Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 47 (6.3.1919)
- Date
- 1919-03-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 47 Men, Donnerstag Wiener Morgenzettung 6. Marz 1919 Seite 3 . - —-• --— .———'—-— ---■---—. ——* Senator Lodge gegen den Völkerbund und für den sofortigen Frieden mit Deutschland. Washington» 4. März. (Reuter.) Senator L o d g e hat einen Entschlußantrag ausgearbeitet, wonach der Senat erklären soll, daß er denPlandesVolkerbundes nicht billige und daß die amerikanischen Unterhändler beauftragt werden sollen, sich sogleich mit dem Abschluß des Friedens m i t D e u t s ch l a n d zu beschäftigen. Lodgesagte, wenn die Abstimmung über diesen Antrag vor der Vertagung des Kongresies nicht mehr vorgenommen werden konnte, seien die Parteiführer bereit, Erklärungen zur Unterstützung des Antrages, der die Unterschriften vieler Senatoren trägt, einzurelchen. Lodge verlangte, daß die Frage des Völkerbundes später eingehend geprüft werden solle. Infolge des erhobenen Widerspruches kgnn der Antrag n i ch t m e h r in der gegenwärtigen Session des Senats, die heute nachts endet, erörtert werdm.? Lodge verlas hierauf bte Namen von 37 Senatoren des neuen Senats, die btc Entschließung unterstützen. Da diese Zahl ein Drittel -der gesamten Mitgliederzahl des Senats überschreitet, reicht sie aus, um die Ratifikation des Friedensvertrages, für besten Annahme Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, zn verhindern. Vertreter der Religionen im Völkerbund? Zürich, 6. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") „Giornale d'Jtalia" bringt die bisher unbestätigte Nachricht, daß Wilion beabsichtige, die Führer der hauptsächlichsten Religidnen der Welt mit beratender Stimme in den Völkerbund aufzunchmen. Genannt werden der Papst, der englische Großrabbiner, der Scheich-A-Islam, die Vertreter verschiedener protestantischer Gemeinden sowie des Buddhismus. Kundgebung der südafrikanischen Zionisten an den Friedenskongreß. Haag» S. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die südafrikanische zionistische Astoziation in Kapstadt nahm eine Resolution betreffend die Zukunft des jüdischen Volkes in Palästina an und hat diese an den Friedenskongreß wenergeleitet. Die Anklagekommisfion der Entente vollendet ihre Arbeiten. Mag, März. (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung".) Die Kommission zur Feststellung der Verantwortlichkeit für die im Kriege begangenen Verbrechen vollendet demnächst ihren Bericht, in dem viele hundert Namen, vom Leutnant bis zum Militär höchsten Ranges, angeführt und die Verbrechen eingehend umschrieben sind, die der Betreffende gegen die Menschlichkeit oder das internationale Kriegsrecht begangen hat. Kommt die Kommission inzwischen von ihrer Absicht nicht ab, so wird der Name Wilhelm von Hohenzollern als erster auf der Liste figurieren. Ein amerikanischer Journalist erfährt jedoch von amtlicher französischer Stelle, daß die unmittelbare Bestrafung des deutschen Kaisers für praktisch undurchführbar angesehen w r r d, und daß L u d e n d o r f f und Hindenburg Und dir ihnen Gl ichg stellten wahrsche nlich aus demselben Grund der Bestrafung entrinnen werden. Diese Ursache ist, daß man wohl prinzipiell ihre Verantwortlichkeit feststellen, jedochauch nicht über die Tatsache hinweggehen kann, daß all ihr Handeln auf der Grundlage, die Betreffenden seien Instrumente der Staatspolitik gewesen, entschuldigt werden könne. Bestraft werden jedoch jene Befehlshaber in Städten und Provinzen, die