Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 47 (6.3.1919)
- Date
- 1919-03-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Wiener MorgerrZvLtnng 'Seite b Wien, Donnerstag ------ 6. März 1919 Nr. 47 Die jüdischen Erklärungen im polnischen Reichstag. r< Warschau, 5. März. (Tel. der „Wiener Mvrgsnzeitnng.") Die zweite Sitzung des polnischen * Reichstages, in der die einzelnen Parteien ihre programmatischen Erklärungen abgaben, verlief ungemein würdelos. Die Nationaldemokraten ließen Gurch ihren Sprecher ein, was spezie ll die Juden frage betrifft, farbloses Programm Mitteilen. Ihnen folgten die Pia st e n, die ein ausgesprochen antisemitisches Programm verkündeten. Für die S os>ialdemokraten sprach Abg. Daszynski völlig farblos. Der nächste Redner, der jüdisch-orthodoxe Rabbiner Perlmutter, wurde ruhig angehört. Bei der Erklärung Priluzkis (Jüdische Volkspartei) erhob sich großer Lärm. Der katholische Pfarrer- O k o n unterbrach den Redner fortwährend durch Zwischenrufe. Der Landmarschall Trompezynski.wahrte die traditionelle polnische Ritterlichkeit, indem er Priluzki ununterbrochen zur Ordnung rief und ihm schließlich das Wort entzog. Der nächste Redner war der Zionist Grün bäum. Als er das Wort ergriff, verließen sämtliche Abgeordnete bis auf die 30 Sozialdemokraten den Saal. Der Redner ließ sich aber dadurch nicht einschüchtern, sondern verlas das bekannte Kopenhagener Manifest, in welchem 'die Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina, auf Gleichberechtigung in allen Ländern, wo Juden leben, und auf nationale' Minoritätsrechw in den Ländern jüdischer Massensiedlung festgelegt werden. , „Pravo Lid«" rvarut vor Hysterie. Jr Prag, 5. März. (Tel.-Komp.) Unter der Hebet* fchrift ,Lamr Prag der Sitz der zukünftigen Nationalversammlung sein?" verweist „Pravo Lidu^ darauf, daß die letzten Ereignisse in den Straßen Prags die ernste Erwägung nahelegen, ob Prag unter solchen Verhältnissen der Sitz der künftigen, das heißt der gewählt» tschechischen Nationalversammlung, in welcher auch Deutsche, Magyaren, Polen und vielleicht auch Ukrainer vertreten sein werden, bleiben könne. Wenn Leute, denen offenbar das Schicksal der Republik und das Schicksal Prags als Landeshauptstadt gleichgültig ist, in den Straßen es dazu kommen lassen, daß ein Anderssprechender nicht sicher' ist, lassen sie sich dieselbe verhängnisvolle Dummheit zuschulden kommen, welche die Deutschnationalen Wiens jahrelang gezeigt haben. Wir haben aus dem Munde ernster Männer, aus der Nationalversammlung, gehört, daß unter solchen Umständen der Gedanke nicht abzulehnen ist, daß die'Nationalversammlung ihren.Sitz dauernd in einer anderen Stadt der Republik finden wird, gegebenenfalls in einer Stadt Mährens, wo die Hysterie der P r a g e r S t r a ß e eine unbekannte Sache ist. Was für ein moralischer und materieller Schade» das für Prag bedeuten würde, läßt..sich leicht denken. Die„NarodniListy" droht deuPragerDeutsche« Prag, 5. März. (Del.-Komp.) In einer Besprechung der gestrigen Vorgänge in Deutschböhrneu rühmt. die „Narodni Listy" das tschechische -Militär, und führt unter anderem aus: Die gestrigen Ereignisse werden in den Straßen Prags ihren Nachklang siydsn. Das ist natürlich, und wir müßten -Wasser statt .Blut? in den ' Ädern haben, wenn es anders sein sollte. Unser Volk hat aber die Eigen* .schäften der Soldaten, welche aus ihm hervorgegangen sind. Es besitzt Tapferkeit und die Entschlossenheit!, .für seine neu errungene Freiheit, den letzten Blutstropfen zu geben, aber auch Ueberlegung und die Fähig- Mt, den Zorn zu unterdrücken, selbst den gerechtesten Zorn, wenn es das Interesse des Vaterlandes und ioer Republik erheischt. 