Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1919)
- Date
- 1919-01-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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■JJARiUS.1 hj&u, GM' L' . v, . Men, Dienstag Weise gnädig und ließ es auch als Gnadengeschenk ,fühlen.! Das war damals. Heute ist -es airöerS, Bei Lern Kongreß, der kommt, bst dieser Tagung aller Völker, irrten auch die Juden als - Volk, auf. Ein Volk ohne Land, das sein Land erst von der ganzen Welt for- 'dert. ES fordert eS durch seine Vertreter, durch jene, welche befugt sind, im Namen jener hunderttausender Wendiger, bewußter, aufrechter Juden zu .sprechen, . die bint-rr ihnen stehen; im Namen der einzigen Körperschaft. die eine alljüdische Einheit darstelli, 1oer zionistischen Organisation; die ein Programm haben, das „Basler" Programm; die einen Anspruch erheben, den auf das alte Land ihrer Ahnen. Schon vor drin Zusammentritt des Kongresse.? haben Großmacht diesen Anspruch auf dem Kongreß burchzusetzen versprochen, jene Mächte, welche im Kriege Sieger geblieben und die Herren der Welt sind. Diese Mächte lsitrt nicht bloß Sympathie mit gedrückten, verfolgten L)i.;nsche7t: nicht bloß die mystische Zuneigung zum Bolle der Bibel: nicht bloß die Einhaltung auch in d-rlrm Problem der Maximen ihrer freiheitlich Mi-nnttti Staaren; nicht bloß die Protektion einiger «einflußreicher Inden. Sie treten für die Juden auch Deshalb ein, weil sie die kulturelle Bedeutung, den «ethischen Wert, die wichtige Rotte des zionistischen 'P.udenluulZ beizeiten erkannten. Ihr politischer Scharfblick wußte'und weiß den heutigen und noch mehr den künftig-rr Kr:?swerL dieses. Judentums richtigeinzu- - schätzen. Und das ist das Neue. Seit zwanzig Jahren hat der Zionismus im Hinblicke auf die Erreichung ' 'fsincs Zieles die Massen organisiert, vor der Oeffentlichksi: jCiimüHg gesprochen, feine Forderungen ununter« brvch.-.: von der offenen Tribüne verkündet. Kurz, dis Zionisten haben sich b-ewnßt oder auch unbewußt auf diesen großen Moment vorbereitkt, ruf dem ich im Haag unzweideutig und klar auf dem zionistischen Kongreß im Iah« 1908 hingewiesen habe. Nicht Europa allein, sondern alle gesitteten Völker werden über die Judenfrage verhandeln. Wir werden auf dieser Tagung viele Freunde aber sicherlich auch Gegner hüben. Das Gefühl des Hasses und der Abneigung gegen uns ist nicht erstorben/ ES ist vermehrt -und vertieft durch die Schuld, die manche Völker den Inden, gegenüber auf sich geladen haben, und durch die Verbrechen, die sie an ihnen begingen/ .und noch, zu begehen sich anschicken. Der Kongreß wird sich sicherlich bemühen, einfür attemal, definitiv die allgemeine Iudenfrage, welche aus. Palästina — und Ostproblem besteht, einer Lösung zuzuführen. Was da? Problem des Judenstaates betrifft, so sind dir Zionisten auf dem Kongreß bevollmächtigt, den Wunsch und dir Ansprüche ihrer Weltorganisation anSz»drücken. Ihre Mühe wird «erleichtert, ihre Aufgabe klarer gemacht durch die voran^egangene Propaganda der vielen Jahve; ihr persönliches Ansehen dem Friedenskongreß gegenüber wird erhöht durch die lange Liste der hervorragenden Männer, welche den Zionismus überall und gerade in den Westländern verteidigt und.in diesen zwanzig Jahren trotz ungünstiger Verhältnisse und Anfechtungen aller Art in Ehren gehalten haben. Was diese Männer für daS Judentum rmd für den Zionismus getan haben, kommt der Beri-tretuug des Zionismus, auf dem Kongreß als moralische «Quote zugute. - ' . Nicht so liegt' die Sache in der Frage der Be- 'freiung der Ostjudsn vom drückenden Haß und vom papiernen „Liberalismus" ihrer Staaten. DaS ist -nicht