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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-07 · Heft 48 (7.3.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48 (7.3.1919)
Date
1919-03-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Wien, Freitag Wiener'Morgenzeitung 7. März 1919 , Seite 5 ... - - 0--n-T- I UT TfllÜnuWr <TiF Y ■ n “ * — - MH-Iigli M. X .1—- >>———— . ------ - -nmm .■ ■■ . . > . n , I Versteigerung am Nordbahnhof. Die Nordbahndirektion .teilt mit, daß am Montag den 10. März um halb 9 Uhr vormittags im Wiener Nordbahnhofe, Magazin IV, Boden, die Verstngenmg von diversen, einer staatkichen Bewirtschaftmrg nicht wterüegenden Bedarfsartikeln stattfindet. . i . * Razzia im Cafö National. Es wurde die Wahrnehmung gemacht, daß seit' der Schließung des Cast International iü der Taborstraße der Schleichhandel in anderen Kaffee- ,i Häusern der 'Taborstraße betriebeL. wird, Es wurden deshalb gestern Streifungen, namentlich in' den kleine r enKaffee- 'Haus ern, vorgenommen. Schließlich erschien die behördliche Kommision auch im C a f 6 Natio u a l, dessen Ausgänge durch SicherheitZwache und Stadtschutzleute besetzt wurden. Die - Untersuchung des Lokales und die Perlustriernng der Gäste dauerte "mehrere Stunden. Es. wurden im Lokale /Leb e n s m i t t e.l, Bedarfsgegenstände : und Warenmuster beschlagnahmt. Die-Amtshandlung nn Lokale mid - die Absperrung der Zugänge auf der Straße hatte große Ansammlungen zur Folge, so. daß der Straßenbahnverkehr stockte, «ulch für Fußgänger 'war das Passieren unmöglich. Ein starkes Wacheaufgebot mußte die Straße säubern. Mehr als 60 Personen wurden entweder wegen B e r d a ch t e s des Schleichhandels oder weil sie sich nicht genügend ausweisen konnten, angehalten. Wegen der auf der Straße angesammelten Menschenmenge, wurden die Angehaltenen tnchpweise m Poüzeimanrischafts- Automobilen in das Krregswucheramt abtransportiert. * Eine Mahnung «t die Telephonabonnente«. Amtlich wird bekanntgegeben: Nach der Fernsprechgebührenordnung dürfen Teilnehmerstellen mit Einzelanschluß zu durchschnittlich höchstens 40 eigenen Rufen im Tag benützt werden. Die dermälige Ueberlastung der Fernsprechanlagen macht es gerade setzt besonders notwendig, auf Einhaltung der Rnfgrenze zu achten. Die. Rufe werden durch Zählungen, festgestellt, mit denen denmächst begonnen wird. Ergeben die Zählungen bei erster Stelle wiederholte Ivesentliche Ueberschreitungen der erwähnten Rufgrenze, so wird der Betrieb der Stelle gemäß § 36 lc Fernsprechordnung eingestellt oder die Stelle aufgelassen/ In besonders argen Fällen kann die: Ausschaltung sofort erfolgen, ohne baß sie dem Teilnehmer vorerst angedroht würde. Es liegt somit im eigenen Interesse der Teilnehmer, ihren Sprechverkehr entsprechend einzuschränken und insbesondere die Zahl der Rufe nicht zum Beispiel durch sofortigen Wiederaufruf einer besetzten Stelle zwecklos zu vermehren. * Eine Zentralstelle für Bolksbildungsweftn. Das Staatsamt für Unterricht hat die Errichtung einer staatlichen Zentralstelle für das Volksbildungswesen in Angriff genommen. Die maßgebenden Persönlichkeiten und Korporationen, welche sich auf dem Gebiete der freien Volksbildung betätigen, werden hierdurch die Gelegenheit hqben, sich die Mitwirkung des Staates in einer die frctc Tätigkeit fördernden iForm zu sichern. ” Eintritt von Gagisten^ in die tschecho-slowakische Armee. Der von der tschecho-slowakischen Regierung für den Eintritt von Gagisten in die tschecho-slowakische