Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 27 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ggftwer Morzenzeitmrs 14 F:bn«kr 1919', . „ ,. Stt ff Die Novembklpogrome in Polen. Bericht des englischen SpezialKommissärs. Bern, 13. Februar. .!die „Times" veröffentlicht einen Bericht des englischen Sp ezial ko mm i ssärs über die polnischen Pogrome. (Von uns bereits auszugsweise mitgeteilt.) Darnach begann die judenf-eindliche Bewegung in Galizien unmittelbar nach Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie und griff nach Polen über. Die in Krakau mit Zustimmung des Liquidationskomitecs gegründete jüdische Miliz von 1000 Mann wurde vom Legionskommandanten No ja entwasfnet und aufgelöst. Nirgends wurde den Juden gestattet, sich zu bewaffnen oder in die allgemeine Miliz einzutreten. Im November fanden ungefähr 110 Pogromd statt, an denen sich , die Legionäre ’ entweder beteiligten oder denen sie zusahen. Nach dem Lemberger Pogrom waren die bedeutendsten die Pogrome-in PrzemySl, Kielce, BrzeSko und Chrzansw. Der Pogrom in PrzemySl begann am 11. November, unmittelbar nach der Einnahme durch die Polen. Die Legionäre beteiligten sich an den Plünderungen und Mißhandlungen. Oberst HokarzewStt verlangte von den Juden ein Lösegeld von drei Millionen Kronen. In Kielce wurde der Pogrom vom stellvertretenden Milizkommandanten or. ganisiert, wobei eS vier Tote und 25 Verwundete gab. Auch in Brzesko gab es Verwundete und To:e sowie Brandstiftungen. Ju Chyrow wurden hundert jüdische Mädchen und Frauen bis zu einem Aller von 70 Jahren ihrer Schuhe und Strümpfe beraubt' ttn® gezwungen, barfuß mit den Soldaten abzuziehen. Während des Marsches warf der Kommandant wiederholt- Gewehre in den Fluß und ließ sie von den Frauen,, die bis zum Halse in das eiskalte Wasser hineinwatenj mußten, herausholen. In Nzeszow wurden alle. Juden, die eine Neiseerlaubnis erbaten,, beraubt und'' auSgepeitscht. In Ustrzycki Dolne wurden die Juden von den Legionären, gezwungen, 150.000, Kronen zu zahlen. In Wisnicz wurden alle männlichen Juden zwischen 12 und 72 Jahren auf.Befehl deS. Legionskommandanten , Ssfmllich auSgepeitscht. > . , r Im polnisch.litauischen Grenzort Läpy wurde' unter dem Vorwand her Grenzkontrolle zur Verhaftung, Mißhandlung und Beraubung der Juden geschütten. Besondere Brutalitäten wurden in Koma rowka und Przegaliny (nahe Diala) verübt. Die Juden und Jüdinnen wurden durch neun Tage täglich aus gepeitscht und mußten außerdem für jeden Peitschenhieb 2 Rubel zählen. In Przegaliny erhielten die Juden am ersten Tage 100 Schläge, an den folgenden Tagen 10 Schläge. Vier Soldaten schlugen, je einer saß auf dem Kopf und den Füßen des Opfqrs.. Nach jedem Schlag mußten die Opfer »; > ' - „Tanke Euer Gnaden" sagen. Schließlich kauften sich die Juden^ nachdem die' Mädchen von den Soldaten ' vergewaltigt worden waren, mit 18.000 Kronen los. Igelte 4" Mett, Freitags Präsident Ebert bleibt in der Partei. Berlin» 13. Frbmar. In einer Unterredung, welche der Vertrete.- der „Deutschen Allg. ,^tg." mit dem Präsidenten Ebert batte, äußerte sich dieser auf die Frage» ob er aus der ParkriauSt r e t e: Nein! Meine Partei ist der Zahl und den Aemtern nach die stärkste in der neuen Koalitionsregierung. Co wenig meine Parteifreunde als Staatssekretäre ihre Parteizr.gchongtnt oblegen werden, so wenig werde ich rS tum Wohl aber, werde ich die Geschäfte oes N e i ch S v r a irden t e n so führen, daß niemand von Parteilichkeit reden kann. Nadek als Haupt der Spartakisten. r Berlin» 13. Februar. Z. am Mittag" meldet: Bs- N a d t f ist eine überaus große Menge von Briefen, Fluge schrifien nnd Listen vorgefunden worden, deren