Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 44 (3.3.1919)
- Date
- 1919-03-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 4 Wien, Montag Wiener Morgenzeitrmg Ein Verband für jüdische Jugend- \ fürsorge in Deutschösterreich. I Vielleicht aus leiucin Gebiet hat sich die Zersplitterung s des iüdischeii Vrrciiiölvesciis so gerächt wie auf dem der j Kinder-- und Jugendfürsorge. Trotzdem weit über 50 Deri eine in Wien allein tätig sind und für jüdische Waisenkinder, verlassene, verwahrlost?, der Fürsorge bedürftige Kinder, Kleidung, Nahrung, Wohnung und Unterricht zu beschaffen, trotzdem diese Vereine zusammen jährlich ein Millionenbudget aufwenden, ist all ihr Tun nicht mehr als ein Tropfen auf einen heißen Stein, und das entsetzlichste jüdische Kinderelend bleibt ungebannt. Schuld daran ist die ebenso sinnlose wie verderbliche Zersplitterung, die Klüngelhaftigkeit dieser Vereine, daß sie sowohl iit der Sammlung der Gelder als in der Durchsnhrnng ihres Vereinszieles, in veralteten, längst als unzulänglich erwiesenen Methoden verharren, daß . sie besangen sind in Wohltätigkeit und keinen großen Zug in ihren Plänen, in ihr«: Ausführung haben, und nicht nach einem einheitlichen, wohlüberlegten Plan sich gegenseitig ergänzen, sondern ständig miteinander konkurrieren, sich gegenseitig mehr oder weniger bekämpfen und in vielen Belangen einander kreuzen, daß sic sich nicht aufschwingen von der desorganisierten privaten Wohltätigkeit zur organisierten sozialen Kinder- und Jugendfürsorge. Weil dem so ist, und bisher noch kein kräftiger Versuch imternommen wurde, hier radikale Abhilfe zu schaffen, begrüßen wir mit größter Freude und Hoffnung den Aufruf eines Proponentenkomitees zur Gründung eines Verbandes für jüdische Jugendfürsorge in Deutschösterreich, der uns Zugegangen ist. Es heißt darin: „Die katholischen Fürsorgevereine einerseits, die sozialdemokratischen andererseits sind bereits seit langem in geschlossenen Verbänden organisiert, während die jüdischen (und auch die interkonfessionellen) Vereine nach wie vor einzeln ihr Interesse gegenüber den Behörden zu vertreten suchen und deshalb, weil sie eben nicht als geschlossenes Ganzes austreten, fast in allen Fällen üKrgangen werden. Diese geschlossenen Verbände sind aber auch eher imstande, die aus öffentlichen Mitteln zu Gebote stehenden Gelder für ihre Zwecke heranzuziehen, weil sie immer darauf Hinweisen können, daß sie so und so viele dem Verbände angeschlossene Vereine vertreten und daher ihre Ansprüche mit größerem Nachdruck geltend zu machen in die Lage kommen. Es müßte also eine Zentrale schon deshalb geschaffen werden, um einen Kontakt zwischen den Behörden und den Vereinen herzusi eilen. Die Organisation einer solchen Zentrale müßte umfsssen: Alle jüdischen Sauglingsfürsorge-, Kinderschuh-, Kinderbekleidungs-, Heimstätten- und Hortvereine, Vereine fiir Jugendpflege, Bildungs- und Erziehungsvereine sowie die Lehpervereinrgungen. Nicht entbehren könnte der Verband die Mit-- arbeit der Kultnsgememden. Die Aufgaben des Verbandes wären: Für die angeschlossenen Vereine Propaganda zu machen, Auskünfte über ihre Bestrebungen und Einrichtungen zu erteilen, Enqueten zu veranstalten, die Errichtung von