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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-18 · Heft 31 (18.2.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 31 (18.2.1919)
Date
1919-02-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. st Wien, Dienstag Fragt, ob der Ausdruck gewählt worden sei, weil man hoffe, in kurzer Frist zu einem Prüüminarfrieden zu kommen, antwortete Fach: »Ich denke, ick vermute«s. Wie ich Ihnen mitteilen kann, wird in diesen Tagen inParrs über diese Frage eines BorfriedenH verhandelt werden. Ich habe Marschall Foch eine Note mit unseren deutschen Vorschlägen, die sich insbesondere auf die sofortige Freigabe der d e u t s ch e n K r, e g s g e f a-w<e n e n beziehen, überreicht. General Foch erllärte, daß Frankreich bereit sei, 8000 tarnt« und schwerverletzte Kriegsgefangene alsbald in bic Hemmt zu entlassen. (Unruh e.) Auch England würde 2000 nachsenden. Darauf erwiderte ich, daß diese Antwort in Deutschland mit tiefster Trauer und begründeter Entrüstung ausgenommen werden würde. (Allsettige Zustimmung.) Wenn von 80O.00O Gefangener 'ganze 4000 zurnckgegeben werden, so könne das als eine wohlwollende Behandlung der deutschen Forderungen nicht angesehen werden. (Erneute ZustiniMiing.) Präsident Fehrenbach erllärte, daß das deutsche Volk von schmerzlicher Sorge über dieses Waffenstillstandsabkommen und seine Folgen erfüllt sei. Ec schlägt vor, am Dienstag die Interpellation der deutschen Voltspartei über die Waffenstillstands- Verhandlungen zu erledigen und sie mit einer allgemeinen Aussprache über das neue Abkommen zu verbinden. Die Fortsetzung der Aussprache vom Samstag soll am Mittwoch erfolgen. Das Haus erklärt sich auch damit einverstanden. Der monarchistische „Bund der Landwirte". Berlin, 17. Februar. (Tel.-Komp.) Der »Bund der Landwirte* hielt heute feine diesjährige Generalversammlung ab. Nach Erstattung des Geschäftsberichtes würde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es unter anderem heißt: Der »Bund der Landwirte" hält die Revolution für ein Unheil und erblickt nach wie vor in der Monarchie die für Deutschland geeignetste Staatssorm. Er wird aber an dem Wiederaufbau des Deutschen Reiches, insbesondere seines Wirtschaftslebens, auch unter der jetzigen und jeder verfassungsmäßigen Regierung mit Emst und Hingabe Mitarbeiten. Ausdehnung des tzandelsangestelltenstreiks. Berlin, 17. Februar. Die Streikbewegung der Auge* stellten in den Spezialgeschäften und Warenhäusern erstreckt« sich heute über ganz Gcoß-Berltn. D»e Geschäftshäuser sind geschloffen. Forderungen der bayrischen Arbeiter- und Soldatenräte. Berlin» 17. Februar. Die „B. Z. am Mittag" meldet aus München: Der Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte überreichte heute nachts dem Ministerium eine Zieche von Forderungen, die bis Montag abends angenommen sem müßten, andernfalls müßte Mckitärminister Roßhaupter zurücktreten. Ungarn. Antisemitische Exzesse in Hermannstadt. Brandstiftung. — Tote und Verwundete. — Ein rumänischer Offizier erstochen. ». Budapest, 17. Febmar. (Tel. der »Wr. Morgenztg.") »Magyar Hirlap" meldet, daß in Hermann st adt antisemitische Versammlungen stattfanden und insbesondere ein Bürgerschullehrer die Menge zur Judenverfolgung aufreizte. In einer dieser Versammlungen wurde der Redner durch einen Revolverschuß verletzt und ein Advokat g e t ö t e t. Die erschreckte Menge, welche aus dem Saale flüchtete, fand sich im Freien einer rumänischen Truppe gegenüber. Aus dem Versammlungssaale wurde Feueralarm gegeben. Die Menge glaubte» das die rumänischen Soldaten das Feuer gelegt hatten und warf sich auf diese, welche Wiener Morgenzeitung von der Waffe Gebrauch machten und mehrere Frauen und Männer verletzte. Als ein rumänischer Offizier von der Menge niedergestochen wurde, zündeten die Soldaten die umliegenden Häuser