Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 34 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34_ Wien, Freitag Volkes. Aber mehr noch alS durch seine Bekenntnis gehört er durch sein Wesen zu uns. Seine Ideen sind neue Formen der uralten jüdischen Ideen, sein Ethos ist der Verwirklichungstrieb der jüdischen Seele. Vielleicht wird auch die jüdische Gemeinschaft, die jetzt daran geht, ihr Heim neu einzurichten, der Boden sein, auf dem zum ersten Male Poppers, Werk Wurzel schlagen und Früchte bringen kann. Der Skandal an der Universität geht weiter. « Vor einigen Tagen wurde am schwarzen Brett i der Universität eine Kundmachung des Rektorats affichiert, baß das Staatsamt für Unterricht den Bej schluß des akademischen Senats über den Ausschluß! der jugoslawischen Studenten ge ne hmi- 8 e n d zur Kenntnis genommen hat mit dem Bemerken, l daß das Staatsamt der Auffassung ist, daß sich dc?NK»s-! schluß. nur auf slowenische Studenten bezieht. Das! Rektorat bemerkt dazu, daß dies an dem Erlaß des - Staatsamtes für Unterricht vom 13. Jänner nichts -ändert, daß jedoch der Termin für die Abtestur der ausgewiesenen Studenten.bis 28. Feber verlängert wird. Mit Rücksicht auf diese unklare Verlautbarung, deren Inhalt im Widerspruch zu dem vom Staatskanzler Dr^ Nenner und den Staatssekretären Doktor Bauer, Pacher abgegebenen bindenden Erklärungen steht, erschien gestern eine Abordnung des studentischen Protestausschusses'beim Rektor der Universität Professor Becke, um ihn darüber zu interpellieren. Der Rektor empfing die Studenten mit der Frage, ob sie die Unterzeichner der Protestresolution sind, welche vor einiger Zeit überreicht wurde. Als die Studenten dies bejahten, erklärte der Rektor, der akademische Senat habe beschlossen, die erwähnte Resolution mit Rücksicht auf ihren ungebührlichen Ton, in welchem Schüler mit ihren Lehrern nicht zu verkehren haben, nicht entgegenzunehmen. Daher könne er den Herren auch keine Auskunft über die Art der Erledigung geben. Mit diesen Worten wurde die Abordnung verabschiedet. ' Diese Haltung des Rektors fordert den schärfsten Protest der Oeffentlichkeit heraus. Es liegt darin eine Ueberschreitung der Amtskompetenz, die sich kein Beamte zu Schulden kommen lassen darf. Jeder freite t ich den e ide Mensch wird geuijz für eine w.i gehende Autonomie der Universitäten eintreten. Diese Autonomie betrifft aber lediglich den Wissenschaftsbetrieb; Zur selbständigen Führung der Politik ist die Universität nicht berufen, sondern nur jene Organe, die dafür verantwortlich sind. Die Ausweisung der fremden Studenten war aber ein eminent politischer Akt, und die politischen Folgen hat ganz Deutschösterreich zu tragen. Die Leiter unserer Politik haben auch die Vernunftwidrigkeit des Erlasses eingesehen und der Kabinettsrat hat, wie Nenner offiziell mitteilte, die Aufhebung des Erlasses beschlossen. Es ist ganz unzulässig, daß der akademische Senat auf eigene Faust seine Politik weiter macht und sich dem Terror der chauvinistischen deutschnationalen Studentenschaft unterwirft, deren Horizont nicht weiter reicht als über die vier Wände ihrer Bierstuben. Der Rektor hat scheinbar auch die neue Zeit verschlafen. Der Geist der Freiheit, der an den Hochschulen auch zur Zeit des monarchischen Absolutismus hätte herrschen sollen, ist bei uns auch in der Republik vergeblich