Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-03-06 · Heft 47 (6.3.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 47 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979124--00398-2985686
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

r Gelle 2 Wien, Donnerstag Wiener MorgenZeiLung 6. März 1919 Nr. 47 sqeordnetenhans zu wirtschaftlicher Arbeit aufgerufen, ihm 'die Varlage über die Alpenbahnen und das Wasserstraßenj gesetz abgezwuttgen. CSt war bald ein Gefangener der Parj lamcntskoterien und es ist interessant, daran zu erinnern,! daß sein Lturz im Jahre 1904 durch die vereinigten Bc- * inühnngen der Erzherzagin Marie Valerie, deren Protektitzys» j u'üiiick'eu c^ sich energisch widersetzte, des Tschechenführors! >'iram.arsch und des Dcntfchradikqlen- Wolf erfolgte. Auch sein^ varlamentarisches Rededuell gegen, dev. Grasen Stephan Tisza, \n dein Tr. u. Koerber im Jahre 1903 nach dem berühmten : Armeebefehl von (LhlopN als der'letzte österreichische Ministervräfidrnt die. Position Ziöleithauiens inr Aitsgleichswerk derleidigte, hxi viel dazu beigetragen, daß seine Stellung erj schüiwrt wurde. Der Hof stand immer bei Ungarn.. Aach langen Jahren der Dtuße, die Dr. v. Koerher 7an- Reisen- und in seiner 'Gtudierstube verbrachte, wurde. es; iin Nricg '.urn ge.meinsanren Finanzminister ernannt »ird. nach * dem Tod Srürgl'hs wieder an die Spitze des Kabinetts berufen. * d'r In'k b::u Parlament wieder den Weg gebahnt, er hat versucht, in der letzten Stunde den Staat aus den Klanen des A c >,,? e r b e r to m in au d o s zu retten. Aber der alte Kaiser üarl» und dtr junge Kaiser war sofort wieder in den Händen; der Kamarilla, die den Kampf KoerherS gegen die deutftzradikalen Oktroipolitiker für ihre Zwecke MZuÄtzten. Aoerber utußle nach lOtägigcr Tätigkeit gehen, Spitzmüller erhielt den An»'!rag ur Bildung eines Kabinetts, den er nicht hmMüheen .konnte. Gs lam Graf Clam-Martinitz, Dr. v. .Sejdler und nach il,:n der Zusammenbruch. Dr. v. Kocrbcr hat sich auch nüt der In den frage eifrig beschäftigt. Er bat als Ministerpräsident eine Reist durch Galicien un'.ernoumien, um die dortigen politischen Verhält-» nisse aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Hierbei iü ihm die große wirtschaftliche Bedeutung de§ galizischen V.'deirt'.üus ausgefallen» und er nahm Gelegenheit, süh bei den verschiedensten Stellen über hie Jndensiage des Ostens, v.i unterrichten. Er hat wiederholt von Dr. Herzl. Auf« schlns; über den Zionismus vtzMtgt und erhalten^ konnte aver zu einer m.-hr als akademischen Wertung dieses politischen Problems nicht gefangen, da er stM mit de? Gunst hetz Dosenrlada rechnen mußte, he« denr Herzen des Kaisers Train Zoiechi imnrer sehr nahe stand ... Es ist bekannt, daß Dr. i\ So;rbec im Jahre 1907 an der Eröffnungssitzung dcö Haager Ziouisienkoygresses teilnahm. Deine Regierungszeit war voll der wildesten nationalen uub sozialen Kämpfe. Vielleicht unter keinem anderen MinisterrrlDideuien i"r so viel geschossen worden wie unter ihm: Bald ■ ist Galizien bei den ruthenischen Schnitterstreiks, bald in Triest gegen den,o:istrierende Jrredentisten> bald in Graslitz gegen strcileud: Fabriköarbeiter. Auch mit StandrechL hat er viel arbeiten Utüs-en. Die Schuld hierfür trifft ihn nicht persönlich oder doch nur insoweit, als auch dieser politisch so arbritssrendige und kluge Manu das österreichische