Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1919)
- Date
- 1919-01-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Serie 1. Wen, Dienstag Dör Natis«sLVersmnnilrrng. Die nächste Sitzung der provisorischen Nationalversammlung ist sür dm 4. Februar^ in Aussicht genommen, Auf der Tagesordnung dieser Sitzung stehen die S t e u e r v'o r l a g e n und die Angelegenheiten d e r S t a a t s a n g e st e ll t e n. Die Vorlage über die Einführung der B r i e f z e n s u r, die mit dem Steuersluchtgesetz in Verbindung steht, stößt «mf den schärfsten Widerstand der freiheitlichen Par- Leien, so daß er möglich ist, daß diese Vorlage in den Papierkvrb wandern wird. Für den 3. Februar ist in das Reichsratsgebaude die d-eutschbö'.hmische.. Landesversammlung einberufen. Einbr^ftrÄZ Ser drutschbohmischen LandessersaMmluKS nach Wie«. Naf brr Ta«!rs»rdnuns der sm S. Februar r« Dren.znfimuneatretendm dentsmböhmifche« Lenbervevs«««rln»> sieht die E'örterung der pvüttschen mrb wirifchaft-- liehen Verhältnisse in Deutschböhmen. Die Verhandlungen werden mehrere Terge in Anspruch nehmen und sich auch auf die D n rch s ü h r u n g d e r N o r w a h»l e n in D-nkschböhme« erstrecke«. TieZbezüglich finden bereits morgen in Wir« zwischen den Vertretern de: e.nzelnm Parteien 'Beratungen statt, in denen. »ersucht werden wird, bezüglich der Berteilunfl der Mandate zwischen den politischen Parteien zu. einer Vereinbarung zu gelang««. Sollte diese Vereinbarung nicht zuftande» i'smmen, fs werden die Verhandlrmgen am 4. F'b.-uir während her Tagung der drutschbihmischen Lar.dtSvecsammluris in Wim ihre Drrg'etrunZ finde». Die Berner Verhemdlmtgen der deutschhöhnischen Landesregierung. Me. mitgeteilt wird, ist hie Abreise des Landeshauptmanns von DeMschböhmen und mehrerer Herren der deutschböhmischen Landesregierung naäz der Schweiz nunmehr endgültig für Dienstag den 38. b. M. festgesetzt. Die Reift' geht zunächst nach Bern, wo Landeshauptmann Dr. v. L o d g m a n von den Vevollmachtigt en d er Entente erwartet wird. Gleichzeitig mit den Vertretern der deutschböhmischen Landesregierung, treffen auch die Vertreter der schlesischen Landesregierung Dr. F r e i ß l e r und Johl in Bern ein. 1 Während der Abwesenheit Dr., v. Lodgman wird Dr. s. Langen Han die Geschäfte der deutsch^ böhmischen Landesregierung in Wien leiten. Dsrarlberg wiK zur Schweiz. Bregenz, 27. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Am Freitag hat in Vorarlberg eine Volksabstimmung stattgesunden, welche der Frage des Anschluffes an die Schwerz galt. Bisher liegt'das Ergebnis aus fast der Hälfte des Landes vor. Danach hat sich die überwiegende. Mehrheit— in einigen- Ortschaften sogar 80 bis IM Prozent der Stimmen — für dm A-rfchluß «m dir Schweiz erklärt. - ' * Xtm Nus Her Lkchechs-flsWMfchen Republik. Der Bolschewismus. Paris, 27. Jänner. (Tel. der„Wr. Morgenztg.*) Der Pariser Korrespondent der Times meldet feinenl Blatt, daß nach seinen Informationen der B o ls ch e w x 5 m « in Böhmen sich kaum durchsetzen wird. Die nächsten Wablen in die Natiogälversammlung würden keine s o z i s l d e m o k r atische Mehrheit hrrbeisühren. Die. Umtriebe der bolschewistischen Agenten M u n a, K o niczek und Klapka, die Versammlungen abhalten und Flugschriften verseilen. erzeugen aber doch eine gewisse Gefahr, welche durch die B e s e tz u n.g der.B e r g- Werksu n d I n d u st r i e Z e n t r e n mitEntentemilitär.'vereitelt werden könnten. '.AMsemitrsche KuudZeLrmZeu», DlrMß, 27. Jänner. (Telegramm der,Wr. MoriStnztg.") Wir der Pozor meldet, fanden in Ca»lau, D e u i s ch d r o d und