Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1919)
- Date
- 1919-01-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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0 7 Jugendjahrrn so üblich gewesen. Alle modernen jungen Akademiker aus den besseren israelitischen. Häusern hätten sich damals taufen lassen. Damit hat. er zugestanden, das; er keineswegs die Taufe nahm, weil ihm die bessere Uel erzeugung dazu veranlaßte, den Glauben zu wechseln. Sein Christentum ist also eine Falschmeldung. Ms - er sich den Taufschein holst:, wollte er dokumentieren: nicht weil ich die Dogmen des Katholizismus anerkenne, begebe ich mich in den. Schdß der rörni'ch-kathalischen Kirche, sondern weil ich die Gemeinschaft mit dem Judentums aufgebe, weil ich die Konjunktur ausnützen will und weil ich mir davon eine Karriere verspreche. Aber welch bittere Ironie! Sie lehnen ihn drüben ab, die ihn in die Kirche aumahrnen, undhaben ihm vorgestern da? Recht abgcsprochen, sich als Katholiken Vi gebärden, trotzdem er sich bannt legitimieren wollte, Laß er sogar katholisch geschieden sei. Und wir sind, übel, daran. Er wird roeiter auf unser Konto gebucht, so sehr wir uns auch beide Teile, er und wir — und das ist wohl der einzige Punkt, in dem wir übereinstimmen, dagegen sträuben mögen. Jetzt wirbt er wieder um jüdische Stimmen. Diejenigen/ aus deren Gemeinschaft er sich fortgestohlen, die er schmählich verlassen hat, sie sollen ihm jetzt im neuen Staate ihre Vertretung anvertrauen. Alles ist schon bagewesen. Der jüdische Großbankmann T a n s s i g hat der Regierung des Pogrom-Zaren Geld vorgestreckt, der Rabb'inersohn Sieg hart (rerie Singer'! hat die christlichsoziale Partei finanziert und der Renegat Reumann-Walter darf Juden zumuten, daß sir ihn wählen. A. Nicht säumen! Bis erttschUeßUch Sonntag Len 2. Februar liegen dis Wählerlisten <mf> und zwar am Sitz der DrZLwahlbshSrdsn. Zn welcher OrtswahlbehSrde der Wähler gehVrt, entnimmt er ans der Hkuswährerlifte. Arrisre. Freunde werden arrfgefordert, un- 5-2st:umL in . dis W'äh'lssliftsn Einsicht ZU «shttre» und feftzrrftellsn, ob sie, ihre Wahlbsrechktgtrn AngehZr^gsn und Bekannten des Wahlbezirkes Nsrdosi sll., XX. und. XXI. Be- Zir?/, in den Listen enthalten sind! Nur wer sich jetzt das Wahlrecht sichert, wird am LS. Februar mitwählrn können. Auskünfte werden irn Hauptagitationslskal, II., LULsuLrunngaffe, Caft Müller .(Ssuterrain), von 10 bis 12 und von 3 bis 7 Ahr erteilt. Bas AMMonsloksl des Jüdischen Aatios ualveremes für die Brigittenau befindet sich XL., WaKenft^inftraße 2, Cafü Bürger. Sprechft»nd»n täglich 9 bis 12 Ähr und ' 3 bis '8 Ahr. Wählers rrsammlrmg. Somriag bei* 26. Jänner d. I. findet unr 10 Uhr irx-rmtttags int Hotel Stefanie ' (Saal der 'Jüdischen Bühne), II., .Laborstraße 12, eine.Wählerversammlung itutl. Die Tagesordnung lautet: „Die kommenden Wahlen und die Juden." Redner : Frau Gemeinderat Aniita Müller, Frau Erna Patak, SLaatsbahnre.i Ingenieur Robert Stricker und David Nebenen h l. Die Friedenskonferenz. Prüfung der Berhandlungsgegenstünde. Saris, 23. Jänner. (Meldung der Agenee Havas.) Die Konferenz ging heute an die Prüfung der aufder Tagesordnung derBoll- Versammln n g vom Samstag