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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-19 · Heft 32 (19.2.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 32 (19.2.1919)
Date
1919-02-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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W.S2 Wien. Mittwoch WrenerMorgenzertrmg 19. Februar 1919 ' sr. Wiener Morgenreltung ist das eimlge Lagbian in deutscher Sprache. Die „Wiener Morgenzeitung" Lostet: Für Wien mit Zustellung ins Haus: Monatlich ............. K. Vierteljährig.. . „ 20.— Halbjährig ... . . . „ 40.— Ganzjährig.. ..„ 80.— Für die Provinz mit Postversand: Monatlich. . K. 7.50 Vierteljährig.. . . - - „ 22.- Halbjährig ........... * n 44.— Ganzjährig ........... . n 88.— Für das Ausland: Vierteljährig ... . . . . . . . . K. 24.- Administration der „Wiener Morgenzeitung": Wien, 2. Bezirk, Taborstratze Nr. 1—3. Telephon 44.038. Die Schweizer Hilfsmission auf dem Naschmarkt^ . Gestern Vormittags besichtigte die Schweizer Hilfsmission mtt dem Oberstleutnant Frey an der Spitze und unter Führung des Marktvizedirektors Spring den Naschmarkt. Die Mitglieder der Hilfsmission ließen sich an der Hand tabellarischer Aufstellungen die Einrichtungen" und die Bewirtschlütung des größten Wiener Gemüsemarktes erklären. Overinspektor Wagner führte die Hilfsmission durch die Stände des Marktes, wo sie sich durch Augenschein von der trostlosen Versorgung der Wiener Markte überzeugen konnte. Die Preistreiberei der Gärtner. »• .Die Gemüsegärtner rüsten zu einem neuen Ansturm auf das Publikum. Nicht genug, daß sie seit Wochen schon mit ihren Gcmüievorräten nicht hrraüsrücken wollen, verlangen sie jetzt eine Preiserhöhung, und die geduldige Behörde, in diesem Falle die Marktdirektion, läßt sich m Unterhandlungen und Konferenzen ein. Der schon genügend ansgewucherte Konsument sollte doch wenigstens von der Behörde, weny auch nur scheinbar, so doch geschützt werden. Es geschieht nichts. Die Gärtner setzten sich gestern im Marktamt für. den IV. Bezirk zusammen, um den ersten Sturm vorzubereiten. Es ist zu hoffen, daß der sachverständige Leiter des Naschmarktes, Oberinspektor Wagner, in diesem Falle sich mcht als nachgiebig erweist. Honig. L Die auffallend großen Quantitäten an Honigbrot, die jetzt m Verkehr gebracht werden und zu hohen Preisen reißenden Absatz finden, find die Ursache, weswegen wir jetzt an einem großen H o n i a m a n g e l leiden. Die Imker, die sich, nach verläßlichen Mitteilungen eines Fachmannes, einer ziemlich guten Herbsternte erfreuen und ihre Vorräte um gute Preise verkaufen können, warten auf eine noch bessere Konjunktur. Der nahrhafte und sättigende Honig wird von jeder Harrsfrau lieber als Marmelade und Butter gekauft. Ein Kilogramm reiner Fungfernhonig kostet heute im Schleichhandel mehr' als K 50.--, Scheibenhonig ist schon seit Kriegsausbruch nicht zu sehen. Die Erzeuger des Homgbrotrs, dessen Fabrikation sich als sehr lohnend (200 vjs 350 Prozent reiner Verdienst) erwies, bereisen das flache Land und zahlen jeden Preis, gehen sogar auf Tauschhandel ein (Petroleum, Leinen, Kerzen, Satz, Kleider usw.), wenn der Imker ihnen nur den Vorrat an Honig abgibt. Unsere Heilnnttclerzcugung, die den Honig als Hauptmittel zu den Medikamenten verwendet, droht ut mancher Hinsicht zu stocken, ja teilweise gibt es schon jetzt mit Honig bereitete Medikamente üherhaupt nicht. Statt dessen sieht man in den Auslagen der Konditoreien und Spczereigcschäfte ganze Berge von Honigbrot. Neue Höchstpreise für Zuckerwaren, Kunsthonig und Zuckersirup. Das Staatsamt für Votksernährung