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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-23 · Heft 36 (23.2.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36 (23.2.1919)
Date
1919-02-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 86 Men, Sonntag früheren Justizministers Dr. Franz Klein, die alle dem Anschlüsse nicht günstig sind. Besonders charakteristisch seien die Aeußerungen Dr. Engels, der meint: Die provisorische Nationalversammlung, die den Anschluß festsetzte, handelte aus Furcht, Deutschösterreich könne inmitten der feindlichen Staaten isoliert bleiben. Er fügt hinzu: Unsere Kronländer zeigten kein Interesse an dieser Abstimmung, die Abgeordneten hatten dazu keine Vollmacht. Man müßte zu einer Volksabstimmung schreiten. Der preußische Imperialismus wird ebenso wie der Bolschewismus verabscheut, besonders außerhalb Mens. Man fürchtet, wie dies Förster erklärte, Deutschösterreich werde eine deutsche Kolonie werden und seine Handelsbeziehungen mit den Rohstofflieferanten verlieren; ferner fürchtet man das Eindringen der deutschen Kaufleute und Mitleidenschaft am Hasse, den sich Deutschland in der ganzen Welt zuzog. „L'Jnformation" zitiert eine Aeußerung der ,^3asler Nationalzeitung", die Wiener seien keine reinen Süddeutschen, wie dies Dr. Renner und Dr. Bauer behaupten, sondern eine Mischung aus slawischen, magyarischen und italienischen Rassenelem-enten. Die Angliederung Deutschösterreichs an Deutschland schaffe für dieses einen Ersatz Deutschostafrikas. Im Donaubund Mürbe Wien ein wichtiges Zentrum darstellen. während es im Verbände der deutschen Republik zur Bedeutungslosigkeit eines vergessenen Außenseiters herabsinken würde. Größdeutschland bedeutet ihm Krieg und Untergang, der Donaubund Frieden und Erholung. Vttsudski und Paderewski 'über die Judenfrage in Polen. Einer jüdischen Deputation gegenüber äußerte sich, wie das Preßamt der Delegation deS Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien meldet, das polnische Staatsoberhaupt Pilsudski in den ersten Februartagen 1919 folgendermaßen: Bei meiner Rückkehr nach Polen nach' Schluß des Krieges war ich über den ungeheuren Antisemitismus, der in der polnischen Bevölkerung im Laufe des Krieges um sich gegriffen hatte, geradezu überrascht. ES ist nicht zu leugnen, daß die polnische Presse eine antisemitische Haltung bewahrt und daß auch die polnischen Parteien antijüdische Politik machen. Doch kann ich nichts dafür und es geht nicht an, in einem freien Staate, die freie Meinungsäußerung zu knebeln. Ich selbst war kein Antisemit. Nachdem ich aber die Stimmung ind den Massen und die Haltung der Juden kennen gelernt habe, wundere ich mich nicht, baß der polnische Staatskörper das jüdische Element als Fremdkörper betrachtet und ihn auszuschalten bestrebt ist. Die Pogrome in Lemberg und in Kielce sind nicht einmal der wahre Ausdruck der Volks ftimmung gegen die Juden. Daß nicht Pogrome in größerem Umfange, als dies geschehen ist, stattgesunden haben, ist nur darauf zurückzuführen, daß der polnische Bauer von Natur aus zu Gewaltt a t e n n i ch t n e i g t. Die Haltung der Juden im polnischen Staate muß als feindliche angesehen werden. Ein Beweis hierfür liegt darin, daß die Pogrome in Polen derart in die Welt hinausposaunt wurden. ES wäre zumindest naiv, zu glauben, daß die Juden im Wege des Auslandes eine