Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 26 (13.2.1919)
- Date
- 1919-02-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979103--00215-2985482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 4 rte!ctt, Donnerstag Wiener Morglenzerrung iiAiwij Die AlrnerMorgeareituug ift das & & jiidi$cl)-poli!i$cfte tagblatt Ln deutscher Sprache. Die „Wiener MorgenzeiLung" Kostet: Für Wien mit Zustellung ins Haus r Monatlich «Ä* Ti—/ Vierteljährig ... * 20.-^ Halbjährig. # .4©**e Ganzjährig. ............ „ SO.—* Für die Provinz &ii Psftvrrfsnd: Monatlich. K. T.SO Vierteljährig ......... « . „ 22.-*- Halbjährig ........... i, 44*-i-; Ganzjährig.„ 88.*-“ » Für das Ausland: Vierteljährig .......... . K. 24.— Ädurinistration der „Wiener Mosgenzsitung^: * Wie«, 2. BeZirlr, TabsvsZratze Nr. 1—3. 1 Tclsptzsn 44.088. Die Frage der VerKeHrsfrsihsit. Paris. 11. FrLruar. Eel.-Komy.) Jmurhalb der Vvlkttkmnrniision haben England und A m e r i k,a ihre Zu» . üikmnung zur Durchführung des Pnnzipö btS ftfetcn Verkehres und der freien Durchfuhr nach und durch alle Länder gegeben. Tori den Mitgliedern der Bölkerbundkommission sind Frankreich und Griechenland gegen dieses Prinzip.. Diese opponieren auch argeu einer! zweiten Antrag, wonach der Verkehr und die Durchfuhr, falls nr nrcht allgcmrm se>u sollen^ für alle Staaten M gleichen Bedingungen siatcsiuden sollen. Dre Kommission belchlosr, die freie Fahrt auf dem Phelü 'rrnd cluf der DoUan für alle Staate::, die an diesen Flüssen gelazeu sind oder durch welche dien Flüsse gehen, auzuecM-.ucn. Velgifchs Fsrdsrrrngen> München, 12. Februar. (Tel. der „2vr. MorgenM") Die batrrsiche Staatszeilung meldet aus Paris: Die belgischen Delegierten legten heute der Friedenskonferenz der Murrten folgende Forderungen vor. 1. Freie Schiffahrt aus der Schelde. 2. Abgabe der wallonischen Provinzen Ahein-PreußenS. 3. VolkSabsiininmÜg ny Ltyrmbnrg. Die. Wahle«. Warum Stricker und nicht Ofner? Wir erhalten folgende-Zuschrift eines &;fit8 Nnl'cceö Vlattss: „Ich kämpfe gegen Dr. Ofner, weil Ofner nicht der M-ann ist, dem daS Judentum seine Interessen anvertrauen darf. Dr. Ofner «besitzt weder die Eignung, noch den guten Willen, jüdische Interessen zu vertreten, noch hat er den Mut, sich als Jude offen zu bekennen. Der richtige Vertreter des Judentums muß den Charatter, die guten und die schlechten Eigenschaften deS jüdischen Volkes in Oft, West, Süd und Nord, respektive die ganze Struktur des Judentums vom jüdischen Professor bis zum jüdischen Proletarier genau kennen. Herr Dr. Ofner kennt wohl die Herren der Wiener israelitischen Union, nicht aber die Psyche und das Herz des gesamten jüdischen Volkes. Für Dr. Ofner gibt eS gute undanständige Juden, welche aus Pobersam, Pisok und Pohrlitz, und schlechte Juden, welche auS Galizien und Rußland stammen. Der jüdische Vertreter muß guten Millen besitzen, 'die Verteidigung deS Judentums mit Wurm;?.u führen. Herr Dr. Ofner aber hat öffentlich erklärt, daß er cS für das beste hält, wenn über Juden überhaupt nicht gesprochen wird. Die Beschimpfungen und Leiden der Juden vom deutschen Luther bis zum großen deutschen Bismarck, vom großen deutschen Bismarck bis zum Herrn 0- H. W o l f, die letzten Pogrome in Rußland unh Galizien lassen Herrn Dr. Ofner kalt. Herr Dr. Ofner behauprct, daß ihn nur lose konfessionelle Bande mit dem Judentum verbinden. Leben denn Doktor Ofner und seine Freunde konfessionell? Wsiche Bande sind es denn, die ihn an dis jüdische ironjeifio.