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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-25 · Heft 7 (25.1.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 7 (25.1.1919)
Date
1919-01-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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tu. *i W - -.WZ viele Ehen müßte« daun als ungültig erklärt werde«! Schließlich i könnte man. wenn man konsequent ist, auch Hämorrhoiden «l« Xventtttitgsgvtttib i betrachten. Auch U n t e r l e i 'b 6 l e i d e n einer Frau, die durch eine alte T r i p p e r i n f e kt i o n des Mannes hervorgerufen werden, sind unheilbar und wären nach Konsequenz des Gesetzes ein Trennungsarmrd. Die arme Frcut . wäre da nicht allein durch den Mann krank gemacht, sondern könnte von ihm noch i«S Elend gestoßen werden. Mg. Dr. Neumann-Wsltrr: . - Niemals, weil der Mann, der die Schuld trägt, nie die Trennung der Ehe verlangen kann. Mg. Dr. IerzaheK: ES läßt sich nicht einwandfrei Nachweisen ob die Infektion wirklich von ihm stammt. (Zwischenrufe.) Wenn der Feldruf rckingi: H i e I n d e n t n m! H r e C h r i st en t u m! dann wird e s s i ch zeitze n, daß sich um das Christentum mehr Streiter scharen, imb t v? kn* v Sieg unser ist. Aüg. LuLsch Mart namens mehrerer Abgeordnete^ der Deutschen Agrarvartei, daß sich diese der Abstimmung über das Gesetz enthalten werden. Abg. Woks: DaS ist der beste Weg zur sozialistischen M e h r h e 11 im Parlament! Abg. HilleLrand führt aus, er wolle die haßerfüllten Worte deS Mtz. Ierzadek nur in zwei Dingen richtigstellen. Hebet* die Erklärung des Abg. Luksch brauche man sich nicht zrr verwundern. Man habe etwas ähnliches bei der seinerzeitigen Abstimmung über einen Antrag Malik im alten Parlament erlebt. Abg. MiKlao bemerkt, in Oesterreich besteht seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten ein Eherccht, das mit dern katholischen Recht übereinstimme. Es gibt, Gott-sei Dank, neben dem Staat doch auch andere gesellschaftliche Organisationen. Eine solche ist auch die kirchliche Gesellschaft. Die Ehe war bei allen »gyy r e r n und in allen Ländern eine religiöse Institution, deren Grmidbedmgnilgen die Kirche vorgeschriebe« häD-Der Staat hat daS Reckst, die sich aus der religiösen Ehe S&4 nriA fcijlClt Rot'MeN M tangieren zu dürfen, egenden Gesetzentwurf. Parlamentarischer Anstand. '' Ist prinzipiellen Dingen, wo es sich um die Wahrheit der Religion und um das Gewissm handelt... Abg. Glöckel: . Und um die Wahlagitation! (Stiktilfschk:* Wdrrsptuch bei den Christlichsozialen.) Ab g. Fink: Wir haben die Angelegenheit nicht heremyebracht, sondern;@ie! (Lebhafte Zustimmung hei den Chnftlichsozialen. — Widerspruch bei den Sozialdemokraten. — Unruhe.) Präsident Dr. Dinghofer ersucht «m Ruhe. Wg. MiKlas: Wrnn bchatlptet wird, daß die Stellungnahme dcr Ch.i r'.chsoziglett ans die h e r a n n a h e n d e n Wahlen znräckznführen ist, so muß gefragt werden, ob denn sie die Sache' inszeniert haben. Abg. Hilkedrand r " Es ist ein Agitationsmittel für Sie, um Ihre nid vergessen zu machen! (Lebhafter, anhaltender Wtderspmch fc*. bni Vhristlichsozialen. Lärm.) Präsident Dr. Dinghofer ' ersucht neuerlich um Ruhe. .