Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 41 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979118--00348-2985630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
gcfftns* . Wien, Freitag' . . . .. Äiener Morgeuzeituns _ 28. Februar 1919_ < Nr. 4i Die Wahlreform zur KulLusgemeinÄe. Oefferitliche Sitzung des Kultusvorftandes. Die fleischlose Woche. . * Heute beginnt die — unrühmliche — zweite fleischlose Woche. Eie wird tatsächlich ganz fleischlos sein, da weder Dursiwaren zum Ersatz da sind, noch auch — wie in der Vorwoche — Keine Quantitäten an Wild, Schaf- und Schweinefleisch zum Verkaufe gelangen. Es wird aber auch kein Mahl- Produkt als Ersatz geboten werden. Die dieswöchcntlichen Zufuhren an Schaffleisch 77 es sind mehrere tausend Kilo — werden in der städtischen Gefrieranstalt eingelagert. Man hont, daß bis zum 7. März auch noch etwas Rindfleisch aeliefert werden wird', so daß in der Woche vom 7. bis 14. März wieder dieFleischquote verabreicht werden wird. Allerdings wird es keine reine Nindfleischquote sein, sondern es werden auch andere Fleischsorien, wie besonders Sch a f f l e i s ch, ebenfalls gegen die Rindfleisch- ■ karte abgegeben werden. Maisbrot i« Aussicht. Nach einer Mstteiüma des Staatsamtes für Vvlkscrnährnng ist ein Vertrag zur Lieferung von Mais mit der jugoslawischen Negierung nach langen und schwierigen Verhandlungen zustandegekonimen. Dies bedeutet, daß Jugoslawien uns im Austanschmege einen Teil der aus seinen Gebieten noch vollständig unbenutzt lagernden Maisernte abgeben, wofür wir mach Jugoslawien die bei uns vorhandenen Artikel anssühren werdert. Jugoslawien verlangt vornehmlich Salz und Papier, also Artikel, über die wir selbst nicht verfügen. Doch dauern die Bei Handlungen hierüber noch fort. Im Staatsamt wird schon damit gerechnet in Kürze das Brot mit Mais zu mischen und dadurch eine Streckung bis zur neuen Ernte zu ermöglichen. ' Die Gastwirte bekomme« Seefische. Für die zweite fleischlose Woche, deren Dauer bis zum 5. März verlängert wurde, wird in der Verteilungsstelle der Gastwirtegenossenschasi, beziehungsweise bei der „Nordsee". am Nordwestbahnhof ein. Waggon frischer Seefische gegen Vorweisung der Konzession abgegeben. Die Seefische sind als Fleischersatz vom Bolksernährnngsamt zugewiesen. Kartoffelabgabe. Freitag, Samstag.und Montag werden im IV. Bezirk Kartoffeln, und zwar ein halbes Kilogramm pro Kopf gegen Abtrennung der Abschnitte A ünd B der neuen Kartoffelkarte abgegeben. Abgabe von Kondensmagermilch. In der *Zeii vom 2. bis 15. März wirb an Kinder vom vollendeten ersten bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr holländische Kondensmagermilch in Dosen abgegeben. Die Abgabe beginnt am 3. März in allen> Milchabgabestellen, bei denen die genannten Pflichtmilchkartenbesitzer rayoniert sind und hat jedes Kind vom -vollendeten ersten bis zum vollendeten zweiten Lebensjahre Arspruch auf. je fünf, die übrigen auf je Zwei Dosen. Diese Kondensmilch bildet einen - E r s a tz f ü r F r i s ch m i l ch und erscheint daher ein Doppelbezug von Frischimd Kondensmilch unzulässig. Die vorhandene Frischmilch bleibt den Kindern bis zum ersten Lebensjahre und den Kranken reserviert. Bühne und Kunst. Wiener Komödienhaus. — „Urians Lendenls'ch'muck". Alfred Grünewalds sünfaktiges Fastmachtspiel ist zürn Glück weniger pretentiös als die '.