zu suchen. Der Rektor erlaubt sich, die Studentenschaft, die gegen ein offenkundiges, haarsträubendes Unrecht protestiert, abzukanzeln, wie ein Schulmeister einen kleinen Schuljungen auch nur dann behandelt, wenn er ein sehr schlechter und unverständiger Schulmeister ist. Der Rektor scheint nicht bedacht zu haben, daß er es mit erwachsenden Menschen zu tun hat, von denen viele jahrelang im Kriege gestanden sind und nicht nur an Jahren, sondern auch an Erfahrung reicher geworden sind; daß es sich hier um die Auflehnung gegen eine politis ch e Maßnahme handelt, in der mit der Berufung auf die schulmeisterliche Autorität nicht viel zu machen sein wird. Dazu kommt i. ij, daß viele der in dem Protestausschuß verbetenen Gruppen einen Rückhalt in politischen MachtfMoren haben, die nicht zu beachten, äußerst unklug wäre. Der Rektor hat durch seine Handlungsweise den deutschösterreichischen Staat bloßgestellt, und wir sind begierig, was Staatskanzler Dr. Nenner und die Staatssekretäre dazu sagen werden. Die Skandalaffäre an der Universität war ein trauriges Kapitel unserer republikanischen Aera. Noch trauriger ist, daß es weiter geht. Traurige Zustand e im LainzerVersorgungsh aus In der gestrigen Stadtratssitzung brachte Stadtrat Richter folgenden Antrag ein: Die Pfleglinge des Lainzer Versorgungsheiwes hungern im vollsten Sinne des Wortes.. Die Sterblichkeitsziffer hat eine furchtbare Steigerung erfahren und mehr als zwei Drittel der Pfleglinge befinden sich im Krankenstands. Früher, als noch die Preise der notwendigen Lebensmittel nicht diese'Höhe erreicht hatten, die sie während des Krieges erlangten, wurde das Los der Pfleglinge des Versorgungsheimes durch Zubußen verbessert,'die fürsorgliche Verwandte oder alte Freunde spendeten. Dies hat aufgehört und der Hunger wütet unter den Pfleglingen. Es wird der Dringlichkeitsantrag gestellt, raschestens eine fünfgliedrige Untersuchungskonnnission zu wählen, die eine eingehende Prüfung der Ernährungsverhältnisse der Pfleglinge des Lainzer Versorgungsheims veranlassen und Vorschläge erstatten solle, die geeignet sind, die bedauernswerten Greise vor Hunger zu schützen. Vizebürgermeister Reumann gibt eine Statistik Wiener Morgenzettung .her verbrauchten Lebensmittel im Oktober 1913 und im Oktober 1918 und betont, daß die allergrößten Anstrengungen gemacht werden müßten, um die Pfleglinge vor dem Verhungern zu schützen. (Es wird beschlossen, eine Kommission einzusetzen, . die Erhebungen, in sämtlichen städtischen Wohlfahrtsanstalten zu pflegen hat, damit es möglich werde, den Pfleglingen regelmäßig ausreichende Zubußen an notwendigen Lebensmitteln zu gewähren.) Ein Theaterskandal im Burgtheater. Anläßlich der Erstausführung des Lustspieles. „Die Fahrtins Blaue" von Caillavet, Flers und Ney kam eS gestern im Burgtheater zu großen Skandalszenen, über dessen Verlauf uns ein Augenzeuge nachstehendes mitteilt. Als im zweiten Akte ein Mitwirkender die Worte „d a s ist ein B l ö d s i n n" zu sprechen hatte, erschollen aus dem Stehparterre laute Bravorufe. Einige Minuten später entstand infolge fortgesetzter Zwischenrufe ein großer Lärm, so daß die Schauspieler nicht weitersprechen konnten. Im zweiten Zwischenakt kam es im Stehparterre zu einer Auseinandersetzung, in der zwei Parteien zur Geltung kamen, die jede einen Redner beistellten. Der eine warf Hermann