Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 15 (2.2.1919)
- Date
- 1919-02-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979092--00123-2985379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr.!5 Men, Sonntag TelLgMWMe. Tschechs-slsIAKkischeNepUhlM. Has derrtsche MädcheMyzeum freigegeben. i . Prag» i. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Dqs deutsche Mädchenlyzeum, das von den Tschechen beschlagnahmt worden war, ist auf'den Protest der Anstalt hier fre i g egehen w o rd en, sö daß der Unterricht für die deutschen Mädchen wieder stattsinden fccmtt. DeAtschland. Kaiser WLLHeLm wiK nach Deutschland Zurück- Kehren. Paris, 1. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Echo de Paris meldet aus A msterdam: Kaiser W i! h e l m habe an Eber t geschrieben und um Erlaubnis ersucht, nach Deut sch l a n d zurückbehren zu dürfen. Er werde jeden ihn angewiesenen Aufenthaltsort annehmen. Ebert habe geantwortet, daß nur die Nationalversammlung darüber Zu entscheiden habe. Kürzung der LeLsnsmiLLelration für SLreiker rmd Arbeitsvenveigerer. Berlin, 1. Febmar. (Tel. der „Wr. Morgenztg?) Wie die B. Z. am Mittag erfährt, wird in den nächsten Tagen eine Verordnung, des Rates der Vollrsbeauftragten erscheinen, durch die die V e rkürzung der Leb ens mitte! r a ti o neu fü r „wildeStr ei k e r" und s o l ch e A r b e i t sl of e an0 co rdnet wird, die sich weigern, eine ihnVitz u g ew ies,en eB e s ch äf tigung an z u ne h m en. Die Verordnung wird mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft treten und in den Aussührungsbestimmungen im einzelnen festsetzen, bis zu welchem Grad die Lebensmittelkarten in jedem Fall gekürzt werden sollen. Die Spartakistek in Bremen. > - BeErr, 1. Februar. Der Lokalanzeiger meldet aus.Bremen: Auf der Werft werden die Gebäude in.'Verteidigungszustand gesetzt. Die mehrheitssozialiftischk;rchArbeiter haben, vormittags die Arbeitsstätten vorlassem ebenso die Beamtenschaft, von der ein großer Teil gar nicht erschienen war. Es blieben nu r U n abhängige und K o m m u n i st e n Mr'ück, i-'.Der bewaffnete Teil der Arbeiter fch a ft h a t f i ch z u d e n V e r t e i d ig ü n-g-s ft e l l u n g e n begeben. Der Verkehr in der Stadt geht wie gewöhnlich vor sich. Man sieht huch zahlreiche Automobile/mit Bewaffneten. An MMWnkten außerhalb der Stadt werden Vor- WeKDWMm'• VerteiditzüttMüjnpst getroffen. Int'' Wüter i Rathaus; find zahlreiche Vertreter von Möldat'enWn des 9. Armeekorps versammelt, die sich auf Seite der gegenwärtigen Bremer Negierung stellen. Wie verlautet, setzen sich die Soldatenräte des 6.'Armeekorps für die. Ent waffnung der Arbeiter em. Der Bährwerkehr nach Hannover und Berlin rft' infolge Äusteitzens der Schienen unt erbe och en. v GnLWftffuuug der Arbeiter Lu Bremen.? Äerlirr, 1. Februar. B. Z. am Mittag meldet aus Bremen: Gestern nachmittags und heute nachts haben weitere Verhandlungen mit den Vertretern der Bremer Regierung und der Soldaten- und Marineräte ftattgefunden. Es wurde den Räten zugestanden, baß man mit ihnen über die Durchführung der Entwaffnung der Arbeiterschaft in Bremen verhandeln wolle. Von dieser Bedingung wird auf keinen Fall abgegangen werden. Es wird sehr großer Wert darauf gelegt, daß das Ziel, Ordnung und Ruhe wieder herzusiellen, auf. frieblicfjc Art err e i ch L w e r d e. Es wurde deshalb, um den.Bremern Zeit Zu lassen, ihrerseits die erforderlichen Maßnahmen zur Entwaffnung vorzübereiten, die.Zusicherung gegeben, daß heute noch