Problem nicht erkannt hat. lind es liegt eine furchtbare Tragi? darin, daß Ernesc v. Kocrbec, vielleicht einer der wenigen Patrioten Oesterreichs, als alter, müder, verbrauchter Mann d«r Zusammenbruch des Vaterlandes erleben mußte, an dem er mit feinem ganzen .Herze» gehangen hat. 1 y. Politische^tundscha«. Balfour gratuliert. Durch die Gratulationsdepesche Balfours an die zionistische Delegation in Paris wird die von uns gestern als Aeußsrung Tardieus wiedergegebene Nachricht über die einstimmige Annahme der zionistischen Forderungen bestätigt. Palästina wird dem jüdischen Volk als nationale Heimstätte gegeben. Die Depesche Balfours ist ein Zeugnis des herzlichen Verhältnisses, das gerade! zwischen diesem führenden englischen Staatsmann und; den Zionisten besteht. Balfours Name wird mit der ' Errichtung des neuen jüdischen Gemeinwesens unlöslich verbunden Lktziben. Er hat das historische Dokument vom! g. MvtzNlbtzL 1917 unterzeichnet und hat sich später hin für his Erfüllung seines Versprechens eingesetzt. In der jüngst von uns veröffentlichten Anleitung zu SokIlows „Geschichte des Zionismus" beweist Pglsour auch sein Verständnis für die wohltuende Wirkung, die die zionistische Lösung für die in ihren gegenwärtigen Wohnländeru verbleibenden Juden hat. Das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden wird sich viel achtungsvott^ und aufrichtiger gestalte»; HMi sagt; Baksour fchvn in dem Brief vom %. November ausdrücklich, daß durch Errichtung der jüdischen Heimstätte die Rechte der Juden in ihren gtzgenwstrtigtzn Wohnländern nicht beßinträcht.igt. werden dürfen. Dieser Matz ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit; denn Palästina kann nicht all? Juden sasson, die Einwanderung wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Den hier bleibenden Juden wird das Zentrum ihres Volkstums ein moralischer Rückhalt sein; sie werden auch als Bürger ihres Staates viel wörtvokker-e Mitglieder der Gesellschaft werden. Allerdings istes erforderlich, haß auch die Staaten die nationale Spnhsrart der Inden anerkennen und ihnen die Möglichkeit freier Betätigung ihrer Nationalität und Entfaltung ihrer Kultur gyötzu; dafük tztzrkangs» die Juden in den Staaten, wo sitz ist gröhsrsp^Zsh! fiedeln, international garantierte staatsrechtliche Sicherungen. In welcher Weise diese Mntzerheitsrechte vom Völwrhu-nd garantiert werden sollen, harübsx wird «im Konferenz von Delegierten der jüdischen Nationalräte, welcher dieser Tage in Paris znsammentritt, der Friedenskonferenz Borschlüge machen. Wenn auch diese Frage befriedigend gelöst wird, dann wird für das jüdische Volk eine gute Zeit anbrechen, und auch die Menschheit wird von einer der drückendsten Lasten befreit sein. Der nächst« Schritt. Das jüdische Volk in Deutschösterreich' hat seinen Willen bekundet und bewirkt, daß ein nationaljüdischer Abgeordneter in das neue Haus einziehen konnte. Wenn auch infolge der ungünstigen Wahlkreiseinteilung eine entsprechende Volksvertretung nicht errungen wurde, ist doch der Zweck erreicht, daß hie jüdische Nation in der neuen Republik nicht ohne Vertretung blieb. Wr sind jedoch weit entfernt davon, die. Bedeutung des Parlamentarismus zu überschätzen. Wertvoll kann die Arbeit unseres Abgeordneten nur dann fein, wenn er ein« starke und verantwortungsvolle jüdische Körperschaft hinter sich hat. Deshalb ist der nächste und