hat neue Höchstpreise für die gangbarsten Gattungen von Zuckerwaren (Kommerzwaren) festgesetzt. Im Kleinverkaufe stellen sich die Preise für 1 Dekagramm für dunkle Drops auf 8 d, für sauere Drops, Rocks und gleichwertige Sorten auf 9 b, für einfache Fondants, Dragees, für gefüllte Karamellbonbons, Seidenbonbons (Fvurrees) auf 10 b, für in Papier gewickelte Karamellen ungefüllt 13 b, gefüllt 14 h. Gleichzeitig wurden auf Grund eines Gutachtens der Zentralpreisprüfungskominlssion die Höchstpreise für Kunsthonig und Zuckersirup neu festgesetzt. Der Detailverschleißpreis beträgt für Kunsthonig im tosen Verkauf K 4'50 per Kilogramm, beim Verkauf in Packungen K 5'20, beim Verkauf in Kartons K 6'20; für Zuckersirup aus Fässern, Eimeck oder Kübeln K 4*20 per Kilogramm. Die neuen Höchstpreise treten am 25. d. M. in Kraft.. Gerichtssaal. Zahlungen an feindliche Ausländer im neutralen Ausland. Der deulschösterreichische Oberste Gerichtshof hafte sich vor kurzem mit einer bemerkenswerten Nichtigkeitsbeschwerde zu befassen, die die Zahlung einer inländischen Firma an einen mt neutralen Ausland lebenden Angehörigen des ehemals feindlichen italienischen Staates zum Gegenstand hatte. Der Neichsitaliener Fouladore hatte bis zum Beginn des Krieges seinen Wohnsitz in Innsbruck; um der Internierung jjt entgehen, flüchtete er nach Zürich. Fouladore erhielt im vorigen Jahre von einer inländischen Firma eine Geldüberweisung, und wurde auf Grmld der kaiserlichen Verordnung vom Jahre 1914 gegen de» Firmeninhaber die strafgerichtliche Untersuchung eingeleitet und erfolgte auch seine Verurteilung. In der gegen das Straferkenntnis erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde wurde geltend gemacht, daß die ntt an feindliche Ausländer, die ihren Wohnsitz im Inden, gestattet sein. Der italienische Staatsangehörige Fouladore habe seinen Wohnsitz in Innsbruck auch jetzt noch, denn seine Wohnung befinde sich noch weiter in Innsbruck. Er sei bloß nach Zürich geflüchtet, um der Internierung zn entgehen. Daß er auch in Zürich einen Wohnsitz habe, hindere nicht, daß auch Innsbruck weiter als Wohnsitz gelte, denn bekanntlich könne eine Person auch zwei Wohnsitze haben. Der Oberste Gerichtshof (Vorsitzender Hofrat Spath) hat die Nichtigkeitsbeschwerde verworfen. In der Begründung hob der Vorsitzende hervor, Foirladore hätte in Innsbruck mit der Flucht seinen Wohnsitz daselbst aufgegeben, da es klar in Erscheinung trat, daß er nunmehr seinen Wohnsitz nach Zürich verlegte. Daß er seine Wohnung in Innsbruck weiter behielt, ändere nichts an diesem Tatbestand, denn Wohnung und Wonsitz feien nicht zu identifizieren. Bühne und Kunst. Mahlers „Lied von der Erde". Es ist nicht die von geheiligter Arbeit befruchtete Erde Miltets, nicht die Erde, wie sie der Naturalismus empfand, das Symbol der ewig sich erneuernden Zeugung und Unversiegbaren Schöpfungskraft, von der Mahler mit unaufgelöstenr Akkord wehmütigen Abschied nimmt. Sein Bild von der Erde spiegelt sich in zart gemalten Aquarellen uralter chinesischer Dichter, deren Verse eine reine, idealisierte Welt malen als Schauplatz menschlicher Heiterkeit und eines gut gemessenen Teiles menschlichen Leides. Für das Landschaftsbsld, wie es dort zum Träger der Stimmung des Gedichtes wurde, fand er in seiner Klangpalette die gedämpften Farben, um die feinen Konturen, das sinnöölle Linienspiel der melodischen Zeichnung zu malen, vor allein aber, er fand in seinem Innern die geistige Verwandtschaft mit her Welt der tausendjährigen orientalischen Meister. Bon den großen symphonischen Kämpfen müde, zieht er sich zur abgeklärten Betrachtung