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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-05 · Heft 46 (5.3.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46 (5.3.1919)
Date
1919-03-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitung 5. März 1919 Nr. 46 Seite' 4'.. Telegramme. Englisches Unterhaus. Freigabe -er Wollernte. — Eine Rheinokkupatiousarmee bis 1920. — Import «ach Deutschland. London, 4. März. (Funkspr. d. Tel.-Korr.--Bm.) Im Unterhaus hat Minister Bonar Law mit-' geteilt, daß die Frage betreffend den T u n n e 1 zwischen England und Irland vom Minister für Straßenbau und Kommunikation in Erwägung gezogen werde. i Der Vertreter des britischen- Kriegsministeriums, .Pra i t erwähnte, daß der Vorschlag gemacht wurde, die diesjährige Wollernte aufzukaufen. Die Kontrolle soll eingestellt und den Wollproduzenten gestattetwerden, ihre Ware auf den, öffentlichen Markt zu bringen. Bezüglich der Abstimmuüg wegen Bewilligung! von zweieinhalb Millionen Mann Kr das Heer erwähnte Winston Churchill, daß der Anforderung infolge der augenblicklichen ungeklärten Verhältnisse stattgegeben werden müsse. Er sei der Ansicht, daß diese Zahl ein Maximum darstelle und jede eventuelle Veränderung der Zahl diese herab-, l'etzen werde. Die finanziellen Bürden würden dadurch verringert werden, daß Deutschland die Kosten der O k k u- , vatiousarmeezubeZahleN habenwerde. , Die Ausstellung der Frei Willi geuarmee zur Verteidigung des . Reiches habe rapide Fortschritte gemacht. Er hoffe, im Laufe des '' Jahres Freiwillige aus den Rechen der jetzt Demobilisierten zur '■ Vcrw e n dungbei der O.k k u p a t i o n s a r m e e - am Rhein zu bekommen. Diese Armee dürfte bis zum Ende 19 20 aufrecht > u erhalten sein. In naher Zukunft werde ■ der Rat der Verbündeten auf eine beschlmnigte Erfüllung der Bedingungen seitens Deutschlands dringen müssen, Deutschland hungere und sei dem Asozialen und nationalen Zusammen- ^brnche gefährlich nahe. Dies sei die Zeit . s ü r F r i e d e n s b e d i u g u n g e n, die Deutsch- -land annehmen und durchführen müsse., a l l s dies v e r s ä u m t würde, hätte man 'niemanden mehr, mit dem der Friede abzuschließen wäre. Nach Unterzeichnung deS F r i e d e n § v er t r a g e s durch Deutschland könnte n Nahrungsmittel und Rohprodukte sofort importiert werden. r Es müsse jedem widerstreben, die Waffe des Hungers auch nur einen Augenblick länger auszunützen, als sie nötig ist, um die Bedingungen zu erreichen, für welche wir kämpften. Zur Erfüllung der Bedingungen sei es absolut notwendig, eine starke Armee am Rhein zu konzentrieren. Die Totenverlöste im Weltkriege. - Washington, 4. März. Die Schlachtseldverluste der dreizehn < am Weltkriege beteiligten Staaten betragen zufolge der vom General M a r sh, Gmeralstabschef des amerikanischen Heeres, zuiammengestellten uud publizierten Liften insgesamt 7^Z54.000 M a n n. Diese Ziffern beziehen sich nur auf die während Aktionen Getöteten und jene, welche infolge der erlittenen Verwundungen gestorben sind. Die Verluste der einzelnen Staaten betrugen: Rußland 1,700.000, Deutschland 1,600.000, Frankreich 1,005.000, Oesterreich-Ungarn 800.000, England 706.000, Italien 050.000, Türkei 250.000, Belgien 102.000, Bulgarien 100.000, Rumänien 100.000, Serbien und Montenegro 100.000, Amerika 50.000. , Tie Stärke der amerikanischen Armee, die sich an den Operationen beteiligte, betrug am Tage der Einstellung der Femd'elistt eiten 2,500.000 Mann. Anarchie