willkürliche Gewalt über das Leben der Bürger des feindlichen Staates» halben und die diese Macht offenkundig mißbraucht oder doch ihren Untergebenen gestattet haben, mit der Macht Mißbrauch zu treiben. Die Zahl der zu Bestrafenden beläuft sich auf viele Hunderte und vermutlich wird der internationale Gerichtshof über sie zu Gerichte sitzen, der nach Ansicht der Kommission unter Sanktion des Völker- Lohnes verheißen, wenn sie sich erst besser eingearbeitet und zum Verbleiben bis nach der Ernte verpflichtet hätten. Uebrigens werden bald wieder Akkordarbeiten, wie das Nübengraben, beginnen, wobei sich die Chaluzim, wie sie schon aus eigener Erfahrung wissen, neben Unterkunft und voller Verpflegung bis zu 18 und 20 Kronen täglich verdienen.. Denn mit der Gelegenheitsarbeit des Rüöengräbens hatten sie angefangen, mit Eishacken fortgesetzt und nunmehr tiefer in der Landwirtschaft Fuß gefaßt. Bon ihrem jetzigen Lohn können sie sich freilich «ichts ersparen. Seife, Papier, Tinte und ähnliche Kulturersordernisse sind teuer genug, und manche sind für die Herrichtung ihres Schuhwerkes schon verschnüret. Aber sie bitten nicht so sehr um Kleider, Wäsche, Kappen, Brotsäcke und Schuhe als um jüdische Bücher «nd Zeitungen, vor allem um eine hebräische Grammatik, denn jeden Abend, so müde sie heimkehren, versammeln sie sich um.das eine Petroleumlämpchen, um sich für ihre Aufgabe. als Palästinaploniere fortzubilden. Es sind lauter Galizianer. und durchwegs Intelligenzler, Mittelschüler, Handelsangestellte, Bankbeamte. Sie Kalten gute Kameradschaft und fühlen sich gesundheitlich trotz aller Strapazen wohl. Mit den Slowaken, denen sie das Nebenzimmer hergerichtet haben, unterhalten sie kaum einen Verkehr, außer in Zigaretten, Jene fühlen sich. ohne Neid und Haß, eher über ihre jüdischen Arbeitsgenossen erhaben. Die aber hegen dev festen Willen, es den anderen bald gleichzutun." Unser Emissär schied von den jüdischen Landarbeitern mit der tröstlichen Gewißheit, daß die dortige Gmrppe aus dem besten Wege ist, ihrer hohen Ausgabe gerecht zu werden?) j)r. ß, 2. ****WKIWI*>ii ■ *) BekloidungSgegenstäitde und jüdische Literatur für unsere Chalirzim werden beim Palästinaamt, S. Bezirk, ZirkuSggfse SS, gern entgegengenommeit und an die rechts Adresse gebracht. bundes sobald wie möglich ins Leben gerufen werden muß und der eventuell jahrelang hie einzelnen Fälle pers'^'^eln und die einzelnen Strafen festsetzen wird. Telegramme. Die Spartakisten in Berlin. Tanks in den Straßen. — Errichtung von Barrikaden. Berlin, 5. März. Bei dem gestern erfolgten Einzug der Truppen zum Schutze des Polizeipräsidiums. versuchte eine tausendköpfige Menge, die Truppen auf dem Alexanderplatz zurückzuhalten. Die letzte Gruppe wurde umzingelt und ihrer Gewehre beraubt. Sieben Mann von ihnen sind spurlos verschwunden. Die Gruppe mußte schließlich von der Schußwaffe Gebrauch machen und hat dabei einen Wachtmeister, einen Soldaten und einen Zivilisten getötet. Mehrere Personen wurden verletzt. Abends erhielt, bas Polizeipräsidium Schutz durch Regierungstruppen. In der Nacht wurden die Zustände immer gefahrdrohender. Abends versuchte die Menge in die Füsilierkasern-r des Alexanderregiments einzudringen, doch konnte der Angriff unter schweren Verlusten auf Seite des Gesindels abgeschlagen werden. Inzwischen waren im Zuge der Kaiser Wilhelmstraße, der Münzstraße sowie des Bülowplatzes unter Zuhilfenahme des dort für den Bau der Untergrundbahn liegenden Materials Barrikaden errichtet worden. In