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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-14 · Heft 27 (14.2.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 27 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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K wtrizr Men, Freirag . - ....--Ml ..rM>iiMii'^a»iVrrr^f LNMer Morgenzerrung 14. Februar 1919 Seite 3 Die nationaljüdische Arbeit ln den letzten Wochen. Während die zahlungskräftigen Parteien die schreiendsten Pläkate aushcmgen, von Flugzeugen und Automobilen Werbeschriften auf die Wiener Straßen schütten und einander in Wahltricks Überbieten, haben die Zionisten und Nationaljuden mit keinem anderen Instrument als mit ihrem Programm und mit der Werbekraft, ihrer Redner eine Aufklärungsarbeit unter der jüdischen Bevölkerung des 2., 20. und 21. Bezirkes geleistet, die an sich für die Entwicklung des nationalen Gedankens die größte Bedeutung hat. """ Der Listenführer der jüdischnationalen Kandidatenliste, Ing. Robert Stricker, hat in den letzten drei Wochen täglich in Wählerversammlungen gesprochen und nicht nur mit seinen Ausführungen, sondern auch durch die in den Versammlungen verteilten, von ihm verfaßten vier Flugschriften (auf deren kraftvolle Diktion und zwingende Logik nicht genug hingewiesen werden kann) ein großes Stück Erziehungsarbeit ge- I leistet. » Kandidat D'r. Leopold Plaschkes hat immer ^wieder vor den Wählern ein großzügiges Wirtschaftjliches Programm entwickelt und die spezifisch-jüdischen Wirtschaftsfragen des jüdischen Mittelstandes, Kleinbürgertums und des jüdischen Proletariats dargelegt. Unsere Kandidatin, Fram Erna Patak, die bekanntlich während des Krieges für die Flüchtlinge mit Tatkraft und ganzer Hingabe. gewirkt hat, sprach in den meisten Wählerversammlungen, beschäftigte sich insbesondere mit dem Problem der sozialen Fürisorge im Judentum und verfocht den'Grundsatz: Keine Philantropie, sondern Recht. Kandidat David Nebenzahl, bekanntlich ein überaus wirksamer Debatter, hat sich mit den anderen Parteien sehr gründlich und erfolgreich auseinandergesetzt, und auch die anderen jüdischnationalen Kandidaten setzten ihre^ ganze Überzeugungskraft ein. j Besonders hervorgehoben muß die Wirksamkeit unserer Frau Anitta Müller werden, die der.großen Sache nicht nur mit ihrer Persönlichkeit diente, sondern auch den jüdischen Frauenbund ins Leben rief, der im Wahlbezirke mit Begeisterung an der Arbeit ist. Unter der Führung unserer bewährten Gesinnungsgenossen Paul Dia mand, Ing. Buchbinder und Spitzer hat das Zentralwahlkomitee die bewußtjü. ische Jugend mobilisiert und alle Vorarbeiten beendet, l Die letzten Tage trennen uns vor der Entscheidung 'und wir haben alle Ursache, dem W.ahlgange mit Zuversicht entgegenzusehen. Genosse Pick. * Wir erhalten folgende Zuschrift: Herr Karl P i ck leugnet in unter-den jüdischen Angestellten massenhaft verbreiteten Flugzettcln, daß er je die Bemerkung ge- , macht habe „Daß ich bei meiner Geburt, kaum 8 Tage, alt veri gcwaltigt wurde, dafür kann ich nichts". Wir erklären, daß diese Bemerkung aus seinem Munde gefallen ist, und zwar anläßlich der letzten Wahlen in den Gehilfenausschuß vor dem Kriege in zwei hintereinander abgehaltenen Bersannnlungen.f — Bei der ersten im Bcethovensaal mit der Randglosse & la Budapests „aber ich kann ihnen sagen, ich. Hab mich gewehrt! Gcschrien Hab' ich aus Leibeskräften", bei der zweiten ini alten Hotel Franz Joscfsbahn- . Hof in der ersterwähnten Form. — Bei dieser Versammlung hatte auch Abgeordneter Forstner Gclegenhett, den guten Witz zu belachen. Wenn Herr Karl Pick diesen Witz, der m nichts anderes ist, alsdas