Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 35 (22.2.1919)
- Date
- 1919-02-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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v Seite <T Wien, Samsrag Wiener Morgenzeitung ln -- -----i—T— ui, null n irni— An die jüdischnationalen Wahlagitatoren k Sämtliche Sprengelleiter und Agitatoren werden driirgend ersucht, das noch bei ihnen verbliebene Agitationsmaterial (Wählerlisten, Büchel und sonstige Wählerverzeichnisse) an den «Jüdischen Kataster", II., Taborstraße 20 a, ehestens abführen zu wollen, da dieses Material für jede weitere Propagandatätigkeit' ^von größter Wichtigkeit ist. Schleichhandel in SLehw einhallen. r- Das Polizei- Md Kyjegswucheramt scheint zur Erkenntnis? gelangt zu sein, daß nicht nur in den Kaffeehäusern des zweiten »Berzirkes Schleichhandel getrieben wird, sondern auch in den jStchweinhallen der westlichen Bezirke Schlcichhändlerbörsm entstanden sind, welche die Allgemeinheit empfindlich schädigen. »Bereits Donnerstag hat die Polizei Gäste einer solchen Steh- - weinhalle auf dem Elterleinplatz rti Hernals einer Untersuchung 'unterzogen und 38 Personen verhaftet, darMter einen Einbrecher!Md einen notorischen Schleichhändler. Unter großcm'Aüfiehen! wurden zahlreiche Waren und Lebensmittel' von dort weggeführt. Die Polizei hat diese Untersuchungenam Freitag, fortgesetzt Md Nachmittags die Stehweinhalle ^am Neubaugürtel Ecke Märzistraße besetzt und die Straße durch einen Kordon von Berittenen!absperren lasten. Oberkommistär Dr. Stolikmann ließ an sämtlichen Gästen eine Untersuchung vornehmen Md mehr als 10V Per- -sonen Mter dem Verdacht des Schleichhandels verhaften rmd dem Kriegswucheramt zur wetteren Amtshandlung einliefern. Mehrere! Personen versuchten zu entfliehen und den Polizettordvn.zu durchi brechen, jedoch, ohne Erfolg. Eine große Menge von Waren, da-! runter auch solche, die dem Aerar entwendet sein müssen, wurden ibeschlagnahmt. I Aus Reiben der tschechischen Kohle. Staatssekretär 'Ing. Zerdikhat sich gestern abends wegen des vollkommenen Ausbleibens des Kohlencinlaufes aus dem tschecho-slowakischen Staate nach Prag begeben, um mit dem Präsidenten Dr. M ä-!s a r v k. dem Minister für öffentliche Arbe'ten S.t a n e k Md idem Eisenbahnminister, Z a h r a d n i k in dirette Verbindung fi treten. Den Staatssekretär begleiten Oberbergrat Dr. Kloß, ie Oberinspektoren des Staatsamteö für Verkehrswesen Enger t- Änd Riedl sowie Magistratsrat Dr. Faftenbauer. * Freie Lehrstellen an den Wiener Mittelschulen. Ueber Antrag des Staats, a m t e s f ü r Unterricht sind einstweilen .die an den Wiener Mittelschulen erledigten Lehrstellen zur Besetzung ausgeschrieben worden. Für diese Stellen kommen vor allem solche Bewerber in Betracht, die sich schon in anderen Mittelschulen erpröpt haben Md infolge ihres Dienstalters bei der ErlangMg eines befferen Dienstpostens den Vorzug vor jüngeren Bewerbern verdienen; die jüngeren Bewerber können daher erst in zweiter Linie berücksichtigt werden. Nach BesetzMg - der Wiener Lehrstellen, die für den 1. September 1919 in Aussicht genommen ist, werden die erledigten Lehrstellen an allen übrigen deutschösterreichischen Mittelschulen, zur BesetzMg mit dem gleichen Termin ausgeschrieben, werden. * Abreise der Schweizer Delegation. Die schweizerische Delegation, welche den ersten Liehesgabenzug nach Wien, begleitete, reiste -gestern abendsnach ' der Schweiz ab. Es blieben von ihr nur die Mitglieder Redakteur B i e r b a u m Und Direktor Wächter noch - hier, die in Verbindung mit. Oberstleutnant Frey und Wachtmeister H i e r S b r u n n e r die Verteilung des ersten