der Königs- und Panoramastraße herrschte völlige Dunkelheit. Größere Trupps, vor allem Matrosen mit Handgranaten, hielten sich hier auf, um die heranziehenden Truppen zu überfallen. Doch kam durch rechtzeitige Benachrichtigung eines höheren Kommandos dieser Plan nicht zur Durchführung. Spartakisten verbuchten, in das Polizeipräsidium einzudringen. Auch von der Straße aus setzten sie sich mit der Besatzung in Verbindung, um sie zur Uebergabe des Gebäudes zu veranlassen. Die Verhandlungen verliefen natürlich ergebnislos. Heute ftüh find weiter zahlreiche Truppen eingerückt und haben den ganzen inneren Stadtteil besetzt. Eine Anzahl schwerer Tanks fuhr heute ftüh nach der Münzstraße. Vor dem Gebäude der Kommandantur sammelte sich eine immer größere Menge von verbrecherischem Gesindel an und versuchte, die Militärpersonen von ihrer Pflicht abzubringen. Als bis 1 Uhr die Ansammlungen und Zusammenrottungen immer mehr Zunahmen und mehrere Schüsse aus einem Hause auf dem Alexanderplatz auf die Truppen abgefeuert wurden, mußte der Platz mit Waffengewalt geräumt werden. Feuergefecht am Hackeschen Markt. 15 Verwundete. Berlin^ 5. März. (Korr.-Bur.) . Am H a ckeschen Markt kam es heute früh zu einem F e u e r g e fecht mit blutigen Opfern. Gardefusilrere,' die m geschloffenen Trupps dmchmarschierten, wurden forttvährend beschimpft. Plötzlich fielen aus der Menge und den Häusern m^e-h r e r e S chüsse. Jetzt machten auch btc Soldaten von ihren Schußwaffen Gebrauch. 15 Personen wurden verw u ü b e t, darunter mehrere anscheinend sehr schwer. Bon den Ruhestörern wurden acht Mann festgenommen. Die Plünderung dw Geschäfte. Ei« Miüionenschaden. — Feuergefechte. Berlin, 5. März. Die Plünderungen in den letzten zwei Tagen erfolgten, wie aus den Anzeigen hervorgeht^ im Norden und Osten der Stadt bis zum Zentrum. In emzelnen Geschäften wurden Waren int Werte von 100.000 Mark geraubt Md weggeiührt. Insbesondere sind G o l d w.a r e n g e s ch ä f 1 e m Mitleidenschaft gezogen. Der Wert des bisher geraubten Gutes wird mit Millionen angegeben. Auch in der vergangenen Nacht wurden Plünderungen gemeldet. Ein Verbrecher wurde. getötet. Als gestern republikanische Soldaten Waren mrs einem Geschäfte durch die Frankfurterstraße führten, wurden sic von Mattosen und Pobzeiperfvnrn angegriffen. Als die Soldaten Feuer gaben, zog sich die Menge zurück. Zwei Angreifer wurden verletzt. Wiederaufnahme der Arbeit. Berlin, 5. März. Heute früh haben in einer Anzahl von Betrieben die Angestellten die Arbeit wieder aufgen o m m e n. _!_ Die Streiks in Deutschland. Besserung in Königsberg. — Verschärfung in Bremen und Spandau. — Wirrwarr in München. Berlin, 5. März. (Tel.-Komv.) Ueher die Streillage im Reich wud weiters gemeldet: In Königsberg ist eine Verständigung dahin zustandegekommen, daß die Betnebsvertreter sich bereit erklärten, auf ihre Kollegen kin.mwirten, von der Verkündigung des Generalstreiks abzusehen und in den ausstäudigcn Betri bcn die Arbeit am Mtttwoch oder Donnerstag wieder aufmiiehmen. s In B r e m e n sind, da vis Montüst btc Forderungen der Arbeiter ans Freilassung, der gefangen gehaltenen Spartakisten nicht erfüllt wurden, die Arbeiter der Weser-, Ablaß- und Hansa- Lloydwerke,, ferner der Dynamowerke. der.Norddeutschen Waggonfabrik imd der Gasanstalt in den St re i k getreten. Die Stadt war um 7 Uhr ohne Gas. Die Streillage in S p a n d a u hat abermals eine Verschärfung erfahren. Die Arbeiter des Reichs-KraftwerkeS an der Oberhavel, von wo Groß-Svandau mit elektrischem