verzeichneten Derh a n d l u « g s g e g e nft L n d e. Es wurden in diesem Zusammenhange folgende Fragen erwogen: 1. Internationale ÄrdeitsgesetzgebMg; 2. Verantwortlichkeit für den Krieg und StrafwatznaHmen,* 3. Schadenersatzleistungen; 4. internationale Hafen-, Wasserweg- und Eisenbahuordnnng. Die Versammlung begann mit dem Studium der Methode, «ach welcher bei der Regelung der Gebretsfragen gearbeitet werden fsA. Der Oberste KrisgsraL wird Freitag nachmittags Zu einer Sitzung Ansammentreten, an der die Marschälle Fach und Haig und General Diaz sowie die in VersaiLes anwesenden Vertreter der aMerten und affoziierten Machte Leilnehmen werden. Die Besprechungen auf den Prinzeninseln. Vorbereitende Schritte. Paris, 24. Jänner. Die Agence Havas Meldet: Die Vertreter der Großmächte haben sich Donnerstag nachmittags neuerdings am Quai d'Orsay versammelt, doch wurden weder die russische noch die polnische Angelegenheit berührt. Die Funkpoften des Eiffelturmes begannen um 2 Ahr morgens mit der Aebermitt lnng der Einladung der aMerten Negierungen an die verschiedenen, die Lage in Rußland beherrschenden Gruppen, je drei Vertreter nach den Prinzenmseln zur Besprechung mit den Delegierten der assoziierten Staaten zu entsenden, Die Entente- Kommission die die Abgesandten Rußlands anhören sost, ist noch nicht ernannt würden. Wir glauben immerhin zu wiffen, datz sie aus Grünsön der Unparteilichkeit k e i n e P e r f ö n l i ch k ei t um fassen wird, die früher in Rußland in diplomatischer Eigenschaft tätig war. Die militärischen Mitglieder der Kommission, die «ach Polen, wo sich bereits General Varthelmy befinde^ geschickt werden soll,'werden voraussichtlich unter den Generalen der an Ort und Stelle befindlichen verbündeten Armeen aus gewählt werden. Die vierZivildelegierten der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs und Italiens sind noch nicht ernannt worden. . . Freche und dumme Gerüchte. Der $rU*$ ruar zwar kein Siahlöad, aber dafür find dir Äahlcn nach den: Kriege ti,i schmutziges Schlammbad. Juden sind ein begrhries Waywöjett geworden und uu.i Miiieür sucht, nran sie für diese 'oder jene Partei ühiwciUQtn. Das Wichtigste ist, sie vor allem den gefährlichen JiLiäschnationale:» abspenstig zu machen. Da wird die Lüge verbreitet, „die Jüdischnationalen packeln mit der: (Lchisitichsozialen". Es erübrigt sich, ans den von uns veröffentlichten Beschluß des zionistischen Lanbeskomitees hin- .^uweisi::,' in welchem die Selbstverständlichkeit, daß kein Jude einer antisemitischen Partei seine Stimme zuwcnden darf, auch wenn sie die -- u d i s ch e Nation anerkennt, nur zu dem Zwecke Uii'it'cQi imxl:n, um diesen frechen Gerüchten die Spitze v.'nnb'.-echen. Ebenso dumm als verwerflich ist die einträchtlich von Chrlsttichso-stalen und Sozialdemokraten vorgebrachte'Drohung, tie. Juden würden einen Pogrom provozieren, wenn sie nicht sozialdemokratisch, beziehungsweise christlichsozial wählten. Ju'oe-.rverfok u ge t sind nachweislich immer dann v rge'omrnen, wenn die Juden fremdnationale. Politik getrieben haben. Wirtschr.stiicher Boykott und Straßentumulte wurden in tschechischen Gebieten veranstaltet, wenn di» deutschliberalen jüdischen Führer die