Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42 (1.3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979119--00357-2985640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SeVr 6 .. Mien, Samstag Abonnements- Einladung Ijeu'e beginnt ein neues JKonalsabonnement! 3m Interesse einer ununterbrochenen Zustellung Des Blattes ersuchen vir Wichst, Sie Erneuerung des Abonnements sofort üurchzuführen ( Administration „Wiener jÄorgeitzeilung“ H Zaborstrasse 1 Zelephon 44038 I Letzte Nachrichten. v ■ Der Berfafsrmgsentrvrrrf in der deutschen Nationalversammlung. Weimar, 28. Februar. Abg. Spahn kritisiert fortwährend den Verfasiungsentwurf; er spricht .gegen die Sozialisierung und wendet sich dagegen, daß die Religion imd religiöse 'Erziehung nicht geschützt ist. Abg. Dr. Delbrück (Deutschnationale Volkspartei) erklärt: Wir sind der Meinung, daß die d e m o kr a t i f.ch e Mo nla r ch i e, wie sie im letzten Herbst bei uns entstanden war, völlig ausgereicht hätte, um auch die weitestgehenden Ziele/der äußersten Linken zu verwirklichen. Der Entwurf ist ein, Gesetz zur allmähürcheu Auslösung des Deutschen Reiches, j Hierauf wird die Weiterberatung unterbrochen.! UM 4 Uhr 20 MiMitrn nachmittags wird die Verhandlung (wieder ausgenommen. . l Abg. Koch (Caffel): Die Demokratie legt der Regierung hie Pflicht auf, den Willen des Volkes einer widerstrebenden Minderst ' Freunde ..... ..„„„ _____„%..v Reichsoberhaupt muß eine seines hohen Amtes würdige Stellung .einnehmen. Die Absetzbarkeit und Zulässigkeit der Anklageerhebung sogar bei verhältnismäßig geringen Vergehen steht mit seiner Würde in Widen'vruch. . ' L, Abg. Dr. Coh n (Unabhängiger) führt aus: Wir vermissen bestimmte Vorschläge über die sofortige Sozial:- L i e r u n g. Alle Sonderrechte von Staat und Stamm müsien fallm. . . Nächste Sitzung morgen. Tagesordmmg: Anttäge und Arme Vorlagen. Für Generalstreik und Sowjetrepublik in Deutschland. , Berlin, 28. Februar. (Tel.-Komp.) In der heutigen Vollversammlung der Großberliner Arbeiteru n d S o l d a t e n- \t ö t e wurde eine Resolution unter großem Beifall angenommen, |tn der es heißt: Wir fordern das sofortige Eintreten in den Generalstreik/ um die revolutionären Errungenschaften zu sichern. Wir fordern die sofortige Ausrufung der Räterepublik Deutschland. Alle politischen Richtungen müsien zusammengehm, um das allgemeine Siel zu erreichen. Sie Verhaftung der Spartakistenführer in der Müchner Näteversammlung. r München» 28. Februar. Als in der Nachmittagsitzung des Rätekonaresses Minister Unterleithner eben sein Referat über Kommissionsbeschlüffe. beendet hatte, die eine. Plattform für die Klärung der polittschen Lage darstellen sollen, erschien plötzlich gegm 3 Uhr eine Abteilung der republikanischen Schutztruppe in der Stärke von 15 bis 20 Mann im Sitzungssaale und nahm bei dm Bänken der spartakistischen Anhänger Aufstellung. Mit vorgehaltenem Revolver kommandierten die emgedrungmm Soldaten „Hände hoch!" Es mkstand eine furchtbare A uf r e g u n g. Alle Delegierten i m S a a l e hoben die Hände in die Höhe. Der Führer des Kommandos rief, den Revolvererhebend, zur linken Seite des Hauses: Wirkönnenuus u'icht länaer von Lumpen der Straße regieren lassen. Wir brauchen eine richtige Regierung!" Die Soldaten des Kommandos packten darauf Dr. Lewin, der am Ministerttsche saß, und führte» ihn ab, ebenso auch die kommunistischen Mitglieder des Arbeiterrates Mühsam und L a n d a u e r. Die Verhaftung wurde von einigm Bänken der Mehrseitssozialisten mit Beifall begleitet. Auf den ZuhörertribÜnm setzten großerLärm und Protestrufe ein. Die Tribünm wurden geräumt, nur die Presievertreter durftm bleiben. - In der ständig wachsenden Erregung konnte sich der