(Fortgesetzte Unruhe.) Abg. Bauchinger: Die sozialdemokratische Partei hat im Kriege l.iC 2*?: : t and vielfach verraten! Abg. Httlebraud: Herr Pater! Sie,sind ein L ü g n e r. Here Pake?! Sie lüge n! (Stürmischer Widerspruch und anhalteude Enträstungörufr bei best Christlichsozialen.) i' Prästdent Dr. Dinghvfer »*ckeilt demMgeordnetm H i l l e b r a n d den O r d *'. *.r n g l ns Änd'ersucht die Parteien, sich zu beruhigen ,«:'<? y-n;•> 1*. ur a m e n t a r i s ch e« A n st a n d zu wahren. , Abg. SNiülao (fortfahrend): Es ist auch eine allgemeine Erfahrungstatsache, daß, je -' (leichter die Ehetrennung ist, desto weniger Kinder vorhanden sind. -' v' Abg» o. Mühlwerth : ^Und doch hat Dmtschland einen so großen Geburtenüberschuß! IxWKÄ .?!*'- ■ ■' Ab«. Midla». ’uf’i.i'-' ' Mei! im dkMm BM, GottftiDimk, »och mchc Christel!- :tlMWt M ist, der Ehearsttzgebung. Sw, .Dmtschbüraerliche, stach, db: «S nicht doch noch [* f K '.M.ö .Ülichk ei t gibt, daß Ihre katholischen Mitglieder - an unsere Serie treten nnd nns helfen, den jüdisch- 's t diWaÄ r e r i s ch-s o z i a l d e m o k r a r i s ch e n Au-' s chl-tt unser Eheinstitut ühzuwehrttr. (Lebhafter Beifall btt dM.Mttstlrchsozialen.) - . Nach dein Schlußwort dcö Berichterstatters Dr. Neu m a n st - Walter, der erllttrte, cS sei nicht richtig, daß Sozialdemokraten und Juden die treibenden Kräfte deS Gesetzes sind. Du I «den haben mit der Trennbarkeit der kachölischen Ehr nr ch ts zu tun und die einzige jüdische Zeitung, die fich z« dieser Frage' ärrtzrrte» (die „Wiener Morgenzeitung"), hat sich für vollständig desinteressiert erklärt. Abg. Hittebrand r D>er sozialdemokratische Jude Roller, hat doch den Entwurf- Berichterstatter Dr. Neumann-Wakter beckeck, die Vorlage stelle im gewissen Sinn emeloL Rolle.* Abg. Dr. Schlegel: . Eine!ox Ofner! Al» «Denrokrdt«, nicht *(• „Jude". Berichterstatter Dr. Nenmann-Walter: ' ES wird nach nnem j ü d i s ch e« P r ü g e l k n ä b Wucht» und Meser rst Dr. Ofner, der als d e m o k r a! fij r JdeaNst, keineswegs als Jude, seit Iahrzchnte« einen Antrag betreffend die Ehereforrn mlcüi In;, M wird zur Abstimmung v ♦gMritt«. Dm. Gegenstand ^-.-s.-iber; «Lrt >l?e An!rag des Ug. Dr. Frccherrn v. F u ch S auf U e b e r g a n a a u r A Q 0 e i D t dnUng. Dazu liegt derAmrag deS Abg.W ht* mcDer auf n a m e n t l rch e A b st r « « u n g vox. Dieser Mtrag mrd genügend unter stützt Wtz Vf' mm Wy Ws Wtz nJX i &'* 'S' d,, ca*. e it In namentlicher A b st i nt m n n g wird der Antrag Fuchs auf Urbergang zur Tagesordnung m i t 63 g e g e n . S2 S t i m m e n a n g e n o m m e n. F ü r den Ueberqang zur TageSordnmig stimmten: Ansorge, Daechl^, Bauchinger, Baumgartner, Berger. Bogendocfer, Brandl Alojs, Dimald. Eisenhut, Eisterer, Fink, Fißlthalc'.*, Franlenberger, Fuchs, Goll, Grim, Gruber, Guggenberg, Hagenhofer, Hauser, Heilmaver, Hötzcndorser, Hruska, Huber Franz, Huber Michael, .Jedek, Jerzabrr, Jukel, Kemetter. Kreilmeir, Kuhn, Lechuer, List, Lutschomüg. Mayrr Georg, Mäher Johmln, Mlllaö, Nagele, Niedrist, Parrer, Paulik, Pichler, Pwker, Sckeicher, Schlegel, Schoepset, Schoißwohl, Seidel, Siegele, Soukirp Martin, Stoäler, Stumpf, Teufel, Thurnher, ' Tomaschitz, Wagner (Steiermark), Waldl, Weiß, Wille, Wohlnsther, Wollek, Zaunegge.*. Dagegen st i m m ten: Bretschneider. David. Dunk, Dötsch, d'Elvert, Erker. Forstner, Friedmann, Ganse.