Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 45 (4.3.1919)
- Date
- 1919-03-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979122--00384-2985670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Wien, Dienstag Wiener Morgenzertrmg >». . — I miriiB?iri~»iii'aa%Hg>f-' Tim .. im ■»—»■*. . T . ..... - ■ ---- ---- aus England zurückgekehrte Redakteur Herr M. F r o st i g am Mittwoch den 5. März mit 6 Uhr abends im Fcstsaal deZ Hotels .Kontinental", H., Taborstraße 4, vortragen. Für die Neueinrichtung, beziehungsweise Vervollständigung jüdischer Vereins- Md Dolksbidliotheken kann nachstehend eine Reihe guter, billiger jüdischer Bücher Md Broschüren durch die Buchhandlung R. L ö w i t, Wien,k.,Rotenrurmstraße 22, bezogen werdm: M. B i l e s k i: Achad >vaam. Darstellung und Kritik seiner Lehren. Hrsg, vom K. j. V., K 2L0. — Dr. N. Birnbaum: Was stnd Ostjuden? Zur ersten Information, K —L6. — Dr. N. Birnbaum: Den Ostjuden ihr Recht, K —.96. — Dr. N. Birnbaum: Gottes Volks. K 2.64. - Alth ebratsche Gedichte, übersetzt von O. Hauser, K 1.32. — Dr. M. Buber: Mein Weg zum Chassidismus, K 2L0. — Dr. M. Buber: Völker. Staaten Md Zion, ll.1.70. — I. Benzinger: Geschichte Israels bis auf die griechische Zeit, K 3.96. — Dr. S. Funk: Talmud? Proben, A 3.96. — BiblischeNvvellen (Esther Ruch Jona), übersetzt von O. Hauser, K 1.32. — Fr. Oppenheimer: Genossenschaftliche Ansiedlung von Juden in Palästina, K —.30. — L. Pinsker: Auwemanzipation, L 2.20. — A. Schurker: Der Rassenadel der Juden, K 1.10. — L. Herrmann: Nathan Birnbaum, K 1.10. — M. Goldstern: Begriff und Programm einer jüdischen Nationallitera u7, K 1.10. — Pro fesso r D r. M. Braun: E'n strrzer Gang durch die jüdische Geschichte, K 1.98. Ein kurzer Gang durch die jüdische Literatur. K 1.98. — Th. H e r z l: Der Judenstaat. Neue Ausgabe mit Vorwort von Professor Wartung, K 4.40. — A. Ruppin: Zionistische Kolonisationspolttik. Stenographisches Protokoll' der Verhandlungen des X. Ziomstmkongreffes in Basel, K 3.30. — (Dre Liste wird fortgesetzt.) ' — " k Komnmnales. Die Köhlenkrise. Die Industrie vor einer Katastrophe. Bon informietter Seite wird uns über die Zuspitzimg der Koblenknse Md chre Folgen ein Bild entworfen, das jür die nächste Zeit uns mit den schwersten Sorgen erfüllen muß. Unser Gewährsmann, der zugleich als hervorragender Fachmann auf dem Gebiete der Kohlenindustrie tätig ist, sieht die augenb! ckliche fLttuatwn sehr pessimistisch an. we l er dre Ursachen wo anders lucht, als, allgemein angenommen wird. „Die Situation — sagt un»er Gewährsmann — hat sich seit den letzten drei Tagen nicht nur nicht gebessert, sondern sie ist t r.o st l 0 s e r d e n n je, Die Köhlen-' Zufuhr ist ganzunterbundem Dabei muß ich bemerken, daß die Ursache nicht so sehr in den Maßnahmen der ischecho-slowakischen Regierung an der Grenze zu suchen ist, lostdern in dem Umstande, daß dieZufuhrausDeutsch- * a,n ^gerade in den letzten Tagen g a n z versagt hat Md für die nächste.« 6 .bis 7 Tage keine Hoffnuna auf eineWendung zum Bessern, besteht. Die Ursachen dieser Kalamität aber stnd die tr 0 st-' losen politischen Zustände in Deutschland. Die Arbeiter fördern nicht mehr oder. nur ,minimal. Die bolschewikische Welle icherntbereits einensolchenDruck erreicht 5 u h a b e n, d.a ß die Arbeiterihmnochkaum widerstehen k ö n n e n. Darauf ist nun die teils, geringe, teils die ganz unterbliebene Zufuhr aus Deutschland zurückzusühren. Sre nnder ihren sichtbaren Ausdruck darin, daß in der Embruchsielle Mittelwalde von Arbeitern die Schienen ausgerissen