kein Vormarsch nach Bremen angetteten werden wird. Die Forderungen der Hamburger Seeleute angenommen. Hamburg, 1. Februar. Die Bewegung der Seeleute dürste ihren Abschluß gesunden haben. Während Hestern früh die Seeleute Kundgebungen veranstalteten, fanden beim Arbeiter- und Soldaienrat Verhandlungen statt, die nachmittags zu dein Eraebnis führten, daß die Forderungen des deutschen Seemünnsbundes mit rückwirkender Kraft vom M. Dezember anerkannt werden: andererseits' soll die .Seemannsordnung vom 1. Februar ab noch drei weitere Monate in Geltung bleiben. ' Der Hamburger Soldatenrat gegen die V Aktion in Bremem Hamburg, 1. Februar. Der Soldatenrat des 0. Armeekorps sowie die Arbeiter- und Soldatenräle von Hamburg haben an. die Reichsregierung Telegramme gesandt, worin gegen die gegen Bremen unternommene'Aktion energisch protestiert und erklärt wird, daß im Falle von Kämpfen die Folgen unabsehbar mären. DerSoldatenrat des 9. Armeekorps sehe in der Besetzung von Bremen, das im Bereich des ß. Armeekorps gelegen sei, eme Kriegserklärung an dieses Korps.' Wiener Msrqsmeitnng 2." Februar ^1619 Sette'S ' __• .-•-. . . - ^Btr.-ruvaT. ... ■' Ungarn. Sorge für die Kriegsinvaliderr. Budapest» 1. Februar. (Meldung des Ungarischen Telegraphen-Korrespondenzbureaus.) Mehrere tausend invalide Soldatenversammelten sich! heute vormittags' auf dem Parlamentsplätz und zogen von hier zum Kriegsministerium, wosiedem Kriegs-, minister Böhm ihre Wünsche unterbreiteten. Der Führer der Deputation hob hervor, . daß die heutige Volksregierung in den drei Monaten ihrer Tätigkeit für die Kriegsinvaliden und Kriegerwitwen mehr getan habe als alle friiheren Regierungen in vier Jahren. Der Hauptwunsch der Invaliden beziehe sich jetzt auf Berücksichtigung bei der Grundbesitzreform. ■ Kriegsminister Böhm erklärte: Wenn die Negierung auch schon bisher so manches, für die Kriegsinvaliden getan habe, so sei dies noch nicht genug. Er könne die Deputation beruhigen, daß nicht nur er, sondern die ganze Regierung dieser Ansicht sei und bereits den Wohlfahrtminister damit betraut habe, die Kriegsinv alid enfrage baldigst einer Lösung zuzuführen. Er könne nur wieder-, holen, wqs er bereits einmal gesagt habe, daß, solange es im Lande einen Kriegsnnllionär gibt, die Sache der Invaliden nicht vergessen werden darf. ' Die Devutation nahm die Antwort mit großer Freude zur Kenntnis. Inzwischen hatte der Präsident der Republik Michael Karolyi von der Anwesenheit der Invaliden Kenntnis erhalten und begab sich unter die vor dem KriegÄninifterium versammelten Invaliden, an die er eine von lebhaften EljeMsen begleitete Ansprache richtete. Ungarische Politiker in Italien. München, 1. Februar. (Tel. der „ Wr. Morgenztg *.) Die München-Augsburger Abendzeitung meldet aus Lugano: In R o m sind einige Abgesandte des Grafen Karolyi eingetroffen mit dem' Auftrag, die italienischen Politiker für das Schicksal Ungarns zu interessieren. Die ungarischen Abgesandten haben in verschiedenen bereits stattgefundenen Besprechungen den italienischen Politikern zu bedenken gegeben, daß es im Interesse Italiens gelegen sei, daß Ungarn nicht zerstückelt werde. Ungarn anerkenne den italienisch en Ch arakter Fiu m e s. ‘ Das natürliche Hinterland Fiumes sei Ungarn, und ohne Ungarns Handel müsse Fiume ein klägliches Dasein führen, während andererseits Ungarn auch ein wichtiger Markt für die italienische Industrie und den Bezug von Rohstoffen sein könnte. . Schweiz. ■ : y - -Eme^Prstestnote. des.HM-esO-tss.., Bern, 1. Februar. (Schweizer Depeschen- Agentur.) Der B u n d e s r a t hat beschlossen, eine Protestnote gegen die, ungerechtfertigte und völkerrechtswidrige Zurückhaltung der schweizerischen Gesandtschaft in St. Petersburg zu erlassen. Die Note wird sämtlichen Regierungen zur. Kenntnis gebracht werden. Belgien. 