Bahr vor, daß er die Stücke Karl Schönherrs nicht aufführe, hingegen derart schlechte Stücke französischer Lustsplelfirmen ' bringe. Der zweite Redner Protestierte gegen den unzeitgemäßen Chauvrnisnms. Diesem Redner wurde Beifall gezollt. Während des dritten Aktes wurde Ruhe bewahrt, jedoch nach Schluß des Stüdes kein Beifall geklatscht. Die Notenfälschungen. Wie schon gemeldet, sind in der letzten Zeit Nachahmungen der 200-Kronennoten ausgetaucktt. Diese Noten sind bekanntlich nur einseitig bedruckt. Diese Fälschungen haben im Publikum eine gewisse Beunruhigung erzeugt, da in den amtlichen Verlautbarungen' nicht bekanntgegeben worden ist, t worin die Fälschungen eigentlich bestehen. Infolgedessen haben in den letzten TagenzahlreicheGeschästeundauch amlicheStellendieAnnahmedieser Noten verweigert. Ueberdies ist auch der Versuch gemacht worden, in Krems eine gefälschte 100-Kronennote anzubringen. Es ist auch festgestellt worden, daß zahlreiche Falsifikate der Fünskronenkasienscheine der Stadt Wien in Umlaut sind und ebenso sind Nachahmungen der Zweikronennoten in Umlauf gekommen. Es wäre angezeigt, wenn die Behörden sich dazu entschließen würden, dem Publikum die genauen Merkmale der Fälschungen bckanntzugeben. Dr. Ofner in den Berfasinngsgerichtshof berufen. Mlt Hille der Sozialdemokraten ist für Herrn Dr. O f n e r ein Amt geschallen worden, daS, wie wir gerne zugeftehen, seinen persönlichen Oualitäten als Jurist entspricht. Er ist in dm V e r f a s s u n g s g e r i ch t s h o f berufen worden. Urlaub des Chefarztes Dr. Charas. Wie wir erfahren. wird der Chefarzt der Freiwilligen Rettun'gsgesellschast Dr. C h a r a s, der in der letzten Zeit bekanntlich wegen seiner Mißwirtschaft in der schärfsten Weise angegriffen worden ist, demnächst einen sechsmonatlichen Urlaub antreten. * Ein Notschrei der Aerte. Die wirtschaftliche Organisation der Aerzte Wiens veröffentlicht an die Kollegen folgenden Aufruf: „Kollegen! Der Aerzte st. and ist in Not. Die übergroße Zahl der Aerzte, die zahlreichen Heimkehrer und die Kriegspromovierten, btc deutschen Aerzte aus den fremden Nationalstaaten, die aus dem Heer zum Austritt gezwungenen Militärärzte, dazu die große Zahl der Medizinstudierenden/ steht in krassem Mißverhältnis zu dem kleinen Deutschösterreich. Schon sind viele Kollegen brotlos oder zehren an ihren letzten Ersparnissen. Die durch den Krieg verursachte wirtschaftliche Verelendung des Volkes bedroht uns mit neuen Gefahren. Der Ausbau der Sozialversicherung schreitet rapid vorwärts. In ihrer letzten Sitzung hat die provisorische Nationalversammlung die Einkommensgrenze für die Angehörigenversicherung für Lohnarbeiter fallen gelassen, für Handclsangestellte von 4200 Kronen auf 9600 Kronen erhöht und dadurch den größten Teil der Bevölkerung der freien Privatpraxis entzogen. Schon rufen andere wirtschaftlich schwache Stände: Lehrer, Beamte usw. nach Krankenversicherung und verbilligter ärztlicher Behandlung. Diese Bewegung bedroht uns mit Vernichtung unserer Existenz. Wir Aerzte sind die letzter:, die den wirtschaftlich Schwachen Wohlfahrtseinrichtungen mißgönnen. Aber alles hat ferne Grenzen. Die Gesellschaft kann angesichts der Not des Volkes von uns Opfer verlangen. Sie kann aber nicht verlangen, daß die Sozialversicherung ausschließlich auf unsere Kosten gemacht werde. Unsere