Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 28 (15.2.1919)
- Date
- 1919-02-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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. Seile 6 " /Men, Samstag' iats infolge der Marburger Vorfälle seitens der Rektorate -der Grazer Hochschulen die Höyer slawischer Nationalität iausgewiesen wurden, diese Verfügung unterdem Terror;der Studentenschaft auch auf die Juden ausgedehnt wurde. -Die deutschen Studenten haben ihre jüdischen Kollegen aus .den Vorlesungen hinausgewiesen, obwohl der Rektor Professor iPu'ntschart selbst erklärt hat. daß er die Juden' als Nation! anerkennt, und die Ausweisung für sie nicht gelte. Der; Rektor mußte sich schließlich dem Standpunkt der Studentenschaft fügen, daß alle aus slawischen Ländern stammende Juden in dieser Hinsicht als Slawen zu betrachten sind. iDie Studenten wollten wenigstens in. Uebereinstimmnng mit!dem Wiener Erlaß für das laufende Semester die Abtestur erhalten, doch auch dies wurde abgelehnt. Staatskanzler iRenner erklärte sich über die Sache nicht informiert und -Pacher meinte, daß die Unkenntnis des Wiener Erlasses i* Graz wahrscheinlich auf die Unzuverlässigkeit der PostverbinduriA (!) zurückzuführen sei. Doch gelte selbsti verständlich die auf Kabinettsbeschluß erfolgte Aufhebung des l Ausweisungserlasses auch für Graz. Renner. und Pacher i sagten zu, diesen Befehl sofort telephonisch nach Graz zu - übermitteln. Der Beschluß bezüglich der Jugoslawen würde auch auf - die Slowenen eingeschränkt, und selbst diese können die : Prüfungen noch ablegen und im kockmenden Semester wieder inskribieren. I So ist nun wieder »inmal eine Skandalaffäre zu Ende,!die uns hätte erspart bleiben können. Die kurzsichtigen und engherzigen Politiker, mit denen Deutfchösterreich geschlagen ist, haben wieder einmal vor der ganzen Welt eine ungeheure ^Blamage erlebt' nicht nur, daß sie zuerst eine sinnlose ^und barbarische Verfügung erlassen haben, die den Staat ,vor aller Welten Mißkredit bringt, Awaren sie dann noch gezwungen, unter dem Druck der öffentlichen Meinung des .In- und Auslandes den Rückzug anzutretcn. Dr. Renner erklärt mit der unschuldigsten Miene von der Welt, er werde (bie Jniernationalität der Hochschulen niemals.antasten lassen, als ob der skandalöse Erlaß nicht existierte'und als ob nicht erst die Studentenschaft selbst die Aktion gegen den vom Staatsamt für Unterricht herausgegebenen Ukas hätte in die Hand nehmen müssen. Es ist ähnlich wie bei der Annahme der Lex-Kemetter in der Nationalversammlung.. Wir sind ja in Wien. ,Finder kommt's herein, Kinder geht's hinaus", wie inl „Verschwender", letzter Akt. Das ist echter Kräh- -winkel. ' Mann über Bord. , ' Die Steuerschraube hat wieder ein Opfer gefordert. Ein Zuckerbäcker, dem das Leben nach dem Steinwenderschen Rezept nicht süß genug vorkam, hat sich entleibt. Er war ein einfacher Bürger, mit schlecht und recht geführten.Geschäftsbüchern, die von der Steuerbehörde für zu leicht befunden -wurden. Er sollte wegen Steuerhinterziehung unter Anklage 'gestellt werden und hat es vorgezogen,. lieber den Leib, als die beleidigte Seele preiszugeben. Denn es wäre ein voreiliger Schluß, aus dem Selbstmord ein Schuldbekenntnis abzuleiten, weil die wahren Sleuerhinterzieher und Preistreiber ungefcheut dieses Tages Licht genießen und ihrer inneren Fröhlichkeit durch keine behördliche Drangsalierung verlustig gehen. Der resolute Herr S t e i n w e n d e r, dem die Steueroperationen so gut gelingen, daß die Gewerbetreibenden daran sterben, wird sich durch