Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 29 (16.2.1919)
- Date
- 1919-02-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wiener 'MörgenzeiLuRg 16. F:Lruar 1919 0tr.' 29 Die Lemberger Geiseln in Wien. Das Presseamt bei der Delegation des Jüdischen Nationalrates für OstgalizieN teilte mit, daß das polnische Armes-OberKommando für Oftgalizien den als Geiseln internierter Lemberger Zionistenführern, Dr. Leon Reich, Dr. Michael Ringel, Dr. Alex. Haussl mann und M. N. Tennenblatt, die Ausreise ins Ausland, nach de«" Schweiz und nach London, zunächst für drei Monate, bewilligt hat. In drei Monaten haben sich die Genannten in Krakau zu melden. Reich, Ringel und Tennenblatt sind bereits in Wien eingetroffen. Seite 4 Wien. Sonntag zwischen den drei Parteien der Koalition, den Deutsch nationalen. Christlichsozialen und Sozialdemokraten. Man hat hierbei auf alles Bedacht genommen, die Parteiverhältnisse sorgsam abgewogen, natürlich unter lebhaftestem Feilschen und Schachern. Schließlich kam man zur Einigung, die noch durch das Einverständnis aller Parteien gekrönt wurde, die nationalen Minderheiten. also die Juden und die- Tschechen jeder Vertretung zu berauben. Den Juden sind durch die vereinigten Anstrengungen der Herren Ofner und Wolf in Form des Staatsbürgergesetzes ein paar tausendStimmen gestohlen worden. Um sie aber noch außerdem auf das empfindlichste zu treffen, wurde ihr Wahlbezirk Leopoldstadt und Brigittenau mit dem Arbeiterbezirk Floridsdorf zusammengelegt und so das Verhältniswahlrecht in ein Unrecht verwandelt. Um so größer werden unsere Anstrengungen sein müssen, unserer Liste zum Sieg zu verhelfen. Wenn alles und jeder seine Pflicht tut, dann kann uns der Erfolg nicht fehlen. Es ist natürlich nicht möglich, auch bei sorgsamster Betrachtung der Wahlziffern vom Jahre 1911 irgendeine Prognose über die heutigen Wahlen aufzustellen. Erwähnt sei nur, daß man in Parlamentarierkreisen auf etwa 61 Sozialdemokraten, 72 Christlichsoziale und 26 Deutschnationale rechnet. Dabei vergißt man vollkommen an das Frauenstimmrecht, das uns ja vor eine völlig neue Situation stellt. Die jüdische Wählerschaft wende sich an nachstehende Agitationslokale. n) Leopoldstadt. I. HauptagitationSlokal: CafS *8um roten Turm", Lckienbrunngaffe 2 (Souterrain). I«. Ägitanonsloka!: Taborstraße 20 n. (Indischer Nationalrat.) Hi. Agitationslokal: Kleine Pfarrgaffe 8. IV. Agitationslokal; Kleine Mohrengasse b (Halbstock). V. Agnationslokal: Große Mohrengasse 8 (Hof der Produktenbörse'». VI. Agitationslokal: Glockengaffe 30. VN. Agitationslokal: ZirkuSgaffe 33. 1. Stock. .** VIII. Agitationslokal: ZirkuSgaffe 33 (Zion. Zentral!) itteau) IX. Agitationslokal: Sebastian Kneippgaffe 11 und 13. X. Agitationslokal: Cafä Winkler, Untere Augartenstcaße 10. XI. Agitationslokal: Valeriestraße 69, XII. Agitationslokal: Novaragasse 28. XIII. Agitationslokal deS Jüdischen andlungsgeHilfenverbandes: II., Obere o n a n ft r a ß e 65, Hochparterre. XIV. Agitationslokal: Cafä Braun, Kronprinz: Rudolffiraße 50. XV. Agitationslokal:Glockengasse3y (Verein Zion). XVI. Agitationslokal: Cafä Bürger, XX., Wallensteinstraße 2. > XVII. Agitationslokal: CafS Frank, Große Sperlgaffe 35. XVIII. Agitationslokal: Restauration Austria, II., Untere Augartenstraße 26. XIX. Agitationslokal: CafS Glaser, II., Stuwerstraße 1. XX. Agitationslokal: Restauration Spritzer, U., Glockengüsse 2. d) Brigittenau. Hanptagitationslokal: XX., Rafarlgasse Id, Tür 12. Agitationslokal XX., Mathildengaffe I, Tür 4. (Sprengel 184 bis 138, 144 bis 148.) Wahllokal Staudingergasse 6. Agitationslokal. XX., Rafarlgasse 1 d. (Sprengel 139 bis 143.) Wahllokal Kariangasfe. Agitationslokal XX., Wallensteinstraße 5, Tür 8. (Sprengel : 140 bis 155.) Wahllokal Trcustraße 9.! Agitationslokal XX., Rafarlgasscl b. (Sprengel 156 bis 168). 