Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-02-01 · Heft 14 (1.2.1919) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 14 (1.2.1919)
Date
1919-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979091--00114-2985369
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 14 Wien, Samstag Wreüer MorgeMeLtirug ' die fremden ÄLubenten und Aerzte nach Wien locken? Der Ordinarius liest bloß fein PflichtkoNeg, außerdem geht er bür Praxis aurea nach. Die Assistenten Mit ihrer schlechten Entlohnung geben sich mit dem .Lehren recht wenig Mühe — außer etwa, wenn sie für Prtv-Ü'nrse gut bezahlt werden _jo gut, wie die Amerikaner es taten, die früher scharenweise hieher kamen, nur um ein Zeugnis einer Wiener Klinik zu erlangen. .Dringend notwendig ist die Errichtung eines medizinischen FortbilbungsinstitüteK. Da müßte dann aber ein ganz anderes Lehrsystem walten. Da sollte man sich die deutschen Schulen zum Vorbild nehmen. ■ - Ich glaube hiemit gezeigt zu haben, daß es verschiedene andere Ursachen gibt, die den Verfall und das sinkende Ansehen der Wiener medizinischen Schule; bewirken, als der Stillstand in, den Neubauten der Kliniken. Was nottut, ist? in erster Lims: Gerechtigkeitssinn, Pflichtgefühl — bei den berufenen akademischen Lehrern. Ausschaltung jeglicher Protektion', um dem altbewährten Satze neue Geltung zu verschaffen: Freie -Bahn dem Tüchtigen! Dann wird mir Um die Wiener medizinische Schule nicht bange werden. Die Wahlen. Juden und Jüdinnen! Durch eine ungerechte Wahlkreiseinteilung ist das Proportionalwahlrecht verfAscht und sind die Juden Deutschösterreichs um die ihnen gebührende Zahl von Vertretern irr der Nationalversammlung gebracht worden. Nur im Wahlkreis Wien-Nardost (Leopoldstadt, Brigittenau, Floridsdorf) können Vertreter des jüdischen Volkes im Wahl- Kampf Mandate erringen. Die jüdischen Abgeordneten dieses Wahlkreises werden daher nicht nur Bezirksintereffen sondern die Interessen aller 300.000 Inden Deuts ch Österreichs netlrdeu müssen. . Wenn die jüdischen Wähler dieses Wahlkreises ttidjt ihre Pflicht erfüllen, zur Urne gehen und jüdisch wählen» dann LLeiöen alte Inden ohne Vertretung. Antisemiten und solche, denen euer Wohl und Wehe gleichgilüg ist, werden die Gesetze erlassen und den Staat verwalten. Die Juden, welche heute von Feinden arger als je bedroht werden, sind dann ohne jeden Schutz. Jüdische Wähler und Wählerinnen! Seid besten eingedenk und wählet nur die Kandidaten, welche Hurchihr Programm verpflichtetsinds offen und 'rückhaltlos für das Mische Volk eMzntreLen, nicht aber solche, die am Tage der Wahl jüdisch tun und nachher allen anderen dienen, nur nicht ihrem Volke. Wählet solche Kandidaten, die als volksbewuftte, aufrechte Juden für die tatsächliche Gleichberechtigung unseres Volkes arbeiten. Wählet solche, die gegen den Abfall und für die Erhaltung des jüdischen Volkes arbeiten, und die für die Erziehung unserer Jugend in jüdischem Geiste sorgen wollen. Wählet Männer und Frauen, die aus dem Volke stammen, die Not des Volkes fühlen und wahre Volksinteresten fordern, denen die Besserung der Lebensverhältnisse, des Mittelstandes, der Handwerker und Arbeiter, der wirtschaftliche Ausbau des neuen Staatswesens, mit einem Wort, die Zukunft Deutschösterreichs am Herzen liegt. '' Wühlet' fcic Kandidaten der Jüdischen Der Jüdische Ratio naiverem 4 ./ für Deutsch Österreich. 