Besserung ihrer Lage in Polen erwirken können. Sie sollten daher im eigenen Interesse bestrebt sein, die ausländische Presse zur Aenderung ihrer Haltung Polen gegenüber zu bewegen. Auf eine Frage der Deputation, „welche Tatsachen und Vorfälle eine feindliche Haltung beweisen, bekam sie zur Antwort, daß Beweise zwar nicht Polttifche Bücherscha«. Bon Heinrüh MargulieS. Die Sozialisierung des Wirtschaftslebens steht als Programm der Zukunft vor unS. Noch können wir unS nichts Rechtes darunter vorstellen, denn bisher bestand sie nur in der widerspruchsvollen Theorie und ward noch nicht Wirklichkeit. Wir find dem Experimentieren von einzelnen Ideologen ausgeliefert, und schon morgen können wir Katastrophen erleben» die nicht im Leben selbst, sondern nur im unzulänglichen Willen der einzelnen wurzeln. Nichttäte daher in diesem Augenblick mehr not, als sich gründlich und vorurteilsfrei darüber zu informieren, was sich in Rußland unter der fast zweijährigen Herrschaft der Bolschewiken ergeben hat. Aber die Möglichkeit hierzu ist eine geringe. Die Zensur, welche Lenin und Trotzki ausüben, stellt alle zaristischen Maßnahmen in den Schatten. Die Freiheit be- WorteS und selbst des Gedankens ward sinnlos mit Kugel und Galgen erstickt. Der Osten, aus dem das Licht kommen sollte, ist dunkler als die Nacht. Um so größere Bedeutung gewinnen die wenigen Nachrichten, die dennoch den Weg bis zu unS finden. Brachte uns unlängst das in England veröffentlichte russyche Staatsbudget einige Fingerzeige über die wirtschaftlichen Folgen her Sozialisierung, so liegen uns jetzt zwei Bücher vor, ln denen von russisch-revolutionärer Seite selbst ausführliches Material gebracht wird. Der Verfasser des einen, Wl. Kossowsky,*) .ist Mitglied der jüdtsch-sozialistischen Arbeiterpartei „Der Bund". Sein Buch ist informativ und enthält eine Füll« von Anklagematerial. Stellt eS weiter keine Ansprüche, so kann man eS wohl gelten lassen. ES bildet eine Polemik, aber kein System. Die Kritik Ist nur ein Ausfluß menschlicher Empörung und deö Schwerze» darübe, daß die *) Wl. Kossowsky: „Das bolschewifistbe Regime in Rußland." Kerlag SA. Lröjch-OLten» Wiener Morgenzettung vorhanden sind, diese aber mehr Empfindungssache des polnischen Volkes ist." Derselben Abordnung gegenüber äußerte sich der Ministerpräsident Paderewski wie folgt: „Das gegenwärtige Verhältnis der. Juden zu den Polen ist für keine Partei wünschenswert und auf die Dauer auch unmöglich. Die Pogrome in Polen, insbesondere aber in Lemberg, sind entschieden zu verurteilen. Er sei aber nicht imstande, einen von der Deputation gewünschten Aufruf zu erlassen, worin festgestellt wird, daß die gegen die Juden erdichteten Vorwürfe und Beschuldigungen unbegründet seien, und zwar mit Rücksicht aus die gegenwärtig herrschenden Stimmungen und Parteigruppierungen im neuen Landtag. Er werde für eine Regelung der Judenfrage in Polen nach dem Prinzipe der vollen Gleichberech tigung ohne Rücksicht auf die politischen Schattierungen unter Ausschluß von Ausnahmegesetzen und ökonomischen Unterdrückungstendenzen eintveten. ES sei zwar nicht zu leugnen, daß die Juden ln Polen eine eigenartige Kultur besitzen, die zu entwickelnihnen nicht verwehrt werden soll, doch würden di« Juden, welch« aus ein nationales Schulwesen und eine nationale Erziehung Wert legen, diese Schulen aus eigenen Mitteln errichten und