mehr Sache des Zionismus allein; dafür kann er die 'xviit Vertretung allein nicht übernehmen. Er ist nur rin Teil, wenn auch der gesündeste des GesamtjudenturnL. Dis Ostjudenfrage geht das gesamte Judentum;an und muß es angehen, weil jeder Jude, welchen Staat er auch ssine Heimat nennt, nicht vergeblich gemahnt jit werden braucht bei der Linderung de- Elends seiner Brüder (wenn tzr auch verschämt sie nicht Brüder nennen will). - Und dann, weil der verbohrteste Assimilant versteht, daß Antisemitismus und Pogrome Exportartikel sind, die leicht von Ost nach West, hinübergeleitet werden. So bilden Mitgefühl und Egoismus, alte Tradition und eigenes Interesse baS Substrat vieler Judenstern. Bei allen aber lebt heute zumindestenS der platonische Wunsch, baß den Ostjuden wirkliche Hilfe werde. Aber nur vereinzelte Rufe erheben sich, um diesen Wunsch öffentlich zu künden. In Amerika war ein großer jüdischer Kongreß, auf dem die gewählten Vertreter von drei Millionen Juden .diese Forderung dem amerikanischen Volke laut bekanntgaöen. Nichts Aehnliches geschah in Europa.. In diesen Tagen, wo Großes in der Welt alltäglich ist, wo Gewaltiges zu den Wcrktagsereignisstn zählt, müssen auch die Juden Europas zu Großem Kraft finden. Zur historischen Tat. Die jüdischen Bürger deS Westens und »ie Knechte des Ostens, dis hoch gestiegen sind, und jene, welche in den Niederungen deS Lebens sich abmühen, alle sind zu dieser Tat reist. Diese ist: an «einem einzigen Orte, an einem Tage sotten die Vertreter der Juden der Welt (nicht bloß der Zionisten) sagen, welches unsere Klagen und'unsere f$ot* Irrungen sind; sotten die Delegierten erwählen, welche .sie «m Uerspag in Versailles vertreten werden. Weiter Kott diese Tagung die Macht sein, welche für die GeisechtiMt der Judensache zeugt, die Kraft, durch welche rvir auch unsererseits für bis Sicherung und für bis Varantien, für die ehrliche Durchführung der Beschlüsse. Und Mehle, de? FriedenskonLreffeA sorgen wollen, bis Mzentzv MsrgerrWÄnüg W. Jänner ISIS nt m -+——' Kvn'trotte, welche den Friedenskongreß und unS selbst j davor behüten muß,'. daß seine Beschlüsse, auch waS die Judenfreiheiten betrifft, nicht Fetzen Papier bleiben, die heuchlerische Staaten am Tage nach ihrer Verkündigung zerreißen könnten. Die Zeiten hüNen sich auch für rürS Juden geändert. Nicht mehr passiv, wie auf dem Berliner Kongreß, sotten die Bedrängten des Geschenkes des Kongresses harren. Aktivsotten atte Juden für ihr Schicksal wirken. Nnd jetzt die Frage: .Haben die Juden di« Energie, diesen panjüdischen Kongreß zu berufen? Und die zweite Frag«: - Ist bei den beschränkten Beziehungen der zwei Kindlichen Lager, der Nationen die Abhaltung eines solchen Kongresses auf neutralem Boden möglich? Und nochbei Zeiten möglich? UnS dünkt, es ist noch Zeit, wenn auch die vorletzte.Stunde geschlagen hat. Der Ruf nach dieser Wettversammlung der Inden rnuß von Stadt zu Stadt eilen, von Land zu Land. Eine Wette mutz beginnen, die sich über alle Länder verbreitet, damit die Starken unter den Juden 'von überall zu einander finden und die Wankelmütigen und die Vorsichtigen überzeugen. Sv, nur so werden die Juden als Efhorchende Kinder der neuen Zeit ihren Teil der Sorge und Msthe und Arbeit aus sich nehmen, den die Kulturwelt allen zur Verbesserung und Mehrung ihres ethischen Inhalts jetzt auferlegen wird. So, nur so lverhen wir Juden auch unsererseits Mitwirken an der Anbahnung der versprochen Zeit der Völker- Versöhnung. Zur südslawischen Frage. Dir so lange von oberflächlichen deutschen und magyarischen Politikern sowie Publizisten totgeschwiegene südslawische Frage war nicht nur ein. Hauptanlaß