Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 44 (3.3.1919)
- Date
- 1919-03-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Wiener Morgenzerrung 3. März 1919 9?N Wien, Montag Jugoslawien. Keine Mobilisierung. , Laibach, 1. März. Die Meldung des Reute v s ch c n Bureaus, daß nach Berichten au3 Italien in Jugos l a w i e n d i e a l l g e in e i n e M ü b r l i s i e r u n g angeordnet worden sei, ist das Korrespondenz-Bureau Laibach nach ' mi zuständiger Stelle eiugeholten Informationen zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Nachricht völlig aus der L u f t g e g r i f f e n ist und auch alle mit ihr im Zusammenhang stehenden Kombinationen dadurch von selbst hinfällig werden. Eine sozialdemokratische Partei. - .Laibach, 1. März. (Laib. Korr.-Bur.) „Slowenski Narod" meldet aus Belgrad: In einer Versammlung in Brod wurde beschlössen, eine e i n h e i t l i ch e s o z i a l d e m o k r a t i sch e Par t ei für das ganze Gebiet des jugoslawischen Staates zu »nden. * Gegen die Seuchengefahr. . ' Laibach» l. März. (Laib. Korr.-Bur.) „Slowenski Narod" meldet aus Belgrad: Der Ministerrat beschloß die Errichtung eines obersten Sanitätsrates und eines ständigen Snnitäts- ' ausschusses für ansteckende Krankheiten. Inland. Die Anschlußfrage. Hoffnungen des deutschen Kapitalismus. , Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" bespricht im volkswirtschaftlichen Teil den A n s ch l u ß D e u t s ch ö st e r r e i ch s an das Deutsche R e i ch vom wirtschaftlichen Standpunkte und weist darauf hin, daß sich für die überwiegende Mehrheit der dcutschösterreichrschcn E r w e r b s z w e i g e aus der ' wirtschaftlichen Gemeinschaft nicht nur keinerlei Nachteile, sondern mancherlei Vorteile ergeben würden, besonders wenn deutscher Unternehmergeist und deutsche Kapitalskraft ihr Augenmerk auf die vielfach noch unerschlossenen natürlichen Hilfsquellen Deutschösterreichs richten, und damit dazu beitragen würden, eine .wirtschaftliche Blüte herbeizuführen, die bisher infolge von mancherlei . Umständen nicht zur Entfaltung kommen konnte.; Tagesbericht. Die Italiener verlangen Handschriften. * Protest unserer Negierung. _ Llits Anlaß der Forderung der königlich italienischen Waffenstillstaudskommission nach Ausfolgnng von wer tvollen Handschriften aus der Esten fischen Sammlung und der pfandweisen Beschlagnahme geradezu unschätzbarer kulturhistorischer Dokumente aus der Hofbibliothek ist das Staatsamt für Aeußeres neuerlich bei der italienischen Waffenstillstandskommission auf seinen an alle Kulturstaaten gerichteten Protest zurückgekommen. Sowohl die Verletzung völkerrechtlicher Grundsätze, als auch die empfindlichen Eingriffe in gesetzlich gewährleistete Rechte wurde neuerlich gegenüber der italienischen Waffeilstillstandskommission zur Geltung gebracht. Es wurde betont, daß die deutschösterreichische Regierung zwar gegenüber . dem Vorgehen der okkupierenden Macht keinerlei Widerstand leisten könne, daß aber an das Verständnis des italienischen Staates für die Erhaltung dieser Kulturwerte appelliert und für den vorliegenden Fall die Bitte gestellt werden müsse, Handschriften, die durch einen TranSpyrt dkm Verderben ausgesetzt werden, wenigstens vorläufig in Wien zu belassen. . Eine Kommumsterrversarnrnlung. Drohungen gegen das Parlament.; Die Wiener kommunistische Partei ' berief für gestern vormittag in den. Drehersaal. auf. der Landstraße eine Versammlung der