Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 31 (18.2.1919)
- Date
- 1919-02-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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| Seite < Men, Dienstag Wiener Morgenzeitung 18. Februar 1919' ÄL S t Nr. 2020 (ab Leobcrsdorf 4 Uhr 68 Min. nocfmittöflS) direkten Anschluß nach Hamfeld, benrbunflswnse Gutenftein an den von Mm-Südbahn um 3 Uhr 95 Min. nachmittags abgehendm Peo- Zonenzug. , * Zionistischer Sieg in einer Kultusqemeknde. Aus Dtockerau wird uns geschrieben: Am 9. d. M. fand -hier die Wahl des Ausschusses für die Kultusgemernde statt. Dank der eifrigen Arbeit gelang es, unsere ganze zionistische Liste mit Herrn Dubsky an der Spitze zum Sieg zu führen. Der neue. Ausschuß, der sich bereits konstituiert hat, beschloß vor allem eine Aenderung der Statuten, den demokratischen Forderungen der Zeit entsprechend, durckzuführen und den Religionsunterricht national zu gestalten. Die Gegenpartei hat Rekurse überreicht, welche der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg vorgelegt wurden. Vorträge und Versammlungen. T Allg. Jüd. Arbeiterverein (Poale-ZioiO. Wim, U., Stefaniestraße 2, Tür 34. Mittwoch den 19. d. M. um V*7 Uhr abends findet im Bereinslokale eine wichtige Parteiversammlung statt. — : Mitglieder der Ortanisation „Zirej - Zion" werden gebeten, zur zwanglosen Besprechung, welche SamStag den 22. Februar um 5 Uhr abends im Cafe JÜgernhof, IX., Porzellangasse 22, stattfindet, zu erscheinen. — Die Advokaten und Advokaturskandidaten aus Galizien wollen sich Mittwoch den.19. d. M. behufs Besprechung einer wichtigen Angelegenheit um 2 Uhr nachmittags m Cast Palast, Vlll., Alserstraße, einfinden. . Die Ernährung. Fleischlose Tage in Ungarn. m der Woche: Die Besorgung der Verbraucher mit Fleisch wird von Tag zu Tag schwieriger. Vom Süden her wird die Einfuhr von Schweinen und Fett gesperrt. Vom Osten und Norden darf kein Lebendvieh eingeführt werden. Ich konnte sagen, wir stehen unter einem wirtschaftlichen Boykott. Währmd rS in den besetzten Gebieten keine Bedürftigen gibt, stößt bei uns die Versorgung mit den notwendigsten Lebensmittel auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Unter dem zwingenden Einfluß dieser Schwierigkeiten haben wir fleischlose Tage angeordnet. Andererseits müssen wir für den Schutz unseres Viehbestandes sorgen. Der von den Besetzungstruppen durchgeführte wirtschaftliche Boykott liegt im Interesse keiner Partei und kann auch mit dm Bestimmungen des Waffenstillstandsvertrages nicht begrimdet werden. Der Marktbericht. Der Nasüimarkt fristete sich auch gestern mit dm Rubensorten und Resten der Grünwaren aus den Vortagen. Die lebhafte Nachfrage konnte nicht befriedigt werden. In der Großmarkthalle waren bloß 760 Kilogramm Weichwiirfte vorhanden. Bahnzufuhren gab es nicht, so daß auch heute Rindfleisch knapp angcboten wird. Der Fischmarkt war säst ganz leer. In der Seefischabteilung wurden kleinere Mengen geräuchertes Seefischflnsch, Gemüsesulz und getrocknete Stockfische vei-kauft. Die V i k t u a l i e n h a l l e bot ein Bild traurigster Montagsöde. Auch die übrigen Bezirks- und Nebenmärkte suchten mit Resten >aus dm Vortagen dm Andrang der Käufer etwas zu verringern. Kein Fleisch. Donnerstag beginnt die fleischlose Woche l « Nachrichten aus dem Staatsamte für Volksernährung zufolge beginnt Donnerstag die fleischlose Woche und dauert sieben Tage. Die Wirkung dieser Nachricht war schon gestern, wie aus Wirtekreisen verlautet, beim Einkauf von Wild und Fleischkonserven empfindlich im Preise fühlbar. Auch fallen die Fischmärkte leer aus. An Stelle des ausfallmdm Fleisches wird pro Person