Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 38 (25.2.1919)
- Date
- 1919-02-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Men, Dienstag — ■ i ■ . Und fn der Zeit der Wklsonschen Prinzipien trotz seine- Sozialismus sich in der Verhöhnung der Demokratie so weit verflieg, daß er erst vor einigen Tage« einem Redakteur de- „Secolo" gegenüber behauptete, nur militärisch geschaffene Tatsachen könnten von Bedeutung sein und bezüglich der territorialen Grenzen Polenein Groß-Polen beanspruchte, da- Fremdvölker erbarmungslos annektiert, ohne deren Selbst, bestimmungsrecht zu beachten. Für den Sozialisten PilsudSki wie für den Nationaldemokraten Paderewski ist eben nur der polnische Imperialismus maßgebend. Sie scheinen sich beide wenig um die Friedenskonferenz zu kümmern und ihre Der. pflichtungen der Entente gegenüber, mit den Bolschewiki zu kämpfen, nicht ernst zu nehmen, wenn sie ihren Drang nach fremden Gebieten aufhalten sollen. Ein Friede mit der Räteregierung ist ihnen mehr als Treu und Glauben, wenn er ihre Kräfte für den Kampf gegen die Ukrainer, Litauer und Weißrussen freigibt. - Ein Polen vom „Meer zum Meer" ist ihr Losungswort, und sie wollen auch nie etwas davon gehört haben, daß sich ein Punkt der Wklsonschen Grundsätze dagegen verwahrt, daß Völker wie Schachfiguren geschoben würden. Die tschechische „Narodnt Lifly" bezeichnet erst unlängst die polnische Politik als verlogen und die Polen selbst infolge der bei ihnen überwiegenden reaktionären und klerikalen Gesinnung als einen unverläßlichen Faktor für eine wahre Demokratie und einen Genossen von zweifelhaftem Wert im Bund der Völker. Datschechische Blatt hat für seine Behauptung eine» neuen Beweis erhalten. Akademiker. Der Niedergang deS akademischen Lebens ist unleugbar. Dir Hochschulen haben schon längst den Charakter von Hochburgen des Frcihettsgedankens cingebüßt, unbeugsamer Männesstolz und Freiheitsdrang sind aus ihnen verschwunden und haben der Knechffeligkeit Platz gemacht. Profcsioren und Studenten sind früher in den ersten Reihen der Kämpfer gegen die Reaktion zu finden gewesen. Sie sind zum größten Teil aus diesen Reihen getreten. viele sind ins Lager des Absolutismus übergegangen. Kriege ist dieser Niedergang besonders kräh in btt Erscheinung getreten. Ein unsagbar widriges Gefühl muß jeden befallen, der an die Nolle denkt, welche unsere Hochichulprosessoren und auch ein Teil der akademischen Jugend im Kriege gespielt haben. Statt gegen den Kriegsterror aufzutreten, haben sich die Vertreter der Wissenschaft dm Kriegshetzern und Säbel- Helden untertänig angebicdert. Auf den Aufrufen der „Siegfriedler" und Boykottprediger hat es immer von akademischen Unterschriften gewimmelt. Wenn es galt, Greueltaten wissenschaftlich zu beschönigen, haben sich immer Fachgelehrte gerne dazu hergegcbcn. Die Vertreter der Soldateska wurden nnt Ehrendokloraten überhäuft. In den Vorzimmern der berüchtigften Fleischerkncchte im Generalsrang haben sich die Leuchten der Wissenschaft, die Rektoren und Dekane mit Diplomen eingcsundcn, um sie den Landsknechten vor die bluttg-kotigen Stiesel zu legen. Sie haben dm Ramm ihrer Schulen mit unauslöschlicher Schmach bedeckt. Nun ist der Krieg vorüber und der Siegestraum ausgeträumt, # aber in unsere Stätten der Gelehrsamkeit ist kein neuer Geist eingezoaen. Wüster Chauvinismus macht sich weiter breit und die Revanchepolitik -ist dort zu Hause. Von. den Hochschulen geht wieder der Ruf nach nationaler Gewaltpolitik aus. Wimer Professoren haben sich dem Kommando studentischer Radaimationalisten unterstellt und den schmählichen Versuch unternommen, frenidriationale Hörer einfach zu verjagen. Ihr Unternehmen ist kläglich gescheitert. Die Herren haben einfach daran vergesien, daß