Ariyee iür den IO. März 1919 festgesetzte Endtermin wurde über Intervention der deuffchösterreichlschen Negierung auf den 24. März verschoben. Wenn die Anmeldung bis zu diesem Ternnne nicht erfolgt, verlieren gewesene Gagisten der österreichischen Armee, auch wenn sie im tschecho-slowanschen Staat zuständig sind, den Anspruch auf die Ausnahme in die tschecho-slowakische Armee als Gagisten, unterliegen aber selbstverständlich der Wehrpflicht nach )en Bestimmungen des künftigen Wehrgesetzes. Drucksortenmuster iür die Anmeldung sind bei allen Garnisonskommanden und in )er Buchdruckerei A. Reis, Visehrad, erhältlich. * Monstrevpesammlrmg der Pretzburger in Budapest. Die aus Preßburg geflüchteten Ungarn veranstalteten -am 6/d/M. in Bud ap est eine Versammlung, wobei der Beschluß-gefaßt wurde, eine Aktion zwecks Erhaltung einer Verbindung mit der Heimatstadt einzuleiten und die Hoffnung ausgesprochen wurde, daß durch einen Machffprnch (?) die Zugehörigkeit Preßblwgs zu Ungarn bewirkt wird. * Gründung eines Verbandes jüdischer Kriegsteilnehmer. Der Exekutivausschuß der jiidischen Sold'atenfürjorge erläßt einen dlufrüf an alle jüdischen Kriegsteilnehmer mid Kriegsbeschädigten, in dem die dringende Notwendigkeit der Selbsthilfe durch Schaffung einer Organisation dargelegt und für den Beitritt zu einem zu gründenden Verband geworben wird. Die Gründungsversammlung findet Montag, den 10.' d. M., um 8, Uhr abends im Souterrain des Cast „Industriellen", i., Konfordiaplatz 4, statt. .-^.Aushebung einer Spielhölle. Die Polizei überraschte gestern, wie uns aus Budapest gedrahtet wird, im Josefsttub :me Kartenpartie, deren Teilnehmer beim Erscheinen der Polizei;u entkymmen bemüht waren, In der beschlagnahmten Bank fand man-12.000-Kronen. Gegen■ jbte Klnbleiinng und die Teilnehmer wurde das' Strafverfahren eingeleitet. Lenttal-Kino. Diese Lichffpielbühne bringt auch diesiml ein Doppelprograrmm Außer der Aktualität: „Die in' i e d e n s. v e r h ä n d l u. n gen m i t Pr äs ident Wils o n" gelangt.das Kriminalorama „In d er M i n ut e ) 13‘ T o d e s" mit seinen dramatischen Steigerungen zur Aufiührnng/Äs zweites Drama wird das Publikum emen berühmten -llomän vonM (t ttruS Jokai kennen lernen. Nach dem Sujet-von „D i e armen Neichen" würde das Detektiv- >rama „F r ä n l e i n 8 i d d y" anaefertigt, in denr die b'e- ^ühnttestcn ungarischen Schauspieler dEieren. Beginn 3 Uhr aachmittags. ch * Ferdinands-Kino. Im Vordergrund des diesmaligen Doppelprogramms steht der große Kriminalfilm: „Die Liebe des Ban Royk." Berndt Aldor, der beliebte Kinoschauspieler, gibt die Hauptrolle in -diesem phantastischen Drama. Als zweites Drama gelangt „Rennsieber" zur Aufführung. Ein Film, der das Publikum bis zur letzten Szene in atemloser Spannung hält. Anfang 3 Uhr nachmittags. Vorträge und Versammlungen. ‘ DaS P alästrnaa m t Wien, veraiiftaltet ällwvchciülich Diskussionsabende zur Klärung , der wichtigsten.aktuellen Probleme der Kolonisation Palästinas. Der erste? Diskussionsabend. findet Samstag den 8. März, .6 Uhr abends, tm Festsaale des Nrederdfterreichffchcn Gewerbevereiltes, l., Eschenbachgaffc 11, statt. Den rmleiteisten Vortrag über die Ms bevorstehenden „Aufgaben zum Aufbau Palästinas" wird Dr. ErM S t e i n, Leiter des Palästmaamtes, halten. Die jüdisch-akademische Ferjalverbindung Öatikwah inLnndcnburg fordett sämtliche mährisch-schlesischen Ferialverbindnngen auf, Vertreter zu der am Sonntag den 9. Mürz, b Uhr vornnttagS, im Cast „Jägerhof" stattfindendcn Besprechung zuentsenden.Tagesordnung:Neuorgänisal!ondetFenalverbindungen. — Montag den 10 März, 6 Uhr'abends, findet um Souterrain^ lv!alr."'LeS'. Caf^ Jndüstnellm, 1, Koryordiaplatz 4, die konscknittendd. Generglversämmlnng' des ' Verbandes? „I ü d r s ch e K r i e g s i o i l u c h in c r lt 11 d K r i e g b h e ich ädiat e" statt. Die jüdischen Kriegsteilnehmer werden höstichs. eingelnden. Kommmmles. Wiener Gemeinderat. Die gestrige Gemeinderatssitzung hatte zur Abwechslung wieder einmal eine Iudendebatte, die von den Deutschnationalen S e d l a L und H ö d l inszeniert war, obwohl nur die Wahlreformvorlage auf der Tagesordnung stand. Sie haben als Deutschradikale unsere Bewegung begrüßt und uns ihre Sympathien ausgesprochen. Aber „Du gleichst dem Geist, den Du begreifst, nicht mir!" Unser Nationalismus, der keine Unterdrückung Fremder kennt, gleicht nicht dem ihren. Wir wollen nicht, wie Frau Müller so trefflich sagte, den Chauvinismus, der letzten Endes zum Krieg und zum Haß führt, pflegen, sondern der Menschlichkeit dienen. « Kondensmilch für arme Wiener Kinder. Der Bi!Hg.er meisten macht folgende Mitteilung: Ueber M^sprache des Gemeinderates Dr. von S ch war z-H iller. haben sich Mr. und Mrs. S to neborough, geb. Wittgenstein, derzeit in Bern, entschlossen, der Gemeinde Wien unentgeltlich fünf Waggon s Kondensmilch für arme Wiener Kinder zur Verfügung zu stellen. Mr. Hoover, der um die Ausfuhrbewilligung ersucht wurde, hat diesem Ansuchen sofort entsprochen. Die fünf Waggons Kondensmilch, welche einen Ankaufswert von 125.000 Franken repräsentieren, sind bereits in Wien eingelangt und wurde im Einvernehmen mit dem Bevollmächtigten der Spender, Herrn Paul Wittgenstein in Wien die Abgabe der Milch bereits veranlaßt. Die Abberuftmg der Wiener Vertreter in der Rettungsgefellschaft. Die Gemeinderäte Dr. Grün und D'r. Lvewenstein erklären, daß, sie vom Bürgermeister in das Aktionskomitee der Eettungsgesellschaft delegiert wurden, wgeogen über Veranlassung d>»s Chefarztes Dr. Charras Einspruch erhoben wurde. Die Frage der Rückberufung soll vom Bürgermeister aber endgültig nach AufMrungen von fachmännischer Seite abgelehnt worden sein. Trotzdem wurden Dr. Grün und Dr. Loewenstein von den Sitzungen des Aktionskomitees ferngehalten, nur deswegen, weil sie es tvagten, vor acht Jahren die Wünsche der Aerzte, Beamten und Diener in entschiedener Weise gegen einen Chefarzt zu vertreten, der sich selbst trotz geringster Arbeit die größten Bezüge bei den von ihm beherrschten Komitee gesichert hat, während die rastlos und angestrengt arbeitenden Aerzte, Beamten und Diener in unwürdiger Weise bezahlt und behandelt werden. Die Genannten fragen daher, ob der Bürgermeister gewillt istdie Gesellschaft und ihre Aktionskomiteemitglieder darauf aufmerksam zu machen, daß sich die Stadt Zßien nicht auf diese WLise . behandeln läßt, wie die Aerzte, Beamten und Diener seit Jahren behandelt werden, ob der Bürgermeister geneigt ist, bei unserer Nichteinberufung auch den dritten Delegierten Viz e-bür germeister Hoß abzuberufen und jeden offiziellen B erkehr mit der Gesellschaft abzubrechen und ob die Frage der Konnnunalisierung der Gesellschaft nach Berliner Muster nicht in Erwägung zu ziehen wäre. Bürgermeister Dr. Weiskirchner: Die Herren Dr. Loewenstein und Dr. Grün wurden von mir auf Grund der Vorschläge ihrer Parteien der Rettungsgesellschaft als Delegierte der Gemeinde Wien bekanntgegeben. Es wird meine Sache sein, die Gesellschaft