-i fesseln? Etwa die jüdischen Gebetet? Die großen Männer deS Auslandes, wie Weizmann, B r a n d e 1 ä, S. o k o l ow, G ilvain, Lsvi S, Ge o r g e Picot u-w. sind zumindest auf derselben Kultur- und. BildungShöhe wie Julius Germanicus Ofner. Diese O-erre-: cr>V•: schffmcn sich nicht, «lS Inden auszulretsn, für jüdische Interessen und für Zion zu kämpfen. „W ehe dem Volke, dessen Führer die Zeichen der Zeit nicht verstehen wollen!" Ich kämpfe und agitiere für Stricker, obwohl ich md)t bie Ehre habe, ihn persönlich zu kennen, noch von ihm gekannt zu sein. Ich kämpfe für. ihn, weil er reine Hände, einen klären Kopf und ein jüdisches Herz hat. Als dieser Krieg zu Ende ging, sah Stricker für die Juden die Morgenröte aufgehen. Er hofanp sich nicht lange, stellte sich, ohne sich um das Gekläffe der Assimilanten zu . kümmern, an die Spitze ticr führenden Gesinnungsgenossen und gründete den I ü d i s ch errA ationalrat, der in der kurzen Frist seines Bestandes mehr geleistet hat, als alle seinerzsitig^r vierzehn sogenannten jüdischen Abgeordneten im früheren Parlament während der ganzen Zeit ihrer Mandatsdauer. ' Das Wiener Judentum, von der Kultusgemeinde um fein Wahlrecht., verkürzt, von den Union-Juden zur Erhaltung ihrer eigenen Position verlassen, bei den jetzigen Wahlen von allen Machthabern entvechtst, nnd von der Wiener Presse ohne Schutz und gelassen, hat in Stricker seinen einzigen Freund gefunden. Wilson, Poincar6,^lohd George, Balfour, Clsme n c e a u,f Pich o.n,, alle sozialdemokratischen Führer des ganzen Universums, alle Entente-Regierungen, inklusive Japan, alle neutralen Länder erkennen die Berechtigung und die Nützlichkeit des ZionischM an, nur die paar -Wiener Heloten versuchen 'D, den Zionismus und seinen Wiener Führer, zu bekämpfen. Und weil Stricker ein Mann von Mut und .Tatkraft ist, 'kämpfe und agitiere ich-für ihn. Juden Und Jüdinnen des 2., 30. und 21. Bezirkes, Zion ruft Euch! Wir stehen vor großen Ereignissen! Es' Handel sich jetzt nicht nur um Euch und die Wiener Juden, sondern um das Schicksal des gesamten Judentums, um Leben, Blühen unh Gedeihen, vpn vierzehn Millionen Juden! Es handelt sich um das Andenken Eurer Väter und nm das Wohl Eurer Kinder! Stricker hat die Fahne ZionS aufgepflä^zt und sich unter dem, Schlachtrufe „M i Labonai Ae I i" in den Kampf gestürzt! Scharst Euch nm ihn und verhelfst feiner Wahlliste zum Siege! Nicht zur Befriedigung von materiellen Interessen, Herrschsucht oder Ehrgeiz kan-' dldirrt Stricker,sondern um Euch im neuen Teutschösterveich die gebührende Achtung und wirttiche Gleichberechtigung mit den anderen Bürgern dieses Staates, und iy»t dem Juden Volks neben den anderen Völkern der Welt den Platz an der Sonne zu sichern. Darum säumet nicht, agitieret, kämpfet und verhslstzt Strickers Wahlliste zum Siege!" Die Bänkelsänger. Die IdrM sind heute so billig geworden, daß sie niemand ' mrhe haben will. IW GegmtA man läßt sich erst lange güredcn und verlangt dann noch eine DramzaWmg, sonst verweigert man die Annahme. Die armen Prodiy.mken scheu, wie ihre Ware täglich mehr entwertet wird. Und um sie nur an den Mann zu bringen, entfalten sie einen RrkkaMech'plrrat, der gewiß nicht nötig wäre, wmu eS sich um Lebensmittel handckm würde. Bänkelsänger nehen durch die Straßen nnd besingen schaurig illnstrierkeMördgeschichten mit d.