Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 28 (15.2.1919)
- Date
- 1919-02-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Wien, Samstag Wicner Morgenzeitung 16. Februar 1919 * r- Seite 5 Die Wahle». Wahlbezirk Nordost! An die jüdischen Wähler «nd Wählerinnen! Groß ist Eure Verantwortung am Wahltage, den 16. Februar. Von Euch allein hängt eS ab, ob die 39S.0SS Juden Dsutsch'Sstsrreichs in der Konstituante vertreten sein werden oder nicht und ob Deutsch'österreich der einzige Staat bleiben soll, in welchem eine ansehnliche jüdische Minorität (fast ein Zehntel der VevStterung) ohne Vertretung bleibt. Wollt Z)v die Wiedsvaufrichtung der Mischen Würde, Wollt Ihr Euer Wohl, Wollt Ihr ein gedeihliches Zusammen- Hvirlen mit den nichtjüdischen Staatsbürgern, Wollt ihr das Wohl Drutfch'österreichs, Dann wählet am 16. Februar im Wahl- DAezirk Nordost die nachstehenden Kandidaten der ZÜdischen Nationalpartei. 1. Ingenienr Robert Stricke r, Staatsbahnrat. 2. Dr. Leopold Plaschkes, Advokat. 3. Erna Patak, Erholungsheim-Inhaberin. 4. Jakob Pinkas, Kaufmann. 5. Karl Blume, Obmann des Jüdischen Handlungsqehilfenverbandes. 6. Isidor Blaß, Zahntechniker. 7. David Rebenzabl, Privatbeamter. 8. Ingenieur Fedor Ackermann, Oberkommiffär. __ Belehrung für den Wahltag. Vor allem mus; man ein amtliches Do fcuin ent zu sich stecken, um sich vor der Wahlkommission auszuweisen. Also: einen Geburts- oder Trauschein, Heimatschein, eine Staatsbürgerschaftsurkunde, Anstellungsdekret, Paß. Amtslegitimation, Arbeits¬ oder Dienstbotenbuch, Gewerbeschein, Pemanenzkarte, Lizenz, Diplom, Meldungsbuch» Hoch- oder Mittelschulzeugnis, militärisches Dokument — kurz eine Urkunde mit einem Amtsftcmpel, aus welcher der Personenstand des Wühlers zu erkennen ist. Meldez et t e l genüg 1 n ich t. Fr au e n benötigen ein Dokument, das auf ihren Frauennamen lautet, am besten den Trauschein. Wer? Jeder deutschösterreichische Staatsbürger, Mann, Frau oder Mädchen, das bereits zwanzig Jahre alt ist. , Wen? Keine Person, sondern die ganze j Ü d i s ch n a t i o n a l e. L i st e. Wann? Sonntag, 16. Februar, von 7 Uhr früh bis 7 Ühr abends. Wo? In jenem Wahllokal, das durch amtlichen Anschlag im Hausflur jedes Wohnhauses bekanntgemacht wird. Womit? Mit dem jeden jüdischen Wähler und jeder jüdischen Wählerin im Bezirke Nordost zugesendeten Stiinmzettel der I ü d i s ch n a t i o n a l e n Partei (Kandidatenliste Stricker). Solche a u s g e f ü! l t e gültige Stimmzettel sind auch vor den Wahllokalen bei unseren Vertrauensmännern erhältlich. — Oder mit deinamtlichen Stimmzettel, den man im Wahllokale erhält und auf welchem die i^vfl ' jüdischnationale Liste Mnzu haken ist. Wie? Der Wähler tritt vor die Wahlbehörde, nennt seinen Namen, bezeichnet seine Wohnung, legitimiert sich und erhält das Wahlkuvert und auf Verlangen einen Stimmzettel. Hierauf geht er in die Wahlzelle, gibt den ausgefüllten Stimmzettel in das Kuvert, kehrt zurück KWM8 und übergibt das geschlossene Kuvert dem Wahlleiter, der es uneröffnet in die Wahlurne legt. Ungültig ist jeder Stimmzettel, auf dem mehrere Listen oder Namen aus verschiedenen Listen bezeichnet sind. Jedes Kuvert darf auch nur einen gültigen Stimmzettel enthalten, weil sonst alle ungültig werden. Wahlpflicht besteht nichh aber es ist heilige Pflicht jebes jüdischen Wahlberechtigten, unbedingt vor der Wahlurne zu erscheinen und die Kandidatenliste Stricker zu wählen. vi>» Ein antisemitisches