dieser einfachen, aber artistisch empfundenen Stimmungen zurück, er reiht sie zum Kunstwerk, in der er seine Melancholie wie die zärtliche Liebe für die Heiterkeit beS Lebens laut werden läßt, um dann die Blätter, an ungelöste, ewige Fragen rührend, geöffnet aus der Hand zu legen. Seit Bruno Walter vor acht Jahren diese Orchesterlieder zur ersten Aufführung brachte, finden sie immer wieder eine dankbar beegte Gemeinde, und nicht wenige sehen in dem Zyklus Mahlers durchgeistigtste Schöpfung. Sicher ist, daß sein Stil hier, wo er nicht die Heerscharen des modernen Riesenorchesters zu entbieten genötigt ist, solche -Innigkeit und menschliche Wahrheit des Ausdrucks findet, daß dies Lied der jugendlichen Schönheit, der herbstlichen Trauer und des einsamen Sterbens noch ferne Epochen ergreifen dürfte. Alexander v. Zemlinsky, den angeblich gespannte Kunstbeziehungen zwischen Wien und Prag nicht hinderten, die Aufführung zu leiten, führte das To nkünstlery? chester, das nach der bösen.Kriegszeit noch einen langen Weg zur einstigen Höhe zurückzulegen hat. Hans D u h a n — seine Mitwirkung bei der Hauptaufführung war durch einö Indisposition zweifelhaft geworden -7- und Geord M a i k l find als alternierende Vertreter des Ernstes und der Fröhlichkeit erfolg?, reiche Wiener, gm schönen Werk? gewesen. Y D?. K. M> Aus den Theatern. Im Burgtheater wird Donnerstag „Die Fahrt i n s B l a u e" von F l ers und C ä i l l a v e t zum ersten Male aufgeführt. — Im Deutschen Volkstheater gelängt am 22. d. M. Karl S ch 8 n h e r r s Volksmärchen: „D a s Königreich" zur ersten Aufführung. Spielleiter: Dr. Heinz Schulbaur. — In den K a m m e r s p i e l e n wird an demselben Tage das Lustspiel „Fräulein I o s e t t e, meine Frau" von P. G a v a u l t und R. C h a r v a y zum ersten Male aufgeführt. — In der Volksbühne findet die seit mehreren Wochen vorbereitete Erstaufführung von Emil Faktors „Die Temperierten endgültig am 19. d. M. statt. Hie Krise iw Burg- und Overntheater. Die letzte Krise un Burg- und Opernchcater dürfte überwunden sein. Bekanntlich drohten die Theaterangestellten der Burg und Oper, am Freitag in den Ausstand zu treten, falls bis dahin Sektionschef Dr. v. Keller nicht durch den Staatsrat von seinem Posten enthoben werde. Aus dem Verhalten der überwiegenden Mehrheit des Theaterpersonals hat nun Sektionschef Dr. v. Keller heute mittags hie Folgerungen gezogen, indem er dem Staatsnotar Dr. Sylvester sein Nücktrsttsgesuch überreichte. Dr. Sylvester wird das Pensionsgesuch des Sektionschcfs Dr. v. Keller am Mittwoch dem StaatsrgtSdirektormm .vorlegen. Man erwartet, daß das Dirckiorinm die Demission annehmcn werde, so daß für den Staatsrat die Notwendigkeit hiuwegfüllt, sich mit der Theaterasfäre nochmals zn befassen. Gin jüdischer Schriftsteller- und Künstlerverein iu Wien. Anfangs Jänner hat sich in Wien eine „Bereinigung jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler, Haruach (Der Geist)" gebildet. Ans nationaljüdischem Boden stehend, verfolgt sie einen doppelten Zweck: Ihre Mitglieder in beruflich-wirtschaftlichen fragen gegen die üblichen Benachteiligungen, die sich im jüdischen Buch- und Pressewesen wie allüberall zeigen, durch geeintes Vorgehen zu schützen und die geistigen Kräfte für die Ziele der jüdischen Bewegungen sammeln zu helfen^ Das erste soll erreicht werden durch. die Tätigkeit einer Rechtsschutzabteilung, für die Syndizi bestellt sind, das zweite vorerst durch Schaffung eines Klubheims, das gesellschaftlichen Verkehr und kulturellen Ausgaben dienstbar gemacht werden soll. Die Vereinigung „Haruach" gedenkt ihre Werbearbeit