Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 32 (19.2.1919)
- Date
- 1919-02-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Mittwoch Seih betonte, der Wille des Volkes, fordere den Anschluß an Deutschland. Nach Absingung eine- Liedes marschierte die Volkswehr nach dem Staatsamt für Heerwesen. Fackelzüge am Abend. Aus Anlaß des Ausganges der Wahlen in die Nationalversammlung bewegte sich vorgestern abends vom Altyanplah ein Zug, an dem etwa 6000 Personen mit roten Fahnen und 20 Fackelträgern an der.Spitze, denen 30 Mann Volkswehr folgten, teilnahmen. Es wurde das Lied der Arbeit gesungen, worauf Nationalrat K a l l i n a eine kurze Ansprache hielt, die die Bedeutung des Wahlsieges würdigte. Dann löste sich der Zug auf. Nach einer sozialdemokratischen Versammlung beim ißen Engel" in Hietzing, Am Platz . Nr. 6, zogen etwa Teilnehmer mit roten Lampions und roten Fahnen n Breitensee und Baumgarten. Dort löste sich der auf. Der Abba« der Preise. Ein Beschluß der Bekleidungsgewerbe. > Die von der Preisprüfungsstelle B in Wien unter ltz des. Hofrates Win dt abgehaltenen Besprechungen n eines Abbaues d e r Pr e i f e von industriellen -rfsgegenständen, insbesondere von Kleidern, Wäsche, fen, Wirkwaren und Hüten haben folgendes ergeben: ens der Wiener Kaufmann chast wird die Notwendig- : einer baldigen Hera bs etzu ng der Verfspreise anerkannt. Es wird auf die Notägkeit der Freigabe der Vorräte des Volkslei dun gs amte S» der Flüchtlingsfürforgestellen, der liedenen Zentralen (Baumwoll-, Woll-, Lederzentrale) >ie legitime Kaufmannschaft hingewiesen. Von Kettenlern und Schleichhändlern, aber auch von Fabrikanten Grossisten, welche die Konjunktur in ungehöriger Weise ätzen, soll nichtmehr gekauft werden. Die Geschäften erklärten sich bereit, im Rahmen ihrer ZwangSlenfchaft eine besondere Kommission zu bilden, deren lbe darin bestehen soll, auf ihre Mitglieder bezüglich Preisbestimmung und des Preisabbaues einzui. Die Kommission würde sich aus der Mitte der senschast gewählter Kvntrol lo rgane bedienen, eventuell als Aufsichtsorgane der Preisprüfungsstelle Vorsitzenden derselben bestellt werden und Ihre, Pflichten des Statt anzugeloben haben. Die gegebenen Anregunverden den zuständigen Staatsämtern zur Kenntnis ht. Gin Gasthaus gesperrt, gen Uebertretung der Grnährungsvorschriften. DaS Kricgswucheramt der Polizeidirektion hat die rung der Gastwirtschaft „zum Bratwurstglöckl" des Parzer, Landstraße Hauptstraße Nr. 1a, webest erholter Uebertremngen der ErnährungsvSrschristen bis 2. März 1919 verfügt. In der genannten Gastwirtschaft, welche als Sitz einer förmlichen Schleichhandelsbörse bekannt ist, wurden festLestelltermaßen an fleischlosen Tagen stets verschiedene Sorten Fleisch verabreicht. Ferner war in diesem Gasthaufe jederzeit Weißgeback, welches aus Edelmehl erzeugt und mit Marmelade gefüllt war, zum Preise von 3 K. per Stück erhältlich.Dieses Gebäck, welches in der Gastwirtschaft selbst erzeugt worden war, wurde an die Gäste verabreicht, ohne daß hierfür die entsprechenden Mehlkartenabschnitte eingefordect worden wären. Das Edelmehl wurde von dem Wirte auf der bei ihm etablierten Schleichhandelsbör'e gekauft, welche in der günstigen Nachbarschaft mit der Endstation der elektrischen Bahn Wien—Preßburg ihre nähere Erklärung findet. Ferner wurde festgestellt, daß die Aushängung eines Speisentarifes unterlassen worden war. Der verantwortliche Geschäftsführer wurde bereits im Vorjahre dreizehnmal wegen Uebertretung der Ernährungs- ^-"-schriften zur Anzeige gebracht und hat trotz der zahlhen Beanstandungen die Ernährungsvorschristen svrt- :tzt außer