sozialdemokratisches Plakat. Auf allen Straßen-prangt ein Wahlagitationsplakat der Sozialdemokraten, auf das wir die Judenschaft ganz besonders aufmerksam machen. Ueber die leidende Menschheit ist eine Krone gestülpt, und auf dieser Riesenkrone sitzen behaglich drei Gestalten, welche den Klerikalismus, den Kapitalismus und den Militarismus darstellen. Die Figur, welche den Kapitalismus versinnbildlicht, ist ein dicker Jude mit einer kostbaren Zigarre im Munde. Ganz nach dem Jargon der Chrlstttchsozialen wird also von den Sozialdemokraten das kapitalistische Ausbeutertum mit dem Judentum identifiziert! Mit diesem verbrecherischen Plakat hat die deutschösterreichische Sozialdemokratie ihre wichtigsten Grundsätze verleugnet und sollte von der sozialistischen Internationale zur.Verantwortung gezogen werden. Sie hat aber Luch hoffentlich den Juden die Augen geöffnet. Zur^Besinnung, jüdische Wähler und Wählerinnen! Diese Partei, welche den Namen „S o z i a l d e m o k r a t i e" nicht verdien t, gibt euch den antisemitischen Instinkten der Massen preis und fordert noch frech eure Stimme. Juden und. Jüdinnen des Wahlbezirkes Nordost, wählet die jüdischnationale. Parteiliste S t r i ck e r. Was dis Ehristlichfozialen versuchen. Mit einem Wahlaufruf, der die Ueberschrift trägt «Die an Gott glauben", wenden sich die, Christlichsozialen an alle Konfessionen. Dieses Plakat sagt durch die Blume: Juden, wollt Ihr Eure Konfession unangetastet erhalten wissrn, dann wählet christlichsozial. Kein Jude, ob er gläubig ist oder nicht, wird dieser „Einladung" Folge leisten. Wie traurig, daß man die Selbstverständlichkeit „keine jüdische Stimme d e n C h r i st l i chsozialen!" überhaupt noch wiederholen muß. Aber es gibt eing Handvoll ehrvergessener großkapitalistischer Juden, welche in ekliger Selbstsucht und unerhörter Schamlosigkeit den geborenen Feinden des jüdischen Volkes nachläuft und ihre Kandidaten wählt. Diese Renegaten haben nebst allem anderen, was sie an ihrem Volke verbrochen haben, auch noch dies am Gewissen hahen, daß hie christlichsoziale Partei sich an die jüdische Wählerschaft heranwagen darf. Wir werdern es den Verrätern nie vergessen! Vorsichtsmaßregeln der Behörden. Me schon bekannt, hat die Regierung jeglichen Alkoholverkanf fite die Zeit der Wahlen untersagt. Sie hat außerdem noch ganz besondere Maßregeln getroffen, unl die Ruhe in den Straßen aufrecht zu erhalten. Seit gestern abends streifen an allen wichtigen Punkten der Stadt 'Patrouillen der Bolkswchr in Stnrmausrüstung, die jeden Militaristen anhaltcn und nach Waffen untersuchen. In den äußeren Bezirken und an der Peripherie der Stadt sind die Sicherheitspostcn außergemöhiilich verstärkt worden. Natürlich werden diese Maßregeln am Montag, dem Tag der Bekanntgabe des Wahlresultats, noch besonders verschärft werden. An die jüdischnatiönalen Wähler tot TI., TU. und Till. Bezirk. Die Gesinnungsgenossen werden ersucht, sich an der Wahl zu beteiligen und ihre Stimmen gemäß der Parteiparole für die Liste der demokratischen M itt e lst and s p art ei (Listenführer Zabranski) abzugeben/ ' Jüdischer Nationalverein. Die Mitglieder der akademischen Verbindung „Robur" treffen einander Sonntag, 8 Uhr früh, im tzanptagitationslokal des XX. Bezirkes, Srafaelgaffe 1«, Tür 12. Rudolf Kluger. Wählerversammlungen. 6 Uhr: „Kontinental", N., Taborstraße 4. Frauen Versammlung. Anitta Müller, Erna Patak. 