Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 29 (16.2.1919)
- Date
- 1919-02-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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gtt 29 Wien. Sonntag Mlener Morgenzennng w ^fsvntar wtü «eve rr „ _ . .M _ ii.i ,[—^irr— - — - - ■ ■ »iw rniiTr‘fl-»'t"T^—ilTf’ 1 i“ tr ~ii— ~~ - ------- — •- -— - ——■— ** 11 ■ ■ ■ *—- . ir*,‘ 1 der chinesischen Delegation, drückten ihre Zustimmung zum Pro- , jekt b i s s a l erhebt Einwande bezüglich des Artikels 9. , In Beantwortung einer Anfrage Hughes' erklärt C l e m e n c e a u, der Beruht sei von Wilion cingereicht worden, > um von allen an der Konferenz vertretenen Nationen besprochen zu. werden, sobald die Arbeiten genügend weit fortgeschritten sein Hierauf werden die Protokolle der beiden letzte» Sitzungen Erlesen und angenommen._ Telegramme. Tschecho-slowakische NepnbttK. Keine Entlassung der Legionäre. Prag, 14. Februar. (Tschecho-slowaklsches Preßburcau.) DaS Mimfterium für nationale Bcrlcidigung erklän, dav d»e in den letzten Tagen veröffentlichte Verordnung betreffend die mobtlinenmg der 85iährigen und der älteren Jahrgänge sich bloß "" " keineswegsaberauf "h bezüglich der Legionäre wird , „.jlung weiterer Jahrgänge vorbereitet. Die betreffende Verordnung wird ehestens kundgemacht. Deutschböhmen als neue Kriegsnrfache. Prag, 15. Februar. (Tel. der ,Wr. Mocgenztg.") In den letzten Tagen hielt der tschechische Sozialist V o s k a aus Amerika, der als Kapitän der amerikanischen Armee auftrrtt, tn Äordwestböhmcn mehrere Versammlungen ab, in denen er erklärte, die Tschechen winden sich m i t G e w a l t dagegen wehren, daß Deutschböhmen vom tschechischen Staate losgetrennt werde. Auch verschiedene führende Persönlichkeiten der tschechischen Mmderhetten in Deutschböhmen erklären, falls der^ Friedenskongreß Deutschbö.hmen vom tschechischen Staate loslösen würde, gäbe es einen neuen Krieg. Mehl als Agitationsmittel. Prag, 15. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.^ In W i n t e r b e r g werden von dm Tschechen Anweisungen auf 10 Kilogramm Mehl zmn Preise von 3 bis 4 Kronen per Kilogramm an diejenigen Personen ausgegcben, die sich für den ychechs-sloivaklschen Staat erklären. Die Nationalversammlung, über die politische Kanzel. Pvag, 15. Februar. (Tel. der ,Mener Morgenzeitung".) In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung wurden die Gesetzentwürfe über die Bezüge und das Dienstverhältnis der Hochschulprofessoren, über die Befähigung zum Richtevamt, über die Viehablieferungen und über die Bekämpfung des Lebensmittelwuchers verabschiedet. Sodann trat man in die Behandlung des Berichtes des Justizausschusses apf Ergänzung des § 303 St.-G. in dem Sinne verlangt, daß die Kanzel nicht zu politischen Zwecken mißbraucht werden darf. Berichterstatter war der Sohn des Brünner Abgeordw >en und derzeitigen Ministers Dr. Stransky, Dr. Jaroslav Stra nsky, der sich in seiner Rede sehr scharf gegen die Einführung der Politik in die Kirche wandte. .Es wurde in seinem Rede oft .durch stürmische Zwischenrufe katholischer Vertreter, so der Abgeordneten Curik, Schrämet und Frau Schemen unterbrochen. Wir geben aus dem Berichte die folgenden Stellen wieder: Abg. Dr. Stransky: Infolge der Debatte über die EherechtSreform und den obligatorischen Religionsunter, richt wurde die Kanzel zur politischen