Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 20 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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/ Setze %'r]\ Wien, MrLais Wiener? Msvgenzeitu«g -- ---rrr-. 7. FcLruar 1919 'tot 9& BaDßck. Sder die FriedLirsVerhandlungen. SäriS," 5." Februar. (Meldung der Telegraphen- Künrvagnit.'.) Der britische Minister des Aeutzern Balföur hob in einer Unterredung -mit Journalisten nui die Frage, o'v es nicht Aufgabe der Friedens- '^üfereNtz sei, vor dem Völkerbundyroblem die Fragender Deu-aufzuerlegenden Friedensbedingungen, fest- .stuLellK^,>.hervor, dag die. Verhandlung des -Völker- -mudproblems vor der Besprechung der eigentlichen Frirdeucchsdingurrgen keineswegs bedeute, - daß die ÄbrechumiZ/mit dem Feinde erst in zweiter .Hinie kvr-v.neii werde. Die öffentliche Meinung Könne in dieser Hinsicht beruhigt sein. Die,Teilnehmer an der Friedenskorrfer-tch hätten nicht die Absichft die' Verhandlungen. 'bmauHuWeben.' Sie würden alle Kraft und GeschickMhestanwenden, um sobald als möglich einen gerechW .Fyehen Zustande zu bringen, nach dem sich die tzaftze Welt sehnt. Die Errichtung des' Bölker- . jedoch' keine Aenderung in den früher . geschHMA '.Bündniffen veranlassen. Heber die Lage ln Äutzland äußerte sich Balfonr sehr pessimistisch. Die rue alles, was sie könne, aber eine militärische InLewention großen Stils . werde, nicht geplmch'' . /;/ / - Oiß tschechischen Forderung«». . P-rrrs, .6. Februar. (Meldung der Telegraphen- Z<ornpo.gnie.) Die Delegierten der tschecho-slowakischen Republik Dr. K r a m a r s ch und' Dr. B e-.n e 1 ch juw Mittwoch vor einer Kommission der Friedensko »rferSNA "erschienen und haben die Forderungen^ ihres Landes vertreten. - Dr. Benesch gab eine kurze historische SttMermry der Begründung der Tschecho-Slo- Ekel? Md/ legte dar/ daß die Nation sich 'trotz aller Verfügungen durch die Deutschen und Ungarn erhalten 1-ade. Die Tschecho-Slowakei habe sich an die Spitze der slKvischön Völker in dreifacher Hinsicht gestellt : Intellektuelh/ wirtfchafMch. und' sozial. Wahrend des Krieges, habe sich die Tschecho-Slowakei um den Preis großer Opfer die völlige Unabhängigkeit verdient. Zu den TeMünülfrageN' erklärte Dr. Benesch folgende Forderungen -anszüstellen: t.'.'Dchzu der neuen .Republik Bö hmen, M ähr e r/ S ch l e f i e n, die Slowake/ die von Tschecho-Slowaken bewohnten Gebiete U n g a r n s, die Gegend der G r a f sich aft Glatz und schließlich alle Gebiete gehören, die von Tschecho-Slowaken bewohnt sind/ /' '' - ' Daß gemeinsame Grenzen zwischen der Tschecho- Slowakei und den Südslawen geschaffen werden. ' - 3. ' Daß die 8 r o fse n Flüsse Elbe, Donau» Weichst! ebenso wie die E i s e n b a h n l i n i e n Brag^-Fürth—Nürnberg—Straßburg, dann nach Preßbma, Triest und Fiume internationalisiert rv ü r d e n. ... 4. daß die Frage der tschecho-stowakischen Bevölkerung, Me mehr als" ein Viertel ' der e h evn ö Ugc n . H a u p t st a d t'' Oesterreich- U n g.-s r n s. ansmachen, so geregelt werde, daß sie rücht-dftrch die Deutschen bedroht, daß vielmehr diese Frage Mn P r in zip. i e n der Ente nie ge- ^läß/gelöst werde. . Mi.-Liren rerritorialen Fordemngen verlangen, die Tschecho-Slowaken eine führende Rolle durch den Besitz von P r e .