7. R ...der IDischen NotrorralparLei für.den Wahlkreis Wien-Nords ft. Ingenieur Robert Stricker, Staatsbahnrat, Dr.. Leopold PLafchlres, Advokat, Erna Patak, Erholungsheim-Inhaberin, Jakob Pinkas, Kaufmann. Kar! Blume, Obmann des Jüdischen Handlungsf gehilsenverbandes, Isidor Blaß, Zahntechniker. l^y David NeÄenZahl, Prwatbeamter. Ing. Fedor Ackermann, Obsrkvuunlstär. Der Wahlgerichtshof. Das Gesetz betreffend die Errichtung eines Wahlgerichtshoses ist im Wahlresormcmsschutz bereits angenommen worden und' kommt m der Dienstags Atzung der Nationalversarnmlung zur Beratung. Die SLiMurung'vor den Wahlen. Wer Gelegenheit nimmt, die Mastenversammlungen des Jüdischen Nationalvereins in der Leopoldstadt und der Brigittenau zu besuchen, kann mit Genugtuung feststellen, daß die Nominierung einer nationaljüdischen Kandidatenliste für diesen Wahlkreis den Forderungen der breitesten jüdischen Schichten entspricht. Niemals so wie jetzt haben unsere Volksgenossen hm Zusammenhang her Iudeusragen in allen Latzdern erkannt. Sie wissen, daß die Iudeufrage setzt gelöst werden kann und wird und daß cs dazu nötig ist, möglichst in allen Parlamenten eigene Vertrsier zu haben. Auch die Schande von der papierenen, niemals respektierten „Gleichberechtigung" legt selbst den bisnun indifferent Gebliebenen den Gedanken nahe, ob nicht die Vorenthaltung der Gleichberechtigung darauf zurückzuführen ist, daß bisher Juden in den gesetzgebenden Körperschaften saßen, die durch ihre sremdnationale Politik gebunden waren und niemals das Recht des jüdischen Volkes fordern durften. Hätten wir Juden auch nur zwei oder einen Vertreter in der Konstituante, die als Juden der Körperschaft angehören, mau könnte uns unser Recht nicht vorenlhalten. Die Juden wissen auch, daß der zu wählenden Konstituante die Neuregelung der Verhältnisse obliegen wird und wollen, das; wahrhaft Mischer Vertreter im Interesse des Judentums mitreden. Auch solche Juden, die sonst mit uns nicht übereinstimmeri, sehen ein, daß nur im Wahlkreise Nordost dir Wahl jüdischer Kandidaten möglich ist, und daß man einer so großen und ernsten Bewegung, wie es der Mische NationaLismus ist, Gelegenheit geben mutz, zu Worte zu kommen. An unseren Freunden liegt es, diese günstige Stimmung zum Wohle des Judentums zu nützen. Alle wahlberechtigten Juden und Jüdinnen des Wahlkreises Nordost, die ans den angeführten Gründen uns nahe stehen, müssen in den nächsten Tagen erfaßt und unserer großen Sache zugeführt werden. Dazu bedarf es der sofortigen Mitarbeit der Gesinnungsgenossen von ganz Wien. Wer sich dem Wahlkomitee noch nicht zur Verfügung gestellt' hat, trage dies sofort nach. Das HauptagÜationsloLal.besindet-sich!l.,Li!ien° brunngasse, Cafö Müller (Souterrain). Auskünfte werden von 10 bis 12 und von 3 bis 7 Uhr erteilt. Das Agitationslokal,,-es. Jüdischen National- Vereins für die Brigittenau besiMt sich XX.. DZa^knsteinstrafte 2, Cafü Bürger. Sprechstunden. täglich von 9 bis 12 Uhr und von 3 bis 6 Uhr. Die Rsklumatisusfrift um Zwei Tage uerlKttgert. Wir haben schon berichtet, daß nur die Zwei groften Parteien, die Sozialdemokraten und die. Christlichsozialen, Abschriften der Wählerlisten