Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 15 (2.2.1919)
- Date
- 1919-02-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2' , Wien, Sonntag Wiener Morgenzeltmtg _ 2. Februar 1919 _Ar. M Die Friedenskonferenz. Für die nationale $eim‘-£"?r'in Palssttna. Kopenhagen, 31. Jänner. (Tel. der «Wiener AiorgenZtg/) Die englischen Inden haben an die Friedenskonferenz eine Petition gerichtet, die Konferenz möge solche Bedingungen für Palästina sichern, welche es dem jüdischen Volk ermöglichen, Palästina als nationale Heimstätte wieder herzustetten. Die Entscheidung über die deutschen Kolonien nur provisorisch. Paris, 1. Februar. (Reuter-Meldung.) Die Entscheidung der Friedenskonferenz über die deutschen Kolonien. Liber Mesopotamien und Syrier: ist provisorisch und erfordert für den Augenblick nichts weiter, als daß die am meisten daran interessierte Macht diese Entscheidung annimmt. Wie erklärt wird, würde die indische Regierung Mandathalterin für Mesopotamien fein. Das Mandat für Mesopotamien wird der britischen Regierung angehoten werden, die für die Verwaltung in diesem. Land verantwortlich sein wird. Die natürliche Entwicklung von Deutsch-Südwestasrika wird nach demselben Grundsatz wie diejenige der Provinzesl der Südafrikanischen Union vor sich gehen und in ihrer vollständigen lokalen Selbstverwaltung bestehelü Beschlemnmrng brr FriedensverhandrZürgen. Berlin, 1. Februar. Der Berliner Börfenconrier meldet aus Amfterda m: Nach Berichten am Pari s hnL Pichon gesterrr im Kammerausschutz erklärt, daß die sich in Deutschland immer mehr ansbreitende Bolfchewikeugefahr von den Alliierten nicht geleugnet werde. Aus diesem Grunde sei es möglich, datz die Alliierten zu einem früheren Beginn der FriedensVerhandlnngen ihre Zustimmung erteilen. Die Ukraine verlangt Zulassung zur Friedenskonferenz. Paris, 31. Jänner. Der Minister für Verkehr des neuer: ukrainischen Staates, Sidorenko, erklärte einem Vertreter des Petit Journal, feine Regierung werde a b l e h n e n, Delegierte nach den Prinzeninseln Zu entsenden. Er habe Besprechungen mit der französischen Regierung zu dem Zweck eingeleitet, damit die Ukraine einen S i tz- M u s der Friedensk o n f e r e n z erhalte. Der ukrainische Vertreter werde an die Friedenskonferenz nur eine Forderung stellen, nämlich die d e r Anerkennung der Ukraine. Die Ukraine würde sofort Frankreich ein Bündnis auf der Grundlage des alten Bündnisses mit Rußland Vorschlägen. Sie würde einen Teil der russischen S ch n-l b übernehmen, mit den Zahlungen gleich beginnen und Frankreich mit. Getreide versorgen. Die Teschener Frage. — Das Temesvarer Banat. Paris, 1. Februar. (Havas-Meldung. — Amtlich.) Präsident W i l s o n, die Minister des briüschen Reiches. Frankreichs und Italiens sowie die Vertreter Japans Noten gestern um 3 Uhr nachmittags zusammen. Die Delegierten der Großmächte, welche die nach Polen bestimmte interalliierte Kommission bllden, wurden vorgelassen, um über die Schlußfolgerungen Bericht zu erstatte^ die sie nach Anhörung der Vertreter Polens und der tfchecho-slowakischen Republik über den Betrieb des Jndustrrebeckens von Teschen gezogen haben. Aus Grund des von Noulens und B o L h a im Namen ihrer Kollegen erstatteten Berichtes beschlossen die Minister der Alliierten, Delegier^ nach Teschen -ui entsenden, um bis zur Regelung der Gebietsfraoe durch die Konferenz den friedlichen Betrieb in diesem Becker: im Einverständnis mit den Tschecho- Slowaken und Polen zu sichern. Die Delegierten hörten dann eine Darlegung der Ansichten, der Interessen und der Rechte Rumäniens und Serbiens in Bezug auf das Banat von Temesvar. Dir rumänische Regierung war vertreten durch 'Bratianu und Mich«, die