Produkt seiner jahrelang geübten Stellung zum Judrnlumc, heute aus Wahlgründcn leugnet, so bestätigen wir chm , geme seine Autorschaft vor aller Oeft'entlichkeit und sind bereit, (auch eine Reihe anderer Zeugen namhaft zu machen. Und nun kann Herr Karl Pick seine Konsequenzen ziehen. Emst Hirsch Samuel Strauß Wien» IX., Grünetorgasie 19. IX., Nußdorserstraße 6.! Agitationslokale der Jüdischnationalen Partei für die Leopoldstadt. < I. H a u p t a k i t a t i o n s l o kal: CafS „Ztim roten Turm", LllienbmnngaffeS (Souterrain). Agitationsleiter: Leopold S i y m a n n und die Gg. Ing. Eugen Buchbinder und Rudolf Philip p. Agitatoren: Kadimah, Jvris. , II. Agitationslokal: Taborstraße 20 a. (Jüdischer Nationalrat). Agitatiousleiter: Gg. E. T o r c z y n e r. Agitatoren: Jordania. Ht. Agitationslokal: Kleine Pfarrgasse 8. Agitationsleiter: , die Gg. A d w o k a t, S t r y e r. Agitatoren: Jordania. [ IV. AgitationslokalKleine Mohrengasie 5 (Halbstock). Agitationsleiter: die Gg. S ch ü ß, Deutsch. Agitatoren: Mure Jchuda und Mvnah. V. Agitationslokal: Große Mohrengasie 3 (Hof der Produktenbörse). Agitationsleitrr: Gg. R e % n t v, Iellinek. Agitatoren: Ncure Jchuda, Moriah. vi. Agitätionslokal: Glockengasie 80. Agitationsleiter: Gg. R o s e n b l u m. Agitatoren: Verein Zion. Vli. AgitationZlokal: Zirkusgasie 33, I. Swck. Agitationsleiter: Gg. Feiler. Agitatoren: Verein Zion. VIII. AgitationSlokäl: Mühtseldgasse 5. Agitationsleiter: Gg. H o r o w i tz. Agitatoren: Verein Zion. IX. Agitationslokal: Sebastian Kneippgasie 11 mid 13. Agitationslnter: Gg. Jakob P i n k a S. Agitatoren: Judäa. X. AgüaÄonslokal: Casü Winkler, Untere Augartcnstraße 10. AaitationSleiter: Gg. Dr. Georg Werner. Agitatoren: Verein Theodor Hcrzl. XI. AgitationLlokal: Valerieftraße 59. Agitationsleiter: Dr. Kurt E p l e r. Agitatoren: Unttas. XII. Agitationslokal: Novaragaffe 28. AgitationSlciter: Gg. Hemmnn P l a f ch k e S. j XM. Agitationslokal des Jüdischen Handln ugsgehilfenverbandes: N., Obere D o n a n st r a ß e 65, Hochparterre. Agitationsleiter: Herr Bernhard Grün hu t. Agitatoren: Jüdischer Handlnngs- , grhilfenverband und Turnverein Makkabi tt. Freitag den 14. d. M. findet im Hauptagitations- ' lokal >1., Lilienbrunngasse 2, eine Besprechung der Agitationsleiter statt. Die Tätigkeit der Funktionäre in den Mahlagitationslokalen beginnt am Wahltage nm 7 N h r früh. Der Wahlfonds. Große Geldmittel sind notwendig, nm den Wahlkampf siegreich zu beenden! Unterstützet Eure eigene Partei! Jede, auch die kleinste Spende, ist willkommen und hilft Euch, den Sieg.z« erringen! Geldspenden find zu richten an Herrn Karl Schnitzer, XL, Czerningaffe 7. Postsparkassen-Konto 134.033. Inland. Lammasch fordert das Selbstbestimmungsrecht für Deutschösterreich. ' Köln, 13. Februar. Dr. Heinrich Lammasch veröffentlicht in der „Kölnischen Volkszeitung" einen Aussatz über das Selbstbestimmungsrecht der Deutschösterreicher. Der Zweck des Krieges, sagt der Verfasser, könne kein anderer sein als der, das Selbftbestimmungsrecht der Völker und einen dauernden Frieden zu verwirklichen. Wenn die Sieger diesen Grundsatz in allen von ihnen besiegten Staaten durchführen, so sei damit der entscheidende Schritt zur Völkrrvcrsöhnung getan.