zur Bildung ähnlicher Organisationen auf andere Großstädte jüdischen Lebens, wie Prag, Krakau, Berlin usw. auszudehnen. Zum Präsidenten wurde Privatdozent Dr. Harry T o r e z y n e r gewählt; in die Leitung teilen sich dieser als Vertreter der Gelehrten, Schriftsteller Jakob K r a u s z und die Malerin Blanko Lipschütz. Die Adresse der Vereinigung ..Haruach" lautet: Wien. I., Konkordia' Platz 4, Cass Industriellen. Dibelabend. Am 20. Februar findet der vom gemeinsamen jüdischen Hochschulausschuß veranstaltete! Bibelabend statt, der als künstlerische und traditionelle! Eröffnungsfeier des allgemeinen jüdischen. Studententages gedacht^ ist. Der Abend wird durch eine Ansprache des OberrabbinerS' Dr. Chajes ringeleitet, worauf Adolf Weiffe mehrere Stellen auS: den Propheten und dem Buch Hiob sowie Uebertragungen .aus der nenhebräischen und jüdischen Literatur zur Vorlesung bringen wird. Zu diesem Abend, der das größte Interesse verdient, sind Karten im Vorverkauf bei R. Löwit, k., Rotentnrmstraße. bei Schlesinger, I., Nabensteig und in der Geschäftsstelle des Jüdischen Hochschnlausschusses, IX., Müllnergaffe 33, 4. Stockerhältlich. Die Arbeit. Organ der zionistischen volkssozialistische»: Partei Hapoel-Hazair, bringt in ihrem soeben erschienenen Heft 2 einen längeren Aussatz von Ludwig Strauß „Der Sozialismus und die Klasse". „Ueber private und nationale Kolonisation" erscheint eine aus dem Hebräischen übertragene Arbeit von I. W i l k a n 8 k i. Einzelheft K 1.32, vierteljährlich K 13.20. Im Abonnement durch die Buchhandlung R. Löwit zu beziehen. Sport. Eine neue Sektion der „Hakoah". Am letzten SamStag konstituierte sich die Sektion für „Wintersport und Touristik", für die sich in allen Kreisen das größte Interesse kundgibt. Anmeldungen sind an das Sekretariat des Sportklubs „Hakoah", Wien, Konkordiaplatz 4, zu richten. Ueber die Aufgaben des Handikapers spricht am Donnerstag um 0 Uhr abends der Präsident des Leichtathletikverbandcs, Dr. Max Fürth, im Sitzungssaals des Fußballverbandes, Wien, I., Annagaffe 7. Der jüdische. Turnverein „MakrKabi" II veranstaltet im März im Hotel „Kontinental" ein großes Schauturnen. Der Z. S. K. „Makkabäa", Pretzbn'rg» wird schon im März in Wien gegen die „Hcüoah" spulen. Deutsche Nationalversammlung, Gegen Erzberger. Weimar, 18. Februar. Aus der Tagesordnung der Nationalversammlung steht die Interpellation Dr. H e r n z e! und Genossen (Deutsche Volkspartei) betreffend die Vorlegung einer Denkschrift über die bisher von der Waffen st.i l st a n d s k o m m i s s i o n gepflogenen Verhandlungen.! Namens der Interpellanten begrüßt Dr. V ö g l e t > (Deutsche Volkspartei) die Interpellation. Der Pulsschlag! des deutschen Wirtschaftslebens wird schwächer und schwächer. Mit grausamer Sicherheit wiffen die Feinde die Punkte zu wählen, die Deutschland dem Ruin entgrgenführen muffen. Schon die Ablieferung von Tausenden von Lokomotiven und Hunderttausenden von Eisenbahnwagen hat durchgeführt werde»! müssen, ohne daß ein s a ch v e r st ä n d i g e s Programm! aufgestellt worden wäre, um die Möglichkeit der Durchführung technisch zu sichern. Bon Anfang an habe' der Verein deutscher Stahlmdustmüer immer wieder dringend um! die Zulassung von Sachverständigen gebeten. Bei den Veri Handlungen in Spaa, Trier und Luxemburg seien jedoch Sach-, verständlge der Kohlen- und Eisenindustrie überhaupt nicht zu-! gezogen worden. (Hört! Hört!) Auch bei der Erneuerung ock! Waffenstillstandsvertrages im Jauner sei Erzberger t»; Verhandlungen' eingetrelen, ohne daß Sachverständige zur Stelle! waren. Unsere Unterhändler hätten i n l e i ch t