Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 11 (29.1.1919)
- Date
- 1919-01-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. U Wien, Mittwoch Wiener Morgsnzettrrng 29. Jänner 1919 Seite 9 Die russischen Regierungen Kämmen nicht mrf die Prinzeumseln. Kiew, 27. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenzig.") Nach hiesigen Informationen wird die Konferenz auf den Prinzeninseln infolge der Absage sänülicher russischen Regierungen nicht stattsinden. Die Mission für Polen. > Paris, 28. Jänner. (Havas-Meldung.) Das -Komitee der Interalliierten Konferenz hat gestern eine , Sitzung abgehalten, in der Minister des Aeußern Pichon den Entwurf der Instruktionen, zur Kenntnis brachte, die der für Polen bestimmten 'Kommission werden mitgegeben werden. jNoulens wird wahrscheinlich Frankreich in dieser Kommission vertreten. Amerikanische Mitglieder der Entente- Kommission für Polen. Paris, 27. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg.«) Der Chef des amerikanischen Nahrungsmitteldienstes Kern an und General Lord, der fachmännische Attache der Friedensdelegation, ein genauer Kenner der russischen und polnischen Verhältnisse, sind zu I amerikanischen Mitgliedern der nach Polen abgehenden l Ententekommisston ernannt worden. Die Tschecho-Slorvaken müssen ihre Truppen ••••*. zurückziehen. Dnd a p e ft, 28. Jänner. (Tel. der „Wiener Worgenztg.*) Magyar Orszag erfährt aus verläßlicher Quelle, daß die tschecho-slowakische Regierung heute vom Obersten Kriegsrat im Versailles telegraphisch Weisung erhalte» hat, ihre Truppen sofort hinter die von der Entente feftgelegte Demarkations- Mie zu r ü ck z « z i ehe n. Die Tschechen hake» bereits verfügt, daß die Truppen zurückgezogeu werden und wird der Befehl .aller Wahrscheinlichkeit «ach morgen durch- ^gäfti-rt werde«. Die Wahlen. Juden und Jüdinnen! Durch eine ungerechte Wahlkreiseinteilung ist das Proportionalwahlrecht verfälscht und sind die Juden Deutschösterreichs um die ihnen gebührende Zahl von Vertretern in der Nationalversammlung gebracht 'worden. Nur im Wahlkreis Wien-Nordoft (Leopoldstadt, Brigittenau, Floridsdorf) können Vertreter des jüdischen Volkes im Wahl- Kampf Mandate erringen. Die jüdischen Abgeordneten dieses Wahlkreises werden daher nicht nur Bezirksintereffen sondern die Interessen aller 300.006 Inden Deutschösterreichs vertreten müssen. Wenn du jüdischen Wähler dieses Wahlkreises nicht ihre Pflicht erfüllen, zur Ume gehen und jüdisch wählen, dann bleiben alle Juden ohne Vertretung. Irr- Dhe, Antisemiten und sMhe, denen euer Wohl und -Wehe gstichgilüg ist, werden die Gesetze erlassen und den Staat verwalten. Die Juden, welche heute von Feinden ärgsr als je bedtoht werden, sind dann ohne jeden Schutz. - Jüdische Wähler und Wählerinnen! Seid besten -eingedenk und wählet nur die Kandidaten, welche durch ihr Programm verpflichtet sind» offen und rückhaltlos für das Jüdische Volk einzutreten, nicht aber solche, die am Tage der Wahl jüdisch tun und nachher allen anderen dienen, nur nicht ihrem Volke. , Wählet solche Kandidaten, die als volksbewußte, aufrechte Juden für die tatsächliche Gleichberechtigung unseres Volkes arbeiten. Wählet solche, die gegen den Abfall und für die Erhaltung des jüdischen Volkes' arbeiten, und die für;bie Erziehung