Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 25 (12.2.1919)
- Date
- 1919-02-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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L 9K"2S^ WW Mittwoch Wiener MorgenzeituM jMi i ||^T “faty* 12. Februar E Seite 3 lkem Zweifel bestehen,: daß die^überwältigende Mehrheit' der Konferenz durch ihre Erklärungen sich unzweideuüg gegend e n .P o l s ch e w i s m u s ausgesprochen hat. j Diese Erklärung Renaudels wird mit P r o t e st? jr u f e n von Seiten, der französischen Mehrheit beiaytworLet. In seinem Schlußwort führte Branting aus: Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Konferenz für den Wiederaufbau der Internationale nützliche Arbeit geleistet hat. Denn die Konferenz hat vor allem in der S chuld fr ag e eine Klärung .^erzielt und durch die Tatsache, das; sich nun " <; z u m e r st e nMa.t e A n g e h ö r i g e b i s h e r . feindlicher Länder zu gemeinsamer - . Aus spräche zusa mmr'nfan de n, den Beweis - erbracht, daß die Arbeiterklassen aller Länder immer V bereit sind, einander die Hand zu reichen. (Beifall.) - Wir erwarten, daß die von der Berner Konferenz - ausgestellten Forderungen entsprechend der Macht ' der Arbeiterschaft aller Länder vo n der Pariser -Konferenz w e r d en berücksichtigt ' werden. Branting schloß -mit einem Hoch auf die Internationale, in das die Versammlung einstimmte. . , Troller (Deutschland) entbot der Internationale den Gruß der neuen deutschen Jugend, die bereit, sei, für die Ideale des Sozialismus und der "Menschlichkeit zu kämpfen. (Beifall.) 1 ' Um 7 Uhr abends wurde die Sitzung geschlossen. m Wtlmnr Die Wahl des Präsidenten. Die Wahlen. - Mahlagitationslokale des Jüdischen National- H . Vereines für die Leopoldstadt. . Hüu p tag itations lokal: - - < Ml., Lilienbrunngasse 2, Cafß Müller (Souterrain). " $ .0 prengelagitatio ns l o k al e: ";''•’•<£ afs W i nk l e r,!!., Untere Augartenstraße 10, Verein Z i o n, U. S e K t i o n, ll., Glockenkgasse 30, s Jüdischer Nation alrat, II., Prater- Straße 20a, ■■ ,r Neure Iehuda, II., Kleine Mohrengasse 5. Herr Pinkas,!l, Sebastian Kneippgasse 11—13. Dr. Kurt Eysler» ll.» Valeriestraße 69. . Auskünfte werden täglich von 9 bis 12 Uhr und 2 bis 7 Uhr erteilt. Die Agitationsleiter wollen sich täglich zwischen und 7 Ühr im Hauptagitationslokal zur Berichtvon I erftattung und Entgegennahme l zuverlässig einfmden. von Instruktionen MM-VOKtaldemostieate«;und ihre Mischen; l---..'Führer.--- KB Weimar, 11. Febrnor. Präsident T)r. David eröffnet die Sitzung Um 3 Uhr 20 Mutztest. Es gelangt ein umsangreicher Einlauf, darunter -ldressen und Kundgebungen an die Nätivnülversamstrlung zur Verlesung. So übMendet der Zentralrat der deutschen sozialistischen RepWlik die bekannte Resolution, , welche die Notwendigkeit bey>^1hugestaltnng Deutschlands zum Einheitsstaat und hie Zurückweisung der die ' Reichseistheit sehch-gefährdenden Ansprüche, zum Gegenstände hat. Im Einlauf befindet sich weiters eine Zuschrift des akademischen Senats der Universität Wien, wonach dieser yon.seiner Kundgebung am 4. Februar Mitteilung macht, die dafür eintritt, daß Deutschösterreich -aus Prustd des Selbstbestimmungsrechtes. dev Völker nicht, lästtzer vöst der Gesamtheit des deutschen Volkes getrennt bleiben könne. Das Haus geht zur Tagesordnung über, das ist Wahl des