- Das Selbstbestimmungsrecht der Völker in der österreichisch-ungarischen Monarchie stehe außer Frage, mit Ausnahme Deutschösterreichs. Doktor Lammasch weist an der Hand der Geschichte die Zugehörigkeit BozenS und des labinischen SüdtirolS zu Deutschösterreich nach und schildert dann im längeren geschichtlichen Ausführungen den Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen in Böhmen und Mähren, an dem bas eigentliche Volk zunächst ziemlich, unschuldig gewesen sei.' Das ewige, Lavieren Franz Josephs von der einen Seite zu der'anderen habe die nationalen Hoffnungen aufs höchste gespannt, und dann wieder aufs schwerste enttäuscht. So sei die Stimmungzwischen beiden Nationen immer verbitterter und gereizter geworden und habe bedauerliche Uebergriffe und Ausschreitungen veranlaßt, ein Zustand, der als unerträglich empfunden wurde. Der Zeitpunkt zu einer Verständigung sei versäumt worden. Jetzt verlangten die Deutschen wie früher die Tschechen die Trennung. Wenn es aber einmal so. weit gekommen sei, so gebe es, keinen Ausweg mehr und die Trennung werde zur Notwendigkeit'. Der Artikel schließt: Einer der Grundsätze, der neuen Weltordnung, die nach dem Programm der siegenden. Mächte, insbesondere nach dem deS Präsidenten Wilson, aufgerichtet werden soll, ist, daß die Völker nicht mehr wie Steine auf dem Schachbrett hin- und hecheschoben werden dürfen,^ sondern daß . sie selbst über ihr Geschick entscheiden sollen." Dieses Prinzip nehmen nun auch die Deutschen Oesterreichs für sich in Anspruch. Sie verlangen das Recht, selbst über ihre Stellung im europäischen Staatensystem zu entscheiden. Nur wenn überall die staatlichen Verhältnisse im Einklang mit dem Willen der Völker geordnet werden, könne man einen dauernden Frieden erwarten. Der Brenner soll an Italien fallen. Haag, 13. Febrüar. (Tel, der „Wr. Morgenztg.") Der „Temps" schreibt, das Verlangen Deutschösterreichs nach Südtirol beweise nur das Interesse am Besitz des Brenner. Denn sonst würde man sich um eine so rauhe, unproduktive und wenig bevölkerte Gegend nicht streiten. Es wäre deshalb, angezeigt, den Brenner als wichtigen strategischen Punkt Italien zu geben. . - / Das Schicksal Salonikis. Die^Times" gegen diebulgarischenAspirationen. Haag, 13. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die „Times" veröffentlicht eine Zuschrift, die sich gegen die bulgarischen Aspirationen auf Saloniki wendet. In Saloniki gübe es überhaupt keinen Bulgaren. Die Mehrheit der Bevölkerung bestehe aus fpaniolen Juden, die Minderheit aus Griechen, aber niemand schlage die Zugehörigkeit Salonikis zu Spanien oder zum «nahbängigen Iridenstaat vor. Telegramme. Tschecho-flowakische Republik.! Streik im Ostrauer Kohlenrevier. Mähr.-Ostra«, 13. Februar. (Tel. der „Wiener-, Morgenzeitung".) Die allgemeine Wiederaufnahme bet j Arbeit im' Ostrau-Karwiner Kohlenrevier hat nur j wenige Tage angehalten. Der östliche Teil des Reviers j? steht , seit dem ,8. Februar Abermals in Streik, während , im westlichen Teile normal gearbeitet wird. Die Ursache' des Ausstandes, von . dem , sämtliche Gruben bec. Larisch'schen Bergdirektion und ein Teil der Betriebe, der Oesterreichischen Berg- und Hütten-, werksgesellschaft betroffen ist, liegt darin, daß' zur Zeit, in der das Ostrevier noch unter polnischer Verwaltung stand, den Belegschaften in diesem Teile des Reviers am Samstag statt der achtstündigen eine , sechsstündige Ärbeitsschicht eingeräumt worden war.: Nachdem nun das gesamte Revier unter einheitlicher! tschechischer Verwaltung steht, und nach den gesetzlichen: Bestimmungen des tschecho-slowakifchen Staates btej 48stündige Arbeitswoche normiert ist, konnte für den! Ostteil des Reviers die 46stündige Arbeitswoche nichts aufrechterhalten werden. Die Belegschaften des östlichen' Reviers wollen jedoch auf die sechsstündige Samstagschicht nicht verzichten und hoffen, sich durch den allgemeinen Ausstand deren Anerkennung auch von, der tschechoslowakischen Verwaltung zu erzwingen. Prag, 13. Februar. (Tschecho-slowakisckies Preßbureau.) Im Karwiner Revier ist in sechs Gruben