*. Glocke!. Glöckner, Groß, Hanusch, Hillebfand, Hock, Kiry, Knirsch, Koller, Kraft, Kran?, Kroh, Lattgenhan, Lenthner, Licht, Lodgnran, Mühllvert.?!eumann-Wülter, Neunteufel, Ob.erleirhner, Omer, Bacher, Polke, Prrmavesi, Relfmüller, Renner, Rennrann, Richter, lllieger Eduards Roller, Schiegl, Schürft, Sever, Skaret. Smitka Sylvester, Tomschik, Bolkert, Waber, Waldner, Widholz, Wolf, Zeicker. Abwesend waren: Wram, Albrecht,' Barbo-Waxensten«, Bernt, Brher, Bodirsky, Brandl, Bmnnec, Dvines, Einspinner, Ellenbogen, Erb, Fahrner, Felzmann, Freißler, Groger, Hartl, Hetlinger, Heine, Held, Herold, Herzmansky, Höbet*, Hofer, Hofmann, Huever, Hummer, Iw, Jäger, Jesser, Jo kl. Keller, Keschmann, Kienzl, Kindermann, s Krttinger, Kletzenbouer, Kopp, Kriitznrr, Kudlich, Kuranda. Locher, Lehs, Low. Loser, Llcksch, Maixner, Malik, Marckh?. Mattaha, Mäher Fosef, Meizner, Mich!, Muchitsch, Müller Karl Müller Rudolf, Nogület*. Palme. Pantz, Perwein, Pongratz Josef, Pongratz Leopold, Votzinger, Prisching, Redlich, Resek^ Rieger AloiL, Rvitinger, Schacher!, Schachinger, Schäfer,* Schrafth^Schreiner, Scheiter, Schiirl, Sech,. .Seliger, SpieS, Starck, Steinwender, Stölzel, Strsiska. Teltschik, Unterkircher, Urban, Wagner (Mähren), Wedra, Wicht!, Winter, Wüst, Wutschel. Berichterstatter Dr. Neumärrn-Walten referiert überidas Gesetz, womit Bestimmungen des Gesetzes vom 27. November 1896 betreffend die Gewerbegericht eal*--^'^;>-t-Aen, und dearktragt die Annahme der Msschusivorlagc. Abg. HiLebrand führt aus, dem industriellen Arbeiter komme es daraus an, durch einen erfahrmen BerufsgenofteN seine Sache vor dem Gewerbegericht verfechten zu können. Dafür sorgt an und für sich daS neue Gesetz. Um jeden Zweifel auszuschließen, beantragt er. in Artikel l Absatz 2, nach dem Worte „Derufsgenosscu" eiuzttfügen: „oder Bevollmächtigte ihrer Berussveceinigung". Berichterstatter Dr. N e u m a n n - W a l t e r akzeptiert diesen Zusatzantrag. Bei der Abstimniung wird die A u s s ch n ß v o r l a g e mit dem Zasatzantrag H t l l e b r a n d z n m Beschluß erhoben. Die Lechandlung wird ab g e b r v ch e n. Anträge. Abg. Alois Brandl überreicht einen.Antrag betreftcr'.d die Einbeziehung der Hausbedimsteten, der landnnd.forstwirtschaftlichen Arbeiter, der Hausgewerbetreibenden und Heimarbeiter irr die öffentliche Krankmversicherung« Abg. Eduard Nieger stellt eine Anfrage betreffend die Konflskationspraxis. Nächste Sitzung heute Samstag, 11 Uhr vormittags. Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen. Die rumänische Judenfrage. ,: Die Behandlung der rumänischen Juden war durch 40 Jahrd der Schandfleck Europas. Uns dein Berliner 5köngreß hatte Disraeli durchgesehti daß sich Rumänien verpflichten mußte, allen seinen Bürgern, ohne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisse) Gleichberechtigung zu geben. Diesen Vertrag hat Rumänien gebrochen, indem «3 die Juden als ,„Fremde" erklärte und detr Genuß der Rechte, für Fremde davon abhängig machte, daß der betreffende Staat, dem der Fremde angehört, ’ auch seinerseits Rumänen volle Rechte gibt. Durch diese'mit wahrhaft teullischer Findigkeit ausgedachte Formel wurden die Juden bürgerlich und politisch völlig, entrechtet und haben durch Jährzehntr unermeßliche Leiden erdulden niüssen. Europa' aber schwieg dazu) die Großmächte drückten ein Auge zu und ließen es geschehen,, daß der Vertrag so schnöde gebrochen wurde. Der Weltkrieg hat alte ungelösten Fragen wieder, aufgeroltt nnd das Menschheitsgewissen für die an kleinen Völkern begangene Verbrechen wieder mpfindlich gemacht. Die Mcstmächte haben