Kriegsinvaliden ein und benützte diese Gelegenheit, um für ihre politischen Forderungen Propaganda zu machen'. ' ' ' Der erste Redner Karl. J a n i st h n legte die Hällnng der Kommunisten - zu der am -Dienstag, den 4-. Mlft-z zusammentretenden Nationalversammlung dar. Da in derselben das Bürgertum und die Kapitalisten die Mehrheit' besitzen, habe das Proletariat von ihr nichts zu erwarten. Die Nationalversammllnng sei ein Humbug und gehöre arlseiwa n d c r g e s p r e n g t. (Beifall.) Der Tag, wo das Proletariat die Herrschaft antreten werde, sei nicht mehr ferne, denn der Bolschewismus breite sich immer mehr ans. Die sich stets mehrenden Streiks in Deutschland, Englaüd Und Fvallkreich seien die Flammenzeichen des Bolschewismus, der sich nunmehr auf seinem Siegesznge durch die ganze Welt befinde. Gegen die Bourgeoisie Utttsse mit Gewalt vorgegangen werden. Das Bürgertum müsse machtlos gemacht werden und an seine Stelle die Diktatur des Proletariats treten. LlllerbingS^tasse sich die Expropriation nicht über Nacht tsürchsühreu. Dem Proletariat könne nur durch die revolutionäre Tat geholfen werden. Darum müsse die Nationälversammlung verschwinden'und an ihre Stelle eine Räteregierung treten. Redner polemisierte sodann gegen die sozialdemokratischen Führer, deren Haß gegen die - Kommunisten davon herrühre, weil sie von ihnen bloßgesteM wurden. Kommunistin Frau Fried länder erklärte gleichfalls, die Sozialrevolutionäre könnten die Nationalversammlung nicht anerkennen, da sie es nicht dulden wollen, daß eine Minderheit über die Massen des Proletariats herrscht. Kapitalistenherrschaft und Polizeiwillkür werbe nur von einer Rätereg-erüng beseitigt. Die Minderheit der Kapitalisten müsse wirtschaftlich, politisch und geistig unschädlich gemacht werden. Als Frau verabscheue sie den Krieg, aber bei dem Anblick der vor Hunger ,Menden Proletarier müsse. zu den Mitteln gegriffen werden, die geeignet sind, zum Siege zu führen. In gleichem Sinne sprachen auch die übrigen Redner. Tumult bei einer telepathischen Seance. Die Polizei unterbricht die Vorstellung. Gesteen abends fand im Großen Konzertsaale die, vom Humoristen der „Hölle" Otto Otto veranstaltete Aufk l ä r u n g § s e a n c e iiber Telepathie und Suggestion statt. Der Saal war bis ans das letzte Plätzchen'besetzt. Als Herr Otto in einer Ansprache die Experimente der Telepathen und Suggestenre als Charlatanerie hinstellte, .protestierte der. im Saale anwesende Telepath R u b i n i dagegen/ Er wurde nirdergeschrien und v o m P u b l i k u nt aus d e m S a a le h i n ausgedrängt. Herr Otto führte nun einige Experimente, durch, wurde aber, als er einen jungen Mann in k a t a l e p t i s ch e Starre versetzte, voni anwesenden Polizeirat unterbrochen, der solche hypnotische Versuche nicht duldete. DaS und ein Zuruf .aus dem Publikum entfesselte neuerlich einen Skandal, der jo ausartete, daß es fast zu Tätlichkeiten kam. Den Höhepunkt erreichte aber der Tumult,' als Herr Otto zu einem besonders schwierigen Experimente eine Dame aus dem Publikum „benützte", die als die „Gattin seines Direktors", des Inhabers der „Hölle", entlarvt wurde. Das düpierte Publikum verlangte sein Geld zurück und der Lärm wurde so arg, daß die Vorstellung von der Polizei abgebrochen wurde. Die Bluttat in der Hüttelbergstratze. Der Mörder und sein Opfer tot. , Das Drama in der Hüttelbergstraßo, über das wir gestern berichteten, dürfte kaum aufgeklärt werden. Nachdem der