Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 26 (13.2.1919)
- Date
- 1919-02-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Februar 1019 Nr. 26 Wien, Donnerstag . Wiener Morgenzeitrmg Neukl SMltMsMM in Berlin.? Angriffe auf das MLnngSVierLel. 88 Bsrlin, 12. Februar. Die „V. Z. am Mittag" meldet: Zwischen halb 12 Utzd 2 Ahr nachts griffen S j) a r t a k l ft e n die Posten des ZeiLun^stziertels, insbesondere die Be», satznn^en von Allstein, Moffe, „Tägliche Mmrdschau"' und „Vorwärts" an. In der Kochstraße, Ecke Charlottenstraße—Zimmerftraße und Ecke Friedrichstraßr-L'm'oenftraßs fielen von Seiten der Spartakisten Nevolverschüsse; auch Handgranaten wurden geworfen. Wie gewöhnlich, hatten sich d i e S p a r t a § i st e n auf d e «D L ch e r n festgesetzt. Durch das Eingreifen der republikanischen Schutztruppe im Zeitungsviertel wurden die Spartakisten vertrieden und die Nuh e w ied er hergestel^lt. Ein Wsuche» der Dächer i^ar erfolglos. diskutiert, daß die lateinischen Mächte auf der einen, hie angelsächsischen auf der anderen Seite neue Wleichgeivichts"-lKoalitionen bilden/ Es 'ist außerordentlich' charakteristisch, in welchen: 'Maße das Schwergewicht Von Versailles nach Bern gerückt worden ist. Die Berner Sozialistenverhandlungen haben ungleich mehr die geistigen Kräfte offenbart, die sich in der kommenden Geschichtsepoche zur Geltung bringen werden^ als die Streitigkeiten zwischen Clemenceau. und Wttson.>Mas Henri Barbusse mit seinem prächtigen Aufruf ,)An die Intellektuellen" als Hoffnung und Erwartung' ausgesprochen hat, hat in Bern bereits die erste Stufe der Verwirklichung erreicht. Auch dort war es ein Franzose (Franzose jüdischer Abstammung, ein Enkel von Karl Marx), ein Mitglied des engeren Kreises um Barbusse, der mit alles überwindender, alle gewinnender Sieg- Hastigkeit die Gegensätze versöhnte und selbst die Konflikte zwischen den französisch'impenalisti chen Sozialisten und den deutschen Mehrheitssoziasisten aus der Welt schaffte. Hoffen wir, daß Barbusse ltnb Longuet'mehr aus dem Herzen Frankreichs sprechen, als Clemeuceau und Poinoarö! Noch ein Umstand macht uns die Berner Konferenz besonders wichtig. In Versailles beschließen-, die. großen ü er die Kleinen, in Bern' verschwanden die Üner- - schiede. In Versailles antichambrieren die Keinen uuj klauben die Abfälle auf, die von den reichgedeckten Tischen fallen. In Bern waren alle vertreten. In' Versailles wartet auch das jüdische Volk auf'den Urteilsspruch. der über seine äußere Zukunft entscheiden soll — in Bern saß es gleichberechtigt am Verhandlungstisch und hat seine Forderungen vertreten können ßpie alle änderen. Die Berner Konferenz hat sich übrigens nicht minder deutlich als gegen Versailles, auch gegen Petersburg abgegrenzt. Der Bolschewismus fand ein? fast einmütige Ablehnung. Wie es mit seiner' Herrschäft in Rußland bestellt ist, läßt sich immer noch nicht überblicken. Angesichts der Tatsache, daß säst keinerlei zuverlässige Nachrichten über Rußlands 'Gren en dringen, gewinnen zwei Bücher, welche von russischer Seite Über die bolschewistischen Zustände erschienen sind, besondere Bedeutung. Das eine stammt von dem 'bekannten Sozialrevolutionär Gaw ro ns ki, welcher gleichfalls an der Berner Konferenz reilgenommen hat,'das andere von einem Mitglied des jüdischen Arbeiterbundes H'to s so w s ki. Beide Schriften enthalten' eine Fülle Von Material, und. beide stimmen überein in einer grundsätzlichen Ablehnung des dogmatischen Fcsthaltens von Prinzipien, welche sie für die besondere Struk-' tur Rußlands als durchaus unanweüdbar betrachten. Immerhin muß man auch diesen Büchern gegenüber gewisse Zurückhaltung üben, da die Autoren sich seit längerer Zeit fern von Rußland aufhalten und es den Anschein hat, als wäre es den Bolschewisten gelungen, gerade in der letzten Zeit 'die Schwierigkeiten,^' die sich shnitir in den'WegJtellten, zuni - Teil-zü überwinden' und ihre Posilioir nicht' nur''^miliArischch'vlitisch, soll-'' Hern auch wirtschaftlich zu befestigen.