Prüfung einig Tage in Anspruch nehnim wird. Ader schon erst flüchtiger lieber^ blick gestattet das Urteil, daß durch die Verhaftung RadeK und die Beschlagnahme feiner Akten, die ganze Gehei utorganis akion der Svartakifte« ausgedecK erscheint. Radek» der seit dem Mißk-ngen deS Sparkakuspulfches im Jänner sich unmtkerbrochen in Berlin anihicly hatte sich als Dr. Richards gemeldet, außer feiner Sekretärin und einer M a s ch r n s ch r e i b e r i n, die beide gleichfalls verhaftet worden sind, empfing er nur selten Besuch. Keiner der bekannteren Spartakiftcnfichrer zeigte sich bei ihm, um die Poüzei nicht auf feine Spur zu bringen. Dm Verkehr mit dem Spartakisteubund vermittelte seme Sekretänu. Radek protestiert gegen seine Verhaftung. Berlin, 13. Februar. Radek betonte bei seiner Festnahme, daß er als Mitglied der russischen Sowietregierung widerrechtlich festgenommen worden fei und die deutschen Gerichte deshalb nicht in der Lage feien, gegen ihn vorzugehen. Dem »Lokalanzeiger* zufolge steht die Regierung auf dem Standpunkt, datz die Festnahme und Bestrafung Radeks mit den auswärtigen Beziehungen in keinem Zusammenhang stehen. Radek, der sich eines Verbrechens schuldig gemacht habe, werde nach den demschen Strafgesetzen abgeurteUt werden. Ungar«. Straßenkämpfe in Preßburg. Budapest, 13. Februar. Rach einer Meldung des .Pester Lloyd" kam es gestern in Preßburg zu blutigen Zusammen st ötzen zwischen Streikenden und tschechischen Soldaten. Die Arbeiter hatten einen Demonstrationszug veranstaltet, an dem auch ein großer Teil der Bürgerschaft tetU nahm. Die Tschechen griffen die Menge zuerst mit Bajonetten an, später setzten sie auch Maschinengewehr ein Aktion. Hiebei sollen viele Personen getötet oder verwund-t worden sein. Nachmittags entsandten die Tschechen Parlamentäre, um mit den Arbeitern zu verhandeln. Die Tschechen sollen den italienischen Oberst Darecca wegen seiner UngarsreundUchkeU abgesetzt baben. ‘ Budapest, 13. Februar. »Mag* meldet In Preßburg stehen die ungarischen Arbeiter Eisenbahner und öffentliche Beamte sowie die s l o w a k i s ch e n A r b e it e r i n blutigem und mörderischen Kampfe mit den Tschechen. Um 3 Uhr nachmittags kam es zu einem heftigen Gewehr- und Handgranatenseuer in den Straßen der Stadt. Der Kommandant der ungarischen Polizei in Engerau, einer am anderen Donauuser gelegenen Ortschaft» sandte über die Donaubrücke Parlamentäre und forderte vom tschechischen Kommando in Preßburg Aufklärungen über die Ursache der Schießerei sowie die Einsetzung einer gemischten Kommission zur Feststellung der Ursachen des Kampses und der Zahl ferner Opfer. Außerdem wurde die sofortige Aushebung der Sperre der Donaubrücke gefordert» da 300 Personen, Frauen und Kinder,'aus Engerau nach Preßburg zurückkehren wollen. Der tschechische General Caic, der an Stelle des zurückgetretenen italienischen Obersten Darecca das Stadtkommando übernonrmen hatte, erwiderte, er könne nicht gestatten, daß auf dem Gebiete des tschecho-flowakischen Staates die Untertanen eines fremden Staates eine Untersuchung führen. Die Drücke könne aus strategischen Gründen der öffentlichen Benützung nicht freigegeben werden. In Preßburg sei eine Volksversammlung ohne Erlaubnis abgehalten worden und man habe auf unbewaffnete tschechische Soldaten geschossen. Die ungarischen Parlamentäre hielten die Antwort für nicht befriedigend. Sie beharren auf der Eröffnung-»der Donaubrücke. Nach Behauptung der Tschechen gab es auf ungarischer S.ite 2 Tote und 2 Schwerverwundete» auf tschechischer Seite 2 Schwer- und mehrere Leichtverwundete. Preßburg von der Außenwelt ab gesperrt. Budapest, 13. Februar. (Tel. der „Wiener