und Kopf 7, Kilogramm Haferreis in den städttschm Mchlabgabestcllen, beziehungsweise ber dm Kottlumanstalten verabfolgt. Die Abgabetage werden noch rrchtzeittg bekanntgegeben werden. Die Amrayonierung der Lebensmittelkarten Die jetzt zur Ausgabe gelangten Lebensmittel- und Kohlenkartm können von der bisherigen Abgabestelle ab- und bei einer neuen Abgabeftelle angemeldet werden. Vor der Abmeldung ist die Brotkonimisfion zu benachrichtigen. Das Ernährungsfimt empfiehlt, nur bet besonders zwingenden Gründen die Umrayonierung vorzunehmen. Butterabgabe. In der Zeit vom 17. bis 23. d. M. gelangen bei den städtischm Butterabgabestellen sowie bei dm Konsumenlmorgamsationm 40 Gramm Butter pro Kopf zur Ausgabe.! Kartoffelabgabe. Mittwoch, Donnerstag und Freitag werden im l. Bezirk Kartoffeln, und zwar '/. Kilogramm pro -Kopf gegen Abtrennung des Abschnittes A der neuen Kartoffeltarte abgegeben. . Letzte Nachrichten. Wahlen. Kornenbnrg, 17. Februar. (11. Wahlkreis.) Die stei der Wahl zur Nationalversammlung abgegebenen Stimmen verteilen sich folgendermaßen: Sozialdemokraten 34.972, Nationalsozialisten 1037» Bauernbund 73.171, Tschechen 453, Treipl-Partei 712, Christlichsoziale Bürger- und Arbeiter-Partei 11.937, Unabhängige Christlich-republikanische Partei 21, Deutschnationale Partei 27.469 Stimmen. Gewählt sind: 2 Sozialdemokraten, 1 Deutschnationaler und 5 Bauernbündler. Dieses Endresultat wird durch die noch nicht eingelangten Ziffern aus einzelnen Gemeinden nicht mehr beeinträchtigt werden. Konferenzen in der Währungsfrage. Gestern fand in der Staatskanzlei unter Vorsitz des Staatskanzlers Dr. Renner eine Konferenz statt, an welcher der ungarische Finanzminister Dr. Paul Szende und der Staatssekretär für Finanzen Dr. Steinwender und der Staatssekretär des Aeußern Dr. Otto Bauer teilnahmen. Es wurde die prinzipielle Frage über das Vorgehen in Währungsmaßnahmen gegenüber der tschecho-slowakischen Republik erörtert. Die deutschösterreichische und die ungarische Regierung beabsichtigen, sich keinesfalls den neutralen und feindlichen Staaten gegenüber ihren Verpflichtungen zu!& Die Londoner zionistische Konferenz. Kopenhagen, 17. Februar. (Telegramm der „Wr. Morgenztg.") Die Delegierten aus Palästina zur Londoner Konferenz, die Herren Berlin, D i z e n g o f f, E i s e n b e r g und David 3 e l l i n sind in Paris eingetroffen und nach kurzem Aufenthalt von dort nach London weitergereist. An der Londoner Konferenz werden auch die Herren Nehemie de Lieme (Haag) als Vertreter des Nationalfonds und S. Käst l a n s k i als Vertreter der jüdisch-sozialistischen Föderation Poale-Zion teilnehmen. Ungarn für den Zionismus. Budapest, 17. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die ungarische Volksregierung bat folgendes Dekret an die ungarische Zionistenpartei gerichtet: Die ungagarische Regierung steht der zionistischen Bewegung, die für die Juden ein nationales Heim in Palästina errichten will, mit S y m p a t h i e gegenüber und findet den Wunsch berechtigt, datz die jüdische Frage nach den Forderungen dex Gerechtigkeit und der Kultur gelöst werde. Die «nga-. rische Volksregierung steht auf dem Standpunkte der S e l b ft b e st i m m u n g der Völker und will die ungarischen Juden, die in ungarischer Verwaltung leben, als Volksgenossen betrachten. Das Vermögen der Dynastie in Ungarn gesperrt. Budapest, 17. Februar. (Ungari'ches Delegraphen- Körrespondenz-Burcau.) Ein hiesiges Blatt brach'.e die Meldung, daß dis Einkünfte aus den ungarländi.chen Gütern der Habsburger Familie nach Wien geschafft werden und daß am 1. Februar 100,000 Kronen ungarisches Geld für die Mi.glie . ec,der Habsburger Fami ie nach Wien gebracht worden se^en. Von zuständiger Stelle wird demgegenüber festgeste lt, daß die früheren Privat-, Familien-, Stiftungs-, Hofärar und Krongüler von dem Budapester Sequest a ionsgericht am 14. Dezember 1918 unter gerichtliche Vermögensffperre gestellt worden sind. Es entspricht nicht der Wahrheit, daß seit Anordnung der Vermögenssperre Vermögensbestandteile oder Einkünfte nach Wien oder irgendwohin nach dem Auslände gebracht wurden.