Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1919)
- Date
- 1919-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die unerbittliche Konsequenz, die aus der samstägigen Rede Wilsons herporleuchtet, läßt erhoffen, daß der Kampf der neuenGedankengegendiealteVorstellungsweltderParifer Staatsmänner zugunsten der amerikanischen Demokratie ausgehen wird. Am Tage nach der Poincar6fchen Eröffnungsrede faßte der Avanti, das Organ der italienischen Sozialisten, sein Urteil in die Worte zusammen, in Paris sei Metternich wieder ausrrstanden. In der Tat, die Reden, mit denen die Leiter der französischen Politik vor die Friedenskonferenz hintr-lten, waren nur ins Französische übersetzte -Ludendersfiaden oder hätten ebensogut vom Kaiser Wilhelm, der gerade heute im Exll seinen 60. Geburtstag feiert, ge?;alten «erden können. Sie waren eine Ouvertüre aus Haß und Rache. und stellten, eigentlich ein offenkundiges Bekenntnis zu dem alten System dar. Der Krieg bedeutet diesen Volitikem nichts' anderes als den Sieg über den Erbfeind. Was sollen alle die Phrasen von der Riederringung des deutschen Militarismus, von den Rechtsgrundsätzen der zivilisierten Menschheit anderes besagen, als daß der Geist, der zum Krieg getrieben hat, durch den Zusammenbruch der deutschen Aw.ee noch verstärkt worden'ist. 4lnb. aus dieserw GeiWeW. sich vas. Dutzend Kriege W,' das' an der"BHWüniO zwischen Mittel-und Osteuropa sich entwickelt hat und das weiterzugreifen drohte, wenn nicht oben der Einfluß des amerikanischen Präsidenten dir Warnung des Kongreffes an dir kleinen Völker durchgesetzt hätlle. Dieser Geist war emch in der Behandlung der russischen Frage zutage getreten. Die Militärpolitiker der Westmächte träumten nach der Niederringung Deutschlands von. einer zweiten. Aufgabe, von der Vernichtung der bolschewistischen Terrorisnms in Rußland. Genau so wie einstmals zu den Zeiten der heiligen Allianz Metternich österreichische Truppen nach Italien schickte, „um dort Ordnung zu schaffen", so träumten Clemencrau und Foch von-einer bewaffneten Expedition nach Rußland, die aber nicht durch französische, sondern durch fremde Truppen, durch tschechische Legionäre, durch polnische Soldaten, ja sogar durch die in der, Ukraine stehenden Deutschen besorgt werden sollte. Diese Projekte hatten ein kurzes Leben. Zuerst regte Lloyd George den Weg der direkten Verhandlungen mit Petersburg an. Pichon antwortete in einer unhöflitt)en Note mix einem scharfen Nein. Aber das hat nichts genützt und Präsident Wilson hat den Beschluß durchgesetzt, die Friedenskonferenz habe mit den Repräsentanten der politischen Macht in Rußland zu verhandeln. Dieser Beschluß entspringt aus dem Gedanken, baff die Gefahr aus dem Westen durch Gewaltmittel nicht zu bannen ist und daß andererseits baß russische Problem nicht einseitig vom grünen Tisch aus gelöst werden ' me. Es wird also der Bolschewismus vcrhandlungsfähig gemacht und damit verliert er viel von seiner Gefahr. Nach einer bisher noch nicht, anderweitig'bestätigten Meldung haben allerdings die Führer des russischen Bolschewismus die Einladung, zu Verhandlungen nach den Prinzeninseln zu kommen, abgelednt. Aber es ist zu hoffen, daß Wilsons Ansrhen auch diesen Widerstand überwinden wird. ' . Das Chaos, dcm