erhalten haben. Die anderen Parteien müssen selbst Abschriften verfassen, eine gewaltige, zeitraubende Arbeit, durch welche Einsprüche verzögert werden. Die Kreiswahlbehörden Wiens und Niederösterreichs wurden nun im Interesse einer möglichst lückenlosen Erfassung -aller Wahlberechtigten von der Hauptwahlbehörde angewiesen, auch Einsprüche, die innerhalb von Zwei Tagen nach Ablauf der ordentlichen Einspruchsfrist bei der Kreismahlbehörde erhoben werdenin Verhandlung Zu nehmen und der Erledigung zuzusühren. Die Frie-MkortfErrz. Dis Kolvmsl- und OrisnLsrsZsrr. PKres, 31. Jänner. Die Agence Havas melde amtlich: W i l s o n, die Premierminister und di, Minister des Aeußern Frankreichs, Amerikas, Eng lands und Italiens, sowie dieVe treter Japans hielter am Donnerstag zwei Sitzungen ab. Es wurde der Ge dankenaustaufch über die deutschen Kolonien im Stiller Ozean und in Afrika'fortgesetzt. In Anwesenheit de Vertreter der Dominions. des französischen Kolonial Ministers Simon und Salvago Raggis wmd ein. provisorisches Sondercibkommen über dm Regime in den deutschen Kolonien und ir den besetzten Gebieten , der asiatischen Türke getroffen. In der Nachmittagsitzung waren die bei gischen Delegierten Hymans, Vandervelde, van der Heuvel und Ort anwesend, welch letzterer den belgischer Standpunkt bezüglich des Kongos darlegte. E; wurde befchloffett. die militärischen'Vertreter der alli ierten unb assoziierten Mächte sowie den Oberster Kriegsrat zu ersuchen, einen Bericht über die beste ün! befriedigendste Verteilung der nötigen Streitkräfte fü , die Ausrechterha-tung der O r d n u n g i n d e n b e ^setzten Gebieten des ottömanischer 1. Februar 1919 Seite 3 Reiches vorzulegen. Die nächste Sitzung findet Freitag nachmittags statt. Die Mission für Polen. Paris, 30. Jänner. (Havas-Meldung.) Die interalliierte Untersuchungskommission für Polen hat heute vormittags die von den alliierten Mächten für sie ausgeardeiteten Instruktionen entgegengenommen und sodann die polnischen und tschecho-slowakischen Delegierten über die Frage des schlesischen Industriegebietes gehört. Die serbische Vertretung. Äthers, 29. Jänner. (Radiogramm Eifelturm.) - Prinz Alexander von Serbien hat Athen verlasten, um sich nach Frankreich zu begeben. Die Reise trägt keinen offiziellen Charakter. Der Prinz-Regent fährt inkognito nach Paris in der Absicht, mit mehreren Delegierten der Friedenskonferenz Unterredungen zu führen. Eine interrmtiormle BöLkerbrmdkonferenz. Bern, 30. Jänner. Die verschiedenen Friedens¬ und Völkerbundvereine Dänemarks, Hollands, Norwegens, Schwedens und der Schweiz beabsichtigen eine internationale Völkerbundkonferenz auf Mitte Februar nach Bern einzuberufen. Die Delegierten, des schweizerischen Vereines haben Dr. de Jong,Professor! Broda und Dr. Trölsch in Bem mit den Vorarbeiten! beauftragt. Da gegenwärtig in Paris die führenden! Völkerbundvereine Frankreichs, Englands, Amerikas, und Italiens zu einer Tagung versammelt sind, hat bösj schweizerische Organisationskomitee der geplanten Berner! Konferenz es für entsprechend gehalten, schon jetzt an Leon Bourgeois als den Präsidenten dieser interalliierten Versammlung ein Telegramm zu senden, worin der Plan für die internationale Konferenz mitgeteilt wird. Die Tschecho-Slowakeu müssen in Ungarn