Tribüne. Man begann, gegen die Urheber dieser Anträge, gegen die politischen Parteien, gegen die Behörden und gegen die Nationalversammlung zu Hetzen, und dies in einer Form, daß die Bezirksyauptmannschaften sich an die Zentralbehörden um Weisungen wandten, auf welche Weise hie Behörden die Republik vor solchen Angriffen schützen sollen. Im alten Oe st erreich tzingendieWahlennieohneeineKampagnevon der Kanzel herab vor sich, jä bei den letzten Wahlen wurde für einen günstigen Ausgang der Wahlen, für einen Sieg der klerikalen Partei, das Altarsakrament ausgestellt. (Zustimmung, Widerspruch bei der Volkspartei.) Die Kirche hat in die Politik auch noch auf andere Weise eingegrifsen. Der letzte Hirtenbrief des österreichischen Episkopats zielte direkt gegen die Interessen der ganzen Nation. Unsere Republik, unser Staat, muß gegen die Eingriffe der fremden Hierarchie geschützt werden. Frau Schemin: „Es ist Ihnen bange nach Oesterreich." (Lärm.) Redner bespricht sodann die Ereignisse nach der Schlacht am Weißen Berg und deren Folgen für die Tschechen, wo Leute mitder Zunge an d enGalgen geschlagen wurden, weil die Jesuiten Ferdinand U. überzeugten, daß sein Seelenheil darin beruhe, daß das Volk hingerichtet und mit der Zunge angenagelt werde. (Lärm bei allen Parteien.) Es handelt sich uns, fährt der Redner fort, darum, daß die Kirche im Interesse einer ruhigen religiösen Entwicklung de- Volkes eine Stätte des Friedens sei. Abg. Curik: Sätttgt zuerst das Volk! (Zwischenrufe bei den Sozialisten: ,^effnet die Pfarren und die kirchlichen Großgrundbesitze!") Dr. Stransky: Eine politische und soziale Entwicklung ohne Fortschritt ist unmöglich. Man wendet ein, daß die Nationalversammlung nicht legitimiert ist, sich mit Fragen zu beschäftigen. Aber auch die künftige solchen Nation kationalversammlung wird Ihnen nicht die Mehrheit verschaffen. (Zwischenrufe.) Im weiteren Verlaus seiner Ausführungen konstatiert der Redner, daß der Antrag die bürgerliche Freiheit der Geistlichen nicht berührt, denen eS nicht verwehrt wird, sich an polittschen Versammlungen zu beteiligen. In gleicher Weise wird durch dieses Gesetz die katholische Kirche nicht verhindert, in den Kirchen Religion frei zu unterrichten. Niemand will verhindern, daß von den Kanzeln herab die Lehre gepredigt werde, aber wir werden nicht dulden, daß von denKanzeln herab gegen politische Parteien agitiert wird. Die Ethik der Religion liegt auf einem ganz anderen Felde als dem oer Politik. Der Redner bespricht dann-die Zertrümmerung der Mariensüule auf dem Altstädter Ring und erklärt, daß niemand dabet an Christi Mutter gedacht habe. Abg.Schramek: ,Hch weiß, daß dies nicht wahr ist!" Dr. Stransky: Man hat nicht ein Zeichen der Religion gestürzt, sondern die Zeichen, welche auf den Fahnen waren, unter denen im Jahre 1618 die letzten Truppen geschlagen wurden, welche die Freiheit des tschechischen Volkes verteidigt haben. (Beifall.) Wrr müssen uns daran erinnern, was. wir hier vertreten. Bon der. BolkSpartei gehört ein gefangenen von den Wiedenufbaimrdeite». Genf» 15. Februar. (Tel.