serbische Abordnung bestand aus V e s n i t s ch, P a s i t s ch und T r u mkitsch. Die nächste Versammlung findet heute nachmittags statt. Die Airtersuchrrngskomunsflon für Polen. Paris, 31. Jänner. Die Agenee Havas meldet: Die Unterstichungskommiffion für Polen hat in Gegenwart von Vertretern Polens und der Tfchecho- Slowakei die Erörterung des Problems des Teschener Beckens begonnen. Sie beschloß» einen Bericht abzufassen und ihn sodann der Friedenskonferenz zu unterbreiten. Die Ausarbeitung des Berichtes wurde No ule ns übertragen, der den Bericht nachmittags dem Komitee der Konferenz vor- Lrgte. Fm nächste Woche werden mehrere Kommissionen emberusen, so die Kommission jür Arbeitsgesetzgebung für Montag und die SchadenersutzLommisfion für Dienstag. Die Hilfsaktion für de« Balkan. Paris, 1. Februar. (Tel. der «Wr. Morgenztg.") Wegen der Notlage am Balkan, die viel schlimmer ist als sonst irgendwo in Europa, wird die Mission des amerikanischen Roten Kreuzes, die in Italien und Frankreich war, sich jetzt nach dem Balkan begeben und bis ein Modus für die intemationale Hilfeleistung gesunden werden kann» über die in Italien ausgehäusten Vorräte verfügen. Die Wahlen. Kandidatenliste der Jüdischen NatZoyalpartei für de« Wahlkreis Wien-Nordost. 1. Ingenieur Robert Stricker, Staatsbahnrat, 2. Dr. Leopold Plafchkes, Advokat, 3. Erna Patak, Erholungsheim-Inhaberin, 4. Jakob Pinkas» Kaufmann. 5. Karl Blume, Obmann des Jüdischen HandlungsgehllfsnyerbandLS, 6. Isidor Vlatz, Zahntechniker, 7. David Nebenzahl, Privatbeamter, 8. Ingenieur Fedor Ackermann, Oberkommissär. Das Wahlkomitee derIüdifchen Nationalpartei lätzt hiermit eine Aufforderung an alle Geftnnnngsgenoffen Wiens ergehen, zu der heute Sonntag, präzise 4 Ahr nachmittags, iw Souterrainlokal des „Cafe Notenturm", II, Obere Donaustratze 99 (an der Marienbrücke), ftattfindenden äußerst dringenden Besprechung unbedingt zu erscheinen. Da dieser Beratung infolge ihrer sehr wichtigen Tagesordnung die größte Bedeutung zukommt, ist der Besuch derselben unerläßliche Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen. And was sagen die Juden dazu? So fraßt die Arbeiter-Zeitung, und, sie meinte das Gerücht, jüdische Großkapitalisten hätten den Christücksozialen Wahlgelder zur Verfügung gestellt. Die christlichsozialen Führer leugnen, von Rothschild und Gutmann Geld erhalten zu hahen. Aber wenn die jüdischen Schwerindustriellen auch nur für den Günther-Schoelleosonds zur Unterstützung der bürgerlichen Parteien gezeichnet haben, ohne auszubrdingen, daß von, diesem Fonds kein Heller für die antisemitischen Parteien bewilligt, werden dürfe, so ist dies «ne Lumperei sondergleichen. Daß ,ein Teil der jüdischen Großbonrgoisie entartet ist und sein jüdisches Volkstum gewissenlos verrät, i4ä-: 'den grimmigsten Jndenhaflern skrupellos ans Messer liefert, Haben die nationalen Juden längst ^brandmark. Der P o g rso m - Tanssig, der dem Zaren zur Bezahlung der Schivarzen Hundert Kredit gewährte, der Lueger- Sieghart, der die christlichsoziale Partei finanzierte, die N e u e F r e l e P r es s e, die für die Wahl K. H. W o l fs bei den letzten NeichSratsmahlen rm alten Zisleithanien eintrat und seine Wahl sreudigst begrüßte, sie sind von uns nicht geschont worden. Aber wenn schon die Arbeiter-Zeitung plötzlich Anlaß findet, sich an die Juden als Volk zu w e n d e n, so sei in einem Aufwaschen Nipp und klar gesagt: Nicht minder verwerflich und für das Judentum schädlich als die Handlungsweise einiger jüdischer Großmillionäre ist die Felonie sämtlicher jüdischer Führer der deutschosterreichischen Sozialdemokratie gegenüber ihrnn jüdischen Volke. Sie haben ihren verderblichen Einfluß dazu benützt, daß