acht gelassen. Eine jiddische Bühne. Im Withechapler jiddischen Theater in London >e ich es erlebt, daß ein englisches Parlamentsglied, das die Sprache der Schauspieler nicht stand, von ihrem Spiel und ihrer glühenden Hinte zu tiefster Bewegung hingerissen wurde. Das wäre j, hätte er derBorstellungeinerWienerjiddischenBühne gewohnt, sicher nicht passiert. Das niedrige Niveau serBühney, die für das Bedürfnis eines nachtmahlenden tblikums zugeschnitten sind, vermögen infolge eines eren Widerspruches da ein Lachen abzulocken, wo die tragischen Gefühle appelliert wird und die heiteren »llen erwecken unabwendbar eiue groteske Melan- Iie. Aus dieser Erkenntnis heraus mögen einige enschen. denen eine gute jiddische Bühne Herzen liegt, an die Aufgabe herangetreten r. eine solche zu schaffen. Der Dichter Jakob 'e st e l wird als Initiator genannt und in den Prokten die Emeuerung der jiddischen Bühne, die uns Klassiker und Modemen des jiddischen Theaters ngen soll, angekündigt. Qß diese Versprechungen in süllung gehen werden. dKüber läßt sich nichts protzeien. Aber als ein Symptom der Gesundung und iederaufrichtung des arg karikierten jiddischen eaters mag das Beginnen dieser Gründer begrüßt > gesördert werden. fine Krise im Staatsamt für Heerwesen? Aus parlamentarischen Kreisen wird uns Über den trigen Vorfall mitgeteilt: Die Hifsung der roten hne auf dein Slaatsamt für Heerwe'en erfolgte auf «rtlangen des Arbeite- und Soldatenrates. Staatssekretär Meyer erhob dagegen Einspruch, da es sich um ein staatliches Gebäude aller Staatsbürger handle und dkser Vorgang zur berechtigten Kritik jener Staatsbürger Anlaß gäbe, die nicht die gleiche Gesinnung hegen. Dieser Meinung schloß sich auch Unterstaatssekretär Dr. Deutsch an. Es wurde der Befehl erteilt* die rote Fahne sofort hecabzunehmen. Dieser Wiener Morgenzeitung 19. Februar 1919“ Nr.'M - - - ■— ----- —- —■— ■ - — - - ■ - *,v-w Befehl wurde jedoch nicht ausgeführt. Eine Untersuchung ist ein geleitet worden. Die Meldung, daß die Volkswehr die Forderung ausgestellt habe, der Staatssekretär solle von seinem Posten zurücktreten, damit der Unterstaatssekretär Dr. Deutsch an seine Stelle komme, entspricht nicht den Tatsachen. Die Wahrheit ist, daß sich Staatssekretär Meyer auf seinem Posten nicht mehr wohl' fühlt, da untergeordnete Organe wiederholt Entscheidungen getroffen haben, die sich mit dem Standpunkt des Staatssekretärs nicht decken, wofür er jedoch die Verantwortung zu tragen habe. Dieser Zustand läßt sich nicht mehr länger aufrechterhalten, weshalb hierin eine baldige Klärung wird eintreten müssen. * Jüdische Hasardspieler. Sn der letzten Zeit mehren sich wieder die Prozesse gegen Hasardspieler., Leider ist ein sehr großer. Prozentsatz der Spieler jüdisch. Jeder Jude, der sein Volk liebt und sich selbst achtet, hat die heilige Pflicht, dieser bösen Krankheit mit aller Kraft entgegenzuwirlen. Die Spielwut untergräbt die Charaktere, vernichtet die Nerven und macht ihre Opfer allen edlen Regungen unzugänglich. Gerade jetzt, wo wir. mit aller Kraft an unserer geistigen, körperlichen und Wirt-' schaftlichen Ertüchtigung arbeiten müssen, ist der Spielwut innerhalb des Judentums' von den verantwortungsvollen jüdischen Männern und Frauen mit größter Schärfe entgegenzutreten. Uebrigens wirdaus Unwissenheit oder blindem Haß in dieser Hinsicht viel gegen die Ostjuden gesündigt. Die große Masse der Flüchtlinge, denen ihre Gläubigkeit jeden Kaffeehausbesuch verbietet, deren Leben sich durchaus innerhalb des engsten Familienkreises abspielt, fint> weder Berufskettenhändler, noch Berufsspieler, noch Hasardeure. Was man in