heute nicht mehr ihre hochmögcnöen Gönner regieren, sondcm das Volk, und daß es nicht angcht, der Reaktion einen Unterschlilpf im warmen akademischen Nest zu bieten, daß die Sochschulen Eigentum des Volkes, nicht aber igenwm einiger Profefforengesellschaften und schlagender und sarbentragmder Verbindungen sind. Unter solchen Umständm berührt eS sonderbar, daß es ein Vertreter dieser rückständigen akadcmischm Bchördm unternimmt, den Retter Deutschösterreichs und Wiens spielen zu wollen. Profesior v. H o ch e n e g g hat vor wenigen Tagen in einem langen Vorträge darüber gesprochen, wie die Großstadt Wim vor dem Versalle bewahrt werden kann. Er will aus Wien und seinen Hochschulen ein geistiges Zentrum macken, welchem Lernbegierige und Hcilsuchmde aus aller Welt zuströnlkn werden. Schön. Die Amätze wärm ja da, Wien hat eine herrliche akademische Vergangenheit. Doch von der Vergangenheit kann man nicht leben. Die Gegenwart aber ist mehr als bedenklich. Sollen Fremde in Scharen herbeiströmen, auf die Gefahr, morgen hinausgrworfen zu werden, weil drei oder vier deutschradikale Studentenverbindungen von einem gefügigen Prosessorrnkollegium die „Säuberung der Wiener Hochschulen von fremden Elementen" verlangen? Bevor an die Diskussion der Pläne Hochencggs ernstlich herangetreten werden kann, werden er, seine Kollegen und Zöglinge ihre Denkweise einer gründlichen Revision unterziehen muffen. Sonst kann rS nur zu einer Blamage kommen. * Auch die jüdischen Hochschüler WimS werden mnlemm, auch sie werden sich daran erinnem müssen, daß, ganz besonders für Juden, mit derakademischmWürde unabweisbare Pflichten verbunden sind; vor allem die Pflicht, für die Freiheit der Lehre mannhaft einzutrrtrn. Wo warm diese jüdischen Hochschullehrer, als es galt, gegen den antisemitischen und fremdenfeindlichen Erlaß des Rektorats Stellung zu nehmen? Auf einem von Berdächtigungm strotzenden „Protests der österreichischen israelitischen Unron gegen den jüdischen Nationalisinus, einem politischen Machwerk letzter Sötte, warm nicht mehr und weniger als dreizehn jüdische Prosesioren unterschrieben. Unbedenklich haben sie ihre Namen für einen Kampf gegen eine jüdische Idee hergrgebm. Dem Stteite gegen dm akademischen Antisemitismus sind sie ausgewichm. Nicht e i n e r hat da mitgesprochen und mitunterschrieben! Sie haben es dm von ihnen bekänipftm Nationaljuden überlasim, für die Existenz der jüdischen Studenten und gegen die akademische Reaktion zu kämpfen. Auch die jüdischen Prosesioren werden umlkmm müsien! st. .-ADA e-- Altbewährte Dampfwaschanstalt wischt ohne Chlor Ihre Wische blQtenwclss, holt und liefert in verschlossenen Kisten unter Ihrer Kontrolle. Telephon 34110. XIII., Sftossbachergasse Nr. 21. ■Wl iS ..■■■U. II1J U i-'^. i[ I Ml Wiener Morgenzeitnng ..- - - -inrn Inland. Die Eröffnung der Konstituante. Die Nationalräte für den 4. März einberufen. Gestem erfolgte die Einbemfung der Nattonalversammltmg -u der ersten Sitzung, die für Dienstag dm 4. März anberaumt ist. An alle gewählten Nationalräte ist eine diesbezügliche Einladung ergangen. Die erste Sitzung gilt nur der Konstituierung. Der Präsident des Staatsratcs eröffnet dieselbe und ladet dann den Acltesten des Hauses ein, den Vorsitz zu übernehmm. Bei der Urbernahme des Vorsitzes leistet der Alterspräsident die Angelobung. Wer Alterspräsident wird, ist noch nicht klar. Für den Fall, als der neugewählte Kärntner Nationalrat Egger von seinem Mandat zurücktritt, käme Dr. Steinwenderals Arltester des Hauses in Betracht. Andernfalls ist der Senior noch nicht bekannt, da noch einige Pevfonaldaten von be» ncngewählten Nationalräten fehlen. Vorläufig wird der sozialdemokratische Nationalrat David als der Nestor der Versammlung angenommm. Sodann