die deutsche sozialdemokratische Partei den Inden das Recht auf die eigene Nation v o r e n t h ä l t. Sie hatten den traurigen Mut, die bewußtjüdischen Sozialdemokraten in das Polentum hmemzwanaer, zu wollen. Das Bekenntnis jüdischer Proletarier nt ihrer Nation als „künstliche Konservierung jüdisch-klerikaler Traditionen" zu bezeichnen und die Ausschließung der jüdischen Proletariergruppen aus der Nerchspartei zuerwirken. Und wie hat sich die naiv fragende Arbeiter-Zeitung gegenüber den brennenden Fragen der Judennot verhalten? Die breiteste Oessentlichkeit soll es doch endlich wissen: Als die Pogromhetze in Galizien begann, hat die wohlmsormierte Arbeiter- Zeitung geschwiegen, hat die Judenverfolgung in Krakau, die den Anstatt der Pogromschande bildete und ein Todesopfer forderte, verlogen geschildert, hat der Oessentlichkeit weiß gemacht, daß die Juden dre„Hungerkrawalle" zu Pogronitn aufbauschen, hat geflissentlich onterlassen, die Welt darüber ausuklären, was in Galizien wohl vorbereitet wird und ist erst mit der Sprache herausgerückt, als das entsetzliche Unglück in Lemberg geschehen war. Intervenieren mußte man, damit daS Wiener Proletarierorgan den an jüdischen Proletariern begangenen Verbrechen gefälligst die nötige Aufmerksamkeit zuwende! Was sagen die I « d en d azu, daß die Wiener Sozialdemokraten teineeinzigeProtestversamm-' l u n g gegen die galizischen Pogrome veranstalteten? Besonders lieblich aber war es, daß die Arbeiter-Zeitung den von einer Handvoll wohlhabender Juden gefertigten Protest gegen dm Jüdischen Notionalrat billigmd registrierte, jmen Aufruf, in welchem die bewußten Juden als Staatsfeinde vernadert werden und der sich geaen eine Körperschaft richtet, in der auch marxistische Sozialisten fitzest. Die Frage der Arbeiter-Zeitung hat natürlich nur den einen Beweggrund: Wahlrrfang. Deshalb fügen wir unsererseits eine Zusatzfrage hinzu: und wassagen dieJndenhurHaltuna, welche die deutschösterreichlsche f © a Hk 1=* demokratischePartei s o w r edieArbeiter- Zeitung in jüdischen Angelegenheiten e i n n i m m t? die für Christlichsoziale stimmm wollen, .gehören inS Zuchthaus oder ins I r r « n h a u s. Sie find polittsch Aussätzige. Aber ebenso verderblich, wie diese Anbiederung an Erbfeinde, rft die Manie, die Christlichsozialen zu provozieren, wie eS zum Beispiel Ofner mit der EherechtSrefonn tat. Die neue Lex- Ofner kam nur zu. Fall, weil sich sechzehn Sozialdemvkratm von der Abstimmung absmtierten. Wer die Preußischj militärische Disziplin im sozialdemokratischen Abgeordurtenllub kennt, weiß, diese ÄbsentieruNg richtig zu wetten r Sie w o l l t e n jrt^tdieEherefdrm nicht haben. Wozu hat sich alsMerade der Jude Ofner beim Sturze katholischer Dogmen so engagiert? Gr hat eS am Gewissen, daß jetzt durch das flache Hrnd und die Alpen ein Sturm des Judenhaffes gehr, und es von allen Kanzeln dem Volk eingeschärft wird: „Die Juden wollen unsere geheiligten Dogmen zertrümmern." Den Sozialdemokraten haben wir.Judm alles gegeben, unsere Stimmen und auch sehr, schweres „Juirengcld". Der Dank: Kein einziges Prvtrstmeetiug gegen die Pogrome haben sie in Wien veranstaltet. Als der Mge. Daszinskh zum ersten Male gewählt wurde, hat man ihn in der Krakauer Judenstadt wie den Messias gefeiert. Später hat er dev Juden gegenüber, insbesondere bei der Volkszählung wie eiv Schlachziz gehandelt und bei den Pogromen hat er sich schmählich benommen: Er wollte sie f o r t l ü g e n. Die Wähler tragen in diesem Wahlkampfe eine große Brrantworttmg: Sir haben zu entscheiden, ob im Westjudentnm e i » Auslösungsprozetz vor sich gehen soll, oder eine Auswärtsbewegung. Kandidat Karl Blume, der Obmann deS jüdischen