Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 31 (18.2.1919)
- Date
- 1919-02-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Veite 2 , ^Wten. Diensrag_Wiener Morgenzeitung _18. Februar 1919 Nr. 31 Die russischen Regierungen Kommen nicht, die Alliierten ziehen die Einladung zurück. Paris, 17. Februar. (Tel.-Komp.) Danichteine einzige der russischen Negierungen die erste Bedingung der Alliierten, die dahin geht, im Innern Nußlands einen Waffenstillstand zu schließen, angenommen hat, lie^t G r u n d z u d'e r A n n a h m e v o r, daß die alliierten Negierungen wahrscheinlich die Einladung zu der Konferenz auf den Prinzeninseln r Ü ck« gängig machen werden. Dcr A«fsia»d in Tanger imtcliuM. General Liauteq führt die Expedttionsarmee. Paris. 17. Februar. (Tel.-Komp.) Die Blätter melden aus Tänzer r Die Rebellen find geschlagen und nach dem Zentrum der Oasen zuräckgetrieben worden, wo sie versuchen, ihre Stellungen zu verstärken. An der Expedition beteiligen sich 10.090 Eingeborne und zwei fran» zöfische Kolonnen, eine aüS Budenir, die andere ans Maknas, die unter Führung des Generals Li aut eh stehen. Inland nach dem Kriege (infolge deö TodcS von Männern. im zeilguirgsfähigri., Mer) hin»«. Sowohl die abstrakte Ilebcrleg'ung als auch d-.e an den Beisviel-n Deutschlands und Frankreichs 1870/71 und Rußlands und Iavans 1904/5 du-chgeftibtte geschichtliche Untersuchung führt zu dem Eegebn's, daß die Kriegsverluste durch d e u a t ü r l i ch e n B e v 8 l k er n u g's'v orgänge allein schwerlich ausgeglichen werden können. 'Nur Aenderunaen in der Wanderbewegung, insbesondere dir Z u r ü rk Haltung der fl t o ß t n A u s w a n d e r u n g Sr rs e r v e n in den ArlswandergngSstaatm . können zu . ^ner baldigen Ausgle chung der Kriegsv-rln^e führen. Für den Welkrieg liegen drcAusMchungsniösllchkeitcn noch schlechter, da die Höhe der Verluste jedem Bergleich mit den früheren Kriegen spottet. Unter den nengeb ldeten Nationalstaaten sicht Deusichösterrcich mit seiner geringen Geburtenzahl, seinen hohen Verlusten und dem Mangel von Answanderungsrrservrn am ungünstigsten da. E ne kräftige Bepölkerungspolitik wrrd daher am Platze sein, inil die dem Bölkstörper aus den Kriegsverlusten drohenden Gefahren abzuweuden." Das mag richtig sein vom Standpunkt der in ganz Europa furchtbar verkrachten Staatsräson, die den Menschen nur mit den Augen der Musterungs- Kommission betrachtete und immer nur vom „Menschenmate ia!'*, vom „Ausnützen des Reservoirs des Hinterlandes* redete. Die Verhinderung der Abwanderung ist eine negative, übrigens auf die Dauer ebensowenig durchführbare Maßnahme wie die Verhinderung der Steuerflucht. Soll sich die Welt, soll sich Deutsch Österreich erholen, dann muß sich die Neuordnung auf Freiheitlichkeit aufbauen. Eine vernünftige soziale Gesetzgebung, die dem Kinderelend entgegenarbeitet, die die Arbeit und ihre besonderen Bedingungen erfaßt und vom Geist der Menschlichkeit und des Friedenswillens erwärmt ist, wird der Menschheit unendlich mehr nützen als Abschluß der Grenzen mit Polizei. Hebung der Volksbildung, Aufklärung der Jugend, politische Freiheit — das sind die Elemente, die dem Staat und dem Volk neue Kraft zusühren können, und aus all diesen Komponenten wird sich nur die eine Resultierende ziehen lassen: Fort mit dem Krieg. Die Friedenskonferenz. Der Friedensvertrag wird im Juni ratifiziert. Paris, 17. Februar« (Tel-Komp.) Nach einer Meldung des „Intranfigeant" erklärte Präsident Wilson, der Friedensvertrag werde im Juni den Alliierten zur Ratifizierung unterbreitet wer.en. Rach dessen Unterzeichnung werde es Deutschland gestattet sein, eine kleine stehende Armee sowie Marine aufrechtzuerbalten. England habe hierüber emepdokumentierten Bericht ausgearbeitet. Der amerikanische Kongreß für die Hinausschiebung der Völkerbnnddebatle. Paris» 17. Februar. (Tel.