es verstanden, die Befreiung der unterdrückten Nationen zu ihrer Lösung zu Macher und diese moralische Stärke hat sie zum Sieg geführt.Englaud hat auch, gleich nach Eintritt Nmnäuiens in den Krieg, in Bukarest in unz'neibcutiger Weise zü versteh?» gegeben, daß die unmenschircheJüdongeietzgebung revidiert werden müsse« Das verhängnisvolle Schicksal Rumäniens im Krieg hat'eine schnelle Regelung, heransgeschoben und ^nach der russischen Revolution geriet Rumänien völlig in die Gewalt der Kentralinächte. Damals war brr Moment gekommen, wo die Zentralmächte durch nachdrückliche Einflußnahme eine Lösung der rumänischen Jndensra^e hätten bewirken können. Es ist bekannt, daß während der Bukatester Friebenöveryandlungen diese ' Frage eingehend in der Oessentlichkeit diskutiert wurde und daß seitens der jüdischen Organisationen Oesterreichs und Deutschlauds nachdrücklich an die Regierungen der Zentralmächte he ran getreten wurde, um sie zur Hilfe für die. rumänischen Juden zu bewegen. Graf C z e r n i n hat auch dahingehende Versicherungen gegeben und in seiner großen Rede an die Deputation des Wiener Gemeindsratcs im April bekanntlich tvörtlich erklärt: .„Wir werden die rnmällische Jubensrage lösen. Die I n d e n w e r d e n f o r t a n i n R n m ü n i e n g l e i chberechtigte'Staatsbürget sci,u." Graf Czernin hat sich auch wirklich dafür eingesetzt, er war aber zu, schwäch, da die deutsche Militärpartei brüsk ablehuts. ettvaö für dir.Juden zu tun. ES kam daraus zu den gvoteSkett Bestimmungen des Bukarestcr Friedens, der einigen Kategorien von Juden unter allen mögliches Verklausuliernngen das Heimatsrccht zubilligte. > Die Juden, die. „im Lande gcüoren und dort ansässig sind; und von dort gebornen Eltern stammen", und diesj Nachweisen können, sollten naturalisiert werden.! Der geforderte Nachweis war aber höchst problematisch',; da, es in Rumänien überhaupt erst seit dem Zeitraum' zwischen 1866 und 1886 amtliche.Geburtsregister gibt-! Die rumänischen Juden waren also, in ihrem.Primi-', tivsten Recht wieder völlig der Willkür jedes kleinen! Unterbeamten ausgesetzt. Die.Zentralmächtc haben sich! durch diese ebenso undemokratische wie politisch unkluge! Stellungnahme der großen Chancen begeben, einen! Cungeheuren moralischen Sieg zu erringest. Durch Be-! freiung der rumänischen. Juden hätten sie die Sym-i pachten der Juden der ganzen Welt erwerben können! lind außerdem den Beweis erbracht, baß die Worte! Menschlichkeit mrd Gerechtigkeit bei ihnen . nicht! nur Phrasen sind. Dieser Akt hatte-in der ganzen Welt-' Eindruck gemacht. Die Juden, die überall eine gewich-'; tige Stimm« in der öffentlichen Meinung haben und! di« von allen Ecken ihrer Zerstreuung mit größter? Spannung nach Bukarest blickten, hätten sich dankbar! lerwiesen. Aber die . Zentralmächte hatten es ja nichtz^ nötig, sich Freunde zu gewinnen. * Nach dem Bukarester Frieden ging «ine ungeheure' Enttäuschung durch die jüdische Welt. Bald darauf habendie englische und französische Regierung Vertretern! §iLisch«r Organisationen erklärt, daß sie bei N'umL-iuien auf eine uneingeschränkte Naturalisation! - Juden hinwirken werden. Die Bestimmungen des! 'Blarester--Friedens wurden von der Entente als un-', zulänglich.' erklärt. Wie jetzt gemeldet wird, hat' die? Lnr.'.