-Komp.) Schweizerischen Blattern zufolge meldet „Echo de Paris": Marschall Fach hat in einem neuen Armeebefehl die Verwendung der deutschen Kriegsgefangene« außerhalb der Militarinternierungslager verboten und damit auch ihre Arbeit im Aufbaugebiete. Amerika gibt die Ausfuhr von Kaffee und Fett frei. New-Porb» 14. Februar. Das Kriegshandelsamt setzte von der Liste der verbotene« Exportartikel Kaffe, Fett, Fettmischungen nnd Fettersatzstoffe ab. Diese neue Verordnung trat heute in Kraft. ‘UW volles Drittel der Mitglieder dem geistlichen Stand an, wogegen die übrigen Parteien Vertreter des Volkes hüben, wenn auch zur, Agrarpartei Geistliche gehören. Frau Schemin: Aber nicht von solcher Qualität! Dr. Stransky: Auf der einen Seite steht die Nationalversammlung, welche ein Bild des ganzen Volkes ist, auf der anderen Seite die tschecho-slowakische Volkspartei, die nur eine bestimmte Kirche verkörpert. Die Theokratie wird von, der modernen Demokratie geschlagen. Es ist vergeblich, mit Hilfe der Theokratie einen Einfluß auf die Politik des tschechischen Volkes ausüben zu wollen. Schade um die Zeit und die Kräfte, die verloren, "gehen. Wir müssen verhüten, daß der Z e n t r alismus WienS ersetzt werde durch den Zent ralismus RvmS. Wir wollen die Religion nicht stören, Zweck des Gesetzes ist. nicht der konfessionelle Kampf, sondern im Gegenteil der konfessionelle Friede. Hierauf wurde die Debatte abgebrochen und die Fortsetzung auf Dienstag vertagt. Polen. Die jüdischen Abgeordneten im Landtag. War'chm, 15. Februar. (Tel. Verdiener Morgenzeitung".) Bei der ersten Konferenz der Parteiführer der polnischen Konstituante hat von den jüdischen Abgeordneten Dr. Osias Thon (Krakau) das Wort ergriffen und beantragt, daß den jüdischen Abgeordneten eine Vertretung im Seniorenkonvent zuerkannt werde. Rabbiner Holpern (Lodz) unterstützte diese Forderung, Es wurde jedoch der Antrag des preußisch-polnischen Nationaldemokraten Korfanty angenommen, daß die Mindestzahl der Abgeordnete«, welche einen Klub bilden können, zwölf beträgt. Dadurch werden die Juden vom Einfluß auf die Geschäftsführung und wahrscheinlich auch von der Teilnahme an den meisten Debatten ausgeschlossen bleiben; sie werden gezwungen sein, bei einem anderen Klub zu hospitieren, um doch zum Wort zu gelangen. Dr. Thon hat an alle jüdischen Abgeordneten die Einladung zu einer Besprechung zwecks Gründung einer Vereinigung gerichtet. Die Abgeordneten der „jüdischen Volkspartei" („Volkisten") sind zu dieser Besprechung ohne Entschuldigung nicht erschienen. Rabbiner Perlmutter (Lublin) motivierte sein Fernbleiben damit, daß er in ein Parteilokal nicht kommen wolle und einen neutralen Treffpunkt Vorschläge. Darauf ersuchte Dr. Thon den Rabbiner Perlmutter, der ohnedies der Alterspräsident der jüdischen Abgeordneten ist, er möge selbst die Besprechung einberufen und den Vorsitz führen. Zu dieser Konferenz sind die Volkisten auch nicht ersch önen und ihr Führer Priluzki hat se'.n Fcrnbleilen mit „Müdigkeit entschuldigt. Dr. Thon ist jedoch auch weiterhin um den Zusammenschluß bemüht. Es steht nun fest, daß i n s g e s a m t 9 j ü d i sch e Abgeordnete gewählt wurden, und zwar: 4 Abgeordnete auf das Programm des jüdischen Rationalrales: Grünbaum (Warschau). Thon (Kra'aü) Rosenblatt (Lodz) und Weinz el.er (Sosnowice); * 2 Volkisten: Priluzki (siehe unten) und Hirschkörn (beide Warschau); 8 Orthodoxe: Halpern (Lodz) und Perlmutter (Lublin);. 