diesen Selbstmord auch nicht aus der Fassung bringen lassen. Wo alles, drunter und drüber geht, verhallt ungehört der Ruf: Mann über Bord! Einstellung der staatlichen Flüchtlings« Unterstützung. Androhung der zwangsweisen Heimbeförderung. Das deutschösterreichische Staatsamt des Innern ordnet an: 1. Die staatliche Flüchtlingsunterstützung. gn alle aus den vormals nordöstlichen Kriegsgebieten (Galizien, Bukowina) stammenden Kriegsslüchtlinge mit Ausnahme der Deutschvsterreicher und der diesen gleichzuhaltenden Flüchtlinge' deutscher Nationalität wird, insoferne denselben , die Möglichkeit einer Rückkehr in die Heimat nicht schon in einem früheren Zeitpunkt xf geben ist, spätestens mit 15. Jänner 1919 endgültig eingestellt. 2. An Flüchtlinge italienischer oder ' südslawischer Nationalität wird — jedoch nur in besonders berücksichtigenswürdigen Ausnahmssällen und. längstens bis 1. Februar 1919 — an nicht transportfähige Kranke bis längstens 15. März d. I. die staatliche Flüchtlingsfürsorge weiter gewährt. 3. Allenfalls noch in staatlicher Unterstützung stehenden Kriegsflüchtlingen (Heimkehrern), .die nicht in den zum vormaligen Oesterreich gehörigen Gebieten zuständig sind (zum Beispiel Ungarn, Russen, Bessarabien usw.), wird die staatliche Bargeld- oder Naturalunterstützung sogleich, beziehungsweise in besonders rücksichtswürdigen Ausnahmssällen längstens Mi 1. Februar 1919 eingestellt. 4. Eine Neuaufnahme von Flüchtlingen in die staatliche Unterstützung — Deutschösterreicher und die diesen gleichzuhaltenden deutschen Flüchtlinge ausgenommen — findet keinesfalls mehr statt. 5. Eine Ermächtigung für den Fortbezug der Flüchtlingsunterstützung über den 1. Februar, beziehungsweise; 15. März hinaus wird nicht erteilt. Allsällige Gesuche um Fc-rtbezug der Unterstützung oder Neuaufnahme in dieselbe : nach Ablauf der hiesür geltenden Zeitpunkte werden ohne Fällung einer instanzmüßigen Entscheidung sogleich abgewiesen. 5. Die Flüchtlinge werden darauf aufmerksam gemacht, naß es in ihrem eigensten Interesse gelegen ist, ehestens in ihre Heimat zurückzulehrrn, zumal das. Staatsamt des Inner»', Wiener Morgenzeirung im Falke einer weiteren Verschärfung der Verpflegsschwierigkeiten, des Kohlenmangels und der Wohnungsnot gezwungen werden könnte, noch vor den angegebenen Tagen die Flüchtlinge avzubefördern, beziehungsweise die staatliche Fürsorge einzustellen. Durch Zusammenstellung, von Sammeltransporten sowie durch dte Ausgabe der Freifahrt- und Freifrachtempfehlung im Falle des Antrittes der Reise als Einzelreisender, wird den Flüchtlingen die Heimkehr möglichst erleichtert. Nach Ablauf der mit 15. -März, beziehungsweise 1.. Februar festgesetzten Fristen haben Kriegsflüchtlinge öer unter Punkt 1 bis 3 bezeichneten Arten auf die Begünstigung biv freien Fährt oder freien Fracht keinen Anspruch. Soferne bas Staatsamt durch den unklar gehaltenen Punkt 6 eine zwangsweise Abschiebung von unschuldigen Kriegsopfern in> Aussicht zu stellen beabsichtigt, handelt es unmenschlich und unklug. Glauben die Herren denn wirklich, daß die Machthaber Deutschösterreichs, welche doch auch unter der Kontrolle des Völkerrechtes stehen und selbst in aller Welt um Schonung und Barmherzigkeit bitten, einen solchen Akr der Brutalität riskieren dürfen? Wenn die. Inden am 16. Februar ihre Pflicht erfüllen und jüdischnational wählen, werden diese unklugen Gewaltmenschen bald die gebührende Antwort erhalten. DieDerhandlungenüberdieKohlenlieferungen. Die vom Staatssekretär' für öffentlich^ Arbeiten Ing. Zerdik geführte, deutschösterre'chische