wurden, damit eine eventuelle Zufuhr verhindert werde. Wir werden, allerdings nicht erfrieren, dazu ist die Jahreszeit zu weit vorgerückt, aber u n s e r e I n d u st r i e geht, wenn die Kohlenzufuhr für de nächsten Tage Mterblcibt, und ich bin Pessimist genug eszu glauben, einer schweren Krise, wenn nicht K a t a st r 0 p h e entgegen. Die bevorstehenden Einschränkungen in der Beleuchtung und Beheizung» Gestern nachmittags fand von V«5 bis V28 Uhr im Staatsamte für öffentliche Arbeiten eine Besprechung statt, an der mtter dem Vorsitz des Oberbaurates Dr. Kloß die Vertreter der interessierten Gewerbe und die Vertreter der verschiedenen Staatsämter, des Polizeipräsidiums usw. teilnabmen. Es wurden keine entscheidenden Beschlüsse gefaßt, aber, es wurden die folgenden neun Sparmaßnahmen besprochen, die in den nächsten Tagen in Kraft treten werden : 1. Die Verkürzungdes Straßenbahnnerkehres in bezug auf die Zeitdauer in der Früh und am Abend; 2. die Einschränkung der elektrischen Motorwagen; 3. Einschränkung der Hmisbeleuchtung; 4. S ch l i e ß u n g der Kaffeehäuserum9Uhr; 6. Theater, Kinos und KonzeMle dürfen nur andreiTageninderWocke geöffnet werden; 6. die Kanzleien werden erst um halb 9 Uhr nüh beginnen, aber früher schließen; 7. die Lstts werden vollkommen eingestellt; 8. die Zitnmcrbeleuchtuna wird auf zwei Räume einschließlich Küche reduziert; 9. die Gasheizung wird vollkommen erngestellt. Die Kohlrnersparnis durch diese Maßnahmen wird in der Woche zirka 150 Waggons betragen. Die Ernährung. Ein Kompensationsübereinkommen mit Ungar«. Budapest, 3. Marz. (Tel. d. „Wr. Morgenztg.*) Zwischen den Regierungen Ungarns und Deutschösterreichs rst ein Ueberrinkommen zustandegekommen, wonach wir 400 Stück Schlachtvieh, 1000 Pferde, 400 Schafe und etwas Kartoffeln bekommen sollen, wofür wir Schuhe für landwirtschaftliche Arbeiter i m .doppelten Werte abgeben müssen. Mit dem Transport lrvird gegenseitig schon in der nächsten Woche begonnen werden. / Die Riiidfleifchansgabe. In einer heute im Ernührungs- ^amt stattgefundenen Sitzung wurde beschlossen, in der am 6. d. M. -beginnenden Fleischbezugswoche die Fleischkarte für Verbraucher einschließlich jener, die Konsumentenorganisationen angehören, ausschließlich mit Rindfleisch einzulösen, doch mußte die bisher in Geltung gewesene Quote von einem i Achtel Kilogramm auf 10 Dekagramm pro Person und Woche herabgesetzt werden. Zur Versorgung der Zivil- und Militärspitäler mußte auch Schafsleisch herangezogen werden. ,Die genannten Heilanstalten erhalten in dieser Woche nur :-0 Prozent ihres jetzigen Bedarfes zur Suppenbereitung in Rindfleisch, der restliche Bedarf wird durch Zuweisung von schafsleisch gedeckt. Die Gemeinschafts- und Kriegsküchen, die Ga st wirtschaftet! und Pensionen erhalten in der Woche vom 6. bis 12. März nur ' Z dj af f lei sch zugew iesen. Von den für die Ausgabe bestimmten Mengen ist ein Teil erst im Anrollen begriffen. ^Aus diesem Grunde kann die Zuweisung von Vieh und Fleisch cm die Fleischhauer diesmal erst Mittwoch, den 5. d. M. erfolgen. Die Ausgabe des Fleisches an die V e r- ,braud)et kann daher diesmal erst ab SamStag fog.