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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-04 · Heft 17 (4.2.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17 (4.2.1919)
Date
1919-02-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien, Dienstag Wiener Morgenzeltuirg satMam GÄte 4 4. Fckmar ISIS Nr. 17' Die Wahle» Juden und Jüdinnen! Niemals so wie im letzten Jahr ist der Zusammenhang der Judenfragen in allen Ländern zutage getreten. Alle wissen, daß die Jndenfrage jetzt gelöst werden kann «nd wird jini) daß es dazu nötig ist, möglichst in Parlamenten eigene Vertreter z« haben. Auch die Schande von der papiermen, niemals respektterten „Gleichberechtigung" legt selbst den bisnun indifferent Gebliebenen den Gedanken nahe, üb nicht die Vdienchaltung der Gleichberechtigung darauf zurückzu-ühreri ist, daß bisher Juden in den gesetzgebenden KbwMchaften saßen,, die durch chre fremdnationale PolM gebunden waren und niemals das Recht des jüdischen Volkes fordern durften. Hätten wir Juden auch Mm zwei oder einen Vertreter in der Konstituante, die als Juden der Körperschaft angehören, «ran LSnnLe uns unser Recht nicht vorenthalten. Denket daran, daß der zu wählenden Konstituante die Nenregelnng der Verhältnisse obliegen wird. Es ist nötig, daß wahrhaft jüdische Vertreter im Interesse des Judentums mitreden. Auch solche Juden, die sonst mit uns nicht ubereinstimmen, sehen ein, daß nur im Wahlkreis Nordost die Wahl jüdischer Kandidaten möglich ist, und daß man einer so großen «nd ernsten Bewegung, wie es der jüdische Nationalismus ist, Gelegenheit geben mutz, z« Worte zu kommen. Volksgenossen ans allen Bezirken Wiens! Werbet alle für die füdischnationale Liste und sorget, daß die jüdischen Wähler und Wählerinnen des Bezirkes Nordost am 16. Februar für die nachstehenden Kandidaten der Jüdischen Nationalpartei stimmen: .l. Ingenieur Robert Stricker, Staatsbahnrat, ' 2. Dr.- Leopold Plaschkes, Aovokai, 3. Erna Patäk, Erholungsheim-Inhaberin, 4. Jakob Pinkas» Kaufmann. 3. Karl Blums, Obmann des Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes, 6. Isidor Blaß, Zahntechniker, 7. David Nebenzahl, Privatbeaniter. 8. Ingenieur Fedor Ackermann, Oberkommistnr. Hie Wahlordnung für die Nationalversammlung. .Heute kommt irr der provisorischen Nationalversammlung die neue Wahlordnung zur Beratung. Wir geben aus dem Entwürfe jeüe Ab'chnitte wieder, welche jetzt von besonderem Interesse sind. Die Koppelung. '.Zwei oder mehrere in einem Dahlrrers ringerelchie Wahlvorschläge können miteinander verbunden (gek-oppe.lt) werden./ Die Erklärung der Koppelung wird durch die zustellungsbevollmächtigten Vertreter der, Parteien schriftlich bis längstens am vierzehnten Tagvor der Wahl ber Kreiswählbehörde abgegeben und von ihr.sofort verlautbart. Wod-rr Wähler zu tnn hat. Der Wähler tritt vor die 'Wahlbehörde, nennt seinen Namen, bezeichnet seme Wohnung,' legt ein« Urkunde oder sonstige amtliche Bescheinigung vor,, aus der sein Personenstand ersichtlich ist, und er"-crlt daraufhin. das undurchsichtige Wahlkuvert und auf Verlangen einen-Stimmzettel. Ter Wähler hat sich hierauf in'die Wahlzelle zu begelwu, den inrsgrfüttLeir Stimmzettel in das