- '/ Wenn man, die unruhevollen Bewegungen in den verschiedenen Ländern überblickt, und den Zusammenhang spürt,, der sich in ihnen offenbart, so muß man ' sich sagen, daß wir zur Stunde einer ruhigen Ueberleitung in stabile Verhältnisse noch nicht näher sind als vor einem Jahre. Der Gegensatz zwischen den beiden Beratungen, in welchen über die Zukunft der Welt gesprochen wurde, zwischen Berw und'Versailles, ist ein so' schroffer, daß von emer bevorstehenden Annäherung¬ oder Ueberbrückung keine-Rede sein kann? Die Auswirkungen dieses Gegensatzes werden die Geschichte in antEDe Dahnen lenken als' es die Schiedsrichter auf der Friedenskonferenz bisher erwartet haben. Der Geist ist noch im Gären. In Rußland schäumt er über, in Deutschland trocknet er ein, in Bern erlebte er seine Klärung und Festigung — nun hämmert er drohend an die Pforten Englands. Dort, im stolzen Britenreich. wird in den nächsten Wochen Entscheidendes geschehen. Der Versailler Kongreß dagegen-ist weder ein Abschluß'noch ein Anfang — er ist nurein Zwischenspiel. _ Die FriedeusLoufereRZ. Die obstruierte Friedens Konferenz. Paris, 12. Februar. (Funkspruch des Eiffelturms.) Es sind Bestrebungen zu bemerken, die verhindern wollen, daß der Entwurf des Völkerbundes noch vor der Abreise Wilsons zur Annahme gelangt. Die erste Phase' der Friedenskonferenz' wird in den nächsten 36 Stunden abgeschlossen sein. Allseits sind Nachrichten im Umlauf, daß die Frauzosen und Engländer die Demobilisierung eingestellt haben und die heimkehrenden amerikanischen TruppentranSporte von der See nach Frankreichzurückbeordertwerden. Die Arbeit der /Kommission wird durch die Tatsache kompliziert, daß zwei Abänderungsvorschläge unterbreitet wurden, über die noch keine Vereinbarung getroffen wurde. Wenn es nicht gelingt, in dieser Sache übereinzukommen, dani ist es ausgeschlossen, daß der Entwurf im Lauf dieser Woche vor das Plenum gelangt. Die amerikanische Drohung, daß die Friedenskonferenz aus Paris verlegt werden wird, wenn die französische Presse die Angriffe gegen Wilson fortsetzt, hatte bereits-die Wirkung, daß die Pariser Blätter heute früh stark zensuriert ep> schienen sind? Die Ursache der Gegensätzebesteht in den M ei n un g'S v e rschiedenh eite n zwischen England und Amerika auf der einen üÄ Frankreich auf stier änderen Gelte in Angelegenheit des Ä o r g e h e ns g e g e n D ent s chl a n ch, Die Franzosen beanspruchen de u^s che s Ge bist, deutsche Kohle und ungeheure E n t s ch ä d i g u n gen sowie Bürg»- schäften dafür, daß Deutschland in Hinkunft keine Großmacht sein wird. Die Amerikaner fordern, daß der freie Handelsverkehr im We ge der Neutralen unverzüglich aufgenommen werde, doch die Franzosen und Italiener fordern, daß vor allein ihre schwierige Lage saniert werde. Gegen die französischen Ansprüche auf Deutschlands Entschädigyng nehmen die/Amerikaner entschieden Stellung./? Lloyd-George nimmt für Wilson Stellung, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß seine Stellungnahme durch die in der englischen Meinung jüngst erfolgte Aenderung beeinflußt werden wird. Die Gegensätze sind in Wirklichkeit wirtschaftlicher Natur. Frankreich und England fordern alles, wessen sie bedürfen, um wieder auf die Berne zu kommen, von Deutschland. Der Gegensatz ist so scharf,/ daß er wahrscheinlich die Rückkehr des amerikanischen Präsidenten in die französische Hauptstadt beschleunigen wird.' Der Gsheimvertrag über Palästina. . Budapest, 12. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Der Berner Berichterstatter des „Az AZsag" meldet telegraphisch r Die zwischen England und Frankreich abgeschloffenen Verträge über Shr-en, die für Frankreich günstig sind, verursachen in London großes Arrbehagen. Die englische Presse fordert, daß samt! ich e Ge heimvertrage, die während deS Krieges abgeschlossen wurden, infolgedessen auch die Geheirrwerträge betreffend Palästina revidiert werden. Palästina ist unter anderer als englischer Verwaltung gänzlich lebensunfähig. Rach den gegenwärtigen Vertragen verwaltet Frankreich Nordgaliläa und der Araberkönig der HedschaS das ganze trans- ZorLanische Gebiet und Südpalästma, so daß Palästina vom Meere und auch von AegtzpLen abgeschlossen wäre. (Bekanntlich wird auch von zionistischer Seite die Sachwalterschaft Großbritanniens über das jüdische Palästina gefordert. Clemenceau erklärte im Dezember, daß die Friedenskonferenz die ganze vorderasiatische Frage neu verhandeln werde; dagegen steht man am Quai d'Orsay auf dem Standpunkt, daß der Vertrag von 1916 England und Frankreich bindet. Frankreich hat daher eine Verwaltung in Nordgaliläa, eingerichtet. Durch die französischen Ansprüche würde eine Teilung des historischen Gebietes Palästinas bewirkt, wogegen von jüdischer Seite mit allem Nachdruck Verwahrung eingelegt wird. Red. der „Wr. Morgenztg.") Wilson reift am 18. Februar ab. Paris, 10. Februar. Falls keine besonderen Ereignisse eintreten, wird Präsident Wilson am 18. d, M. die Reise nach Amerika antreten. Er wird sich in Brest auf dem »George Washington*, -einschiffen. dickfellig und verschlagen werden soll. Manbraucht dabei Nicht an antisemitische, ungerechte Lehrer zu denken, deren übrigens mehr als genug gibt, auch nicht an stark verhetzte und verrohte Mitschüler. In der fremden, wennatrch gutartigsten Umgebung ergeben sich für das jüdische Kftch qualvolle Situationen. Wehe dem Schüler, der „Satrtuel" und dessen Vater Israel" heißt! Er muß bei jeder Namensnennung das malitiöse Lächeln deS Lehrers und die Üdchsalve der Klasse über sich ergehen lassen. Der, Name, Mit dem die Mutter ruft, dev Name des' Vaters.. vethöhnh beftmckt. Zuerst leidet daS Kind, dann tritt das- Entsetzliche ein, die Charakterfäulnis, das" Kind lacht mit.' Jeder erwachsene Jude empfindet es überaus peinlich, wenn ihn der Zufall einmal in einej,ihre Andacht verrichtende christliche Menge geraten'läßt. 'Er weiß'sich' nicht recht zu stellen und wird von lebhaftem Unbehagen tzrsaßt. - Die junge jüdische Menschenpflanze muß viermal des Tages während der Schulandacht diese - Erschütterung mitmachen,. stils, scheu wie ein Verbrecher; öastehen. Die -Zeit - der - Vorbereitung der christlichen Feste in der Schule läßt bjas ' Mische Kind seine Vereinsamung - sorecht bewußt werden. Ml diese Anlässe fordern selbst gutmütige christliche Karne- . Men zu Ausschreitungen heraus. -Das System dieser Schule emsrerndet das Kind dem Judentum, und das Lebe« und Treiben in ihr bringen das Kind dahin, das Judentum »trr als Quelle kleiner und großer Leiden atzzufehen? Diese Schule entfernt 'nicht nur das Kind vom jüdi- Men Volkstum. Di« hemmt auch - seine Charalterbildung, s^e, erzielt Haltlosigkeit, Oberflächlichkeit und fördert den Hqng -ur schamlosen Anpassung. Kinder; welche-/- beständig.- ^'r angeborneS und ihr im Elternhaus erworbenes Wesen zn^ückdrängen oder gar verleugnen müssen, um sich in der fttmden Umgebung halten zu können, reifen nur selten " zr! starken und aufrechten Menschen heran. Es ist wirklich der gesunden jüdischen Art und dem immer noch inten- E'vÄt Mische« Famiitercleben zu' danken, daß', die., durch diese Schule gegangenen Generationen seelisch nicht ' ganz verkrüppelt und verkommen sind. Ohne schweren Schaden aber sind sie nicht davongekommen, und je weiter die Ent-' Wicklung dahinkommt, den Großteil der Erziehungsarbeit von der Familie auf die Schule zu übertragen, desto