8 Die Republik verlangt klar von ihren Bürgern, Aeid nicht Rächer, jeder für sich! Lasset die Regierung, Äie Blut von eurem Blute ist, lasset die Armee die lQrdnung aufrechterhalien. Ei» internationales Parlament. J Genf, 5. März. (Schweiz. Depeschenagentur.) In der Schlußsitzung der Delegiertentagung der schweizerischen >F r i t b t n 5 ö 1111 n t berichtete Professor Rappe rd .(Gens) Wer die Verhandlungen des Schweizer Bundesrates mit Iben alliierten Regierungen in Paris betreffs der Bedingungen -über de« Beitritt der Schweiz zum Völkerbund. Eine Resolution zugunsten des Vertritt es wurde einstimmig be* 'schlossen. Professor Dr. R. B r o d a (Dem) beantragte, daß als Ergänzung des Pariser Entwurfes für eine Verfassung des .Völkerbundes die Schaffung einer van den Völkem erwählten!i« t e rn a ti o n a l en g e s e tz g eb e n d en Versamm- >1« n g zu fordern sei, um so die Bildung internationaler, die G renzen überspannender Parteien zu '.ermoglichen und ein EmheitSbewußlsein der Menschheit anzu-!bahnen.! Nach längerer Debatte wurde eine Resolution zugunsten seiner solchen demokratischen Ausgestaltung des Völkerbundes fei n fl Lmttig angenommen. - Die Etraßenkämpfss t« Berti«. Fett für Ungarn. Budapest» 5. März. (Tel. der „Wr. Morgenttg/) In Gyekenes sind heute die ersten für Ungarn bestimmten Lebensmut t e l s e n d u n q e n aus den E n t e n t e st a a t e n ""getroffen. Sie bestehen zum größten Test aus F ett. Die erste deutsche Kohle in Paris. Paris, 5. März. Dre erste Kohlensendung auS N i e d e r l o t h r i n g e n und dem Saarbecken ist m P a r i s e i n g e l a n g t. Sie ist für die Pariser Gasgcsellschaft bestimntt. Spanischer Ministerrat. Madrid» 5. März. (Havas.) Der Mlnisterrat wird sich morgen mit überaus wichtigen Telegrammen befaffen, dte die Regierung au ödem Auslände erhalten hat. Gegen die Blockade. Amsterdam,. ö. März. In einem Leitartikel unterzieht der liberale „M anchester G u a r d i a n" die B lo cka d ep o l i t i k der Alliierten einer scharfen Kritik und schreibt: Man spricht von Entschädigung-'n. Aber wie soll ein ruiniertes und in sozialer Auflösung begriffenes Deutschland Entschädigungen zahlen? Wie kann cs zahlen, wenn es nicht arbeiten kann, und wie soll es -arbeiten, wenn es kem Material hat? Wer ist für die BeibehalUmg dieser grausamen und törichten Politik verantwortlich? Eine Rede Wilsons. New-Vork, 4. März. Präsident Wilson hielt in der Metropolnanoper eine Rede, in der er erklärte, daß untrügliche Beweise aus allen Teilen des Landes ihm die Überzeugung bei« gebracht hätten, daß die Vereinigten Staaten für den Völkerbund seien. Die Opposition des Senats gründe sich auf die Doktrin achtsamer Eigenliebe. Wenn die Vereinigten Staaten dem Bunde nicht beiträten, würden sie die verachtet st e Nation sein. Der Präsident versicherte, daß die Amerikaner nicht über das Meer gegangen seien,' nur um die Deutschen zu schlagen, sondern um zu zeigen, daß die Amerikaner überall l>mgehen würden, wo die Menschenrechte angegriffen werden. Die Stellung der deutschen Regierung gilt als gefestigt. Berlin, 8. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Nach einer Information der „Allgeimeinen Deutschen Zeitung" aus Weimar ist die herrschende Auffassung, in Regierungskreilen noch unverändert die, daß die Neichsregierung in Berlin unbedingt H e r r der Situation, bleiben wird. Ihre Stellung ist durch die in Halle wieder völlig hergestellte Ruhe und das Abflauen d e r Streikbewegung im übrigen Mitteldeutschland wesentlich gekräftigt. Am ungeklärtesten ist die Lage zurzeit noch m Sachsen, namentlich in Leipzig und Ze r tz. Bayern hat noch Keine Regierung. München» 