10 Milliarden für die Wiederherstellung der belgischen Industrie. f Brüssel, 1. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Ministerpräsident LeLacroix, der aus Paris zurückgekehrt ist, hat erklärt, daß er von Frankreich. England und den Vereinigten Staaten die Zusage erhielt für ein Kapital von 10 Milliarden Franks für die Wiederherstellung der belgischen Industrie und des Handels. Maßnahmen gegen zurückgebliebene Deutsche. Amsterdam, 1. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Telegmaf meldet aus Brüssel: Die zurückgebliebenen Deutschen werhey jetzt ins. Gefängnis gebracht: es wird untersucht, nus welchen Gründen sie zurückgeblieben sind. Die Deutschen, die sreigelassen werden, sollen in Gruppen nach Holland abtransportiert werden. Frankreich. Die Requisition deutscher tzandelsdampfer. Paris, 31. Jänner. Die Agenee Havas meldet aus Toulon: Die Hasenbehörden' haben eine Anzahl von Offizieren und Mannschaftsabteilungen nach spanischen Häfen entsandt mit der Weisung, sich auf die von der französischen Negierung requirierten Handelsl dampfer Deutschlands einzuschiffen, die unter inter-! alliierter Flügge den Dienst für die Verpflegung des . Landes besorgen sollen. England. Regierungskrise. Berlin, 1. Februar. Die Mittagsblätter melden aus Bern: Der Rücktritt des Kabinetts L l o p d George wird jetzt auch von der Daily Mall in schärfstem Ton gefordert. Die Regienmg habe in den wichtigsten Fragen versagt? Wenn sie die Aufgabe, zu regieren, und sich im Land Autorität zu verschaffen nicht erfüllen könne, müsse sie gehen. Anruheu und Streiks. Lsudou, 1. Februar. ^Tel. der „Wr. Morgenztg."s > Die Ablehnung der Regierung, mit den nicht.anev kannten Vertretern . der Streikenden im C l y d oi Ge bist/zu verhWW^at' UkrÜhSn zur Folge ge^ habt, in deren Verlauf eine> Anzahl Polizisten, von bq Slreikendenwermundet wurden, helfet ft und dnberj Hauptpunkte' der Bewegung, werden noch immer v o rj den S t r e t 'ft e n d. e n b' e h e r r 's ch L. Äüßerdeuj droht jetzt noch ein Streik des Ei s e nb a h uy e. s o n a I s. London ist wegen der mnsicheren Aussichten der Verhandlungen mit den Transportarbeitern, sehr aufgeregt, die, - 200.000 an Zahl, die vierzigstündM Arbeitswoche fordern. Auch der drohende B ä ck e rft r e i k wird nichtverhindert werden können, es se^ denn, daß man sich dazu entschließt, die Nachtarbeit abzuschaffen. Lord NortheUffes Rücktritt. Berliu, 1. Februar. Wie die K r e u z z e i i u n g? aus dem Haag berichtet, wird aus London ge«! meldet, das Lord N o r t h e l i f f e den Vorsitz de^ Gesellschaft, der die Daily Mail, die Evening News - und SLeekly Despatch gehören, Zurückgelegt habe. Sem Nachfolger fei der Chefredakteur der Daily Maih M a t ko w e.