Kuvert legen, und tritt dann aus der Zelle und übergibt --«s ".chirvert geschlossen dem Wahlleiter', der es rinevöftkrL' Ln dir Wahlurne. Legt. ' ' ' . s . Ter Stimmzettel. Der SlürnnzL-i-Lel muß aus weichem^ Kapier sein. Er ist gültig 'ckuSgefüM, wenn-er die Parteibezeichnüng und »venigsterrs den Namen eines Bewerbers derPaxte.i-. liste rmzweideutig bartut.' Dies geschieht entweder auf ö-elieöigeu Stimmzetteln, durch' Handschrift, 'Druck oder wnjLige Pertzielsältigurrg oder aber auf den-.von der ^ohlbehörde vorbereiteten Stimmzetteln durch Ein- ,'lakirng der ganzen Parteiliste oder der Parterle.-eichnung und mindestens eines Namens der Parteilifte. Der Stimmzettel ist ungültig, wenn mehrere Listen ovrr mehrere Namen - aus verschiedenen. Listen.-che-. ft?ichnrr sind. Wenn e'-n Kuvert mehr als einen gültig aus ge füllten Stimmzettel enthält, sind alle Ungültig. Zmeierkei Maß. - Herr Dr. O s n e r, der bisherige Vertreter des Judenbczirkes, hat zu den Lemberger Pogromen geschwiegen. We^er in der provisorischen Nationalversammlung, noch in der breiten Öffentlichkeit hat er gegen diese blutigen Ereignisse seine Stimme erhoben. Er wurde jüngst von jüdischen Wählern nach der Ursache dieser merkwür^-Pen Zurückhaltung gefragt. Der Interpellierte antwortete, er habe deshalb in dieser i.gewiß höchst bedauerlichen Angelegenheit" ^edes laute Wort vermieden, weil er besorgte, es' könnten durch solche Kundgebungen auch in Wien Pogrome herbeigeführt werden. Wir wollen zunächst diesen Einwand ernst nehmen, weil wir zeigen möchten, wie furchtbar rückständig und verderblich die Jdeengange der assimilatorischen Führer sind, mögen sie sich noch so „freiheitlich" und „demokratisch" gebärden. „Ausbluten lassen! Kein Aufsehen machen! Nicht die Aufmerksamkeit auf sich lenken!" So denkt und lebt ein geduldetes Sklavenvolk, ein. eingeschmuggeltes Fremdvolk. Diese Methode des freiheillichen demokratischen Dr. Ofner ist rückständigstes Ghetto, und sie wurde stets dann praktiziert, wenn' die dem Volke entfremdete jüdische Oberschichte, die weit vom Schuß war, sich nicht zu erkennen geben und mit ihrer schäbigen Wahltätigkeit von der jüdischen Gemeinschaft loskaufen wollte. „Ertrage die Schande, jüdisches Volk, schweig still, tu' als wäre nichts geschehen, damit dir kein neues Unrecht geschieht!" Gottlob, denkt die gesamte Judenschast der Welt nicht mehr , so und die deu.schösterreichischen Äsjimilanten stehen vereinzelt da. Der Sturm, der Empörung, der sich in der ganzen gesitteten Welt erhob, war der schwergeprüften gallischen Judenschaft eine starke Stütze. Darf man aber Ofners Rechtfertigung überhauvt ernst nehmen? Hat er auch sonst darnach gefragt, ob seine öffentliche Tätigkeit dem Judentum schadet? Hat er nicht höchstpersönlich dazu beigetragen, daß Judenverfolgungen inszeniert wurden? Als Dr.. Ofner in Böhmen deutschtiationale Reden hielt und den völkischen Kampf gegen die „slawische Hochflut" den Juden predigte, gab es Judenverfolgungen in den tschechischen Gebieten. Und als er jüngst die Ehereformdebatte verursachte. hat er nicht darnach gefragt, ob sein Gehaben nicht etwa den Juden schaden könnte. Von allen Kanzeln Tirols und Steiermarks wird jetzt das