Delegation ist gestern ans Berlin hier eingetroffen. Bei den Berliner Verhandlungen wurde von den Vertretern der Negierungen des' deutschen Reiches und Deutschösterreichs die Lage der K o h le n Versorgung in den beiden Staaten einer eingehenden Besprechung ünter- .zogen und hierbei erörtert,.inwie.veit ei..e stackere und geregelte Belieferung Deutschösterreichs mit Koh.'e aus dem. deutschen Reiche möglich wäre. Ungeachtet der schwierigen Lage, hat. der Reichskohlenkommissär in Berlin zugesagt, einen A n te i l an d er F ö r d e r u n g des ob erschlesifchen Reviers Deutschs sterreich zur Verfügung zu stellen. Ferner wurde in sichere.Aussicht gestellt,, bei der in Bä.de zu erwartenden Be'serung der Förderung das Ausmaß der Belieferung Deutschösterreichs angemessen zu erhöhen. Die Ergebnisse der Berliner Verhandlungen und der im Austrage des Staatssekretärs für össe.rtliche Ar- . beiten durch Oberbergrat Dr. Kloß in Krakau und Warschau gesührten VerhandlunKn mit. der polnischen Regierung lassen in Kürze eine Milderung der gegenwärtigen kritischen Kohlenlage erhoffen. * Dr. Max Rosenfeld. Das Begräbnis des verstorbenen jüdischen .Politikers und pvalr-ziornstischen Führers Dr. Max Rosenfcld findet S o n ü t a g den 16t d. M., halb 10 Uhr vormittags, auf dem Zentralfriedhof.(rsr. Abteilung, 1. Tor) statt.. * Ausfuhrverbot für Kunstgegenstände. Das Staatsdenkmalamt verlautbart eine Erläuterung: Zum Ausfuhrverbot von Gegenständen geschichtlich-künstlerische»: Bedeutung. Als solche sind anzusehen: Antiquitäten aller Art, wie Möbel und Einrichtungsstücke von Kirchen, Palästen, Wohnungen usw., Kirchengewänder, , Erzeugnisse der Volkskunst, Gold- und Silberschmiedearbeiten, Keramik, Erzeugnisse aus Stein, Metall, Glas, Hotz, Bein und Elfenbein, Leder, alte Textilien, Gobelins, Stickereien, alte Stoffe, Spitzen und andere Gewebe, alte Bilder, Buchmalereien und'Miniaturen, Werke der Graphik, Erzeugnisse der Plastik, wie Statuen, Reliefs, 'Medaillen und alte Münzen, archäologische und prähistorische Gegenstände,. Archivalien, Handschriften und. Drucke.. Wer btt oben bezeichneten Gegenstände aus Deutschösterreich auszuführen beabsichtigt, hat dies möglichst unter Anschluß von Abbildungen der äuszusührmden Gegenstände mittels vorgedruckten Formulars beim Staatsdenkmalamt m Wiett, l., Am Hof 4, mitzutetlen. * Sperrung der Universität wegen der Wahlen. Da ein Teil des Universitätsgebäudes für Wahllokale m Anspruch genommen wird und um den auswärtigen Studierenden die Teilnahme an. den .Wahlen in der Heimat ohne Versäumnis von Vorlesungen zu ermöglichen, verfügt eine, heute veröffentlichte Kundmachung. des Rektors der. Universität, daß von Samstag den 15.. bis Montag den 17. d.M. dte Vorlesungen nnd Ucbungen e n t f a l l e n. Für diese Zett wird auch die S p e r r u n g des Universitätsgebäudes für den Verkehr der Studenten verfügt. * Falsche 200-Kronennoten. Seit einigen Tagen zirkulieren Falsifikate der neuen Note zu kl 200.—. Bei einem Postamt im Stadtbezirk wurden 30 solche falsche Noten, eingenommen. Dte Fälschung erfolgte auf ltthographtsch.em Wege und der Gesamteindruck der falschen Noten ist ein täuschender. * Die Beamtensehlion des Jüdischen Nationalrates teilt mit, daß sie von nun an ihre Sprechstunden Montag Mittwoch und Donnerstag von 6 bis 6 Uhr hält. * Eine moderne jüdische Bühne. Der jüdischakademische Kulturverein „Jabne" - ersucht uns um Aufnahme folgender -Zuschrift: Die Vorarbeiten für die Schaffung einer modernen jüdischen Bühne unter Leitung des jüdischen Dichters Jakob M e st e l yehen zu Ende. Die Bühne wtrd am 26.d.'M. tm:Hotel Post, Wreü I.', den ersten Abend geben., * Oeffentliche Feststellung der Iungfraufchaft. Das „Grimmer Kreis-und Wochenblatt," amtliches Organ des Kreises Grimmen, vom 4.Jänner veröffentlicht einen, kirchlichen Bericht, worin es heißt: Kirchlich getraut wurden 18 Paare, unter diesen befanden sich 5 Minister und 3 Frauen, welche zum zweiten Male getraut wurden. 