erhalten müssen. Er werde dagegen auftreten, daß solche Schulen vom Staate auch nur subventioniert würden." Die Aeußerungen PilsudskiS kennzeichnen zur Genüge den Geist des polnischen Volks, der infolge einer mit niedrigen demagogischen Mitteln arbeitenden Judenhetze, auf die vollständige Entjudung Polens hinzielt. Ministerpräsident Paderewski hat «S nicht der Mühe wert gefunden, sich mit den Forderungen der jüdischen Nationalräte des näheren bekannt zu machen, sonst hätte er nicht Forderungen, wie Anerkennung der jüdischen Sprache als^ Staatssprache oder Einrichtung des eigenen Gerichtswesens — die von keinen jüdischnationalen Programm erwähnt werden — den Juden imputiert. Operation Clemeneeaus. Paris, 22. Februar. (Trl.-Komp.) Dr. Gosset erklärte, wenn daS befriedigende Befinden ElemeneeauS in den nächst« 48 Stunden anhalte, werde er in der nächsten Woche die Arbeit aufnehmen können« Morgen wird die Kugel entfernt. Wie der „Jntransigeant" meldet, haben Nachforschungen, die in anarchistisch« Kreis« vorgenommm wurdm, zur Entdeckung der Orte geführt, an d«« C v t r« als Stammgast verkehrte. Es besteht jetzt die Möglichkeit, einer ausgedehnt« Organisation auf die Spur zu komm«, die von Bolschewik« unterstützt wird. Wilson Lehrt nicht mehr «ach Paris zurück. Genf» 22. Februar. (Tel.-Komp.) Wie die Blätter a«S Paris melden, werden hie endgültig« Waffenstillstandsbedin" gung« Deutschlands in der ersten M ä r z h ä l f t e voxgelegt werden. Sie find nach Form und Inhalt mit dem Präliminarfritdm gleichbedeutend. Wie weiter gemeldet wird, soll die Blockade für Lebmsmittel und solche Rohstoffe die in Deutschland im Beredelungsverfahrm verarbeitet werdm, mit dem Tage der Unterzeichnung aufgehoben werden. Nach zuverlässig« Nachricht« kehrtWilson nichtmehr nach Europa zurück. ES verlautet, er vertrete die Ansicht, daß die «dgültige Regelung aller «ropälschm Territorialfrag« als eine der wichtigstm Aufgabm dem definitiv gebildet« Völkerbund Vorbehalt« bleib« muß. Damit gewinnt der Gedanke an Wahrscheinlichkeit, daß die endgültige Regelung der europäisch« Augelegmheit« und der Fried«Sschluß auf dem Bod« der Bereinigt« Staat« vor sich geh« werdm. 23. Februar ISIS Sette 8 —.. —«i Die Friedenskonferenz. Der Präliminarfriede. — Die Wiedergrttmachungsfrage. , Zürich, 29. Februar. (Jet. der „Wr. Morgenztg.*) Dee Pariser Vertreter der „Neuen Zürcher Zeitung" meldet: Die französischen Delegierten sind Tag und Nacht an der Arbeit, u« zu ermöglich«, daß die Delegationen der Mittelmächte schon einige Wochen nach der Rückkehr Wilsons den Präliminar-- frieden unterzeichn« können.. Die zusammengetretene interalliierte junstische Vereinigung wird sich in erster Linie mit der Frage der Wiedergutmachung beschäftig«. Tardieu vertritt Clemeneeau. Parks» 82. Februar. (Tel.-Komp.) Das Komitee der zchn Großmächte hat seine Tätigkeit wieder ausgenommen, weil auf Grund der letzten Berichte über das Befind« ClemmceauS mit einer längeren Unpäßlichkeit deS Ministerpräsident« zu rechn« ist. Clemeneeau wird vorübergehend von T a r d i e w vertreten. Zum ersten Male wurde eine neutrale Macht zu den Kowfermzberatungen zugekaffen, nämlich Dänemark, das Ansprüche aus Schleswig-Holstein und Laumburg erhebt. Die Sozialisten gegen das Attentat. Parks, 22. Febmar. (Trl.