Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 34 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Wien, Freitag Wiener Morgenzeltung 'SfeBeV ■» i tmm 21. Februar 1919 Nr. 34 Die Ernährung. Der Marktbericht. ef Die FleisÄabteilung der Großmarkthalle war gestern geschlossen. Nur der Geflügelmarkt war spärlich besucht und die aus gebotenen Poulards wurden wegen des übermäßig hohen Preises, 55 Kronen pro Kilogramm, kaum beachtet. Am y r s ch m a r k t warm knappe Mengen an Seefischen schon in den frühen Morgenstunden ausverkauft. Gemüsesulz rmd Süßwasserfische waren ebenfalls bald vergriffen. Der Nasch markt war sogar mit Rllbensorten nicht genllgmd bedacht, wa§ wider Erwarten einen Absatz von den Borlagsvorräten brachte. Sonst waren auö Ungam und Diahren Zuschübe verzeichnet, aus letzterem Lande ein größerer Posten Zwiebeln, die rege gekauft wurden. AuS Böhmen blieben auch gestern die Zuftchrm aus. In derBiktualienhalle blleb die vortägige Leere auch gestern, wenn auch die Besucherzahl sich vermehrt hat, was auf die fleischlosen Tage zurückzuführen ist. Am Hof wurdm 8000 Kilogramm Wurzelgemüse und 500 Kilogramm Spinat rasch abgcsetzt. Außerdem warm Neste von Rübenzufuhren am Markte zu haben. In der S t a d i o n h a l l e gab es gestem überhaupt nichts. Auf den drei Bezirksmärkten in Währing waren gestem keine Zufuhren verzeichnet. 4000 Kilogramm Wrucken und Rüben sowie 2000 Kilogramm Sauerkraut bestritten die lebhafte Nachfrage. Der einzige Fischhändler in Währing hatte keine Fische, obzwar die Kaufiust sehr groß war. Der Rudolfsh e l m e r Markt war verhältnismäßig gut beschickt, doch blieben auch gestem Grünwarenzufiihren ails. 442 Kilogramm Zwieback Äurde» an die Mindestbemittellen verteilt. Wirkungen der fleischlosen Woche. Haferreis und — Schnecken. An Stelle des ausfallenden Fleisches werden folgmde Artikel ^abgegeben : H a f e r r e i s, l/. Kilogramm pro Kopf, wird bei dm städtischen Mehlverschleißstellen von Montag dm 24. bis einschließlich Mittwoch dm 26. Februar ausgefolgt. Die Abgabe erfolgt gegen Abtrennung der beiden Abschnitte 7 des grauen, beziehungsweise des rosa Einkauficheines. Femer erscheinen Schnecken lm größeren Mengen am Markte,. doch ist der Preis so hoch (10 Dekagramm 2.40 bis 3 Kronen), daß dieser Er atz für die Mindestbemittcltm nicht in Betracht kommt. An Stelle des schon seit einer Woche ausbleibmden Obstes tauchm in reicher Fülle Südfrüchte auf. Für die Mindestbemitteltm gelangt, trotz des. Verbotes, Pferdefleisch bei der Großschlächterer zur Abgabe. Sardinen, Sardellen und Heringe werdm stch besonders starker Nachfrage erfreuen, es ist bloß fraglich, ob auch fie nicht vom Markt verschwinden. Weichkäse soll, dem Vernehmen nach, von der Gemeinde Wien rationiert auf den Bezirksmärkten abgegeben werden. Se't gestem steht man wieder nach langer Zeit O l i v e n im Handel. Die F e t t q uo 1 e bleibt, so daß die Butterabgabe auch in der steischlosen Woche erfolgt. Es ist zweifelhaft, ob die Gemeinde Wien aus ihrey Vorräten als Fleischersatz eine Kartoffel- und M e h l zu b u ß e abgeben wird können. Neiseverzögerrmg von 2 italienischen Betreib eh zügen. r Sn Südtirol find infolge Äohlenmangrls zwei itallenische Wetreidezüge für Wien an der Weiterfahrt verhindert. Wie wir wom Staatsamt für Volksernährung, erfahren, hat diese Berzögetrung auf unsere Versorgung keinerlei Wirkung. Die volle W r o t q u o t e für die nächste Woche ist schon sichergestellt. Wie man sich in Debreezin hilft. / Budapest» 20. Febmar. (Tel. der -Wr. Morgmztg.") Äus Debreczin wird gemeldet: Der Arbeitcrrat übergab »heute die Fleischbänke und Broibäckerei den dort beschäftigten Arbeitern in Eigenbetrieb. Die Enteignung