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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-05 · Heft 46 (5.3.1919) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46 (5.3.1919)
Date
1919-03-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Mittwoch Wiener Morgenzettung S. März 1919 Rr 46 Kommunales Die Ernährung. Die Kohlenkatastrophe. Verschärfte Sparmatznähmen. — Frühere Sperrstunde -er Aasteehäuser. — Einschränkung des Straßenbahnbetriebes. ' Wir haben gestern die Aeußerungen eines Fach-» manneS iiber die katastrophale Kohlennot wiedergegeben, die geeignet waren, für die nächste Zeit nur sehr wenig Hoffnung auf eine Wendung zum'Bessern aufkommen zu lassen. Daß dieser nur allzu pessimistischen Auffassung leider eine Berechtigung nicht abzusprechen ist. geht aus den Mitteilungen hervor, die der Staatssekretär für öffentliche Arbeiten, Ingenieur Zerdik, gestern nachmittags den Vertretern der Presse gegenüber gemacht hat. Die Kohleneinläufe sind derart schlecht, die daraus entstandene Situation derart kritisch, daß mit dem morgigen Tage eine Verschärfung der Sparmaßnahmen in Kraft tritt. Die Situation ist augenblicklich folgende: Die Durchfuhr der v b e r s ch l e s i s ch e n Kohle wird von den Tschecho-Slowaken nicht freigegeben, wodurch für die nächste Zeit eine große Kohlenmenge verlorengeht, tzm günstigsten Falle könnte oberschlesifche Kohle in Wien vor Mitte Mürz nicht eintreffen. Auch der Transport westfälischer Kohle durch Bayern ist durch die dortigen gegenwärtigen Verhältnisse in Frage gestellt. Aus Ost rau erhielten die Gaswerke gestern nur 12 Waggons Kohle, während der Tagesbedarf 83 Waggons beträgt. Die Elektrizitätswerke haben höchstens für vier Tage noch Strom zum Beliefern. Die Zufuhren für die Bahnen find so gering, daß die nötigsten Zugsverbindungen nur mit.. Mühe abgefertigt werden können. Um einen völligen Zusammen- . bruch Wiens in der Kohlenversorgung womöglich hintanzuhalten, hat nun das Staatsamt für öffentliche Arbeiten - sich. entschlossen, folgende verschärfte Sparmaßnahmen anzuordnen, die, wie erwähnt, mit dem morgigen Tage in Kraft treten. 1. Ein allgemeines Verbot der Gasheizung, mit Ausnahme der Krankenanstalten und der ärztlichen Ordinationsräume. Zu bemerken ist. daß das Gas« kochen von dem Verbot nicht betroffen ist. Die Einschränkung auf ent Kubikmeter Gas bleibt aufrecht. 3. In Pridathaushaltungen dürfen nur zwei Räume einschließlich der Küche und nur mit je einer Lampe beleuchtet werden. Wenn dafür elektrische B-leuchtung in Betracht kommt, so darf eine Lampe mcht mehr als 30 Watt Verbrauch aufweisen. 3. Die S p e r r st u n d e f ür G a st- und Kaffeeh 8 ns e r wird auf 9 U h r abends festgesetzt. 4. Die Betriebe von Personenelektromobilm sind verboten, mit Ausnahme jener, die von Aerzten in Ausübung ihres Berufes benützt werden. 5. Der Straßen b ahnbetrieb wird um zwei Stunden verkürzt, und zwar eme Swnde früh uvd eine abends. . 6. Im Zusammenhang tml der letzten Bestimmung bezüglich der Verkürzung de« Straßenbahnverkehrs werden in der Arbeitszeit der Industrie, in Geschäften und gewerblichen Betrieben Verschiebungen vorgenommen, die sich sowohl auf Beginn als auf Schluß der Arbeit beziehen. 