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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-22 · Heft 35 (22.2.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 35 (22.2.1919)
Date
1919-02-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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- Seite 4 Wien, Samstag f»— .—- —— - ..------ DeutscheNationalversammlimg Scheidemanns Nachruf für Eisner und Auer. Weimar» 81. Februar. Ministerpräsident Scheide »onn ergreift vor dem Eingehen in die Tagesordnung das Wort *» folgender Erklärung: Mit tiefstem Schmers, aber auch in größter Empröung habe ich $fmcn die folgender Mitteilungen zu machen: Kaum sind die Schüsse auf den französischen Ministerpräsidenten C l e m e nc e a u verhallt, ertönen schon wieder neue an unser Ohr. Heute vormittags hat einFanatiker den bayrischen Ministerpräsidenten Eisner» den Borkämpfer der Revolution, erschossen. Der Mörder ist gefallen. München befindet sich im blutigen Bürgerkrieg. Mein Freund R o ß h a u p 1 e r soll tot sein (diese Nachricht hat sich nicht bestätigt. Anm. d. Red.), mein Freund Auer, ein Mitglied dieses Hauses, im Lantage ebenfalls erschossen worden sein. Die Reichsregienmg spricht durch mich ihren tiefen Schmerz und ihre Verurteilung dieser schändlichen Mordtat aus, die die ganze Bevölkerung Miinchens in die größte Verwirrung gestürzt hat. Auer und Roßhaupter waren Mitglieder merner Partei, die seit Jahrzehnten alles, was sie an geistiger und körperlicher Kraft zu bieten hatten, der Emporarbeit des deutschen Volkes gewidmet haben. Eisner, der 25 Jahre lang an meiner Seite gewandelt hat, ging zuletzt Wege, die nicht mehr dre meinen waren. Aber sein Ziel war auch das meine, das Ziel, das deutsche Volk aus Verwirrung in Klarheit und Recht überzuführen. Nichts bezeichnet den Niederbruch einer Zeit deutlicher, als wenn das Attentat zum Mittel des politischen Kampfes wird und die Unantastbarkeit des Menschenlebens nichts mehr gilt. Es liegt hier eine Erkrankung der Volksseele vor. Wenn der Opsertod Eisners eine gute Folge hat, so wird eS die sein, uns alle in dem einheitlichen Willen zusammenzuschwrißen, um solche Zustand ezubeseitigtzn. Es wäre der Untergang des deutschen Volkes, wenn auch nur ein Teil von ihm sich von dieser Verurteilung ausschließen wollte. (Das Haus hatte die Ansprache des Ministerpräsidenten stehend angehört.) Präsident Fehrenbach erklärt, die Nachricht vom Tode des Ministers Ä u e r habe sich bis jetzt nicht bewahrheitet. Wir wollen, fügte er hinzu, honen, daß er nur verwundet ist und uns in der Nationalversammlung bald wicdergegebcn wird. Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Nach Erledigung einer Anfrage wegen des Tec-mins für die Rückerstattung der seitens der Komnmncn für Kriegsfürs orgez wecke verausgabten Smnmen teilt Präsident Fehrenbach mit, daß der Entwurf der Reichsverfasiung morgen oder übermorgen, spätestens Montag vormittags zur Verteilung kommen soll. Sodann wird die Aussprache über lue Erklärung der Rrichsregierung fortgesetzt. Abg. Stegerwald erklärt: Im künftigen Deutschland wird eme Wirtschaftsform gesucht werden, die sich sowohl dem gesunden Kapitallsmns wie dem Sozialrsmiis anpaßt. Aber wir können uns nicht von heute auf morgen aus s 0 zia l i st i s ch e Experimente einlassen. Abg. Gertrud D 8 u m e r (Dcmokratin) führt ans: Wir sehen in der Revolution den elementaren Ausbruch eines seelisch Mißhandelten Volkes. (Beifall l i n k s. L ä r m rechts.) Rednenn betont weiters, für die Frauen sei die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten nickt nur eine medizinische, sondern in erster Linie eine moralisch eAngelegenyeit. Zu dem beantragten Vertrauensvotum erklärt Abgeordneter Rietzer (Deutsche Volkspartei) einer Regierung die kaum eine Woche bestehe, kein Vorschußvertrauen votieren zu können. Abg. Dr. Cohn (unabhängiger Sozialdemokrat) erklärt: Der Streit zwischen der Mehrheit und der Minderheit zeigt, wie unrecht und unvernünftig der Schluß der Debatte gewesen ist. D«e unabhängigen Sozialdemokraten haben gegen verschiedene Teile des Antrages Bedenken. Die deutsche Republik vor dem Zusammenbruch. Ministerpräsident Scheidemann führt auS: Die junge Republik wird inkürzesterZeitdor derschwerstenErschütterung,wenn nicht vordem Zusammenbruckestehen. (Rufe: Hört! Hört!) Das Reich, das Volk, seine Ernährungs- und Arveitsmöglichkeiten sind auf das schwerste bedroht, nicht vom Feinde, sondern von L a n d e s g e n o s s e n, die jetzt Unsere wertvollste, wichtigste Provinz, das rheinisch-westfälische Industriegebiet, mit Zertrümmerung bedrohen. Der Boden, auf dem wir stehen, schwankt. Er bricht vielleicht schon in kürzester Zeit zusammen, wenMs nicht gelingt, dem Wahnsinn und dem Verbrechen im Rvh r g e b i e t ein Ende zu machen. Der Ministerpräsident schildert sodann die spartakistischen Taten im Ruhrgebiet und fährt fort: Die Spartakisten des Ruhrgebietes sind nicht die unschuldigen Gestalten, als die sie uns hier dargestellt werden. Sie sind ganz geriebene Räuber, Spitzbuben und Erpresser. Es ist ein Antrag aller Parteien, außer den unabhängigen Sozialdemokraten, eingegangen, in dem es heißt: Das deutsche Volk erwartet einen Frieden des Rechtes. Dre Nationalversammlung fordert die Anwendung aller Mittel, um die Angriffe bolichewikischer Truppen und Banden gegen unsere Ostgrenze äbzuwehren. Die Behandlung der Entente, die fortdauernde Hungerblockade, die Zurückhaltung der notwendigen Rohstoffe und unserer Kriegsgefangenen muß das deutsche Volk zur Verzweiflung treiben, Md die Nationalversammlung legt dagegen vor der ganzen Welt feierlichst Verwahrung ein. Der preußische Justizminister Heine erklärt: An den Zeugenvernehmungen m deni Verfahren wegen der Tötung der Frau Lirxemburg nimmt ein Kommissär des Staatsanwalts teil. Üeber die letzten Ermittlungen etwas zu sagen, ist unmöglich, wenn man die Ergreiftmg des Schuldigen nicht geradezu verhindern wolle. Der Anschluß Deutschösterreichs. Die Abgeordneten Löwe (Sozialdemokrat), Gröber (Zentrum), Payer (Demokrat), Graf Posad'owsky (Deutschnationale Volkspartei) und Dr. Stresemann (Deutsche Volkspariei) bringm folgenden Antrag ein: > Die Nationalversammlimg nimmt mit lebhafter Genugtmmg von dem Brschluffe Kenntnis, mit dem die Vertreter der stammverwandten Deutschösterreicher ihre- Zugehörigkeit zum deutschen Gesamtvolk bekundet haben. Sie bestätigt den deukschösterrcichischeyMrüdern, daß über die bisherigen Grenzen hinweg die DeuMen des Reiches und die Deutschen in Oesterreich eine untrennbare Einheit bilden, und spricht die z u v e r s l ch t l i ch e Hoffnung aus, daß die von den beiderseitigen Regierungen einznleitenden Verhandlungen recht bald zu festen staatlichen Formen führen und die Zusammengehörigkeit in einer von allen Mächten der Welt anerkannte» Werse ihren Ausdruck finden möge. Die VerlesMg des Antrages rief im Hause bei allen Parteien lebhafte Beifallskundgebungen hervor. Abg. M e e r f e l d erklärt: Die Sozialdemokraten des Rheüilandts wünschen keine eigene westdeutsche Republik. Vizepräsident S ch u l z teilt mit, ba8 der Antrag über dm Wiener Morgenzettnng Anschluß DcntschösterreichS auch von den Mabhänyigen Soialisten unterschrieben und somit ein gemeinsamer Antrag siimticher Parteien sei. (Lebhafter allseitiger Beifall.) Abg. Stegerwald (Zentrum) erklärt, die linksrheinische Bevölkmmg sei stark beunruhigt, weil die französischen Erobeningsgelüste immer deutlicher hervortreten. ' Der weitere von Vertretern aller Parteien unterstützte Antrag, der die Deutschösterreicher begrüßt, wird einstimmig angenommen. (Lebhafter Beifall.) Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Montag nackmittags. Tagesordnung: Erste, eventuell zweite Berattrng des Gesetzentwurfes über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr und erste Beratung des Entwurfes einer Verfassung für das Deutsche Reich. __ Spartakistenkämpfe in Gelsenkirchen. Gelfenlirchen, 21. Februar. (Tel.-Komp.) Nachdem sich die Spartakisten in den letzten Tagen mit dem Stilllegen der umliegenden Zechen befaßt hatten, kam es am Donnerstag zu größeren Zusammen st ößen. Die Spartakisten versuchten einige ihrer Anhänger aus dem Gefängnis zu befreien. Der Führer der Sicherheitswehr, der mit dem Polizeipräsidium über die Freigabe der Gefangenen verhandelte, warf plötzlich eine Handgranate gegen die Wache des Präsidiums. Bisher sind fünf tote Spartakisten und eine Anzahl Verwundeter festgestellt. In der Umgebung von Gelsenkirchen haben schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Spartakisten stattgefunden. Erweiterung der deutschen Operationsrechte bei Köln und Honnef. Paris» 31. Fcbmir. (RadioTelegramm.) Marschall Fach hat zugestimmt, daß. deutsche Negierungstrtlppen in der neutralen Zone m Radius von 6'/« Meilen rund um Köln — Düsseldorf nicht inbegriffen — und ,n der Rheinregion s ü dwärts bis Honnef operieren dürfen, um lokale Uebergriffe zu unterdrücken. Ungarn. Verhaftung von 42 Kommunistenführern. Budapest, 21. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Noch im Laufe der Nacht hat die Polizei energische Verfügungen getroffen, um der Kommunlstensührer habhaft zu werden. Um halb 4 Uhr früh begaben sich verstärkte Patrouillen in ungefähr 50 Kraftwagen in die Wohnungen der Kommunistensührer und es gelang, 42 derselben zu verhaften, darunter die brannten Führer Bela Kuhn, Bcla V ag o, Tibor S z a v.. u e l y, Eugen Laszlo, Bcla Somlo und S i l b e r st e i n. Bcr der Oberstadthaupttnannschaft wurde mit dem Verhör der Kommunisten, welche der Anstiftung zum Morde bezichtigt werden, begonnen. In der Redaktion des konnnunistlschen Blattes »V 8 r ö s Ujsag" wurden bei der vorgenommenen Hausdurchsuchung 13 Personen sestgenommcn, von denen nur drei Ungam sind, 1 Mißhandlung der verhafteten Kommunisten. Budapest, 21. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die im Laufe der Nacht verhafteten Kommunistensührer wurden in das Schubhaus gebracht, wo sie von Polizeimannichaft bewacht werden. Heute um 10 Uhr vormittags drangen Polizisten w das Polizeigebäude Md durchsuchten das Schubüaus, bis sie die Kommunistenführer fanden. Diese, unter ihnen B e l a K u h n und Bela V a g o, wurden blutig mißhandelt. Die Kommunisten sielen auf die Knie, baten um Gnadeund versprachen, sich nie mehr an solchen Umtrieben zu beteiligen. Soziald emo kratischer D em onstrationsstreik gegen die Kommunisten. Budapest» 21. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die sozialdemokratische Arbeiterschaft veranstaltete heute als Protest gegen die gestrigen kommunistischen Angriffe einen Demvnstrationsstreik. Da für 11 Uhr vormittags die Kommunisten eine Versammlung aus dem Parlamentsplatz einberufen hatten, zogen 70.000 bis 80.000 sozialdemokratische Arbeiter nach dem Parlamentsplatz. Besserung der ErnShrungsverhSltniffe. Strenge Maßnahmen gegen die Lebensmittelhamster. Budapest» 21. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Im Ministerrat legten Ernährungsminister Ernst B a l o g h h Md RegierMgskommisiär Moritz E r d e l y einen ausführlichen Bericht über die gegenwärtigen Ernährungsverhältnisse in Ungarn vor und stellten sestt daß sich doch Mittel und Wege finden lassen werden, um die Schwierigkeiten zu Überdrücken. Der Ministerrat beschloß hierauf, außerordentlich strengeMaßnahmen gegen d>e Verheimlichung und dir Hamsterei von LebenSmittcln zu erlassen. Allgemeiner Eisenbahnerstreik in Südnngarn. Budapest, 21. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Wie „M a g y a r H i r l a v" meldet, ist heute in Südnngarn ein allgemeiner Eisenbahnerstreik ausgebrochen, sodaß jetzt in Südungarn kein einziger Zug verkehrt. Blutige Exzesse im Arader Komitat. ■ n Budapest» 21. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) AuS dem Komitat Arad wird gemeldet, daß es in Nagy- Halmany zu einem Zusammenstoß zwtschen der rumänischen und ungarischen Bevölkemng kam, wobei 15 Tote und 20 Verletzte auf dem Platze blieben. Die Rumänen drangen in Privathauser ein und plünderten. Die nngarische Regierung fordert von Deutschösterreich die Auslieferung des Generals Lukaeiez. n Budapest, 21. Februar. (Tel. der „Sr. Morgenztg.") Wie „Magyar Orszag" erfährt, verlangt die Regierung von der deutschösterreichischen Negierung die Auslieferung des in ihren Bereich geflüchteten Generals L n k a c i e z, ebenso wandte fich die ungarische Negierung wegen Auslieferung des Prinzen Ludwig von Windischgrätz an dm Schweizer Bundesrat. Jugoslawien. Ein Protest gegen die Wiener Studentenausweisung. Savastwo, 80. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die zwecks Orientierung über die allgemeine politische Lage der Juden vom Jüdischen Nationalverein für Bosnien und Herzegowina einberufene Vollversammlung hat einen Beschluß gefaßt, in dem. mit Entrüstung die Tatsache konstatiert wird,, daß 22. F.'bruar ISIS Nr. 35 die Wiener Hochschulen nebst den südslawischen Staatsbürgern, worunter auch viele Juden sind, auch viele jüdische Akademiker aus Galizien vor die Türe gesetzt haben. Die Versammlung erachtet dieses Vorgehen als kulturwidrig und beschämend und nicht würdig der Institutionen, welche Kulturzentren sein sollten. Die Konsequenzen dieses Vorgehens werden in letzter Folg« diese Hochschulen selbst zu fühlen bekommen. Ukraine. Nationalversammlung. Die nächste Session am 4. Marz« Stanisla«, 21. Februar. Die letzten Sitzungen dieser Woche wurden durch eine Jnterpellationsdebatte ausgefüllt. Die Regierungsvorlage betreffend die Unterhaltsbciträge wurde angenommen, ebenso die Verfügung wegen Unterordnung der Gendarmerie unter das Staatssekretariat des Innern, wogegen sich nur der Abg. W i t y k ausgesprochen hatte. Eine Reihe vdn Anträgen des Finanz- und Unterrichtsausschuffcs wurde »um Beschluß erhoben und ein neuer Ausschuß für administrative Am gelcgenheiten eingesetzt. Hierauf wurde die Session bis 4. März vertagt, um de« AuSschüffen Gelegenheit zur Beratung zu geben. Polen. Die Parteiverhältnisse int Reichstag. Warschau, 21. Februar. (Radio.) Im polnischen Reichstag besitzt die Partei der Nationaldemokraten eine große Majorität. Ministerpräsident PaderewSki sowie Dmowski und Trampczynski und die früheren Reichstagsabgeordneten Seyda und Korfanty gehören derselben an. Die nationale Arbeiterpartei hat 13 Sitze. Ueber 27 'Mandate verfügt die