« Z. a. M.?.r?o,lgen. Aeim. Bezug des Fleisches, ist diesmal der Abschnitt 9 des Einkaufscheines für Rindfleisch abzutrrnnen, und zwar je einer, wenn das Fleisch in zwei Raten bezogen wird, oder beide gleichzeitig, wenn der Bezug auf einmalerfolgt. Abgabe von Sauerkraut und Sauerrüben. Die Mgabe von Sauerkraut, und Sauerrüben wird auch in dieser Woche fortgesetzt und die Ware ohne Einschränkung der Menge und ohne Vorweisung einer Ausweiskarte abgegeben. Ab heute beträgt der Preis für Sauerkraut K. 1.40, für Sauerrüben K. 1.13 für 1 Kilogramm. Abgabe von Unterzündholz. Die Abgabe von Kilogramm Unterzündholz an einen Haushalt für eine Woche erfolgt vom 1. bis 8. d. M. gegen Abtrennung des Abschnittes F der beiden.Fleischeinkausscheine (grau und rosa). Der Preis ist unverändert. Die Austeilung der Schweizer Liebesgaben. Die Durchführung der Verteilung der Schweizer Liebesgaben an die bereits bestimmten Anstalten und Korporationen wurde dem Oberrechnungsrat Hermann Löster, Leiter der Fürsorgezentrale, Abteilung Ausspeiseaktionen, übertragen. Zur Aufklärung der Bevölkerung wird mitgeteilt, daß die Verteilung erst irn Laufe der nächsten Woche begonnen werden kann, da die Sichtung der Waren erst zu diesem Zeitpunkt vollendet sein wird. Dem Wunsch der Schweizer Hilfskommission entsprechendwerden alle Liebesgaben unentgeltlich,, und zwar ausschließlich unterernährten und unbemittelten Wiener Kindern vom begonnenen 3. bis zum 14. Lebensjahr zugute kommeck. Letzte Nachrichten. Die Vorsriedensbedingungen. Genf, 2. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.") Nach dem „Progres de Lyon" werden die Bedingungen für den Präliminarfrieden unter anderem enthalten: Herabsetzung der Stärke des deutschen Heeres aus 200.000 Mann unter ftäiidiger Kontrolle der Entente, besonders auch 'in Hinsicht der Ar.illeris und des Ftugwe.ens, sernec oie Äschränkung d.er Produktion von Kriegsniacecial; Deutschland wird einen jährlichen Tribut von 10 bis 15 Miliarden zu zahlen haben, der > durch besondere Steuern und durch Kontro.le der Zölle seitens der Entente ge- - sichert wird. Die Dauer des Tributs soll auf 30 bis 35 Jahre festgesetzt sein. Ferner müften binnen 14Tagen a.le Unterseeboote und Unre r seeb oo rwe r ften vernichtet werden. 24.000 Millionen Pfund Sterling Kriegs- I entfyädigung. , London. 3. März. Das Reutersche Bureau meint, es sei wahrscheinliche daß 2 4.0 0 0 Millionen Pfund Sterling von den Feinden beansprucht werden, und zwar ein großer -Teil jetzt und der Rest in 25 bis 30 Jahren zahlbar. Der Gesamtverlust an Kriegsschiffen. Paris, 3. März. Laut einer Nachricht aus.authentischer Quelle betrugen die Verluste der S e estreitkräfte der Verbündeten 830.000 Tonnen, von diesen sollen 550.000 Tonnen auf Großbritannien fallen; die Verluste der Zentralstaalen belausen sich aus 415.000 Tonnen, von welchen 350.000 Tonnen auf Deutschland fallen. Der Handelskrieg gegen Deutschland. Paris, 2. März. Wte aus Washington gemeldet wird, cmpsichlt, Mr. Palmer, früherer Scquestrcnor der austandlschen Guthaben, nunmehr Generalstaälsanwatt, m einem vom P r ä s i d e n t e n. W t l s o n an den Senat gelettelen Bertcht, nur der L i q n r d t e r n n g der f e t n d l t ch e u G u t h a b e n, dte auf 7uo Mtlltonett Dollars geschätzt werden, tortzufahren, um eventuelle von den Deutschen unternommene Versuche, ihre Vormachtstellung in Handel w t e d e r a n s ^.ch z u r e t ß e n, zu verhindern. Die Wiedergutmachung der Teilungen Polens. Amsterdam» 3. März. Dem „Trlegraaf" wird aus Parts gemeldet: Dte. Kommission für die polnischen Angrlegenhcucn hat bet der Festsetzung der Wcngrenze von Polen bejchlosien, Polen s erne Grenzen vo nl 7 7 2 zurüazugeben und es außerdem in Oberschlefien schadlos, zu stellen. Der bayrische König auf der Flucht. Innsbruck, 2. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der frühere König von Bayern ist vergangene Woche im' Automobil in Begleitung seines Adjutanten und zweier Diener in Kufstein eingetroffen in det Absicht, so lange zu bleiben, bis in Bayern Ruhe eingetreten wäre. Nach zwei Tagen traf im bayrischen Grenzdorfe Kieferfelsen, das eine halbe Stunde von Kufstein entfernt ist, eine Gruppe von Spartakist.en ein, anscheinend in der Absicht, den König zu verhaften. Ihre Ankunft wurde aber rechtzeitig bekannt und der König entschloß sich, die Reise in das Innere -es Landes fortzufetzen, woraus er nach. Innsbruck kam, wo er von verschiedenen Seiten Unterstützung fand.. Er begab sich sodann in ein abgelegenes, ruhiges Tal im Westen Tirols, wo er bis auf weiteres zu bleiben gedenkt. Prinz Leopold von Bayern ist mit seiner Gemahlin und Familie ebenfalls über die Grenze geflüchtet und hat in Rentte bleibenden Aufenthalt genommen. Die italienische Staatsschuld. Parks, 2. März. Nach einer' aus Nom eingetroffenm amtlichen Meldung ist die konsolidierte italienische nationale Schuld seit 1914 von 15 Milliarden auf 48 M i l l i a r d e n Lire angewachsen. In dieser Ziffer sind weder die schwebenden noch die im Auslände kontrahierten Verschuldungen inbegriffen Die Notenabstempelung in Prag. Prag» 6. März. (Tel. der »Wr. Morgenztg.") Die Ab" stempelung ging heute in a l l e r N u h e vor sich. Es kam zu keinerlei Ausschrettungen., Das Bestreben der Bevölkerung, das Geld in Ware. umzutauschen, hält an, obwohl die dgrgebotenrn Warert. meist, minderwertig und' teuer sink». 4. März 1919 Nr. 45 Die Ansschreitnngen in Prag. Prag, 3. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg."> Der heutige uL.aa verlief ruhig. Rur gegen Abend kam cs am Graben wieder ' zu Schmähungen gegen Deutsche und Juden. Der bekannte Großkausmann Siegmund Kann wurde, als er sich zu einer Sitzung begeben wollte, leicht verwundet. Die tschechische Donauherrschaft. Parks, 2. März- Die Unterhandlungen, welche rm Jänner und Februar zwischen dem Führer der englischen Donauschutztruppen, den Tschechen und den Jugoslawen stattfanden, haben zu dem Resultat geführt, daß die tschecho-slowakische Republik in der Generaldirektion in Belgrad vertreten sein und'eine fast souveräne Stel^ lung auf der Donau von Preßburg bis Bacs einnehn.en wird. Sie wird überdies das Recht hal"en, auch andere- Teile des Flusses zu befahren. Dieser Beschluß-muß als' ein vorläufiger angesehen werden, da er nur bis zum Friedensschluß Gültigkeit hat. SWrt. 2Las ist Körpersport? Bei recht sätwachem Besuch' fand am letzten Fretlag em Sprechabend des Zentralverbandes für gemeinsame Spornnleressen stakt. Heber das in der letzten Zeit viel behandelte Thema „Was ist Körpersport?" wurde eine lebhafte Wechselrede geführt. Eme klare Defininon für den Begriff Körpersp'ort zu geben, ist das Bestreben aller Svortkrecke; - ob man sie je erreichen wird, ist m>hr als fraglich. An der Debatte beteiligten sich emtge Sportsunkctonäre sowie Sportjournalisten, Schließlich wurde ein viergliedriges Komitee eingesetzt, das dem Zcntralverbande Definitionsvorschläge unterbreiten soll. Der S. K. Kadima sp elte am Sonntag gegen dey Währtnger Byctcle Club 1:1. In der Mannschaft, die sich fast durchwegs aus ehemaligen Hakoahnern zusammcnseyte, bot Grasgrün als Mittelläufer dte beste Leistung. BudapesterFutzball. Dte Meisterschaftsspiele des Sonntags hatten sehr darunter zu leiden, daß der Boden durch den Regen total ausgewetcht war. Ätachstehend die Resultate: B. A. K.— Staatsbahnen 3:1 (8:0U T. T. C.—33er F. C. 2:0 (1:0); F. T. C.—K.spest A. C. 2:0 (1:0); M.'T. K.-U. T. E. 2:1 2:0)' B. T. C.