zum Weltkrieg«, sondern bildet auch ein Haupthindernis für die Wiederherstellung des Friedens, eines dauernden Weltfriedens; denn nicht nur zwischen Italien und dem neuen südslawischen Staate „Jugoslawien" gibt es diesbezüglich ernste Meinungsverschiedenheiten, die unter Umständen zu einem neuen italienisch-südslawischen Kriege führen können, sondern auch zwischen Italien einerseits und Frankreich, England und Amerika anderseits herrschen betreffs, des Umfanges des neuen südslawischen Staates große Differenzen. Dieselben gehen soweit, daß in einer vor kurzem abgehaltenen Konferenz in Laibach Unter allgemeiner Zustimmung der südslawische Ministerpräsibentstellvertreter Dr. Koyo ec erk arte, die südslawischen Delegierten würden den Friedenskongreß verlassen, falls nicht die Italiener dir südslawischen Gebiete und speziell Triest und Görz räumen würden. Tatsächlich ist eS bereits , wiederholt in einer Reihe Porr Orten Zwischen serbische!» und/'italienischen Truppen (sowie bürgerlichen Elementen) zu heftigen Zusammenstößen gekommen, die in Fiume, Spalato, Sebechco, Zara zu blutigen Schlägereien auSarteten, denen nur durch'amerikanische, französische, beziehungsweise englische Soldaten ein Ende -gemacht werden konnte. Schon kündrt man einerseits eine südslawische Jrrebenta — falls Istrien (samt Triest und Görz) und Dalmatien an Italien käme« — dem italienischen Parlament an. Anderseits drohen die italienischen Nationalisten jetzt bereits mit dem Wiederertvachen der italienischen Jrredenta, falls diese - Gebiet« unter „serbisches Joch" kämen, waö zur schärfsten Opposition und Obstruktion brr italienischen Abgeordneten im Belgrader Parlament führen müßte. . Wohl geben sich England, Frankreich und Amerika alle Müh«, -zwischen den Machthabern in Rom und Belgrad zu vermitteln. Bisher ist dies aber vollständig mißlungen. Ein kroatischer Politiker sagte mir diesbezüglich vor einigen Tagen: „Die Situation des italienische» und serbischen Königs ist eine sehr schwierige, da die Nachgiebigkeit deS erster«» den Sturz -des Hauses Savoyen, die Nachgiebigkeit des letzteren den Zusammenbruch der Dynastie Karageorgevic beschleunigen würde, die noch immer mit einer republikanischen Opposition unter den Slowenen, Kroaten sowie weiters mit einer Gegenströmung der früheren Dynastie in Montenegro rechnen muß." Unter solchen Umständen ist eS leicht rrllärlich, wenn vor kurzem ein slowemscher Minister dahin sich äußerte, gewiß sei nur, dckß die Slowenen, Kroaten und Serben «inen Staat bilden wollen und bilden werden. Alles Übrige, wie die Frage der StaatSform u. s. w. werde die zukünftige Nationalversammlung entscheiden. Umgeben vom feindlichen Italien mit einer Reihe von unausgeglichenen politischen und sozialen Gegensätzen in seinem Innern, auf Kriegsfuß stehend, auch mit Deutschösterreich und wegen Gübungarn «it Rumänien, erheben sich jetzt bereits im südslawischen Staate Stimmen, welche wirtschaftlichen, beziehungsweise politischen Anschluß an Gebiete des früheren Oesterreich- Ungarn suchen. So hat vor kurzem der Serbische Lloyd die wirtschaftlich« Annäherung an Deulschösterreich und an die anderen neuen Nationalstaaten im Drnaubecken gefordert, während andere Stimmen sich für eine Personalunion zwischen Serbien and Ungarn mit Köyig Alexander von Serbien an der Vpltze «Ursprachen. Möge» «uch im jetzigen Moment bisse and ähnliche Forderungen nicht aktuell sein, sie d»- weisen, daß unbeschadet aller aationalen Gegensätze uab JM. K.trebe.u.5. der einzelnen, Röster im, und Balkan nach nationaler und staatlicher Selb* ftänbig?