in Pole«. Krakau, 4. Marz. (Tel. der ..Wr. Morgenzig.") In den Dörfern Weftgaliziens greift die Bildung von Bauerns o w i e t s um sich. Ueberhauvt ist ein Anwachsen der revolutionären Bewegung in ganz Polen zu konstatieren. In Lublin fanden vor einigen Tagen große Demonstrationen von Bauern und Arbeitern statt, wobei viele Verhaftungen. vörgenommen wurden. Im Gouvernement Plock bilden sich a n a r ch i st i s clße Trupps, die über Waffen verfügen und unter anderem die Verteilung des Bodens nach dem Muster des bolschewikischen Rußland fordern. Auch im - polnischen Sozialismus zeigen sich deutlich radikale Tendenzen. Lemberg von den'Ukrainern eingeschlossen. Ende des polnisch-ukrainischen Waffenstillstandes. Stanislau, 4. März. (Ukrainischer Heeresbericht.) Infolge der von ukrainischer .Sette erfolgten Kündigung des W a f s e n st i l l st a n d e s haben Sonntag um 5 Uhr morgens die K ä m p s e an d e r g a n z e n F ron t w i e d e r begann e n. Die Kündigung erfolgte wegen der den ukrainischen Delegierten durch die Ententemission vvrgelegten Bedingungen hinsichtlich der Demarkationslinie, die sie für unannehmbar erklärten. Im Lause des ersten Tages waren an der ganzen Front keine besonderen Ereigniffe zu verzeichnen. Die ukrainischen Truppen stehen nicht nur in den Vororten Lembergs, sondem auch entlang der ganzen Eisenbahnstcecke Vrzcrnysl—Lemberg. deren Verkehr vollständig unterbrochen ist. Die Lage in der seit vier Monaten belagerten großen Stadt ist für die Bevölkerung so u n e r t r ä g l i ch, daß selbst die polnischen Gemeindevertreter aus Uebcrgabe der Stadt dringen. Das ungarische Heer. Budapest, 4. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Nach einer Meldung des „Magyarorszag" wird die Regierung nn Wege der Anwerbung vier Infanteriedivisionen, eine Szckler Schützendivision und ein Marinedetachement ausstellen, wozu sie im Sinne des Waffen stiMandsvertrages berechtigt ist. Die Offiziere werden aus dem Mannsrhaftsstand von den Soldaten gewählt. Jede Kompanie hat zwei Vertrauensmänner, die sie beim Landesioldatenrat vertreten werden. Oberkommandierender! ft der jeweilige Kriegsnnmster. Ungarn interniert die Preistreiber. Budapest, 4. März. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Ernähnmgsmmister B a l o g h y beabsichtigt, besonders scharfe Maßnahmen gegen die fortgesetzten Preistreibereien inS Leben treten zu lassen. Durch eine besondere Gesetznovelle soll bestimmt werden, daß P r e i s t r e i b e r unter U m st ä n d e n interniert, werden'können. Eine Milliarde für öffentliche Arbeiten in Italien. Zürich» 4. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das rönlische Amtsblatt veröffentlicht ein Rcgierungsdekret, laut welchem der Betrag ,von e i n c r M i l l i a r d e für öffentliche Arbeiten bestimmt wird. Darunter besindet sich der Betrag von 110 Millionen Lire für die Errichtung von Häfen und die Ausgestaltung der Schiffahrt ans dem Po. Königsberg von Regierungstruppen besetzt. Nach Kurzem Kampfe. Königsberg, 4. März. (Wvlff-Bm.) Heute früh sind Regierungstrtlppen in die Stadt cingerückt. Die Arinee- und Marine-Volkswehr ' wurde entwaffnet und. ihr Haupt- : quartier, das Schloß, sowie die übrigen Unterkünfte von Re- -gicrungstruppen besetzt. Seit einigen Tagen hatten die Behörden Gewißheit, daß die spartakistische Agitation daraus ausging, Königsberg in b& Hände zu bekommen. Zugleich waren in dm letzten Wochen einige hundert Matrosen truppweise na ch K o w n o