anderwärts antisemitische Kundgebungen statt, wobei jüdische Geschäfte geplündert wurden. Unter den Plünderern, insbesonderein Deutscher o d, sah man auch wohlhabende Bauern und Deamtensrauen. Das Blatt schreibt : Diese Exzesse verdienen die schärfste Venirteilüng, und merkwürdig ist, baß ’Mc Prager Tag e s prasse zu ihnen jchivrig't. ' DMschlMd. OrZürriftMorr der rr^türlkherr SurrZle. Le.'liv» 27. Jänner. Dar 8>IchS!virtsch.astSamt sselltr Gesetzentwürfe fertig, urn die Enerzietvirtsch«ft der KeicheS zu regeln urrb in eins.neue Ksr« zu bringen. Er hsnbrlt sich um eine einheitliche OrAaui'L'ien und Dertvertunz Llle? n«türuch>'» Energiequrllrn, die Deutschland in den Brennstoffen und den W«'scr:räjien» in Kohle, Torf, Erdöl und Lü a s ser Le'iszt, um damit die gesamtvollLwlrtschast zu beleben. Lie Eeu.riujvirt'ch?.,'t Leulschia ül zu entsatten, ist dir Hauptausgaö« vor rorii-geLdOrr «Lsschsntwürfr. lLS handelt sich um den greZ-züLigsn ^iner Vvfit.«; »)ch Wiener MsrzenzeiLrms Zwischenhandels, um bi« Beseitigung der Zersplitterung durch Zusammenschluss und Ausschaltung aller vermeidbaren Verluste, um die Organisation deS ZufammenarbeitenS statt des Neben- und GegeneinanderarbeitenS. Unersetzliche Gemeingüter fallen nicht mehr bedenkenloser privater Willkür anSgesetzt sein, sonder« im Namen der Gemeintvirtschgft der Lanzen Nation eingegliedert werden. Die Gesetzentwürfe deS NeichSw.irtschaft7amteS bestehen ans einem allgemeinen, zusammen fassenden Rahmengesetz und aus einzelne» Entwürfen über die Bewirtschaftung der Kohle, Elektrizität usw. , Kahlenmangel in Vertt«. Berlin, 27. Jänner. Das 8 Uhr-Abendblatt meldet, der Kohlenmangel in Berlin nehme deratt bedenklichen Umfang an. daß man an zuständiger Stelle in Erwägung zieht, ob nicht , die gesamte elektrische Stromzufuhr sür alle Industrien in Berlhr zu sperren sei. Neuerlicher Streik der Berliner Straßenbahner. Berlin, 27. Iännek. (Tel. der „Wr. Morqenztg.*) Das tettrnische Bersonal der Groß-Betliner Straßenbahn hat den Beschluß gefaßt, heute vormittags in den A u r st a n d zu treten, wenn ihre Forderungen, die in einer einmaligen Zulage von 200 bi« 500 Mark gipfeln, nicht bewilligt werden. Ungarn. Zionistische Demonstration. B 'rbapest, 27. Jänner. (Meldung der Ungarischen Telegraphen-Korrespondenzbureaus.) Nach der gestrigen Z i o n i st e n v e r s a m m l u n g zog ein Tnrpp von Teilnehmern vor die Redaktion der Blattes Egyenlöseg. um gegen das Blatt .zu. demonstrieren, weil sie glaubten, daß die Redaktion im Interesse' der N i ch t a b h a l t u n g der Z i o n i st e n v e rs a m m l u n q inteweniert habe. Die Demonstranten drangen in die Redaktion ein, richteten jedoch keinen Schaden 'an. Bloß eine Fensterscheibe wurde zerbrochen. Polizei stellte die Ordnung wieder her. (Der Egyenlöseg ist ein ungarischer Assimilantenblatt.) Monarchistische Agitation. Budapest, .27. Jänner. Die von verläßlicher Sette mitgeteilt wird, sind.gegenwärtig in Ungarn bedeutende Zträfie am Werk, einem geplanten Putsch der Reaktion zum Erfolg zu verhelfen. In Budapest befindet sich in einem bekannten Hotel ein Werbelokal, in dem sür diH Zwecke längerdienende Unteroffiziere und aktive Offiziere - angeworben werden. Da der Par'ei bedeutend« Geldmittel zur Verfügung stehen, ist der Zustrom ein äußerst reger. Nach ganz zuverlässigen Schätzungen haben sich bisher mehr als l 8.000 Mann a«- werben' laffen. Zur Verschleierung dieser Bewegung wird die Ro'wendigkcit e'neS militärischenGrenzschuheS angeführt; eS besteht hierfür in Budapest auch bereits ein eigener Grenzwachkur», der jedoch, wie