-Komp.) Die sozialistische Presse lehnt jede Verantwortung für das Attentat gegen Clemeneeau mtschirdm ab. Sie erhebt ihrerseits Vorwürfe geg« die Nationalist«, indem sie unter anderem auf den M o r d anJaursS verweist. Im „Populaire" erinnert L o n g u e t an dre persönlichen Beziehung«, die ihn mit Clemeneeau trotz der politisch« Meinungsverschiedenheit« verbinden. Wilson und der KonigvonSpanie n saudt« an Clemeneeau Sympathiekundgebungen. , Der Völkerbund — eineKoatttion der Sieger. Dr. Dillons Analyse de« Völkerbundentwurfes. Bern» 22. Febmar. Im „Daily Telegraph" vo« 18. d. M. gibt Dr. D i l l o n der Ansicht Ausdruck, daß der Bölkerbundentwurf deS Verbandes im Volke nur mäßigen Beifall find« werde. Es handle sich lediglich um eine abermalige Anwendung alter Grundsätze um eine mächtige Koalition siegreicher Regierungen Segen die Besiegten. Kriege fei« durch den Völkev- und nicht unmöglich gemacht, und der Friede hänge nach wie vor von militärischer Gewalt ab. Die fünf Großmächte bild« ein« privaten Klub, der die Aufnahme von neuen Mitgliedern ohne Angabe von Gründen ablehn« könne. Der Entwurf heilige das Prinzip der Ungleichheit und d« Grundsatz berGewalt gegen jene Mächte, die aus möglicherweise berechtigtem Gmnd mit ihrem gegenwärtigen Schicksal unzufried« sei«. Es erscheine bedauerlich, daß dir Völker zu ihrer groß« Enttäuschung jetzt etwas ganz anderes vorgesetzt bekomm«, als die erst« Ankündigung« hält« erwart« lass«. Die französischen Sozialisten über den Waffenstillstand. Zürich, 22. Febmar. (Tel. der „Wr. Morgerrztg.*) Di^ -Humanitä" schreibt zum neu« Waffenstillstandsverlrag mit Deutschland: „Wir haben geg« die Demobilmachung Deutschlands an sich keine Einwendung zu machen, nur muß ihr dre s o f v r t i ä e D e m o b i l m a ch u n g der Entente u n d d e r F r i e d e n s s ch l u ß f o l a e n. Statt best« war dis heute die deutsche Entwaffnung nur das Vorspiel für dm zynischenDiebstahldeSSaarbeckenS, für die verkappte Annektiemng deS link« RheinuferS und für die Verstümmelung der preußisch« Gebiete im Ost« zugunsten Polens." Anerkennung der polnischen Negierung. — Feststellung des Arbeitsplanes. — Die schleswig-holsteinsche Frage. Parks» 22. Febmar. (Amtlich. — HavaS.) Die Minister der alliiert« und assoziiert« Mächte versammelten sich gestem nachmittags unter dem Vorsitz des Ministers P i ch o n.Es wurd« verfchiedme Fragen nacheinander geprüft. Die Frage der Schaffung einer Zwischenzone zwischm dm Rumänen und den transylvanrschen Ungam wurde an d« oberst« Kriegsrat in Versailles zurückgewiese«. Die. polnische Regierung wurde auf Gmnd des Beschlusses deS polnischen Reichstages, womit die polnischen Mmister in chr« Aemtem bestätigt wurdm und Paderewski mit Beifall begrüßt wurde, von d« Alliiert« anerkannt. Minister Elemente! verlas die Beschlüße der mit der Feststellung des Arbeitsplanes für die Prüfung der wirtschaftlich« russische Freiheit durch die jakobinisch berauschten Henker in Blut ertränkt wurde. Don einem überlegen« politisch« und geistigen Programm Ist nicht allzuviel zu spüren. Um so unangenehmer ist der Ckndmck, welchen Dimitri GawronSky, der Verfasser der zweit« Büchleins,**) erweckt. Hier gesellt sich zum Absch« die politische Einsicht. Deutlich erheben sich vor unS nicht die Einzelmenschm, sondern die Dinge, deren kmntniS allein unser Verständnis und unser Urteil bildet. Di« Sozialisiemng des Bodens ist fo vor sich gegangen, daß an Stelle deS Großgrundbesitzes