Inden zu deutschnationaler Politik haran- -^eierten, rmd umgekehrt in deutschen Gebieten, wenn die tschechischer: Juden sich Lschechischnational gebärdeten. I) e w n ß t j ü d i s ch e Politik i st. b 1* beste Schutz Döt antisemitischen. Dolksleideuschaft e n. Zur Erheiterung sei noch mitgeteilt, datz dir Dame« ';aa feer Rcchü -bei der -- 6 l e r v e r t ei I*/»:: n <»?Qcn rknfere lrjhrnsÄafrlich agitikren. Dre franzöfische Presse gegen die Besprechungen mit den russische« Regierungsvertretern. Paris, 23. Jänner. (Ägence Havas.) Die französische Presse nimmt die Entschließung der Konferenz, den Bolschewiken Gehör zu schenken, ohne Begeisterung auf, da sie befürchtet, daß' die Bolschewiken die Gelegenheit dazu benützen könnten, ihre Propaganda z u e n t f a l t e n. Die Blätter sind der Ansicht, dies bedeute mit den Bolschewiken in amtliche Berührung zu treten und ihnen zugleich Anerkennung zuteil werden zu lassen. Ein großer Sieg der Bolschewiki. London, 23. Jänner. (Tel. d. „Mr. Morgenztg/) Fürst Lwow, der ehemalige russische Premierminister, hat, wie aus Paris gemeldet wird, im Gespräch mit einem Interviewer die Aktion des Obersten Kriegsrates bezüglich Rußland in heftigen Worten a n g e g r i f f e n. Es ist ein katastrophaler Plan, erklärte er, nickt allein für Rußland, sondern für die ganze Welt. Die Dolschewiki haben in Paris einen großen Sieg errungen. Die sibirischen Regierungen wollen nicht gemeinsam mit den Bolschewiken unterhandeln. London, 23. Jänner. (Telegramm der „Wr. Morgenztg/) Dillon meldet dem Daily Telegraph aus P a r i s: Ich bin zuder Erklärung ermä ch t i g t» daß die Regierungen von Omsk.Iekaterinoslaw und Archangelsk sich dafür bedanken werden, Vertreter abzusenden, damit diese mit Ken Mördem ihrer Vmvctndrrn und den Zerstörern ihres Vaterlandes . verhimmeln. Ich hin der Ansicht, daß vir,? L5'su:r« <:■ n>HU >**■•* Ferne liegL pj& jr zuvor, denn die russischen Regierungen, die die Alliierten jetzE kräftig unterstützen wollen, haben keine Neigung» mit den Bolschewiken gemeinsam zu unterhandeln. Die Beschlüsse der Konferenz. - Paris, 23. Jänner. (Meldung der Agencr Havas.) Die Vertreter der Großmächte beendigten am Dienstag die Erörterung der Lage in Rußland. Der Vorschlag Wilsons fand schließlich allgemeine Z u st i m m u n g. Eine aus einem Zivil- und einem Militärvertreter bestehende Kommission der vier Großmächte wird sich nach der Prinzeninsel bei Konstantinopel begeben und dort die A b a esandten der vier verschiedenen Äe-. gier ungen empf an gen, die sich gegenwärtig in Rußland in die Gewollt teilen. Rach Einvernahme! dieser Delegierten wird die Kommission ihren Bericht an die Konferenz erstatten und diese wird in letzter Linie entscheiden. In ähnlicher Weise wurde das polnische Problem durch Entsendung einer gleichen Kommission nach Danzig gelöst. Samstag wird eine öffentliche Vollversammlung stattsinden, in der die Frage des Völkerbundes erörtert werden soll. Der Vorschlag Lloyd Georges,,, der in einigen knappen Artikeln in allgemein ge-, haltener Weise die Gründung einer Liga der Naüonen empfiehlt, wird die Grundlage der Debatte bilden. . Präsident Wilson wird hierauf sein Projekt darlegen, das nach Besprechungen mit