nationale Bauernpartei, welche die Antisemiten, Anti-> bolschewiken und Ententefreunde in einer sogenannten „christlichsozialen Gruppe" in sich schießt. Sodann kommt die Partei der konservativen Bauern mit dem früheren Minister T h u g u t t an der Spitze. An letzter Stelle stehen 10 konservative Galizier und sechs galizische Demokraten. Die von Daszynski und dem früheren Ministerpräsidenten Moraczewski geführte Opposition umfaßt 32 Sozialisten, 8 Juden und 2 Deutsche, England. Unterhaus. London, 21. Februar. (Reuterfches Bureau.)' In Beantwortung einer Anfrage über die Anwesenheit britischer Truppen in der südlichen Dobrudscha sagte Lord Cecil: Die Rumänen haben die Verwaltung dieses Gebietes, über das sie nach dem Frieden von Bukarest Hoheitsrechte aüsübten und das ihnen im Jahre 1916 von den Bulgaren und den Deutschen entrissen worden war, übernommen. Die britischen Truppen treten in der Dobrudscha auf dringenden Wunsch unserer Verbündeten auf. Sie sind ausschließlich mit der Aufrechterhaltung der Ordnung beschäftigt und mischen sich in keiner Weise in die Rechte, und die religiöse Auffassung der Einwohner ein. Die Furcht vor dem Bolschewismus. Haag, 21. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.-) Die nt den letzten Tagen in England ausgebrochenen Streiks beschränken sich auf wirtschaftliche Forderungen und haben blsher mit Bolschewismus nichts zu tun. Die Unzufriedenheit der Truppen ist durchs das l a n g s a m e T e m p o der Demobckisierung hervorgerusen. Trotzdem es bisher gelungen ist, diese Unzufriedenheit einzudämmen und man rasch versucht hat, die Methoden der Demobilisierung zu Ludern, sehen die Blätter nicht ohne Besorgnis in die Zukunft. Namentlich die rechtsstehende Presse malt das Gespenst der Revolution an die Wand und die „Morning Post" warnt offen vor den russischen Juden, welche die Träger deS Bolschewismus seien. Ein gewlffes Mißtrauen gegen alle fremden Elemente im Lande beginnt sich geltend zu machen. Die nächsten Wahlen dürften die Macht der englische« Arbeiterbewegung ganz beträchtlich stärken. Zusagen an die Bergarbeiter. London, 21. Februar. Das Reutersche Bureaa erfährt, daß Lloyd George nicht vor dem,28. d. SR* nach Frankreich zurückkehren werde. In einer BergarbeiterversammlünWmachte der Premierminister bas Angebot, eine Komnnssion einzusetzen zwecks Besprechung über die Aufbesserung der Löhne infolge der Lebensmittelteuerung. Die Bergarbeiter erklärten sich e i n v e r st a n d e n, die Teilnahme an dieser Kommission in Erwägung zu ziehen. Das Attentat auf Clemenceau. Ein bolschewikisches Komplott. Paris, . 21. Februar. (Tel.-Komp.) Die bisherigen Verhöre mit dem Attentäter C o t i n ergaben den Verdacht, daß es sich um ein bolschewikisches Komplott handle, das dahin abzielte, Clemenceau zu ermorden. Es wurde festgestellt, daß Cotin an verschiedenen geheimen Versammlungen der Maximallsten teilgenommen hatte. Auf die Möglichkeit eines bolschewistischen Komplotts weisen gewisse verwirrte Antworten Cotins hin sowie der Umstand, daß in seiner Wohnung Schriftstücke ziemlich überraschenden Inhaltes entdeckt wurden. DieMilitärjustiz, die mit der Untersuchung der Angelegenheit betraut worden ist, setzt ihre Nachforschungen fort. Das Befinden Elemeneeaus. Paris, 30. Februar. (Tel.-Komp.) Die letzten Nachrichten besagen, daß Dr. Clemenceau, der Sohn des Ministerpräsidenten, zu seinem Vater berufen worden ist, da sich der Zustand des Patienten verschlechtert habe. Vor dem Wohuhause Clemeuceaus saudt» Demonstrationen patt. .< ~ -

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