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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-24 · Heft 6 (24.1.1919) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 6 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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LÜMl, gieuag diilmJiämtiuttUltmi . t/lL 6 6clic ö et.. ■ ■ .ii L^ieröbr Mv^gürrzsUmes ........ 24. Immer iöl-3. — - T-- -- ----—--.. l .■■■■—■II» I I ■■!■———IW J Die dementierten Meutereien. Prag, 23. Jänner. (Meldung des Tschechoslowakischen Preßbureaus.) Zu der Meldung von Wiener Blättern über die Revolte des 8. Schützen- und des 28. Infanterieregiments wird amtlich verlautbart: Das Infanterieregiment Nr. 28 fuhr in vollständiger Ordnung in seinen Standort auf gegebenen Befehl ab. Die Meldungen über das 8.,Schützenregiment find gleichfalls eine tendenziöse Entstellung. Ssefsrm des Schulwesens. Prag, 23. Jänner. In einer gestern abends in der Zizkower Fliegerhalle stattgefundenen Volksversammlung sprach Kultus- und- Unterrichtsminister H a b e r m a n n über die Freiheit der Schule n d der Lehrerschaft. Das größte Augenmerk müsse der Volks- und Bürgerschule zugewendet werden. Die Schulpflicht dürfe durchaus nicht eingeschränkt, vielmehr müsse sie um mindestens ein Iahr verlängert werden. Lehrbücher und Schulbehelfe müßten vom Staate beige ft eilt werden. Der Minister kündigte sodann an, daß er heute der Nationalversammlung eine Vorlage überreichen werde, in welcher die Zulagen für die Lehrerschaft geregelt werden sollen. Deutschland. Englische Beurteilung der deutschen Wählern Kopenhagen, 23. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Kommentare der englischen Presse zu den deutschen Wahlen klingen hoffnungsvoll, aber vorsichtig. Im allgemeinen kommen die Blätter zu dem Schluß, alle europäischen Nationen müßten dem Verlauf der Wahlen mit größtem Interesse folgen; es werde dadurch der erste notwendige Schritt gemacht, der eine Hoffnung auf die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit einem geordneten Staatswesen entstehen läßt. Der sozialistische Zentralrat. Berlin, 23. Jänner. Der Zentralrai der deutschen sozialistischen Republik hielt vorgestern zwei Sitzungen ab. Ueber den Beschluß der Volksbeaustragten, die Nationalversammlung in Weimar tagen zu lassen, wurde längere Zett beraten. Ein solcher Beschluß ist nach der Ansicht des Zentralrates von seiner Zustimmung abhängig, weshalb er dagegen Einspruch erhebt, daß der Tagungsort der Nationalversammlung sestgestellt wurde, ohne daß man dem Nationalrat Gelegenheit zur Mitberatung gab. Der Zenttalrat beschloß weiters, die Volksbeaustragten zu ersuchen, daß auch von sozialistischer Seite ein Versassungsentwurf ausgearbeitet und der Nationalversammlung als Material übergeben werde. Ueber die auswärtige Politik wird demnächst mit den Volks- ,beauftragten gemeinsam beraten werden. In der Sitzung berichteten die Genossen aus Mo's kau.und Petersburg über die Zustände in diesen Städten. Weiters lag ein Bericht des Kriegs Ministeriums über die Beschlagnahme von Lebensmitteln durch die Arbeiter- und Soldatenräte von Frankfurt, Oberhausen, Mannheim, Lübeck usw. vor. Der Zenttalrat wies darauf hin, daß die Beschlagnahme von Lebensrnitteln jeder Act unterbleiben nniffe. Einschränkungen iw Eisenbährrverkehr. < Berlin, 22. Jänner. Amtlich wird bekanntgegeben, daß die Staatseisenbahnleitung gezwungen ist, abermals mit weiteren empfindlichen Einschränkungen im Personen- und Schnellzugsverkehc vorzugehen, die bereits heute in