Institutionen und Vereinen anzuregen, zu Gesetzentwürfen Stellung zu nehmen, die einschlägige Literatur zu sammeln, die einzelnen Gebiete des Kinderschutzes, der Jugendfürsorge und des Erziehungswesens wissenschaitlich zu behandeln sowie die aktuellen Fragen-in einem eigenen Fachölatt zu erörtern, kurz: der Verband müßte beweglich und initiativ sein. Wenn die Gefertigten noch darauf Hinweisen, daß'durch die Zertrümmerung der Monarchie und die Neugestaltung der vormals österreichischen Statuten auch hier viele Fragen des Kinderschuhes und der Jugendfürsorge der Regelung harren, so möge ihnen dieser Umstand nicht zuletzt die Wichtigkeit der Zentralisierung vor Augen führen." Dem Proponentenkomitee gehören iu der Jugendfürsorge bewährte und erfahrene Männer und Frauen aus allen jüdischen Gruppen an und darin scheint ims die Gewähr für das Gelingen des Unternehmens zu liegen, denn die Sorge um die Jugend unseres Volkes kann nicht' das Monopol einer Gruppe sein und Vitt großzügiges Jugendsürsorgewevk kann auch nur geschaffen werden, wenn sich alle-daran beteiligen. Die jüdischnationate Bewegung ist iin Proponentenkomitee durch Herrn Oberrabbiner Dr. C h a j e s, Frau Anitta MüIler und Herrn Dr. Siegfried Bernfse ld vertreten, so daß es von vornherein ausgeschlossen erscheint, daß die Unternehmungen des künftigen Verbandes, die jüdischpationalc Idee vergewaltigen werden. Wie wir erfahren, wird die konstituierende Generalversammlung des Verbandes, dessen Satzungen bereits genehmigt sind, noch im Monat März stattfinden; es ist zu. wünschen, daß alle jüdischnationalen Organisationen, die sich mit Erziehung, Kinder- und Jugendfürsorge befassen, ihren Beitritt zum Verband chebaldigst an die Adresse Wien, 2. Bezirk, Haasgasse 8/10, schriftlich erklären. \ Sport. Die gestrigen Futzballwettspiele. Auch gestern, erfreuten sich die Fußballspiele, die zum Teil zur Meisterschaft zahlen, eines sehr guten Besuches. Einige Resultate kamen sehr überraschend. Meisterschaftsspiele. F. A. C.—A m a t e u r e 5:0 (1:0). Ueberlegemr Sieg der Floridsdorfer, deren'energischem Spiel die reichliche Amateurmannschaft nicht gewachsen war, obwohl sie in kompletter Aufstellung antrat. Schiedsrichter Herzog. W. ,A. C.—S portklub 4:0 (2:0). Ein solches Versagen der Dornbacher hatte niemand erwartet. Beide Mannschaften spicken mit je zwei Ersatzleuten. Schiedsrichter Relchsfeld. Nndolfshüge l—W a ck e r 2:2 (1:1). «Bedeutende Formverbesserung der Wackecmarmschast, die Rudolfs- Hügel einen ebenbürtigen Gegner abgab. Schiedsrichter Daubek. Hakoah — Rot Stern 3:1 (0:0). Sicherer Sieg, der Hakoab, die in der zweiten Halbzeit ihrem Gegner um eine Klasie »verlegen war. Vor der Pause konnten sich die Hakoah-Stürmer nicht zusammcnfinden, später arbeitete die Mannschaft wie aus einem Guß. Gut, wie immer war die Hintermannschaft. Einen sehr guten Tag hatte Erich Juhn als Mittelstürmer. ' Rot Stern hatte an dem Torwächter Guß den besten Mann; aber auch sonst vollbrachte die Mannschaft eine achtbare 'Leistung. > Nach der torlosen ersten Halbzeit erreichte Horwitz mit Prachtschuß die Führung. Bald darauf erhöhte Nußbaum, der diesmal als Stürmer spielte, den zweiten Treffer. Ein Durchbruch -des linken Rotsiern-Flügcls brachte den Ottakcingern durch Amerling das EhrenE In der letzen Minute lenkte ein Verteidiger Rot SternS einen Schuß Katz' ins Tor ab, wodurch der Schlußstand gegeben war. Schiedsrichter Blsenius. V i e n n a—O b e r - S t. V e i 1 2:0 (0:0). Trotz starker Ueberlegenhett .erst in den allerletzten Minuten mit Glück gewonnen. Schiedsrichter Ambergrr. D o n a u st a d t—S l o v a n 2: 0 (0:0). NußdorferA. C.