- .Die unter Vecmögenss, erre stehenden Einkünfte befinden sich unter der Aussicht des unabhängigen ungarischen Gerich.es frei von jedem Einfluß der früheren Jntere.ien.en. Schließ.ich sei noch bemerkt, daß von der für die Neubauten der Budapester Hofburg dem früheren Hofe vorgeschossenen Summe von 29,454.621 Kronen der bis Ende 1918 fällige Teil, das ist 14,595.944 Kronen, unter den festgestellten Modalitäten vorschriftsmäßig getilgt ist, so daß das S.aatsärar keinen Schaden erlitten hat. Deutsch-tschechischer Ausgleich- Prag, 17. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das offiziöse „Abendblatt" bringt an auffallender Stelle einen Aufruf zur Versöhnung *d er Deutschböhmen, in welchem . die Regierung zugibt, daß von beiden Setten Fehler begangen wurden. Es wird vorgeschlagen, daß die Republik ihren Namen in „Tsch echo-slowakisch. Deuts che Republik" abändert. Hauffe auf der Prager Börse. Prag» 17. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Meldung von der angeblich beabsichtigten Sperrung der Wiener Börse für Nichtangehörige des deutschösterreichischen Staates rief hier eine wilde Hausse hervor, welche in der gegenwärtigen Ratlosigkeit vielleicht eine dürftige Entschuldigung findet. Es wurde ziel- und planlos zu jedem Preise gekauft. Einige Papiere wie Alpine und A n g l o wurden weit über ihren Wiener Kursstand bezahlt. So gingen Alpine mit einer Kurssteigerung von 35 K und Anglo mit einer solchen von 15 K aus dem Verkehr hervor. L a u r i n haussierten um 40, Jnw ald um 34, Bro sch e um 26 L. Renten wurden mit Avancen von 2°/0 bedacht. Lord Northeliffe erkrankt. N München, 17. Februar. (Tel.der „Wr.Morgenzeitung.") Die „Münchner Neuesten Nachrichten" melden: Lord Northeliffe hat einen Nervenchok erlitten. Er wellt zur Erholung an der Riviera. Ein tschechisches Schiffahrtministerium. v. Budapest» 17. Frbruar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") „Magyar Hirlap" erfährt aus Prag, daß die Tschechen in Prag em Schlffahctministerium und damit tm Zusammenhang eine Matroscnabtellung errichten wollen, deren Stand sich auf 4000 Mann beläuft, welche in den besetzten Gebieten verwendet werden sollen. Die Tschechen wollen auch weiterhin Preß bürg alsZentr alpunkt der tschechischen Do «auch i ff ah rt s Jm besitze» und zu einem «wdecnen Hasen aus- Keine englischen Werbungen in Ungarn. Budaprst, 17. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In den Blättern war die Nachricht erschienen» daß für die britische Armee ungarische Offiziere angeworben würden und daß die ungarischen Offiziere täglich zu Hunderten bei der hier weilenden englischen Kommission um ihre Aufnahme in die englische Armee ersuchen. Die englische Kommission hat das Kriegsministerium davon verständigt, daß von einer Anwerbung für die englische Armee keineRede sei. Die diesbezüglichen Gerüchte sind daher grundlos. Gegen die Preistreiber in Ungarn. Budapest» 17. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") Minister Alexander N a g y hat die Behörden angewiesen, daß rechtskräftige Urteile gegen Preistreiber unverzüglich vollstreckt werden sollen, da sonst die erlassenen Verfügungen ihren Zweck nicht erfüllen. 