7. Die frühere Einführung der So mm e r z e i t ist angeregt, wodurch eine wesentliche Ersparnis an Gas und Elektrizität erhofft wird. 8. Dre Eisenbahnen werden im eigenen ,W i r k u n g s k r e i s e Einschränkungen vornehmen. Diese Einschränkungen treten Donnerstag m Kraft. Die Dauer dieser Sparmaßnahmen wird davon abhängen, wann und in welchem Ausmaße eine Befferung in den Kohleniuiuhreu eintritt. In maßgebenden Kreisen hofft man, daß vielleicht in zehn- bis vierzehn Tagen die Möglichkeit gegeben sein wird, wieder an einen Abbau der Verschärfungen zu schreiten. Bezüglich der Beschaffung der Kohle für Eisenü a h n z w e ck r hat der Liquidator SektionSchef Burger erklärt, daß rr stch fortwährend bemühe, die Angelegenheit, zu ordnen und in den nächsten Tagen eine Klärung erhoffe.. Bisher ist sie jedoch nicht erfolgt. OberfKlesische Kohle trifft seit einigen Tagen iii Wien nicht ein, und je länger dieser Zustand andauert, desto niehr verschärft sich die Sachlage auch vom Standpunkt des Eisenbahnverkehres. Alle Bemühungen, die bisher telegraphisch und telephonisch btt sämtlichen in Betracht kommeudm Faktoren durch das Staatsamt für Verkehrswesen imternommeu wurden, sind fruchtlos geblieben. Es ist auch mcht zu übersehen, daß, wenn schließlich die Verladung wieder ausgenommen wird, es «och einige Tage dauert, bevor die Kohle anrout. Wenn w kurzem eme Aenderung eintreten sollte, würde der Eisenbahnverkehr etwas weniger getroffen werden. Wenn sich jedoch der heutige Zustand durch «ne längere Periode hinzieht, dann werden erhebliche Drosselungen des schon derzeit s ehr beschrankten -^ werden. Eisenbahnverkehrs unvermeidlich Der Marktbericht. Der Besuch der Märkte war gestern im allgemeinen schwach. Auch in der Großmarkthalle wickelte sich der Verkehr ohne jede Ruhestörung ab. Das Angebot war auch gestern äußerst gering — es bestand aus einer kleinen Menge Würste — aber die Besucher der Großmarkthalle wissen, daß es schon seit langer Zeit in der Großmarkthalle nur gegen Ende der Woche etwas anderes als Würste gibt. Mit der Bahn ist gestern in der Großmarkthalle ein Waggon mit 9,2 Tonnen Rindfleisch eingelangt. Auf dem Fischmarkt gab es Seefische, zu deren Verkauf sich das Publikum angestellt hatte. Verkauft wurden heute: gewässerte Klippfische zu K. 6.20, geräucherter Lachs zu K. 16.—, gesalzene Heringe zu K. 12.— und gewässerter Stockfisch zu Z. 8.2(5 das Kilogramm. Leider waren die zugeführten Mengen sehr gering, so baß nur ein verschwindend kleiner Teil der Angestellten auch etwas erhalten konnte. Die Beschickung der Grünwarenmärkte siel ungünstig auS. .Von den Abendmärkten in Kaiser-EberSdors kam nur wenig auf die Märkte. Die Verkäufer auf den Märkten können beim Einkauf auf der Gärtnermärkten mit den Bezirkshändlern, die die vorgeschriebenen Preise überbieten, nicht konkurrieren, da sie, auf den Märkten besser kontrolliert, beim Verkauf die Höchstpreise einhalten müssen. Es wäre dringend notwendig, daß auch der Verkehr auf den Gärtnermärkten einer strengen Kontrolle unterzogen wird, sonst werden die GrllnwareNmärkte anhaltend schlecht versorgt sein. Wintergemüse kommt auch nicht mehr auf die Märkte, da Heuer die Beete, um sie vor Diebstahl zu schützen, bereits im Herbst abgeräumt wurden und nur wenige Produzenten über entsprechende Räume zur Einlagerung verfügen. Wir haben daher im Herbst an manchen Tag^n Ueberfluß an Kohl und Kraut gehabt, wahrend jetzt empfindlicher Mangel herrscht. Die Milchversorgung. Die Milchversorgung hat insofern eine Besserung erfahren, als die Kinder im Alter vom vollendeten ersten bis zum sechsten Lebensjahr Kondensmilch erhalten und so die einlangenden Mengen frischer Milch ausschließlich für die Säuglinge und Kranken verwendet werden können. Allerdings reichen diese Mengen fast nie aus, um auch nur die Ausgabe der Säuglingsmilch vollkommen sicherzustellen. Für die Zeit der Grünfütterung werden wohl größere