an, drangen in die Wohnungen ein und verübten Gewalttaten. Die Klausenburger Zeitung "»Ujszag", welche hierüber berichtete, wurde von dem rumänischen Kommandö eingestellt. Absturz eines Postflugzeuges. Budapests 17. Februar. »Dely Hirlap* meldet aus Debreezin: Das Postflugzeug „Frankenburg 67", welches Mittwoch die amtliche Post aus Budapest überbracht hatte, sollte gestem nachmittags die Rückfahrt antreten. Das Flugzeug stieß jedoch bald nach dem Start gegen einen Baumwipfel und stürzte ab. Der Pilot, Feldwebel Skopah blieb tot liegen, sein Begleiter» Artillerieoberleutnant Patz, erlitt schwere Verletzungen. v Jugoslawien. Die neue kroatische Landesregierung. Agram» 17. Febmar. Durch Erlaß des Belgrader Ministerrates wurde die kroatische Landesregierung neu gebildet. Die Sektionen wurden folgenderweise besetzt: Inneres und gleichzeitig Volkswirtschaft Dr. Srcnan Budisavljevic, Unterricht Dr. Milan R o j e, Justiz Dr. Alexander B a d a j, soziale Fürsorge Bilim B »k s o v i e g. Eine 200 Mitttonen-Anleihe. Agram, 17. Febmar. Das serbische Amtsblatt meldet, daß der Finanzminister zu einer provisorischenAn leihe von 200 Millionen Kronen zwecks Begebung von Kassenscheinen ermächtigt worden ist. Polen. Die Wahl des Reichstagsmarschalls. , Das Preßbureau der polnischen Gesandtschaft in W i e n meldet: Für das Amt des polnischen Reichslagsmarschalls werden zwei Kandidaten namhaft gemacht, und zwar der bekannte Politiker des gewesenen preußischen Anteiles Abg. Sevda und der Führer der galizischen Bolkspartn Abg. W i t o s. Nach der Zeitung »Nasza Gazeta" vom 14. d. Dt. stehen die Chancm für Seyda g ü n st i g e r als für WitoS. Die Parteiengruppierung im Reichstag. Das Preßbureau der polnischen Gesandtschaft in Wien teilt mit: Nach eingelaufenen Nachrichten aus Warschau haben sich im polnischen Reichstag folgende sechs größere Parteiblocks gebildet» und zwar: der unter der Leitung der Naüonaldemokratie stehende nationalvölkische Klub zählt 107 Mitglieder. Der Klub der polnischen Volkspartei, der auch die Stapinski- und Okongruppe umfaßt, hat 60 Mitglieder. Die Witosgruppe, der sich der Volksverband des gewesenen Königreichs anschloß, verfügt über 41 Mitglieder. Der Verband der polnischen Sozialisten zählt 32, der Nattonale Arbeiterverband 17 Abgeordnete, darunter zwei aus Posen. Die konservative Gruppe zählt 10, der Jüdische Verband S, die demokrattsche Gruppe aus Galizien ö, die deutsche Gruppe 2 Mitglieder. Die Ententekommission in Warschau. Paris, 17. Febmar. (Tel.-Komp.) Die für die Bereisung von Polen bestimmte Kommission der Alliierten ist am 12. Febmar in Warschau eingelroffen, wo sie von Paderewski, Pils u d s k i und den polnischen Behörden begrüßt wurde. 18. Februar ISIS „ Seite 8 Ur r1 .ni -:-3 -t n.,v, «j Ukraine. Keine Waffenstillstandsnerhandlungen mit den Polen. Der Gesandte der westukrainischen Volksrepublik, Herr Nikolaj v. Wassilko, ersucht uns um folgende Veröffentlichung: Von polnischer Seite wird verbreitet, daß der gewesene Leiter des westukrainischen Staatssekretanates, Dr. Kost. L e w i c k y j, in den letzten Tagen einen Waffenstillstandsvorschlag einem polnischen Politiker gemacht habe, wonach Lemberg und ein Teil des östlichen Gebietes um Lemberg durch Besetzung durch Ententetruppen . zur neutralen Zone würden, während die Gebiete östlich dieser Zone von einem Ukrainer unter Kontrolle der Polen und anderen eits die Gebiete westlich dieser Zone von einem Polen / unter Kontrolle der Ukrainer verwaltet, werden sollten. Dem < - gegenüber sei konstatiert, daß Dr. Kost. Lewickyj weder zu einem ' s«- solchen Waffensttllstandsanbot ermächtigt war, noch aber irgend-, jemand gegenüber ein soches Anbot gemacht hat. Ernennung des Budapester Gesandten. 