Volk ausgewiegelt, weil ,^>ie Wiener Juden die Dogmen des Katl'vli'ismus erschüttern wollen". Da haben Dr. Ofner „allgemein menschliche Interessen" geleitet, und das Schi "'al des Judentums war ihm Hekuba. Deshalb muß man, »ft peinlich eS ist, Herrn Dr. Ofner antworten: Die Rechtfertigung ist eine unwürdige, häßliche Ausflucht, Herr Dr. Neumann-Watter tritt zurück. Eine von den unterschiedlichen demokratischen Gruppen des Wahlkreises Jnnen-Ost, die „Partei" des Herrn Dr. Neumann-Walter, fft vom Wahlkampfe zurückgetreten. Er teilt dies-der Oeffentlichkeit mit, nicht ohne der Friedmann-Gruppe zuguterletzt eins aufs Zeug zu flicken: „Da die Partei der unabhängigen Demokraten einen Wahlkampf unter freiheitlichen Gruppen zu vermeiden wünscht, einer Koppelung mit der Liste, an deren Spitze Herr Staatsrat Fried mann steht, jedoch nicht zuzuftimmen vermag, und unser Wahl- Kampf gegen ihn — weil wir über ähnliche materielle Mittel weder verfügen noch verfügen, wollen — keine Aussicht auf Erfolg hätte, bitte ich, namens unserer Parteileitung zur Kenntnis zu bringen, daß ich und meine Mitkandidaten von der Wahlwerbung für den Wahlkreis Jnnerr-Ost zurrt.cktreten." Wahrerversammlung. Heute Dienstag,; halb 6 Uhr abends, Gasthaus Kalicky, XX., Treustraße 27. Redner: Dr. Leopold Plaschkes, Dr. Sprecher, Fritz Spitzer. Heute Dienstag, halb 6 Uhr abends, Gasthaus Kestler, XX., Rauscherstraße 5. Redner: Dr. Leopold Plaschkes, Dr. Sprecher, Fritz Spitzer. An die jüdische« Studenten nnd Studentinnen! < Immer waren .wir Akademiker die opferfreudigsten Bori lmnpfer unserer Bewegung, sowohl M Eckangung der nationalen Heimstätte .im Lande upserer Sehnsucht als auch zur Erringmrg unserer Fordenmgen im Galuch. .Wir. brauchen in der künftigen Konstituante »venigstens einen volkstreuen Vertreter, wenigstens einen Bottjuden. Das können, wir viel leichter erreichen denn je, "wenn jeher seine Pflicht Mt, wenn jeder von uns von der rms spärlich zugemessenen Zeit das Möglichste opfert. Erfasse! dm Ernst des ÄugmblickS! Erscheinet r« Massen in .der heute den 4. F.l-ruar nm « Uhr abends im Feftsaale des Hotels Kontmemal, M., Tabdrstraße, fiattfindcndett Versammlung! . Jur. Jakob W e i » e r, Phil. Fneberife O r n st e i n, Jnr. Chaim Glück, D'-. Willy Weidmann, Jur. Rudolf P h»l r p p, Med?Wgerr F tl ix. Telegramme. Tfchecho-slowakische Republik. Eisenbahnkatastrophe bei Döhm.-Brob. Prag» 3. Februar. Heute früh stieß vor det Station. B ö h m. - B r o d der Staatseisenbahngesell, schaft ein Personenzug mit einem Verschublastzutz zusammen, wobei acht Personen schwer und 21 leicht verletzt wurden. Der Materialschaden ist bedeutend. Deutschland. Die Rückgabe der deutschen Kolonien. Berlin, 3. Februar. (Meldung des Wolffschen Bureaus.) In der Versammlung der Kolonialgesellschaft wurde die Entschließung angenommen^ in der es unter anderem heißt: Das ganze deutsche Volk fordertdie Rückgabe seiner Kolonien als sein unbesttettbares Recht. Deutschland hat seine Schutzgebiete sämtlich aus friedlichem Wege in einer völkerrechtlich mw anfechtbaren Weise erworben, gerecht und fürsorglich die Interessen der eingeborenen Bevölkerung wahrgenorymen und ihren sittlichen wie wirtschafttichen