-Komp.) Lau» Meldungen aus W a s h i n g t o n bat dcr Kongreß den Präsidenten Wilson in einem Kabeltelegramm, die BölkerbunddebaNe b's zur Beründung der einzelnen Punkte hmauszu'ckirben. Dik Ueberringung einer Botschaft an den Kongreß durch Präsident Wil'on ist nicht bestimmt. W lson werde sich möglicherweise auf kurze Mittellinien an die Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Kongresses beschränken. Deutschland bekommt ohne Garantie weder Rohstoffe noch Lrbensmittel. London, 17.Februar. (T-l.-Komp? Oberst Nepington erklärte in der „Morningpost", Deutschland verlange die E «fuhr von Rohmaterialien. Die Waffe,istiMandsbrdingungen sichern Deutscl l >nd nurdie Einfuhr vonLrb rnsmitteln zu. Ohne die nötigen -Garantien werde es, wenn es den Frieden nicht zu den Bedingungen der Alliierten unterzeichnet, weder Lebensmittel noch Nohmatenalien erhalten. Pichon über den Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland. Die Anschlutzfrage bisher noch nicht erörtert. Paris, 16. Februar. (Agence HavaS.) Bon auswärtigen Journalisten interviewt, erklärte Minister des Aeußern Pichon, die Entscheidung über die Konferenz a u k d e« Vn z e n rn ' e ln w e rd e m o r g e n e r s o l g e n. Wichtig scr weniger die Konferenz als die in Nußland zu befolgende Politik, bezüglich dessen die Verbündeten ein-, mütig der Ansicht sind, daß man es nicht weiterhin im Zustand der Anarchie belassen könne. Im weiteren Verlauf der Bnterredung erklärte Pichon, daß Frankreich zum Entwurf des Völkerbundes Zusätze Vorschlägen werde, doch sei der gegenwärtige Text bereits von großer Wichtigkeit. D:e Kommission werde ihre Arbeiten in Abwesenheit des Präsidenten Wilson fort setzen. Dcr endgültige Entwurf des Völkerbundes solle von den Parlamenten der konstitutionellen Länder die Genehmigung erhalten. Es sei notwendig, Deutschland verständlich zu machen, daß es besiegt sei und daß das begangene Verbrechen Züchtigung verdiene. Es müßten Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Deutschland rechne vergebens auf Spaltungen unter den Verbündeten, die einmütig und solidarisch seien, die Welt zu beschützen. In Elsaß-Lothringen werde sich das Plebiszit aus den allgemeinen Wahlen ergeben; es weroe sicherlich kern Protcstdeputierter aus ihnen hervorgehen. Die Frage des Anschlusses Deutschösterreichs an Deutsch.!and sei bisher nicht erörtert worden. Sie hänge zusammen mit der Lösung der territorialen Fragen, die sich in Oesterreich aufwerfen und gegenwärtig einer Prüfung unterzogen werden. Die fr.ru ö'ische Negierung habe erklärt, daß sie gegen diese Vereinigung s ei: vielleicht aber denken andere Verbündete anders. Frankrnch werde bezüglich der Anerkennung der gegenwärtigen, aus normalen Wahlen hervorgegangenen deutschen Negierung keine Schivier,gleiten machen. Hindernisse für einen sofortigen Friedensschluß liegen in der Lösung der F-a-eu be'üglich Deutschlands. Oesterreichs, Belgiens, der Türkei u io i cc neuu Staaten. Die leigi chen Dclegt.rten Hütten m.i Wunsch geäußert, das; zwi.chen Belgien und Holland ein Übereinkommen getroffen werden möge, um die Ansprüche Belgiens bezüglich holländischen Gebietes zu prüfen. Vor der Konstituante. Eine parlamentarische Korrespondenz berichtet: Das Ergebnis der Wahlen bildete gestern den ausschließlichen Gegenstand der Ge'präche im Parlament, wo sich bereits eine Anzahl der Gewählten eingefunden hatte. Alle Parteien einschließlich der Sozialdemokraten selbst sind von dem Anschwel'en der sozialdemokratischen Stimmen überraschte Daß der unglückliche Ausgang des Krieges alle Unzufriedenen der ra'.iialsten Partei zusühren werde, daß die Heimkehrer ihrem Unmut du"ch -sozialdemokratisches Wählen Luft machen