Viktualienhändler Heinrich B i n d e r auf der Stelle tot geblieben ist, ist nun auch Wilhelm H e r b e r t der Schußverletzung, die er sich beigebracht, nach Mitternacht im Rochusspital erlegen. Trotz neuerlicher Erhebungen'sist es nicht gelungen, volle Klarheit darüber zu erlangen, ob Mord oder Totschlag vorliegt. Merkwürdig bleibt der Umstand, daß in der Wohnung em Zettel vorgefündcn wurde, der von der Hand Herberts geschrieben, die Worte enthält: „Ich bin überfallen morden." Die Sicherheitsbehörde nimmt au, daß Herbert mit diesen Worten den Glauben erwecken wollte, als sei er überfallen worden. Es unterließt aber kaum einen Zweifel, daß es sich hier um einen gcplamen Raubmord gehandelt hat. Denn ans dem Tatort wurde ein blutbefleckter Schraubenschlüssel, ein sogenannter ^Franzose" gesunden, mit dem Herbert sein Opfer zweifellos bearbeitethat. Flugfahrten von Wien nach Berlin. Die „Korr. Wilhelm" meldet: Staatssekretär für Aeußeres Dr. Otto B a u e r wird am 3. d. S& m 11 eine m deutschen Großflugzeug derHamburg-Amerikl- Linie von Berlin in Wien ei nt reffen. Im Lause des Dienstag wird das Großstugzeug die Reise nach Berlin zurück antreten. Es nimmt drei Fahrgäste mit. Der Preis der Fahrt von Wieg nach Berlin beträgt 1000 Mark. * Verband deuLschösterreichischer Weinhandler. Vorgestern fand tut Sitzungssaals! der Handels- und Geiverbekammer in Wien eine Weinhändlerversannnluug unter Vorsitz des Herrn Otto von S ch l u m b e r g e r statt, und wurde die Gründung eines deutschöllerreichischen Wemhändlerverbandes beschlossen. In der Versammlung kam unter anderem mich zur Sprache, daß ungarische Banken, Spekulanten und Kettenhäudler in Wien regelrechte WeinhandHgeschäfte betreiben, ohne Stenern hierfür, zu entrlchten - mid sohm gegenüber dem seßhaften Handel un Vorteil sind. Es. wurden Abwehrmaßnahmen dagegen in Erwägung gezogen, insbesondere deshalb, weil ja auch die ungarische Regierung jedes Handelsgeschäft äuch bei vorübergehendem Aufenthalt eines Deutschösterrcichers in Ungarn besteuert. * Erschließung deS gesamten Augartens für die Schuljugend. In den nächsten Tagen wird, wie wir erfahren, damit begonnen werden, eine der wichtigsten und volkstümlichsten Aktionen für die Schuljugend des II. und XX. Bezirkes mit aller Beschleunigung in Angriff zu nehmen, indem an die Erschließung der bisher abgesperrten Teile des Augartens geschritten wird. Die häßliche alte Einfaffungsmauer wird verschwinden. Es sotten hier moderne Jugendsprelplätze geschaffen werden. * Eine LehrliugSdemonstration. Etwa 10.060 von den 18 OVO Wiener Lehrlingen veranstalteten gestern vorimtiags vor dem Rathause eme Kundgebung, um ihre schon seit Jahren erhobenen Forderungen durchzuset-en. Mehrere Redner sprachen auf dem Platze vor dem Rathause, worauf sich der Zug zum Schwarzeübergptatz bewegte, während eine Abordnung die Forderungen im Landhaus überreichte. In dem großen Zuge der Demonstranten waren zahlreiche Standarten zu sehen mit Aufschriften, wie: „Nieder mit den Lehrlingsschindern!" „8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Erholung, 8 Stunden Schlaf auch für die Lrhrlmae!" „Heraus mit der zweijährigen Lehrzeit!" „Heraus mit dem vierwöchentlichen bezahlten Urlaub!" u.s.w. Die Kundgebung verlief ohne bemerkenswerten Zwischenfall. * Berichtigung. In der in unserer gestrigen Volkswirt- Rubrrk enthaltenen Notiz „Keine Besserung in der Petrolemnbewirtschaftung" soll es überall statt Pctroletnn Kohlen