—-Hl. Bez. Turn-Fechtklub 1:0 (0:0); Etsen- (uub Metallarbeiter—Torckves 2:0 (0:0). Sine holländische Fußballmannschaft spielt zu Ostern in Aachen und München. ✓ , Der Prager deutsche Fußballklub, der früher in seiner ersten Mannschaft zahlreiche Tschechen eingestellt batte, muß jetzt mit zahlreichen neuen Kräften arbeiten, da alle Tschechen aus dem Vereine ausgetreten sind. Der Volkswirt. Währungsanleihe oder Goldsteuer? Von Dr. Leo Rabinowitz. Aus der Wirrnis unserer wirtschaftlichen Lage einen' Ausweg zu finden, scheint bei der Undurchdringlichkeit des Vor- - Hanges, der sich vor unserer Zukunft breitet, ein vergebliches Beginnen. Diese Hoffnungslosigkeit hat viele zu der irrigen' Ansicht geführt, unsere materielle Zukunft sslbst sei hoffnungs-' los. Und das Volk, das seit fast fünf Jahren von lauter enttäuschten Hoffnungen lebt, läßt sich allzuleicht zu völligem Pessimismus verführen. An dieser Stelle aber soll die Möglichkeit einer Wiederherstellung unseres Wirtschaftslebens durch eine äußere Währungsanleihe oder, als letztes Mittel, durch innere GoldaufbringNng untersucht werden. Alle Staaten der ehemaligen Monarchie kleiden unter einem katastrophalen Rohstoffmangel, dem sich in industriell hochentwickelten Gegenden sowie in Gegenden mit sehr dichter Bevölkerung ein empfindlicher .Mangel an Lebensmitteln zugesellt. Lebensmittel und Rohstoffe können aus Rußland, dem natürlichen Versorger des einstigen Oesterreich-Ungarn wegen des dort herrschenden Chaos nicht bezogen werden. Wir müssen daher alles bei unseren ehemaligen Feinden kaufen und brauchen dazu die noch immer feindliche Valuta. Leider aber kann keiner der neuen Nationalstaaten mit Ausnahme Tschechiens durch eine irgendwie nennenswerte Kompensation fremde Valuten erwerben. Dort, wo die Wagschale der Nachfrage immer mehr belastet wird, 1 ohne daß durch ein Angebot das geringste Gegengewicht geboten , würde, muß die fremde Valuta immer mehr und mehr steigen, Dazu kommt die Aufrechterhaltung der Blockade, welche die Hoffnung aus eine Besserung der Handelsbilanz ausschließt. Eine gründliche Besserung könnten wir uns zunächst von einer liberal bewilligten Anleihe Amerikas oder Englands versprechen. Wir könnten uns dann während der Zeit des Wiederaufbaues unserer Produktion ernähren; wir könnten für diesen Wiederaufbau Materialien besorgen;. wir könnten die Regelung unsxrer wirtschaftlichen, vornehmlich' unserer finanziellen Verhältnisse in voller Freiheit durchführen; die Reduktion des Notenumlaufs ohne Gefahr des Zusammensturzes unseres Wirtschaftsgebäudes mit rasch wirkenden, radikalen Mitteln bewirken;, endlich unaufschiebbare Aufgaben sozialen und wirtschaftlichen Charakters, wie Arbeits- . losen- und Jnvalidenfürsorge, Bodenreform, Rohstoffverteilung, lösen. So g« wannen wir darin jene Sicherheit und Solidität des staatlichen Lebens, die ünS vor allem"in Stand setzen würde, zu existierest und uttsere Schulden, hauptsächlich aber diese Anleihe, zu tilgen, Unsere. Gläubiger, das heißt diejenigen, die wir als Gläubiger für diese Anleihe in Aussicht nehmen, könnten durch zweierlei Motive zur Gewährung der rettenden Kredithilfe bewogen werden. Das erste Motiv wäre der Glaube, ein gutes Geschäft zu inachen. Indes, es wird wenig Leute geben, die unseren Feinden so viel Optimismus oder so viel Naivität zumuten. Denn selbst wenn unser Staat, als Unternehmen bewertet, gut und vertrauenerweckend wäre, so sind doch biejeiiigett, die dieses Geschäft verwalten, zweifellos mit diesen Eigenschaften nicht begabt. Unsere erste Aufgabe wäre nun, die veraniwori- . licherr Stelscn mit solchen Beamten ztr besitzen, die durchs