änische Regierung soeben durch ein Dekret die! Natttralisation der Juden sreigegeben. Da unsere bi*; rekte Verbindung mit Rumänien unterbrochen ist, sind! wir auf den englischen Bericht angewiesen^ Es dürste; kaum daran'zu'zweifeln sein, daß diese Lösung ein‘ Verdienst Englands ist, das unlängst anläßlich der galt-', zischen Pogrome mit aller Deutlichkeit in der Oesfent-; lichkeit erklärt hat, daß nur jene Staaten auf die Mit- ' Hilfe der Alliierten beim Wiederaufbau ihres Landes! rechnen können, die sich keine Ungerechtigkeit zuschulden! kommen lassen. Die rumänische Judenschändung hätte; in die neue Zeit nicht hinübergenommen werden können. - Wir hoffen, daß nun auch für die rumänischen-Juden; eine Zeit freier Entfaltung und nationalen Aufschwunges^ Lammen wird. Die Wahlen. Kandidatenspiegel. Dr. Wilhelm Nrumann-WalLer. Ein vornehmer Herr. Jeder Zoll ein Gentscruan.- Unaufdringliche EleganL und sorgfältig überwachte, ge-' rnhsame Bewegungen. Ein Exterieur, das mit selbst-; sick)«rer . Heiterkeit zum Ausdruck bringt: „Das -hab^ ich.vor dem Dr. Ofner voraus. Mir sieht man meine; Abstammüng n i ch t an.' ■ .. Aber was dahinter sorgsam geknoteter Krawatte; und dezentem Jaquette verborgen wohnt, ist die Epi-; gonenseele des Täuflings, der zwischen^ Gesinnungen! herurnfackelt, der haltlos geworden ist und heute ver-- grssen muß« was er vorgestern vertreten hat, da er-; doch immer um eine Nasenlänge den anderen voraus; sein soll. . '; Anläßlich der letzten Neichsraislvahlen tm alten \ Oesterreich betrat er die politische Arena und bervärb sich mit der Parole: „Nichts für uns, alles für te: Volk!" gegen den christlich sozialen Kandidaten mn das' Pcirkviertel. Was war die erste Tat Dr. Neuntann- Walters, .als er gewählt war? Ein allcrergebenftcS'' Huldigungstelegramm an di«) Hofburg . . . Jetzt aber ist er «in gewaltiger Repulrlikaner geworden. Wofür fttzte sich dieser Volksnrann gleich nach seiner Wahl im Parlamente ein? Er gehörte zu deujeitigen, welch« als Büttel der Südbahnaktionäre und der millionenreichen Hoteliers die /Errichtung einer Lungenheilanftalt für Proletarier-.und Bürgcrkinder am Sem-' mering verhinderten und das menschenfreundliche Projekt Kuppelwiesers zu Falle brachten. / Kurz vor dem Kriege schwoll in Wien die Anti-. duellbewegung sehr stark an. Man entsinnt sich noch;- der großen Versammlung, in dev-Viktor Zenker gegen; und Reumann (den zweiten Romen Walter hat er an? uns unbekannte» Gründen erst, später angenommen) in einer reisigen Rede für däs Duell sprach. Im Volt-:, bewußtsein germanischen Kraftempsindens und seiner; teutonischen Männlichkeit erklärte er gegen Zenker und Hofmannsthal, der Kampf mit der blanken Waffe sei die würdigste Betätigung des Manncsmules. Als aber; der Krieg zu .Neige ging— ein Fürsprecher des.' Drrells ist doch auch gewissermaßen kein Gegner des: Krieges! — wor er einer der Ersten, der gegen die blutige Bestialität d«S Weltkrieges wetterte und „Abrüstung" verlangte. - ' ' Als Kartellträger in Duellaffarcn Hader gewiß« immer den strengen Ehrbegriffen des preußischen' Komment gehuldigt. Wir fragen ihn: Hätte er einen Gegner anerkannt, der eine Falschmeldung am Kerbholz hat? Nun, Herr Dr. Reumann wurde einmal vor' alttr Oessentlichkeit gefragt, warum er, der den Mut ük>er alles stelle, nicht so mutig gewesen sei, bei fcuwmi jüdischen Volkstums zu bleiben, warum er sich habe taufen lassen. Er meinte harmlos, daS sei in seinen

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