—S t u r m 3 : 0 (2 :0). Freundschaftsspiele. R a p i d—H e r t h a 4:0 (0:1) Sicherer Sieg der kompletten Napidmannschast. Rapid 11—© i m m e r i n g 1:1 (0:1). Uninteressantes Spiel, deffen Schlußpfiff für alle eine Erlösung war. W. A. F.—G eriyania 1:1 (0:1). Flaues Spiel, in welchem man beiderseits keine besonderen Leistungen zu sehen bekam. Hockey. Gestern fanden die ersten Hockehwettspiele statt, die noch sämtliche Mannschaften recht unfertig zeigten. Vienna — Hakoah 3:1 (2:0). Ueberraschend gute Leistung der Hakoah, die schließlich dem besseren Training der Vienna zum Opfer fiel. Bei der Hakoah zeichnete sich insbesondere de? Tormann Blitz aus. W. A. C. — Lehrer,S P.-V. 8 :0. Ueberlegener Sieg der Pratermannschaft, die bereits in sehr guter Verfassung ist. Der Vivo es Athletikai Club, Budapests führender zio- ' nistischer Sportverein, dürfte im April in Wien gegen die Hakoah spielen. . Letzte Nachrichten. Harte Friedensbedingungen des britische« Flottenkommandos. London» 2. März. (Tel.-Komp.) Wie die „Times" erfahrt, stellt das britischeFlottenkommando folgende Bedingungen bei Friedensschluß mit den Mittelmächten auf: Zerstörung aller Kriegsschiffe, Deutschlands und des bisherrgen Oesterreich-Ungarn, sowie Zerstörung der noch im Bau befindlichen Kriegsschiffe. Schleifung aller Befestigungen der Nordsee, Ostsee, des Schwarzen Meeres und der Dardanellen; die Deutschland bei Kriegsbeginn abgrnommenen Kabel werden nicht z u r ü ck g e g e b e«. Die bei den Mittelmächten befindlichen Radiostationen dürfen nur für Handelszwecke benutzt werden und keinen politischen Dienst machen. Wie die „Times" weiters aus Paris erfährt, hat der französische Schiffahrtkongreß au die Negierung die Forderung gerichtet, daß die ganze Handelsflotte Deutschlands ausgeliefert werde. Nutzki und Rad ko Dimitriew erschossen. London, 2. März. (Havas.) Die Bolschewiken haben in Eiatikorsk an die 100 Geiseln erschoffen, darunter die rnerale Nußki und Radko Dimitriew. 3. März 1919 Nr. U , Anruhen in ^Madrid. Madrid, 2. März. (Havas.) Die Stadt ist ruhig, Patrouillen durchziehen die Straßen. Bei den Zusammenstößen der letzten Tage wurden 200 Personen verhaftet? 200 Personen haben Verletzungen c v I; c n, darunter 12 Polizisten. - Der Volkswirt. Die Abstempelung. Konskription der Kriegsanleihen in Tschechien. Prag, 2. März. (Tschecho-slowakisches Pceßbureau.) Die iw A u s l a n d befindlichen Schuldverschreibungen der K r i e g s a n l e i h c n unterliegen nicht der A bstze m p e l u n g. Falls sie aber E i n h e i m i s ch e n gehören, empfiehlt es sich, auch sie in die Effektenvrrzeichmste aufzuüehmeu. Die Verzeichnisse werden dem nach dem Wohnorte des- - Ergetttümers zuständigen Konskriptionsamt, übergeben. Wenn der - -Eigentümer über einen Jnterimsfchein, ein Einlagen-(RententzBuch oder irgendeinen