Präsident des Kongresses N i e k i s ch nur schwer Gehör verschaffen. Er protestierte gegen das Eindringm der Soldatm und stellte ausdrücklich fest, daß die Leitung des Kongresses mit dem Vorfall Nichts zu Um habe. Scharfer Protest wurde von verl'chredmen Seiten gegen das gewaltsame Eindringm der Soldaten erhobm. Die Erregung wuchs bis zur Siedehitze. Mehrere Redner protestierten energisch gegen die schmachvolle Handlung und gegen die Verletzung der Immunität von Mitglirdrm des Rätekongreffes. Rach einer Viertelstunde erschienen Dr. Lewin und Mühsam im Saale. Sie warm auf Intervention von Mitgliedern deS Hauses von der Wache wieder freigelassen worden. Bei ihrem Erscheinen im Saale wurden sie stürmisch begrüßt. Es wurde sofort eine Untersuchungskommission eingesetzt und die jSitzuug müerbroche». Wiener Morgenzeiturrg Sammlung des Jüdischen Nationalrates für die Pogromopfer. Bisheriges Gesamtergebnis K 338,406*20. V. S p e n d en a us w e i s: - . Sammlung der Beamtenschaft L>es Phönix , (Fortsetzung): Steiner O. Hlavatsch K 50, Dr. Robert Mallstem K 20, Jacques Lampl L 20, Unger K 20, Becker K 20, Simon Berger K 20, Paßweg .K 20, Otto Lerner K 3Ö„ Sigmund Hader K 25, Kätscher K 20, Körner K 20, Allenfeld K 20, Aschkenash K 20, Stenrfeld K 20, Finkel K20, N. N. K 20, Max Sternfeld 10, Adolf Hauptmann hi 10, Salomon Belglas K 50, F. Kohn Ho, Weintraub 5. Summa K 1350. Sammlung durch Herren Salmen Baltuch und Michel Linial: Mordchi Linial K 22, Chaim Äeschler K20, Henzi Stmm K 20, Salmen Baltuch ll ly, Jakob Bloch K 10, Rose Block K 5, Simon Hirsch K io, Salomon Bier K io, David Morgenstem K 20, Salmen Ziegelhaub K 7, Moses Dankner L 10, Jite Rosemhal 5, Riscie Drimmer K 20, Hersch Spaser K io, Mordchi Schuch K 5, Kleine Sammlung K 14. Zusammen K 198.—. Gesammelt durch Fräulein Berta Weidenfeld unter der Beamtenschaft im„Pliönix", I., .Gonzagagaffe 12, 301. Sammlung durch Herrn I. Bryndstätter K 1000. Sammüma durch Herren Engler und Blumenfeld anläßlich der Hochzeit bei Rottenstein K 166. * . Weitere Spenden sind zu richten an die Meran-Bank, Wien für den Jüdischen Nationalrat (mit Vermerk: „Pogromvpfer"). Sport. Don Geist und Turnen. Uns 'Großstadtjuden bedeutet, das' Turnen einen Gegenpol zu dem allzuvielen Geistigen, das unsere Tqge erfüllt und bietet uns willkommene Gelegenheit zur Entspannung. Wir setzen der intellektuellen Ueberfättigung die harmlose Fröhlichkeit des Türnbetriebes entgegen/ und die Erstarkung der Muskeln und Sehnen läßt uns vergessen, daß wir in geistiger Hinsicht viel-' fach abgespannt und überlastet sind. Aens sana in corpore sano, der Satz des alten Römers, daß nur in einem gesunden Leib ein gesunder Geist wohnen könne, gilt für uns besonders. . EL versteht sich von selbst/ daß wir — eben darum, weil wir Juden sind .— die geistige. Seite der Turnerei nicht unbeachtet lassen können. Die Begründer des neuzeitlichen Turnwesens, vor^ allem der Turnvater Jahn, wandten schqn der. Ausbildung der geistigseelischen Fähigkeiten durch das Turnen ihre Aufmerksamkeit zu und machten interessante Beobachtungen über die Wirkung der Uebüngen an den einzelnen Geräten auf Mut, Entschlossenheit, Umsicht, Selbstvertrauen usw. Auch ist zweifellos in der Disziplin des Turnbodens, dem freiwilligen Sich-Einordnen"des Einzelnen und in der. Kontrolle der fortschreitenden Leistungen und der Gewandtheit durch die Turnbrüder ein nicht zu unterschätzender erzieherischer Faktor zu erblicken. Aber abseits von diesen psychologischen Wirkungen sind die Beziehungen von Geist uhd Turnen für uns schon darum gegebenweil uns das Letztere ja nicht Selbstzweck ist, sondern — immer wieder sollten wir daran dönken! — weil wir ja mit den eigenen Kräften und Fähigkeiten