Strom versorgt wird, haben eS durchgesept, daß alle Svandauer Betriebe von der Stromversorgung durch die Stadt selbst abgeschmtten wurdm. . Dl« Nachrichten auS M ü n ch e n lamm sehr spärlich em. Der Verkehr ift fa" völlig unterbrochen. Die wenigen Meldungen: deuten auf einen völligen W i r r w a r r h i n. Der Rätekongreß nahm Montag abends einen spartakistischen Antrag ans Absemmg des Stadtkommandanten Dürr an, jedoch befindet sich Dürr, hinter dem dl? ganze Münchner Hanchon steht, noch M Amte. Die Stadtkommandantur ist militärisch, abgesverrt. Der Rätekongreß bezeichnet sich in einer Proklamation als die höchste Instanz, die bte Gewalt m Händen hat und beschwert sich darüber, daß „unverantwortliche Elemmte" die auswärtigen Garnisonen erfolgreich gegen München anfgehetzt hätten. Einigung der Berliner Arbeiterabordnung mit der Regierung in Weimar. Berlin, 5. März. Wie das Wölfische Bureau aus Weimar von maßgebender Seite erfährt, haben die-gestern bis in die späten Nachtstunden geführten Emigunasverhandlungen , zwischen den Vertretern der Berliner Mehrheitssozraliften Md dem Kabinett einen befriedigenden Verlauf genommen. Dre Arbeiterabordnung ist noch im Lause der'Nacht nach Berlin zurückgckehrt, nm den streikenden Arbeitern die Vorschläge der Regierung zur GenehmigMg vorzulegen. Die Bildung der bayrrschenRegieryng. BK München, 5.März. Auf derTagesordnung der Mittwoch- Vormittagsitzung der'Arbeiter-, Bauern- und Soldätenräte stand als Hauptpunkt: Bildung der Regierung.; .Bei Eröffnung der Sitzung erklärte Dr. Süß heim (Mehrheitssozialistz, der erste Punkt der Tagesordnung betreffe die Frage der Regierungsbildung. Es soll ein sozialistisches Ministerium gebildet werden. , Arbeiterrat Land a u e r erklärte: Ich finde eS für un-j' würdig, daß hier eine Tagung stattfindet,. ohne daß man dem Hause von den E r.n e n n u n g e.n Mitteilung macht, die in den Zeitungen bereits zu lesen sind. Wir wollen wiffen,. in welcher Lage wir uns befinden. Wir haben bereits ein Ministerium gewählt, und man muß uns berichten, ob sich das Ministerium schon konstituiert hat. Es ist dem Hause eine Kundgebung der ^provisorischen Regierung übermittelt worden. Wer istdiese provisorische Regierung des Volksstaates Bayern,' die diese Kundgebung erlaffen hat? Hat sie die Kundgebung erlaffen im Einvernehmen mit dem Aktionsausschuß?! Handelsminister Simon befürwortete den Verfassungs-- antrag. ' . . i Der Kongreß beschloß hierauf die VertagMg der SitzMg. bis 4 Uhr nachmittags. Das Sozialisterungsgefetz und ein Reichskohlengefetz. Weimar» 5. März. Die Regierung hat ein allgemeines Sozialisierungsgesetz nnd rin Reichskohlengesetz eingebracht, über, deren Durchführung alsbald Mit einem gesetzlich vorgeschriebenen Sachverständigenrat verhandelt werden wird. Trotzki — der Sieger. Die Entente unterlegen. — Die militärischen Aufgaben., Allgemeine Mobilisierung. \ London» 5. März. (Tel.-Komp.) Die „Times" meldet! aus Helsingfors: Trotzki erklärte auf der panrussischen! Sowietkonferenz, die am 25. Februar in Petersburg abgehalten! wurde, daß die Krisis jetzt tatsächlich vorüber zu sein scheint. Alles weise darauf hin, daß die Ententeregienmgen ihren! Plan, sich in die inneren russischen Angelegenheiten ernzumischen,! definrtv fallen gelassen, haben. Aus diese Weise, sagte Trotzki, ist u ü s e r Z i e l g e s i ch e r t.