gegangen.. Man stand hier einem Plan gegenüber, Königsberg, und Kowuo in die Hand zu bekoimnen und so eine Etappenstraße B e r l i n — M o s k a u zu bilden, wodurch ein Eingreifen bolschewikischer Elemente in die deutschen Angelegenheiten ermöglicht werden sollte. Als der Vollzugsrat des 1. Armeekorps entgegen dem Beschluß des Großen SoldatenratcS und über den Kopf des Reichskommissärs hinweg die Verschmelzung der Volkswchr mit dem Sicherheitsdienst dekretierte, war ein kräftiges Zugrerfen Gebot der Pflicht. Am Morgen des 3. März wurden die Kasernen der Volkswehr von Regierungstruppen umstellt und die Mannschaften der Volkswchr aufgefordert, die Waffen abzulieferk. Sie kamen dieser Aufforderung meist nach und bloß die in einer Schule liegenden Teile leisteten heftigen Widerstand, der d ur ch A r t i l l e r i e und Infanterie gebrochen wurde. Auch im Schlöffe kam es zu einigen Kämpfen. Der frühere Präsident des Freistaates Oldenburg-Friesland verhaftet. Auf Noskes Befehl. Oldenburg» 4. März. Der Obermatrose K u h n t, der durch die Novemberereignisse in Wilhelmshaven zum Präsidenten des Freistaates Oldenburg-Fricsland ausgerufen wurde, ist hier von der Polizei verhaftet worden. Es lag ein Verhaftungsbefehl des Reichswehrministers Noske gegen ihn vor, aber man konnte ihn einige Zeit nicht finden, bis bekannt wurde, daß eine Sitzung des Lcmdesdireklortums im hiesigen Ministerium «räsidiere. Als die Sitzung zu Ende war, nahmen ihn Geheimpolizisten in Empfang und brachten ihn ins Gefängnis., Hieraus wurde er nach Berlin überführt. Kaperung deutscher Handelsdampfer. Kopenhagen» 4. März (Tel.-Komp.) Die französischen Kriegsschiffe „M o n t c a l m" und „T e n e r a i r e", die im Großen Belt operieren, haben deutscheDampferausgebracht, die dort ohne Flagge gefahren sind. Die Preffeknebelung in München. München» 4. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) Der Kamps der Radikalen gegen die Presse nimmt immer sonderbarere Formen an. Die von Elsner begonnene Fehde wird jetzt vom Preffeausschuß, der vom Münchner Zmtralrat eingesetzt wurde; geleitet und fortgeführt. Diese Körperschaft, welche nicht nur die Presse zensuriert, zwingt auch die Zeitungen zur Aufnahme tendenziöter Nachrichten. In der „Augsburger Zeitung" wird der Vorschlag gemacht, die Vertreter der auswärtigen Presse in S ch u tz h a f t oder sogar als Geiseln festzunrhmen. Der Parteitag der Unabhängigen. Berlin, 4. März. In der heutigen Sitzung des Parteitages der Unabhängigen erstattete Karl Kautskh das Referat über die internationale Konferenz in Bern. Er ,führte unter anderem aus: Der B ö l k e r b u n d, wie er jetzt in Paris ge macht wurde, ist eine Mißgeburt. Er muß unter dem Druck des Proletariats aus einem Bund der Regierungen zu einem Bund der Volksvertretungen umgestaltet werden, Wir können es nicht billigen, daß nur die deutschen Kolonien unter internationale Verwaltung gestellt werden. AlleRohstofsquellen müssen inte rnational bewirtschaftet werden. In der elsaß-lochringischen Frage ist eine Volksabst mmung notwendig. Zur Frage der Schuld am Kriege gelang es nicht, von den deutschen Mehrheitssozialisten eine klare Erklärung zu erlangen, daß sie durch ihre Polllik am Kriege mitschuldig seien. Die internationale Konferenz hat gezeigt, daß m der Haltung der englischen Arbeiter eine kolossale Wandlung zugunsten des international i Sozialismus vor sich gegangen sei. In England sind die Bedingungen für die Sozialisierung günstiger als in