25 Milliarden Franks Kriegsschäden in Pole«. Warschau, 16. Februar. Ein Radiotelegramm an das polnische Nationalkomitee in Paris besagt: Der G e s a m t s ch a d e n, den der polnische Staat und die polnischen Bürger direkt und indirekt durch den Krieg erlitten haben, kann auf ungefähr 25 Milliarden Franks taxiert werden. Am 20. Februar werden nähere Einzelheiten über diese Summe bekanntgegeben werden. Gleichzeitig wird ein Delegierter mit Veweismaterial abreisen. Der Präsident des Liquidationsministeriums: Wladislaw G r a b s k t ^Ebert kommt nicht nach Wien. Berlin, 17. Febmar. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" aus Weimar berichtet, entspricht die Meldung, daß Präsident Ebert beabsichtige, den Hauptstädten der einzelnen Bundesstaaten sowie verschiedenen ausländischen Hauptstädten, in erster Linie Wien, offizielle Besuche zu machen, nicht den Tatsachen. Kritische Zustände in Bayern. München, 17. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die augenblickliche Lage ist in hohem Maße kritisch. Ministerpräsident Eisner gerät immer mehr in Abhängigkeit von den Bolschewiken. Das Zerwürfnis zwischen den Mehrheitssozialisten und den Unabhängigen hat sich zugespitzt. Die Arbeiter- und Soldatenräte haben sich in Permanenz erklärt. Die Sorge und Aufregung der Münchner Bevölkerung: ist außerordentlich groß. Die Spartakisten in Esten N Essen, 17. Februar. (Telegramm der „Wr. Morgenztg.") Der Verband der G r u b e n b e a m t e n hat an die Reichsregierung und an die Nationalversammlung ein Telegramm gerichtet, in welchem er unter Bezugnahme auf die E r m o r d u n g seines Vorsitzenden um Schutzmaßnahmen gegen die Willkürherrschaft der Spartakisten im Ruhrrevier ersucht. Der Streik in Esten. n. Esten, 17. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Bergarbeiterstreik hat sich heute auf das Dortmunder Revier ausgebreitet. 35 Schächte feiern. In großen Versammlungen der Spartakisten und der ausständigen ArbeiterinHomborn wurde der Kampf gegen die Regierung Ebert-Scheidemann sowie die Durchführung der sofortigen Sozialisieruns der Bergbau- und Hüttenanlagen beschlossen. Unruhen in Nürnberg. n Nürnberg» 17. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Hier sind sämtliche Sttatzen mit Maschinengewehren besetzt. Für morgen ist eine große Demonstration der Mehrheitssozialisten in Aussicht genommen. Eine Abordnung des Münchener Arbeiterrates hat sich nach Nürnberg begeben. Keine russische Invasion in Deutschland. St. Petersburg, 16. Februar. Ein Funkspruch „An alle" besagt: Es ist der russischen Sowietregierung wohlbekannt, daß in Deutschland die gänzlich falsche Vorstellung verbreitet wird, als ob das deutsche Volk von einer russischen Invasion bedroht wäre. Die russische Sowietregierung muß ihr Befremden darüber aussprechen, daß die deutsche Regierung nicht nur nichts tut, um derartigen verleumderischen Gerüchten entgegenzu treten, sondern sie sogar durch Funksprüche amtlicher Radiostationen unterstützt. Die russische Sowietregierung erklärt den deutschen Volksmassen feierlich, daß sie keine Invasion und überhaupt keinen Angriff gegen Deutschland auch im 'entferntesten im Sinn hat, und sie rechnet darauf, daß die deutsche Regierung diese Erklärung vor dem deutschen Volk nicht geheimhalten wird. Für die serbischen Agrarier. Belgrad, 17. Februar. (Südslawisches Preßbureau.) Das Ackerbauministerium hat drei Millionen Kronen bewilligt, um armen Ackerbautreibenden Ländereien, Maschinen, Düngemittel, usw. zu beschaffen. ' Der südslawische Staatsrat. Laibach, 17. Februar. (Laib Korr.-Bur.) Wie „Vecerni Listi" von kompetenter Stelle erfahren haben will, wird der Staatsrat nicht vor dem 16. März ^eiuberufen werden.