«it. immer von neuem unter' de« Südslawen: — wie unter den Runiürrr« und ueueßeaS auch unten den Magyaren — nach einer DvnaufLdrratüyr oder irgendeiner anderen Farm eines engere» ZufammenschlasfeS sich erheb««. . . Datz gerade Italien dies laicht wünscht. ist. üri seinen Aspiratianen, alleinige Bormacht an der Adria , zu sein, sehr begreiflich, denn es hofft miteinem isolierten südslawischen Staate leichter fertig zu werde«; : Tatsächlich bildet derzeit b«E itMemsch-'sLrLische Antagonismus die Hauptssrge für dir serbischen und italienische« Machthaber. Mt« weit derselbe bereits ge^ - drehen ist, beweist unter anderem der Umstand», daß vorige Woche dir Angestellten brr südslawischen Geld-- , institute aus Triest «uSgewieferr wurden und ihnen von; der. Polizei mitgetrilt wurde, daß sie Triest und di« . besetzten Gebiete verlasse« müßten. J- Infolgedessen müssen die Wristrschü Bank, die Kreditbank nnd die Trieften Sparkasse ihre Tätigkeit einstelle«. Sehr unangenehm berührt es mm verschiedene südslawische Kreise, daß sie nicht die richtige Unter- > stützung der tschechischen Republik gegen düs gewalttätig arbeitende Italien finden, welch letzteres fo weit ging, . in Zara den alten kwaiischen Abgeordnetsn Biankim - zu verhafte». . Es gibt Optimisten, welche an den Ausgleich p-'-s: italienisch-südslawischen Gegensatzes auf drm Friedens-' ösugreß glaub»«. M wäre wünschenswert, daß, für - recht behalte«. Wer aber, wie der Schreiber dieser; Zeilen, die Verhältnisse an Ort und Stell« genau kennen gelernt hat, muß über h« Lage im Adria- ' gebiet und auch in Kvsatir» pessimistischer urteile«. Darüber soll in einem späteren-Artikel noch gesprochen, werden. H. K. > Die,.Wahle». Jude« und ZWiKttM! Durch eine üngerrchte WahlkrsiseinLelluttg ist das Proportionalwühlrecht verfälscht und sind die Juden Deutschösterreichs um die ihnen gebührende Zahl, von Vertretern in der NLürrna!vrr?cunmlnng gebrächt worden Nur im Wahlkreis BSie«-Rsrtzsst (ÄäspslvftM, BrtzUesa», \ MsridsLsrft können Vertreter des jüdischen Volkes im Wsh!* -' Kampf Mandate erringen. Dis jüdischen Mgevrdneten; dieses Wahlkreises werden daher nicht mt Bezirksiuteresien ' ssUtzrim die Jirterefferr Mer 3HS.WV Avve»,^ DeÄSschKst-nkrerchs;J vertreten mästen. M Wenn die jüdischen Wähler dieses Wahlkeeiftk ' nicht ihre Pflicht erfüllen, zur. Urne gehen und jüdisch < wählen, da»« -Leide« »Le Jude« shue BsrLrrLUÄg. Antisemiten und sslche, denen euer Wohl und Wehe gleichgilttg ist, werden die Gesetze erlassen und den Staat verwalten. Die Juden, welche heute von - Feinden ärger als je dedrsht »erdm, find dann ohne jeden Schutz.. Jüdische Wähler und Wählerinnen! Seid desseneingedenk und wähle! nur dir Kandidaten, welche durch ihr Programm verpflichtet sind, affen rrrrd rückhattlos f&g dss Jüdische Volk einzutrsLerr, nicht aber solche, die am Tage der Wahl jüdisch tun und nachher allen anderen dienen, nur mcht nzrem Volke. Wählet solche Kandidaten, die als volksbewutzte, aufrechte Juden für die tatsächliche Gleichberechtigimg unseres Volkes arbeite«. Wählet solche, die gegen den Abfall und für die Erhaltung des jüdischen Volkes arbeiten, und die für die Erziehung unserer Jugend irr jüdischem Geist« sorgen wollen. Wählet die K«»did«te» der Mische» R»Liv^Kl-s«rter; Der Jüdische Nationalverein für Deulschösterreich. * * * KmMÄMeMsLe der Jüdische« -rKtrs««LyKrLer für desr .'.PahLs / kreis WLr«-R«rdssL. 1. Ingenieur Robert Stricker, Staaisbahmat, L Dr. Leopold Plafchkr», Advokat, $. Erna Pstak, Erholungsheim-Inhaberin» 4. Jakob Pmkas, Ksuftnann, i, Karl Blume, Obmann des Jüdischen HaudlukigHgehilfenverbanb«, 5. Isidor Blaß, AahntechM«, 7. Vao» Nebenzshl, Privacko«»«, r. Ing. Fedor Ackermunü, ObertömmMk. S / -