Eingeweihte versichern, keinen andere» Zweck hat, als die Angeworbenen für ihre Absichten zu schulen. Sie werden in Abteilungen von .50 bis 100 Mann nn'er Führung von aktive« Offizieren und Beigabe von Mafchinengewehren eigenlümtichernwife gerade'an jene. Landesgrenzen entsendet, die von keinem Feind« bedroht sind, und obliegen dort in Ruhe der gefechtsmäßigen Ausbildung, g-rwärtiz der RuleS ihrer Partei, gegen das Proletariat der Hauptstadt zu marschieren und die Monarchie in Ungarn wieder herzustellen. Eine Zweigstelle -de» sogenannte« ^Grenzschutzes" befindet sich in St. Gotthard, ihr Kommandant ist ein aktiver Hauptniann. Dieser Bewegung gehört ein großer Teil der ungarischen Adels an, der aus seinen Mitteln einen Parteisoud» von 23 Millionen Krvnen.geschaffen hat. Der militärisch« Leiter dieser Organisation ist Generaloberst Ters-ttzanSky. Um die von der ungarischen Negierung beschlossene schleunige'Ausstellung der in den WassenstillstandSbeüingungen vorgesehenen 8 Divisionen zu verhindern, hat ein ungenannter Spender aus monarchistischen Parteimitteln IV» Millionen Kronen der kommunistischen Partei sür Gegenpropagaudazwecke zur Verfügung gestellt. , , , Palm. - P^derewrLi protesL!ert. T^arschau- 27. Jänner. (Meldung des Tschechoslowakischen Preßburraus.) Ministerpräsident Paderewski hat an die Regierung der tchecho-slowak i s ch e n R e p u b l i k telegraphischeine umfassende P r o L e st n o t e mit Bezug aus dar Vorrücken der tschrcho-slowakischen Truppen'gesendet, in der er unter anderem das Vorgehen der Enteltte-Ossiziere scharf krUPert. Drr Lem^rrger Psgrsvts Elf Frage« <m di« Pol««. > tu sä. Jänner. (Si-ener Berich:.^ Die Bubapeffer ick oiniiche G^>>n^i'chasl überreirbce der zur Unceriuchnn« der Pog/ome in-Pel-'n ciitfcnitte« Pogwmkomnüssisu ein Muno« .-«nLrun, *.« n L'm^e'- G-eu'l-aterr «uSfüh lich sichren i.c 5Üecvu:mc.uiiÄ, brjpchuugSwkse Uu.eciuö-)uug srlgMdrr fr.Le«: ' 1. ftdamn to« k föttämcfrt jütä mk Ina An- > LUP v« «vi. M. /r8.I«mrer MS ^Nr. N nmrde Ssnntag de«' 84. November veröffentlicht und die machung auf den 2ft. November A. p. datiert. S. Wanrm ist die Feuerwehr am Freitag und SamStag nicht in Mion geLretk«? , S. Warum ist kein Schutz dem M. Stadtteil durch die Mi Tage hindmxh erteilt worden? L Warum hat sich dre gesamte polnische Presse i« Lemberg am Freitag rmd SamStag über diese offenkundige« Plünderunge« und Brandfchatznnge« des llk. Stadtteile» vollständig snöge.' schwiegen und erst anr Sonntag eine kurze »ichtSsggende Noti.i gebracht? Dakönnen «sie polnischen Kundmachungen und vfsizu elle» Betenerrmgen nicht rechtfertiae«. Für jeden objektiven Beobachter, der diese Zeit in Lemberg verbracht hat, ist er vollständig klar, daß bte Plimdenmgen und Brandschatzungen am 88. und 8S. November planmäßig organisiert waren, und daß sie im CmverständniS «« den polntschen Dehvrbm durchgesnhrt wu den. Alle nackträklichar Rechtfertigungen der Polen entstellt« rmd verdrehen dre Tatsachee. Die Beharrpttmg der Polen, daß durch die Ukcamer «uS den Gefängnisse« entlassene Sträflinge diese Pogesme veranstaltet haben, ist «nS der Lust gegriffen. S. Darum haben die entlassenen Sträflinge während dK . Besetzung der Stadt durch bie Ukrainer nicht geplimdett? ». Garn« haben dre Pliinderungen gleichzeitig mit de« Einmarsch her Pole« begonnerr? 7. Wann hatten die Banditen Zeit sich in der Deffe §8 organisieren? 8. Wer hat die Banditen sofort feldmarschmäßig «rSgerüstet, sie mit Waffe» rmb Lastautos versehen? 