleischveikaukes bekannt gegeben wurde, daß erst für Samstag entsprechende Wien gm Rindfleisch für den Verkauf brreitgestellt werden können, waren außerordentlich viele Verbraucher bemüht, bereits heute ihr Bezugsrecht ausmüben. Ueber Vorräte verfügten beute nur, jene Fleischhauer, welche Fleisch zugewiesen erhielten, während jene Fleischkauer, die Lebendvieh zur Schlachtung erhalten, eist Som'tag mit dem Verlaufe beginnen werden. Für den Verkauf am Samstag und Sonntag werden aber jedenfalls genügende Mengen ausgegeben werden, so daß alle Verbraucher dre bescheidene Quote von 10 Dekagramm bestimmterhalten. In der Großmarkthalle gab es nur ein verhältnismäßig kleines Quantum Rindfleisch, das bald nach Beginn des Verkaufes zur Neige ging. Da c* außer Rindfleisch nur eine sehr bescheidene Menge Würste gab, die auch rasch vergriffen war, wurde die Großmarkthalle bereits gegen 1V Uhr vormittags gesperrt. , Auf den F l s ch m a r k t e n gab es rmr geräucherte Seefische. Die Vorräte waren zur Deckung des starken Bedarfes viel zu klein. Geflügel kommt nahezu nicht mehr auf die Märkte. Selbst die teuren Poulards sind mcht mehr zu sehen. Die Grünwarenmärkte erhielten auch heute keine Zufuhren anS Böhmen. Da wir aber von dort schon seit Wochen nichts anderes als Rüben erhielten, macht sich der Ausfall dieser Zufuhren nicht besonders fühlbar. Bloß die böhmischen Riesenkohlrüoeir, die unter den verschiedenen Rübenarten noch am beliebtesten waren, fehlen gänzlich: Die Zufuhren von den Gärtnermärkten find nur; aus dem Nasch markte etwas günstiger. Alle übrigen 'Märkte erhalten an Gärtnerprodukten kaum nennenswerte Mengen. Aber auch unter den Gärtnerzufuhren des Naschmarktes befanden fick nur sehr geringe Mengen Kohl und Spinat. Das Obstangebot besteht auf den Märkten nur aus Krachmandeln und Karoben (Bockshörndsi, welch letztere aber auf den Märkten weil billiger als in den Bezirksladen sind. Während der Marktpreis K 19.— für das Kilogramm beträgt, werden in den Stadtgeschästen Preise bis zu K 27.— für das Kilogramm gefordert. Auf . dm Abgabestellm der Märkte winde heute an die Mindestbemittelten Reis abgegeben. Dre allgemeine Speckabgabe wurde heute, fortgesetzt. Die Qualität drS auSgegebenm SahspeckS ist gut, zumindest rft der Speck wett bester als jener, der fernerzeit aus den Vorräten der Gemeinde Wien auSgegeben wurde. Die Ausgabe von 6 Dekagramm Speck bedeutet zwar keine Besserung unserer Fettversorgung, denn man wird aus 0 Dekagramm Salzspeck schwerlich mehr als 4 Dekagramm Fett erhalten, doch wird das ans dem Salzspcck gervonnene Fett entschieden der miuderwertMN, wasserhaltigen Margarine vvM- . ' . 7. März 1919 bAtftnrm.; Nr. 4S Kartoffelabgabe. Samstag, Montag rmd Dienstag werden Kartoffeln im XV!. und XVII. Bezieh und zwar ein halbes Kilogramm für dm Kops gegen Abtrmnung der Abschnitt« A bls D der neuen Kattoffelkarte abgegeben. Die Freigabe des Oedenburger Marktes. Die Budapestev Mitteilung, daß der Oedenburger Markt wieder für den!, Einkauf nach Deutschösterreich freigegeben würde, ist vielfach' mißverstanden worden. Der Vieheinkauf ist weiterhin, nun gegen Transportschein innerhalb des bisher festgesetzten Kon-> tingents gegen Kompensationen und die bestehenden Ber-« Pflichtungen — billigere perzentuelle Belieferung von Budapest und Oedenburg — gestattet. Es wird daher tvieder 'das! bescheidene Quantum, das wir mit Unterbrechung der letztem 14 Tage, innerhalb welcher weder Rindvieh noch SchaÄ aus Ungarn eingeführt werden konnten, erhalte». . 