Zuges durchführen und die Verteilung des zweiten Zuges in Verbindung mit den städtischen Behörden vorbereiten. Der zweite Zug dürfte im Laufe der nächsten Woche in Wien einlangen. * Der Einbruch bei der „Vacuum Oil'Compagnie. Wie berichtet, wurde am 30. v. M. in den Kanzleiräumen der B a c u u m O i l - C o mp a g n i e im Ankerhof auf dem Hohen Markt ein Kassen ein br uch verübt, bei dem den Tätern eine Summe von 92 6.0 00 Kronen in die Hände - fiel. Die Tätet flüchtetendann aus einem Fenster mittels Seiles auf die Straße. Das Sicherheitsbureau, das gleich die Nachforschungen mit Nachdruck und großer Umsicht aufnahm, konnte schon innerhalb weniger Tage einen Erfolg erzielen und nahm einen Teil der Täter f e'st. Sie wurden dem Landesgericht eingeliefert. Gegen andere, in die. Sache verwickelte Personen wurde die Anzeige an ditz Staatsanwaltschaft erstattet. Vorträge und Versammlungen. r Widathaiwrim. Anläßlich des bevorstehenden Siudententagcs findet auf Initiative des akademischen Vereines Hatchijah" Sonntag den 23. d. M., 3 Uhr nachmittags, in der Lese- Md Redehalle, lX., Türkenstraße 9, eine Tagung aller hebräisch sprechenden Studenten zwecks Organisierung zu gemeinsamer Täügkeit und Aufstellung eines einheitlichen Arbeits- Programms statt. — Allgemeine Pädagogische Abende. Heute Sainstag,'6 Uhr abends, II., Taborstraße 10: Dr. Siegfried Bernfeld: Einige. Probleme der Pubertätszeit. •— Verein i o n" Wien. Sonntag den 23. d. M. um 3 Uhr nachmittags findet eine außerordentliche Plenarversammlung aller jugendlichen Mitglieder statt. — Um 5 Uhr abends findet eine Trauerandacht zu Ehren unseres verstorbenen Gesinnungsgenosten Dr. Max R o s e n f e l d statt. — Um 6 Uhr abends literarischer Tee-Abend, für jugendliche Mitglieder. Kommunales. * Ankauf von Grundstücken der Wienerberger Ziegelwerte durch die Gemrmde. In der gestrigen Stadtratssitzung stellte Stadtrat Schmid bezüglich Ankauf von Grundstücken per Wienerberger Ziegelwerks- und Baugesellschaft in Ober-!Laa durch die Gemeinde folgende Anträge, die angenommen »wurden : Die Gemeinde Wien kauft von. der Wienerberger kZiegelfabriks- und Baugesellschaft die in der Gemeinde Oberjfiaa (Stadt) liegenden Grundstücke im Gesamtausmaß von irund 100.000 Quadratmetern samt , den darauf befindlichen 'Baulichkeiten um den Preis von K. 3.60 pro Quadratmeter >unter 'nachstehenden Bedingungen: Die Gründe werden verkauft wie sie liegen und stehen und der Gemeinde vollskommen satz- und lastenfrei übergeben. Die -Gemeinde tritt Irn die bestehenden Pachtverträge ein. Auf den verkauften Gründen dürfen keine Anlagen errichtet oder Grabungen fvorgenommen werden, die den Zwecken eines Ziegelwerkes «dienen. Die mit. der Vertragserrichtung und der Durchführung jdeS Ktyifgesetzes verbundenen Kosten und Gebühren sowie die fVermögensübertragungsgebühr gehen zu Lasten der Gemeinde Wien, die Wertzuwachssteuer und allfällige Bermittlungs- I Honorare. trägt die Verkäuferin. Die Ernährung. Der Marktbericht.! Gestern antrrfchirden sich die Gemüsezufuhren uu? dem N a s ch m arkt von den vortägipen dadurch, daß sie größer, jedoch nicht bester waren. 14.200 Kilogramm Wurzelgemüse und Grünwaren gelangten zum Verkauf und deckten den Bedarf.' 101.080 Kilogramm, Rübru wurden aus Niederösterreich zu->. gefährt^ so daß mit'dm Vorräten zusammen nunmehr mehr als' 1 Million Kilogramm Rüben unverkauft in den verschiedenen Ständen und Lagern liegt. AuchUngarn beteiligte sich gestern an den Rübensendungen mit 12.000 Kilogramm. 4000 Kilogramm Knoblauch und 10.000 Kilogramm Kren zuX4.