der Kletnbefitz trat. Damit war noch nichts im Geist deS Sozialismus erreicht; es trat vielmehr umgekehrt ein Zustand ein, der den sozialistisch« Gedanken aufs äußerste gefährdete. Sehnlich wie nach der französischen Revolution, wo ein paralleler Prozeß die Entstehung eines kinderarmen Kleinrentnervolkes zur Folge hatte, geschah auch hier die Besitzergreifung des BodenS nicht durch die Gesamtheit, sondern durch den geschickten einzelnen. Da der Zentralregierung wirlliche OrganisiemngSkraft fehlte, bekam willkürlich der eine mehr, der andere weniger als er brauchte. Jener ließ sich einen Teil durch Lohnbauern bepflanzen, dieser geriet sofort wieder in Abhängigkeit — man hatte die Wucherer verjagt, doch der Wucher war geblieben. Ueberdies genügte auch reichliche Bodenzuweisung nicht, solange der Mangel an Pferden und Gerät« sofort wieder dem begütert« Nachbar d« Weg zur Ausbeutung öffnete. Da Rußland in überwiegendem Maß ein Agrarstaat ist, hängt die Frage, ob die Sozialisiemng wünschenswert sei oder nicht, in erster Reihe von den Wirkungen der Sozialisierung auf die Landwirtschaft ab. Darum ist die vorstehende Schilderung mehr als ein Einzelausschnitt, sie ist von fast schon entscheidender Bedeutung. DaS wesentlich« an ihr ist auch nicht daS versag« einzeln« Maßnahme». Ungleich **} Dimitri GawronSky: „Die Bilanz des . m Rußlands" fl&ty jßf. LajjiresPerlk» wesentlicher ist die Feststellung, daß eS der russischen Bevölkerung noch vollkommen an jeglichem sozialistischen Geists fehlt. Sie ist dem Gedanken der Gemeinschaftlichkeit gegenüber von unbeschreiblicher Passivität. Nirgendzeig« sich Spur« einer wirllich« Zusammenarbeit, stets , nur ein eigensichttgeH Beuteerhaschen. Jeder einzelne ist beherrscht vom Gedank« deS. persönlichen Vorteils und Besitze-, so daß da- Land mit' einem dichten Netz von Kontrollkommissionen zur Bekämpfung de? Bestechlichkeit überzog« werden mußte. Diese Kommissionen, zahlreicher als unter der Herrschaft des Zareh haben den Geist der Korruption aujener Zeit unverändert' mit übemommen. An Raub und Diebstahl stellen sie alle»! bisherige in den Schatten. Restlos herrscht überall die Sucht nach eigenem Profit, nirgend» dawillige Zusammenfüg« zu einer gemeinschaftlichen Organisation. Die Produktion hat völlig aufgehört, die Stad^ liefert dem Land keine Geräte, dafür liefert da- Land kein Getreide. Die Städte requirieren und die Baue« antworten mit unaufhörlichen Revolten. Aber nur wo der sozialistische Geist tief in der Seels des Volkes verankert ist, ist die Zeit reif zur Umwandlung. In Rußland kann sich der Bolschewismus nur auf die brutale Diktatur stützen. Darum ist dort in Beherzigung der Theorie von der „initiativen Minorität (Blanqui) die Demokratie völlig durch die Diktatur des Proletariats oder besser durch die Diktatur eines Klüngels von Dogmattke« ersetzt worden, die in völliger Abkehr von jeglicher Evolution sich ganz der anorganischen Desperadopolitik verschreib«. Ordentlich wohltu«d wirkt eS, wenn man nach einem Streifzug durch dieses Labyrinth menschlichen Tobenzu dem vorsichtig« Büchlein von Karl KautSky gelangt. Hier wird die Frage „Diktatur oder Demokratie"*) als zentrale Frage mit aller Schärfe herauSgegriff« und mit de« evolutiontsti- *) Karl KautSky: Diktatur oder Demokratie." Verlag P. Cajjuer.Berlüu

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