fertig st erWeise! die Feinde geradezu eingeladen, uns in denj Scmpipunkten Schwierigkeiten zu machen. (Hört! Hört!) Wer hat j rzberger das Recht gegeben, das Schiffayrtabkommen zu unterschreiben? MarschallFoch war anfangs bereit, mitSachverständlgen zu verhandeln, nur die unglaubliche Führung der Verhandlungen auf deutscher Seite brachte ihn zu der Forderung, daß unter allen! Umständen schnell abgeschloffcn werden müsse. Die „Frankfutter! Zeitung" habe gesagt, die Abberufung Erzbergers sei die einzige, Möglichkeit, den Schaden auszuolüchen, den er damit angerichtet abe, daß er die Folgen einer Ablehnung der Friedensverhandungen in den schwärzesten Farben gemalt habe. (Sehr richtig!! grerun >fc werfen Ihnen vor... (Die nächsten Ausfühmngen deS i Redners gehen in den lärmenden Kimdgebungen des Zentrums! unter, aus deffen Reihen ununterbrochen gemfen wird: Unerhört!! Schluß! Bon anderen Abgeordneten wird gerufen: Kein Schluß!! Dr. Heinze ruft: Das ist un neuen Deutschland die Redefreiheit! < Worauf sich die Sturmszenen wiederholen.)! Nachdem der Lärm minutenlang angedauett hatte, stellt! Präsident Fehrenbach fest, daß persönliche Angriffe des - Redners den Entrüstungssturm entfesselt haben. (Unruhe rechts.)! Der Präsident bittet, die Übrigen Ausführungen in Ruhe cm-! zuhören.! Abg. Vogler erklärt schließlich, er stehe hier als Vertreteri einer Industrie, die am Ersticken sei. (Laute Rufe bei der Mehr» , heit: Hier sollen aber Vertreter des Volkes stehen!) Wir fragck! den Reichsmimster Erzberger: Wie . ist es möglich, daß dem: deutschen Volke, das einen Wilsonfrieden erwartet hat, jetzt! ein WaffenMftand auferlegt wird, der einen solchen Frieden un? möglich macht? (Beifall rechts.) Zur Beantwortung der Interpellation erhätt Neichsminister Erzberger das Wort, der ausführt, die Rede des Interpellanten hätte sich' an Marschall Foch richten müffen. Die Begründung erfolgte mtt einer Leichtfertigkeit ^große Unruhe rechts, lebhafte Zustlmmung bei der Mehrheit), wie man sie bisher nicht kennen gelernt habe. Anklagen schwerster Art seien auf völliger Un-! kenntnis und auf einer unerhörten Verschiebung der wirkliche« Vorgänge aufgebaut worden. (Hört! Hört!-Rufe bei der Mehr-! heit, große Unruhe rechts.)! ' Gerade die Gruppe der heutigen Interpellanten hat mtti ihrer Politik den Niedergang des Vaterlandes berbeigesührt.: (Stürmische Zustimmung bei der Mehrheit, großer Lärm rechts.)' Angesichts dieser Sachlage ist es ein wirklich starkes Stück, wenn ein Vertreter der Gruppe Stinnes es wagt, in der National-! Versammlung von der Schuld eines Ministers zu sprechen,! der für den - Frieden der Versöhnung eingetreten ist, i während gerade diese Gruppe die Volksleidenschaften auf-! gewühlt und dem Volk neue Blutopfer aufcrlegt hat. (Erneute' stürmische Zustimmung bei der Mehl heit. Lärm rechts.) Gerade die Rechte stand dem Wilsonscheu Frieden entgegen und heute klammert sich der Herr Vorredner an den Wilsonfrieden, den er früher verhöhnt hat. Die Verantwottung für die bisher getroffenen Abmachungen trägt die Reichsleitung und die Verantwortung für alle Verträge wage ich vor der Nattonalversammlung. In allen für das deutsche Wirtschaftsleben entscheidenden Fragen sind Sachverständige gehört worden. Ueber das Schlffahrtabkommen haben eingehende Besprechungen mit Schifffahrtkreisen stattgefunden. Die gegenteilige Behauptung ist eine unerhörte Anmaßung. Eine Unterstellung der Waffenstilli'tandskommlssion imier das Auswärtige Amt wird nicht beabsichtigt. Jeder Minister ist der Natioitalversammlung verantwortlich und

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