geschah deshalb, weil die Bäcker und Fleischhauer sich weigerten, ihre Vorräte zum Höchstpreise abzugeben. Die Arbeiter verjagten ihre Brotgebec Md übernahmen ohne viel Federlesen die Vorräte, die fie zu Preisen tief unter dem Höchstpreis an die Konsumenten abgaben. Beschlagnahme des Brennholzes in Salzburg. ' Salzburg» 20. Febmar. Die Landesrrgiemng verfügte die Beschlagnahme des gesamten Brennholzes fim Lande. Die Ausfuhr darf femerhin nur auf Gmnd eines von stzer Landesrrgiemng ausgestellten Transportschnnes erfolgen. \ Steine Abgabe von WohlfahrtfleifH. Da über Verfügung des Staatsamtes für Volksemährung die Woche vom Irisch an die Besitzer der rosafarbenen Einkaufiche,ne e n ta ll e n. Diese erhalten gleichwie die übrige Bevölkerung in 'iren Mehlabgabestelle» V» Kilogramm Haferreis. | Bühne und Kunst. ,v- —•— v Vurgtheater. — „Dir Fahrt ins Blaue", Lustvckel von Edmont de Caillavrt, Robert de FlerS und Etienne Key. — ES wäre müßig, den Inhalt dieses unerhört banalen, Mit den ältesten Ladenhütern und abgeschmacktesten Mätzchen wattierten „Lustspieles" wiedergeben zu wollen. Schade, daß ber Widerspruch, der sich erhob und in einen regelrechten tjTheaterskandal ausartete, auf ein Nebengeleise geriet. Dre »jungen Leute, die ihrem Unwillen Lust machten, prote- -pierten nicht gegen die Aufführung eines Stückes, das franszösische Autoren zu Verfassern hat, denn sie nahmen ein spaar Tage vorher Racines „Phädra" mit Respekt, ja Begeisterung auf. Daß man Schönherr nicht aufführt und diesem faden Unsinn die Pforte des Burgtheaters öffnet, ist gewiß Mit aller Schärfe zu rügen. Wie kommen denn — von «allem anderen abgesehen — erste ftVtfer dazu, ihre kostbare [Straft auf solch ein Theaterstück verschwenden zu müssen? -Frau W i l b r a n d t gab eine Großmütter und man kann pur mit Rühmng von ihrer Kunst sprechen. Die alte Dame hat übrigens den Sturm, der sich auf offener Szene gegen [feie Leitung des Vurgtheater« und gegen die Aufführung Her „Fahrt ins Blaue" erhob, mit bewundernswürdiger Ruhe 'ertragen. Allen anderen Mitwirkenden unseren Dank für den ihnen zugemuteten.Heroismus. Man spricht so manches über Nebenregierungen im Burgtheater und es wird sich erst erweisen, ob tatsächlich Hermann Bahr für diesen Abend verantwortlich zu machen ist. 0. A. Heber die Skandalszenen bei dieser Erstaufführung Im Vurgtheater berichten wir an anderer Stelle, i Jüdisch-literarischer Abend. Die literarischen Theaterabende des Kulturverbandes „Jabne" beginnen Mutwoch den 86. Februar im Theatersaal des Hotel .Post", Wien, l., Fleischmarkt 24, mit der Aufführung des vieraktigen DramaS ^Jekel der Schmied" von David P i n S k i. vibclabend. Der gestern abends vom „Gemeinsamen »jüdischen HochschulauSschuß" veranstaltete Dibelaliend kann sich keines besonderen Erfolges rühmen. Man war gespannt, Herrn P. E Hajes über Bibel sprechen zu hören, und ward ^wucfe [eta* Absage, enttäuscht« die ein — hoffentlich vorübergehende- — Unwohlsein veranlaßt hat. So mußte man wohl oder übel mit Herrn W e i s s e S Vorlesung vorlieb nehmen. Weisse las den Anfang deS Buches Hiob, ferner eine Auswahl aus Propheten und Psalmen. Aber er mühte sich vergeblich, der gewaltigen Architektur deS riesigen Baues gerecht zu werden. Man fühlte sich nicht einen Augenblick von dem Atem der Ewigkeit angeweht, man hörte immer nur Herrn Weisse, nie die Stimme des Propheten, aus der wieder der ewige Ton deS Herrn Zebaoth hallt. Wo blieb die erschütternde Dalladenstimmung des ersten Kapitels Hrob, die elementare Zuversicht in JerennaS XXXI, die Glut der Verheißung aus Jesaia, die Innigkeit deS Gebetes im Psalm? WaS Herr Weisse bot, war ein Bibelsurrogat, gewissermaßen eine Miniaturbibel. Immerhin besser kamen etliche neue jüdische Gedichte zur Geltung, leider manche wertlose Arbeit darunter. Der einleitende Orgelvortrag, der in schönen Variationen der „Hatikwah" ausklang, war als prächtiger Stimmungsakkord das Gelungenste des Abends. F. A. Ostjüdische Erzähler. In schöner Auswahl bringt ein neuer Band Ostjüdlscher Novellen (ll 26.40) die schönsten Geschichten von Jlzckiok Lejb Perez, Schalem Alejchcm, Scholem Asch, Dowid Frischmann und S. I. Oncjchi. 