0? Budapest» 17. Febmar. Der ukrainische Delegierte' Galagan aus Kiew wurde mit der Vertretung der Ukraine bei der ungarischen Volksrepublik betraut und der bisherige Vertreter der ostgalizischen Ukrainer, Hauptmann Biberowicz, als Legations-, rat ihm beigegeben. Der Kompensationsverkehr mit Rohöl. UL Stanislau, 17. Febmar. In der letzten Sitzung des ukrainischen Nationalversammlung wurde die Forderung erhoben, diePetroleumlndustrre einer nationale« Kontrolle Lu unterziehen. Es wurde beschloffen, eineu Ausschuß zu bilden, der insbesondere bei Abschluß der Kompensationsverträge mr Verkehr mit dem lschccho-slowakischen Staat und Ungam mitzuwirken hätte. Bei der Hergabe von Petroleum und anderm Erdölprodukten muffe die Gegenlieferung von Steinkohle, Nahrungsmitteln und Vohrmaterial erwirkt werdm. .Es wurde in der Debatte festgestellt, daß das Petroleum von der Verwaltung um & 1.50 an den Handel abgegeben wird. Portugal. Die Führer der Monarchisten verhaftet. Liffabon, 17. Februar. (Havas.) In Porto und im ganzen Norden des Landes, wo die Republik wieder hergestellt wurde, ist die Ordnung gesichert. Eine vom General Costa Real befehligte Abteilung hat sich bedingungslos ergeben. Luis de Magalh aes, Dicointe de Banh o und zwei Oberste, die der monarchistischen Regierung angehärt hatten» sind verhaftet worden. Die republikanischen Minister wurden in Porto mit großer Begeisterung empfangen. Die monarchistische Empörung, die einen ausschließlich militärischen Charakter gehabt hat, ist nun-, mehr im ganzen Land unterdrückt. Bereinigte Staaten. Der Pariser Botschafter demissioniert. Paris, 17. Febmar. (Tel.-Komp.) Präsident Wilson nahm die Demission des Pariser Botschafters Sharp an. Der Kongretz für die Abrüstung. Washington, 16. Februar. (Tel.-Komp.) Im Kongreß wurde die Verfassung für den Völkerbund vorgelesen. Besonders die Artikel über die Abrüstung und über das Schiedsgericht wurden mit ' Jubel und Händeklatschen ausgenommen. Aufstand gegen die Alliierten. London, 16. Febmar. (Tel.-Komp.) Nach einer »Times"-» Meldung aus Marokko steht der Rtbell Sensala, ein Freund Raisulis, imAufstand gegen die Alliierte» und gegen Spanien. Unbändigkeit begeisterter Jugend! Ei» enger Kreis von Bürgern und Frauen schloß sich um diese Hcrzlgarde und es begann der Kampf im Juden tume. Fünfundzwanzig bittere, harte Jahre. Der heilen Lust des ersten Sturmes folgte ein mühseliges zähes Weiterringen. Viele teure Menschen haben sich ausgerieben, er selbst,' der Führer, vermehrte sich wie einet Fackel für sein Volk. So manchem verglomm der Seelenbrand und er schlich zur Sei.e. Wohl fühlte man , hier und dort den Wandel beginnen, aber der Titanenkampf stand scheinbar in keinem Verhältnis zu den Erfolgen. \ Bis sich gestern eine Entscheidung vollzog. Plötzlich? Wer am Werke schasst, sieht nicht, wie weit 6$ gediehen ist. Wenn aber die Mitstreiter und Erben; Herzls gestern durch die Gassen der. Judenstadt gingen, konnten sie in froher Bewegung sehen, daß die Saat des Meisters ausgegangen ist. Eine neue Generation ist da. Diese frischen geliebten Gestalten.der Studenten und Soldaten, diese Schar von Mädchen und jungen Frauen — die hundertfache Zahl der zionistische.: Jnngmanns'chast vor zwanzig Jahren — die zogen in zielsicherer Arbeit von Haus zu Haus. So ist uns das Belenntnis der jüdischen Stadttei'e zu ihrem Volkstums, so ist uns das wiedergewonnene Verantwortungsgefühl, welches gestern die jüdischen Männer und' Frauen .au den Tag legten, als es galt, der Judenheit Deutschösterreichs ihren guten Namen wiederzugeben« als reise Frucht in den Schoß gefallen.. ,! Rehabilitiert! Nicht nur hierzulande, sondern vor dem ganzen, großen jüdischen Volke. Und eineHoffmi lg erhöht d e Genugtuung dieses Tagesrdas „Kämpfen" wird bald, wird vielleicht jetzt schon zwecklos werden. Die Gemeinsamkeit ist da. die Ar', eit, die schasfenssrohe Tat im Gesanitju^entume hebt an. Weit geösfnet sind die Arme. Sie können das ganzr Volk umschließen. Unser Herz, unsere ganze Kraft, unsere große Liebe stehen, bereit. , Otto. Slbeles, * «. 