„Einführung", die man mit dem Programm in die Hand bekam. Ein harmloses Spiel, dasnicht ohne -Anmut vorüberhuscht und sogar durchaus verständlich »ist. Der Gaunerstreich des fahrenden Gesellen Tobias, der mit Würde auf fremde Kosten lebt, liebt und -sauft, bleibt nicht ohne Strafe, und zu Schaden kommt Niemand, bis auf die dicke Bauernmagd, der was Menschliches passiert — hoffentlich ohne Folgen/ Das Stück Müßte auf verengter Drehbühne ohne Zwischenpausen gespielt werden. Die feinsinnige Regie Egon Brechers .hat mit den verfügbaren Mitteln Treffliches geleistet 'und das Fastnachtspiel in derber holzschnittartiger Manier herausgebracht. Herr Zeska gab den Beutelschneider und Spitzbuben Tobias (eine typische Kainzxolle) recht gut, die dicke Magd Suse des Fräulein F r ö b l und der Schreiner Sülze des Herrn Kramer stvaren vortrefflich und Fräulein Höllering war in -einer frischen, kecken Bubenrolle sehr temperamentvoll. sUeber einige Entgleisungen infolge mangelhafter Text-?beherrschung sei wohlwollend hinweggegangen. Das Publikum zollte dem Autor, den Schauspielern und -dem Regisseur lebhaften Beifall. Ohne Skandal gehts :.in dieser bewegten Zeit bei Premieren nun einmal nicht ab. Auch gestern gab es eine kleine Sensation. -Im letzten Akt erschollen mißbilligende Zwischenrufe jund Fräulein Höllering rief, kurz entschlossen, von der Dzene ein gebieterisches und wirkungsvolles „Ruhe!" jin den Saal. Nach Schluß der Vorstellung. ging ein bekannter junger Schauspieler, welcher der Vorstellung ^Leiwohnw, aus die Zwischenrufer los und sagte ihnen, recht erregt, seine Meinung. Es sei empörend-, wenn -Künstler, die unsägliche Mühe und langwieriges Studium aus ein neues Stück verwenden, aus offener Szene syestört werden. Man muß ihm zustimmen. O.A. \ Vom „Zerubbaal", der von Dr. Siegfried B e r nff e 1 d herausgegebenen Zeitschrift der jüdischen Jugend ist soeben!Heft 8—9 (November-Dezember 1918) erschienen. Der Verlag hat isich entschlossen, die Hefte nunmehr auch einzeln abzugeben, und beträgt drr Preis des neuesten Heftes K 4,40. Ans dem reichen Inhalt desselben sei hervorgeboben: Ch. N. B i a l i k: „In der Stadt des Mordens." — Abr. S ch w a d r 0 n: „Auch ein Wort zu den Pogromen." — Hugo Bergmann: „lieber Moses Heß." — Siegfried B e r n f e l d: „Vorbereitung für Palästina." — Fritz Sa xl: „Die jüdische Jugend und die bildende Kunst." — Monzi Spitzer: „lieber Jugendbewegung im allgemeinen und dem Blau-Weiß im besondern." — Eugen H 0 eflich: . ,^Dir Deflvrrerrytg der Jugend." — Rudolf Glanz: „Wie wir im Jerubbaal schreiben sollen." — Kurt Nelken: „Nach dem Jugendtag in Berlin." — Me'ü Wiener: Else Lasker-Schuler usw. usw. Dieses Heft sowie alle früher erschienenen können durch N. L ö w i t s B u ch- Handlung, Wien,!., N 0 t e n t u r m ft r a ß e 22, .bezogen werden. Das Abonnement kostet: DaS Vierteljahr K 5.30, chas Halbjahr K 10.60, der Jahrgang K 21.20. f Orientalischer Abend. Der zionistische Frauenverein veranstaltet Samstag den 8. März l. I. um 6 Uhr abends im Festsaal der Reichshallen, I., Dorotheergasse 6/8, einen orientalischen Abend. Am Aorlesetisch Erika v. W a g n e r. Karten zum Preise von K 10.— bis K. 2.— bei R. Löwtt, J., Rolenwrm- .