6 Uhr: Hotel „Arco", Rote Sterngasse 7 a Dr. Plaschkes, I. Blaß. 6 Uhr: Eiselasaal. Floridsdorf. M. Waldmann David Nebenzahl, I. Korn. Hermann Plaschkes. V* 7 Uhr: Restauration Nofenberg, II., Nordbahn straße 48. Blume, Max Markus. Stricker. Va 7 Ul)t: Restaurant Keftler, * XX., Rauscher ftraße 5. Waldmann, Plaschkes. 7 Uhr: Vereinslokal. Zirkusgasse 33. I. Blaß, Dr. Heinrich K.amer, I. Korn. 7 Uhr: Vereinslokal, Glockengasse 30. Ing Buchbinder. Blume, Dr. Heinrich Kramer. Agitationslokale der Jüdischnatiönalen Partei für die Lropoldstadt. I. H n u p t a g i t n tm o n s i o k a l: Caf6 „Zum roten Tnrin", L licnbrnnngassc2 (Son'crrainch Agitationsleiter: die Gg. Paul I. D i a m a n t, Ing. Engen Buchbinder, Rudois Fort mit der Schande! Richtet die jüdische Würde wieder auf Juden und Jüdinnen im Wahlbezirke Nordoft: Wühlet die Jüdisch - nationale Parteiliste Stricker! Philipp und Frl. Mmtha Schn a b l. Agitatormj Kadunah, Jvris. > , i II.. Agitationslokal: Taborstraße 20 a. (Jüdischer National? rat). Agitationsleiter: Gg. E. T o r c z y n e r. Agitatorenj Jordan! a.; Ni. Agitationslokal: Kleine Pfarrgasse 8. AgitationSleitetf die Gg. A d w o k a t, S 1 r y e r. Agitatoren: Jordania. ' > I V\, Agitationslokal: Kleine Mohrengaffe 5 (Halbstoch Agttationsleiter: die Gg. Schüß, Deutsch. Agitatoren; Neure Iehuda und Mormh. \ V. Agitationslokal: Große Mohrengaffe 3 (Hof der Pro(: lmktenborsc). Agitationsleiter: Gg. Reiner, J e l l i n e h Agitatoren: Neure Iehuda, Moriah. ) VI. Agitationslokal: Glocken gaffe 80. Agitationsleiter» Gg. R o s e n b l » m. Agitatoren: Verein Zion. > Vs>. Agitationslokal: Zirkusgaffe 33, I. Stock. Agitation^, leiter: Gg. Feiler. Agitatoren: Verein Zion.? VI!l. Agitationslokal: Zirknsgasse 33 (Zion. Zcntralbureach L e i t« n g: die Gg. H o r o w i tz und S ch m i d t. Agitatoren- Verein Zion H. ' >X. Agitationslokal: Sebastian Kneippgaffe 11 und 18( Agitationsleiter: Gg. Jakob P i n k a s. Agitatoren: Judäa- X. Agttationslokal: Cafä Winkler, Untere Augartenstraße 10( - Agitationsleiter: Gg. Dr. Georg W ein e r. Agitatoren: Verein Theodor Herzl. i XI. Agitationslokal: Valericstraße 59. Agitationsleiter; Dr. Kurt E p l e r. Agitatoren : Unitas. s XII. Agitationslokal: Novaragasse 28. Agitaüonsleiter i Gg. Hermann Plaschkes. ' XlU. A g i t a t i o n sl okal d eS Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes:* II., Obere. Donaustrabe 65, Hochparterre. Agitationsleiter: Herr Bernhard Grün Hut. Agitatoren: Jüdischer Händlungs-, . gch'.lfenvcrband «nd Turnverein Makkabi U. " 1 Xl V. Ayitationslokal: (Eaffi Braun, Kronprinz Rudolf« , 'traße 50. AgNationslerter: Herr Emil Kafka. - \i XV. Agitationslokal: G l o ck e n g a s s e 30 (Verein Ziön)< , 2 t x t int fl: bic Gg. R o s e n b l u^m und F e i l e r. Agitatoren: Verein Zion tl: XVI. Agüationslokal: Cafs Bürger, XX., Wallenstein-, straße 2. .. .i XVH. Agitationslokal: Cafä Frank, Ü., Große Sperlgaffe 35. ' '! . XVIll. Agitationslokal: Restauration Austria, II., Unter« Augarten straße 26. /. i XIX. Agitationslokal: Caf6 Glaser, II., Stuwerstraße 1; XX. Agitationslokal: Restauration Spritzer, II., Glockengaffe 2. Agitationslokale für den XX. Bezirk. j Hauptagitationslokal (Agitationsleiter Fritz Spitzer) XX./' Rafaelgasse lb. Tür 12. ■ J Agitationslokal XX., Mathildengaffe L Tür 4. (Sprengel 134 bis 138, 144 bis 148, Sprengelletter Gg. Dicksterm! Wahllokal Standingcrgasse 6.)