Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 6 (24.1.1919)
- Date
- 1919-01-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 6 Wien, Freitay 'MorgerWLM'g roicro telegraphiert habe, die Volschewikj würden wahrscheinlich gezwungen, Petersburg kampflos aufzugeben. Trotzkij erklärte, die Bolfcheroikj hätten eine große Niederlage im'Norden erlitten, da die Armee, mit den Generalen an der Spitze zum Feinde übergegangen Lei. In Petersburg streiken seit Donnerstag 60.000 Aroeiter. Mgemeen Handelsblad gibt eine Meldung der Times aus Helstngfors wieder, wonach Trotzkij den General Prujerotisch, der die nördliche Armee befehligte, wegen seiner Niederlage entlassen habe. Die Wimim erklärt Rußland den Krieg. Starüslau, 23. Farmer. (Tel. der „Wr. Morgenztg") Nach einem amtlichen Telegramm ans Kiew hat die ukrainische Negierung der bolschewistischen Negierung den Krieg erklärt. In Kiew finden grotze Demonstrationenstatt. Die Presse begrLtzt den Krieg. Brest-Litswsk, 23. Jänner. Die Presse begrüßt die ukrainische Kriegserklärung an die Bolschewiken iund betont, daß die ukrainischen Truppen mit P e t-!jura als Oberkommandierenden sich auf die Defensive beschränken werden. Täglich treffen galizische Truppenteile zur Verstärkung ein. Von einer allgemeinen Mobilisierung wird vorläufig abgesehen. Poltawa, Schitomir und Tschernikow sind in Händen der Regierungstruppen. -Der Msuarchifteuaufftand in Portugal. . B i g o, 23. Jänner. (Meldung, des Nerrterschen Bureaus). Die m o n a r ch i st i-!s ch e n Ku« dgebun g e n in den Straßen von O p o v t o dauern fort. Die monarchistische Regierung befahl den Bürgern, die Waffen auszulieferrr. Die S t ndenten in iOpopto stellten Freiwilligen-Bataillone anf. Wie oerlarrtet, hat sich ein Teil der Liffaboner Garnison de» Monarchisten awgeschlosserr. Die Bureaus der republikanischen Wähler wurden non der Menge angegriffen. jDLe nicht royaliftischen OffiZLere der Garnison jvon Valencia do Minho wurden abgesetzt. - Frankreich. -- Malvy Zurüchgehehrt. -Genf, 23. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") -.Jn>-.8er.^Mtrön Fxaucaist wird mitgeteilh daß der ^frühere Minister Malvy, der wegen Hochverrates .nach- Spanien, verbannt worden war, mit Hilfe eines feiner -frü eren ^Beamten n a ch Frankreich z u-!r ü ck g e k e h r t f e i. 24. Jänner. (Meldung der Agenee Paris, 24. Jänner. (Meldung der Agenee;Havas.) Das Kriegsministsrium hat die 'D em o b i (i f i e r u n g der in die Heereskärger eingestellten Mannschaften unter nach- 'ftehendM Festsetzung von Datum und - Klasse mrgeordnet: Klaffe .1808/99.: vorn , 15. bis 21.- Fehrrrar, 1W.0/O1 'rmd 1901/62 vom ^27. Februar bis 7. Marz, 1903/94 vom 11. bis 'IS.'März.'.Md Klaffe ISÜSM vom 23. bis .31». März.. Palästina-Abend. .. gestern abends'fand im Konzerthaus eine große DersünrMlung statt, 'die das zionistische Palästinaamt .als Abschluß der „Palästinawoche" - veranstaltet hat. Als Hauptredner des- Abends war der bekannte Paläftinaforscher David Trietsch aus Berlin ausersehen. Infolge der herrschenden Merkehrsschwierigkeiten war er nicht rechtzeitig eingelangt, und der Vorsitzende $)?;.: Emil Stein mußte' bei ^Eröffnung der Versammlung, das Telegramm verlesen, wvnach Drietsch in Passau -stecken geblieben ist und erst' heute in Wien ' eintrifft, ',?n seiner Stelle sprach Herr Adolf Böhm (Wien) über die wirtschaftlichen MöglickMtcn Palästinas. Ausgehend von der für den Zionismus so günstigen politischen Kol'.