12 Bräute trugen den jungfräulichen E h r enschm u ck, 2 von denselben mit Unrecht. Wir wissen nicht, schreibt der Beclitter „Vorwärts", welche Mittel die Geistlichkeit von Grimmen an. der Hand hat, itm feftzustellen, ob eme Braut den jungfräulichen Ehreiffchmnck mit Riecht trägt ober mit Unrecht. Aber das wissen wir ganz bestimmt, das solche Schamlosigkeiten nicht in amtliche Blätter gehören. Eine tschechische Realschule in Wien. Wien, 14. Februar. Der tschechische Koinenskhverein will im nächsten Schuljahr die erste Klasse einer tschechischen ReÄschnle i» Wien errichten. Vortrüge und Versammlungen. H a t ch i j a h. Samstag den 15. d. M. um 3 Uhr nachmittags findet im jüdischen Jugendheim, II,, Obere Donaustraße 91, II. Stiege, ein hebräischer Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. Nissan G o l d st e i n über «kiticko schel harnischpat haiwri“ statt. Um 7,5 Uhr nachmittags im 5siidustriellkn-Cas6, I., Cvncordmplatz Asefah pnimilh, zu der alle Chaverim kommen >gcn. — Akademischer Verein jüdischer 15. Febmar 1919' Nr. 28 M e di z 11t e r. Heute findet mt großen Horsaal des Physiologischen Instituts, lX., Schwarzspamerstraße 17. eme außerordentliche Generalversammlung statt. Beginn 2 Uhr. — Heute findet ml neuen Konzerthaussaal ein jüdisch-literarischer Abend statt. Ihre Mitwirkung haben inner anderen zngcsagt: Redakteur M. Gros, der russische Tenorist S. R. Postoww, Schriftsteller Josef Grob, die Klaviervirtuofin Frl. Marie Kogan, der Dichter I. Mestel und Chormeister Don Reisenmann. Beginn präzise 6 Uhr abends. Karten sind zu haben: Caf6 Weiß, I!., Taborstraße 25. Cast Egkher, VII., Lerchenfilderstraße 23 und bei der Abendkaffa. Briefkasten der Redaktion. An mehrere Leser. Die Abgabe rahonierter Artikel veröffentlichen wir stets in unserer Montagsnnmmer. Wegen Ihrer Wünsche wird briefliche Antwort von der Redaktion erfolgen. ~ Treuer Leser. Wegen Giilngkeit Ihres Einkanfscheines wenden Sie sich an das Marktamt Ihres Bezirkes, wo Sie erschöpfende Auskunft erhalten. ■' Die Ernährung. Der Marktbericht. Die typische Freitagsöde herrschte auf den gestrigen Märkten. Die Lage gestaltet sich von Tag zu Tag kritischer. Zum Mangel an Rindfleisch kommt noch der Mangel an Ersatz. Die Stände in der Fletschabtcilung der Großmarkthalle waren geschlossen. Als Ersatz standen 680 Kilogramm Wurstwarm zur Verfügung, während der Bedarf nach Zahl der Besiicher sicherlich zehnmal stärker war. Geflügel fehlte. Auf den Fischntarkt gelangten bloß Reste aus den Vortagen zur Abgabe, die trotz der hohen Preise verschwindend gering und für die Nachfrage ungenügend waren. In der Biklualrenhalle erfuhr die knappe Beschickung keine Acndernng. 