'S.. - - > --* HS» Aufschwung. - « Ein Vertreter des jüdischen Volkes in der Konstituante Deutschösterreichs! Was uns in dieser Stunde nach den Wahlen beseelt, ist das Hochgefühl eines Mannes, der durch einen Justizirrtum seinen guten Namen einbüßte, unsäglich litt, unsäglich kämpfte, um ihn wieder zu erlangen und ihn dann zurückerhält. Rehabilitiert! Er kann sich wieder auf der Straße zeigen. ' Ein geschichtlicher Irrtum hatte der westlichen Judenheit den guten Namen genommen. Das Lügengeschenk der Emanzipation machte sie, die Erben des Volkes der Bibel, zu geduldeten Hörigen anderer Völker, die bald den fremden Zuwachs wie ein Bleigewicht empfanden. In kurzer Frist standen sich Bruder und Bruder gegenüber in unwürdiger Verkleidung. Ein neuer Ahasver ging um. Nicht mehr der re.ehrungswürdige Leidensgreis, sondern ein buckliger Zwerg mit spitzem Schädel und stechendem Blick. Er ruhte nicht, bis nicht unsere besten Menschen zu Gladiatoren wurden, auf der Schaubühne unsere Hasser, und sich gegenseitig zerfleischten; bis nicht loses Gespötts und Krämergeist über stille Treue und demutsvolle Liebe triumphierte; bis nicht unsere Intellektuellen die geschäftigen Zwischenträger und Vermittler wurden zwischen fremden Kulturen; bis nicht der Sohn den Vater verlachte, wenn er Arm und Stirne band und sich gegen Sonnenaufgang neigte und bis nicht der Vater dem Sohne fluchte und d o ch an sich irre ward. | Drüben, im Lande der Judcnnot, im Ansiedlungs- «chon Rußlands und in Galizien, ein reiches, geistiges Leben. Furchtbares Elend. Aber die Judengasse hatte eine Seele. Schmutzige Enge. Aber ein tiefinniges Beisammensein. Entsetzliche Bedrängnisse. Aber dieses Fami.ienleben, verklärt von den Köstlichkeiten urjüdicher Feste, überrankt von PoWiebtzriiz überstrahlt vom v * v Hier im Westen materielle Wohlhabenheit einer jüdischen Oberschicht, aber Mummenschanz» Halbheit, Vertuschung der Eigenart, als wäre man irgendwo auf der Landstraße zusammengelesen. Und das einst so prächtige, kraftvolle, kerngesunde Landjudentum — man kennt es noch aus den Erzählungen eines Kampe rt — durch den Judenboykott von der Scholle abgegraben, im Wiener „Ansiedlungsrayon" jenseits der Donaubrücken zusammengepfercht, mit dem Hausierkasten unterm Arm, völlig haltlos, jeder auf sich selbst gestellt. Dann kamen die Jahre des hochgezüch e enRa'senantisemilismus im Zeichen Houston S lewart Chan, ber- <lains und Georg Schönerers. Eine Jugend wuchs auf in diesen Häusern der westlichen assimi.'a o.ischen Ju^enheit, deren Brust von tausend Bitternissen gequält wurde. Traurige Schuljahre ohne brüderliche. Geselligkeit gleichalteriger, aber auch ohne teilnehmendes Begreifen Äelterer. Draußen gestoßen, gehaßt, zumindest gemieden. Draußen eine Welt von Feinden und ein paar, ach, so verschämten Freunden daheim nicht ein Fünkchen Verständnis für diese trostlose Einsamkeit. Was dann kam? Wer denkt nicht heute an ihn, der die königliche Botschaft brachte „Wir sind ein Volk, ein Volk!" Wer denkt nicht an jene schma.'e Broschüre von „Theodor Herzl, Dokwr der Rechte", jenes herrliche adelige, erlösende Buch, aus dem die Kraft aufschoß, wie eine Windsbraut durch die Lande jagle, Gheltodumpsheit und Troftlo.igkeit, Sklavensammer und Mäklergeist niederringend, das letzte Fünkchen trotzigen Stolzes aufpeitschend, jedes Körnchen, lebenshungriger Tatkraft auswirüelnd — bis sich der Stolz und der Trotz und der Lebenshunger und die Empörung mit der Liebe und der Sehnsucht und der Treue zurju ngjüdischen Aktivität banden. Just ein Vierleljahrhundert ist es her, baß diesen jungen Westsuden Theodor Herzl e.stand. Wie war man ha aus bitterem Zwiespalt und Verzweiflung , httckberLerettet kö^.ichtz Unrast,, in bie stü,Milche

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