10 Bildbeigaben von Joseph Budko schmücken das gut ausaestattete Buch. Zu beziehen durch die Buchhandlung R. Lowit, Wim, I., Rotenturmstraße 22. __ Letzte Nachrichten. Zur Anschlntzfrage. Lyon, 20. Februar. (Radio). Nach Berichten der Pariser Berichterstatter amerikanischer Zeitungen ist nach der Meinung der amerikanische »Friedens de legierten der Ausfall der Wahlen in Deutschö st erreich ein Beweis dafür, daß der Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland so gut wie sicher ist. Nur die Franzosen sträuben sich dagegen. Wilson selbst sei für das Selbstbestimmungsrecht Deutschösterreichs und der übrigen Teile der früheren Monarchie und betrachte den Anschluß als die einzige Lösung des wirtschaftlichen Problems Deutschösterreichs. England b e g ü n st i g e den Zusammenschluß, weil es hoffe, daß das Hinzutreten . so vieler katholischer Süddeutscher den Einfluß Preußens in Deutschland schwächen werde. Italien widersetze sich dem Plan einer Donauföderation, weil eine Vereinigung Deutschösterreichs mit Ungarn und den slawischen Nationalstaaten praktisch jenseits der italienischen Grenzen das alte starke Oesterreich wiederherstellen würde. Die Amerikaner machen darauf aufmerksam, daß es sehr schwer sein werde, den Deutschösterreichern einen Ausgang an die Adria zu verschaffen, wenn dieses Meer von den Italienern und den Jugoslawen in alleinigen Besitz genommen sein wird. Durch den Anschluß gewinnen sie einen Weg zu den.dentschen Nordseeh äfen. Ueberdies werde Deutschösterreich für die'militärische und wirtschaftliche Kraft Deutschlands, nicht von übermäßiger Bedeutung sein. Tschechische Nationalversammlung. Prag, 20. Februar. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung lag eine Anfrage an die Regierung vor, die sich mit den Verhandlungen auf der Pariser Konferenz und mit der Lebe nsmittel- und Rohstoff Hilfe für die tschecho-slowakische Republik befaßt. In der Anfrage heißt es: Verschiedene Blättermeldungen schildern die Verhandlungen bei der Pariser Konferenz, insoweit sie die Grenzen des Staates und die Stelle der übrigen Nationalitäten betreffen, ferner bezüglich der militärischen Intervention in Rußland in einer Weise, welche in unserer Bevölkerung Unzufriedenheit hervorruft. Auch die Frage der Aushilfen der Entente, mit Lebensmitteln oder Rohprodukten in unserer Leäerrsmittel- und Produktionsnot gestaltet sich für das, tschechische Volk mit jedem Tage brennender. Kommunistische Exzesse in Graz. Graz, 20. Februar. (Tel.-Komp.) Heute nachmittags veranstaltete die dienstfreie Mannschaft der Garnison, etwa 2000 Mann, eine Kundgebung für die Beibehaltung der Unterstützungsbeiträge. In der Versammlung hatten die K o m m unisten das große Wort. Die kommunistischen Redner f o rderten die Versammelten auf, heute noch nichtzuplündern, aberindernächsten Zeit würden sie dem- Bürgertum ihre Kraft zeigen. Nach der Versammlung zog ein Trupp Soldaten durch die Glacisstraße. Als diesen aus einem Hause zugerufen wurde, „geht lieber arbeiten!", drangen die Soldaten in das Haus ein und P l.