Forderung, daß der Ausbau der Krankenversicherung nur gleichzeitig mit der Regelung der Aerztefrage gelöst werden darf, ist eine gerechte. Man muß uns Existenzmöglichkeit geben. Diese Forderung wird nur eine einige Aerzteschaft durchsetzen können. In dieser Schicksalsstundr der Aerzte rufen wir Euch, Kollegen, zur Sammlung auf. Die wirtschaftliche Organisation muß lückenlos werden. Sie wird in allernächster Zeit an Euch herantreten. Keiner darf fehlen." * Hinter den Kulissen der Bilderaffäre. Aus Bern wird uns telegraph'.ect: Uebee das Auftreten der Italiener in Wien m der B i l d e r f r a g e gehen hier die sonderbarsten Vermutungen um, die man auf ihre Richtigkeit kaum prüfen kann. Richtig aber ist, daß die Wegführung der Bilder durch die Italiener von hervorragenden Wiener Persönlichkeiten sowohl alten wie neuen Reichtums benützt wird, um eigene wertvolle Bilder und andere Kostbarkeiten den Italienern miizugeben und in Sicherheit zu bringen. Die Namen solcher Persönlichkeiten sind hier wohl bekannt, und es wird sogar der Verdacht geäußert, daß von emzcluen dieser Leute die italienische Aktion suggeriert worden sei. * Die Unterhaltsbeiträge für die Volkswehr Der StaatSrat beschloß, die Unterhaltsbeiträge im bisherigen Ausmaß an die Volkswehrmänner und die Mannschaft der liquidierenden Militärbehörden, solange dieselben noch bestehen, längstens aber bis 1. April 1919, Wetter zu bezahlen. * Die Ausgabe von Stempeln:arken. Demnächst gelangt eine Vollzugsanwrisung des Staatsam'es der Finanzen betreffend die Ausgabe von allgemeinen Srempclmarken und Effcktenumsahsteuer-Stcmpclmarken zur Verlautbarung. Darnach wird verordnet, daß bis zur Ausgabe neuer Stempelmarken die allgemeinen Stempelmarken und Effektcnum'atzsteuer-Itempelrnarken versehen mit dem Ausdruck „D e u t s ch ö st e r r e i ch" von der Staatsdruckerei in Verkehr gesetzt werden. Eine E i nziehung der von der Staatsdruckerei bereits ausgegebenen Stempelmarken ohne Aufdruck findet vorläufig nicht statt. * Warnung vor übereilter Auswanderung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Vielfach ist bereits durch die Presse der Warnruf ergangen, die jüdischen Massen vorläufig von der Auswanderung nach Palästina zurückzuhalten, bis die nötigen Vorkehrungen getroffen sind. Trotz dieser Mahnungen sind zirka 150 Pioniere von Fiume nach Palästina gereist. Unter diesen Auswanderer ist einer an Flecktyphus erkrankt, deswegen hat der Stadtphysikus von Faune angeordnet, daß sämtliche Auswanderer aus dem Osten drei Wochen unter Quarantäne gestellt werden. Des ferneren haben die zuständigen Behörden mitgeteilt, daß aus prinzipiellen Gründen keine Passierscheine zur Weiterreise via Italien ansgestellt luevbcit. Mit Rücksicht daraus sind die Auswanderer aus diese Tatsachen im eigenen Interesse aujmerksam zu machen. 21. Februar 1919 "Seite 51 * Chebewilligungen auf Grund der Wehrgesetz gebung. Eheschließungen deutschösterreichischer Staatsbürger, dr der Slelliingspsiicht noch nicht entsprochen haben, sind nicht mehr an den Nachweis der besonderen Bew lliguna gemair § 40 des alten Wehrgesetzes gebunden. Es werden daher solche -Lewlllrgungen von der niederösterrelchischen Landesregierung auch mch mehr erteilt werden. Angehörige fremder Staaten haben sich ms dieser Hinsicht nach den Vorschriften ihres Staates zu richten. * Allgemeine pädagogische