-m ResraM: „Immer 'ran, meine Herrschattrn, zum billigen Manu." Die Stadt ist in em Warenhaus der Gesinnungen verwandelt. , Schamlos bedeckm sich die Wände mit Reklamebikdern, welche jtdMt harmlosest Dürg'er seinen Spaziergang z,mr Spießrutestlaufen machen. Große Ereignisie werfest ihre Schatten voraus, m,d die Dürge:lich«DeMokraWchrn,, die durch Kugzengr fchwarz-geldr Schatten. vorauSwerfrn ließen, glaubten - vielleicht, dadurch den . bevorstchk'nden Ereignissen eine Größe Nachweisen zu können, die sie schwerlich besitzen. Denn alles andere findet mancher, in diesen würdelosen Anp.'tsiungen, als auch stur einen leisen Hauch von Größe. Selten kam, einem die Niedrigkeit und der Unrat der durch den Zusammenbruch immer noch nicht miß ihrer Einzigkeit geretteten Zeit, deutlicher zum Bewußtsein als in dreiem Smnmenchor der Bänkelsänger.und Dirstenverkäuser. Gab es einmal, irgendwo in der Welk. eNw sozialistische I d d e von Größe? Ihr werdet sie vergeblich in den Plakaten finden, die heute ihr Hei! verkiindetz^ Da tanzen drei philosophischen Totengerippe und fragen, ob sie um'onst gesiorchen setest. Ueber -den ^Unfug ^des -Sterbens" habm sich schon klügere Menschen - dey Kopf zerbrochen, ohne daß sie eine Älntwort gchlnden bättest. Nicht jeder allerdings kam" zu dem überraschenden Ergebnis, daß nrau.daraufhin sozialdemokratisch wählen müsse. Für diesen üm, die sich von Toten nicht gerne dreinreden lasten, hat man eme andere Rekonunandirrung bei der Hand: das gebrochene Mmterherz. Gramerfüllt beugt sich eine Frau über die Bahre, Und „?em Fühlender wird sie verdannnen", daß sich ihrem sinnig dargestrllren gebrochenen Herz der Schmerzensschrei rntnngt! Es lebe die Sozialdemokratie l (Klebt, leimt und kmet alles!) Die Bürgerlich-Demokratischen kamen auf die Idee, daß schwarz mW rot für dieklamrplakatr ganz wirksame Farben sind. Diese Idee mußte ansgeschlachtet werden. Krämpfhaft sucht man nach MLglrchkerten einer Anwendung. Man bindet ein Pferd mit schwarzen und raten Festefn und verlangt dann von ihm, daß eS demokratisch wähle —- eine Zrmmnmg, die selbst für ein Pferd zu weit geht. Oder man läßt rm Kohlblatt von schwarzen und roten ßiaupkn zersresien, anscheinend um anzudeuten, daß man sich lmter der schwarzen oyer der roren Herrschaft nur von KoWattern werde nähren mÜsten. (Aiigestchts der Erfolge, welche dei bürgerlich-demokratische ErnährungSpoletck rrznlt hat, ist daS aber garnicht so abschreckend.) Wer ist der lauteste Schreier? Herr Schreier.. Darüber vergißt er manchmal die Drwlichkeit. Zwn Gestalten räkelst'stch nst Klichsrssel. Wer oder was sie sind, ist nicht genau zu erkennen. Dre Physiognomie läßt darauf fchlreßm, daß sie der gleichen Abstammung find wie Herr