unserer Jugend in jüdischem Geiste Morgen wollen. . V > Wählet Männer und. Frauen, die aus dem Volke stammen, die Not des Volkes fühlen und wahre Dolksinteresten fordern, denen die Besserung 'der Lebensverhältnisse, d es M itte lstand es, dtz.r .'Handwerker und Arbeiter, der wirtschaftliche -Ausbau des neuen Staatswesens, mit einem Wort, die Zukunft Deutschösterreichs am Herzen liegt. Wählet die Kandidaten der jüdischen Mationalparterr - * 1 * Der Jüdische National» nein für Deutschösterreich. Kandidatenliste der Jüdischen RationaLpartei für Wahlkreis. Wien-Nord oft. 1. Ingenieur Robert Stricker» Staalsbahnrat, 2. Dr. Leopold Plaschkes» Advokat, 3. Erna Patak,^ Erholungsheim-Inhaberin, 4. Jakob Pfnkas, Kaufmann, 5. Karl Blume, Obmann des Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes, 6i Isidor Blaß, Zahntechniker» 7. David Nebenzahl, Privatbeamter, .. . 8. Ing. Fedor Ackermann, Oberkommistär. „Iudengeld." Dieses Wort, welches stets der Kampfruf der reaktionären antisemitischen Parteien war und von Lueger dem „kleinen Mann" mundgerecht gemacht wurde» ist. jetzt wieder in die Spalten der Arbeiter-Zeitung übergegangen. Die Herren Marxisten unterscheiden jetzt ausdrücklich Ausbeuter-» und Jud en gelh. Austerlitz und seine deutschjüdischen. Genossen kennen zwar keine jüdische Nation innerhalb her Sozialdemokratie, ein jüdischer Genosse muß einfach ein national-deutscher Genosse sein oder er darf nicht in der Organisation.bleibend Spricht er „jüdisch"', so wird seine Sprache als Budapester Orpheum-Deutsch verhöhnt, und schließen sich die jüdischen Sozialdemokraten zu einer eigenen Gruppe zusammen, so werden sie von der Partei Synhedrwn in Acht und Bann getan, aber dort» wo esden Herren Ässimilanten paßt, da erkennen sieplötzlich die jüdische Nation an, da gibt es innerhalb der Ausbeuter auch noch das gesonderte Volk der Juden. Wir müssen wieder einmal den Herren von der Arbeiter-Zeitung die Maske vom. Gesicht reißen. Sie spekulieren auf die judenfeindlichen Instinkte der breiten Massen und wollen des wirksamen AgitationsmiLLels „Judengeld" in Mahlzeiten nicht entraten. Es gibt genug arische Führer innerhalb der Sozialdemokratie, die den real.ionären Antisemitismus überwunden haben und die tatsächlich auf dem reinen Klassenstandpunkt stehen. Sie schämen sich dieses verwerflichen Treibens der deutsch-jüdischen Schreiber der Arbeiter-Zeitung, und wissen gleich uns, daß. diese antisemitische Note der Herren Austerlitz und Genossen nur angeschlagen wirb, um ihr Judentum zu verstecken, wissen gleich uns, daß es überaus verdammenswert ist, den Klassen« kampf mit Rassenhaß -zu verquicken und die schlummernden judenfeindlichen Instinkte der A r b e i t e r rcka s s e n z u: x e i z e n. Sie schämen sich auch deshalb, weil sie wissen, daß die Partei schon genug jüdisches Geld eingesteckt hat. OiematerWen "Upfer/'Pie' "Wk'to'r. Adler / der Sozialdemokratie gebracht hat, waren j» auch jüdisches Kapitalistengeld. Ein, Renegat muß eben alles tun, um vergessen zu machen, in welche .Gemeinschaft er eigentlich gehört. Selbst wenn es auf Kosten der Sache wäre, der er dienen soll. Denn das ist 'doch klar, das; es sich die jüdischen Wähler überlegen werden, für eine Partei zu stimmen, deren Zentralorgan antisemitelt. Die''9toLwKhslen