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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-02 · Heft 43 (2.3.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 43 (2.3.1919)
Date
1919-03-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Rr. 43 Wien, Sonntag PoMsche^Rundschan. Das „Kopenhagener Manifest. Der Großmächterat der Friedenskonferenz hat die Vorträge .der zionistischen Delegierten cutgegengenoimnen. Das jüdische Doll erwartet, daß die Friedenskonferenz auch ihm Gerechtigkeit widerfahre» lasten wird und ihm die Bedingungen für ein normales Leben erfüllen wird. Die Forderungen des jüdischen Volkes au da8 Bölkerforum wurden bereits im Oktober 1918 in einer Zirkulardepesche formuliert, welche das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Weltorganisation an alle zionistischen Landesverbände gesandt hat. Diese Forderungen sind unter dem Namen „Die drei Punkte des Kopenhagener Manifestes" seither bekannt geworden. Anläßlich der Verhandlungen in Paris geben wir hier dm Wortlaut dieses Oktobermanifestes wieder, welches natürlich uur die allgemeinsten Grundzüge des zionistischen Aktionsprogramms formuliert: . < Der Augenblick ist näher gerückt, da die Grundlagen für emm dauernden und gerechten Frieden gelegt werden sollen. Ein solcher kann aber nur dann Zustandekommen, wenn die gerechten - Forderungen aller Nationen, der kleinen wie der großen, erfüllt werdm und wenn für eine jede Nation die Möglichkeit geschaffen wird, stch bei Entfaltung aller ihr innewohnenden Kräfte und Fähigkeiten in den Dienst der Menschheit zu stellen. Auch da§ jüdische Volkerhebt :n dieser historischen Schicksalsstunde seiueFordernngeu. . In dem Friedensinstrument muß ihm gesichert werden: ' . I. Die Festlegung Palästinas in den durch geschichtliche Ueberlieferung und durch politische und ökonomische Notwendigkeiten bestimmten Greinen als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes sowie die Schaffung der für dm ungehmdertm Aufbau dieser Heimstätte notwendigen Vorbedingungen. H. Die volle und tatsächliche Gleichb e r e ch t i g u u g der Juden in allm Ländern. Ht. Die nationale Autonomie auf kulturell e m, sozialem und p o l i t i' s ch e m G ebiet für,die jüdische Bevölkerung der Länder jüdischer Maffensiedclung sowie aller anderen Länder, falls deren jüdische Be- . volkerung Anspruch auf sie erhebt. Wir fordern die zionistischen Verbände in allen Ländern auf, diese Forderungen des jüdischen Volkes vor'.den Regiermlgen mid der öffentlichen Meinung des Landes zu vertretm, deren Durchführung im Friedensvertrag rnit allem Nachdruck zu verlangen und hierdurch die politischen Bemühungen der Gesamtorgauisation wirksam zu unterstützen. .Au dem Tage des Friedensschlusses, durch den die Menschheit sich der Verwirklichung des jüdischen. Ideals der Völkerversöhnunb und des ewigen Friedens näbem will, muß das zweitausendjährige Martyrium des jüdischen Volles, das als eine Schuld aus dem Gewissen aller Nationen lastet, gesühnt und wieder gutgemacht werdem Das jüdische Volk muß in den Bund der freien Nationm als gleichgestelltes Glied eintretm. Die zionistische Organisation Kopenhagener Bureau , ' Dr. Viktor Jakobson. Es katin keinen gerechten Frieden auf Erden geben, wenn diese Mindestforderungen eines Volkes, das die schwersten Leiden überdauert hat, ein Blutzeuge für die Verbrechen der ganzen Welt - war, die Schuld brr Welt gebüßt hat, imd heiite in neuem Kraftgefühl sich aus dem Sumpf des VeichannungsschicksalS zn eurem .Leben iu Freiheit und Reinheit emporreckt, nicht erfüllt werden. .. Die Verwirrung in Deutschland. In Weimar