Ü n d e r t e n e i n e W o h n u n g, aus der sie verschiedene Gegen stände auf dieStraße warfen. Das Arbeiterhflfskorps schritt rin und es gelang ihm, die aus der Wohnung geraubten Gegenstände der Besitzerm zurückzustellcn. Ein Angriff der Tschechen gegen Deutschland. Berlin, 20. Februar. In der Meldung des Sonder* berichterstatters des „Berliner Tageblatt" über die Gefahr eines tschechischen Angriffes heißt es: Die bei P r a ain der Stärke von 20.000 bis 30.000 Mann versammelten Tschechen sollen bereits in der R i chtung aufdieGrafschaftGlatzund das Wald enburger Kohlenrevier abgcgangen sein. Durch das neue Waffenstillstandsabkommen erscheint die Gefahr, daß die Polen unsere schlesischen Gruben besetzen, zunächst wenigstens abgewendet. Dafür aber steigt die Gefahr, daß die tschechische Hand sich nach Obcrschlefien ausstreckt. Diese Gefahr wird noch dadurch vergrößert, daß bei einem etwaigen Einmarsch in Schlesien mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß dann auch d i e P o l e n sich nicht mehr zurückhalten lassen und aus Konkurrenzneid nicht mehr die Demarkationslinie berücksichtigen werden. Daraus geht hervor, daß die Demarkationslinie von deutschen Truppen besetzt bleiben muß. Das tschechische Heer ist rin ernst zu nehmender militärischer Faktor, denn wir haben es hier mit einem Bruchteil der alten österreichischen Armee z,l tun, deren Ueivaffnimg, Berpfiegung, Mmmszucht und Führung in vcfatiü gmer Ber- , fassung ist. . Die antisemitische Strömung in Prag. Prag, 20. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Hie« nimmt unter dem Eindruck der ungünstigenNachrichten aus Paris die antideutsche und antisemitische Strömung wieder zu. Im Laufe der letzten Tage ereigneten sich wiederholt Fälle, daß jüdische Passanten von der Menge attackiert Md schließlich von Soldaten a b a eführt wurden. Das Blatt „Ocista" (Reinigung) veröffentlicht ein Flugblatt mit sehr scharfen Ausfällen gegen die Juden. Verhaftungen in Deutschböhmen. Eger, 20. Februar. (Tel.-Komp.) In E y e r, A s ch Md anderen Städten Deutschböhmcns werden seit zwei Tagen zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Es handelt fich um Leute, die Unterschriften für eine Volksabstimmung gesammelt haben, durch die der Wille Deuts chböh mens »m Sinne der Wilsonschen Grundsätze bekundet werden soll. Das Einschreiten der Behörde erfolgte über Auftrag der Prager Regierung. Die Unterschriften wurden in> übrigen nicht geheim, sondern ganz öffentlich gesammelt und die Beschuldigten sind auch durchwegs geständig. Die Verhaftungen werden mit dem Paragraph 65 des Strafgesetzes begründet. In der Sammelaktion, die übrigens schon längst abgebrochen ch, wurden 100.000 Unterschriften gesammelt. Die Frankenwährung in Böhmen beschlossen. Prag, 20. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde die Einführung der Frankenwährung für Zollzahlungen nach dem Auslande beschlossen. / Die Zukunft der Skodawerke. Prag, 20. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) I« „P r a v o L r d u" schreibt der Abgeordnete P l ck über die Zukunft der Skodawerke in Pillen, daß der Betrieb nunmehr sozialistisch Md kollektivistisch verwaltet werden muffe. Die Abstempelung in Böhmen. Prag, 20. Februar. (Tel.-Komp.) Die Abstempelung der Banknoten wird binnen Wochenfrist in Angriff genommen werden. Es besteht bereits ein Vorrat von Banftivten, der zum Umtausch bestimmt ist. Es hat den Anschein, daß in den letzten Tagen die Absicht, 50 Prozent der abgclieferteu Noten zurückzrlbehalten und gegen Zwangsanleihe zu tauschen, trotz der angeblichen Widerstände seitens der Mittel- und Unterschichten in tschechischen Regierungskreisen durchgedrungen ist. Wie sich die Nationalversammlung dazu stellen wird, ist noch nicht bekannt. Die Ernährungsfrage in Böhmen. Prag» 20. Februar. (Tel.