die: des Volksganzen mehren und in uns selbst das alte Volk verjüngt erstehen lassen. Diese «uns allen gemeinsame große nationale Idee und unsere Liebe zu unseren herrlichen Volksüberlieferungen sind die Grundlagen des geistigen Lebens in unseren Reihen. So geht vom Turnverein aus eine intensive ' Förderung unserer jüdischen Persönlichkeit, und der Zusammenschluß der Mitglieder auch außerhalb des Turnbetriebes ist die Pflanzstätte . treuer Freundschaften, die über den Rahmen der turnerischen Interessen hinaus die Geister verbinden.. Wir stehen jetzt im Anfänge einer mächtigen Entwicklüngsbewegung in bezug auf jüdisches Wissen, und auch in unseren Turnvereinen müssen diese Bestrebungen durch Einrichtung hebräischer Sprachkurse und geschichtlicher Vorträge und Diskussionen gefördert werden, damit jeder jüdische Turner die Gelegenheit finde,^Kräft und Geist auszubilden für Judas Ehre. A. L. 'Warnungstafeln, die das Publikum zur Ruhe.auffordern, werden auf. Kosten des Fußballverbandes'auf. sämtlichen Sportplätzen angebracht. Der Deutsche FußbaNverbawb für Böhme« hat ein Länderstiel.' gegen den Niederösterreichischen Füßballverbanb angeregt: letzterer hat das Angebot in erster Linie wegen der Verkehrsschwierigkeiten «chgelehni. Häkoah. Heute, 7 Uhr abends, wichtige Spielerversantmlung. Kapitänwahl sämtlicher Mannschaften. \ . , * , Der Volkswirt. Nationalistische Orga«isationsbestrebungen im Wirtschaftsleben Tschechiens. Prag, 27. Februar. - Seit der Begründung des. tschechischen. Staates können wir in der tschecho-slowakis'chen Republik sehr rührige Bestrebungen in allen Zweigen des wirtschaftlichen Lebens beobachten. Die Staatsrechtliche Partei, die nach den Erfolgen ihres Programms fast sämtliche bürgerliche Parteien vereinigt, beginnt die einzelnen Wirtschaftszweige zu organisieren, wobei ihr der offizielle Charakter und die gut fundierten Beziehungen zu der Regierung sehr behilflich sind. Es ist nicht erstaunlich, wenn es dieser nationalistischchauvinistischen Partei bei der Hochkonjunktur des Natioimlismus unter. dem Schlagwort „Jeder zum Seinigen" gelungen ist, Anhänger ftu& unter der. ÜLeckikHeu ÄnuLmannILaLL ruck 1. März 1919 Nr. 42' den Gewerbetreibende n zu finden und die zahl-' reichen w i r ts ch a ft lichen Fa ch o r ga n i sa tio n'e, mit ihrem Geiste zu erfüllen. Wie radikal-nationalistisch die Bestrebungen solcher Wirtschaftsverbände sind, ma^ nachstehende, bei der jüngst auf der Sosieninsel in Praß .stattgefundenen. Zusammenkunft des Wirtschaftliches Klubs für Prag und Vorstädte" angenommene Reso?. lution darlegen: 1. Unterstützet ausschließlich tschechii sche Geschäfte, Gewerbe und Industries v e r l an g e t ü her all t s ch e ch i s ch e E r z e u g n i s s v 2. Wählet euern Arzt, den Rechtsanwalt, den HauK lehrer usw. nur aus tscheche-slowakischen Kreisen. 3. Verhandelt in sämtlichen Betrieben und Aemtern nur in eurer Muttersprache, verlanget nur tschechische- Aufschriften und Drucksorten, korrespondieret tschechisch unh beharret auf tschechischer Antwort; deutsche Z«< schriften und Offerte sende.t zurück. 4. Kaufet und leset tschechische, Bücher, pfleget tschechische Musik und Kunst, tschechische und slowakische Eigenart, besuchet bloß tschechische Konzerte und Theater 5. Vermeidet die Art deutschen Denkens, deut« scher Anschauungs- und Ausdrucksweise, tilget die Spuren deutscher Kultur aus eurem Leben, euren Heimen und eurer Unterhaltung. Leset keine unterhaltenden deutschen Schriften und Bücher, pfleget euer 'Studium auf Grundlage französischer und englischer Lehrbücher, befreiet euch aus. dem Milieu deutscher) Wissens und deutscher Kunst. 6. Versichert euch' ausschließlich bei tschechischen- Versicherungsanstalten und bevorzugt die Verbindungen mit tschechischen Banken. * . 