mit allem Nachdrucke aufmerksam zu machen, daß sich an die Delegierung, die der Gemeinderat auf Grund der Parteibeschlüsse verfügt hat, gebunden ist. Ich werde den Standpunkt der Gemeinde ge genüber der G e sells chaft mit allem Nachdrucke geltend machen. Im übrigen glaube ich, es ist jetzt Zeit, daß die Rettungsgesellschaft kommunalisiert wird. (Lebhafte Zustimmung.)Ich bin immer dankbar, wenn durch Privatinitiative Wohlsah riseinrichtungen geschaffen werden, aber die dauernde Erhaltung kann nur durch die Oeffentlichkeit erfolgen. (Zustimmung.) Ich bin der Meinung, daß die Sache auch ans der anderen Seite, vollen Widerhall finden wird. Ein Jmpfzwangsgesch. Gemeinderat Dr. Grün weist auf die in letzter Zeit vorgekommenen Blatternfälle hin und beklagt es, daß es in städtischen Betrieben Wohnungen gibt, deren Bewohner überhaupt noch nicht geimpft sind. Er ftagt ob dem Bürgermeister bekannt ist, daß Schulen und städtische Betriebe gegen Blattern unter allen Mnstmckeir geschützt sein müssen, ob er geneigt ist, diesbezügliche Verordnungen zu erlassen und dem' Gemeinderate eine Eingabe vorzulegen, in welcher das Volksgesundheitsamt, beziehungsweise , der Nationalrat zur sofortigen Beschlußfassung eines Jmpfzwanggesetzes aufgefordert wird. Bürgermeister Dr. Weiskirchner: Bereits während des Krieges bin ich mit meinen Kollegen aus der Obmännerkonferenz im Jahre 1915 zum damaligen Minister des Innern gegangen und habe die Forderung nach Erlassung eines Impfzwanges ausgestellt. Dies ist erfolglos geblieben. Der Magistrat hat sich im Jahre 1910 nenerding mit ein?r Zuschrift an das Min/ sler'.nm d.'? Finn-rn i.Oiivn'ci'.;, daß endlich rin Jinps.' geirtz wird. Auch diese IU'.ian bii.'b crfolglo-.-. Ich werde die Angelegenheit dem Stadtrat zur B» ratung stellen, vielleicht gelingt es, solange wir noch ein Staatsamt für Volksgesundheit haben, einen Impf« zwang zu erhalten. ■’ Ernennung der Kandidaten durch die Partei. Gemeinderat Dr. v. Schwarz-Hiller betont daß das Proportional-Wahlrecht eine gute, aber auch eine schlechte Seite hat. Die schlechte Seite, das Verhält, njs'wahlrecht mit starren Listen, stellt sich nicht als eim Wahl dar, sondern als eine Crnennung der Kan« dckdaten durch die Partei. Es ist ein Unrecht, daß man Wien in 21 Wahlbezirke zerlegt hat. Es ist dagegen eiugewendet worden, daß diese Einrichtung undemokratisch wäre, weit dadurch eine -große Zersplitte» rung eintreten könnte und dadurch der Entwicklung der großen Parteien Abbruch getan würde. Ich werde daher einen Minoritütsantrag anmelden, daß an Stelle der bezirksweisen Wahl die Wahlen so vorgenommen werden, daß ganz Wien als ein Wahlkreis anzusehen ist Gegenüber dem deutschnationalen Redner bemerke ich,. daß die Judenfrage mit einer freiheitlichen Wahlreform nichts zu tun hat, überdies in einer wirtschaftlichen Körperschaft. Die Wahlreform-Debatte. Gemeinderat Dr. Kienböck berichtet über dis Gemeindewahlreform und die Aenderung desi Gemeindestatuts. Er betont, daß die Wahlreform mit einem Worte durch die Demokratisierung gekennzeichnet sei und daß es sich hierbei um die Gleichstellung des. Wahlrechtes und um die Abänderung einzelner Be- - stimmungen der Gemeindeverfassung selbst handle. Hervorzuheben sei, daß man einerseits vor der Erileuerung des W a h l r e ch t e s f ü r die Gemeinde und die Bezirksvertretungen, andererseits auch für die- Landesversammlung stehe. Schon deshalb, weil diese Wahlen an einenr Tage erfolgen sollen, liegt esi nahe, dafür einheitliche