! Agitationslokal XX., Rafaelgaffe 1 b, (Sprengel 139 bis 143,1 Sprengelleiter'Gg. Frit; Spitzer. Wahllokal Kariangasse). Agitationslokal XX., Wallensteinstraße ö, Tür 8. (Sprengel 149 bis 155, Sprengelletter Gg. Korczyn. Wahllokal Treuftraße 9.) Agitationslokal XX., Rafaelgaffel d. (Sprengel 156 bis 163/ Sprcngcllciter Gg. Schwertfinger. Wahllokal Greiseneckergasse.)-! Agitativnslokal: XX. Brigittenaucrlände 18, Tür 9» (Sprengel 168 bis 172. Wahllokal: Amtshaus, Brigittaplatz,) Sprenaelleiter: Gg. H o j d a. Ü A gitatr o n slokal: XX., Kaschlgasse 6, Tür. 23. (Sprengel 164 bis 167, 173 bis 185. Wahllokale: Jager- > straße 54. Leipzigerplatz 1 und 2.) Sprcngcllciter: Gg. Lack, h A g i t a t i o n s l o k a l : XX„ N n i v e r s u mstraße 40. Sprengel 186 bis 217. (Wahllokale in Zwischenbrücken.) Sprengelletter: Gg. G r a s t m a n n. Die Damen und Herren Agitatoren finden fich, soferne Ihnen ein Sprengel schon zngewiesen wurde, am Wahltage Punkt halb 7 U h r f r ü h in dem betreffenden Agitationslokal ein. Diejenigen, welche noch keine b e st i m m t e Emtcilung erhallen haben, sind zur selben Zeit im Hauptagitationslokal, . XX., Rafaelgaffe Id. Die Tätigkeit der Funktionäre in den Wahlagitationslokalen beginnt am Wahltage um 7 U h r früh. ___ Tagesbericht. Zurückziehung der Studentenausweisung. Eine neue Blamage Deutschösterreichs. ' - Wie wir an anderer Stelle bereits kurz verichkekeu',^ hat Staatssekretär Dr. Renner der gestern bei ihm er-, schirneiien Abordnung dev Studentenschaft die Mitteilung gemacht, daff der Erlaß des Staatsamtes für Unterricht im vollen Umfang annulliert wird. Es können, sonach alle Studenten ihre Studien ohne vorzeitigen Aübruch des Semesters fortsetzen, und bezüglich der Inskription! für das Sommersemester äußerte sich Dr. Nenner dahin,! daß alle Hochschüler, welche gegenwärtig inskribiert sind,! im Sommersemester „wieder zur Inskription antreten können".! Die zweite Forderung der Studenten war, daß, um in Hinkunft . ein derartig rückständiges Vorgehen der Behörden auszuschiießen, und es unmöglich zu machen, daß die akademischen^ Behörden über die Lebensinteressen der Studentenschaft selbstherrlich entscheiden, die sofortige Bildung eines auf Grunds des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Propot-i tionalwahlrechtes gewählten Hochschulausschusses angeordnet'!' werde. Auch diesbezüglich machte Dr. Nenner die Mitteilung,; daß die Bildung derartiger gemeinsamer H ochsch u l ans sch ü sse den Rektoraten aufgetrageili/ worden sei. Renner versicherte, er werde sich immer dafür einsetzen, daß die Jnternationalität der Hochschulen! durch nichts und durch niemand angetastet wird. Staats-, sekretär Pacher^ betonte vor allem, daß die Hilfe der?! Studentenscha't zur Behebung des Platzmangels'! herangezogen werden müßte. In dieser Hinsicht wurden auch bereits einige konkrete Fakta besprochen und sestgestellt, daß dieses Moment keineswegs von ausschlaggebender Bedeutung ist. Beide Staatsmänner haben den Wunsch ausgesprochen,! daß auch die in der Delegation vertretene Studentenschaft. sich an dem Ausbau Deutschösterreichs und dem Wieder-! aufban der Hochschulen beteiligen möge. Sic baten auch^ daß die im Koinitee vertretenen Nationen ihren Einfluß in der Heimat dahiu geltend machen, daß auch dort keinerlei harte Maßnahmen gegen deutsche Studenten ge!rossen werden. An der Deputation beteiligten sich auch die Vertreter der „Iildisch^ladem^sck'en Vereinigung beider ^ochschnsen" in l G. raz. Diese führten darü. er Beschwerde, daß am 28.