Schreier. Überhaupt ist nicht zu erraten, worin sie sich von ihm unterscheiden, Und wenn Herr Schreier stolz verzeichnet, daß „die ihn stichtwählen", so kör.ntHman anuehmen, daß sie wohl wistnr, wärum sie eS 'nicht tun. Me scheinen ihm -zu nahe zu stehen, sie scheinen ihn zu gut m kennen. . , . Neben all d-.ckem beichämrndm Verschachern der Gesinnung, neben dieser Art schmutzigster Neuame, welche morgen von Meinl, Sidol amd Lysofonn ahne Zwersel üachgrahmt wcrdin w.rd, r.mtrt daS;lidische Plakat bescheiden und , xurück» hallend an. "Wie leicht wäre es gewesene Totengerippe, gebrochene Her;en, Poffcomelenb und FKchtsiugsverzweiflung auf,die Wand 51:, zaubern',?iickM davon. Die . jüdische Idee ernicdngt sich nicht für die Gosse. DaS jiwische Herz bewahrt sie vcht und hält sich fern V5M Hausierergeschrtt der gl'oßm . Zeit. Mr schachepn nicht um ein Mandat. Wir wollen BoW» zcihlung halben, wcr wollen Gericht über unS selbst halten. Mm viele Stinnnefi die „Anderen" zusammenbetteln, zusammenschachern, g'mmrnkaufen, berührt uns so wenig wie die AbsnyMern der olfabriken. Nur u y s e r e Stimmen wollen wir wisten. WM wir wiffen wolle», wre viele es noch unter Mts gibt» die M nicht erniedrigen, die sich nicht moralisch knechtm lastest, vre sich nicht verkamen und nicht verschenken. Wählerversammlung. Heute findet eins WählerverfüMmlung des Jüdischen Nationaloereines. Sektion für die westlichen Bezirke, zur Information der Wähler des Wahl-- Kreises Innen-West (Mariahilf. Neubau. Iosefstadt) um 6 Uhr im Souterrainlokale des Cafö Mariahilf,. Vj., Mariahilferstratze 89, statt. Tagesordnung: Wie sollen die Iudm wählen? Es werden sprechen: Dr. Franz £ öhner, FrauGemeinderatAnitta Müller-. Dr. Max Bernhardt. Ägltationslokale der Iüdischn-rtronalen Pürtsi für die Leopoldstadt. I. H,a u p t a g i t a ti.o u S! 0 k! a l: Casä „Zum roten Turnr", ^lienbrunngasse 3 (Somecrniu). AasiatiouMter: Leopold S i tz m a n n rmd du Gg. Ing. Eugen Buchbinder Md Rudolf P H i l i p p. Agitatoren: Kadimah, JvriS, v II. ÄgitäsionÄlokal: Taborstkaße 20 a. (Jüdischer Nativstall» ’ rat). Agitationsleiter r Gg. E. T 0 r c z y n e r. Agitatoren: Jordania,' - > ■ \ w. Ägitationslokül: Kleine Pfarraasst 8« WtationSlrst« r. die Gg. A d w 0 k a t, S t r y e r. Agitatoren : Iordania.! IV. ÄaitationSlokal: .Mine Mahrentzasl« 6 tHalbsioch). Agitätionsieiter: die (m. T ch Ö ß, D tut s ch. Agttatoren L Neure Jehuda und Mo nah.' . j V. WtationSlvkal: Große Mobrest aaste 8 (Hbf der Prodüktenbörfe). Agitationsleiter: Gg. Rerntr, I r l l i u e ll Agitatoren:. Neure Jehuda, Moriah, VI, Agitationslokal: Glockengastc 30., AgitationSleitrvr Gg, R 0 s r n b l n m. Agitatoren: Verein Aon. Vkl. AaitationSlvtzl : ÄrkuSgalle 39.1. Stock. 