1 Poale-Zion: Dr. Kipper, der an die Stelle des verstorbenen Dr. Max Rosenfeld vorrückt. DaS Mandat Priluzkis ist noch zweifelhaft, weil er litauischer Abstammung ist. Doch ist anzunehmen, daß das Mandat nicht angefochten wird, da sonst auch das Mandat DmowskiS anfechtbar wäre. Sollte Priluzkis Mandat annulliert werden, würde Nomberg an seine Stelle vorrücken. Ukraine. Nationalversammlung. Stanislau, 15. Februar. In der Sitzung der Nationalversammlung wurde der Gesetzentwurf über die Aenderung in der Zusammensetzung der höheren Gerichte nach dem Referat Dombrowskyjs verhandelt. Hierauf wurde die Regierungsvorlage über die Reorganisation des Schulwesens in Beratung genominen. Staatssekretär Artimowiez erklärte,daß die wichtigste Reform die Verstaatlichung des gesamten Schulwesens und die Ernennung der Lehrer zu Staatsangestellten sei. Die Absolventen der Lehrerbildungsanstalten erhalten das Recht, ohne Prüfung die Universität zu besuchen. Für die nationalen Minderheiten werden Minderhei Lösch ulen zugelassen. Der Gesetzentwurf über das Schulwesen wird in 1 zweiter Lesung angenommen. Die Londoner Zionistenkonferenz. Zürich, 15. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) Die Londoner Konferenz der zionistischen Weltorganisation, welche ursprünglich für den 11. Februar einberufen war, ist nun endgültig aufden 24. Februar angesetzt worden. Inland. Verhandlungen mit den Tschechen. Der „Allgemeinen Korrespondenz" wird aus Prag berichtet, Der tschrcho-slowakrsche Gesandte in Paris teilte ferner Rcgienwtz mit, daß die Entcntercgieruvgen eine Verständigung derselben mtt Deutschösterrerch über die schwebenden w t r t s ch a f'tlichen und finanziellen Fragen wünschen und eine solche dringend empfehlen. Demzufolge wird die tschecho-slowakische Regierung schon in den nächsten Tagen der deutschösterreichischen Regierung diesbezügliche Vorschläge zu einer Verständigung über. die schwebenden Fragen unterbreiten. Man hofft, daß es irr kurzer Zeit zu einer Verständigung über alle schwebenden Fragen komme» wird. Die Wahlen. . Achtung! Wer keinen Stimmzettel der jüdischnationalen Parteiliste Stricker besitzt, fordere ihn von den jüdischnationalen Vertrauensmännern (blau-weiße Armbinde), welche vor den Wahllokalen postiert.find. Worttaut des Stimmzettels der Jüdischnationalen Parteiliste! 1. Ingenieur Robert Stricker, Staatsbahyrat. . 2. Dr. Leopold PlaschkeS, Advokat. 3. Erna Patak, Erholungsheim-Inhaberin. 4. Jakob Pinkas, Kaufmann. 5. Karl Blume, Obmann des Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes. 6. Isidor Blaß, Zahntechniker. 7. David Nebenzahl, Privatseamter. 8. Ingenieur Fedor Ackermann, Oberkommiffär. Wahlzengen! Die vom Jüdischnationalen Wahlkomitee namhaft gemachten Wahlzeugen werden dringendst aufgefordert, nach dem Ekrutinium in das HauPtagitatiorrSlokal Cafö „Notenturm" zu kommen. ___ Der heutige Entscheidungstag. Heute vollziehen sich in 24 Wahlkreise», Deutschösterreichs die allgemeinen Wahlen zur gesetzt gebenden Nationalversammlung. 14 Wahlkreise sind! von Italienern, Slowenen, Tschechen oder Polen' besetzt, so daß von den 255 Mandaten nur 162 vom Volk vergeben werden können. Im ganzen waren! diese 162 Mandate im Jahre 1911 in folgender! Weise auf die Parteien aufgeteilt worden: 28 Deutschnationale, 9 Wiener Fortschrittliche, 63! Christlichsoziale, 33 Sozialdemokraten und vier! Mitglieder des deutschen Zentrums. Das; ergibt 137 Abgeordnete. Diese Zahl wird durch die Aenderung der Wahlkreiseinteilung auf 162 erhöht! Die Festsetzung der Grenzen der' Wahlkreise erfolgte aus Grund eines Kompromißes