Morgen- Leitung") Der „Pester Lloyd" erfährt aus guee Quelle, daß die Tsck-echen nach und nach aus Preßburg flüchten und es jetzt dort nur wenige Soldaten gibt. Abischen den Tschechen und den Italienern herrsclien Unstimmigkeiten. Der Kommandant der italienischen BesatzungS-!truppen, Oberst Vareeea, hat vor einigen Tagen seinen tschechischen Adjutanten durch einen italienischen Offizier ersetzt und verhandelt nicht mehr direkt, sondern durch diesen Offizier mit den Tschechen. In einem gestern nach Italien gesandten ausführlichen Bericht mißbilligt er gewisse tsch7chi,'che Miß- und Ueüergriffe und stellt an die italienische Negierung daS Ansuchen, dahin ^zu wirken, daß die Tschechen sich hinter die erste Demar-! kattonsttuie zurückziehen. Statt der Tschechen verlangt er italienische Soldaten, widrigenfalls er das Kommando niederlegen müsse. Seit dem 12. Februar ist die Brücke von Preßburg gesperrt, so daß Preßburg »von der Außenwelt völlig abgeschlossen ist. Die Slowaken demonstrieren gegen die Anwesenheit der Tschechen und verlangen ihren Abzug aus Oberungarn. Die Slowaken haben eine Liga gebildet, um gegen dre tschechische Invasion zu kämpfen und 10 Millionen Kronen Bargeld gestiftet. Der Streik in Komorn. - 1 Budapest» 13. Februar. Das «Wcut Pester Journal* meldet auS Komorn: Der Streik bauen fort. Die KonularSbealnken sowie die städtischen und die Staatsbeamten baden eine feierliche Ecklärung abgegeben, daß sie sich untre allen Umständen als nngansche Beamte bekennen und emer fremden Macht kein Gelöbnis leisten. Sie wollen ihre amrUchen Pflichten mit der bisherigen Gewmenhastigkeir nach den Bcsttmmungen der ungarischen Gesetze erfüllen und als Amtssprache einzig und allein das U n g a r i s ch e anerkenne». Schließlich erllären sie sich mit dm Ausständigen solidarisch. Politische Amnestie. Budapest, 13. Februar. Das Amtsblatt veröffentlicht ein DokkSgesey iib:c die Gewährung einer A in n e st i e aus A»l«<v der Proklaimerung der ungarischen Volksrepublik für sämiltche politische Vergehen, die vor, dem 31. Okiober 1918 begangen worden sind, mit An "nähme jener Vergehen, bezüglich deem das Gesetz über die Mlnisterverankworttichkeit Anwendung findet. Außerdem wird auch für gemeine Verbreche« in motivierten Fällm Amnestie gewährt. Der Führer der Antisemiten gestorben. Budapest» 13. Februar (Nim. Tck.Korr.-Bur.) Der langsährige Reichstagsabgeordnrte, Prälat Johann M o l n a r, der Grülider der ungarischen ch r i st l i ch s o z i a l e n Partei, ist gestorben. Er war Jahrzehnte hindurch Herausgeber des klerikalen Blattes „Alkormany". Absetzung des Poli^eihauptmanns Varga. N Budapest, 13. Februar. (TU. der „Wr. Morgrnztg.*) Der Leiter der politischen Sektion der Polizei, Polizeiharwtmann Josef Varga, der die Untersuchung gegen die der gegen revolutionären Propaganda verdächtigen Personen geführt hat, soll seiner Stelle enthoben werden. Die Polizisten haben in einer Sitzung beschlossen, dagegen Widtrstand zu leisten und, falls Varga tatsächlich ab geietzt wird, eventuell m den Ausstaud zu treten. Die Gegenrevolution der Bischöfe. Budapest, 13. Februar. (Tel. der „Wiener Morhenztg.