irr KeutschbZhmsu, Im Abgeordnetenhaus, haben gestern die. Verhandlungen zwischen den Führern der deutschböhmischen Parteien über die Frage der N o t w a h len begönnert. Während ein Teil der bürgerlichen Parteien die Ernennung der Abgeordneten der Nationalversammlung wünscht, bestehen die Sozialdemokraten auf der Vornahme von o r d e n t l i ch e n W a h l e u, jedoch erst in dem Zeitpunkt, wenn die E n tsch ei.d ung d e r F r i e d e n s k o n f e r e nz über die staatliche Zugehörigkeit Deutfchdöhmens vorliegen wird. Sie werden wahrscheinlich diese Forderung auch durchsetzen Das Wahlpflichtgefetz in der Tiroler Landesversammlung. Innsbruck, 28. Jänner. Nach etwas, mehr als einftündiger Unterbrechung wurde die Sitzung der Ländesversammlung und die Beratung des Wahlpfichtgesetzes wieder ausgenommen. Bald nach Beginn der Sitzung verließen sämtliche deutschfreiheitlichen Abgeordneten den ' Verhandlungssaal. Nachdem der von den Sozialdemokraten eingebrachte Antrag, zwei Paragraphe des Gesetzes an den Ausschuß zur Neubearbeitung zuüickzuv erweisen, von der Tjroler Volkspartei mit Mehrheit a b g e l e h n t worden war,, erklärte, der Sprecher der Sozialdemokraten. daß diese nicht mehr an der.Verhandlung über das Gesetz teilnehmen, werden, das nichts anderes sei, als ein reines Einpeitschergesetz. Die beiden Paragraphe 5 und 6 würden in der Praxis die Undurchführbarkeit des Gesetzes erweisen. Die Sozialdemokraten verließen darauf unter dem Beifall der Galerie korporativ den Saal. Die Landesversammlung, bestehend aus den 22 Mitgliedern der Tiroler Volkspartei, erledigte sodann ohne wesentliche Debatte die, weiteren Paragraphe des Wahhrflicht- Ses . unter Annahme der vom Derfasfungshuß gestellten Abäirderungsanträgk Das Gesetz über die Wahlpflicht wurde sodann von der Mehrheitspartei inallen Paragraphen unverändert. schließlich auch in dritter Lesung a n g e« Rommen. Da die . freiheitlichen Parteien auch nach Erledigung dieses Punktes der Tagesordnung nicht im Saale erschienen, wurde nach Verlesung des Einlaufes, und nach Festsetzung der Tagesordnung für die Sitzung am Freitag die, heutige Beratung geschloffen. . Versammlungen.' Mittwoch den 29. b. M., 5 Uhr nachmittags. IT., Untere Augartenstraße, Cafö „A u st r i a". Redner: Frau Erna Patak, die Herren Jakob Pin k ä s» Dr. Isidor S ch a l i t und Fritz Spitz e r. " Mittw o ch den 29. d. M.. 5 Uhr , nachmittags, Hotel „z u m g o l d e n e n E n g e T, XXI., Am Spitz 2. Redner: Frau Gemeinderat Anitta Müller, Dr. Plaschkes. Ing. Stricker.- Mittwoch den 29. d. M/ halb 6 Uhr abends, V r i g i t t a f ä l e. XX., Wintergaffe (Ecke Brigittagaffe). .RednerFrau Erna P a t,a k, Frau Genreinde-i rat Anitta Müller, Dr. P l.a sch K e s, Ing. Stricker. . ' Mittwoch den 29, d. M. halb 7 Uhr abends, H o de l G u t h, 15.; Kleine Sperlgaffe 2 s.. Redner: Frau Gemeinderat Anitta Müll-er, die Herren - Dr. Leopold Plaschkes, Fritz Spitzer und Adolf- S.tand. - ' .