die hier.bezeichneten zwei Beschlüsse der Friedenskonferenz ein Ende machen sollen, ist aber eine Folge des chaotischen Zustandes, in den ganz Europa geraten ist. Nicht die Vernunft hat dem Krieg ein Ende gemacht, sondern der Zusammenbruch einer Partei. Wenn also in Europa Ordnung werden soll, wenn ein wirklicherFnedezustandekommest soll, dann wüßte aller Glaube an die Gewalt vernickletwerden, dannrnüssen alle hochfahrenden Hoffnungen der.Annexionisten und Imperialisten schwinden. Den ersten Hammerschlag fyicrja hat Präsident Wilson in der eindn'irglühen Rede getan, in der er am Samstag dem > großen Gtrichtshof^ iu Daris »schielt, dad er nicht aus Verirelern der Rs- Pf«ud SWemsatz zahlen. Haag-27. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Aebrr die Verhandlungen der wird deSamrt, daß ei« Kompromiß -«güglich der VMerUga in der Weise zrrMiwtz gekommen ist, daß keirrSLasL eine Vorm achLftelilrrng erhalLen wir dl. Dev Votterbttnd wirb auch für die Durchsetzung seiner Beschlüsse eine gewisse ExeLnLive erhalten. Die Londoner Handelslammer hat der Frisvenskonfer§nz den Antrag Vorgelege, daß der Schadenersatz mit 6566 Millionen Pfund bemessen werde. Die BeftiyrmrrnK der Art der Vergütung soll der Entente überlassen bleiben. Abgezogen wird davon der Wert der deutschen Kolonien, der Wert der deutschen Anleihen im Ausland, welchen man auf L25V Millionen Pfund schätzt, ferner der Besitze der Türkei in Asien und die Kosten der Anterhaltung der Kriegsgefangenen in Deutschland. Für die Aufbringung deS Restbetrages soK eine in 40 fahren tilgbare internationale ^Anleihe geschaffen werden. Eine AnflSsung der englischen Flotte wird nicht erfolgen. MeinungD- Verschiedenheiten haben sich zwischen der amerikanischen und her westeuropäischen Auffassung bezüglich derterritorialen Fragen ergeben. Die Ansprüche Frankreichs auf das deutsche R h e i«nfer und die Ansprüche Italiens suf die Ofta d ria fanden bei Amerika und England keine Sympathie. i Truppen f i n d"H'Ety.l-a gjMt- Es WMhetz'ihnen EfefHMe abgenomMru." Mehr-als SSvo Änmelhrrngen für die'ÄMtz«^AWsNaUSw'neP'M der Monarchisten sind eingesangsm - - . ß Arzres de O r n e l l s s, das GaupL der Msnarchiftifchen Partei nnp am tk'k'ch ft' Vertreter We a M J »l z S M nnn'el befand sich Sei den Anfrührerrr. Die MAeenne Zieht Zahlreiche Truppen Zusammen, nm de» Aufstmrd i» Operte z» Unterdrücke«. Die R s - Le r.»n $ $ «t fe c mif.fl* »i esi. . gierungeir, sondern aus Berttetem der Völker bestehe. Das» was Wilson gesagt hat, ist eine wuchtige und erschütternde Anklagerede gegen alle, die diesen Krieg hervorgerusen haben, mögen sie nun auf dieser oder jener Seite, stehen. Wem greift es. nicht ans Herz, wenn Wilson von dm Leiden der Arbeiter, der Frauen, der Kinder, der Familien der Kulturvölker sprach, wenn er die Erniedrigung derWissmschaft und der Forschung zur Magd des Krieges geißelte? Aus dem kurzen Bericht über die Debatte, die seiner Rede folgte, ist der tiefe Eindruck seiner Worte genau zu. ernennen. Lloyd. George wandte sich gegen die organisierte Schlächterei als Methode zur Beilegung von Streitigkeiten.; Freilich wird es viel Zeit und Anstrengung kosten, bis Wilson den vollständigen Sieg erfochten haben wird. Er will alle Volker unter ihren eigenen