1 Agitationslokal: XX., Brigiltenaucrlände 18, Tür v. (Sprengel 168 bis 172).! Agitationslokal: XX., Kafchlgaffe 5, Tür 23. (Sprengel 164 bis 167, 173 bis 185).! Agitationslokal: XX., U n i v e r summst r a st e 40. (Sprengel 186 bis 217). Die Tätigkeit dev Funktionär« in den Wahlagitationslokalen beginnt um 7 U h r f r ü h. Iüdifchnationaler Wahlumzug. Eine nach Tausenden zählende Menge jüdischer Wähler durchzog gestern nachmittags im geschlossenen l Zug die Straßen und Gassen der Leopoldstadt und 'der Brigittenau. Den Zug eröffnetcn zwei Fahnenträger mit blau-weißen Fahnen; im Auge selbst wurden Tafeln mit Aufschriften getragen, wie: „Juden. wählet , jiidischnational!" „Nicht Ofner, sondern Stricker!"! und ähnliche. Der Zug wurde überall mit großer i Herzlichkeit begrüßt. Aus den offenen Fenstern! winkten ' Frauen und Mädchen und gaben ihrer l Freude lebhaftesten Ausdruck. Die Demonstration nahm einen durchaus würdigen Verlauf und wickelte sich ohne Zwischenfall ab. V. Wahlkreis. Es wurde irrtümlich unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß gemäß den Vereinbarungen j im V. Wahlkreis (V., X. und XI. Bezirk), Liftensührer j Franz Roncal der demokratischen Mittelstakds- . Partei von den Gesinnungsgenossen zu wählen ist. Die Notwahlen in Deutschböhmen. f Eger» 15. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Dir - Spaltung der alldeutschen Partei hat zur Ausstellung von d r e i;allbcutfrf)«n Kandidaten im EgererWa h l-! r r e i s geführt. Dir von dem evangelischen Pfarrer Fischer gei führte Gruppe hat als Bewerber den Eisenbahnadjnnkteu Max > T h « m e r e r in Karlsbad und den Redakteur Rudolf Zeidler; in Wien namhaft gemacht. Die zweite alldeutsche Gruppe, die von; Bürgenncister Dr. Bernardin geführt wird, beabsichtigt den i bisherigen Abgeordneten der Stadt Eger, Dr. Ednürnd Jäger, < oder Dr. Ernst ans Eger zu kandidieren. D | Mies» 15. Februar. (Telegramm der Morgenztg.") - An Stelle des gewesensn Abgeordneten Dr. M i ch l, der nicht . mehr kandidiert, ist der ehemalige Reichsrats- und Landtagsj abgeordnete Eduard von S t r a n s k i als Kandidat ausgestellt worden. Da auch der Sekretär der deutschradikalen Parteileitung; Dr. Rudolf Thurnwald seine Bewerbung als Deutschradikaler! ongcmcldet hat, wird die Wiener Parteileitung zwischen den beiden Kandidaten entscheiden. Ednard v. StranSky ist bekannt geworden durch seine Affäre mit dem verstorbenen zionistischenAbg.Dr.Mahler, der ihm wegen der Vergebung emer Lieferung der Ascher Stadtgemeinde, die Etransky unter Ehrenwort abgelengnet hatte, in offener Sitzung des Abgeordnetenhauses Ehrenwortbruch vorwarf. StranSkv antwortete answeichend nnd unterließ es, den sonst üblichen Mißbilligungsantrag zu stellen. Eaaz. 15. Februar. (Tel. der „Wr. sNorgenztg.