Reichspräsidenten. Dev' MmestsastfrUf' beginnt mit E. Zufällig ist Volksbcanftragtdr Ebert der erste, her aufgerufen wird unb seinen Stimmzettel. dem Schriftführer übertziht. / .Abgegeben wurden 379 Stimmen, davon hl ungültige. Es bleiben also 328 gültige. Die absolute Mehrheit 'beträgt 165 Stimmen. Ebert erhielt 277, Graf Posadowski 49, Scheidemann eine und Erzberger eine Stimme.. (Heiterkeit.) Präsident Dr. David: Volksbeauftrag-- 1er Fritz Ebert ist zum Präsidenten des deutschenReiches gewähli. (Bravorufe. Zwi- .- fchenrusü. bei beu unabhängigen Sozialdemokraten: Friedrich der Einzige!), Ebert erklärt,, die Wahl zum Reichspräsidenten mit Dank anzunehmen. (Lebhafter Beifall.)' Präsident Dr. David richtet an das Haus eine! Ansprache, in der er. sagt:, Zmn ersten Male hat sich das deutsche Volk ein Oberhaupts» s f r e i c r Selbstbe st i mm ü n g gegeben. Der neue Reichspräsident ist 'gewählt.von,der großen.Mehrheit des.deutschen Volkes. (Beifall.) Die einzige Quelle seines Rechtes ist der Wille des Volkes. (Beifall.) Auf ihm allein beruht die Macht und die Würde seiner Stellung. Somit hat das Reich zum ersten Male ein. Oberhaupt, das nach der Art seiner. Berufung berech tigt i st,- im Namen des deutschen Volkes zu sprechen .und zu handeln. Verschwunden ist der. Vormund aus ererbtem Recht. An. seiner Stelle steht der selbstgewählte Führer. Daß der neue Reichspräsident das Steuer des Sraatsschiffes zu.führen versteht, hat er in den Monaten des stärksten inneren mrd äußeren politische» Sturmes, bewiesen». . / .. , Daß die deutsche. Revolution sticht detn Beispiel der. russischen..gefolgt M, daß sie.nicht, rvie dort, in eist .blutiges Chaos, zur völligen Auflösung pan Recht und Ordnung, geführthat, ist zum größten Teile das V e rdienst des Mannes, den sie heute an die Spitze des. Reiches berufen"haben. (Beifall.) ‘ ’ Der neue Reichspräsident wird jeden! Versuche,! an Stelle des Willens., der Volksmehrheit die.getoalttätige Diktatur einer Minderheit zu. setzen,;' mit. allen Mitteln entgegentreten, (Lebhafter Bei-! fall, der Mehrheit. Vereinzelte Zwischenrufe' der mx*,, abhängigen Sozialdemokraten.) , , ' So möge denn die Botschaft in die deutschen Lande '* hinausgehen, daß ein volksgewählter Führer .an hie .Spitze des Reiches getreten ist. Die NationalversannU'-', lung begrüßt den Präsidenten des Deutschen Reiches und fetzt ihn. in seine: hohen Rechte ein. Möge er sie wahr nehmen im Geiste. dieser Versammlung, der Vor/'' sammlung der freigewählten Vertreter des, freien.. deuv >' schen Volkes. (Stürmischer Beifall.) v •, Eb ert: Zunächst danke ich für die freundlichen Worte Ihres Herrn Präsidenten. Ihr Vertvaüen' ist meine größte Ehre. Der Ruf, den sie soeben-Än mich richteten, ist ein Ruf der Pflicht. Ich folge..ihm in dein Betvußtsein, daß heute ruehr beim jemals jeder Deutsche auf dem Platze, auf den er gestellt wird, seine Schuldigkeit zu tun hat. (Bravorufe.) Mit allen meinen Kräften und voller Hingabe werde 'ich mich bemühen, mein Amt gerecht und unparteilich zu-führen (Zwischenrufe bei den unabhängigen SoziLldemokraten), niemandem zu Ltzrbe und niemandem zu Leide. (Bei-, fall.) . Ich gelobe, daß ich die Verfassung der deutschen Republik getreulich beachten und beschützen werde. (Beifall.) Gemeinsam aber wollen wir unermüdlich arleiten für das Glück und Wohlergehen des.deutschen