Kaffeehäusern am Spieltisch oder bet der Winkelbörse antrifst, das sind Ke Entgleisten, der Abschaum. Und die östlichen und westk-rrn Spieler, die, auf großem Fuß leben, die Nächte in den '--l^ns von „Künstlerinnen" zubringen und Lei opulenten Dte'iijliten und Schaumwein mit - den Kassenscheinen herumwerM, smd meistens rasch hinaufgekommen«, dunkle Existenzen, die uns ebensowenig Ehre machen, wie die sptelwütigen Frauen der jüdischen Bourgeoisie. Jeder wirke in feinem Kreis gegen diese Schande. Kor allem: Verkehrt nicht mit Spielern! Sozialdemokratische Stadtverwaltung. Eine der nächsten Folgen der Wahlen wird di« Uebergabe der Stadtverwaltung aus den Händen der Christlichsozialen an die Sozialdemokraten sein. Bereits wird für diese Wahlen agitiert, die nach einer neuen Wahlordnung, ähnlich jener der Wahlen in die Nationalversammlung stattfinden werden. Es verlautet, daß Bizebürgermeister R e u m a n n für das Amt des Bürgermeisters, Nationalrat Dr. Max Winter für das Amt des Vizebürgermeisters ausersehen ist. Die Geschäftsbelenchtung. Die Polizeidireklion ist ermächtigt, für M^cke der Inventurausnahme und Bilanzierung eine Verlängerung der B e l e u ch t u n g s z e i t in den Comptoiren bis um eine Stunde täglich auf die Dauer von vierTvochenzu bewilligen. Einschlägige schriftliche Ansuchen sind, mit Zweikronenstempel versehen, bei der Polizeidirektion unter detaillierter Anführung der angestrebten Erleichterungen (Anzahl der benötigten Räume, Anzahl und Art der benötigten Beleuchtungskörper und schließlich Anführung der Tage und Stunden, an welchen die Arbeiten vorgenommen werden sollen) einzubringen. Arbeitslosengesetze. Die gestrige „Wiener Zeitung* bringt zwei getrennte Voll» zugsanweisungen des Staatsamtes für soziale Fürsorge, die die Unterstützungsberechtigung und Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung an arbeitslose Angestellte und Arbeiter regelt. Als eine Neuerung ist die Unterstützungsberechtigung bei Fremdzuständigen (8 13) anzusehen, welche die Flüssigmachung der Unterstützung nur nach Maßgabe der mit den betreffenden Hennatsftaaten getroffenen Vereinbarungen Vorsicht. Eine jüdische Larrdwirtschaftsschnle für jüdische Frauen und Mädchen. In allen Kulturstaateu Europas gibt eS Schulen der oben angegebenen Art, zum Beispiel in England, Frankreich, Holland, Deutschland« nur Deutschösterreich besitzt eine einzige Lehranstalt, die auf dieser Basis aufgebaut ist. Auch Afrika und Australien haben den hohen Wert solcher Schulen erkannt und besitzen sie, nur wir jüdischen Frauen entbehren solcher. Es ist daher Pflicht, durch Gründung einer HauS- und Landwirtfchaftsschüle auch den jüdischen Mädchen Gelegenheit zu geben, sich ln diesem Fach auszubilden, in dem sie aller BoranSsicht nach Höheres zu leisten imstande sein werden als in den meisten Berufen, die ihnen bisher zur Verfügung stehen. Die Schule soll unseren Frauen und Mädchen Gelegenheit geben, sich auf einem Gebiet zu betätigen, das ihrer ganzen Konstitution und Veranlagung nach für sie das geeignetste ist und ihnen die größten Entwicklungsmöglichreiten bietet. ES bietet sich Gelegenheit, in dem Haus Wien, 13. Bez., Auhofstraße 222, diesen Vorschlag zur Ausführung zu bringen; außer dem eingerichteten Haus haben wir den Garten, einen Stall für Kleinviehzucht, und durch das Landwirtschaftsamt ein Feld für Ackerbau zur Verfügung. In einer kombinierten Wirtschafts- und Haushaltungsschule soll den Frauen vom 16. Lebensjahr an Gelegenheit gegeben werben, neben theoretischen quch gründliche praktische Kenntnisse zu ertyerben, die sie befähigen sollen, einen Haushalt auf