7. Besuchet und empfehlet ausschließlich tschechische Kaffeehäuser, Gasthäuser, Weinstuben, Unterhaltungslokale; verlanget überall den Gebrauch eurer Sprache in sämtlichen Aufschriften und Bedienung, vev> langet überall tschechische und unserer Verbündeten Zeitschriften und lehnet deutsche illustriert« Zeitschriften ab'. 8. Besuchet tschechische Bäder und Sommerfrischen, bereiset die schöne Slowakei und Lausitz, fahret an slawische Meere, sprechet nicht auf Reisen deutsch, erzwinget im Auslande die Achtung für eure Spräche und euer Volk. Fahret nicht zum Vergnügen nach Wien oder Berlin, auch nicht in andere deutsche Städte und Gegenden, besuchet nicht die Ostseebäder. 9. Eure Freunde, Tischnachbarn und Bekannten wählet bloß aus Personen, deren tschechische Gesinnung unzweifelhaft ist. Pfleget keine privaten und gesellschaftlichen Beziehungen mit Angehörigen der uns. feindlichen Völker, führet konsequent di« Reinigung unseres nationalen Lebens in der Familie, Gesellschaft, in Aemtern und Oeffentlichkeit durch'. Daß es sich hier nicht um einen vereinzelten Falk handelt, beweisen die zahlreichen, im ganzen Lande befindlichen wirtschaftlichen Fachverbände und G en o s s e n s ch a f t e n, die es als ihre vornehmste Aufgabe betrachten, den nichttschechischen 5kausmann oder Gewerbetreibenden schon von vornherein aus dem wird« schaftlichen Zusammenhang loszulösen. Ein fleißiges Augenmerk widmet die genannte Partei auch dem Wirtschaftsleben in der Slowakei, wo in der letzten Zeit eine ganze Reihe nationalistischer Fachverbände, kaufmännischer und gewerblicher Genossenschaften entstanden ist, und eine große Anzahl kaufmännisch gebildeter nationalistischer Elemente angesiedelt wurde. Wenn man auch anwhmen kann, daß der erbgesessene nichttschechische (jüdische und deutsche) Zkaufmann vermöge seiner alten Beziehungen, Orts- und Marktkenntnisse dennoch sein Fortkommen, wenn auch unter den schwierigsten Verhältnissen, finden wird, so ist es selbstverständlich, daß ein aufreibender, vielfach aussichtsloser Existenzkampf den neu hinzukommenden, meistenteils der Sprache und der Verhältnisse unkundigen nichttschechischen Elementen bevorsteht. In dev Versammlungen der Wirtschaftsverbände, in dem gesamten tschechischen Blätterwalde werden energisch von der Regierung Maßnahmen gegen den Zuzug nach Prag und den Industriezentren von seiten deutscher, deutschjüdischer und magharischjüdischer Kaufleute und Unternehmer gefordert, und Leute, die den „Eindringlingen" durch Vermietung von Lokalen, Bureaus oder durch Häuserverkauf die Niederlassung erleichtern oder ermöglichen, öffentlich an den Pranger gestellt. Daß auch die Behörden in solchen Fällen sehr wenig Entgegenkommen zeigen, geht daraus hervor, daß sogar Firmen, die ihre Erzeugungsstätten in der Tschecho-Slowakei besitzen, ihre Zentralen jedoch bisher in Wien hatten, bei Begründung ^und Protokollierung ihrer Niederlassungen (neuen Zentralen) in Prag die größten Schwierigkeiten zu überwinden haben. Wenn auch zweifellos aus wirtschaftlichen Gründet: die Ablehnung des nichttschechischen kaufmännischen Elements mit der Zeit an Schärfe verlieren wird, so ist die jetzrge Bewegung genügend stark, um den nichttschechischen Kaufmann von dem zu erwartenden Aufschwung zurückzudrängen und den größten Teil des Handels und auch der Industrie in rein tschechische Kreise zu bringen. Dr. Steinwender über die deutsch österreichische Währnngsfrage. Staatssekretär Dr. Stemwender äußerte sich im „Wiener Mittag" über die Fragen der Staatsschuldrnaus> t e i l u n g, Abstempelung der Noten und die Vermögensabgabe unter anderem wie folgt: Die LrudeuSkouferenr wird daiür iorgendaß die Scku^de»