—bisll4.50pra Kilogramm war ebenfalls ungarischer Herkunft. Unsere großen Zwiebclbestände wurden mit 10.000 Kilograrüm auS Mähren verstärkt. Hingegen warm au den Fischständen bloß. 90 Kilogramm getrocknete Seefische, die selbstverständlich.in Anbetracht der Fleischlosigkeit viel'zu gering für diestürmische Kauflust waren. Auch die V i k t u a l i e n h a l l e stand im Zeichen' des ewigen RübeneiuerlettDemer gab es dort 200 Kisogramm R ü b e n b l ä t t e r als S P.i n a t e r satz,-die schnell abgingen. Der Verkehr warder Beschickung. gemäß ruhig. 510 Kilogramm Weichwürste, die in der Groß m a r k t Halle (Fleifchabteilung) zur Verfügung standen, wurden en sro« abgesetzt,.was bei den Konsumenten Erbitterung auslöste. Es verlautet,'daß heu'te in d er Fleischabteilnn g Sch a f- und S'ch weinest ei s ch mit besonderer Erlaubnis der Behörde zum Verkauf gelangen wird.. Am Fischmarkt war der. Verkehr sehr bescheiden. Dre Seefischreste ' aus den Vortagen und das angebotene Gemüsesulz wurden sehr ungem gekauft. Eier und städtische Arttkel fehlten überall.- Letzte Nachrichten. Unsere Kriegsgefangenen in Serbien. Amtlich wird verlautbart: Es wurde an den maßgebenden .Stellen angeregt, daß die jugoslawische Negierung ehestens Gefangmenlisten über dre bei den letzten Operationen in Serbien gemachten Gefangenen an die AusmnftsteÜe für Kriegsgefangene gelangm läßt, dem raschen. und , ungehinderten Postrerkehr zwischen dm Kriegsgefangenen Md "ihren Angehörigen möglichst Vorschub leistet und auch bezüglich der Einrichtung des Geldverkehres Vorschläge hierher gelangen läßt. Zugleich wird ersucht, daß. wenigstens die invaliden Kriegsgefangenen ehestens heimgesendet werden. Das gemeinsame Zenträlnachweisbureau,.Auskunftsstelle für Kriegsgefangene, wird an die englische Regierung herantreten, daß dre auf serbischem Gebiete tätigen^ englischen, französischen Md'amerikanischen Rote Kreuz-Missionen' gebeten werden, sich unserer Kriegsgefangenen möglichst .anzrmehmen. Graf Romanones über Marokko. Madrid/21. Februar. (Havas.) Bei Verhandlung des Budgets des Ministeriums des Aeußcm in der Kammer erklärte Minister des Amstem Graf Romanones in Besprechung der marokkanischen Angelegenheit,, es sei notwmdig, daß keine spanische Regierung etwas ttre, was Frankreich unangenehm berühren könnte, da die Politik der beiden Länder in Marokko übereinstimme. . Die spanische Zone in diesem Lande sei von u n s ch .ä 6 bare m W e r t e, da. sie eine Bürgschaft für die Aufrechterhaltung der Rechte Spaniens im Mttkelmeer sei. Kein Mittelmeerhafen könnte von Spanien aufgegebcn werden, ohne diese Rechte preiszugebm. Die Friedenskonferenz werde die aus. dem Abkommen . mit- Frankreich und England . fließenden Rechte.Spaniens achten. Unser Vertreter auf der .Konferenz, erklärte Redner, wird unsere Ansprüche vertreten, das heißt, die Aufrechterhalttmg des Status quo im Mittclmeer. Bela Kuhn teicht verletzt. Budapest, 21. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Kommunistenführer Bela Kuh » .würde vormittags von Polizeiärzten untersucht, die feststellten, daß die HeUung seiner Verletzungen mehr als acht, aber weniger als' 20 T ag e in Anspruch nehmen wird. Nachmittags begaben sich die Sözialistenfü rer Dr. Land ler und B okanyi mit dem Oberstadthauptmann-Stellvertteter P a 1*1 in das Schnbhaus, um die erregte Polizeimannschaft zu bemhigen. Die Polizeileute versprachen, den verhafteten Kommunisten nichts mehr zu leide zu tun. Das tschechische Ehegesetz angenommen« Prag, 21. Febmar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das tschechische Ehegesetz wurde in der gestrigen Nationalversammlung angenommen. Streik der polnische« Bergarbeiter in Ostrau. Mahrisch-Ostrau, 21. Februar. (Telegramm der „Wr. Morgenztg.") Gestern erschienen die Vertrauensmänner der polnischen Bergarbeiterschaft beim Kommandanten der tschecho-slowakischen Kommission in Karwin und teilten mit, daß die polnischen Bergarbeiter in einer Versammlung den eücheitlichen Beschluß gefaßt haben, Samstag den 22. d.' M. neuerlich i n den Aus st a n d z u t r e t e n. Sie gaben als Grund an. die seinerzeit von der polnischen Verwaltung bewilligte Se h '-Stunden-Schlcht werde ihnen non der tschecho-slowakischen Verwaltung Samstag nicht zugestanden werden. Abermals beginnt also ein Streik der polnischen Bergarbeiter» der 10.000 Arbeiter ergreifen wird und bei'dem'politische Motive mitzuspielen scheinen. , Prager Börse. Prag» 21. Februar. (Tel. "der „Wr. Morgenztg.")' Die hentike Böcke hatte ausgesprochen s ch w a ch e Hä l'.t u,n g. Schon der Einsatz hielt sich bedeutend tiefer als gestern, wesentlich durch die Nachrichten von den niedrigen Kursen der Wiener-Börse' beeinflußt. Aust» die Nachrichten-der durch die kommunistischen' Umtriebe beunruhigten. Budapester Börse waren hierin vonEinstuß. Vorwiegend wurde in Bänkwerten ' gehandelt, so in Böhmischen Untonbankaktien, die auf 449 sanken. Prager Kreditbank sanken von 88Ö auf 862, Zivno von 775 auf 762. Auch Wiener Bankwerte verloren mehrere Kronen vom Kurse. Gerichtssaal. Das Urteil im Kary-Prozetz. Nach zweitägiger Verhandlung wurde das Urteil im Prozeß' gegen die Seidensirma I. K a r y & Co. gefällt. Herr K a r y wurde zu sechs W o ch en streng en Arrest und. 50.000 Kronen Geldstrase verurteilt, der erste Prokurist, Herr W e r s e l, zu e.i n e m M o n a t A r r e st und 5 0 0 0 K r o n e n Geldstrafe. Von der Anttage, in Seide und Plüsch übermäßige Preise gefordert und sich in Machenschaften eingrlasten zu haben, wurden Pride irrig e s.p rochen.' Die Arreststrafe erscheint durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Herrn Karh wurden 3500 Kronen, Herrn Werfel 9400 Krynm durch dre Uitleruchmlgshajt als verbüßt erklär^. 22. Februar 1919 Nr. SS Bühne und Kunst. . Bolksoper. („Di e toten luge n", eine Bühnendichtung von. Hann- Heinz Ewers Md Marc Henry, Musik von^Eugens d ' A l b.e r t.) - - >' , Myrtocle, die Gattin des römischen ^'Gesandten rti Jerusalem, ist ohne däs Licht der Augen zur Welt geckömmen. "Sie weiß nichts von den sichtbarett Erschein nungen-der Außenwelt und hält, sehr zu ihrem Schaden ihren abschreckend häßlichen Gemahl für einen Ausbund' männlicher Schönheit. Dieser Irrtum, den zu beseitig gen Areesius, der glückliche Ehemann, keinen Finger rührt, führt zu'bedauerlichen Konsequenzen. Wir leben in einer Zeit der Zeichen und Wunder, an - jenem Palmsonntag,- da Jesus von Nazareth seinen Einzug in die heilige Stadt hält. Was wäre natürlicher,' als. daß auch das Eheweibchen bei ihm, der Lahme gesunden und Tote auferstehen läßt, Heilung sucht, um ihr. Glück . -fortan mit ofjenen Augen genießen zu können! Zwarruft ihr'Maria von Magdala warnend zu: „Griechin» nicht an den Augen, hängt des Lebens Glückaber dÄ Aermste geht darüber mit dem berechtigten Mißtrauen gegeü die besitzende Klasse hinweg. Sie wird geheiltz die Katastrophe naht. Areesius: der vor der Entdeckung seiner. Lebenslüge zittert, -versteckt sich, als er Myrtoclrf kommen sieht,' der Negieanmerkung gemäß „wie ein verwundetes Tier" hinter einem (praktikablem) Brunnen, das Feld unvorsichtiger Weise seinem schöneren Freund« überlassend.. Ihn h>ält nun die von ihrer Blindheit, aber nicht von Jrrtümern Geheilte für den geliebten Gatten und wirft sich ihm, ehe er seiner Ueberrächsung Ausdruck geben kann, mit einem glühenden Kusse in die Arme. Solche mangelnde Geistesgegenwart büßt er