landwirtschaftlicher Grundlage bürgerlicher und bäuerlicher Art zu führen. Die Schule soll einen systematischen und geschlossenen Unterricht theoretischer und praktischer Art mit einem praktischen Musterbetrieb bieten. Den Schülerinnen soll die Möglichkeit geboten werden, .sich eine tüchtige Praxis im Haus-, und Landwirtschäfisbetrieb zu erwerben. Die volle Ausbildung erstreckt sich auf ein Jahr. Das Schulgeld beträgt pro Monat 600 Kronen für Ausbildung und volle Verpflegung (20 Schülerinnen). Externe Schülerinnen zahlen für Halbtagsunterricht 100 Kronen pro Monat. * Herabsetzung des Zinsfußes im Dorotheum. Im Verwahrungsamte des Dorotheums werden die bereits bestandenen Einlagen sowie Nachlagen und Neueinlagen vom 20. Februar 1919 an bis auf weiteres mit 3>/- Prozent, solche gegen dreimonatliche Kündigung mit 38/4 Prozent, solche gegen sechsmonatliche Kündigung mit 4 Prozent, und solche gegen sechs Monate fix mit 3% Prozent verzinst. Nachlagen und Neueinlagen, deren Höhe 10.000 Kronen überschreitet, unter« 'liegest hinsichtlich der Verzinsung besonderer Vereinbarung. »Die Wohnungsnot. Das Wohnungsamt bei Stadt Wien teilt nut: Am 31. Jänner waren 288 unmöblierte Wohnungen darunter 258 leerstehende (0*047 Prozent des gesamten Wohmmgsbestandcs), als vermietbar gemeldet Gegen den Stand im Monate Dezember 1918 ist ein neuerlichei Rückgang zu verzeichnen. Von den ausgewiesenen leerstehender» Wohnungen entfallen auf die Klemwohmmgcn 191 (0*047 Prozent aller Kleinwohnungen), guf die kleineren Mittelwohmmgen 81 (0*059 Prozent aller kleineren Mittelwohmmgen), aus die größeren Mittelwohmmgen 13 (0*018 Prozent aller größeren Mittelwohnnngen) und auf die großen Wohnungen 23 (0*085 Prozent aller großen Wohnungen). Die Zahl der vermietbaren möblierten Wohnungen, beziehungsweise Zimmer und Kabinette betrug Ende Jänntr -143: Die' vermietbar' angeze.gten Geschästslokale 2603 (2538 leerstehende) haben gegenüber dem Vormonate 2963 (2847 leerstehende) einen weiteren Abgang zu verzeichnen. Die Besucherzahl des Wohnungsnachweises hat im Jänner 1918 mit 8269 eine neuerliche Steigerung gegenüber 6261 im Dezember 1918 erfahren. Durch die Organe des Wohnungsnachweises wurden im abgelaufenen Monat 1580 Wohnungen und Geschäftslokale revidiert. * Zugseinstellungen «egen Kohlenmangels. Wegen imzureichender Kohlrnzuschübe wird mit dem Schnellzug Nr. 207 ab Wien-Westbahnhof 6 Uhr 40 Min. abends. Jnnsbruck-Hauptbahnhof an 8 Uhr vormittags und mit dem Schnellzlm Nr. 208 ab Jnnsbmck-Hauptbahnhof 8 Uhr 15 Min. abends, Wien-Westbahnhof an 9 Uhr 40Min. vormittags einmal wöchentltch hergestellie Schnellzugsverbindung, und zwar m der Nichttmg von Wien-Wcstbahnhos nach Innsbruck ab Freitag den 21. d. Alt. und in der Gegenrichtung von Innsbruck nach Wien-Westbahnhof ab. Montag den 24. d. M. bis auf weiteres aufgclaffen. Das Fahrgeld für m: Vorverkauf gelösten Fahrkarten wird im Verkrhrsbureau, Wien, l.. Stock-im-'Eisenplatz bezw. die für den Schlafwagen gelösten Karten bei der „Mitropa", Wien, I., Känunerrina rllckerstattet. Im Wiener Nahverkehr unterbleiben auch weiterhin bis aus weiteres folgende Züge: A.) Auf der Franz Josef-Bahn : Der von Wien F. J.-B um 2 Uhr 4 0 Min. nachmittags nach Tulln abgehende und in der Gegenrichtung der von Tulln um 7 Uhr 20 Min. abends in Wien F. J.