Leon Bourgeois, Lord Robett Ceeil und General Smuts medergelegt wurde, die voraussichtlich ihrerseits ebenfalls in dje - Debatte eingreifen werden, um ihre Stellung zu den Einzelheiten dieses Projektes, und besonders zu feiner Durchführung auseinanderzufetzen. Schließliä) soll ein ö e s o n d e r e r A u s s ch u ß für den Völkerbundeingesetztwerden, der diese Frage gründlich zu. studieren hätte. Ferner soll in derselben Sitzung ein Ausschuß für 'Entschädigungen geblldet werden. Dieser wird die Höhe der von Deutschland verursachten Schäden, den zu fordernden Betrag der Entschädigungen und die im einzelnen mögliche Art der Bezahlung festzusetzeir haben Die Irtternatior'Lle für das Wilfonfche Programm. Berlin, 24. Jänner. Die Vosfische Zeitung berichtet aus Bern: Die internationalen Sozialistenberatungen, die jetzt beginnen, zerfallen in zwei ge^ trennte Konferenzen Die eine, die eigentliche Svzialistenkonferenz, soll im wesentlichen politischen Charakters sein und die Hauptaufgabe darin sehen, die P o l xi i i Wilsons z u unterstütz e n. Ein Teil der Vertreter soll sogar soweit, gehen, einen Genera!-- ft r e vk i n a I l c Ü L ä n d e r in A r'.Ä s i ch t 'zjr^ nehmen, falls sich ein Widerstand gegen das Programm Wilsons Zeigen soWe. Empfang bei Wilson. Paris, 24. Jänner. Beim Präsidenten Wilson und seiner Gemahlin fand gestern ein Empfang statt, woran ungefähr 300 Personen teilnahmen, unter anderen Ministerpräsident Clemeneeau, Minister des Aeußern Pich on und der schweizerische Bundespräsident Ador. Während des Empfanges zog sich Präsident Wilson mit dem Bundespräsideitten Ador aus einige Zeit in sein Kabinett zurück. Inland. Steirische Landesversammknng. Graz, 24. Jänner. Zu Beginn der heutigen Sitzung der prov isorischen Landesv ersammlung teilte- Abgeordneter W astian mit: Gelegentlich seiner Anwesenheit in Marburg habe der Vertreter der amerikanischen Studienkommission den Vertrauensmännern der Deutschen und Slowenen eine Reihe von Fragen vorgelegt, deren schriftliche Beantwortung binnen acht'Tagen er-erbat und die für die endgülttge Entscheidung der Grenzverhältnisse von hohem Werte sind. Als nun die Vertrauensmänner der Deutschen eine allgemeine Rundfrage in Marburg über die, Staatszugehörigkett einleiteten, wurden sie von den Slowenen daran verhindert. Mehrere Deutsche wurden verhaftet. Der Landeshauptmann versprach, davon das Staatsamt für Aeußeres in Kenntnis setzen zu wollen/ mit dem Ersuchen, den Ententeregierungen davon Mitteilung zu machen. Er hoffe, daß die Einwirkung der Entente auf die südslawische Regierung ein Blutvergießen, zu dem es schließlich kommen müßte, verhindern werde. Wem gehört Radkersbnrg? Budapest» 24. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Nach einer Meldung des Pester Lloyd erschien am Montag in Radkersburg in Steiermark eine amerikanische Kommission, die nach Untersuchung der Lage die Stadt R a d k ers burg als e in< deutschösterreichische Stadt proklamierte und die dort befindlichen jugoslawischeq * Vesatzungskuppen aufforderte, die Stadt binnerj < 24 Stunden zu räumen. In der Stadt selbst ries dies^ Nachricht Maße Freude hewor Mb die Pewvhuee..,. schmiickten. bk Häuser, mit deutschen Fahnen, W .