erfolgt, die Angelobung der Nationalräte. Die Formel wird die unverbrüchliche Treue zur demschösterreichischm Republik und die genaue Befolgung ihrer Gesetze sowie die Erfüllung der NationalratSpflichtm fordern. Hierauf werden vier der jüngsten Mitglieder der Nationalversammlung als Schriltsttbrer gewählt. Der Alterspräsident führt den Vorsitz bis zur Wahl des Präsidenten. Sodann erfolgt die Wahl des gesamten Präsidiums womit die Aufgabm der ersten Sitzung erfüllt sind. In den Meinungsaustausch der heute im Parlament einetroffenen Nationalräte wurde dem Zweifel Ausdruck gegeben, aß die Vertteter der besetzten Gebiete an der Eröffnung der Nationalversammlung werden teilnehmm können. Bekanntlich soll hinsichtlich der Ernennung in der am Mitttvoch, nachmittags 8 Uhr, stattfindenden Staatsratssiyung über die diesbezüglichen Anträge der Bettreter der einzelnen Länder entschieden werden. Es müßten demnach bis Mittwoch vormittags diese Anträge dem StaatSrat vorlicgen. Eine Einigung wird jedoch nicht so leicht zu erzielen sein, zumal die Sozialdemokraten Deutschböhmens wie auch Tirols den Standpunkt einnehmrn, daß unter allen Umständen in den besetzten Gebieten Wahlen vorgmommm werden sollen. Ein auS Jnnsbnick eingelangter Bericht besagt, daß bezüglich der Mandatsverteilung seinerzeit zwischen dm drei LandcSpartelm eine Vereinbarung getroffen wurde. Der Wahlausgang in Lienz soll nicht den alleinigen und entscheidenden Schlüffe! für die Aufteilung der Mandate in Deutsch-Südtirol bilden. Nach der Lienzer Wahl würden die Deuischfreiheitllchrn kein Mandat erhalten. Ein Staatssekretariat für die besetzten Gebiete. Wie der Wimer Korrespondent der „Frankfurter Zeitung", meldet, denkt man in deutschosterceichischen Regierungskreisen daran, für die besetzten Gebiete ein e i g e n e s Staatssekretariat zu schaffen, damit diese Gebiete nicht ohne Vertretung bleiben. Die Abstempelung. Heute findet eine Sitzung des deutschösterrelchischen Kabinettsrates, morgen eine solche des Staatsrates statt. Die Beratungen, die sich auf die Abstempelung der Kronennoten in Deutschösterreich erstrecken, werden nach den Resultaten der von der tschechisck)en Nationalversammlung zu erwartenden Verordnungen Dr. Raschins in das entscheidende Stadium treten. Der tschechische Staat will nach hier eingelangter Meldung die Hälfte der Banknoten zurückbehalten, die Hälfte jedoch den Eigentümern mtt Stempelmarken zurückerstatten, die sie dann selbst aufzukleben hätten. Es ist zunächst eine Aufnahme der Bestände der Banken in Aussicht genommen. Die Aufstempelung'wird zwischen dem 3. und 9. März erfolgen, in der Erwägung, daß am 1. März Gehalte- und Lohnzahlungen zu entrichten, sind. Die Abstempelungsstellcn und Banken werden in den Besitz bereits abgestempelter Noten gesetzt, damit der Umtausch leicht vonstatten geht, und zwar werden nicht nur die Wiener Institute, sondern auch die Filialen in den Städten DeutfchösterreichS mit solchen Noten dotiert. Selbstverständlich bedarf die allgemeine Annahme der abgestempelten Noten in Deutschösterreich einer besonderen gesetzlichen Verfügung, welche der Nationalversammlung zu unterbreiten sein wird. Das Schicksal Dentsch-Südtirols. Innsbruck, 24. Februar. Die Landesregierung teilt dm hiesigen Blattern mit, daß in der Obmännerkonferenz vom 21. d. M., der auch Unterstaatssekretär des Aeußern v. Pflügt beiwohnte, von allen Beteiligten der Eindruck gewonnen wurde, daß die Staaten der Entente über die Südtiroler Fragen wohl unterrichtet seien. Die endgültige Entscheidung dürste erst EndeMärz fallen. Der Kommunistenführer Maresch verhaftet. Gr«lz, 24. Februar. Gestern wurde in später Nachtstunde der Kommunistenführer Maresch außerhalb der Stadt auf der Straße verhaftet und der Polizei überstellt. Telegramme. Tschecho-flowakische Republik. Die Mission des Generals PellL. Pilsen» 24. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In einem Gespräch mit einem Vertreter des hiesigen „Ceskv Denink" erklärte Landesverteidigungsminister Klosatsch : „General P e 11 6 hat eine dreifache Sendung. Er ist Chef der französischen Mission und wird an der Ausgestaltung der tschecho-slowakischcn Armee im Smne der französischen Traditionen auf Grund der Erfahrungen des Krieges — er war JoffreS Generalstabschef — aberauch in unserem rein demokrattschen Sinne Mitwirken. Als Chef unseres Genrralstabes ist er bloß dem Minister für die nationale Verteidigung untergeordnet. Schließlich ist er Vertreter deS Generalissimus Fach, des Obertommandiermden der Enttntearmee, deren Bestandteil auch unsere tschecho-slowaktsche Armee bildet." Auflösung der Handelskammern. Prag» 24. Februar. (Tel. der „Wr. Margenztg.") Wie „Narodni Listy" meldet, werden demnächst die Handelsk a m m e r u a u f g e l ö st und an ihrer Stelle Verwaltungskommissionen eingesetzt werden. Das nationale Verhältnis wird unverändert bleiben, 12 Deutsche, 36 Tschechen., 25. gs&titot 1919’ r5Tr. 88 --■aaiMaBiiJtrr-'.i Deutschland. ' und, UnJ viimoTuuuerianumung. „„ Weimar, 24. Februar. Es liegt ein Telegramm bä Bürgermeisters von Wien, Dr. Weiskirchner, vor, worin namens deS Gemeinderates von Wien der Freudedarüber Aus d r u ck g e g e b e n w i r d, daß die Schaffung eineeinigen Deutschen Reiches zu dem auch D e u t s ch ö ft e r r e i ch gehören werde, nicht niehr ferne sei. (Bravo!) WeiterS liegt ein Telegramm ähnlichen Inhalts vor, das der geschäftsführende Präsident der deutschösterrrichischenNationalversammlung, Seith. aus Wien gesandt hat. Auf der Tagesordnung befindet sich das Neichswehrdaö Verfasiungsgesetz. Präsident F e h r e n b a ch schlagt dem Hause die stellung der beiden Gegenstände vor. Abg. H a a s e (unabhängiger Sozialist) erhebt Widerspruch gegen die Beratung der Versaffung, da der Entwurf erst am Sonntag zur Verteilung gelangt sei und ihm eine schriftliche Begründung fehle. „ Der Reichswehrgesetzentwurf muß über Widerspnich der Unabhängigen und eines Teiles der deutichnationalen Volkspartei wegen zu später Einbringung von der Tagesordnung a bgesetzt werden. Staatssekretär deS Innern Dr. P r e u ß führt aus: Der EntscheidungSkamps um d«e Verfassung beginne erst jetzt. ReichSregierung und Gliedstaaten seien in allen Hauptsachen z u «rner Verständigung gekommen. Die Ausnahmerechte der Emzetstaaten (Reservattechte), die noch in dem Entwurf enthalten seien, seien ohne Ausnahme Erbschaften aus der früheren Verfassung des Kaiserreiches. Das deutsche Volk siehe zum erstenmal in seiner Geschichte vor der Ausgabe, den Grundsatz zu verwirklichen: Die Staatsgewalt liegt beim Volke!; Im Jntereffe der Vereinheitlichimg des Militärwesens wäre es dringend zu wünschen, daß es der Nationalversammlung gelingen möge, hier über den Entwurf hinaus ein Stück vorwärts zu gehen. Erfreulich ist, daß demnächst eine deutsche Reichspostutarke im ganzen Reich gelten wird. (Beifall.) Krrche und Schule sind nicht ausgenommen worden. (Zurufe: L e i d e r!) Das scheiterte an dem Widerspruch der Einzel staalen. - Hinsichtlich der territorialen Beschaffenheit der Gliedstaaten sieht die Versaffung Vereinbarungen zwecks ZusammenschlteßenS vor. An der in der Praxis übcratls wichtigen und dringenden Frage, ob die Neichsvrrfassuna einfach die 25 Gliedstaaten in ihrem Bestand garantieren soll, kann man nicht vorbei. Die sofortige Durchführung des Einheitsstaates ist nicht von heuteaus morgen zu erreichen. So muß rin Weg zur allmählichen Umbildung in dieser Richtung gesucht werden. "* Neubildung der bayrischen Negierung. \ München, 24. Februar. (Tel.