^ Für dm Wahlkreis K o m o t a n sind von den bürgerlichen Parteien folgende Kandidaten zn'- Ernennung in die Nationalversammlung vorgeschlagen worden: Die bisherigen Abgeordneten Dr. Herold, S ch r e i t e r, K r o y, Wüst, Knirsch, Dr. Urban nnd Landeskulmrrat und gewesener Landtagsabgeordneter Sigmund. Trautenau, 15. Februar. (Tel: der „Wr. Morgenztg.") Abgeordneter K. H. Wolf hat dm hiesigen dentschradikalen Verein verständ'gt, daß er für die Konstituante wieder „kandidieren" wolle. In dm Kreffen der Wählerschaft von Reichenberg nnd Trantmau hat dieses Ansinnen des Herrn Wolf, der niemals wieder gewäblt würde, aber doch ernannt werden will, große Mißstiunnung hervorgerufen. Tagesbericht. Sperrung der Grenzen. W.i amtlich mitgeteilt wird, steht bis Sperrung der Grenzen gegen den Zufluß von Kronennoten unmittelbar bevor. Die Regierung verlangt, daß die Nationalstaaten allen ihren Verpflichtungen betreff-) der Anerkennung der Verbindlichkeiten der alten Monarchie Nachkommen. Die Regie unz sch äit deshalb die Anru sungein es internationalen Schiedsgerichtes vor. Die Einfuhr von Banknoten und die Ueberweisung von Kronenbekrügen nach Deutschösterreich wird bis auf weitereunter s a g t. Im Grenzverkehr ist die Einfuhr von 5u0 Kronen gestattet. Film vom Tage. Der Tag der Entscheidung. Es isi kalt und die Kandidaten zittern. Agitatoren sind furchtbar aufgeregt, Automobile arbeiten sich durch die p.apierübersäten Straßen, sahnengeschmückte Fiaker gutsundierter Parteien traben mit den geehrten Wählern zur Wahlurne, Demonstrationszüge mit Fahnen und Plakattafeln amüsieren die Passanten und das Volk freut sich der letzten Viertelstunde seiner Freiheit. Die es überstanden haben, füllen die Kaffeehäuser, wo trotz aller Drohungen des Ernährungsamtes delikate Mehlspeisen die Geschmacklosigkeit des Wiener Wahlrummels versüßen. Wie es auch ausgeht: das alte liebe Oesterreich mit seiner Schlamperei und Korruption wird uns erhalten bleiben, und mit dieser melancholischen Gewißheit legt sich der geehrte Wähler, der morgen schon in den Aemtern nur eine armselige „Partei" ist, schlafen. * » * Die Polizei hat sich zu einem energischen Schritt aufgerafft und ein Kaffeehaus in der Taborstraße gesperrt, das allgemein unter dem Namen „Cafü Schleichhandel" bekannt war. Die Polizei hatte lange hindurch von den Vorgängen in dem Cafü „keine Ahnung", denn diese Winkelbörse mit Eintrittsgeld und Millionenumsatz fügte sich vollkommen in den Rahmen des kriegerischen Wien, wo man den Unfug vor lauter Gewinn nicht sah. Erst als eine Volkswehrabteilung selbständig einschritt und eigenmächtig eine Visitation der Kaffechausbesucher vornahm, ist die Polizei nachgehinkt. Es ist ja nicht gesagt, daß alle Besucher dieses Kaffeehauses zu den Kriegsparasiten zählen, die vom Blute der Armut leben. Es mögen viele darunter sein, welche Not und Arbeitslosigkeit aus die Dahn des Schleichhandels treibt. Aber die nachträgliche Offensive der Polizei hat die Pointe eines augenzwinkernden Lustspieles. * . * Im demokratischen Zeitalter steigen die Herren Hosschauspieler vom Kothurn und gehen „Forderungen" Vorbringen. Man droht, wenn diese nicht erfüllt werden, mit Streik, und beruft sich im übrigen auf das „Urteil der Bevölkerung". Die große Kunst schuf hungernd, die kleine will satt werden. Es wird ihr das niemand im Zeitalter der fleischlosen Wochen übesnehmen, aber wer hätte Vas vor einigen Monaten von Herrn Reimers gedacht ... Die Entente für die Wiener Iudenheit. Wie uns mttQctctft wird,, hat die Jüdische Preßzentrale Zürich