8. Lvarum wurden die Banditen nicht Freitag und SamL» tag von den polnischen Behörden verhaft« mrd hingerichtrt? lv. Wie konnte eine. verhältnismäßig geringe ^hl brr Sträflinge in 48 Stunden eine Stadt derart ver-wüsten, «nyvlündem und niedechrmnen? Dazu hatte man noch Hmrdettr von Personen notwendig. N. WaS haben die polnischen Dchölchen am 82. und 2^. November nnternommen, um dresen Plünderungen tntgegeuW^ trete« rmd die Bevolkernng z» schützen? Dre polnischen mrlrkärischen Behörden waren seit de» 1. November »rganrsiert; das Platzkommando, da» Station^- kommaud» n. s. w. harte« wahrend der Kämpfe mir den Ukrainern rhre« Sitz m polnrschen Stadtteil. Eine internationale Kommission bestehend aus Richter'«, könnte bei Durchführung einer rep.el.-echten Verhandlung in Lemberg mrd Einvernahme von Hunderten von Zeugen die i£«U fache« seststellen, ZugoflaWien. Firrme «»ter dem. Ksmma«tz» eirrer ' Ksmmtsfis«. Fi^me,27. Jänner. (Meldung des Tfchechs-flo«ü-> kifchen Preßbureaus.) Der Berichterstatter der krsatt« schen Presseabteilung erfährt an amtlicher Stelle folgendes: Gestem erhielt der französische General ei« Telegrackm, wonach dieItaliener ihre gesamten Truppe«, mit Ausnahme von zwei Bataillonen, aus Fiume sofort zu entfernen haben. Das Kommando über dis Stadt übernimmt eine internationale Kom- Mission, bestehend aus den Kommandanten aller Ententetruppen, die sich gegenwärtig in Fiume befinden PrsLefL gegen die italienische OLknpAtiv». , Finme, 27. Jänner. (Meldnnq des Tfchecho-slowakischen Preßbureaus.) Die Bevölkerung der Insel E h e r s o übersandte dem Regenten A l e x a n d e r ein Telegramm, worin namens der Bevölkerung ba Insel Chersö gegen die Okkupation der slowenische« nnd kroatischen Octschastr« durch die Italiener Protest erhoben wird, insbesondere aber gegen die Okkupation der Insel Chetso. 48 Trrrteflmi glriH eines Krane. kaileach, 27.,Jänner. (Tel. der „Wr. Morgen-tg.^) Während in den meisten -»um jugoslawischen Staat gehörenden Landern die Krone mit 30 Heller bewertet wird, hat der Gouverneur von Dalmatien, Admiral Milli, soeben einen Erlaß hinausgegeben, in welchem fest^eseßt wird, daß die ö ft e r r e i ch i s ch t Krone mit 40 Eentesimi bewerte^ werden dürfe. Zuwiderhandelnden werden Ge-! fänglnssirasen von drei bis sieben Jahren an-' gedroht. Die Italiener tttWitn die franzSsische - Sprache 27. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgmzlg.^ Der Gouverneur von Dalmatien. Admiral Milli,! hat'in einem Erlaß ohne besondere Angabe von' Gründen die Abschafsung des Unterrichtes in französischer Sprache «x den dalmatinischen Mittelschulen verfügt. Bis zum? Ende des Krieges war die deutsche Sprache als! obligater Untcrrichtsgegensiand an den MUtelschulen e'uigesührt. Nalisnalisisrnnz der Inden im Bnnnt. Aus Budapest wird uns berichtet: Dvrchj die Entsendung jüdischer Delegierter in den Banater« Bolk-rat ist zum erstenmal di» Annerkennunz dev jüdischen' Nationalität in Ungarn erfolgt. Der Mit-', arbetter des Zsido Szemle suchte den Temesvarer- Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Adolf V e r m e s auf, der sich folgendermaßen äußerte: Da« hiesige Judentum identifizierte sich lange Feit nicht' mit den zioniftilch-n Bestrebungen, trotzdem Hent Professor Marwr. der hier «ährend des Krieges al^ Regimentsarzt weilte, sich bestrebte, die Propsganda hiev zu popularisieren. Infolge der Einflüsse der letztem AM welche eine Gruppierung der anderen Nationalitatefl veranlasse, drängte sich die Notwendigkeit-auf, da» sich auch das Judentum als Nation um seine natto^ nalen Minoritntorechte kürnmere. Borläusig ist dis Dewsgung noch im das wchrbss^ demokratisch» Verhalten der Terberr »e>b Audm ßezerckb»?!W a'o-x hie