sitzen die Abgeordneten des deutschen. Volkes und bcraien über dieses und jenes, haben aber, wie cs scheint, .jeden Kontakt mit dem Volk verloren. Der Kreis um Weimar, das bereits von Berlin abgeschnitten ist, wird immer enger, die großen Städte stehen in Aufruhr, und in Berlin soll der Generalstreik proklamiert werden mit dem Ziel, ganz Deutschland als Räterepublik zu erklären. Der Ernst der Lage in Berlin wird durch die Verschiebung des Zu samment'ritteS der preußisch e u L a n d e 3 v e r s a m m l u n g auf unbestimmte Zeit ge- Etthan. Von Dr. Hugo Bergmann. Kürzlich habe ich an dieser Stelle versucht, über das Wirken ' Mendele Mocher Ssorims zu schreiben. Wer den weiten Weg verfolgen will, den die hebräische Literatur in einem Menschenalter zurückgelegt hat, einem Menschenalter, das für mrs Jahrhunderte der Entwicklung bedeutete, der lege neben den Klassiker Mendele Mocher Ssorim einen der jungen Dichter, etwa Jakob Cahan. Mendele schuf den Stil, bearbeitete die Sprache, machte sie gefügig und den: Gedanken gehorsam; die jungen Dichter - lounnen und wühlen, freudig wie die Kinder, in dem Reichtum der blinkenden Worte, die ihnen die Sprachschöpfer gegeben haben. So sehr spielen sie mit der Fülle der Worte, daß die Form über allen Jnhall triumphiert, daß mehr nnd mehr alles Inhaltliche in die Form aufgelöst wird. Wenn wir, um nun doch auch dem Leser, der nicht Hebräisch versteht, ein Bild des Dichters zu geben, vom Inhalt und der Tendenz der Gedichte dieses jungen Lyrikers sprechen, so müssen wir doch von vornherein sagen, daß das "Wesentliche mw Beste nicht gesagt werden kann, weil es der übersetzenden und umschreibenden Sprache unzugänglich ist. Jakob Cahan hat in dem Almauach „Haiwri Hechadasch", dm er vor sieben Jahren herausgab, eine sehr lesenswerte Auseinandersetzuug über unsere Beziehungen zur jüdischen Gegenwart und zur nahen Vergangenheit veröffentlicht, Er hat da mit Recht darauf hiugewiesen, daß die Anknüpstmg des Zionismus an die Vergangenheit immer nur den Zielen der Zukunft dienstbar gemacht werden darf, daß dagegen jede Vergangenheitssentimentalität eine Gefahr für den Zionismus bedeutet, der eine revolut vnäre Bewegung ist nnd als solche die jüdische Gegenwart und die nahe Vergangenheit bekämpft. Soweit hat Cahan sicher recht. Aber nun entsteht die Frage, wie denn jene Ablehnung der Gegenwart in Wirklichkeit aussicht? Auch Bialik haßt mis, haßt Ut Trägheit unseres Herzens und noch mehr dgs Sttohfener ■V ' 'iv > Wiener Morgeirzettrmg 2. März 1919 Seite 8 ■.- ■ ■ .. —■—i. ii. ... — - ' ... ' '■' ■—.. » i. i i kennzeichnet. Die Regierung gibt als Grund für diese Verschiebung Verkehrsschwierigkeitest an. In Wirklichkeit ist sie zu dieser Maßnahme offenbar durch die spartakistische Agitation in Werliu veranlaßt worden. Sie.hat durch Verschiebung des Z>lsam>nentri!t:s der Larchesversammlung jedenfalls vermeiden wollen, daß sich in der ersten Sitzung der preußischen. Lanbesversammlung ähnliche Ereignisse abspielen wie in der bayerischen Landesversammlung. In informierten Kreisin' wird die 'Lage /in. Berlin nach wie vor für ernst gehalten, /Eine große Mdmtüng für die weitere Entwicklung der Ereignisse ,kommt der 'Vollversammlung der Groß-Berliner Arbeiterräte zu, welche Freitag, abgehalten wurde. Bedeutungsvoll ist insbesondere, daß in dieser Versammlung die ' Mehrhcitssozialisten. und die unabhängigen' Sozialisten zusammengegangetr sind, und daß sie gemeinsam eine vom Unabhängigen Müller, em gebrachte, überaus scharfe' Resolution angenommen haben, die sich gegen die Regierung und den Kapitalismus richtet und sofortige