ßraße 22», ' y' A; . . < " j. % A , Bon unserem Berichterstatter. W i e n, 27. Febntar 1919. Die von einem Teil der Wiener jüdischen Bevölkerung m.it großer Ungeduld erwartete Beratung der Wahlreförm für die Kultusgemeinde war der Gegenstand der heutigen Sitzung,' Statutengemäß muß diese Sitzung öffentlich sein,. während sonst der Kultusvorstand hinter verschlossenen Türen tagt. Der Vorstand hatte sich lange geweigert, -diese Frage zu behandeln; erst auf das statutenmäßige Einschreiten, der demokratisch gesinnten Vorstandsmitglieder wurde die Sitzung einberufen. Lange vor Beginn war der ohnedies enge Zuhörerraum bereits überfüllt. Die überwiegende Mehrheit des Auditoriums' gehörte der nationalen Richtung an; wie könnte es auch anders sein; die anderen Juden haben eben kein Interesse an den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinschaft. Auch vor dem Nathans hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt,, die. keinen. Einlaß mehr finden konnte.. Der vom Vertreterkollegium vorgelegte Wählordnungsentwurf war von erzreaktionärem Geiste. erfüllt; er war in manchen Punkten noch eine Verschlechte- - rung gegenüber dem heute geltenden Wahlrecht. Und diese Vorlage wagte man auf Grund der Vereinbarung, daß eine dem0kratische Wahlreform durchgeführt werden soll, im Plenum einzubringen! Es waren nicht nur die Redner der nationalen Partei, die diesen Entwurf von vornherein als undiskutabel bezerchneten, sondern auch andere Vorstandsmitglieder erklärten, daß sie diesen Entwurf ablehrrey. Der Standpunkt der nationalen Partei wurde in außerordentlich sachlicher und würdiger Weise von Dr. Ehrlich vertreten; aus dem gleichen sachlichen Niveau standen die Ausführungen des zweiten Redners -Dr^ S ch w a r z - Hil le r. Herr Dr. Schreiber fand dem anerkennenswerten Mut,. sich als überzeugter Reaktionär vorzustellen; er war der einzige, der für den Entwurfs eintrat und dessen Prinzipien verteidigte. Die archeren Herren von der Majorität saßen stumm um den Tisch herum; nur gelegentlich ertönte ein Zwischenruf, und manchmal wurde es einem oder dem anderen etwas ungemütlich. Dr. Schreiber allerdings brachte geradezu groteske Argumente, und ein unbefangener Zuhörer mußte sich fragen, ob wir wirklich im Jahre 1919 leben-v. . Das Resultat war, daß man die-ganze Angelegenheit in eine Kommission zurückverwies, die in 14 Tagen berichten soll. Also eine Verschleppung; .man darf aber, gespannt sein, - was die Herren in 14 Tagen zu sagen haben werden und ob sie die Zeit benützen werden, am sich über die Stimmung der jüdischen Bevölkerung zu orientieren. Unmittelbar vor Beginn der Sitzung überreichte /eine Deputation von Teilnehmern der gestrigen Massenversammlung unter Führung des Vorsitzenden Doktor Bruno Pollack v. Par na u, dem Kultusprüsidium die in der Versammlung gefaßte Resolution. Vizepräsident Höfrat Rapp a p 0 r t nahm die Resolution entgegen, sagte jedoch, daß die Entscheidung nicht-von ihm, sondern vom Vorstandsbeschluß ab hängt ,„ Nachstehend der Sitzungsbericht: ' Vizepräsident Hofrat Rap p a Po r t eröffnet die Sitzung um dreiviertel 5 Uhr mit eiriem Nachruf für die verstorbenen Vorstandsmitglieder Dr. Leopold K 0 h n und S. Ro th. Sodann erteilt er zum Referat über die Wahlreform Herrn Sekretär Engel das Wort. Sekr. Engel gibt eine aktenmäßige Darstellung der Vorgeschichte des heutigen' Entwurfes, In der Sitzung vom 5. November wurde eine Vereinbarung mit dem Jüdischen Nationalrat getroffen, wonach eine Permanenz-Kommission, von'beiden Teilen gleich beschickt, eingesetzt wurde, mit der Aufgabe, einen Präsidenten zu wählen-und einen Entwurf für eine demokratische Wahlordnung binnen vier Wochen vorzulegen, der vom Kultusvorstand innerhalb vier Wochen erledigt werden sollte./ Die Herren vom Nationalrat legten' auch einen Entwurf vereinbarungsgemäß vor, doch in der Sitzung vom 28. Dezember gab der Vorsitzende bekannt, daß die Herren Dr. Engel/Dr. Pappenheim und Dr. Schreiber es für nötig halten, einen Gegenentwurf einzubringen, und mit dessen Verfassung Dr.