3 Bevorstehende Viehpreiserhöhungeu. X Da in der letzten Zeit dis Diehlieferrmge» Niederösterreich weit hinter dem vorgeschriebenen Ko»-! tingent zurückgeblieben sind, wird das ErnährungSamH in den nächsten Tagen wahrscheinlich zu einer Vr-j Höhung der Viehpreise für Vieh mederösterreichischey, Herkunft schreiten. Die Preise, di« bisher für Lebenddieh Niederösterreichischer Herkunft je nach der Qualität A. 2.40, bis K. 4.— für das Kilogramm Lebendvieh betragen haben, sollen eine ausgiebige Erhöhung erfahren, da sich die Produzenten immer auf jene Preise berufen, die für. ungarisches Vieh, das nur etwas besserer Qualität ist, bezahlt werden müssen. Die neuen Preise für niederösterreichisches, Vieh sollen sich zwischen K. 4.— und K. 10.— per Kilogramm bewegen. Diese Preiserhöhungen werden natürlich zur Folge haben, daß auch die Öberösterreichischen und steirische»! Produzenten, die erst kürzlich zugesagt haben, ein Zehntel' ihres schlachtreifen Viehs nach Wien zu senden, mit Forderungüt nach höheren Preisen herantreten werden. Eine einschneidende Preiserhöhung der bisher geltenden; Fleichspreise wird dann wohl unvermeidlich sein, da sich dann daS Fleisch von Rindern niederösterreichischer Herkunft mit Berücksichtigung der schlechten Fleischausbeute auf 18 bis! 22 Kronen, in manchen Fällen auch auf 20 bis 25 Kronen! stellen würde. Das Fleisch der ungarischen Ochsen stellt sich' bei einem Einkaufspreis von 12 bis 15 Kronen für das §kilogramm Lebendvieh auf ungefähr 30. Kronen für das! Kilogramm. Da das Staatsamt für Finanzen schon bisher, bemüht war, die Lasten, die durch den Verkauf des Einheitsrindfleisches entstehen, zu vermindern, wird es unbedingt! die neue Belastung durch die Viehpreiserhöhung auf die Verbraucher überwälzen. Der Vorschlag der Wiener Fkeischhanergenossenschast, der dahin gegangen ist, jedem Produzenten, der ein Stück Vieh zu den bisherigen Preise» an die amtliche Uebernahmsstelle liefert, auch den freihändigen Verkauf an einen' hierzu legitimierten Einkäufer zu gestatten, wurde anscheinend nicht beachtet. In Fachkreisen hat man sich auch von dieser Neuerung eine Hebung der niederösterreichischen Viehlieferung versprochen und es wäre hierdurch auch eine allgemeine Verteurung hinangehalten worden. * Bühne und Kunst. Burgtheater. („11 uterwegs* von Thaddäus R i t t n e r.) Die Uebersiedlung aus dem deutscher Volkscheater ins Burgtheater hat diesem Drama nicht gut bekommen. Die Besetzung war nicht glücklich, die Regie versagte und das Publikum-- das ist aber ein Kapitel für sich, welches geiondett zu erörtern fein wird. Der Held dieser Don Juan- Dichtung. der Baron, genießt seine letzten Freuden. Das bräutliche Fraulein von Felsenburg hat er verführt und erlebt nach dem Seligkelten einer Sommernacht einen schalen, unsäglich öden Morgen, wie jedes Mal, wenn er eine Frau genoffen hat. Denn .er bringt immer das schönste an den Weibern um, gerade das, wonach er dürstet", und so ist in seinen Annen aus dem stoüm herben Burgfräulein, das ihn töten wollte, eine demütige Geliebte geworden. Sie ist abgetan. Da ist nun -aber einer