wichtigste Schritt dieAonstituierung des Jüdischen Nationalrates in Deutschösterreich. Jedermann weiß — wir nehmen da unsere Gegner nicht aus, die sich zu jener famosen, jetzt so lächerlich wirkenden „Protestaktion" ermannte» — welche groß« Bedeutung der provisorische Jüdische Nationalrat, der sofort nach dem Zusammenbruch d«r Monarchie in Deutschösterreich zvsammentrat, erlangt hat. Es ist ihm, das darf man mit Genugtuung sagen, vorzügliche Arbeit geglückt. Die Kommissionen haben das neun Kultusgcmeindeprogramur entworfen, einen großzügigen Plan der jüdischen sozialen Fürsorge ausgestellt, im Irr-- lande wurde eine überaus wirksame nationale Propaganda entfaltet und mit den ausländischen jüdischen National räjen erfolgreich Fühlung genommen; ganz abgesehen Von Heu Jntertzeutisutzu bei der provisorischen Re^ gierung, die viele Härte« beseitigten und der Wischen Gesamtheit dienten. Nun muß aber an GtM des provisorisch^ her gewählte Jüdische Najiignalrat treten. Eine politische Kommission hat das WahlstMt ansgeapbeiLe^ welches vom Plenum, nach eingehender Beratung gee nehmigt wurde und wonach jeder Jude und jede Jüdin, welche im Zeitpunkte der Ausschreibung der Wahlen in Deutsch ö st erreich wohnhaft s i n d und im zwanzigsten Lebensjahre stehen, das Wahlrecht haben. In den nächsten Tagen wird an die jüdische Oeffentlichkeit der Aufruf, ergehen, sich in ditz- Wählerlisten eintragen zu lasse«. Wir zweifeln nicht, daß der Nationalrat die Majorität der Judenschaft Deutschösterreichs vertreten wird. Der Segen dieser legalen Körperschaft, welche in keineln Lande fehlt, in dem ansehnliche jüdische Minorität?« siedeln, wird sich alsbald erweisen, Di« Ausschreitungen gegen Juden in Tarnopoi- Uebex dis in her Nacht vom 13. auf de» 14. Februar von ukxüimschen Goldatm verübten AMchreimna?» M Tqruppos wird uns vorn PrrssrdiM der Ukrainischen Potksrepubiik berichtet; «Uns Ornnd aMhenMer Nachrichten sowie auf Grund vou Berichten von Augen- und Tatzengen wurde festgestestt, daß e§ sich im voftiegmden Falle keineswegs u» eine» Pygro m, oöt dem Menschenleben zu hestage» wären, handelt, sönbsrn, daß lediglich ausaehm;gerte rmd in ihrer psychischen Widerstandskraft geschwächte »krainischi Soldaten sich zu diesen Ausschrertungen haben hinreißeu lassen. Äm selben Tage weilte in Tarnopol eme englischfranzösische Mission. Es sind Anzeichen vorhanden, daß die volnischeAgitation Unterofsiziere bestochen und dir Soldat?« zu diesen Ansschreitunge» verleitet haben um die nwainisch? Regwmng vor der Enrentekymmlsston zu kompromittieren mw die herrschende Anarchie zu zeigen. Durch diese Ausschreitungen sind jüdische Kaufleute an chrem Bezögen geschädigt. Die MdklsfHrer wurden sofort der standrechtlichen Behandlung unterzogen und e r s ch o s s e n> . Ztt diesem ukxamischen Commumquö rst noch hinmzufügen, daß auch her intervenierenden Deputation des Jüdischen Nationalrates für Dstgalizren vom Staatssekretär Dr. Makuch Entschädigung der jüdischm Bevölkerung zugesichert wurde, Dil- ZurMührmlg der Pogrome ans polnische Agitation ist angesichts des polnisch-ukrainischen Kriegszustandes wohl mit Vorsicht anfzunehmen. Man weist, wie derartige Argumente fabriziert werden. Auch die P o l e n haben semerzeit behauptet, daß die Pogromhtldeu von Lemberg vorwiegend Ukrainer waren. Der Antisemittsmus ist jedenfalls auch im ukraimschen Bott großgezogeu und dir verwilderte Soldateska ist eben da wie dort brutal und gewalttätig. Dw Regierung trifft aber die Vera»tworttwg. Jedenfalls ist aus der obigen Verlautbarung zu ersehen, daß die ukrainische Regierung sich dieser Verpflichtung mehr bewußt ist aw sünerznt die polnische bewiesen hat. Die Friedenskonferenz. Verschiebung der Waffenftillstandsheratungem Part«, v. März. lTel.