die Entente eriucht, der Wiener Jndenheir 250 Tonnen Weizenmehl zur Herstellung von Mazzot zu bewilligen. Wie auö Paris berichtet w-rd, teilte der französische Ailyenministcc P i cf) o n dem Groyrabbiner 8 e v y mit, daß das Gesuch vom pcrmanr eilten Konntce für die Lebensmittelversorgung Europas bewilligt wurde. DaS Mehl kann m der Schweiz gekauft werden, und die Berner französische Gesandtschaft ist beauftragt, die schweizerischen Behörden von diesem Beschlüsse zn verständigen. Schnellzng Wien—Prag—Krakau.? Wie wir erfahren, ist Aussicht vorhanden, daß der Schnell- ' zug W i e n—P r a g—K r a k a u wieder eingefllhrt wird. Verhandlungen zwischen der dcutschösterreichlschcn Verkehrsanstalt und der tschechischen Staatsbahndwektion in Prag sind im Zuge. An die Erlangung dieser Verbindung dürfte sich die Wiedereröffnung desSchnellzugSverkehresWie n—B erlitt anschließen,j der jetzt über Prag führen wird. * Iugseinstellungen wegen Kohlenmangel. Infolge gänzlich unzureichender Kohlenzufnhr ist die Staatsbahndlrektiou genötigt, am Montag und Dienstag folgende- Züge entfallen zu lassen, und zwar in der Strecke Wien-Westbahnhof— St. Pöltm den von Wicn-Westbahnhof um 7 Uhr 25 Min. abends abgehenden und m der Gegenrichtung dm um 8 Uhr 50 Min. vormittags eintreffenden Pcrsoncnzug; Strecke Wien F. J.-B—Tulln den um 2 Uhr 40 Min. nachm, vonj Wien-F. J.-B. abgehenden und den um 7 Uhr 20 Min. abends > in Wien-F. J.-B. eintreffenden Nahpcrsonenzug. Weiters entfallen auf der Vorortelinie die von Heiligcnstadt um 5 Uhr früh,! 6 Uhr 55 Min. und 8 Uhr 12 Min. vorm., 12 Uhr 15 Min., j 3 Uhr 25 Min., und 5 Uhr 15 Min. nachm, nach Hütteldorf-! Hacking abgehcnden und in der Gegenrichtung die von Hütteldorfj Hacking uni 6 Uhr 1 Min., 7 Uhr 3 Min., 9 Uhr 15 Mm. vorm., 12 Uhr 98 Min., 3 Uhr 23 Min. und 6 Uhr 34 Min. nachm, j nach Heiligenstadt abgchenden Personcnzüge.! * Aus dem Rathause. Der Stadtrat tritt in der! kommenden Woche am Mittwoch vormittags zn einer Sitzung, zusammen. Der Gememderat selbst hält am Mittwoch dm 19. d. M.s um 3 Uhr nachmittags eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnungi finden sich umfangreiche llieferate über die Durchführung ösfentl i ch e r A r b e i t e n zur Bekämpfung der Arbcitsnot mit einem veranschlagten Betrag von mehr als 58 Millionen Kronen, durch welche 10.420 Arbeiten, und zwar 4840 gelernten Arbeitern und 5580 Handlangern Arbeit und Verdienst geschaffen werden soll.! * Die Eiulvfung der städtischen Kassenscheine.i Mit 28. Februar endet die Einlösungsfrift der von der Gemeinde! Wrm ausgegrbenen Kaffenscheine zn X 5:—, 20.-7-, 50.— und' K 100.—. Es ist verfügt worden, daß die Kaffenscheine bis zu! Betrügen von X 500.— auch von dm Hauptkaffenabteilungen der magistratischen Bezirksämter eingelöst werdm. \ Echreibmafchinenharrs Ferdinand Schrey» Wien^- VI.» Dreihufeifengafse 1, Udert alle Arten von Schreib! Maschinen preiswert. Äkeparaturen schnell. j Selbstmord einer Förderin der hebräischen! Literatur. \ Ans Kopenhagen wird uns mitgeteilt: Der bekannte'! jüdische Mäzen Herr S ly bei, welcher beeettS viele Millionen zur! Fö rderung der modernen hebräischen Literatur gewidmet hat, beabsichtigte aus Kopenhagen nach Amerika abzureisen, wo er. mit unbegrenztem Kapital einen hebräischen Verlag begründen wollte^! der sein Zeutnun in Palästina und überall Filialen haben-sollte.! Unmittelbar