ähnlichen Beleg verfügt, wird dieser Umstand im Konskriptlonsverzeichms vermerkt werden, ebenso jene Stelle, die den Jnterimsfchein oder das Einlagebuch ausgestellt hat. Solche Belege selbst unterliegen nicht der Abstempelung. Leibesvisttation und Postkontrolle. Budapest, 1. März.. In Ausführung der Verordnung des Gesanttministeriums betreffend die zeitweilige Bes ch r ä n t u n g des Zahlungsverkehrs wurden die Grenzpolizei und die F i n a n z w a ch e n angewiesen, bei über die Grenze eintretenden Perslyien auch eine Leib e"s'u n t e rsuchung vorzunehmen sowie die Eisenbahnlinien und sämtliche Verkehrswege bei den Grenzen auf das strengste zu überwachen. Banknoten im Betrage von ü b e r 500 Krone n sowie die ohne Einfuhrbewilligung cingeführten Zinsen- und Dividenden-Coupons werden k o nfisziert. Die Postpakete werden von den Zollamtent untersucht. Bis aus weiteres dürfen ans dem Zollauslande, aus den auf dem Gebiete der früheren Monarchie entstattdenen Staaten und aus den von dem Feinde besetzten.Teilen. UMrns nur off c-w e, nicht ein ge schrieb ene B ri e fe, Warenmuster und Postkarten sowie Postanweisungen von höchstens tausend Kronen nach Ungarn geschickt werden. Amerika gibt eine halbe Million Schiffs» tonnen frei. Washington» 1. März. (Reuter.) Das Kriegsdcpürte-» ment wird auf Grund eines in einer Konferenzches Kriegs- Sekretärs Baker mit den Senatoren der Baumwollstaaten erzielten Uebereinkommens 500.000 Tonnen Schiffsraum m den nächsten 14 Tagen zur Unterstützung der Handelsschiffahrt freigeben. Erhöhung der Maklergebühren in Angarn. Budapest» 2. März. Der Börsen rat hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, die Maklergebühren im Effektengeschäft vom 3. März an in der Werse zu erhöhen, daß die Maklerprovision^für Aktien statt des bisherigen Satzes vou einem Halben pro Mille nunmehr 1 pro Mille, jedoch mindestens K15.-— Pro .Schluß - beträgt, wenn der Kurswert der Aktien K 300.— nicht übersteigt und mindestens K 20.—, wenn her Kurswert K 300.— übersteigt. Bezüglich der anderen Wertpapiere bleiben die bisherigen Maklergebühren unverändert. Wiener Börse. Ungeachtet der von Berlin vorgelegenen stauen Notierungen, eroffnete die heutige Börse in ziemlich fester Tendenz, doch war das Geschäft eng begrenzt. Im Vordergründe des Interesses standen Südbahn-Aktien, welche abermals in. größeren Posten von einem Haussekonsortium aus dem Markte genommen wurden. Dieselben erhöhten sich um weitere K 7.—. Im Schranken gewannen Lloyd-Aktien neuerdings einen Vorsprung. Die Devisenkurse. Zürich, 1. Mär, 1. Marz 28. Februar Berlin . ■ » »H.r» ' » , 47.75 48.50 ' 23.— 23.50 Prag. 28.60 Holland . . . . 198.50 198.25 Madrid. •**►*#*« 101.— 101.75 ■. New-York . .. . 4.82 4,83 : London ..... 23.— 22.97 i- Paris ..... 87.90 87.75 Italien ..... 74.— 74.25 St. Petersburg *»«««««*• 50.— 50.— Theater sür heute. Anfang . . w.-— 6 Volksbühne .... ‘/,6 Carl-Theater.... 7i6 Theater a. d. Wien 6 Wiener Stadttheater 6 Lustspiel-Theater . In geheimer Mission, . Johann Nestroll. . Wo die Lerche fingt. . Sybill. . Der selige Balduin. immmMKmummmmcmmmmummmmmmmmmmmmmmsmBsmBmk, Schreibmaschinen und Reparaturen , aller Systeme. 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