ihre Truppen Zurückziehen. Budapest,, 31. Jänner. Wie das Ungarische Telegraphen-Korrespondenzbureau erfährt, hat die tschecho-slowakische Regierung aus Paris die Weisung erhalten, ihre Truppen hinter die von der Entente festgelegte Linie Zurückzuziehen. Diese Linie reicht von Preßburg entlang der Donau bis zur Mündung der Erpel, dann längs der Erpel bis Rrma-Szombat, von dort in ge-s rader Linie hinauf bis zur Mündung des Ungflustesj und schließlich längs des Ung bis Uzsok. Inland. Die Antonomiften gegen Wien. Uebsr Einladung des Staatskanzl-ers Dr.Renner^ konferierten gestern die Vertreter der LandeZr^gie ünigensf von Deutschösterreich in der Staatskanzlei über die? Zuordnung des Verhältnisses von Staat und Länder.^ Der Konferenz gingen Vorberatungen der bereits in 'Wien eingetroffeuen Läudervertreter voraus, die ein Bild der S timmungen .gaben. Darnach ' ist inj den Ländern die - Ne igung zu weitgehen derl Selbständigkeit in letzter Zeit bedeutend ge-! wachsen, das Schlagwort „Los von Wien" hat an Verbreitung und Vertiefung wesentlich gewonnen und 'die ‘„Zentralistischen ''DerHenzen" Wiens finden immer schärferen Widerspruch. Nicht, daß in den Ländern unter, dem Nufe „Los von Wien" eine absolute Lossagung! von der alten Metropole verstanden wird, man meint! vielmehr weitestgehende Autonomie der Verwaltung aus Grund des Selbstbestimmnugsrechtes aller.. Die Staatssrcut igkeit soll durch Einräumung großer Bewegungsfreiheit und administrativer Sei b st ä n d i g«! krit au die einzelnen Teile des Staatsganzenalso, in erster Reihe die Länder, gehoben werden oder vielmehr sie muß, als für den Neuaufbau Deutschösterreichs! unledingt notwendig, dort geschaffen werden, wo sie nicht ober doch nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist. . z Eine Verfassung wird geschaffen werden müssen, die gleichüerechtigle bundesstaatliche Glieder Deutschösterreichs, herstellt, jedoch nicht im Sinne der Berliner Pläne, die die N e i ch s u n m i t t e l b a r k e i t Wiens neben dem sonstigen F r e i st a a t e Deutsch--! oster reich vorsehen, sondern vielmehr die Länder^ als Gliedstaaten ebenfalls neben Wien als Freistaat,, wie dies beiläufig Bürgermeister Dr. Weiskirchner aus»! sprach. Damit soll durchaus nicht eine Lockerung des! Staatsgefüges verbunden sein. Den Ländern schwebt vielfach das Muster der Schweiz vor,! die in gewissen^ Velanzen nicht des Zentralismus völlig entbehrt. - , Den Beratungen her Vertreter der Staats- und^ Läl'.ber-egieruugcn wird große Tragiveite zulommen,^ demgemäß dürsten sie sich auf zwei bis drei Tage erstrecken. Zunächst wird der von den bürgerlichen Par-, leien der Nationalversammlung der Läilder schlankweg ab.i-.rlehnte Entwurf der Landes- und Gemeindeordnung und der betreffenden Wahlresormen den Hauptgegenstand der Erörterung bilden, daran sollen sich die Vor-s schlage der Länder betressend die Äusgestattung der, Antonv!'. ie reiben. In allen bie'en Beziehungen wollcnj die Länder - mindestens vorangehen und lehnen selbst-1 staatliche Rahmengesetze ab. — Dies schreibt die christlich'oziale Parleikorrespondenz Austria. Wenngleich tatsächlich auf dem Larrys sehr scharf gegen die (von Prälat Hauser) geieit-ete „Juvenrepuoli^ gesetzt wird,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.