Kraft treten werden. Der Grund für diese schwerwiegende Maßnahme ist in erster Linie die unaufhaltsame Abgabe von Lokomotiven an die Ententemächte; außerdem erhöht sich die Zahl der schadhaften Lokomotiven infolge geringerer Arbeitsleistungen der Werkstätten stetig. Belagerungszustand in Hanröurg. Hamburg, 23. Jänner. (Tel. der „ÄZr/Morgenztg.") Infolge von Unruhen, die von Arbeitslosen hetvorgerufen wurden, wurde über Hamburg und Altona der Belagerungszustand verhängt. An verschiedenen Stellen kam es zu heftigen Schießereien zwischen den Demonstranten und Sichorheitsmannschaften, doch gelaüg es, den inzwischen ausgebotenen Sicherheitsttuppen, die Rühe wieder herznstellen. Ein Angriff auf den Hauptbahnhof wurde abgeschlagen, doch ruht der Verkehr auf dem Hamburger Hauptbahnhof vollständig. Hamburg, 23. Jänner. (Tel. der- „Wr. Morgenztg.") Ueber die von denspartakistischen Arbeitslosen verursachten Unruhen, die zur Verhängung des Belagerungszustandes und des Standrechtes über Haniburg führtin, wird noch gemeldet: Die Truppen der Garnisonen von Hamburg, Altona und Umgebung wurden zur Unterstützung herbeigezogen, als die Au? fiter den Hauptbahnhof besetzt hatten. Das Infanterieregiment Nr. 31 eroberte den Hauptbahnhof zurück und sperrte die Umgebung sowie die ganze Gegend des Rathauses und des Stadthauses mit Maschinengewehren ab. Um halb 10 Uhr abends versuchten die Spartakisten einen Putf ch geg en das Stadt- % aus, in dem sich das Hauptquartier des Soldatenmtes befindet. Sie zogen sich aber schleunigst zurück» als sie mit Maschinengewehren beschossen wurden. Berlin, 23. Jänner. Die B. Z. am Mittag meldet aus Hamburg: In später Abendsttmde hieß es, daß 4000 bolschewistische Matrosen aus Cuxhaven zur U n t e r st ü tz u n g der A u f st a n d sbewegung nach Hamburg unterwegs seien. Man nimmt an, daß sie versuchen werden, auf Schiffen hierher zu kommen. Es find bereits alle Vorkehrungen gettoffen, unl ihre Annäherung zu verhindern. Im Verlauf des Abends wurde eine Reihe von V e r- Haftungen vorgenommen. Der Sttaßenbahnverkehr ist heute früh wieder ausgenommen worden. Hamburg, 23. Jänner. Im Laufe der Nacht wurden die von den Spartakisten noch besetzt, gehaltenen Polizeiwachen und Gebäude vollständig gesäubert. Von den Sicherheitsmannschasten wurden vier schwer und mehrere leicht verwundet, während auf der Gegenseite zwei Leute getötet wurden. Die Anzahl der Verwundeten auf der Gegenseite ist noch nicht festgestellt. Heute früh wurde der Belagerungszustand aufgehoben. Der Personenzugsverkehr war heute noch ausgeschaltet. , Schietzerei in Berlin. Berlin, 23. Jänner. Wie der Vorwärts meldet kam es gestern bei, Entwaffnungsmaßnahmen in. der Weinmeister,lraße zu starken Ansammlungen der Bewohnerschaft, wodurch eine systematische Untersuchung unmöglich gemacht wurde. Beim Abrücken der Truppen kam es zu Tätlichkeiten. Auch sielen Schüsse. Hierbei wurde einZivilist durch einen Mann der republikanischen Schutzwehr getötet. Nach Zeugenaussagen haben sich die Soldaten ttotz der bedrohlichen Haltung der Volksmassen untadelhaft bettagen. Der Vorwärts gibt feinem Bedauern darüber Ausdruck, daß stellenweise die Bevölkerung dem Militär die Entwaffnungsarbeit sehr erschwert. Sachsen annektiert preußisches Gebiet. Dresden, 23. Jänner. (Meldung der Telegraphen- Kompagnie.) Der neuernannte sächsische Minister des Innern, Dr. Gradnauer, hat gestern abends in der Sitzung des sächsischen Landesrates der- Arbeiter- und Soldatenräte bemerkenswerte Ankündigungen über die offensichtlich sehr ernst