Abende. Die „Pädag> gische Gruppe des Arbeitskreises für jüdische Erziehung hat sich zur Aufgabe gemacht, durch eine Reihe von fortlaufende! Einzelvorträgen und Kursen alle pädagogisch Interessierten m populäre Weise mit dm Ergebnissen der modernen Padagogi bekannt zu machen, ebenso wie mit allen einschlägigen Wunns-» gebieten, wie Psychologie, Physiologie, Soziologie und Ethnographie von Kmdheit und Jugend. Zu diesem Zwecke werden vre „Allgemeinen pädagogischen 2l b e n d e e mgesührt, welchevorlänsi g einmal wöchen ilich stattsinden. An die Vortrage schließen sich Diskussionen, durch welche Eltern, Lehren: und Ergehen: Gelegenheit gegeben wird, jede konkrete Frage aus dem praktischen Leben. zu besprechen. Bisher sind folgende Vortrage angeietzt: 22. Februar: Dr. Siegfried Bernfeld (Einige Probleme der Pubertätszeit); 1, März: Dr. Theodor Reck (Erziehung btt den Naturvölkern); 8. März: Dozent Dr. S. Kornfeld (Gv> mütsbildung; 15. März: Anitta Müller (Jüdisches Kmderelend). * Ein falscher Fensterputzer. In Wien treibt e:n Gauneu in der Tracht eines Fensterputzers sein Unwesen. Amt 19. d. M. fand sich der Mann, der etwa 30 Jahre zählt, blaue Bluse und Leiter wie ein Fensterputzer tragt, in! einem Hotel im 9. Bezirk ein und begab sich in das Zimmer des dort wohnenden Kaufmannes Sigmund Grünhut. M tat so, als ob er die Fenster putzte, stahl aber bei Gelegenheit einen Brillant-Marqursermg, vier Tag- und zwei Nachthemden, 18 Taschentücher und ein Paar Schuhe, zusammen 6000 Kronen wert.; * Strafen wegen Uebertretnngen der Licht-Sparmatz« nahmen. Im Monat Jänner d. I. wurden von seiten der Direktionen der städtischen Gas- und Elektrizitätswerke, dev Sicherheitswache und teilweise auch von Privatpersonen 1148 Anzeigen wegen Urbertretung d,er Sparmaßnahmen bei der Beleuchtung und Beheizung erstatte.. Dr«! Anzahl der Anzeigen hat gegenüber dem Monat DezcnbeU 1918 abgenominen, ein Umstand, der auf eine genauere P.fol.uig rer S armaßnahmen durch die Vev^lk-rung schließen laßt. Bei der Polizeidirektion wurden während des Monats Jänner insgesamt 2260 Straferkenntnisse gefällt und rund! 41.000 Kronen an Strafgeldern eingehoben. Gegen mehrere Gastwirte mußte wegen wiederholter Außerachtlassung der Sparmaßnahmen mit besonderer Strenge eingeschritten werden^ In einem Falle wurde eine Geldstrafe von 2 0.0 0 0 Kronen und l Monat Arrest, in einem zweiten! Falle 10.000 Kronen und 14 Tage Arrest, in mehren weiteren Fällen Geldstrafen zwischen 1000 urchs 40u0 Kronen verhängt. *; " Auf Posten Selbstmord verübt. Gestern vormittags hat sich ein Volkswehrmann von ungefähr 20 Jahren, der, Nowak heißen soll und vor dem Gebäude der StaatSdruckerei auf dem Rennweg auf Posten stand, aus seinem; Dienstgewehr eine Kugel in die Schläfe gejagt und ish auf der Stelle tot zusammengestürzt. i * Unfall. In der Spiritusfabrik in Rudolfsheim, Prinz' Karlgasse 17, stürzte heute der 57jährige Kutscher LukaH Stark in ein Kohlenloch und erlitt mehrfache linksseitig«^ Rippenbrüche. Die Rettungsgesellschast brachte ihn ins Sofien^ spital. \ * Die Technische Hochschule bleibt weiterhin geschlossen. Wie wir erfahren, muß die wegen der Kohlennot bis zuny 24. d. M. verfügte Schließung der Technischen Hochschulen wegen des andauernden Kohlenmangels noch bis auf weiters ausrechterhalten bleiben. ' * Räume des Schönbrunner Schlosses für Zwecke der Jugendfürsorge. In der gestrigen Stadtratssitzung berichtete Stadtrat T o m o l a betreffend den Vorschlag des Stadtrates Winter über die Verwendung des Valerie- und Kavaliertraktes für' Zwecke der Jugendfürsorge. 