Aufstieg mit wachsendem Erfolg gefördert. Deutschland kann den Besitz seiner Kolonien wirtschaftlich nicht entbehren. -*** Die Negierung gegen Spartakus. Berlin» 3. Februar. (Meldung der Telegraphen- Kompagme.) Die Regierung bereitet einen Erlaß vor, worin sie ihre Entschloffenheit erklärt, gewaltsame Erhebungen gegen die freiheitliche Ordnung der Demokratie niederzuhalten. Zu diesem Zwecke stünden ge-' nirgend. Truppen.zur Verfügung. Ein englisches Kriegsgericht gegen die Unabhängigen. Söllingen, 3. Februar. (Meldung der Tele* graphen-Kompagnie.) Das englische Kriegsgericht verurteilte den Führer der Unabhängigen, Redakteur Merkel, wegen eines Artikels in der „Volksstimme", in dem anläßlich des Todes Liebknechts und der Rosa Luxemburg zum Generalstreik ausgefordert wurde, zu 4 Monaten Gefängnis. Die sächsischen Wahlen. Dresden, 8. Februar. (Meldung des Wolffschen Bureaus.) Nach den vorläufigen nichtamtlichen Meldungen sind bei den gestrigen Wahlen zur sächsischen Volkskammer nach einer unverbindlichen Berechnung insgesamt gewählt worden: 40 Sozialdemokraten, 21 ' deutsche Demokraten, 15 Unabhängige, 5 Mitglieder der deutschen Bolkspartei, 14 der deutschnationalen Volkspartei und 1 Mitglied der christlichen Bolkspartei. Einschränkung im Eisenbahnverkehr. Berlin, 3. Februar. Infolge der Kohlennot sieht sich die Eisenbahndirektion genötigt, noch umfangreichere Derkehrseinschränkungen als bisher vorzunehmen. Der Fernverkehr wird vom 10. Februar ab nur noch auf Grund besonderer Zulassungsscheine gestattet sein. Ungarn. Ein serbischer Pogrom gegen Magyaren, Budapest 3. Februar. (Meldung des Ungarischen Telegraphen-Korrespondenzbureaus.) Ein gestern aus Szegedin hier eingetroffener Budapesier Advokat berichtet im „Deli Hirlap" über eine schauerliche Bluttat, welche serbische Soldaten in der Gemeinde A d o r j a n verübt haben. Das Dorf wurde von den Serben umzingelt, die Bewohner in die Häuser getrieben und dann das ganze Dorf angez ü n d e t. Die Zahl der Taten wird von den Serben geheimgehalten. Es dürften aber sämtliche Einwohner zugrunde gegangen sein. Aus Szegedm wurden bisher 200 Holzsärge nach Adorjan geschafft. Diese Bluttat soll dadurch veranlaßt worden sein, daß drei serbische Soldaten, die ungarischen Mädchen und Frauen Gemalt angetan hatten, von den Dorfbewohnern, erschoffen worden seien. Beschlagnahme des Bubapefter Ksmmuulsteus orgaues. Bubapest, 3. Februar. (Meldung des Ungarischen Telegraphen-Korrespondenzbureaus.) Ueber Weisung der Regierung leitete die Polizei das Verfahren wegen Ueberieetring der Papieroerordnung gegen das kommunistrfche; Blatt „Vörös Ujfag" ein. Dir Papieroorrüte des Blattes wurden mit Beschlag Die «ngarrsche Geistlichkeit gegen die kom fessiouette Gehässtgkett. Budapests 3. Februar. (Meldung des Ungarischen Telegraphen-Korrespondenzbureau.1 Die Not der schweren Zeit hat in Ungarn allen Wettstreit die . verschiedenen Glaubensbekenntniffe schwinden lasten. Priester aller Kirchen schlossen sich zu einer einheitliche» Organisation zusammen, um die gemeinsamen idealen Güter der rmgcrrischen Nation zu verftwige«. Der Äandesseelsorgerverdanü richtet kr

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