heißen. _ Die sanitären Uebelstände in der Leopoldstadt und Brigittenau. Von Dr. Sanel Beer. Wenn man Gelegenheit hat, in öen verschiedenen Bezirken unserer Stadt Beobachtungen über die Erfüllung der im selbständigen Wirkungskreis der Gemeinde gelegenen sanitären. Obliegenheiten anzustellen, läßt sich die Vermutung nicht von der Hand weisen, daß die berufenen Organe für die Handhabung der öffentlichen Hygiene Bezirke verschiede uerGr ade unterscheiden. Jedenfalls kann man einzelne Stadtteile, die Innere Stadt, Landstraße, Wieben, die Dillenbezirke, wo die besseren, vornehmeren Leute wohnen, was die Straßenpfleae betrifft, als die reinlichsten bezeichnen. Hier wird für zweckentsprechende Beseitigung von Verunreinigungen, für Hintanhaltung s:i' Ansammlung von zersetzungsfähigen ober schädlichen Abfällen größte Sorge getragen, hingegen ist in den Bezirken der Leopoldstadt und der Brigittenau eine schwere Vernachlässigung in der Durchführung der sanitätspoltzeilichen <orschrifte» und der allgemeinen hygienischen Borke hrungenzubeobachten. Hängt daS etwa damit zusammen, baß diese Bezirke die stärkste jüdische Siedlung SetgeiM?, Diese. AxrMtunA ist Mt. von der HM zu weise». Seite 3 ■ ■ ■ ' < wenn man an die stiesmütterliche Behandlung denkt, die diese Bezirke von der Verwaltung der Straßenbahn erfahren. 1 Ich gebe zu, daß man einen kleinen Teil der Schuld! den Bewohnern dieser Bezirke vorwerfen könnte, wenn matt — abgesehen von den verkehrsrewhen Straßen — fast vor jedem Haus, besonders in den Nebengassen, kleinere oder größere Hausen von Straßenkehricht oder Hausmüll findet. Diese Ablagerungen, die tage-, ja wochenlang - herumliegett und eine Gefahr für die Sicherheit der Gesundheit und dess Lebens der Bürger bedeuten, beweisen eben, wie mangelhaft gerade in diesen Bezirken die Straßenpflege geübt, wie mangelhaft gerade in diesen Bezirken die Kehrichtabfuhr durchgeführt wird. Man begehe einmal die Rembrandtstraße, Krasft- und Haasgasse, die Schiffgasse, die Nordbahnstraße, im 20. Bezirk die Gerhardus--, Pappenheimgasse, die Bauplätze in der oberen Klosterneuburgerstraße, und man wird seine unglaublichen Wunder über den Unrat und Schmutz in einer Millionenstadt erleben. Die Spaungasse und die Rembrandt« st.aß: zu u Beisipel demo ftriercn den „S ch m u tz d e r p o l« £ sch en Straße" eines gälizisch-rufsischen Dorfes, inmitten der großstädtischen Zivilisation. Oder trifft da auch die Schuld die Bevölkerung, wenn einzelne Nebengassen, die aber eine recht große Passage aufweisen, von den Straßenkehrern direkt als Mistablagerungsstätten benützt werden? Da liegen Misthaufen vön 1 Meter Höhe, 5 bis 8 Meter Länge tage- und wochenlang. Die faulenden, sich zersetzenden Massen mit Millionen und Millionen von Mikroorganismen und Ansteckungskeimen verbreiten ekelhafte ' Ausdünste, die Papiersehen und Staubteile werden durch den Wind in die umliegenden Gassen zerstreut, die Straßenjungen . und die Hunde tragen daS ihrige zur Verunreinigung bei, die herumziehenben Individuen und Vaganten durchstöbern diese Haufen nach verkäuflichen Papier-, Stoff-, Metall- und anderen Abfällen. Welch eminente Gefahr birgt so ein Misthaufen in der Großstadt! Man besehe sich daraufhin zum Beispiel nur die Schrottgießergasse, nahe vom Carl-Theater, Warum stehen dort nicht mehr Kehrichtkasten zur Aufnahme des^Straßenmülls? Aber auch diese Kehrichtkasten, die in verschiedene» Gassen paarweise aufgestellt sind, werden