Regierungen und eigenen Gesetzen sehen. Er will die ganze zivilisierte Menschheit im Bund der Völker versammeln. Aber schon die erste Probe auf has.Exempel zeigte, wie wenig reis die Siegsriedler' jenseits des Rheins für solche. Gedanke» :sjntz.Pas --Verlangen der kleinen Völker, in den Ausschuß des' Völkerbundes zugklaffen zu werden, wurde von, Clemeneeau. mit dem deutlichen Hinweis, auf die zwölf Millionen Feldfoldoten der Großmächte beantivorftt,' die allein das Recht darauf hätten, über'das Schicksal der Welt zu entscheiden. Er musste noch einer, htstigen Debatte nachgeben und die klemm Staaten zur, Nominierung ihrer Ausschußdelegierten einladen. Es wird, als» nicht dazu kommen, daß die Satzungen des Völkerbundes, wie Po'mcarL sich das vorgestellt chgt, von dm Siegem bestimmt werden. Aber die Widerstande, die der Gedanke der Völkerlige -- den Wilson so energisch vertritt, daß er sogar mit dem Zorn des mneriksnifchrn Volkerdrohte — werden noch, viele.Widerstände zu überwinden haben, ehr es zu einem, wirklichen Friedensksngreß kommt, bei dem auch dis besiegten Länder, r»r allem Deust.-'stank nn's Oesterreich/ und bei dem auch rke Völker, «ljs Mch Misch», mitraten imUn. asgarii^gBBag Der MMMsche Ksregrstz. Den Prsf. De. RleVsMsL Msrmoer?. - K«m zweitenmal wird über das GchrckseL. Jwu Juden auf einem Friedenskongreß beraten wrrtwn. ' '5daS «rstemal geschah dies auf dem Kongreß »sn Berlin im Jahve 1878. Die Großmächte beschäftig-! stn sich mit dem Judenproölem auf Veranlassung Frankreichs. Dort lebte noch Adolphe Erömie ux,' einer der Gründer der Alliance Jsravlits, höchange-i sehen als Staatsmann und ehemaliger Mitglied der! Regierung der Nationalen Verteidigung, durchdrungen von den hochgesteckten Zielen der Alliance („die' Jude» zu verteidige», wo sie als Juden leiden" — wie ist die Mi-anc« seither geschrumpft! wie ist sie tonlose und . ieisetreLrrisch geworden!) hat er bei seiner Regieruxg«' durchgesetzt, daß der Führer ihrer Delegation, der \ Minister de- Mutzern Waddington mit der klare» > und bestimmten Weisung nach Berlin ging, bas schließliche FriedenSinstrument nur unter, der Bedingung zu unterzeichnend wenn den Juden der Balkanstaateg völlige staatliche Gleichberechtigung gewährt würde. Eine» warrne» Helfer fand der französische Minister bei seine« englischen - Kollegen. Der war niemand anderer alS Benjamin Disraeli, der vom jüdischen Kaufmanns^ fohn den märchenk-aften Aufstieg zum Führer per englischen Tories und zum Lord Beacon-Sfield gemacht hatte; der in seiwem Herzen und in seinen Sckrifte» Kationaljude war (vide seinen Roman: „David Alroy-^; -rin Ziönist por der Erfindung diese- Wortes. D«e,^ Kongi»ß widerstand nicht diesen beiden Fürsprechern der; jüdische» Datt-e. Am Papier, das die UnterschrifteRj aller Kongretzreilnehmer trägt, wurden den Juden de-. VaUanr die Menscl>'nrechte verliehen. Man weiß, sieh bliebe» zum Teil bis zum heutigen Tage — am Papier» Aber bemerkenswert: Die Juden, die all dieses an ging,' wurto» v,m Kongreß nicht befragt; sie hatte« keino^ eigenen Vertreter, welche ihre Ktagen aufkläeen und il)«^ Rech:« fordern durften. Als Unrnündig« hatten sie da-. -Ke-chenk z» empfangen, lveichrs Europa in Geherlann^ itzrrau machte, nutz Europa war in patriarch^alijßM!