-Komp.) Die Erörterung über die Emeueruug veS Waffenstillstandes aus der Konfereuz wurde verschoben, weil die englischen und amerikanischen Vertreter dir Forderung «ach einer genaueren Unterscheidung zwischen de» vorläustaen rmd dm dauernden Bedingungen, erhoben. Diese neuerliche Berzogenmg der Verhandlungen macht in pollli-- scheu «reisen schr groß« Eindruck und ruft große Mißstimmung hervor. Bei den zionistische« Landarbeiter«. BordereiLung für Palaftt»«. -- Intelligenzler an der Arbeit. — Gemeinsame Wirtschaft. ' r Der Ortsausschuß Wien der „Chaluzim" hatte m lsciu?r konsrituierenden Sitzung u. a. beschossen, jene Gr!:vpLn,di? seit Wochen vom Palästinaamt auf Gütern nächst Wi?n zwecks landwirtschaftlicher Ausbildung innb-rgübracht sind, besuchen zu lassen und hierdurch cinen ständigen wirksamen 5dontakt herzustelleir. Ing. Ornstein wurde beauftragt, zunächst die!1'Fkövnge Gruppe aufzusuchen, die sich als erste beeilt hatte, der Organisation als Kwuza „Judäa" beizuirete!,. Unsor Emissär berichtet nun über diesen seinen Besuoi wie folgt: „Es war für mich eine merkwürdige Einleitung, daß i n Hamsterzug, der mich frühmorgens aufs Land hinaus'iihrtr, allseits nur auf di« Juden geschimpft luurd?, di? am Weltkrieg, Hungersnot und einigem ander?!! Schuld find und nichts arbeiten wollen. Als ftch. in der Bestimmungsstation eingelangt, einen Leiter-!rnagen bestieg, der mich nach dem Gute bringen sollte, :nrnd sich der Kutscher auf meine Frage gleich zurecht, indem er ausries: „Ah, die Zionisten!" D?r christliche Verwalter des Gutes, dem ich mich 'vorstell'r, gab sofort sein Urteil über hie Gruppe dahin ab. Lä f’icit ganz brave Kerle, die guten Willen zur Arb?ü baben, aber trotz ihrer Anstrengungen hinter -ton lang geschulten Slowaken natürlich zurückbleiben. '(it führ!?, mich auf den Wirtschaftshof und am Dach- 'baden eines Magazins fand ich die ersten drei Chaluzim beim Putzen von Gerste. Inmitten einer Staubwolke - standen ft? da, drehten an den Kurbeln einer Maschine luitb waren ihrer Arbeit so hingegeben, daß sie kaum aufblickten. Als der Verwalter sie wohlwollend aßf die Gerstenkörner wies, die beiseite gesprungen waren, und ftnahnk?, daß es sich da nicht so um den geringen Geldtv?rt hLttdr.lt, als um die Schätzung der menschlichen Arbeit, kehrten sie willig die Körner zusammen, k« .Mt Merguerkk. den- .LÄ und £&t. erkannte ich. aus der Menge der christlichen Arbeiter wieder an ihren intelligenten Köpfen drei Juden heraus, die mit einer Maschine Mohn säuberten. Zwei andere, kaum zwanzigjährige Burschen, schritten mit einem schweren Sack vorbei, und einer von ihnen rühmte sich mir daß sie gestern schon 85 Kilogramm aus einmal geschleppt habe». Jetzt sah ich auch noch einen schmucken Judenjungen mit einem leichten Wagen vorüberfahren und erfrug, daß er von einer LandwirtSsamitte herskamme. Der Verwalter zeigte mir bann ein größeres Feld, auf welchem die Chaluzim bis zum Vortage mit Krampen und Schaufel «mgegraben hatten, mm waren sie darin von Slowaken abgelöst