- Natürlich bedauern wir es, daß wir von Clemenceau Md Lloyd George keine Antwort auf Msere Note empfangen haben, aber, trotzdem - hat unsere politisches Manöver e tagt e schwierig e S i tuatio n. für unsere Feinde geschaffen, die jetzt, statt Truppen nach! Petersburg und Kiew zu senden, Vermittler in der Maske einer sozialistischen Kommission schicken, die auf der Bemerz Konferenz ernannt worden ist. > Der Bolkskommiffär gab emeUebersicht über die militärische! Lage Md sagte: Wir müffen vier große Dmge erreichen: An der! Murmanküste und bei Archangelsk vorrücken, von dem Gebiete am Schwarzen Meer Besitz ergrerfen, die ftühere Grenze von! Westpreußen erreichen und die Funde aus dem -Ural - ver-j treiben. . . .. Ein offizielles Com»mniqu6 besagt .daß. die all-! gemeine Mobili s i erung sämtlicher Jahrgänge bis zum 45. Lebensjahr, Md der Offiziere brs zum 5b. Lebensjahr! erfolgen müffe. Die Regienmg m Litauen hat! drer 'große! Konzentratwnslaaer' gebildet. Es wurden Befehlen nach'.Riga,- Tukka Md nach anderen großen Städten geschickt^ die die Bourgeoisie auffordern, täglich zehn Stunden im öffentlichenDienff zua r b eiten. Die Bauern^ müffen ihre Steuern in'Naturalien entrichten. Tod des ersten ukrainischen Ministers für jüdische Angelegenheiten. Stanlslau» 5. Mürz. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Derj ehemalige Minister für die jüdischen Angelegenheiten in deri Ukraine S i l b e r f a t b, ist in Kiew gestorben. Silbctfarb; war der erste, der dieses Amt bekleidete. Die Bolschewiken in der Ukraine. Stanislau» 5. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der größere Teil der Ukraine ist. von Bolschemken/besetzt. Devz ukrainische Kommandant P e t l j u r a. verhandelt mit dem! französischen Oberbefehlshaber in Odeffa wegm des Kampfes! gegen bte Bolschewiken. Ein Kongreß der Kommunisten. Haay, 5. März. (Tel.-Komp.) Die holländische kommu-j nistische Zeitmg „Tribüne" veröffentlicht emm Aufruf äucj Abhaltung des ersten Kongreffes aller internationalen kommu-j nisttschen Parteien,der von der holländischen,russischen,'polnischen,j ungarischen, beutschösterreichischen, lettischen, finnischen und Balkangmppe unterschrieben ist. In dem Aufmf wird gesagt, daß die Ausgabe des Proletariats die Eroberung der Regiemngs-; gemalt, die Vernichtung aller Machtwcrkzeüge der Bourgeoisie und die Organisation einer proletarischen Verwaltung ist. Voraussichtlich werden sich 39 kommunistische Gruppen an diesem Kongroß beteiligen. Der drohende Generalstreik in England. London» 5. März. (Tel.-Komp.) Die vereimgt.eu Syndikate? der Mmcnarbeiter, Kutscher und Eisenbahner beschloß, mit der Erklärung des Streiks bis zum 22. d. M. z u z u w a r t e n. Der zMehmende Emstuß turbulenter Elemente sowie die Uebernahme der Führung in der Streikfrage durch Arb ei t errate, sogenannte Werkstättenkommisstonen, kennzeichnm den ganzen Ernst der Situation. . j Lloyd Georges Mahnung an die Jndustriellen und Arbeiter. Anarchie ist Derderkfen. London, ö. März. (Reuter.) In der ersten Sitzung deZ Vereinigten Jndpstrierates der Arbeitgeber Md Arbeitnehmer, der« vorigen Donnerstag m der Sitzung der industriellen . Kynserenz gegründet wviden ist, sagte hmte Lloyd G e o r g e, dre Nation erwarte von der Konferenz, daß sie den Staat schützen werde. Die Arbeitgeber dürften nicht nach vorüber gehen d e n V o rteile n trachten, die ihnen schließlich zupr Verderhen mMchlagen könnten. Die Arbeiter sollten daran denken, was in Nupland geschehen sei nnd was v i e l l e i ch t a u ch i n D e ü t s ch Land g e s ch e h e n w e r d e. Gerade für die Arbeiter sei die Anarchie am unvorteilhaftesten. Es sei ein Fehler, die Arbeitsstunden über