Sozialisierungsmaßnahmen verlangt. Die Vollversammlung fordert außerdem die sofortige Einberufung des Rätekongrefses. Selbst in der Berliner bürgerlichen Presse wird die Reichsregierung ermahnt, das Ventil, das unter den augenblicklichen Verhältnissen in der E i n b e r u f u n g eines Rätekongrefses erblickt wird, nicht zu verschließen. Die Reichsregierung hat denn .auch vorgestern in Weimar über die Situation lange beraten und wird wahrscheinlich Entschlüsse fassen, durch die versucht werden soll, die Stimmung der Arbeiterschaft zu beruhigen. Die Reichsregierung befindet sich jedenfalls in einer schwierigen Lage, und wenn es khr auch hoffentlich gelingen wirdeinen Ausweg aus der verworrenen Situation zu finden, so muß dom jedenfalls andererseits auch mit der Möglichkeit einer Megierungskrise gerechnet' werden.;// Die Situation iu' Berlin wird im „Vorwärts" fol- 1 gendecmaßen geschildert: Für einen Massenstreik auch in Berlin wird von den Spartakisten eine ungeheure Propaganda betrieben. Man sagt den Arbeitern, es handle sich darum, der Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Verhältnissen Ausdruck zu geben und die Sozialisierung durchzusetzen. In Wirklichkeit handelt es sich um den Plan, die demokratische Verfassung zu stürzen, die preußische Nationalversammlung gleich bei ihrem Zusammentritt nach. bayerischem Muster zu sprengen und für ganz Deutschland die Räterepublik auszurufen. Der „Vorwärts" warnt die Arbeiter auf das eindringlichste, den Agitatoren, die zum Streik treiben, Folge zu. leisten. Das sozialdemokratische Parteiorgan schreibt: „Der Massenstreik, der da geplärrt wird, richtet sich gegen alles, wofür die Arbeiterschaft Berlins seit zwei Menschenälter gekämpft hat. Er kann, wenn er den Erfolg hat, den seine Agitatoren erstreben, nichts anderes zur Folge habend als ein allgemeines Tohuwabohu, aus. dem sich dann die Kräfte der Gegenrevolution siegreich aufrichten werden. Die Selbstzerstörung der Arbeiterbewegung, ist in vollem Gange und es ist höchste Zeit, ihr aus den Massen, der Arbeiter selbst heran? Einhalt zu gebieten." r ' — 9 Die politischen Ansichten des Herrn Staatskanzlers Renner. D'ec Staats krmzler Renner hat sich' wieder einmal interviewen lassen. Diesmal vom Berichterstatter des. „Pesti Naplo". Was.Dr. Renner bei diesen Interviews sagt, ist nicht immer einwandfrei, nnd auch diesmal recht anfechtbar. Er sagte unter anderem: „Die Wahlen haben eine neue Lage geschaffen, indem »sie anstatt der früheren drei 'ungefähr gleichstarken Gruppen nur zwei starke, einander ungefähr gleiche Parteien und eine schwache Minorität gebracht haben. Von diesen zwei Partoien, den Sozialisten" und. den Chriftlichsozialen, verfügt keine über die absolute Majorität, aber keine ist so sch wach,"daß sie von der 3tegi?rung unserer Begeisterung, das gerade gut genug rst, daß wir uns nach seinem furchtbaren Bild — unsere Zigarette daran anzünden. Bialik haßt uns und doch fliegen ihm alle Herzen zu. Warum? Weil wir alle zu liefst irgendwo fühlen, daß er uns liebt, daß seine Züchtigungen die Züchtigungen des Vaters sind. Wie hätte er denn so unendliche Schätze der Vergangenheit offenbaren können, den Talmud neu entdecken können, wenn er uns nicht allem Haß zmn Trotz liebte? Anders Cahan. Er findet zu uns keine Brücke; in herber Weise bringen es seine Gedichte zum Ansdruck: „Verstoßen bin ich in die.Welt, wie ein leuchtender Funke in finstere Nacht, ohne Mutter, ohne Heim. Wohin führe ich mein Licht? Wo sind die Wiesen, dir trinken sollen meinen Tan? Mein Herz haßt meine Brüder tutb verachtet ihre Heiligtümer. Verschlossen ist mir der Weg zu ihnen." Und die folgenden Zeilen dieses Gedichtes „Jcchidi" („Einsam") geben dieser Bollsfremdheit einen noch stärkeren, leidenschaftlicheren Ailsdmck. Die^.Hymrrc, die Cahan uns Juden singt, ist „Das Lied der Frösche": „Qnack, quack, quack, quack — Nur kalt und glatt! — Nur keine Träume, keine Flammen - --; Nicht vieles Suchen, nicht verlangen! — Denn aller Weisheit Kern und Schluß -*■ Ist Ruh' und daß man folgen muß — Quack, quack!"