-Komp.) Laut einem amtlichen Be» richt über dre Ernährungsfrage in Böhmen reichen die bisherigen Bo rrätekaumbisEndeMärz. Dir weitere Verpflegung ist von den Ergebnissen der Requisitionen und von der Zufuhr aus dem Auslande abhängig. Enteignungen in Böhmen. Prag, 20. Februar. (Tel.-Komv.) Der Klub der tschechischagrarischen Mitglieder der Nationalversammlung veröffentlicht im „Benkow" sein Arbeitsprogramm. Dieses Programm enthält unter anderen folgende Gegenstände: Enteignung d es G r o ß g r u nb besitzes zugunsten der Häusler, Aufhebung der Fideikommisse, die Anklage gegen den Grafen B e r ch t o l d, den G r a f e n C l a m - M a r t i n i c, den F ü r st e n F u r ft e n b e r g, den Grasen Thun-Salm, den Grafen C z e r u i n und andere als Mitschuldige am-Kriege Md für den Fall ihrer Verurteilung die Konfiskationihrer Güter ohne Enlschädignng, weiter die Besch lagnahmederGüter der Mitglieder des .gewesenen Kaiserhauses ohne EntschadigMg, Währungsreform, Lebensmittelversorgung und Schulfragen. „ / Der Handel in Böhmen. Prag» 20. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Wie „Narodni Llfty" berichtet, wurden im ersten Monat der Tätigkeit der E n- und Aussuhikommfffion Waren im Werte von mehr als 200 Millionen Kronen ein- und ausgeführt. Insgesamt wurden seit 20. November 1918 Waren im Werte von 1 Milliarde Kronen aus- Md erngeführt. Prager Börse. ' Prag, 20. Februar. XTel. der „Wr. Morgenztg.") Die Börse setzte heule schwach ein. Namentlich Böhmische U n i o n b a n k, die gestern 488 erzielt hatten, wurden bei Börsenbeginn mtt 455 gehandelt, erholten sich aber sehr rasch wieder bis auf 468. Auch BöhmischeJndustriebanka k t i e n, die gestern mit 624 schlossen, konnten bei Börsenbeginn einen Kurs von 600 erreichen. An der Börse war heute das Gerücht verbreitet, daß gleichzeitig mit der A b st e m p e l u n g a u ch e i n e A b st e m P e l u n g der Effekten st a t t f i n d e n w e r d e. Die Jndustriewerte verkehrten meist in weichender Tendenz, konnten später aber wieder etwas hereinbringen. Sehr lebhaft war der Verkehr von Prager Eisen, die von 29'2b auf 28'50 hrnmterkamen und mit 28°30 schlossen. . Der russische Senat lebt ttojfi. London» 20. Februar. (Tel.-Komp.) Der russgche Senat (Reichsrat), dessen Sitzungen in Petersburg durch die Revolution: aufgehoben worden waren, wurde vom Admiral Koltschak im neuen Justizpalast zu Omsk feierlich eröffnet. Nachdem mehrere neue Senatoren vereidigt worden waren, leistete Admiral Koltschak, der seit Novcrnber 1918 mit den Vollmachten eines vorläufigen Obersten Gouverneurs von Sibirien ausgestattet ist, den Schwur, dem Gesetz zu gehorchen und treu seine Aufgabe zu erfüllen. Blutige Kämpfe, in Gelsenkirchen. Berlin» 20. Februar. Wie das „8 Uhr-Blatt" aus Gelsenkirchen meldet, ist es zwischen Regierungstruppen und den Svartakuslruten zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen, wobei dreiArbeiterget ö t e t wurden. Was Pilsudski fordert. Berlin, 20. Februar. Das „8 Uhr-Blatt"'erfährt aus Lugano: In einer Unterredung des Sonderkorrespondenten des „Secolo" in Warschau mit Pilsudski erklärte dieser, die Entente habe ihn daran verhindert^ Truppen nach Posen zu senden, weil diese Angelegeirheit dem Friedenskongreß Vorbehalten sei. Aber die Polen seien überzeugt, daß die beste Politik die^ der vollendeten Tatsachen sei. Die Lage in' Polen sei derart, daß die Flinten eines Tages von selbst losgehen werden. Des weiteren fordere Polen den Besitz von ganz Galizien und eine gemeinschaftliche Grenze ni:Rum Ln len als Zugang zum Schnarren Meere. Masaryk und seine Regierung in Prag hätten das Wort gebrochen und ihr Angriff in Schlesien sei ein schändlicher Verrat. Danzig sei dep^ natürliche, und .historische Hajen Polens.^ '