--/ Donnets L a g den 30. d. M, 6 Uhr nachmittags, im Cafä M ü!! e r (Souterrain), beider Marienbrücke, jüdische Mittel sch ü lcrb s p r e ch u n g. ' . - IRl«d, " rAiii) VergeLtungsmafmahmen rveZen -erBerhaftüng- ' deutscher SLasLsLÄrger. Landeshauptmann Dr. v. Lodgman hat vor seiner Abreise in die Schweiz. namens. der Landesregierung von Dentschböhurrn de?n Staatssekretär füx Äeußeres Dr. Bauer , die nachstehende Note überreicht:' . ■ Bekannt^ch hat sich der tschechische Staat bei der Besetzung DeutschböhMns nicht damit begnügt, verschiedene, von her gesetzmäßigen' Vertretung, Dentschböhmens angestellte, öffentliche Sachchalter zu, entfernen oder kurzerhand zu entlassen, sondern er ist, auch? in verschiedenen Füllen Mid Derh ä'.f tun gen.gegen Beamte.vorgegangen, welche pflichtgemäß die Weisun-.. gen ihrer Vorgesetzten .Amtsstellen " des. desttschöste.?-.' reich-scheu -Staates zur Ausführung gebracht haben. Einzelne solcher Fülle wurden der Landcsregie-i rung und dein Staatsmut für Aeüßeres bekanntgegcben, andere wurden durch die Zeitungenverbreitet; cinÄ große Anzahl solcher Verhaftungen, ist aber , infolge der bekannten MrWMHMMisM'KeLtzLMt^ zur' all ge me inen. K t n n:t Vu-gMngt^ Aus»allen Teilen, des Landes sind aber'Nachrichten über derartige Vergewaltigungen eingelaufen, welche wedermit 'den Grundsätzen des^ Völkerrechtes, noch, mit jenen des WafsenstillstandsverLrages vereinbart sind^ . ' Namens der deutschböhmischen Landesregierung erhebe ich daher die Forderung, das Staatsamt' für Aeüßeres wolle bei der tschechischen Regierung in entschiedener Wcise die sofortige Freila ssung der auZ politischen Gründen verhafteten deutschöfterr e i ch i s ch e n Staatsbürger Deutschböhmens»ver- - langen und dabei auf die Ungeheuerlichkeit Hinweisen. daß die meisten Personen wegen Hochverrates verhaftetwerden , begangen auf deutsch österreichischem Gebiete und gegenüber einem Staate, dessen Grenzen erstauf der. Friedenskonferenz werben festgelegt werden.. ,; Sollte sichdie tschechische Republik nicht bereit erklären,, die ungerechtfertigt eingeleiteten Verfolgungensofort einzustellen, dann verlange ich namens 'Deutschböhmens, daß als Vergeltung gegen tsche-ch.i-. s ch e S t a a t s b ü r g er/ auf deütschösterreichischeiu' Boden verfahren werde, wie seitens der tschechischen' Republik gegen Deutschböhmen . - '. Wien, am 21. Jänner 1919. Dr. Lod gman i«; p. Landeshauptmann. Die Landes- und Gemeindewahlrefsrw. Wie schon gemeldet, ist kürzlich den Parteien der provisorischen Natiünalversammlung ein Entwurf über die Wahlreform für die Landesversammlungen und die Gemeindevertretungen zugegangen, über den sie derzeit beraten. Da die Funktionsdauer der Landesversammlungen und der Gemeindevertretungen am 30. April 1919 ablaufen soll, ist eS notwendig, daß diese Reform noch von der provisorischen Nationalversammlung verabschiedet rverde, um die Möglichkeit zu bieten, Neu-' wählen für die genannten Vertretungskörper vorzu-- nehmen. Es ist selbstverständlich, daß die Wahlordnün. gen demokratisch sein werden, wie dies ja auch, schon in den Gesetzen vom 14. November 1918, bözw,. 4. Dezember T918 festgelegt worden ist. Für die Landesversammlungen wirb das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht ohne Unterschied des Geschlechts nach dem Verhältniswahlverfahren vorgesehen. Die Wahlkreise werden ähnlich wie in der Wahlordnung der konstituierenden Nationalversammlung hergestellt werden und auf keinen Wahlbezirk dürfe» weniger als 3 oder mehr als 10 Landes-' verordn-rte — fo lautet der künftige Name der Vertreter, in die Landesversammlungen — e.itsatten.