- Pappenheim zu betrauen. Die Herren vom Nationalrat verwiesen demgegenüber auf den -ersten Beschluß, doch wurde schließlich eine Frist bis 15. Jänner zur Vorlage - des Gegenentwurses festgesetzt..' Arm 14. Jänner wurde der Entwurf zugestellt, am 16. Jän- -ner erklärten die Herren vom Nationalrat, daß sie die Diskussion dieses Elaborates ablehnen, weil es in seinem Geist und in seinen Grundzügen den Vereinbarungen diametral Widerspricht, und daß sie die Verweisung an den Kültusvorstand beantragen. Das . Vertreterkollegium hat also einen Entwurf ausgearbeitet, der den Herren zugestellt wurde, der aufgebaut ist auf folgenden Grundsätzen: Erhöhung der Mandate auf 40, wovon '30 tfott ikt Allgemeinheit und 10 von der Kurie der Höchstbesteuerten, die eine Kultussteuer von Mindestens 200 Kronen, zahlen, gewählt werden.. Für die allgemeine Wählerklasse wird der Proporz eingeführt, für die Höchstbesteüerten das Majoritätsprinzip.. Das Wahlrecht ist an die deutschösterreichische Staats» bürgerschaft gebunden, nur diejenigen „Ausländer", die bereits im Jahre. 1.9.12. wahlberechtigt waren, bleiben es weiter. Die Frauen sind wahlberechtigt unter den. gleichen Voraussetzungen wie die Männer, wenn sie in den beiden vorangegangenen Kalenderjahren die Kultussteuer entrichtet haben und obendrein zu einer j selbständigen Einkommen- oder Erwerbsteuer veranlagt wurden. Das passive Wahlrecht ist gebunden an das 30. Lebensjahr; vom passiven Wahlrecht sind wie bisher die Frauen sowie die Beamten und Lehrer der.. Gemeinde und Bethausvereine ausgeschlossen.;v> Der Vorsitzende eröffnet die Generaldebatte, "t*1 Dr. Jak. Ehrlich verweist darauf, daß der Kultus-' Vorstand in seiner heu izen ZUjammensetzung geradezu eine Gefahr für die jüdische Sache ist; er hat ssich zur! Führung der Judenheit ungeeignet erwiesen, das zeigte sich in den Tagen des Umsturzes und in der Unfähig-- keit, die Forderungen .des Volkes vor der Friedens-/ konserenz zu vertreten. Der Grund dafür ist, daß der Vorstand mit dem Volk gar keine Berührung hat und die Vertretung einer privilegierten Schicht ist. Redner, schi.'dert demgegenüber die Haltung der Gemeinden im Osten, die er aus eigener Anschauung der Kriegsjahre kennt. Nach der Revolution hat sich das gesamte ukrainische Judentum in Kiew versammelt, die' Gemeinden haben das Geschick des Volkes in die Hand genommen.,' Im Gegensatz dazu vegetiert unsere größte Kultus-, gemeinde, bleibt unbeachtet, muß sich damit begnügen,! Agenden zu verwalten wie jeder Bethausverein. Esj! - fehlt die Kraft und der moralische Anspruch, als Wortd! führer der Judenheit aufzutreten, weil das Volk nicht/ hinter ihr steht. Deshalb haben wir seit Jahrzehnten?? eine radikale Reform der Wahlordnung verlangt, uirij/ die weitesten Schichten der Bevölkerung zur Verwal-.; tung heranzuziehen. Dieser Entwurf aber, ist ein Fa u st-j gegen die Demokratie. Nach dem alten Statutj. hatte jeder Steuerträger das Wahlrecht, ganz gleich, ob/ er Staatsbürger war oder nicht. Diese alljüdische Bestim-^: mung, aus welcher das Gefühl der Züsammengehörigkeits * aller Juden gesprochen hat, haben sie gestrichen. Wir sehen! in djesem Wahlrechtsraub nichts anderes als den Haß^ gegen die Judenschaft des Ostens.,Demgegenüber ver-! langen wir, daß allen Juden das Wahlrecht gegeben! -wird. Redner kritisiert hierauf die übrigen reaktionären! Bestimmungen des Entwurfes. Die Kurie der Höchst-' besteuerten ist eine Monstrosität sondergleichen und ein völlig unzulässiger, die jüdische Gemeinschaft schwer^ kompromittierender Respekt vor dem Geld sack.j Schließlich fordert er das uneingeschränkte! Frauen Wahlrecht, da ja in Wien während des,!- Krieges, Frauen auf manchen Gebieten, zum Beispiel! in der sozialen Fürsorge, bedeutendes-geleistet Habens Schließlich stellt er den Antrag, über den vorliegenden! Entwurf als vollständig undemokratisch, zur. TageZ.-! vrdnung überzugehen.! Dr. v. Schwarz-Hiller begründet den Antrag, den Entw urf ab zu lehnen und in die- Spezi aide batte nicht einzugehen, weil er: den Anforderungen nicht entspricht. In den letzten vier Monaten sind die Wahlrechte der ganzen Welt demokratisiert worden. Gerade mit Rücksicht auf &ie Verhältnisse ist die Demokratisierung'» des Wahlrechtes mit' all seinen Konsequenzen das einzige Mittel zur Auf-, rechterhaltung der Ruhe. Redner verweist auf den seiner^ zeit von ihm publizierten Entwurf, der allerdings auch schon ' die Umwandlung der . Kultus gemeinde in eine? Volksgemeinde mit gewissen politischen Rechten inH Auge gefaßt hatte. Er bezeichnet es als geradezu krän-i kend, und im höchsten Grade blamabel, wenn gerade; die Wiener Kultusgemeinde Unterschiede macht, die nur ,auf dem Besitz.beruhen. Dies würde uns in der ganzen Oeffentlichkeit furchtbar.schaden. Redner tritt energisch für den Proporz und das uneinge,chtänkt^ Frauenwahlrecht ein. Bezüglich derStaatsbürger^' schaft habe er in seinem ursprünglichen Entwurf, devj für eine politische Volksgemeinde gedacht war, das,/ Prinzip der deutschösterreichischen StaatsbürgerschafL, festgehalten, für die rein religiöse Volksgemeinde dürfte! es aber nicht in Betracht kommen. Dagegen sprichtij sich Redner für einen geringen. Zensus aus, vor allentj wegen der erziehlichen Wirkung der Beitragsleistung/ Dr. Heinrich Schreiber schiebt den nationalen? Mitgliedern der Permanenzkom-mission die Schuld zu,! an der Sprengung der Kommission. Redner bekenn^ mit jenen VestimmMgen des Entwurfes, die a/tsi! reaktionär bezeichnet werden, einverstanden zu sein. Ob-t wohl ich sonst im öffentlichen Leben nicht reaktionär bin?,! frage ich Sie: Wer denn soll, reaktionär sein,-wenw i nicht eine Kultus gemeinde? (Heiterkeit.) Es ist hier! ein großer Gegensatz der Weltanschauung. Sie könneudas Volk draußen vertreten, in der Kultusgemeinde ist kein Platz dafür. Redner schwelgt sodann in Ausdrücken?? der Bewunderung für die „beispiellose Blüte", auf dt«! das gegenwärtige Regime die Kultus gemeinde gebracht hat. Die Kultusgemeinde sei eine „Edelblüte der jüdi-? scheu Gemeinschaft". (Heiterkeit im Auditorium.) Dies«! mustergültige Institution kann dem Volk nicht. aus-I geliefert werden. Hierauf verteidigt Redner die Bestim-! mungen des Entwurfes mit gan^ unverhohlenem Eintreten für die Reaktion, das geradezu erstaunlich ist.,! Er ist gegen den Proporz, gegen das Frauenwahlrecht, gegen die Wahl von Beamten, für die Bedingung der. Staatsbürgerschaft, für den Zensus, für die Kurie der. Höchstbesteuerten. Der. so. verachtete Geld sack habe big