ß b u r g, das früher die Hauptstadt der Tschecho-Slowakei war. . Msrirspifche Deraerrng des Bölkerbimd»- gesetzes. Parss, tz. Februar. (Radiotelegramnr.) Gestem obmds hielt die Kommission für die G e s zX i s ch a f t o - r Rationen unter Vorsitz Wilsons eine zweite Sitzung ab, der' außer den Delegierten, die an der vorherigen Sitzung teilgenommen hatten, die m die Erörterung der Artikel selbst eingetreten, wobei sie sich von om Hauptgrundsatz haben leiten lassen, alles mögliche zu tun, um in Zukunft Kriege .zu nexiuiben und austauchende Konflikte in friedlicher Weist zu lösen. Die vollständige Uebereinstimmung der Delegierten über die Probleme» die ihnen unterbreitet sind, gestattete, die Erörterung um vieles zu beschleunigen, da die praktische Schlußfolgerung viel rascher.erfolgen.dürfte, als man ursprünglichangenommen hatte. $ev.;'i!üeroatiottdle' s s SsZiKlifteAkoNgretz. 'pcrstf 6. Februar. (Meldung der Schweizerischen Tepeschrn-Agenturi) Die' Internationale Konferenz der (öewerkschqften wurde gestern abends in Bern in AnwesttWit 'von 40 Delegierten durch den Präsidenten des Schweizerischen Äerverkschaftsbundes Nattonalrat S ch n e e b e r g e r eröffnet. Er sagte: Die stattgehabten Rurnpfkvnserenzen haben die Programme von Leeds und Bern betreffend den Ar beiterschutz geschaffen. Beide Programme sind durch die Entwicklung der Verhältnisse überholt worden. Als Hauptgeschäft hat'die Ävnserrenz die Arbeiterschutzfragen zu behandeln, die in der Vorkonferenz behandelt worden sind. DoÄoulins (Frankreich) eröffnet die geschäftlichen Verhandlungen mit der Erklärung, daß über dir Regelung der mtemationalen Fragen zuerst die Arbeiter und ihre Organisationen selbst zu beschließen haben und nicht politische Partennstanzen. Der Präsident der Vorkonferenz Ianson -ftthrle hierauf unter -anderem ans: Es ist ein Verdienst der französischen Genossen» daß sie von ihrer Regierung verlangt haben, im Friedensvertrage eine Neuregelung des Arb eit er rechtes durchzusühren. Pie a ch t ft ündige Arbeitszeit ist. heute eine Selbstverständlichkeit. Redner bezeichnet sodann als eine Aufgabe der Gewerkfchastskonferenz, energische Forderungen betreffend den Kinder schütz sowie den Schutz der In g e n d l i ch e n und der Arbeiterinnen aufzustellen. Besonderer Schutz muß für die Mütter verlangt werden. Es ist neben dem Amte und der Kommission ein internationales Arbeitsparlament zu schaffen, dem Vertreter aller Länder angehören sollen. Nach den Ausführungen Jansons wurden die Beratungen vertagt. Eine Disstnssion über den Bolschewismus. Bern, 6. Februar. (Meldung der Telegraphen- Kompagnie.) Wie der Vertreter der Telegraphen- Kompygme erfährt, ist die" russische Delegation bei der Sozialistenkonferenz gewillt, eine Diskussion über denBo l s.ch eroismus herbeizuführen. Der russische Sozialrevloutionär Dr. G a w r o w s k y wird über die von den Bolschewiken gefolgte Taktik sprechen. Axelrod wird die Entsendung einer Komrniffion nach dem bolschewikischen Rußland begründen. L o n g u o t, C a ch i n und T r o e l st r a erklärten, es gehe nicht an/den Bolschewismus auf dieser Konferenz zu verurteilen. Diese Erklärung verdient um so größeres Interesse, als sich Präsident Branting bekanntlich sehr scharf gegen den Bolschewismus ausgesprochen Hatte. . Bede Kurt Ersners. Bern, 6. Februar. (Meldung der Schweizerischen Depeschen-Agentur.) Delegierter Eigner (München) stellt fest, daß durch die Annahme der gestrigen Resolution der' V ö l k e r b u n d' bereits verwirklicht w o r d e n s e i, nicht durch eine stürmische Kundgebung, sondern bescheiden, wie es sich für ein rechtes Werk geziemt. Das Proletariat mutz, sagte der Redner, jetzt in allen Ländem sich sofort an die Arbeit machen in dem Bewußtsein, daß ein wirklicher Friede nur das Werk eines