wieder ein Bergarbeiterstreik ausgebrochm,. der durch dir polnische Agitation hervorgerufen wurde. Unter den Bergarbeitern wurden polnische Flugzettel verteilt, in denen sie aufgefordert werden, für die t s ch e ch o - f lo w a k i s ch e R eputz l i k n i ch t zu arbeiten, sondern am 10. Februar den allgemeinen Streik zu beginnen. Den Streikenden wird in den Flugblättern versprochen, daß ihnen die polnische Regierung für jede versäumte Stunde zwei Kronen als Entgelt arrszahlen wird. Deutschland. Scheidemanrrs Programmrede. ' Weimar, 13. Februar. (Telegramm der „Wiener Morgenzeitung.") Die Verhandlungen über die Kabinettsbildung gelangten erst in der Mittagsstunde zum Abschluß. Das neue Ministerium stellte sich um 3 Uhr der Nationalversammlmrg vor. Scheidemann hielt die Programmrede, in der er erklärte: „Deutschland habe nunmehr wieder eine rechtmäßige Regierung, die auS. der Volksvertretung selbst hervor-. . gegangen ist, sich also, auf den Willen des souveränen' ' Volkes stützen kann. Damit ist die Zeit der Gewaltherrschaft für immer vorbei und keine Macht der Welt wird es wagen dürfen, das gleiche politische Recht aller Volksgenossen anzutasten." ■ , Als größte Errungenschaft begrüßt ■ Scheibemann die Gleichstellung der Frau. Das Schlimmste in der l Tragik eines zur Niederlage bestimmten Volkes war es, daß es vor der blutigen Wahrheit die Augen schließen mußte. Der 9. November enthüllte ihm dann die nackte Wahrheit. Daß das deutsche Volk in diesem furchtbaren Augenblick noch die Kraft besaß, die alten Größen zu zertrümmern und die eigene Herrschaft auszurufen, darin erblickt Scheidemany die stärkste Bürgschaft für die Zukunft. Der Ausfall der Wahlen hat die Bildung eine-! K o al i t i o n s m i n i st e r i u m S notwendig gemacht, dem eine möglichst breite Vertrauensgruridlage zu geben war. Die - neue Negierung hat die schwere Aufgabe, den Frieden zu schließen auf dem«Boden einer Weltverfassung.: Scheidemann verlangt Festhalten am Programm Wilsons, nachdem Deutschland das Vaterland aller derer sein soll, die als Deutsche frei sein wollen. Ein niederj getretenes Deutschland wäre für alle Völker der Welt citt- Unglück und eine Gefahr. Die Welt mutz neu aufgebaut werden. Wer sie aber in ^unveränderter Form' wieder aufbauen wollte, wäre der größte Gegenrevolutionär.: > Für das Zusammenarbeiten zwischen Reich und Einzelstaaten stellt Scheidemann den Grundsatz auf: Einheit te Freiheit! / ■ Scheidemann schloß seine Rebe mit deu Worten: Bahn frei für das drängende, ungeahnte Neue, dann werdenwir.! er schaffen!, . Krakau, 13. Februar. (Telegramm der „Wr. Morgenztg.") Nach der Wahlordnung für die polnische Konstituante gehören die ostgalizischen Abgeordneten des ehemaligen österreichischen Abgeordnetenhauses der Konstituante an, da in Ostgalizien keine Wahlen durchgeführt werden konnten. Es würden also Löwenstein, Kolischer, Diamand und Liebermann, die bei ehrlichen Wahlen niemals ein Mandat bekommen könnten, in den polnischen Landtag hineingelangen. Aus diesem Grunde erklärte der jüdische Nationalrat für Ostgalizien als die einzige von der ostgalizischen Iudenheit gewählte Repräsentanz des jüdischen Volkes:Die polnischen Abgeordneten! mosaischW Konfession des gewesenen österreichischen' Abgeordnetenhauses haben weder das f o r-s melle noch das moralische Recht, die: jüdische Bevölkerung Ostgaliziens in irgendeiner g*-; setzgebenden, politischen oder sonstigen Körperschaft, sei es in Polen oder Westukraine, zu vertreten und in ihrem Namen zu handeln, weil jede' solche Handlung der Neutralität der o stgalizischen Iudenschast Abbruch tubi

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