Volkes. Und Sie, meine Damen und Herren, lassen. Sie uns' rufen: Das deutsche Väterland und das deutsche Volk, sie leben hoch! Das .Haus mit Ausnahme h)r.r.s.Mäh-" hängigen hat sich erhoben und stimmt dreimal..in den' Hochruf ein. (Händeklatschen im Hause und auf den Tribünen.) '! Nach der Sitzung verließ Präsident E-be-rl; bic Nationalversammlung. Inzwischen hätte sich vor dem Nationaltheater eine tausendköpfige Menschenmenge angesammelt, die auf das Kommen des neugewähltdn Präsidenten geduldig wartete. Unter Glockenklang und Veifallsrnfen der freudig erregten Menge schritt Ebert, umringt von seinen Getreuen, langsam über den,Platze Vor. dem Doppelstandbild Schillers und Goethes.verkündete ein Mitglied der Reichskanzlei» daß das deutsche Volk-sich ein neues Oberhaupt gewählt habe, ^und brachte ein dreifaches Hoch auf' den neuen.ReichspräsllienW aus^ in das die Menge begeistert^ eiM. stimmte. Die Wablbewegmig zeitigt seltsame Blüten. In einer am Z. 'd.'M. üm Gasthof .„zur "Kendl" in G n i g l bei Salzburg! abgchalnnen. 'Wählerversannulung der ^Demokratischen.Stände-! veMügung" erklärte laut „Salz b u r g e r Ä o l k S b l a tl"; vom 6. Februar ein Herr G-st ö t t n e r namens der Sozialdemokraten, daß .seine. Partei gegen - den Kavitalcsnms gemeinsam Mtdem Bürgertlun kämpfen wolle, aber daß das nicht möglich sei. Ml. der Sozialdemokratie immer vorgeworfen werde, daß sie Iü d.e.ü als F i'l h re r' habe. ' , Die sozialdemokratische PKxtei könne aber jetzt die Inden als Führer nicht entbehren» weil sich aus der LeütsüieN Arbeiterschaft noch keine geeigneten Führer gefunden haben. , Später würde es vielleicht möglich fein» daß man auf, jüdische Führer nicht mehr anstehen müsse, heute, fei dies nicht möglich. . Darauf erwiderte der ' Vorsitzende der Versammlung Läckner: Wenn die Arbeiter wirklich ernste demokratische Arbeit ,leisten wollen- und.sich nicht .in. die Abhängigkeit einzelner 'j ü d i s.ch o r, F ü'h r e r - C l i y u t n begeben nwllen, . so. umß -rs ihpen möglich sein, diese, /isidisch'en. Fü'hrers'ch ä sie n a n s z'n m e r z e n. -Dann wird aber auch möglich stm,- daß sich BiirgertüM >nnd Arbeiterfchast die Hände reichen: können -Mi Hell des -deutschen. Vvttesr . .' WaS» sagen die Führer.Austerlitz EllMbogeü. Pick-üsw. zn diesem .'e k £ n «t N i s -. ihres Genossen G.ft v t t n e r ui-'Gnigl?! ' - ' " '' 1 r ■ - AttMerkimg für die „Arbeiier-Zeitung": Genosse Gstöttner hat diesen Bericht.im „S^V." ":.bWer' weder berichtigt» noch dementiert!.' Persönliche WerheaeLeit — bezahlter WahlrrtMürtzl. 's,,. ..'-Alltz Wünd.e sind.mit sehr kostspieligen Plakaten allex Parteien behängt. Aelchnüngen, riesige Ausrufe die schwere Älenge., Und nun werdeü gar von Flugzeüaen Ägitationsschnsken . auf die Köpfe der geehrten Wähler geschüttet. . Wir N.ationaljuden sind eine arme Partei. Die jüdischen GLldmäntrer stehen nichtln unseren Reihen und unser Wahlfonds setzt sich aus den Opferspenden der . jüdischen Kleinbürger und der Aermsten zusammen. . . Aber die Begeisterung unserer Anhänger, die unermüdliche Werbearbe.it von. Haus z u H a u s, wird' denbezahlten Wahlgroßbetrieb der anderen Parteien wettun.. Is größer der kostspielige Wahlrummel der anderen um so emsigere. Kleinarbeit unserer begeisterten GesinnungssteuicheI ..... ,, c» Dann wird der Sieg mcht. üMleiben.