geplanten Erweiterungen desehemaligen Königreiches Sachsen auf Kosten Preußens gemacht Er. führte aus: Den Reichseinheitsgedanken werden die sozialdemokratischen Vertreter, und ohne die Zentralisatioü zu übertreiben, die Bundesstaaten beibehalten. Sachsen müsse jedoch erweitert werden. Schlechtes Befinden Kaiser Wilhelms. London, 22. Jänner. (Telegramm der „Wr. Morgenztg/) Daily Telegraph schildert das persönliche Befinden des Exkaisers Wllhelm folgendermaßen: Sein .Gesundheitszustand wird allmählich immer schlechter. Sein Gesicht ist bartbewachsen, weil ' das .Rasiermesser seiner' Haut schadet Unsicherer, wackelnder Gang verstärkt den Eindruck der Gebrochenheit Er ist immer launenhaft und nervös. Das zufällige Fliegen eines holländischen Aeroplans versetzt ihn in panikartigen Schrecken. Verhaftete Banknstenfchmuggler. Berlin, 23. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) An der holländischen Grenze bei Emmerich wurde eine Anzahl Personen v e r'h ästet, die deutsche Banknoten nach Belgien zu s chm uggeln versuchten. Bei den Schmugglern würde über eine Million Banknoten, die in den Kleidern eingenäht waren, beschlagnahmt Die Sozialisierung. Berlin, 23. Jänner. Eine Reihe von Arbeit e r - u n d S o l d a t e n r ä t e n ist in der letzten Zeit eigenmächtig mit Sozialisiemngsmaßnahmen vorgegangen, , deren Verwirklichung für das deusche Wirtschaftsleben von 'verhängnisvoller Wirkung sein müßte. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung hört, hat der Rat der Volksbeauftragten sich in seiner heuttgen Sitzung in der Hauptsache mit der Frage der Sozialisieruntz und den damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Fragen beschäftigt Deutsch-polnische Grenzkämpfe. Vromberg, 23. Jänner. (Amtlich.) Stelnbmg wurde von einer starken polnischen Abteilung angegriffen. Unter Zurücklassung 26 Toter, darunter des Kommandanten, eines früheren deutschen Offizierstellvertteters, würden sie abgewiesen. Bei den Kämpfen um Hopfengarten würden bei Tagesanbruch noch 76 Tote auf Seite der Polen sestgestellt. Der Streik im Ruhrrevier beendet. ' Csserr, 23. Jänner. Bei der heutigen Morgenchjcht sind die Belegschaften sämtlicher Zechen wieder emgefcchren. Ungarn. Budepester Arbeitslose demoliere» den,.Pesti' Hirlap". Brrbaprst, 23. Jänner. Heute fand im Museumsgarten eine Versammlung der Arbeitslosen statt, in der verschiedene Redner Arbeitsgelegenheit statt Aushilfen verlangten. Nach der Versammlung zog die Menschenmenge zum Gebäude des Pesti Hirlap, der in seinem heutigen Leitartikel die Frage der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsscheu behandelt hatte. Die Menge zertrümmerte di« Fensterscheiben der Administration und der Auslagen des Blattes und. drang sodann in die Geschäftsräume, wo die Einrichtungsgegenstände demoliert und die Geschäftsbücher zerrissen wurden. Ein Teil der Menge versuchte in die Druckerei einzudringen, wurde jedoch von der bewaffneten Ha ns wache zurückge tri eben. Inzwischen erschienen Polizei- und Volkswehrleute an Ort und Stelle, worauf die Menge flüchtete. Die Verleger der Budapester Tagesblätter erschienen nachmittags beim Ministerpräsidenten und verlang en Schutz für die f r e ie Meinungsäußerung' der Presse. Der Ministerpräsident erklärte, daß der nachmittags stattfindende Ministerrat sich mit der Angelegenheit befassen, werde, die Staatsmacht werde die Preßfreiheit schützen. Rückzug der Rumänen. Budapest, 23. Jänner. Blättermeldungen ist zu entnehmen, daß die rumänischen Truppen im Begriff sind, sich auf die ursprünglich festgesetzte Demarkationslinie z u r ü ck z u z i e h e n. Polen. Der Generalstabsbericht. Warschau, 22. Jänner. (Meldung der Poln. Tel.