Milchlieferungen erwartet, doch wird die Ernährnitg unserer Kinder auch weiterhin gefährdet bleiben, wenn sich die Wiener Regierung darauf beschränkt. Verordnungen zu' erlassen und nicht die Macht hat ober mit den entsprech enden Gewaltmitteln Vorgehen will, um die strikte Einhaltung dieser Verordnungen auch a.uf dem flachen Land und den Produktionsgeöteten der deutsch österreichischen Republik ü b e r h a u p t z u s i ch e r n. Bei der ländlichen Bevölkerung, die schon früher bemüht war, sich der zwangsweisen Milchablieferung zu entziehen, herrscht jetzt vielfach der Glaube, daß die diesbezüglichen Vorschriften und Gesetze außer Kraft wären und seitens der Bezirkshauptmannschaften geschieht nichts, um die ländliche Bevölkerung von diesem Irrwahn zu befreien. Unter den /Augen der Behörde hat sich rings um Wien ein schwunghafter Handel mit Milch entfaltet, ohne daß die betreffenden Bezirkshauptmannschaften oder die Aufsichtsbehörden dev Gemeinden dagegen Stellung genommen hätten. Eine diesbezügliche Ausnahme 'macht nur die Bezirkshauptmannschyft Korneuburg, die dem Unfug dadurch steuern will, daß am Bahnhof allen Reisenden, welche über 3 Liter Milch mit sich führen, die Milch abgeuommen wird. Notwendig wäre es aber auch, daß diejenigen, bet welchen größere Mengen angetroffen werden, dazu verhalten werden, den Lieferanten disser Milch anzugeben. Strenge Bestrafung derjenigen, welche die Milch anstatt abzuliefern, gegen Wucherpreise an Schleichhändler verkaufen, würde sicherlich dazu beitragen, unsere Milchanlieferungen wenigstens auf eine solche Höhe zu bringen, daß unsere armen Säuglinge, deren Mütter durch die schlechten Ernährungsverhältnisse nicht mehr imstande sind, ihre Kinder auf natürlichem Weg zu nähren, nicht dem Verderben preisgögeben sind. Mitteilungen der „Aohö". - *. Heute, Zrntralmagazin: Salz. Dörrgemüse, Paradeis in Essig, Bachmlvcr, Paprika, Bari, Kümmel, Knoblauch, Backobß von 9 bis 12 Uhr. — I. Bezirk: Kleinigkeiten von 9 bis 12 Uhr und von 3 bis 5 Uhr. — H. Bezirk: Geschloffen. — III. Bezirk: Für den IIi. Bezirk von Nr. 2601 bis 3900 Lekwar von 9 bis 12 Uhr. —IV. Bezirk: Für den IV. Bezirk von Nr. 2701 bis 3000 von 9 bis 12'Uhr und von Nr. 3001 bis 8200 von 3 bis 6 Uhr Lekwar. — IX. Bezirk: Nur für den XX. Bezirk von Nr. 1201 bis 1500 von 9 bis 12 Uhr Lekwar. — X. Bezirk: Knoblauch, Salz, Dörrgemüse, Masol, Paprika, Puddingpulver von 9 brs 12 Uhr. — Xll. Bezrrk: Dörrgemüse, Paprika, Sardellen, Masol, Reste von Lekwar von 9 bis 12 Uhr. — Xlll. Bezirk: Zwiebeln, Reibtücher, Relbbürsten, Knoblauch, Salz, Dörraemüse von 9 vis 12 Uhr. — XVII. Bezirk: Reibtücher, Reibbürsten, Paprika, Puddingpulver, Kümmel von 9 bis 12 Uhr. — XVIII. Bezirk : Nur für bic Mitglieder Nr. 2301 bis 2600 von 9 bis 12 Uhr und von Nr. 2601 vis 2 x) von 8 bis 6 Uhr Lekwar. — XIX. Bezirk: Nur für die Mitglieder von Nr. 2301 bis 2700 von 9 bis 12 Uhr Lekwar. — XXI« Bezirk: Dörraemüse, Paprika, Salz, Sardellen, Masol, Suppenmasse von 2 bis i Uhr. Letzte Nachrichten. Wilson für die jüdische Heimstätte. Sine Gemeindeabgabe von Wein. Durch das Gesetz bom 6. Februar wurde eine staatliche Wein st euer emgeführt und die bestehende Verzehrungssteuer von Wein aufgehoben. Der Gemeinde Wien sind durch den 30prozentigen Zuschlag, den sie bei der Verzehrungssteuer hatte, im letzten FriedenSjabr (1913) 1,4 Millionen Kronen eingebracht worden. Dieser Zuschlag fällt durch die Einführung der staatlichen Weinsteuer iveg, und eS ergibt sich die Notwendigkeit, an Stelle des Zuschlages eine eigene Gemeindeabgabe von Wein