-B. eintreffende Personenzug. B) Auf der Vorortelinie: Die von Heiligenstadt um 5 Uhr früh, 6 Uhr 55 Min. und 8 Uhr 12 Min. vormittags, 12 Uhr 1b Min, 3 Uyr 2b Min. und 5 Uhr 15 Min. nachmittags nach Hüttel* darf abgehenden uub in der Gegenrichtung die von Hütteldors-- Hacking um 6 Uhr 1 Min» 7 Uhr 3 Min., 9 Uhr 15 Min. vormittags, 12 Uhr 38 Min, 3 Uhr 28 Min. und 6 Uhr 84 Msn. nachmittags nach Heiligenstadt abgehenden Personenzüge. Vortrage und Versammlungen. Sozial! st ischeBereinigung jüdischer H 0 chschüler. Heute findet im Ring-Cafä Stubenring 18, um 6 Uhr abends em Diskussionsabend über das Thema: „Die Eigenheiten des jüdischen Wirtschaftslebens", statt. Referent r Dr. Bienenzucht. Gäste willkommen. Die Ernährung. Wirkungen der fleischlosen Woche. Im Schleichhandel notierten heute: Gulaschkonserven..22.— bis 25.—' Ein Laib Brot . . . . . . . . 12.— , 16.— Dürre Wurst (in Stangen) per Kg. 143.— „ 146.-** Reis. . . » 26.— * —* Rullermehl «•«•««. „ # 24.— 11 •ri11- Fleisch . . . , * - » » 44.— * 64.—4 Außerdem sind durch den Fleischmangel im offenen und Schleichhandel Preiserhöhungen in vielen Gegenständen zu erwarten. So wird zunächst der Fischmarkt von den Fischwucherern als wunderschöne Konjunktur betrachte^ die sie nach Möglichkeit auszunützen versuchen werden. Das Staatsamt für Ernährung ist augenscheinlich wehrlos. Das im Rucksackverkehr hereingebrachte Fleisch, das in der Vorwoche der reellen Schleichhändlem um K 30 per Kilogramm zu haben war, machte einen Preissprung um K 14 in die Höhe und will noch weiter steigen. Wurst ist im Aussterben. Besonderer Nachfrage erfreuen sich seitens jener Kreise, bei denen Preis Nebensache ist, ungarische Fleischkonserven. Wahre Massenzüge pilgern zu den (Gelegenheits- Fischern an der Donau und erstehen um teures Geld gestohlene und minderwertige Fische. Die Märkte aus und vor den Bahnhöfen sind lebhaft besucht. Besonders begehrt ist »Rucksack"-Fleisch und Landbrot. Der Marktbericht. 10.000 Kilogramm Weißkraut, die m später Vormittagsstunde am N a l ch m a r k t einlangten, waren Gcgenstan stürmischer Nachfrage, genügten aber selbstverständlich ebenso - wenig wie die 6800 Kilogramm Kohl um auch nur einem Bruchteil der Kaustustigen zu genügen. Nur die Rübensortea Ötrn der Nachfrage und waren überreichlich vorhanden. ren aus Böbmm und Ungarn fehlten, da außer Rübe« nichts aus diesen Ländern hereinkommt und M auck der Nübenbestand dort aufgezehrt ist. Die F l e i s ch a v t e i l u n g der Großmarkthaue war spärlich besucht. Dies war um so verwunderlicher, als doch gestern der letzte Flcischbezugstag war und am Donnerstag schon die fleischlose Woche beginnt. Die marktamtliche Behauptung, daß mehr als die Hälfte der Bezugsberechtigten sich schon in ver Vorwoche mit Fleisch versorgte, ist angesichts der Beuchte über den Flcischjammer in der Vorwoche höchst merkwürdig. Im übrigen war auch gestern das Angebot sehr spärlich und genügte nicht dem Znspruche. 200 Kilogramm Nmdfleisch und 560 Kilogramm Schäffleisch sollen angeblich die Nachfrage befriedigt haben. Ängcslchts deS belebten Verkrhrcs auf dem Fischmarkte, wo das GroS der Käufer Ersatz sucht» ist auch diese BchaupMng unglaubwürdig. A m H 0 f beginnt heute die KartoffclaizKgabe. Gestern war die Riarktbeschickung nicht bester als an den Vortagen. Einige Händler brachten etwas Wurzelgemüse auf den Markt, doch war die Menge viel zu wenig, um der Nachfrage standznhalten. Auch daS Bild auf den übrigen Märkten blieb im gewohnten Nahmen. Znschübe blieben atls, so daß auch der heutige Tag den Markten keine Verander-ung bringen wird. Der Kampf gegen die Verabreichung von Weißgebäck in den Kaffeehäusern. Schon seit einigen Tagen treten die Behörden und das Krieaswucheramt gegen die Erzeugung und Verabreichung von Gebäck aus Edelmehl energisch auf. Die Wiener Kasfcefiedergenossenschast erklärt dem gegenüber, daß sie nunmehr vor der gäuzüchen Lpecr? iyrer Geschäjte mcht zurückschcum würde.