proletarischen Völkerbundes fein kann. Die Parteien der einzelnen Länder müssen mit der größten Rücksichtslosigkeit dieser Idee zum Sieg verhelfen. In der bisherigen Debatte ist leider mit keinem Worte der gewaltigen Bedeutung der Preffe Erwähnung getan worden, die ohne Verantwortlichkeitsgefühl in allen Ländern durch eine chauvinistische Hetze die öffentliche Meinung vergiftete. Gleich nach Antritt 'der Mgierung hM Redner den schärfsten und erbarmungslosesten Kampf - gegen die' Presse ausgenommen. Eigner richtet an die Vertreter der Presse den Apell, sie mögen sich ihrer Verantwortung bewußt werden und aufhören, durch Lügen und Entstellungen die Völker zu verhetzen. (Zustimmung.) Im weiteren Verlaufe' seiner Ausführungen erklärt Eisner : Dem Völkerbund sollen nicht nur strafrechtliche Kompetenzen und wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen' gegen diejenigen zustehen, die sich gegen die Grundsätze vergehen, sondern es muß in allen Ländern dahingewirkt werden, daß die Grundsätze des Völkerbundes m das nationale Recht ausgenommen werden und daß Feder Staatsmann, der entgegen den Rechtssatzungen zu einem Kriege aufruft, des Weltverrates schuldig erklärt und bestraft wird. Zu den französischen und englischen Delegierten gewendet, erklärt Eisner, daß das bisher militaristischeste Volk, das deutsche, durch die Erfahrungen im Krieg so antimilitaristisch geworden ist, daß es nicht einmal mehr wünsch/ daß. die frühere sozialdemokratische Forderung durchgeführt und an Stelle des stehenden Heeres die Volkswehr geschaffen wird. In Deutschland, jedenfalls im Süden Deutschlands, ist keine Forderung volkstümlicher, gls die nach gänzlicher Abschaffung der Wehrpflicht. Die Idee dxr Volkswehr, wie sie von der Schweiz durchgeführt wurde war gewiß seinerzeit eine berechtigte als Ausdruck der Wehrhaftigkeit eines, freien Volkes, das eutschloffen ist, seinen Herd gegen fremde Eingriffe zu verteidigen; aber in der Zeit der Giftgase, der 42 Zenttmeter- Kanonen und der Maschinengewehre läßt sich der alte Charakter der Volkswehr doch nicht mehr aufrechterhalten und sie müßte wie die stehenden Heere zu einem mllitäristtschen Instrument werden. Redner setze seine ganze Hoffnung auf die neue Jugend, die den noch notwendigen geistigen Kampf zu Ende führen werde. Schon jetzt müssen wir, schließt Eisner, den Bund der Völker durchsetzen, sonst dikttert Paris einen Völkerbund, der nicht unse rem Ideal entspricht. (Beifall.) Inland. Das SLandrecht in Linz. Linz, 6, Februar. Heute zeigt die Stadt das Bild wiedergekehrter Ruhe und Ordnung, wozu naturgemäß in allererster Reihe die Verhängung des Standrechles. /beigetragen hat. In geschäftlicher Beziehung ist Lttiz heute tot. da nicht nur alle' jene Kaufläden, die von^ den Plünderern heimgesucht Ad onneWSMtSeWadVKgr Dir „‘SJieaer Moyyv ksstsi r Für Wie« mit FÄsteKrms »ns H««v: Monaittch ............. K- Vierteljährig ............ * 52^.— Halbjährig . .•.. . .; . 46v-~ Ganzjährig.. 30.—; Für die Provinz «U Poitverjemb : Monatlich ............ /K« 7.ÄV Vierteljährig . . . . ... . . » . „ £2/~! Halbjährig . ...... . . . . ' Ganzjährig . ... . . . » M.— Für bas Ansläntz r Vierteljährig . . ..... .; . Kj 341.