5. März. Auch in der heutigen Nachmittagssitzung des R L t e k o n g r e s s e s ist in der Frage der Bildung einer neuen Regierung noch keine Entscheidung gefallen. Es wurde jedoch mit großer Mehrheit ein Antrag des Mehrheitsparteilers Dr. Löwen feld auf neuerliche Kommissionsberatungen mit den Landtagsabgeordneten der Mehrheitspartei und der unabhängigen sozialdemokratischen Partei zur-Herbeiführung einer Einigung über Verfassungsscagen und dre Bildung einer Regierung angenommen. Die Verhandlungen werden am Freitag beginnen. An ihnen werden je sieben Mrtglieder der Mehrheitssozialisten, der unabhängigen Sozialdemokraten und des Bauernbundes teilnehmen. Werter beschloß der Kongreß noch, zur Fort-, sührung der Regierungsgeschäste bis zur NeubildungdesMinisteriums Mitglieder' des Zentrglrates als Volksbeanstragte zu bestimmen. ' Die Ernährung. Der Marktbericht. Die Lage auf den Lebensmittelmärkten ist nach wie vor trostlos. Die Fisch markte, die jetzt einzig und allein Ersatz für das fehlende Fleisch bieten könnten, sinh gänzlich ' unzureichend beschickt. Zufuhretr frischer Seefische sind gestern überhaupt nicht eingelangt. Zum Verkauf gelangten gestern nur geräucherter Seelachs zu K. 15.— und gewässerter Klippfisch zu K. 6.20 das Kilogramm. Der geräucherte Seelachs war bald Aach Beginn des Verkaufes vergriffen, aber selbst Klippfisch, der bisher nur sehr ungern gekauft wurde, fand raschen Absatz. Die Großmarrthalle verfügte gestern nur über ein kaum nennenswertes Angebot von Würsten, das überdies nur zum Teil an Verbraucher abgegeben wurde. Einen Teil der bescheidenen Menge erhielten Wiederverkäufer. AuS den Auslagen der Bezirksgeschäfte ist auch die „ausländische Wurst" verschwunden, für die schon vor Beginn der fleischlosen Wochen enorme Preise gefordert wurden. Durch die allgemeine Lebensmittelknappheit und die Einstellung der Fleischaüsgabe ist naturgemäß auch die Nachfrage nach'Wurst bedeutend gestiegen. Um Preistreibereien mit Wurst zu verhindern, wurde den Verkäufern unter Androhung scharfer Maßnahme nahegelegt, keine übermäßigen Preise zu fordern. Der Erfolg war der, baß Würste jetzt nicht mehr, in die Auslage oder auf daS Verkaufspult gelegt werden, um die vorgeschriebene Ausschreibung der Preise zu umgehen. Die Würste sind jetzt nur mehr für bevorzugte und selbstverständlich gut zahlende Kunden zu haben. Die Nachfrage ist stark genug, daß sich die Verkäufer diesen Unfug erlauben können. Wurstpreise bis zu 90 Kronen das Kilogramm sind bet dieser Verkaufsart keine Seltenheit. Gründliche Revisionen der Eiskasten und sonstigen Verstecke in den Feinkosthandlungen wären den Behörden dringend zu empfehlen. Die Vorschrift, daß alle LebenSmjttel mit Preistafeln versehen werden müssen, ist gegenstandslos, wenn sie der Verkäufer überhaupt nicht öffentlich ausbietet. Die Grünwarenmärkte erhalten noch immer der Hauptsache nach nur Rübe«. Kohl und Spinat kommen auf die Märkte nach wie vor nur in. ganz geringen Mengen. Die böhmischen Rübenzufuhren sind heute ausgeolieben, doch verfügen die Märkte noch über genügend Vorräte an Rüben, die durch niederösterreichische Zufuhren eine mehr als ausreichende Ergänzung erfahren Häven, " Berlin, 5. Mäy. (Tel. der „Wr. Moraenztg.") Zu den Straßenkämpfen am Alexanderplatz ist noch zu berichte»!: I 25«t Angriff der Regierungstruppen kvnf die Massen ist durch mehrere Schüss e, die 'anZ einem Hause auf dem Alexanderplatz ahgefem.t wwden, provoziert norden. Von den Truppen wurde dann der Platz und die. umliegenden Straßen durch Gewehr- und Maschinengewehrfeuer gesäubert. Einzelne Verwundete waren die Folge. Sme b f sv n.o ers h eftige Schi eßerei gab eö rn der zweiten