Handlungsgehilfenverbattdes, sagte: Der Jüdische Nationalvereiu hat durch seine Liste zum ÄuSdruck. gebracht, daß im Kamps M die primären nationalen Grund-' rechte alleKlassen des jüdisch enBolkes zu-, sammen gehen müssen. Innerhalb des Volkes vertrete natürlich die .. schallsicher Hinsicht, seien dir großen jüdischen müfien alle Parteien, die jetzt den Juden nachlaufen, demaskiert werden, vor allem die Sozialdemokratie, die ihrem Genoffen Glöckel untersagte, in einer jüdischen Protestversammlung gegen die Pogrome als Redner aufzntreten. Kandidat Herr De. Pluschkes entwickelte das wirtschaftliche Programm deS Jüdischen National- Vereines. »Die Steuergesetzgebung darf nicht die Konstituante allein entscheiden. Durch ein B o l k s r e f e r e n d u m soll emnttett werden, ob wirklich der Mittelstand zwischen Großkapital Md Arbeiterschaft zerriebm werden will." Sämtliche Redner ernteten großen Beifall. Inland. Staatskanzler Dr. Nenner über den Bolschewismus und den Anschluß an Demschland. London, 31^ Jänner. (Reuter-Äteldung.) Mommg Post veröffentlicht ein Interview seines Wiener Vertreters mit dem Staatskanzler Dr. R e n n e r. Der Korrespondent fragte zunächst den Staatskanzler,' ob er Besorgniffe wegen bolschewistischer Umtriebe hege. Dr. Renner erwiderte, daß die deutschösterreichischst Arbeiterschaft stets große Besonnenheit an den Tag g.legt habe. Im weiteren Verlaufe der Unterredung erklärte der Staatskanzler, es handle sich vor allem darum, den infolge des Kohlenmangels beschäftigungslos, gewordenen Arbeitern A r b eit z u v c r s ch a f f e kj und so das Land vor einer gefahrvollen Krise' zu bewahren. Brot und Kohle seien die besten Schutzmittel gegen den Bolschewismus. Zur Frage des Anschlusses Deutsch Österreichs an Deutschland äußerte sich der Staatskanzler: In Wien ist die große Mehrheit für die Vereinigung, und nur eine Minderheit dagegen. Der Donaustaatenbnnd wäre m ö g l ich gewesen wenn die Tschechen D e u t s ch b ö h m e n freigegebenhätten. Aus die Frage des Korrespondenten, ob Renner glaube, datz die Vereinigung mit Deutschland v e rwirklicht wird, antwortete der Staatskanzler: Wir hoffen alle, datz Italien, England und Amerika das nicht verhindern werden. Frankreich hat sich bjm Tschechen verpflichtet, aber Frankreich ist nichts die ganze Entente, und daher 'erwarten die Deutschen, sosortMitgliederdesVölke^rbundes und nicht Sklaven der Tschechen zu werdem Abreise Dr. Schülers nach Paris. Die Abordnung des Ministeriums des Aeußern, b?e iwtei* Führung des Settipnschefs Dr. v. S ch ü l e r in Angelegenheit der Lepensm'ittelbeschaffiing bestiinmt wurde, ist gestern nach Bern abaereist, von wo sie sich nach Zweitätigem Auftnchck nach PartS begeben wird. Die amerikanische Kommission In Körnten. Klagenfnrt» 1. Febmar. Vom Pressedienst des Landesausschusses wird gemeldet: Die amerikanische Kommission besuchte zunächst Völkermarkt. wo sie von der deutschen Bevölkerung freudig begrützt wurde. Von Klagensurt bereiste sie am Donnerstag Mttmannsdorf sowie Grasenstein, fuhr dis zur Annabrücke und kehrte dann auf Umwegen nach Klagensurt zurück. Am Freitag wurden Fiktring, Keutschach, Schieflmg. Augsdors und Velden besucht. Ueber Villach und Arnoldstein fuhr die Kommission zur üalienischen Demarkationslinie. >> ,r- . . 1 ....... |l,l. WERBET Massenversammlung in der Leopoldstadt. Grsttrn fand wieder nebst zahlreichen kleinen VersammlMgm eine große Wählerversammlung deS Jüdischen Nationalvereines statt. In einer gryßzügrgen, begeisternden Rede Kat der zionistische Führer Adolf Stand für die jüdischnationalen Kandibaten ein. Er führte asts.r Inden, für die Wiener Korgenzeitung* VAflfthnat ftio ' - |f> alter» Ga«t* untJ 'SaWKlMft»