werden, das wußten auch die bürgerlichen Partei«»»'.wie ihre Vertreter heute neuerdings betonten. Aber dazm kamen, so führten die deutschsreiheitlichen Abgeordneten aus, die eigenen Fehler der bürgerlichen. Parteien, bei denen Selbstsucht, Eigenbrödelei und .Zerfahrenheit zur Zersplitterung führten: Wären alle Deutschbürgerlichen einschließlich der Ch.istlichsozialen, so würde heute von den deutschfreiheitlichen Ai geo duele.l ausgeführt, zusammengegangen, so wäre es zum Beispiel nicht möglich gewesen, daß im 7. Wiener Wahlkreis eine Tschecho-Slowake gewählt wurde. Diesen, Tatsachen gegenüber verlangen die.bDgerlichen Vertreter nünchehr eiste-,Reüörien1leülng ihrer Parteien, ein Umlernen, namentlich in taktischer Beziehung, soll das bürgerliche Element nicht völlig »m roten Meer untergehen. Nunmehr haben die Hauptwahlbehörden die Mandate zu verifizieren, der W a h l g e r i ch t s h o'f wird über die angefochtenen Wahlen zu entscheiden haben. Gleichzeilig muß über dir Mandale derbesetzten Gebiete entschieden werden. Es kommen hiebei 8 Mandate in S ü d t.i r o l in Betracht, für welche die vorgestrige Wahl in Lienz maßgebend ist. sowie das von den Slowenen besetzte südsteirische Mandat, für welches gleichfalls der Schlüssel des ganzen Wahlkreises bestimmend ist. Was D eu tsch böhm en, S ude tenland und Südmähren betrifft, verlangten' die Sozialdemokraten bekanntlich 75 Prozent der Mandate, während die Deutschbürgerlichen höchstens 50 Prozent konzedierten. Nun wollen dir Radikalen. den Sozial' emokraten- 70 Prozent einräumen, drängen dafür aber auf den Austritt der Deutschbürgerlichen aus der Koalitio.:. Jedenfalls wird der. Staatsrat in.seiner, nächsten Sitzung am Donnerstag zu entscheiden haben, ob und' nie die Berusu gen der Abgeordneten aus Deutschböhmen und Sudeteuland zu. vollziehen sind. Die Opposition gegen die Ernennungen wird ins Treffen führen, daß ja die Abgrenzung für diese Gebiete und ihr Schicksal noch nicht bekannt sei. Die Parteiführer werden für Mittwoch in Wien erwartet, um über diese Fragen schlüssig zu werhen und ihre Vereinbarungen brm Staatsrat vorlegen. Die Sozialdemokraten haben ihren n.'uen Klub bereits, für morgen vormittags zur Erörterung der durch die Wahlen geschaffenen Lage einberufen: Dieanderen Parteien werden mit ihren konstitulerenden Klubsitzungen folgen. Reise Dr. Steinwensers nach Prag. Prag, 17. Februar. Ol. der „Wr. Morgenztg.*) Wie in hiesigen Finanztreifen verlmcet, wird der Staatssekretär von Deutschösterreich in den nächsten Tagen hierher kommen, um mit dem Fmanzmmister Dr. Raschln und führenden Persönlichkeiten der hiesigru Finanzkreise in Angelegenheit der W 8 h r-n N gs-undA b st e m p e l u n g S f r a g e her Bst,lknoten in Verbindung zu treten. Telegramme. Palästina. Der Gouverneur von Jerusalem hält eine hebräische Ansprache. Kopen^agc»n, 17. Februar. (Telegramm der „Wr. Morgenztg.") Nach den aus Palästina singelangten Nachrichten wurde der 15. Schwat, das „Neujahrsfest der Bäume", in Palästina als großes Nationalfest gefeiert. An den Festlichkeiten haben auch Vertreter der englischen Militärbehörden sowie der Gouverneur von Jerusalem, Colonel Water Taylor, teilgeuommen. Letzterer hat eine hebräische Ansprache gehalten. Tschecho-slowakischeRepublik. Die Verpflegung durch die Entente gesichert. Prag» 17. Februar. (Tschecho-slowakisches Pretzbureau.) Minister des Aeutzern B e n e f ch teilt mittels eines Radiograimns mit, Amerika übernehme 50 Prozent und England und Frankreich je 25 Prozent der Verpflegung der tfchecho-flowak'lfchen Länder. Amerika habe hierzu einen langfristigen Kredit gewährt. Vinnen vier Wochen werde die Verpflegung systematisch durchgeführt werden. Ein französischer Kommandant der tschechische« Armee. Prag, 17. Februar. (Tschecho-slowakisches Preßbureau.) General Pell 6 wird vom 17. Februar an das Amt eines- Chefs des Generalstabes der bewaffneten ischecho-slowakischen Macht auHübcn, wobei er dem Minister für nationale Verteidigung untergeordnet sein wird. Beisetzung der Ppeßbnrger Demonstxat'»ons-> opfsr. , . Budapest, 17., Fchruar. (Ungar. Tel.