Nachmittagsinnde. Hm diese Zeit'wurde die Aleranderstraße unter G i f 1 g a s e, Gewehru n d M a s ch :J u engewe h t« teuer genommen?md Atz^blick wa^ die^ame Gegend Lebensmittelnot und Kindersterblichkeit in Deutschland. Berlin, 5, März. (Tel. der »Wr. Morgemeitung*.) Die RePtrung har sich infolge der Not an Lebensnutteln und. Kohlen genötigt gesehen, in einer Note die Entente zu ersuchen. daß die t« dem WanenstillstgndSobkommen vorgesehene sofortige Lieferung von zirka 60.000 Tonnen Schweinefleisch und Fett sowie von 850.000 Kisten KondenSm ich sofort zur Ausführung gelgnge, ohne daß der Abschluß des Schissabttabkommens abgewarter werde. Die Negierung betont, daß die für diese Lebensmittel vereinbarten Zahlungen m nächster Zeit, fällig seien und daß cm beträchtlicher Schrffstrausport nicht in Frage komme, da die brtrejsmdeu Lebensmittel zunr überwiegenden Teil m Rotterdam lagern. Angesichts der in erschreckendem Maß zunehmenden Kinder st erblichkeit ersucht die deutsche Regierung Wetters, die Zufuhr von 20 Tonnen Lebertran zu gestatten imd deren Verschifflmg schnellstens in die Wege zu leiten. Eine Mehlverordnung in Ungarn. „ , Budapest, 8. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Regierung hat eine Verordnung erlaffen, wonach in Hinkunst nur zweierlei Mehl in Hnaarn erzeugt, werden darf, und zwar Nuller-Backmehl und Brottnchl. Es wird nur rin Normalbrot gleicher Qualität gebacken werden dürfen, und zwar nur ans Brotmehl neugemahlener Provenienz, welches eine bessere Qualität haben wird als das gegenwärtige Brot. Deutschösterr-ichi'che Mylkererprodu»ien Ernfnhrgefekh schast. Am 3. d. M. fand die konstituierende Generalversammlung der Deutschösterreichischen Molkereiprohukten-Einfuhrgesellschaft m. b. H. statt. Sie ist im Rahmen der Deutschösterreichischen Lebensmittel-Einfuhrstelle mit dem Einkauf, und der Einfuhr von Milch- und Molkereiprodukten aus' dem Zollausland und aus den Gliedstaaten der.ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie — hinsichtlich letzterer nur insoweit, als die Einfuhr aus diesen Staaten an zwischenstaatliche Kompensationsvereinbarungen gebunden. ist betraut. Der Gesellschaft gehören Handelsunternehmungen, Konsumentenorgantsationen und Städte an. Das gezeichnetes Gefellschaftskapital beträgt rund 6 Millionen Kronen. Zum Präsidenten wurde Generaldirektor Dr. Zirn gewählt. Sitz, der Gesellschaft ist Wien, 1. Bezirk, Weihburggasse 9. Die Lebeusmitteluot Mitteleuropas. * Die Alliierten wolle» eingreifen. Paris, ü. März. (Funkspruch des Ung. Tel.-Korr.-Bnr.)' Die alliierten Staaten tverden von dem furchtbaren Lebensmittelmangel, der in ganz Europa Erregungen verursacht, in immer größere Besorgnis versetzt. Die Zehnerkommission ließ heute den Lebensmittelkontrollor Hooper rufen, um die nach Bayern zu. liefernden Lebensmitteltrans- Porte zu besprechen. Die Kommission wünscht auch rasche und energische Verfügungen, daß weder die Italiener.- noch die Jugoslawen bei Laibach den Verkehr der Lebensmittelzüge behindern. Die aus Prag, Budapest, und Wien ein treffenden Nachrichten besagen, daß die Lebensmitte l Vorräte vollständig erschöpft sind, die Arbeitslosigkeit sich steigert und die Zahl jener Personen fortwährend wächst, die im allgemeinen Umsturz plündern und rauben wyllen. Die Alliierten trachten insbesondere Böhm e» mit Lebensmitteln zu versehen, weil sie fürchten, daß dort unter der Last der Verhältnisse der Bolschewismus die Oberhand bekommen könnte. Die Serben werden verständigt, daß, wenn sie die aus Italien eintreffenden LehensmittelzÜge. auf ihrem Weg behindern werden, dies bei der Anerkennung ihrer Ansprüche von ernsten Folgen begleitet sein wird, ja