vor seiner Abreise beging seine Gattin Süssel Malke Stybel Selbstmord. Die tragische Vorgeschichte der Tat ist folgende: Frau Stybel war unter dem Eindruck schrecklicher Erlebnisse in dem unter terroristischem Bolschewiken regime stehenden Moskau melancholisch geworden. Während sie an der spanischen Krankheit darniederlag, wurde ihre Wohnung von Roten Gardisten erbrochen, welche drohten, sie. auf dre Straße zu setzen. Frau Stybel war leidend nach Kopenhagen gekommen, wo mehrere Professoren zur.Konsultation herangezogen wurden, deren Bemühungen jedoch erfolglos blieben. Als die Aerzke kamen, mn sie in Anwesenheit vieler Freunde in die Klmik zu iibersiihren, wurde sie äußerst erregt, und stürzte s i ch a u s d e m F e n st e r der dritten Etage auf die Gaffe, wo sie tot liegen blieb. Frau Stybel war eine eifrige Mitarbeiterin ihres Gatten, ihr wird die Initiative seiner großen Akillionenuntenlkhniungen zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache und Literatur zugeschriebm. Das Begräbnis hat heute um 12 Uhr unter großer Feierlichkeit bei Anwesenheit der ganzen jüdischen Kolonie und sämtlicher hier weilender hebräischer Schriftsteller statt-' gesunden. Vorträge und Versammlungen. Wiener O r tökreis der jüdischenL a n darbeiterschaft. Allgemeine, allwöchentliche Zusammenkunft in der Redennd Lesehalle jüdischer Hochschüler, IX., Türkenstraße 9, U. Sttcge, jeden Montag, halb 6 Uhr. Nächste Zusammenkunft am 17. d. M. Dort werden auch Auskünfte erteilt. Die GMährung. Der Marktbericht. Anderthalb Millionen Kilogramm Rüben, bas ist der Lagerstand von gestern. Alle Marktämter, alle Bezirks- und fllebemnärkte sind mit Rüben überfüllt und jeden Tag langen neue Znschübe ein. Die Gärtncniiärkte in KaiscreberSdorf werden - wohl von Gärtnern der Umgebung beschickt, aber nur um zu » zeigen, daß sie auch da sind. NeiinensiverteZ bringen sie doch nicht, da ihnen ihre guten Pcodilkce schon in der Nacht durch Fuhren, bei sehr guter Bezahlung, vom Hause wrg abgcnonimen werden. Demgemäß sieht eS auf den Märkten aus: Der 9kaschmarkt kränkelt an einer halben Million Kilogramm Rüben, deren täglicher Abfall durch Fäulnis über zwanzig Prozent,' in Geld X5i).00l).—auSmacht. Diesen Schaden trägtnatürlicherweisemimittelbar der Konsument, da der Händler sich an anderen Waren schadlos hält. Die Viktualienhalle hatte gcstem (nach marktamtlichcn Ziffern) 46OKllogrammGärtuerw.irenndl60.YOOKilogrnmin)1!übensortkN.Jn der Flrischabtcilung war mehr durch Zlisall als durch Voraussicht genügend Rindfteisch da. Da es aber schon zur Gewohnheit geworden ist, daß etwas fehlt, so war gestern Schwrinestcisch an der Reihe. In den frühen Rkorgenstmiden waren schon ungeiähc 1400 Personen angestellt, um beim Einlaß die Stände z,i stürmen. Glücklicherweise war Ätindsteisch in emer Menge.von 3700 Kilogramm vorhanden, so daß der Bedarf knapp befrledigt werden konnte. Schöpsenstcisch war überreichlich augeboten. Die Gemeinde Wien brachte aus ihren Gefrierfleischbeständen Schweinefleisch (2630 Kilogramm) znm Preise von X 20.—, das stürmisch abgesctzt wurde. Ein großer Teil des Publikums mußte unbcsriedigt äbziehen. Am Geflügelmarlt gab es 100 Kilogramm teurer Poulards zum Preise von X55.—, dre kaum beachtet wurden. DerFffchmarkc war leer.! Die anderen Bezirksmäckte brachten fast garnick,ts znm Verkauf.1 Obst und Ewr fehlten überhaupt, ebenso städtische Artikel.