etnzuführen. Hierüber berichtete in der gestrigen Stabtratssitzung Bizebürgermeister H o ß und stellte folgende Anträge, die angenommen wurden: Bei der provisorischen niederösterreichischen Landesversammlung ist folgender Beschluß zu ertvirken: Die Gemeinde Wien wird ermächtigt, vom 1. Mai 1919 bis zum 30. Juni 1924 eine Gemeindeabgabe von Wein, weinähnlichen und weinhaltig en Getränken mit Ausnahme des TresterweineS in ihrem Gebiete einzuheben. Die Abgabe beträgt pro Hektoliter & 8für Obstmost, Obstwein, Beerenmost. Beerenwein. mÜ^Ausnahme des genußfertige« Obst- und Beerenmostes, bei fccrirbie Garung durch Pasteurisieren oder auf andere Welse gehemmt wurde, K. 2.—. Eine Abgabefreiyeit tritt dort ein, wo eine Befreiung von der staatlichen Weinsteuer KlotzgMt. ^_ Amsterdam, 4. März. Laut dem „Algemeeu Handelsblad" meldet die „TimeS" auS Netv»Vsrk, daß Wilson eine Abordnung amerikanischer Zionisten empfangen und dem Plan der Zionisten, ein Heim für das jüdische Volk in Palästina zu gründen, zugestimmt habe. Wilson erklärte, daß er überzeugt sei, daß die alliierten Nationen mit Amerika darin übereinstimmen, in Palästina die Grundlage für ein jüdisches Gemeinwesen zu s ch a ff e «. Rückgang der Preise — in England. . Haag» 4. März. (Tel. der „Wr. Morgcnztg.") Die t England veröffentlichten Preise per Ende 1918 zeigen fü Lebensmittel. Mineralien und Textil a t1 i! c t einen Rückgangvon ll'l Prozent. Mil Jahres schluß stellten sie stch um durchschnittlich 265'9 Prozent höher al vor Kriegsausbruch. (Das ist, verglichen mit unseren Preisen, ei: i verschwindend geringer Prozentsatz. Bei uns sind statt eines Rück L Jesses nur erhebliche Steigerungen zu verzeichnen. — Die Red. Ans dem,liquidierenden Ministerium für Landesverteidigung. Wie wir erfahrm, ist die Liquidierung des Ministeriums für Landesverteidigung, welche sofort nach der mit 12. November 1918 verfügten Auflösung der Ministerien in Angriff genommen wurdy bereits so weit gediehen, daß die meisten Sektionen und Ab» leklungen teils aufgelöst, teils zusammcngezogen werden konnten Der Mürzcoupon der Kriegsanleihe. Die Tschechen wollen nicht zahlen. In der Gesandtenkonferenz, die heute über das' Telegramm der Entente bezüglich der Auszahlung des Märzcvupons der österreichischen Schuldtttres beriet, gab der Wiener Bevollmächtigte der tschecho-slow a k i's ch e n R e p u b l i k die Erklärung ab, daß bis Negierung der tschecho-slowakischen Republik zu der Auszahlung der Märzcoupons auch in dem Falle nicht beitragen koinn, wenn dadurch der Entscheidung der Friedenskonferenz über die Aufteilung der Haftung für die Staatsschulden Oesterreich-Ungarns nicht präjudiziert würde. Die Stellung der tschechoslowakischen Republik sei eine wesentlich andere, als die der übrigen Regierungen und zwar sowohl betreff s der österreichischen Kriegsschuld als auch der vor dem Kriege kontrahierten Schulden. Die österreichischen und ungarischen Kriegsschulden kann die Regierung der tschecho-slowakischen Republik weder verzinsen, noch zur Bezahlung übernehmen, da diese Kriegsanleihen zum Zwecke der Kriegführung gegen die Verbündeten und gegen das tschecho-slowakische Volk, welches von den VerbMdeten als ein befreundetes Volk anerkannt wurde, allsgenommen wurden. Die tschecho-slowakische Republik würde eine Illoyalität gegenüber den Verbündeten begehen, wenn sie mit irgendeiner Quote für die Zahlung der Coupons der Kriegsanleil-en beisteuern würde. Im Gegenteil muß außerdem die Negierung der tschecho-slowakischen Republik hervorheben, daß sie im Interesse ihrer Staatsbürger das. Recht