Gesichtspunkte maßgebend sein zu lassen. Das erste Erfordernis zur Ausübung des Wahlrechtes ist die Bedingung des ordentlichen Wohnsitzes in der Gemeinde Wien. Für die L)mmendeit Wahlen ist der 4. Jänner als maßgebender Tag deS> Aufenthaltes anzusehen. Hiermit wird aber diese Frage für alle Zukunft legislativ nicht bereinigt sein. - . Der Referent begründet dann eingehend, warum nur die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft und nicht auch die Heimatsberechtigung in einer deutschösterreichischen Gemeinde bestimmt wurde. Durch eine besondere Bestimmung ist aber den Angehörigen des Deutschen Reiches ebenfalls das Gern eindew ahlrecht gesichert, allerdings wird die G e g e n!se i ti g ke i.t verlangt, die sicher zu erwarten ist. Schließlich' bespricht der Referent einzelne Be- '' stimmungen der neuen Wahlordnung und ersucht, den Anträgen zuzustimmen. Hierauf erläutert der zweite Berichterstatter die restlichen Bestilumungen. der .Vorlage, ' dann wird in die Debatte eingegangerl. Der Standpunkt der DcAtschmrtionaleu. Gemeinderat Sedlak: Es war mir beschiedeu, dem Wahlreformausschuß anzugehöreu und hatte ich des öfteren Gelegenheit, den Standpunkt der Deutschnationalen zur Geltung zu bringen. Leider war es mir nicht beschieden, auch nur mit einem einzigen Antrag durchzudringen. Mein erster Antrag betrifft den § 1 und wünsche ich' die Seßhaftigkeit zumindest mit einem Jahr vom Tage der Wahlverlautbarung vorgeschrieben und außerdem die Heimatsberechtigung in einer Gemeinde Dentschösterreichs. Wenn wir den Tschechen hier das gleiche Wahlrecht einräumen, müssen wir. abwarten, was die Prager machen. Bei den Wahlen in die Nationalversammlung hat die Seßhaftigkeit keine Nolle gespielt. Der Wähler ist deutscher Staatsbürger und soll seinen Stimmzettel in seinem'Wohnsitz abgeben.' Doch bei den Wahlen in Wien soll nur jeder, wählen, - der ein Interesse an der Gestaltung Wiens hat und Wien soll geschützt werden vor Wählern, die kein Inter- - esse an seiner Gestaltung haben. Mein zweiter Antrag - - betrifft die Zulassung zur Koppelung. Es ist gegen dig ^Koppelung entschieden worden. Man darf es nicht von Haus aus unmöglich machen, daß sich auch kleüwre Parteien bemerkbar machen, das wäre eine Unterbindung des politischen Lebens. Mein dritter Antrag betrifft die Angelobung der Gemeinderäte und wünsche - ich' nach' den Worten „die Treue zu halten" den Zusatz: „ülles zu unterlassen, was den deutschen Charakter gefährden oder beeinträchtigen könnte". Das muß von jedem einzelnen verlangt werden. Nach den Febrnar-Ergebnissen ist wohl nicht zu zweifeln, daß Sie, meine Herren, von der. sozialdemokratischen Partei hiel' einziehen werden. Uns' Deutschnationale verbindet so manches mit den SozialdemokraLen, insbesondere die demokratische Gesinnung, was uns aber von Üjtteit trennt, ist der Standpunkt,- däß ein Volk die Führer aus seiner Mitte zu nehmen? hat und sich nMt der Führung eines, fremden Volkes: unterstellen dcM. (Zwischenruf des Gemeinderates Schreier: GehÄl Sie zu den Jüdischnationalen!) Gemeinderat Sedlak: „Gehen Sie zu den Jüdischnationalen, dort gehören Sie hin." CS ist uns sehr sympathisch, daß sie eine politische Partei gebildet haben, wir anerkennen ihre Berechtigung, weil wir dann von Volk zu Volk werden Men können. Ich begrüße die Isolierung der.Jüdifchnationalen, bL' ihr R.'cht nur Selbstbestimmung energisch . nmcMii. Dadurch vollzieht sich eine reilltiche Schm >iug.

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