- Wenn diese Meldung auf Richtig«' Keit beruht, so hat eine Laufbahn ihr Ende gefllndech die zu den glänzendsten des vergangenen Jahrhunderts zählt. Vom einfachen Journalisten hat er es zum V^ Herrscher eines weltbeherrschenden Zeitungskonzsrn gebracht. König Eduard hat sich seiner bedient, als er mit der Einkreisung Deutschlands einsetzte. Northciiffes Tätigkeit ist die Beeinflussung der öffentlichen Meinung gegen Deutschland zuzuschreiben: er war es, det mit den'^ angeblichen Greueltaten der Deutschen die Sympathien der Neutralen von Deutschland abwandte und nicht zuletzt ist der Abfall Italiens vom Dreibund seiner Arbeit zuzuschreiben. In der Beherrschung der öffentlichen Meinung hatte er es Zur vollendeten Meisterschaft gebracht. Ein Heer . von Zeitungen, Journalisten, die Kabel der Welt unterstanden seinem Befehl, und wenn vom St. James Palace ein Schlagewort losgelassen wurde, mären die Journale von Po! zu Pol davon erfüllt. Es ist übrigens nicht anzunehmen, daß LordNortheliffe sich ins Prwätlebsn M rüMehen wird. Sein Riicktritt von der Leitung des! Pressekonzerns ist vr.lleicht mit der Aspiration aus eine; andere politische Stellung in Zusammenhang zu bringeri.- AmeEa. . EmwaÄLerungsbeschrarrlmng. Berlin, 1. Februar. Die Mittagblätter berichten; Die Times meldet aus Washington'. Die E i nwan d e r u n g s k o m m i s s i o n des Repräsentantenhauses hat den Gefetzentwurß der die E i Wanderung u a ch A.M erika für die Dauer von vier Jahren nach 11 nterz e i ch n u n g d e s F r i e d e n s v e r t r a g e s v e r w e h r t, in günstigem Sinne erledigt. Die Kommission hat Berichts empfangen, nach welchen Hunderttausende von Menschen auf die erste Gelegenheit warten, um nach Amerika zu reisen, darunter auch eine große Anzahl Deutscher.^ Der Gesetzentwurf macht eine Reihe von Ausnahme:^ für gewisse Personen; er bezieht sich auch nicht auf- Kanada, Neufundland und Mexiko. Tagesbericht. Die SchrsieTigkeiLen in der HauptfteNe fü- PoLksbekleidnng. Rücktritt der leitenden Persönlichkeiten. Die Parlamentskorrespondenz meldet: Mit Staatsgesetzblatt vom 23. November 1918 wurde die Errichtung einer HaupLstelle für Volksbekleidung in Aussicht genominen. Sie sollte die Bestände der Landes-, die Volksbekleidungssiellen der Bamnwoll« zentrale, der Schafwoll- und Leinenzentrale, - Leder- und Schuhbeschaffungsgesellschaft übernehmen, weiters sollte sie aus den Monturdepots, Flüchtlingsbekleidungslagern usw. die sachlich zugehörigen Lager verwalten und liquidieren. Vei den einleitenden Arbeiten ergaben sich jedoch nach fast allen Richtungen derartige Widerstände und Schwierigkeiten, daß ein erfolgreiches^ Arbeiten ziemlich ausgeschlossen schien.! Es haben daher sowohl der Vorsitzende NaLiona?- rat Kraft, als. auch dessen Stellvertreter Direktor K o k o r d a und Beisitzer-Vorsteher Heinrich K'u n z ihren Rücktritt angemeldet. — Zur endgültigen Be-j wirtschastung und Liquidation der Vorräte dürste nunmehr wohl eine der geänderten Gestaltung angepaßta Organisation geschaffen werden, um endlich für die! Völkerbekleidung und für die Gewerbe so nötigen Bestände ihrer Verwertung Zuzuführen. Die Kshlettnot. Wähmrd für, die ösfeiUliklien Betriebe in der Kolileuli.cferung eine Besserung , eittgetreien ist und die Behörden alles nur Mögliche rm:eruehmen, um den Abbau der Svarmasrnahmm i» Slrom und Gas durchzuführen, wurde für die Bevölkerung außer der Einführung der Kuudenlisten, die Unzukönnullchkeiten adftellen, sollen, garnichts unrernornmen. Die Haushalte . sind durch bat Eintritt des Frostes und den Mangel an Kohle sehr stark ge-; schädigt. Ein sehr strenger Gintec ist im Anzüge und viele HauS-! lnl'ungen, die sich «och int Äo rjahre mit einem geringen Quantum' Kohle versorgen, haben es schön aüfgebräucht. D.e Zufuhren aus dem Ostanrer Kohlenrevier sind zwar; noch mtm* nichr so hoch, daß ..Man - dt« Aushebung der behörd-, rchvt Emschränsungn» au ordnen könnte, doch können urunerhrn-