'Eine koin-^ Missionelle Besichtigung dieser Räume ergab, daß für die Verwendung derselben für die Jugendfürsorge kein Anstand vorliege. Diese Räumlichkeiten könnten ohne besondere Adap< tierungen und Kosten als I u g e n d h e i m eingerichtet werden Falls die endgültige Entscheidung der Staatsverwaltung dahin geht, daß diese Schloßteile der Jugendfürsorge bleibend gewidmet werden sollen, wären diese Schloßteile unbedingt fori Anspruch zu nehmen, da sie mit Rücksicht auf die Lage, die bauliche Beschaffenheit, die Geräumigkeit und Wohnlichkeit! der Zimmer und die unmittelbare Nähe weitläufiger Grundflächen für Jugendfürsorgezwecke besonders geeignet sind. In diesem Falle solle der Valerietrakt mit dem dazugehörigen Fürstenstöckel für die freiwillige Fürsorge in Verwendung genommen, der Kavaliertrakt mit dem anschließenden Fürstenstöckel dem städtischen Jugendamt zur Errichtung eines Jugendheims Vorbehalten bleiben. Bezüglich der Verwendung deH Balerietraktes liegt eine Zusage des Staatsnotars bereit-,, vor. Nach einem Antrag des Referenten wird das städtische Jugendamt ermächtigt, wegen Ueberlassung des Kavalier- und! Valerietraktes des Schönbrunner Schlosses, der dazugehörigen! Fürstenstöckel und entsprechender Grundflächen für Zwecke der öffentlichen und freiwilligen Jugendfürsorge die erforderlichen Schritte zu unternehmen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. I Söhne des Volkes. Im Ferdinands-Kino debütiert heute Gunn arTolnäs als Bolkssührer. Der gewaltige politische Gegenwartsfilm zeigt die Leiden Europa-' in der letzten Zeit. Anarchie droht alles einzureißcn; Bruderkämpfe entspinneu sich, bis schließlich ein denkender Arbeiter die StaatSleittmg erhält. Massenaufgebot, Gefängnisse, d:e gestürmt werden, und alle Hindernisse und- Klassenunterschiede besiegende Liebe leiten btc großartige Handlung ein. Der Gipfelpunkt kmematoaraphiicher Technik wird in der Szene erreicht, wo die Bolschewiken eine Höllenmaschine in die Villa des Volksführerbringen und das ganze Haus durch die Gewalt der Explosion in die Luft sprengen. Die Vorstellungen im Ferdinand" Kino beginnen um 8 Uhr. Central-Kino. Ein erschütterndes Abenteurerdrama, „Der Skorpion", gelangt :m Central-Kino Freitag zur Erstaufführung. Em geheimnisvoller Mord ist begangen worden; ein Unschuldiger muß für den wahren Verbrecher büßen. Sech- Jahre hat ec im Kecker verbracht und dann befreit er sich, um sein kommendes Leben der stäche zu weihen. Erschütternde Bilder ziehen vor dem Auge des Zuschauers vorüber, bis.schließlich der wahre Mörder dem, der unschuldig gebüßt hat, gegen übersieht. Eine furrhlbare Situation, denn Sohn und Vater geben sich im Zeichen des Skorpions zu erkennen. Der Sensativnsfilm, der von V a r k o n y i meisterhaft gespielt wird, gelangt von 3 Uhr atz, zur Ausführung. . ä Vorträge und Versammlungen. Verein „Zion", Wien. Samstag den 22. d. M. um 8 Uhr nachmittags wird in unserem Vereinslokale Herr Dr. Rudolf Glanz über „Die Grundlagen der jüdischen Erziehung" vortragen. Um 6 Uhr abends findet hier der hebräische Tee-Aberid statt. Hebräisch lpttcheude Gaste willkommen. " "i