in seiner Rühe, sein Sekretär, der ihn immer wieder nach verrauchten LiebeSrxtase« über dm Katzenjammer hinweghilft, der „ihn aufrichtet, wenn ihn der starke Wein der Liebe bis zur tiefstm Traungkeit berauscht hat." Sein „Leporello" weist auch diesmal den tief verehrtm Mann, der, wie ihn der Dichter so hübsch sagen läßt, „einen zu feinen Geschmack hat, um ihn nicht sott zu wechseln/ über die Depression hinwegzubringm und für das nächste Abenteuer zu präparieren. Die Nächste, das ist aber des Sekretärs eigene Frau. Doch nach dieser Nacht im Ehebett des Freundes widerfährt dem Baron, was ihm noch niemals geschah: Ec kann sich seinem Sekretär, seinem „besten Zuhörer" nicht mitteilen. „Gegen de» kalten Schauer, der mich von Zett zu Zeit mitten im heiteren Leben befällt, hat mir bis jetzt ttntt geholfen, den ich nun schmerzlich vermlffe." Er kommt darüber nicht hinweg, sagt eS fernem grausam gequältm Leporello immer deutlicher, bis der Sekretär auffchreit und den Baron tötet. Herr Walde» als Baron war in vtelen Szenm vokrtrefflich, leistete sich aber emige Male Geschmacklofigkeitm, wie fie ihm aus der Variet^zeit hasten blleben. Auch die anderen Darsteller mit Ausnahme der Frau Wohlgemut waren , nicht am Platz. Einiges über die Burgtheaterregie:. Im zweiten Akt wird, in einem entscheidenden Augenblick, da das Morgengrauen allmählich in das Tageslicht übergehen soll, die Sonne plötzlich „aufgedrebt" Md ist lange da, bevor die Akteure ihr Erscheinen feierlich bv grüßen. Dre Gattin des Sekretärs will der Dichter nnt glatt gescheitelten Haaren haben Md in steifes Linnen ge«° kleidet. Sie soll eine „auch äußerlich schwer zu eroberilde Festung" sein. Frau Albach-Retti erscheint in, iü\n ondulierten Phantasiefrisur und in einem Kleide, wie du Mädchen der Hautefinance bei-der Badener Kurmusik. Die Airfnähme war geteilt. Eine Opposition machte sich geltend, dir scheinbar dem Stoffe des Dramas galt. Lächerliche und unwurbißr Gsckaftelhuberei! Dichtung? nvon Physiognomie, ernste, vollwertig^ Schöpfungen wie Rittners Drama „unterwegs sind immer „zeitgemäß". Für den kranken Dichter — er hat wirklich maitZ versälunt, da er dieser Aüffühmng nicht beiwohnen konnte — dankte der diensttuende Spielleiter. 0. A. Schöne jüdische Geschenkbücher für die Jugend gibt es leider nicht viele. Di? beachtenswertesten Erscheinungeu auf diesem Gebiete sind rJrtna Singer: Das verschloffen« Buch. Jüdische Märchen. Mtt Nachwort von Max Brod und vier Textbilderir von Agathe Löwe. (Soeben erschienen.) Gek K 7.70. — Sammlung preisgekrönter M K r« chen und Sagen. Heransgegeben von der Iugeudschriften« kommisston des M. O. Bttei Br,ß. Illustriert. Geb. K 13.20. — Sippurin: Ghettosagen, jüdische Mythen' Md Legendem Geb. (465 S.) K 11.— — B. Gottschalk: Agadä- Sammlung. Für die Jtigend ausgewählt. Band.1: Bon de, Schöpiuna bis Josef. Geb. K 6.28. Band H: Von Mose hl Samuel. Geb. k 6.60. — R. Hirschfeld: Saronsrosen. Erzählungen Md Gedichte für dre reifere jüdische Jugend. Geb. X 9,90, I. Herzberg: Hermon. Sagen und Legenden, Fabelst und Parabeln auS den rabbimschrn Stbrnlen. 2 Teile. Geb. & X3.96. — H e r z b e r y Sulamit: Jndnchc Dichtunge» anS alter und neuer Zeit. 2 Teile. Geb. ü \i u/j«. Zn beziehen in der Buchhandlung R. L ö w i t, W i e », l.,R o t e iu tnrrnstr a ß e 22. '" '