... So sind ihm die Juden: Anbeier des Sumpfes in der Gegenwart, Nachbeter überkommener Vergangenheit. Wozu weite Horizoute! Es leben die ewigen Sümpfe!... Und er, der Dichter dieses Volkes, das -er haßt, fühlt sich selbst in ihm unendlich einsam. „Ich sitze allein und alles um mich ist so fremd und kalt Md schweigsam... Ich möchte vor mir fliehen, vor meinem Schmerz, aber Gott hält mich hier in Banden." Die Sehnsucht nach Befreiung, ja nach dem Tode klingt herauf. Im vergangenen Sommer widmete Cahan dem Andenken Abraham Robinsohns ein Gedicht, in dem es hieß: „Alle gehen hinweg, nur ich bleibe allein zurück. Ach, wann wird Gott auch mich zu sich nehMN?"Di.eTydr§sehnsuchtMgtzusgmMllmiteiMZchnsu>KtWch ausgeschaltet werden könnte. Das neue Regime würde es also erfordern, daß gerade jene beiden Gruppen^ zwischen denen die Gegensätze am größten sind, in eine K o a l i t i o n treten. Dies zuwege zu bringen,, ist wirklich eine schwere politische Aufgabe, da aber die -Republik ohne diesen Ausgleich nicht existieren kann,, muß dies versucht werden."; Also wiederum diese Ankündigung einer Macht> teilüng, zwischen Sozialdemokraten und, Christlichsozialen. Schon in der provisorischen Nationalversammlung sind die mächtigen Parteien ohne Rücksicht..auf ihre Gesinnung und auf ihre Pflichten gegenüber ihrem programmatischen Grundsätzen' vorgegangen und haben Deutschösterreich förmlich untereinander aufgeteilt. Das reaktionäre provisorische Staatsgrundgesetz über das StaatSbürgerrecht, welches ein unerhörtes Wahlunrechtz gegenüber Hen Ostjuden bedeutete und ausgesprochen antisemitisch war, ferner die famose Wahlkreiseinteilnng^ welche die Herren zu Nutz und Frommen ihrer Partei-: zwecke trafen, sind die Früchte dieser „Koalition", diejetzt wieder freimütig angekündigt wird. Wahrend der: Wahlen wird in den lautesten Tönen gegen die christlich-j -soziale Reaktion losgezogen^ dann setzt man sich schön? gemütlich mit dem Gegner nieder. Diese Aeußerungj des sozialdemokratischen Präsidenten dient als Warnung.! Wir können nicht daran glauben, daß sie innerhalb!! der sozialdemokratischen Partei durchaus geteilt wird.! Wir Juden haben aber allen Grund, auf der Hubs zu sein, denn daß derartige Koalitionen" nur aus! 'unsere Kosten gehen, ist eine traurige Wahrheit. ' ' Polnische ZAdenpolitik. . Eine Unterredung mit Leon Wasilewsti, früherem Minister.. des Aeußern in Warschau. - v Leon W asilewski lebte einst als Flüchtling in London, wo er für die polnische sozialistische Partei (P.P.S.) eine lebhafte Propagandatätigkeit entwickelte und unter anderem auch, um unter jüdischen Proletariern Anhänger zu finden, ein Blatt in jüdischer Sprache herausgab. Zwei Sachen sind ihm also bekannt: zunächst, daß es gewisse Dinge gibt, die man nur unter dem Schutz des Auslandes tun kann,', wenn einem sein Leben'lieb ist; sodann, daß das-Jüdische eure,. Sprache ist, und nicht nur eine, sondern die Sprache, mit welcher allein man sich das Verständnis der jüdischen! Arbeitermasse ' in Polen erwirbt. Wer das hat er längstvergessen, Der ehemalige Refugie -wurde Münster und nunmehr gab es für ihn nur noch „innerpolitische" Angelegen-, heilen. Der