-Agentur.) Bericht des polnischen Generalstabes von heute: Die Gruppe des Generals Römer hat unter dem Druck überwiegender feindlicher Kräfte vorübergehendWlodzinerzWolynskr geräumt Oestlich von Uhnae ünd Michalorvka haben unsere Abteilungen den Feind zurückgedrängt: sie machten 100 Gefangene und erbeuteten zwei Maschinengewehre und anderes Kriegsmaterial. Ein feindlicher Angriff nördlich von Uhnae wurde mit großen Verlusten für den Feind abgewiesen. Bei der Gruppe. des Generals Rozrvad owskr bei Lemberg Patrouillengefechte und schwache Artillerietätigkeit In der Gegend von Chyrvw Geplänkel mit ukrainischen Abteilungen Grabski gegen das Selbstb estimmungsrecht. Krakau, 23. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Professor G r a b s k i sprach als Delegierter ges polnischen Nationalkomitees in Paris m einer hiesiges Versammlung. Er begründete die Notwendigkeit, Ost-- gaÜzien und Lemberg mit Waffengewalt zu erobern, und zu behaupten, mit folgeneen Worten: Wir müssen, die Friedenskonferenz vor Tatsachen stellen Nur Frankreich verlangt ein starkes Polen, während das dokttinäre Amerika auf dem Selbstbestimmungsrecht beharrt und uns daher die Gefahr droht, Ostgalizien zu verlieren Jugoslawien. Enteignung der Großgrundbesitzer. Laibach, 23. Jänner. Die Kommission für hle> Agrarreformen in Belgrad hat bereits einen Plan ausgearbeitet, der den: Ministerrate unter« breitet und von diesem genehmigt wurde. Laut diesem Plan erhalten die. Großgrundbesitzer für den Grund, und Boden vom Staat eine Entschädigung. Folgende Großgrundbesitzer erhalten aber keine Entschädigung : die Mitglieder des ehemaligen österreichischen Kaiserhauses, Großgrundbesitzer, die Angehörige feindliche» Staaten sind, Großgrundbesitzer, die ihre Güter vor» der früheren kaiserlichen Familie. zum Geschenk erhielten, und schließlich solche, die ihre Güter während des Krieges erworben haben. Alle diese Güter werden enteignet j Zur Durchführung der Agrarreform würde ein eigenes Staatsamt errichtet, worin alle interessierten Kreise vertreten sein werden. Die Pole» gebe» nach. Berlin. 26. Iänncr. - Das. Berliner. Tügeblatt meldet: Die Maßnahmen, die die preußische Negierung in der Polenfrage getroffen hat, haben dazu geführt, daß die Polen jetzt ein größeres Entgegenkommen an den Tag legen und zu Verhandlungen bereis sind. Es sei möglich, daß diese nächste Woche in . Berlin beginnen. Die endgültige Regelung der polnischen Frage erfolgt natürlich erst aus der Friedenskonferenz. Gisner darf nicht in die Pfalz. München,. 23. Jänner. (Meldung der Telegraphen- Kompagnie.) Dem Ministerpräsidenten E'is n er ist die Einreise zur Wahlagitation in die besetzte Pfalz verweigert worden. Anderen Politikern verschiedener Parteien wurde diese Erlaubnis anstandslos erteilt. Rutzlaud. Dev Fall Petersburgs. Kopenhagen, 23. Jänner. (Tel. der „Wr. Mor« genztg/) Eine Reihe finnländischer und schwedische» Zeitungen bekräftigen die Mitteilungen» wonach Trotzij den Befehl gegeben hat, Petersburg ohne Kampf zu übergeben. Die Ursache hierfür war die Niederlage an der Permfront Das Hauptquartier der Bolschewiken übersiedelt nach Nowgorod. Die Niederlage dev Bolschewiken vor Petersburg. Verlirr, 23. Jänner, Laut einer hier vorliegenden Stockholmer . Blättermeldung erfährt die esthnische Zeitung SocialdernoLraterr, daß Trotzkif en Sino-

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