und die Pflicht hat, Ersatz für die durch Kriegsanleihesubskriptionen verursachten Schäden zu fordern, weil die Kriegsanleihen in verfassungswidriger und ungesetzlicher Weise ausgenommen wurden, und weil die Subskriptionen unter Androhung von Vermögensupd Freiheitsnachteilen, unter Androhung, in die erste Feuerlinie geschickt zu werden, vor sich gingen, wobei man mit Verurteilungen zum Tode und Kerker aller derjenigen, welche der Pariser Regierung des tschechoslowakischen Volkes treu waren und sich weigerten, ihre Geldmittel für die Fortführung des Krieges gegen die Verbündeten herzugeben, nicht sparte. Die, Erben dieser Gewalttäter seien zweisellos die deutschösterreichische und ungarische Republik, welche auch jetzt noch im intimsten Verhältnisse zu den Feinden der Verbündeten stehen. Was die v o r d e m K r i e g e eingegangenen Schulden betrifft, könne sich die Regierung der tschecho-slowakischeck Republik ebenfalls mit keiner wie auch immer gearteten Quote der MärzcouponZ beteiligen, weil die vor dem Kriege eingegangenen! Schulden größtenteils in den den Verbündeten feindlich gesinnten Ländern placiert sind. Die tschecho-slowakische LRegierung wird seinerzeit selbst. Vorsorge treffen, damit sie die Coupons der vor dem Kriege eingegangenen Schulden den Bürgern der tschecho-slowakischen Republik selbst deckt,und wird sich rstit den Verbündeten betreffs Zahlung der Coupons der im befreundeten Ausland sich befindlichen Anleihen im direkten Wege einigen, da sie bei diesen! Staaten diplomatisch vertreten ist und deshalb die Frage direkt erledigen kann. —* < UnderstaaLssekretär Dr. Waben gab demgegenüber die Erklärung ab, daß Deutschösterreich nicht mehr und nicht minder als Rechtsnachfolger Oesterreichs Ungarns angesehen werden könne, als die andren auf dem Boden Oesterreich-Ungarns entstandenen Nationalstaaten. Die Schuldett Oesterreichs schüft« Verbindlichkeiten * fiir alle neuentstanbenen Staaten. Deutschösterreich sei bereit, die ihm zukommende Last zu übernehmen, unter der Voraussetzung, daß auch hie anderen Staaten die auf sie entfallende Last tragen. Uebrigetts handle es sich um die Erfüllung eines von den leitenden Staatsmännern der Entente ausgesprochenen Wunsches, der bei der tschecho-slowakischen Negierung anscheinend wenig Berücksichtigung finde. Dr. Waber behie t sich schließlich vor, die offizielle Stellungnahme seiner Regierung mitzuteilen. Peinhardt Oberkommandant von Berlin. Berlin» 4. März. Wie die „Post"meldet, ist das Ko rv S L ü t t w i tz heute mittags in Berlin emgerückt. Zum militärischen Oberkommandanten in Berlin sei O b e r st Reinhardt! ernannt worden. Schießerei in Karlsbad. ■ Karlsbad, 4. März. (Tel.-Komp.) Heute nachmittags sa>« ans dun Becherplatz eme große Kundgebung für das SelbM-! stimmungSrecht DeutschböhmenS statt, an der mehr als 10.000 Personen teilnahmen. Nach Schluß der Versammlung marschierten die Teilnehmer ab. Bor dem Hotel Krautwein, wo die tschechische Besatzung untcrgebracht ist, war ein Mas m i n e n gewehr ausgestellt, bei den Fenstern des Hotels geigten sich bewaffnete tschechische Soldaten. »Dies erregte bet der vorbeimarschierenden Menge lebhaften Unmut, der sich in lauten Zurufen Lust Machte. Plötzlich sielen au« den Fenstern des Hotels m e h r e r e S ch ü s s e. Es sollen 30 biß 30 gezählt worden sein. Die Menge stob entsetzt auseinander, auf dem Platze blieben 2 T o t e und 6 Verwundete. In der Stadt herrscht über das Vorgehen des tschechischen Militärs große i ErbNtmmL. ..~ . ' -■

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