*) Der Negierungskommissär für katholische Angelegenheiten, Adam Müller, berichtete der Regierung, daß die ungarischen Bischöfe einen Fonds von 60 Millionen Kronen errichtet habe, um jede Aktion der niedrigen Geistlichkeit zu verhindern, und, bis die Zeit gekommen ist» gegen die ungarische Staat«form aufzutreten. Nach dem „8 Uhr-Blatt* hat der Ministerrat beschlossen, gegen diese Aktion mit der größten Schärfe vorzugehen. Der Bischof von Steinamanger, Graf Johann Mikles, hat dem Reyrerungskommissär erklärt, daß er das Verhalten der gegenwärtigen Regierung nicht billige und ihr auf jede Weife entgegentreten werde. Kohle für Budapest. Budapest» 13. Februar. (Tel. der »Wr. Morgemta.") Wie bekannt, hat die Entente bei der tschccho-slowakischen Negierung interveniert, daß B u d a p e st schleunigst mit GaSkohle versorgt werde. Die Vertreter der ungarischen SmatSbahnen verhandcln schon seit rnugrn Tagen in Prag mit den kompetenten Stellen. Das Ergebnis ist, daß der erste Transport von 58 Waggons Gaskohle ans dem Karwin-Ostraner Kohlenrevier bereilö -n Budapest eingelrossen rst. Weitere Transporte sind uit Aurolleu. « - - - '* - > ' ■ 1 " - > - - Nnmünien sperrt den ungarischen Gesandten ein. * Budapest 13. Februar. (Tel. der ^Wr. Morgenztg.*) Unmittelbar nach dem Ausbruch der Revolution hat die ungarische Negierung den Grasen Georg G e a n o o i t s als ungarischen Gesandten für Rumänien nach Jassy entsendet, um mit der rumänischen Regiemng in diplomatische Beziehung zu treten. Diese hat ihn nicht anerkannt, jedoch auch nicht abreisen lassen, sondern ihn interniert. Er wohnt im Graben-Hotel in Bukarest. Polen. Das Parisör Nationalstomitee. Paris, 18. Frbniar. „Fiyaro* schreibt: Nach einer lieber-' e'lnkmst zwischen P i l s u d S t l und PaderewSki wird daS polmifche N a t i o n a l k o m i t e e in Paris durch Vertretet der sozialistischen Partei und der anderen Parteien derselben Richtung vervollständigt werden. So wird künjtig daS Nationalkomikee in Paris daS e l n z i g e z u st ä n d i g e O rg a n des polnischen Staates sem. — „Chicago Tribüne" berichtet, daß die amerikanischen Polen die soiortigeDemobilisiermtg verlangen und nicht nach Polen gehen wollen. Eine Eagnete über die jüdische Frage. Krakau, 13. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) In Lemberg findet seit drei Tagen eine von der Regierung einberusene Enquete über die Beziehungen derIuden zu den Polen statt. Zu dieser Enquete sind Vertreter aller Parteien geladen worden. Die Aussprache dürste noch zwei bis drei Tage dauern. Ukraine. Friedensverhandlungen mit Polen. > Stanislau, 13. Februar. (Ukr. Pressedienst.)^ Aus Kiew wird gemeldet: Dem Blatte ^Golos" zufolge, ist der nach Warschau entsandte ukrainische Delegierte Prokopowitsch zur Berichterstattnng zurückgekehrt. Das Ergebnis der Warschauer Verhandlungen soll erfolgversprechend sein. Die Regierungskreise in Warschau stellen sichere Grundlagen für die Führung von Friedensverhandlungen in Aussicht. Auf Grund des Berichtes hat die ukrainische Regierung beschlossen, in den nächsten Tagen eine mit besonderen Vollmachten ausgestattete Delegation zur formellen Aufnahine von Friedensverhandlungen mit der polnischen Regierung zu entsenden. Wiederaufnahme des Kampfes um Lemberg. Der «fralnische .Generalstab berichtet: ' Stan!S!a«, 13. Februar. (Ukrainischer Pressedienst.) Dev ukrainische Angriff gegen die polnischen Bcrtcidlgungssteiiungey innerhalb dor Vanmneile von Lemberg und gegen die einzige, Lemberg mit dem Westen verbindende Eisenbahnlinie nach PrzemySl wurde in den letzten Tagen mit sichtbarem Erfolg wieder ausgenommen. . Während in de« nördlichen und östlichen Vororten von Lemberg wieder Nahkämpfe tm Gange sind, erfolgte im Raum von M o S e i S k a ei« starker ukrainischer Angriff gegen die genannte Eisenbahnlinie. Die ukrainischen Abteilungen nahmen Vuchowkee und StrezelczySka, 9 Kilometer südlich Moöciska. Ruzsowlczy wurde eingeschlossen. In StrczclczySka haben polnische Bauern aus ihren Hütten auf unsere vorgehcnden Kosaken geschossen. Die Polen haben Gefangene und viel Kriegsmaterial verloren. Polnische Gegenangrijse gegen de« ukramischen Stützpuilkt ta der Grtuidscheu Brauerei m.