— Administration der „Wiener Morgenzeitnng^: Wien» 2. Bezirk, Tadvrstratze Nr. 1—3wurden, gesperrt sind, sondern auch hie übrige Kauft mannswelt ihre Läden geschloffen hat. Offen, sinh, lediglich die Apotheken, Buchhandlungen, die kleifferj Lebensmittelgeschäfte und Blumenläden. ' ' Es ist bemerkenswert, daß während der -Linz« ' Sturmtage mit Ausnahme des getöteten Invalide» nicht eine einzige körperliche Verletzung oder Bs fchimpfungen von Passanten vorgekommen sind. Dft Theater und Kinos sind gleichfalls geschloffen, Hafts«/ tore müssen um 8 Uhr, Gastwirtschaften und Kaffee/ Hauser um 6 Uhr abends geschlossen werden. Vis jeM sind mehr als 50 Personen verhaftet .wörden. Dis Verhaftung von weil mehr als IM) Plünderern stehÜ noch bevor. Gpgen vie Wehrvoprage. Eine kommnnMschr Dem»nst»«M»«. ' Wie eine Parlaments-KörrespondenZ melde/ planen die kommunistischen Soldaten» die gegen M - Wehrvorlage sind, am Sonntag eme großeDemonstratiüft in der sie ihre Gegnerschaft Zu der von der National Versammlung beschlossenen Wehrvorlage bekundet! werden. Sie haben bereits in letzter Zeit wiederhoh ihren Unwillen in einer Reihe von Beratungen gegen die Wehrvorlage zum Ausdrucke gebracht und wollen nun erklären, daß sie überhaupt nicht nur gegen di« Wehroorlage sind, sondern auch die vollständige Abrüstung der Arrnee verlangen. Eine Kundgebung der christttchsozialeu Abgeordneten. Für die demokratisch« Republik..««d de» Anschluß an Deutschland. . 4 Die parlamentarische Bereinigung der Christlich« sozialen erläßt eine Abschiedskundgebung, in der fierklärt, uneingeschränkt aus dem Bodender demo«n kratischen Republik zu stehen. Sie fordert für: die . Länder und Gemeinden Anerkennung ihrer geschichtlichen Rechte, ihrer Freiheiten und des Rechtes aü| Selbstbestimmung; sie fordert weitgehende Selbstregierung und Selbstverwaltung in Staat und Gesellschaft, die Reform der Verwaltung in demokratischem Geiste und im Zusammenhang damit di« berufsständische Gliederung der Gesellschaft/ Die Christlichsoziale Vereinigung wünscht dauernd friedliche Beziehungen zu allen Nachbarstaaten und verlangt das Selbstbesttmmungsrecht auch für di« Deutschen im alten Oesterreich, und zwar für all/ deutschen Siedlungen; für Deutschösterreich aber forderi sie unter Wahrung demokratischer Freiheit und seine« Standeseigenart, unter Schonung seiner berechtigten Sonderinteressen den e n gen staatsr e ch t l icheq Zusammenschluß mit den übrigen deutfchev Stämmen im Reiche. Rückreise der amerikanischen Kommission aus Klagenfurt. Klagenfnrt, 6. Februar. (Meldung der Tele« graphen-Kompagnie.) Die. amerikanische Kommission^ die das gemischtsprachige Gebiet Kärntens feit dem 27. Jänner bereist, hat ihre Arbeiten beendet und kehri nach Wien zurück, um dort dem Vertreter der amerdkanischen Mission Profeffor G e 0 l i d g e ihre Wahrnehmungen bekanntzugebcn und von ihm die Beschluß» faffung über die künftige Demarkationslinie zu er» halten, die zum Zwecke der Einstellung der Feindseligkeiten festgesetzt werden soll. Die Stimmung im Lande ist aus der anläßlich des Besuches der amerikanischen Kommission veranstalteten Volksabstimmung zu ersehen. Diese Abstimmung wurde in den von den Südslawen beanspruchten Gebieten mit Ausnahme der von den Südslawen ganz oder teilweise besetzten Gemeinde» vorgenommen. Von 60.743 für die Nationalversammlung stimmberechtigten Personen wurden 40.288 Stimmen abgegeben. Davon haben sich für Deutschösterreich 10.005, für den südslawischen Staat 252 missgesprochen. Die Zählung wird fortgesetzt. Abgeftimmi wurde nur von jenen Personen, die für die Nationalversammlung wahlberechtigt sind, nämlich von den mehl als 20 Jahre alten Personen beiderlei Geschlechts Schon aus diesem unvollständigen Ergebnis der Abstimmung läßt sich auf die im weitaus übenftiegendeNj Teil der deutschen Bevölkerung Kärntens herrschende Stünmung schließen.