sofort mit dem Tode durch den verzweifelten Ehegatten. Unter dem Eindruck des gräßlichen Bildes erscheint der Mörder > der eben sehend gewordenen Myrtocle, im Geistr per Regiebemerkung als verabscheuungwürdiges rasendes Tier, als sie aber dann die Wahrheit erfährt, repetiert sü sich kurz die anläßlich der Heilung empfangene Lehre, daß man dem Nächsten zuliebe auf sein Glück verzichten müsse, und indem sie in die strahlende Sonne starrt^ läßt sie . sich das Geschenk der toten Augen wiedergebew Das Ganze umrahmt die Parabel' vom verlorenen Schäfchen. Der Hirte, der. im Vorspiel auszieht, um das verirrte Lamm zu suchen (er singt dabei die Verse; „Wenn's Vöglein'vom Neste fällt, bringt ihm die Alte das Futter — Für meine Schäflein bin ich bestellt, / als ihre Mutter!") erscheint am. Schlüsse. bon faustdickem Symbolismus umwittert mit dem Wiedergefun- ' denen auf der Schulter. Andächtig langsam fällt der Vorhang. ' Die inneren Unwahrscheinlichkeiten dieser Handlung treten unter dem Schleier der Töne allerdings nicht so kraß hervor, als bei der kritischen Betrachtung des Textes. Er , gibt der Bühne ihre Rechte, und d'Albert weiß solche Tugend wohl zu schätzen. Er hat die sichere Hand für theatralische Wirkung und betrachtet sie als. das erste Gebot im Kanon der dramatischen Komposition. So sehr, daß er an den Höhepunkten der beabsichtigten Spannung dem Orchester völliges Schweigen gebietet' zugunsten des erregten, gesprochenen Wortes, oder dervielsagenden Pause. Aus gleichen Münden verschmäht er Textwiederholungen und hemmende^Chöre, die Melodie fließt stets in gleichem Schwuyg mit dem Fortgang der Rede. Sein Opernstil ist ein auf Wagner« schem Böden wurzelndes, aber von der veristischen Sonne Jungitaliens überstrahltes Gewächs, das 'schän im „Tiefland" ckeine starke Lebensfähigkeit erwiesen hat. Ein Musiker, der nicht erst Neue Wege sucht, weil er. die Mittel zum.angestrebten Zweck in sich vollkommen bereit weiß, hat ihn geschaffen und beherrscht ihn souverän. Dem ländlichen Vorspiel und dem korinthi- ' schen Lied der Myrtocle gibt eine leicht exotisch gefärbte Monodie den Stimmungscharakter. Zu den Gefühlsergießungen des ungleichen Ehepaares Wmachtet ein. Liebesthema nach Tristanart und wird in dort vernommener Sequenzierung zur Basis des Zwiegesprächs. Eine musikalische Episode leitet der Auftritt des ägyptischen Scharlatans ein, der sich als ein nach Strauß modernisierter Dr, Mirakel gebärdet. Breiteren Raum für orchestrale Ausmalung geben die stummen Szenen der das, neue Licht begrüßenden Heldin- und ihre freiwillige Blendung. Brünhildenextase liefert das Vorbild für diesen Aufschwung und seine Uinkehrung. LD aßd'Alberts Orchesterb'ehandlung den leicht gestellten Problemen jederzeit mit vollster Virtuosität nachzukommen weiß, ist bei seinem Können nicht verwunderlich. Lhrische Individualisierung wie dramatische Konzentration finden in seiner Partitur gleich treffsichere Akzente! Direktor M a der, der auch am Pult die Aufführung leitete, .hat für das voraussichtliche Zugstück treffliche szenische und darstellerische Vorbedingungen geschaffen: Die Villa des römischen Gesandten, im heiteren Stil des Alma Dadema gedacht, erhebt sich vor einem aus dem Dunst der Ferne schiminernde'nr Jerusalem. Sie bildet nebst der Landschaft des Vorspiels den einzigen Schauplatz der Begebenheiten, deren schwierigste Ausgabe von Frau Bartlch-Jonasi stimmlich wie darstellerisch überraschend gut gelöst wurde. Ihr zunächst ist Herr Fleischer als Arc^uSzu nennen, dessen nreiallischer Baritan die Härten oei Verzweiflung so gut verkörperte, als es ihm gelang,; die drohende LächerlWM der Figur zu überwinden«