worden. Verwalter erklärte dies damit, daß diese Arbeit als j« einförmig, für die Eigenart der Juden nicht recht paffe. Doch scheint mir hier der Wunsch der Slowaken ausschlaggebend gewesen zu sein, da hier die Juden offenbar vorerst nur als Lückenbüßer werten. Dort sitzt auch ihr Häuptling, der „Rosch-Kwuza" ganz verschmitzt auf einem großen Kohlenhausen, zerklopft die Stücke und füllt sie in Säcke. Der Gutsbesitzer, selbst ein Jude, der aber dem Zionismus bisher ganz fern stand, kommt hinzu und versichert seine außerordentliche Zufriedenheit mit diesen Leuten, die nicht nur arbeitswillig, sondern moralisch sehr wertvoll find, „Wenn ich irgendeine Arbeit habe, die Verläßlichkeit, Sorgfalt und Genauigkeit, vor allem aher Ehrlichkeit erfordert, stelle ich die Jude« hin. Vor ein.paar Tagen brachten sie mir drei Arbeiter, bis sie dabei ertappt hatten, wie sie mir größere Mengen Getreide wegtrugen," Schließlich bedauerte der Besitzer, daß er den Juden, denen die Landwirtschaft von HauS aus so fremd sei, noch nicht jede Arbeit, zumal die beim Pieh, anvertrauen könne. Der jüdische Inspektor fügt bei, daß er, gerade als Jude, an die Chaluzim höhere Anforderungen stelle, vor altem nach Pünktlichkett, Disziplin und Ordttungssinn. Diese Begriffe waren ihnen bisher recht unbekannt, doch seiner gute Wille da. Das erkannte ich bald selbst, denn sie haben ihre Kwuza mit Obmann, Kassier und Schriftführer, der sogar leibhaftig« Sitzungsprotokolle führt, vor allem deshalb zusammengeschlossen, um sich diese Eigenschaften beizubringen. So bestimmen sie auch täglich eine Ordonnanz, die ihre Ubikationen in Ordnung bringt. Die Zküche ist glänzend versorgt, seitdem ihre Führung einem Tschechen anvertraut wurde; die jüdischen Köche hatten sich nicht bewährt. DaS Arbeiterhaus ist sehr dürftig, fast verfallen. Die beiden einfenstrigen Wohnräume bergen an Einrrchtungsstücken nur die in zwei Etagen übereinander gereihten, mit schlechtem Stroh gedeckten Pritschet?, einen Tisch und eine Bank; und daalles haben sich die Chaluzim selbst zimmern müssen. Di« zerschlagenett Fenster sind notdürftig verstopft und es läßt sich glauben, daß unjere Freunde da im Winter — ohne Ofen — weidlich gefroren haben. ES ist Mittagszeit und die Chaluzim kommen von der Arbeit heim. Ihre Bekleidung ist erbärmlich; mühsam bergen sie unter zerfetzten Militärmänteln ihre Blößen; einer gar trägt die Rest« eines schwarzetr Smoking; besonders die Schuhe sind schadhaft und zerrissen. Das alles aber tut ihrer Laune keinen Abbruch und jeder holt sich im improvisierten Geschirr sein! Essen. Mir, dem Gast, wird es zugebracht. Es ist rsichlich und sehr schmackhaft: eine falsche Suppe mit Graupen und Nudeln, süße Gerstel und selbstgebackenes^ Kornbrot. Dreimal wöchentlich gibt es gar Fleisch. > Der Disput während des Mittagmahles versttunmt' keinen Moment. Es geht natürlich um Palästina und um Strickers Wahl in der Leopoldstadt, wovoti sie glückselig aus der „Wiener Morgenzeitung" erfahren haben, auf die sie abonniert sind. Namens des Palästinaamtes begrüßte ich die braven Burschen und eifert« sie an, als wahre Pioniere durchzuhalten. Als sie sich beschwerten, daß sie außer den Zigaretten nur einen Schichtlohn von 4 Kronen täglich erhalten, die Sloivakeu aber 7 Kronen, bunte, ich ihnen riameM des Gutsbesitzers eine Steigerung des -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.