^ Juden! Gedenket Eures Wahlfonds! Große Geldmittel sind notwendig, um den Wahlkampf sieg«eich zu Vsendent AnterftützeL Eure eigene Partei! Itde, auch die kleiniste Spende, ist wiMommen und hilft Euch, den Sieg zu erringen! Geldspenden sind zu richten an Herrn Karl Schnitzer, II., Czern in gaffe 7. Postsparkaffen»Kynte 134.033. ZnlauÄ. Aufhebung des StandrechLes über Lmz. Linz, 11. Februük. (Ksrr.'-Bür.). Dü die Ruhe andanert. hat die Landesregierung das am 6» d. M. wetzen Ausrnhrtz verhängte SLaudrecht. für die Bezirke Linz Stadt und Land und Ursahr mit dem morgigen Tag aufgeh ob ein Gleichzeitig shtzt der MMäranwalt das Standrecht für Militärp^rsonen außer Kraft. . In einer Erklärung teilt die Landesregierung mit,, daß sie gegen eine Wiederholung der Ereignisse die umsassendsten Vorkehrungen getroffen habe. Das Zusammenwirken von Vollr.srvehr und Gendarmerie scheine gesichert und außerdem haben die Vertreter der organisierten Arbeiterschaft erklärt, daß sie die Sicherheitsfaktoren mit aller Kraft unterstützen würden. Drs Notwahlen in den Sudetenländern. Wolf läßt sich ernennen. Wie die „Parlamentskorrespondenz" meldet, hat sich die Mehrheit der bisherigen deutschböhmischen Abgeordneten, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, für die R o t w,a4) I e n ausgesprochen und in diesem Sinne ergingen auch bezügliche Ersuchen an den Staatsmt der Republik Deutschösterreich. Von Kandidaten, wurden bisher genannt beziehungsweise aufgestellt im 28. Wahlkreis (Reichenberg und Trautenau) die Nationalräte K. H. Wolf und Dr. - Roller. im 30. Wahlkreis (Teplitz) die Nationalräte Dr. tr Lodgman, H eine und Krebs und ' im 32. Wahlkreis (Karlsbad) die Nationalräte I r o und Spieß. Die Abgeordneten Gell und Dr. Mich! haben eine Kandidatur abgelehnt. Bekanntlich hätte Deutschböhmen 54 Abgeordnete in die Nationalversammlung zu entsenden, von denen 2.4 aus die Sozialdemokraten entfielen. Die Zahl der sudetenländischen Mandate überhaupt beträgt 85, von denen 17 aus das Sudetenland entfallen, 4 auf den Böhmerwaldgau, 5 auf den Znaimer Kreis und 5 auf die Einschlußgebiete Brünn, Olmütz und Iglau. Der Zusammenschluß der Parlamentsberlchterstatter. Auf die BegrüßuntzSdepesche, der vereinigten reichsdeütschen uiib deutschösterreichrschen Journalisten in W e i m a 'r an die deutschösterreichischen Parlamentsberichterstatter wurde.-folgendes AntwörttelegraMtn abgesendet: Weimar^.. Nationalversammlung. ... „Die Vcreimaung der demschosterreichischen Parlamentsberichterstatter in Wien dankt den in Weimar tätigest Kollegen ßerzllchsr für ihre Begrüßungsdepesche. Unser inniges und' freundschastllches Zusammenarbeiten nnt unseren reichsdeutsch'en Kollegen m Wien im alten Abgeordnetenhaus und jetzt in. der provisorischen Nationalversammlung ist uns sichere Gewahr dafür, daß wir auch in Zukunft mn sö inniger zusammenarbeiten und immer fester znslnnmenstehen werden, als die Grenzen zwischen uns Mid Euch fallen." Abonnementseinladung! Die „Wiener Morgenzeitung" kostet r Für Wien mit Zustellung in» Haus r Monatlich.. . . . K. 7.— Vierteljährig ... , „ 20.— 9n!kjahrig 40»--- Ganzjährig.. 80.-^ Für die Provinz mit Postversand r. Monatlich.A. 7*50 Vierteljährig . ..• . ,» 22.— Halbjährig . 44.— Ganzjährig ,»§ 88»-^- -- Für das Ausland r Vierteljährig ..K. 24.— Administration der »Wiener Morgenzeitung" r Wien, 2. Bezirk, Taborstraße Nr.1—Z.