gefährlicher wird diese sogenannte und nu^ scheinbar „freie" Schule dem jüdischen Individuum und der jüdischen Gesellschaft. Schließlich werden diese fürs Judentum unhaltbaren Zustände auch der nichtjüdischen Gesellschaft gefährlich. DaS in einer angeblich „freien" Schule vergewaltigte Judentum rächt sich. Seine unter diesen Mißhandlungen krank gewordene Seele sondert Giftstoffe ab, welche in den Organismus der nichtjüdischen Umgebung eindringen. Es ist kein Zufall, daß an der allgemeinen Verflachung und Versumpfung deS österreichischen Geisteslebens so zahlreiche jüdische Elemente als Förderer. beteiligt sind. Die jüdische Journalistik, welche mit raffinierter Mache das Geistesleben'industrialisiert und kapitalisiert; die Legion jüdischer Erzeuger von stumpfsinnigen, gangbaren Possen, den Hörer unfelslbar vertrottelnden Operetten, diese Fabrikanten von schmierigen Komödien und dekadentem Roman- und Dramenmift; diese sensationsgierigen Leitartikler und, näselnden und säuselnden Feuilletonlsten, welche jeden Dreck mit ihrem süßlichen, klebrigen Tintenschleim umspinnen und dem Volk in Kops und Magen stopfen; alle diese Pflanzen ^ind nicht ans dem Boden des Z Yallr gewachsen. Sie sind Erzeugnisse einer Schule,. welche den jüdischen Kindern d«8 Rückgrat zerbricht, ihren Geist zur Anpassung dressiert, sie im frühesten Alter daran gewöhnt, das Ich zu' verstecken, sich unter erborgtem Wesen in fremde Kreise einzüschleichen und^dort in der nationalen und gesellschaftlichen Lüge daS Hen zu suchen. Mit dem alten, starken Judengeist haben diese routinierten, abgefeimten Seelenkrüppel nichts gemein, sie sind Fäulnis- und Abfallprodukte des, krank gemachten JudentumL. ,, ' •-’■ > t . __^ . a v i v -Eine Erklärung Lloyd Georges. London, 11. Febmar. (Unterhaus. — Reuter.) Inc Ber» lauf der Adreßdebatte sprach Lloyd George über die Friedenskonferenz, wober er unter anderem sagte Es sind noch viele schwierige und heikle Fragen zu eröctem, doch haben mir schon bisher bei unserem Bestreben^ zu einer U e b e r-» e i n st i m m u n g zu kommen, in den meisten dieser Fragen Fortschritte gemacht, die die optimistischesten Erwartungen erreichen,ja sogar übertrefien. Ich halte nichts von irgendwelchen' isolierten Erörterungen in den Parlamenten der interessierter Lander, Die Fragen werden vielmehr am besten von-den Vertretern dieser Lander gemeinsam erörtert werden. . - Zum Schutze Deutschlands. 11. Februar. „Dailp News" erfahrt äuS Paris, daß man bcabachtige, m den Bestimmungen für'die Verlängerung des Waffenstillstandes festzusetzen, daß Deutschland eine gewiffe Zahl von Soldaten mit entsprechender Ausrüstung behalten und einebestimmte Menge von Kraegsmaterial ' ansliesern soll. - Wie der Pariser Korrespondent deS Reuterschen Bureaus meldet, fflyd die Amerikaner der An'icht, daß die Deua'chcu im-' Augenblick über ihre ganze Armee zu verfügen, in der Lage .sein müssen« . - ' .. . Keine Einigung über das Völkerbunds - - Programm. . -.> Paris» 11. Fcbnmr. (Tel.-Komp.) lieber die Regelung der Frage z,j» r V e r m e i d u n g k ü n f t i g e r K r i,e g e sind neue S ch m r e r i g k e i t e n entstanden. , B-S jetzt konnte eine Emigüng nicht erzielt werden. Es wmd"versucht, durch Ernfügung neuer Bestimmungen ein Kompronliß zustande zu bringen. Milson für Deschleuuiauug des Entwurfes über den Völkerbund. Paris» 11. Februar. (Tel.-Komp.) Wilsoy giöi'sich in der Kommission für die „Gesellschaft der Nationen" die göpM Mühe, um zu rrzulely daß die Kommission mit ihm den vollkonnncnen Text deS Völkerbnndpcogramms vor seiner Abreffr fertigstellt. Er wäre dann in der Lage, vor dem-amerikanischen Kongreß darauf hinzuweiscn. daß er den Bölkerbnnd gegründet habe, wenn auch daS bis dahin in solcher Eile fertiggrstellte Projekt noch m Kürze einer Revision bcdürsen sollte.