-Korr.-Bureau.) Aus treßburg wird gcm ldet: Unter ungeheurer Teilnahme wurden onntag nachntittags die Opfer' des P'reßburger Bludadcs bei-- . gesetzt. Im Arbeiterheim in bcr Donmiaasic versammelten sich die Mitglieder der sozialdemokratischen Gewerkschaften mit Fahiien, die mit Trauerflor umhüstt waren. In Vertretung der ungarischen Negierung win Regierungskommisiär Z o l t a n I a n k o erschienen. Die Professoren und Hörer der Universität ließen sich dcp'utativ vertreten. Der Adjuiant des neuen italienischen Stadtkommandanten legte einen Kranz am Grabe nieder. Der sozialdeillokratische Führer Jeher hielt in ungarischer und Wittich m deutscher Sprache eine Trauerrede. Deutschland. Kein Rücktritt des Ministers des Aeußern. Weimar, 17. Februar. (Wolsi-Bur.) Verschiedene Blätter br'ngen die Meldung, daß der Reichsminister des Ailswärtigen Anites Gras B r o ck d o r s f - R a n tz a u wegen rrner ab- W eich enden Äiisicht in der Beratung der letzten Waisen stillstandsbedingiingcn sein Portefeuille zurVerfügling gestettthabe. Es ist richtig, daß einerseits zwischen dem Reichsm nister d.es Auswärtigen Amtes und andererseits der Mehrheit der Kabinettsmitalicdec und der herangezogeum Partestührer in dieser Frage eine Meinungs- Verschiedenheit besteht. En hinreichend begrüildeler Anlaß znm Rücktritt des Ministers des Ailswärtigen Amtes ist durch diese Meinungsverschiedenheit nach Ansicht der Regierung nicht gegeben. Nationalversammlung. Erzberger über das Waffenstillstandsabkommen. Weimar» 17. Februar. Bor Eintritt in die TageSordnimg ergreift Ministerpräsident Scheidemann das Wort u»d^ erllä'tt, es sei gestern ein ir/U'u Abschluß des Waffenstillstandes erfolgt. Neichsminister Erzberger erklärt, das HauS habe ein Recht darauf, den Wortlaut des Waffe,istillstandsabkommens von ihm zu erfahren, und im Anschluß hieran erläuternde Bemerkungen. entgegenznnchmrn. Der Minister verliest hierauf den Wortlaut des gestern abends Unterzeichneten Zusatzabkommens und führt anschl e'rend aus: Ich wünsche den einzelnen Mitgliedern dieses Hauses nicht, daß sie in ihrem Leben die schweren Stunden durchkosten müßten, wie es mir in Trier bestimmt war. Eaie große technffche j Schwierigkeit stellte sich der raschen Beantwortung dadurch in den Weg. daß die Depeschen, die dvn mir am Freitag abends abgegeben worden siiid, aus bis jetzt unrrllä.'liche Weise bis S a m s t a g nach n» r 1 t a g s nicht in den Händen der Regierung in Weinlar und Berlin gewesen sind. (Hört! Hörtp Ick, verlangte insolgedesien eine Fristverlängerung von 21 Sttmden. Diese Fristverlängerung wurde a b g e l eh nt. mit dem Beifügen, wenn bis Sonntag ab'ndS, 8 Uhr der Waffen-' ft.flfiaiib nicht verlängert sei, et (F o ch) sofort seine Befehle an seine Truppen geben würde nlid der ganz- Waffen still stand am heutigen Tage, vormittags 5 Uhr, fein Ende erreichen we de. Gleichzeitig ließ er uns wissen, daß er nicht in dcr Liste sei, irgend etwas an den mir Mit attc-.lten Abmachungen zu ändern oder sic zu verbreitern, da auch P.'äiidenl W i l s o n a u S d r tt ck l l ch d «e s e Bedingungen a e n e h m.i g t h a b e. (A r o ß e Bewegung, Rufe: Hört! Hört!). Trotzdem haben wir versucht, eine Reihe von M'tderimgen durchzusetzen. Bon caier Ausnahmabgesehen, die sich auf eine anderwe tige Abgrenzung gegentiber Polen bezieht, ist uns dies nicht gelungen. Zu Ar ikel 2 wurde mein Antrag, daS Wort „kurze* vor „Zeitdauer" zn streichen, a b g e l e h n t. Auf meine weitere