-Komp.) Die beiden mchrheiiÄ sozialistischen Minister, H o s s m a n n und T i m m, über dcn'ü Verbleiben zwei Tage läng Ungewißheit herrschte, haben sich wieder eingefunden und so konnten die Verhandlungen über die Neubildung der Negierung gestern zu einem vorläufigen Rm-.ÜÄ geführt werden. Tatsächlich scheint K l ä r u n g der verworren^ Zustände eingetreten zu sein. Der Mehrheitssozialist Hoff ir. a n u wird dir Ministrrpräsiderttschaft übernehmen und zugleich datz Kultusministerium beibehalten. Für das Ministerium des Kosten»'' kommt der bayrische Gesandte in Bern, Professor Friedrich Wilhelm Förster, in Frage. Ferner wird dem Mim'.iermm des Aeußern ein Unterstaatssekretär beigegeben, der möglichst aus den Reihen der Meheitssozialisten oder der Unabhänsige-« nommen werden soll. Für diesen Posten im Minister im?. des Aeußern ist der bisherige Sekretär EiSners, Fechenbach, vorgeschlageu. Eisners Begräbnis. * München, 24. Februar. Mittwoch, am Tage deS Leichenbegängniffes Eisners, wird die Arbeit im ganzen Lande ruhen. Alle öffentlichen Gebäude sind über behördliche Anordnung schwarz und rot zu b e f l a g g e n. Bon 10 bis halb 11 Uhr vormittags wird feierliches Geläute sämtlicher Kirchenglocken des Landes angeordnet. Alle Behörde» und ffiäte haben für die Durchführung dieser Anordumtgm zu sorgen. ■ ., Ende des Generalstreiks in München. 4 München» 24. Februar. Der Generalstreik wurde henke beendet. Die Arbeiter sind aufgefordett worden, zur Arbeit zurückzukehren. Die Straßenbahn verkehrt wieder. Bildung von bewaffneten Arbeiterbataillonen. München, 24. Februar. In einem Aufruf wird bekannt gegeben, daß die Bewaffnung der Arbeiter in der Weise erfolge« wird, daß zunächst btt älteren Arbeiter mit Waffe« versehen werden. Auch die anderen über 20 Jahre altey organisierten Arbeiter werden Waffen bekommen» doch dürfen fU sie nur im Dienst ttagen. Die Arbeiter h^beneigeni Arbeiterbataillone zu bilden. Wer beim Verkauf oder bei einem Mißbrauch der Waffen betreten wird, tvird verhaftet. Durch bte Bewaffnung der Arbeiter dürfe die Produktion nicht gestött werden. Die Spartakisten verhindern die Düsseldorfer Stadtverordnetenwahlen. ‘ Ein Ingenieur schwer verwundet. Düsseldorf, 24. Februar. Die Stadtverordnetenwahl« sind durch bewaffnetes Einschreiten der Spartakiste» gestött worden. Bereits SamSiag abends verlangten bewannek Männer von einigen Wahlvorstehent dir Herausgabe der Wähler» listen, so daß in den betreffenden Bezirken nicht mit der Wahl begonnen werden konnte.- Gestern abends erschienen mit Gewehre» und Handgranaten bewaffitete Spartakisten in den meisten Wahl» lokalen der inneren Stadt und der Bororte und nahmen du Wahlurnen und die Wählerlisten gewaltsam an sich worauf sie die Schriftstücke und die Wahlurnen verbrannten od« in den Rhein warfen. In mehreren Fällen kam es zu lebhaft« Schießereien, wobei unter anderem ein Ingenieur durch eine» Lrmgcnschuß schwer verwundet wurde. Da die Erstürmung der Wahllokale in allen Stadtteilen zu gleicher Zeit vor sich ging, muß angenommen werden, daß eS sich um einen vorhtt festgelegten Plan der jetzigen Machthaber handelt. , Dergarbeiterstreik. Halle a. d. Saale» 24. Februar. In einer Bersammlmg der Bergleute des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues wurde gesteni trotz Einspruches der Vertreter deS Zeitzer und des Mcuselwitzer Bezirkes der AuSstand beschlossen. Er soll, wie verlautet, schon heute beginnen. Ungarn. 200 Waggons serbischer Mais für Ungarn. kl Vudavest» 24. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die tmgarlsche Regierung steht wegen Einfuhr von Maissaatkor» mit der serbischen Regierung tit Verhandlungen Die in Betracks V kommeude Menge beläuft sich auf 200 WaggouL.