Deuffchland. Die Internationale muß jetzt eine Institution zur Durchführung des Sozialismus werden. Zur Debatte haben sich 68 Redner zum Worte gemeldet. „Der Sozialismus ist da lu Ein Befchwichttgungsaufrüf der deutsche« Regierung. Berlin, 4. März. (Tel. der „Wr. Morgmzta.") Die Regierung wird morgen in Hunderttausenden von Plakaten und Flugzetteln in Berlin und im ganzen Reiche nachstehenden Aufruf verbreiten: D er Sozialismus i st da! Das Kohlenshndikat wird sofort sozialisiert. Dadurch gewinnt das Reich, das heißt, das ganze Volk, noch vor der Sozialisierung der Gruben Einfluß auf die gesamt Kohlen- und schwere Industrie. Die Sozialisierung des Kallbergb a u e s ist in schleunigster Vorbereitung. Das allgemeine Sozialisierungsgcsetz ist der Nationalversammlung vorgelegt. Es begründet an Stelle der früheren schrankenlosen Privatlpirtschaft die deutsche G e m e i n w i r t s ch a s t, das Hecht: Wir alle regeln diese deutsche Gememwirtschast. Das Reich wird dafür sorgen, daß überall nach den Forderungen des Gemeinintereffes. nirgends im privatwirtschaftlichen Interesse gearbeitet wird. Und das ist Sozialismus! . Der Konferenzgedanke. Eine Rede Wilsons. Washington, 4. März. (Tel.-Komp.) In einer Versammlung der Gouverneure der Vereinigten Siaaten und der Bürgermeister der Großstädte sprach P r ä s i d e n t W i l s^o n und sagte unter anderem: Zum erstenmal, in der Geschichte besteht eine allgemeine Sympathie für, einen Konferenzgebauten/ eine Sympathie, die sich nicht nur Wischen den Regierungen, sondern auch zwischen den Nationen und Mächten offenbart. Wir haben in Paris die Überzeugung gewonnen, daß'es unsere Aufgabe ist, alles zu tun, um ausfindig zu machen, wie dieser Wunsch am schnellsten und beste» verwirklicht werden kann. Bei jedern Schritt müssen wir bedenken,, daß wir n i cht d i e H erteil, sondern dieDien er d e r V ö l k e r und der ganzen Menschheit sind. Wir müssen die Wohlfahrt durch öffentliche Regelung m fördern suchen und nur * so können wir als Diener der Menschheit den Weltfrieden sicher stellen. Wenn unsere Arbeit scheitert, würden wir zum schlimmste« Mißtrauen der Völker verurteilt werden. Der blutige Tag in Berlin. Mißhandlung von Ossizieren. Berlin, 4. März. Die Abendblätter melden Übey' den Zusammenstoß auf dem Alexanderplatz: Gegen- 12 Uhr hatte sich dort eine große Menschenmenge ein-,' gefunden. Es'kcyn zuwn st e n Ausschreikungen*‘ So wurden zwei? in einer Droschke fahrende Offiziers aus dem Wagen gerissen und zu Baden geworfen, worauf die Menge sie schlug und ihnen d is Uniformen vom Leibe riß. Regierungstruppen schritten hierauf zur.Räumung des Platzes.'Als diNJ Men^e nicht freiwillig wich, filhren die Truppen mit- /• Panzerwagen auf und schossen in die Masse!- hinein, als die Zusammenrottungen immer drohenderlwurden. Hierbei wurden 6 Personen getötet und?:' mehrere verwundet. > Straßen- und Artilleriekampf, Berlin, 4. März. (Tel. der „Wr. Morgenttg.^) In dm ' heutigen Nachmittagstunden kam es zu s ch w e r en Zus a mme»- st ö ß e n, namentlich im Osten ereigneten sich erbitterte Kämpfe. In der Umgebung des Polizeipräsidiums und am Alexanderplatz machten die Regierungstruppen wiederholt vonderWasf» Gebrauch. Die Zahl der Toten, die in den Vormittagstmtdew. 20 überschritt, ist dadurch erheblich g e st i e g e u. In der . Franksurterstraße fuhr Ar' t i l l e r i e aus, die m die Kämpfe /, eingriff. Auch im Zeitungsviertel wurden Schöffe gewechselt. Dev, Streck dauert in unvermmdetter Härte an. Plünderung von Fleisch- und Bäckerladen. Berlin, 4. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Heutevormittags kam es im Norden Berlins zu einem Sturm auf die Fleisch- und Bäckerladen. Hunderte aufgeregte Frauen drangen in die Geschäfte, und räumten alles aus, eye dre Polizei einschrettm konnte. Die Lebensnitttelgrschäste haben infolgedessen gesperrt. Plünderungen im Stadtzentrum. Berlin,. 4. März. (Telegramm der »Wr. Morgenztg") Der Alexanderplatz, auf dem sich das Polizeipräsidium befindet, war abends der Schauplatz der heftigsten Kampfe. Schließlich wurden die fpartakistifchen Banden von den Regierungstruppen zurückgetrieben. Zu scharfen Zusammenstößen kam es auch beim Schlesischen Bahnhof. Ein Soldat der republikanischen Volkswehr wurde in die Spree geworfen, drei Schutzleute wurden erschossen. Abends plünderten * bewaffnete Banden im Zentrum der Stadt. Der Ansturm gegen das Polizeipräsidium wiederholte sich abends mehrere Male, bis zur Stunde jedoch ohne Erfolg. Einstellung d es Stratzenbahnverkehrs.-- Sturm auf die Polizeiwachstnden. Berlin» 4. März. Im äußeren Straßenbild macht sich btt Ausbruch des Streiks heute nur insofem bemerkbar, als der sonst . überaus dichte Straßenbahn- und Omnibusverkehr gänzlich e i n g e st e l l t ist und infolgedessen aus den Bürgersteigen eine , außerordentlich starke Frequenz herrscht. Die Gcschäftsladeu und Großwarenhäuser sind geöffnet. Die bereits gestern nachmittags erfolgtm schweren Ausschreitungen des Pöbels haben m der Nacht ihren Fortgang genommen. : Bis heule früh liefen Meldungen aus 32 Polizeirevieren ein, daß dortselbst dir Wachstuben öon.btt . Menge gestürmt worden seien. Die Polizeioifiziere wurden schwer mißhandelt und die nicht starken Wach- . besatzungen — die Polizeimannschaften machten Straßendienst 7- , gezwungen, die Lokale zu verlassen, in denen bewaffnete Zivil-: Personen zurückblieben. Der Streik nicht allgemein? Berlin» 4. März. (Tel.-Komp.). Der Generalstreik ist bis . in den heutigen Nachmittag noch mcht allgemein zum Ausbruch gekominen. In einzelnen Fabriken, wie zum Beispiel in der.. ■ Spandauer Gewehrsabrik und in der Artilleriewerkstätte ist es bereits zu großen Protestkundgebungen gegen den Strerk gekommen. Auch im Elektrizilätswerk, das nach den „Mitteilungen der Streilleitung" nicht zu dm im Ausstande . ' befindlichen Betrieben gehört, wird t e i l w e i s e n 0 ch ge--, arbeitet. Der Straßenbahn- und Untergrundbahnverkehr ist aller-; dings stittgelegt. Dagegen arbeiteten Telephon und Telegraph bis in die Abendstunden ungestört Wetter. Abends wurde der private Telephvnverkehr in Berlin unterbrochen. Die Arbeiter der städtischen Werke sind heute vollzählig zur Arbeit erschienen. Verhandlungen zwischen Streikleitung und Regierung. Berlin, 4. März. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus Weimar: Heute nachmittags traten in Weimar die Vertreter der Groß-Berliner Steigleitung mit der NeilWregierung in Verhandlungen. Die Forderungen sind extremster Natur. Die Regierung will unter keinen Umständen den Räten politische Rechte einräumen. . v Die „Rote Fahne" eingestellt. Besetzung der Redaktion durch ein Freiwillige«- r: regiment. c: Berlin» 4. März. Die Trnvpm des Regiinents Reinhardt haben,heme uachrs die „Roie Fahne" ohne Kampf besetzt. Die - Driickca und Setzer sowie die Redaktion wurden gezwungen, das'? Gebäude zu verlasse n. Das Hans wird bete tz! '' ocTmlten. '

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