'NgitattöM; teilet: Gg. Feiler. Agitatoren: B-rein Zion. j VIII. Agitationslokal: MWlsrldgaste 6. Agitationsleittr t" Gtz. H 0 rswitz. Agitatoren: Verein ZioN» I iX. Ägitationslokal: Sebastian Kfieippgasie 11 nnd 18. Agitationslcitttr Gg, Jakob P-inka ö.» Agitatoren: Judäa. X. ÄgitasionSlokal r Eüfs Winller, Untere Augarrmstraße lü. AäitatlonSleiter: Gg. Dr. Georg W er n er. Agitators»: Verem Theodor tzrrzl. . , , . Xl. AastationsloN: Valeriestraße 89. Agitüsionslelttt:s Dr. Kfitt Cp l e r. Agitätoreü t Unikas. X!l. ÄgiiatlonSlökü!: Novaragüste 2§. AgiratiünÄeiter 7s Gg. Hertnaufi P l a s ch? e Z. I Freitag den 14. d. M. stnbet iur HauptagitütionSlokal IT., Lmknbrttnngaste S, eine Besprechung der Agitationsleiter statt. Dis Tätigreit der Funktionäre in den Wnhlagitations-- lokalen beginnt am Wahltage nm 7 U h r f r ü h. Ein Kampf gegen die Schande. Mitnnder quälen uns GetvissensVisse, wen» wir die Notwendigkeit einer natwnaljüdischen Vertretung ttt der Konstituante vom Nützlichkeitsstandpunkte begründen, wenn wir die Oeffvntlichteit darüber belehrest, daß bieft Vertretung politisch und wirtschaftlich geboten, daß sie inr Interesse deS jüdischen Gesamtvolles, der jüdischen Minorität DeutschöstervoichS und nicht zuletzt im Interesse dieser Staates selbst gelegen ist. st)enn weit 'wichtiger als all« diese NützlichkeitSwertü stt bis ethische Bedeutung der Mahlganges. Nur derjenige erfaßt die Jüdenfrage in ihrer ganzen Größe, nur der erkennt, daß bas Wesen der jüdischen Gesellschaft, wie sie jetzt birstrht, und daß daS Zusammenleben der' Juden mit - den Nichtjudtn vom Grunde aus geändert werden muß, der dieses eine mit Mut und Selbstkritik scharf ins. Au^e faßt:, die jüdische Schande. Da lebt eine Anzahl Menschen mitten unter bmr anderen, deutlich erkennbar an Antlitz, Geste und Sprache. Die ganze Wett ruft, daß sie zusammengehören und weist mit deN-Fingern auf sie hin. Sie aber wollen ällöS fein — nur nicht eines Volkes. Ihre ganze Tatkraft und ihre Begabung verwenden sie darauf» ihr ganzes Sinnen und Trachten geht dahin,, ihr Urwesen zu rV'vrtünchen. Nicht erkannt werden, womöglich in der Mmeinschaft der anderen unerkannt verschwinden: dO ist förmlich der Sinn des. Lebens die'er letzten Generationen gewe'sn. Und immer wieder brach dann ein Unwetter los und jagte alle, arm und reich, hoch und niedrig, in eine gemeinsame Enge zusammen. HilSneraffäre,oder Beilis-Prozeß, jüdischer Stratzensturm in Eger ober Boykott in Prag — diese Augenblicke gingen auf engerem oder weiterem Territorium alle Juden an, oft bis in dis höchsten Schichten hinauf, und formten sie, ob sie nun wollten oder nicht, zu einer Einheit. Und wenn sich später das Ungewitrer vrrzogdann bot sich der Welt ein unbezahlbares Schauspiel darr diejenigen, denen bas gute Ghetwgold zur Verfügung stand, kratzbelbsn mit possierlicher^ Behendigkeit nach allen Richtungen auseinander. Rasch noch eine Handvoll Münzen nach rückwärts geworfen für die Armseligen, die in der Tiefe bleiben müssen, und fort von ffier. Da unttrkliechen und dort unterkriechen. und ja nichtdavon inerten lassen, oaß man mit dieser Menge dort unten auch nur einen Augenblick beisammen war! - Wir tragen.keine Schuld daran, baß daS Volk der Bibel so erniedrigt ward und dieses tragikomische Bild der Umwe.lt darbietet. Das hat die judenfeindliche Entwicklung v-rbrochan, her Ghettozwang, die liebenswürdige Behandlung,, di« unS hie WirtSvölker äuge, beihen ließen und die Rolle, die sie unS im Staate und .in der Gesellschaft zuwiesen, Aber Schuld.tragen wir daran, daß dieser Zustand noch an-' dauert. ' __ j . Dr. Kart Lueger, der Herr von hat seine'