nicht rechtzeitig entleert, der Müll wird in die Umgebung abgelegt und' st» haben wir hier, zum Beispiel in der Scholzgasse, Schiffgasfe, vor der Nordbahn, dasselbe Bild, bas ich oben geschildert habe.' Diese Zustände sind einer Zweimill ionen- ' stabt ganz unwürdig und auf die Dauer »»- haltbar. ' Jetzt kann sich die Kommune, die bereits Arbeiter? hat, die Tafeln bei den Haltestellen der Straßenbahn' rot anzustreichen, nicht auf dem Arbeitermangel berufen. EH tut not an mehr Straßeneinräumern, die entsprechend beaufsichtigt werben müssen; besonderes Augenmerk ist den. Ablagerungsstätten zu widmen, indem dieselben fast täglich, jedenfalls öfter zu reinigen sind. b Wie steht es mit den öffentlichen Anstandsorten? Deren Zustand spottet jeder Beschreibung. Man nehme sin bezug auf Reinlichkeit den Lokus am Mathildenplatz in Augenschein. Da liegen frische und alte Fäkalien in und um denselben und verpesten die Umgebung. So wird i». Wien von der Gemeinde „unausgesetzte eifrige- Gesundheitspflege" betrieben, wie sie zu den Obliegenheiten der Gemeinde gehört. Ein Wort noch über den skandalösen Zustand der Gartew» . anlagen in der Leopoldstadt und Brigittenau. Ist schott einmal ein Kehrichtweib über die Wiese vor der AuHarteumauer geschritten? j Und wie steht es mit der sanitätspolizeiliche» Ueberwachung der gesundheitsmäßigen Beschaffenheit der Lebens¬ und Genußmittel? Welche direkt gesundheitsschädliche Gemüse läßt man am Karmeliterplatz feilbieten? Dagegen mich trotz der Lebensmittelknappheit aus sanitären Gründe» energisch Einspruch erhoben werden. Wie ekelt es eine» an, wenn man sieW wie ein von Schmutz starrendes Marktweib mit den Händen daS Sauerkraut aus den Fässer» nimmt oder die seltene Butter schneidet! Muß das sein? Wo sind die berufenen Organe? Müssen wir. noF) immer unter dem Krieg leiden, der uuK. in Schmutz und Unkultur versinke» ließ, w» es nicht mehr notwendig ist? Auf die Zuckerlhändler am Präterstern muß ich noch aufmerksam machen, die ihre „Süßigkeiten", von Staub dick überzogen, frei darbieten. Warum werden diese Händler »!icht ängehalten, diese Lebensmittel unter Glasschütz oder i» ' Papier zu geben, wie es vorgeschrieben ist? Von den stäub- ' bedeckten, fliegenzernagten Wurstsorten und Mehlspeisen in den Auslagefenstern will ich garnicht weiter reden, obgleich ' mich bas hierher gehörte. Auch gegen das Ansstauben der Tücher bei den Fenster» wäre einzuschreiten. Das sind nur so einige wenige Beschwerden, die auE die nachlässige Besorgung .der sanitären Obliegenheiten der Gcmemde und aus die das Leben und die Gesundheit gegefäxdenden Uebelstände in der Gemeinde Hinweisen. Die Bürger aller Bezirke sind gleichwertig,' sie habe» gleiche Pflichten, sie zahlen die gleichen drückenden Steuerst," sie haben auch den Anspruch, daß ihre Bezirke in sanitärer Hinsicht gleich behandelt werden. Oder ist die horrend« Sterblichkeit in unserer Stadt, die Verdoppe»' l»n» der Zahl der tuberkulösen Verstorbenes, die bereits ein Drittel aller Toten ausmä chsi, noch nichtMahnung genug für die Städtbä ter? . Ich glaube, daß es der ersten Arbeit der demnächst neu einziehenden Majorität im Gemeinderat. würdig wäre, ' den mangelhaften sanitären öffentlichen Gmrichtüngen Wiens mehr Aufmerksamkeit zu schenken und vor allem der sorglösen ' Behandlung deS HauSkehrichtS, der skandalösen Müllabfuhr, dieser einer Großstadt höhnenden. Einrichtung, /ein rascheZ Ende zu bereiten^ . — -- TT . Ä «I i t « &