sogar dazu führen kann, daß die Alliierten eine bewaffnete Jnte.r-. vention vornehmen. Das Wiener Elend. Bericht der Schweizer Hilfskommifsion. In der „Baseler Nationalzeitung" vom 25. Februar lesen wir den Bericht, den die Leiter der Schweizer Hilfsaktion für Wien ihrer Geschäftsstelle in Bern zugehs'n ließen'. Der Bericht enthält eine, ausführliche Darstellung der . Wiener Berpflegsverhältnisse, führt gewissenhaft neben den Höchstpreisen der wichtigsten Gebrauchsartikel die Preise im Schleichhandel an, die ziemlich genau angegeben werden, und entwirft grauenhafte Bilder der in Wien herr< schenden Not. So lesen wir: i „Heberall die grausamste Not: Kleine Wohnung, zu . wenig Betten, keine rechte Bettwäsche und Kälte und Hunger, die Frauen bleich und hohläugig, die Kinder bleich und zurückgeblieben. Da und dort Bilder zum Grausen, schrecklich. Wenn da drei KreatÜrchen auf dem schlecht geheizten Ofen sitzen, denen man ansieht, daß es wahr ist, was die Mutter sagt, wenn sie erzählt, daß die Kinder seit 3 bis. 4 Jahren nie genug zu essen gehabt hätten^ An einem änderen Ort finden wrr in einer Kellerwohnung, sagen wir Kellerloch, eine 43jährige- Frau mit einer 16jährigen Tochter. Keine hat ein rechtes Kleidungsstück. . Nur eine hat noch so etwas wie eine Fußbelleidung. Nur eine kann also in die öffentliche Ausspeisung gehen. Aber ' sie wechseln ab. An einem Tag geht die Mutter, am anderen die Taster. In der. Wohnung ist kein Möbelstück mehr, nur in einer Ecke ein kleines Eisenüflein, und . daneben ein Tuch am bloßen Boden ist die Lagerstätte^ Dar« ist der Boden bsfen. Die Holzlagen wurden aufgerissen und verbrannt. Wollen wir davon rederr, daß ein großer Prozentsatz der Kinder tuberkulös ist« daß aus dem Grunde viele ' Kinder nicht in die Schweiz gehen konnten, weil die Aerzte erttärten, daß sie die Reise nicht mehr aushalten würden. Ihrer 3000 bis 6000, die schwerstkranken, soften jetzt außerhalb der Stadt Wien in Erholungsheime kommen. Die Sache v. schon lange vorgesehen, konnte aber auch aus Mangel an Lebensmitteln nicht durchgeführt werden. Mit Hilfe eines Teiles des' Inhalts unserer werden. Mit Hilfe eines Teiles des Inhalts unseres! . Liebesgabenzuges soll dieses Projekt jetzt Wirklichkeit werden. Wollen wir davon reden, daß in der gerichtlichen Klinik, wo unter anderern die Kinder seziert werden, die ohne ärztliche Pflege starben, Herr Oberstleunant Frey die.Leiche, eines 10jährigen Kindes sah, die ganze 81/3 Kilogramm wog! Und solches sei häufig. Einen Begriff bekommt man auch von der Not, wenn man in irgendeinem Außenquartier erscheint. Kaum sehen die Leute die fremden Herren mit den roten Armbinden mit dein weißen Kreuz, gibt es eine Ansammlung. Und welche Gestalten- und welche Kleider? welche Gesichtes Elend - Elend!" __ Reorganisation der amtlichen Uebernahms» stell« für Dietz «nd Fleisch. Dem Wunsch der Wiener Viehhändler und der Fleischhauer wegen Mnschaltung deS freien Handels bei der Bieh- und Fleischaufbringuna Rechnung, tragend, soll die amttiche Uebernahmsstelle für Vieh und Fleisch einer gründlichen Reorganisation unterzogen werben. Nunmehr sollen in hp« BerwaltungSausschuß auch 6 Vertreter der Wiener Fleischhauergenossenschast und 6 Vertreter des Vieh- und Fleisch- Handels dem BerwaltungScucSschuß der amtllcheir Ueberuahmsstelle angehören. Nach dem neuen Statut gehören dem Berwaltungsaitsschuß an: jo ein Vertreter der Landesrogisrnngeii, dre; vom Bürgermeister der Stadt Wien bestelllo -Vertreter, ein vom deutschästerreichischell Staatsamt Iioftoffli'u Vertrol.-r, drei vom Staatsamt für Vollsernährung ernannt,: Äertn-Ier der Konsn^ mcnteuorgasnLatiancn, zwet vom Siciatsanrt für Volks-