verzweiflungsvotte Hilfeschrei, mit welchem das! zu gehetzte polnische Judentum den Beistand der ganzen' - Welt Mflehte, verdammte, er als hochverräterische Auslands-) agitation' und er, dessen Aufklärungstätigkeit in London sichdurch keinerlei Rücksichtnahme einengen ließ, saß nun in einer.. - Regierung, welche die nach dem Lemberger Pogrom ent-i faltete/Aufklärungsarbeit der jüdischen Pressebureaus in Wien,! . Zürich, Stockholm, Kopenhagen und Haag den polnischm Juden^- zum Verbrechen anrechnete. Mehr noch: das einst ihm so? wertvolle Jiddisch erklärte er jetzt allen Anspruches auf Anerkennung bar, und schließlich wurde "der Sozialist Bundes^ , genösse des Erzreaktionärs Dckowski. So wandeln sich die Ueberzeugungen auf dem Weg-;/.:r’; von der Tribüne zum Ministersessel. 's Dmowski sitzt immer noch in Paris'. Wer durch Pro-'- fessor Grabslt, seinem Vertrauten, der ihn besuchen kam, und ebenso durch seinen Freund Paderewski ließ er, wie' Herr Wasilewski mitteilt, sagen, baß er nichts mehr gegen., die bürgerliche Emanzipation der Juden habe. Auf diese unzulänglich belegte Aeußerung gründet sich die Behauptung,! > daß' „die -Nationaldemokratische Partei ihr antisemitisches!' -Programm aufgegeben habe". Diese Partei ist nämlich, wie/ $ - Herr Wasileivski selbst zugibt, keine Wärter, die eine Orgaui-j sation mit einem Progrcunm hat, sie kann also nicht auf. Reinheit, nach Abstreifen aller Schwere dieser Erde.- In jenem Gedichts .„Jechidi" („Einsam'tz, das ich oben angeführt habe, wünscht sich ^Cahan, sein Leben auf einer einsamen grünen Insel zu beenden, in* einem Garten, den er pflegerr würde; rmd aus dem Rieseln des: reinen Quells, .der den Garten bewässert, wird er das Rauschen; der Ewigkeit hören. Dort wird er einsam sein, einsames Lied sich, selbst, sich selbst nur singen ... In dieser vornehmen Sehnsnchft nach dem reinen Quell liegt ein gefährlicher Gefühlsirrtum. 'Der^ Strom' der Ewigkeit, von dem Cahan träumt,- fließt dem»- Menschen nicht in reinen Quellen. Man kann vom Bösen nidj*! abrücken, um sich rein zu erhalten. Keine grünen Inseln blühen dick- > hebräischer Dichter, sondern die schmerzliche, schmutzige Welt er- / wartet dich, in Kämpfen, in Erlösung durch dich selbst, wenn bir sie auf dich nimmst. Vielleicht beginnt auch Cahan dies jetzt zu! ahnen, wenigstens erklingt in einem seiner letzten Gedichte ein' Preis des Zaddiks, seines Kampfes mit der Finsternis und bcS ’ ' fröhlichen, erlösenden, befreienden Bim Bam, mit dem die Schülers am Sabbatausgang den Sieg über das Böse feiern. j lütter den Gedichten Jakob Cahaus sind mcht sehr viele nationale. Daß diese wenigen ausschließlich den gro ß en Er- , lebniffen der jüdischen Geschichte gewidmet sind, ist nach dem Gesagten selbstverständlich. Wunderschön ist da das Gedicht ■ „Birjouim", das von den Zeloten aus der letzten Zeit der Be-'. lagcnmg Jerusalems erzählt, jenen Helden, welche die Phavtasie des Volkes später nicht mehr verstanden hat und zu Räubern um-, gestaltete, wie sie aus dem Sterncnsohn Bar Kochba den Lügen-! ' sohn gemacht hat. Cahan erzählt, wie die Seelen der Helden mit! dem Volke ins Exil zogen, ihm zu Häuptern strahlten, gleich wie die Sterne dem Menschen aus der Unendlichkeit Kunde bringen'. Aber das Herz des Volkes war schwer vor Leid, seine Augen verdüsterten sich dem Sternenglanz, da entschwandeii imS die Seelen der Eiferer imb lebten höchstens noch für Aiigenblicke unter uns, in den Augen eines Kindes vielleicht, dem die Groß--, nnztter smw, ferne Hagen erzählte..Aber eines Tages werden sie'

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