1 Waggon Karotten und etwas Wurzelgemüse wäre« dte gestrigen Znschübe. Am Hof war der Markt wie ausgesto rben. Rüben und Gärtnerware sowie einige Kilogramm Würste fouutcu kaum der Kauflust genügen. In der Stadionhalle gab es wie gewöhnlich 80 Liter Milch gegen 181 Liter Pflichtmenge. Der Naschmarkt hatte bloß Näbensorten aus den Vortagen zum Verkaufe gebracht. Einige hundert Kilogramm Zwiebel und etwas böhmischer Kohl warctl schon in den frühen Morgenstunden ausverkauft. Obst und Eier fehlten. Die anderen Märkte waren knapp, doch herrschte überall lebhafte, wenn auch unbefriedigte Nachfrage. Die Verteilung der Schweizer Liebesgaben. Auf Wunsch der SchweizerHilfskom Mission werden die eingelangtcn Liebesgaben ausschließlich an die unterernährtcn, Mindestbetnittclirn Wiener Kinder, zum Teil im Wege des Frauenarbeitskomitees, zum Teil durch das städtische Jugendamt und der Rest durch den Verband für freiwillige Jugendfürsorge, die öffentlichen unentgeltlichen Ausspeisunacn, öffentlichen und privaten Waisenhäuser abgegeben werden. Die Liebesgaben gelangen teils in Natura, teils gekocht zur Abgabe. Die Erhöhung der Salzpreise. Die Preise für Salz find mit Wirksamkeit vom 19. d. M. folgend erhöht worden: Kochsalz zttm menschlichen Genüsse, Ltixtissalz X 100, Tafelsal; X 50, Denaturiertes Kochsalz zu Vikhzwecken (Viehsalz), loses Viehsalz X 10, Biehsalzlecksteme X 12 per 100 Kilogramm. Reue Höchstpreise für Himbeersaft. Am lich wird genn'ldet: Der Preis von Hintbeersast im Kleinhandel, das ist in Akengen bis zu 10 Kilogranntt, an die Verbraucher wird auf X 11.50 per Kilogramm erhöht. Dieser Preis gilt ohne Rücksicht auf die Herkunft der Ware. Einschränkung der Lebensmrttelausfuhren aus der Tfchecho-Slowakei nach Wien. In P r a g wird amtlich verlautbart: Mit Rücksicht auf die schwierige inländische Approvissonierung wird die Lebensmittclausfuhr nach Wien nur in berücksichtigungswertesten Fällen, und zwar auf Grund einer Legitimation oder Empfehlung des niederöstzrreichischen „Narodni Vybor" in Wien (?) vewllligt. Erhöhung der Wochenquote für Fett. Das Staatsamt für Volksernahnmg teilt mit, daß in der kommenden Woche wegen der Ankunft amerikanischen Fettes die Wochenquote von 4 auf 6 Dekagramm erhöht werden kann. Unter den amerikanischen Sendnngen, befindet sich auch das bei uns zu Speisen nie verwendete Bauntöl. Beschlagnahme non Lebensmittelvorräten t». ' privaten Haushaltungen. Wie wir erfahren, ist vom Staats-' amt für Ernähiilngsmesen in den letzten Tagen eine Aktion eingeleitet worden, die sich gegen die Ausstapvelung von LebtllSmittelvorräten in privaten Haushaltungen richtet. Seit einigen Tagen sprachen in privaten Haushaltiingen amtliche Abordnungen vor, die eine g e n a n e D u r ch s n ch n n g. vor allem nach größeren Mengen von Mehl und Fett, in diesen Haushaltungen vornahm. Wie unsntitgrtcilt wird, sind bereitbeträchtliche Mengen beschlagnahmt worden. Letzte Nachrichten. Die Opfer der Hungerblockade. München» 14. Februar. (Tel. d. „Wr. Morgenzig.") Medizinalrat Dr. Kolb, Direktor der Heil- und Pflegeanstalt 'in Schladming, hat auf Grund seiner statistischen Erhebungen die Opfer der Hungerblockade zusammengestellt. Im Jahre 1915 sind 9'5 Prozent mehr Todesfälle vorgekommen als man nach dem letzten Friedensjahr erwarten konnte» 1916 um 14 Prozent, 1917 um 32 Prozent, 1918 um 37 Prozent,mehr. das will besagen, daß 1915 bis inklusive 1918 736.000 Menschen der deutschen Zivilbevölkerung mehr gxjtorben sind, als erwartet werden durste. Die tschechischen Forderungen. , Genf, 14. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Ein aus Paris zurückgekehrter neutraler Diplomat, der gute Beziehungen zu französischen Regierungskreisen hat, hat der deutschböhmischen Abordnung folgende Mitteilung gemacht: Dr. B e n e s ch ist in Paris einer eingehenden Kritik unterzogen worden. Seine Forderungen gehen den leitenden französischen Kreisen zu weit. Dr. Benesch hat sich sogar dazu verstiegen. eine Internationalisierung Niederösterreichs zu verlangen.