-e!lati-oy setzte Böhm zunächst die Pyraus- ^setzungen ^auseinander, die für seine ungestörte ökokr-MMische Entwicklung des Landes nötig sind, das ungeteilte Gebiet und hie Mithilfe einer starken, vom- Völkerbund Mtorisierten Kchntzmacht. Hierauf legte, er in fesselnder, von genauer.Sachkenntnis zeugender Rede die Grundsätze dar, nach denen Kolonisiert werden soll. Mach derr Gutachten erstes Fachleute, tme Prof. Ballod, Palästina bet laNdwirtschä stlicher Bejied lung etwa § Millionen Menschenfassen: Pie landwirtschaftlichen )PÄl)duktionszweige des Landes find äußerst mannigfach ■ilrth.: Sommern der- AerMlasuttg's her ^uden . entgegen; Die erforderlichen Mittel schätzt Redner im Anschluß an Ballod auf 2 Milliarden Francs für 30 Jahre, die zweifellos aufgebracht werden. Die Aufgabe der. Organisation ist auch die Ausbildung und Vorbereitung der Arbeitskräfte; dabei macht Redner die bemerkenswerte Mitteilung, daß die bei Landwirten bisher vom Pälästinaamt untergebrachten Arbeitskräfte sich vorzüglich bewähren und bei den jüdischen Arbeitern sich weit größere Arbeitslust zeigt als bei nichtjüdischen. Die Palästinasiedlung muß vom Geist der sozialen Gerechtigkeit erfüllt sein, die immer eine Leidenschaft der jüdischen Seele war; dadurch werden die sozialen Kämpfe, die andere Staaten erschüttern, dort ausgtzschaltet werden. Auch für die Araber werden wir die Kulturbringer sein. Redner schließt mit einem Nietzsche-Wort, daß die Juden, die, allgemein verachtet, sich doch stets als Träger höchster Menschheitswerte 'gefühlt haben, in Freiheit wieder große Menschen und Werke für die Menschheit schaffen werden. Nach Böhm .sprach. Oberrabbiner 'Dr. Chajes, der die seltsame -Rolle charakterisierte, welche das „Neujahrsfestdev Bäume", der Anlaß unserer Palästinawoche, im jüdischen Leben spielt. Daß wir dieses Fest mitten im Winter unseres Wohnkanbes feiern, ist, wie -viele. Bräuche unserer Liturgie, eick Beweis dafür, 4>aß das jüdische Volk nie äüfgehört hat, Palästina als -die Heimat seiner Seele zu' betrachten. Auch das Land hat sich von keinem anderen Volk kultivieren lassen und wartet aus die Juden. Damit ist der unauslöschliche .Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina in einem höheren Sinne begründet. Die Ausführungen beider Redner fanden lebhaften Beifall und ungeteilte Zustimmung des aufmerksam lauschenden zahlreichen Auditoriums. Einechristlichsyziale WLh^erversännvlüng gesprenet. Gestern abends hätte im Turnsaale des Schulgebäudes Brigittenau eine christlichsoziale Wählerversammlung stattfinden sollen. Als Redner waren auch Staatssekretär Dr. Mataja und Bürgermeister Dr. Weiskirchn e r angekündigt. Die Versammlung nahm infolge' fortdauernder Zwischenrufe der.im Saale, anwesenden. Rotgardisten einen stürmischen Verlauf.. Staatssekretär Dr. Mataja und Bürgermeister Dr.'Weiskirchnerwaren nicht erschienen.. Um s/47 fthr'. schloß der'Vorsitzende die Versammlung. Da jedoch die.Opposition die Per- Sammlung auf. eigene Faust fortsetzen wollte und es zu-Tätlichkeiten zu kommen drohte, wurde der .Saal von der Sicherheitswache. geräumt. Die SachLenwbilisirrung. In der gestrigen Stadtratsitzung ' beantragte Vizebürgermeister Rain eine Petition an die Regierung zu richten, in der die rascheste Abwicklung, der Sachdemobilisierung und die ausgiebige. Zuwendung militärischer Sachgüter an den Gewerbestand auf das nachdrücklichste gefordert wird. An das Referat knüpfte sich eine eingehende Debatte, schließlich wurde der Antrag des Referenten und ein Zusatzantrag des Vizebürgermeisters! P*eumann, daß der. Bürgerpleister ersucht werde, diese Petition persönlich zu überreichen, einstimmig angenommen. Neue unentgeltliche Schulbücher. Im Staatsamt für Unterricht hat eine Besprechung wegen Herausgabe neuer Schulbücher stattgefunden. Schon m der nächsten Zeit werden diese gratis verteilt werden. - . / Die ErnLhrmg. Die Wiener Markte. . - Die.Rindfleischversorgung in der-Großmarkthallt fiel wider Erwarten besser aus und die zur Ausgabe gelangten 7000 Kilogramm frisches Rindfleisch reichten zur Deckung des Bedarfes. Auf den Nebenmärkten wurde Gefrierfleisch aus städtischen Beständen ausgegeben. Schaffleisch fehlte, obzwar der Preis um 4 Kronen .gestiegen ist. Würste waren sehr -knapp. Auch auf dem Fischmarkt waren bloß - geringe Mengen Klippfische, die wegen ihrer Qualität von.vorgestern zurückgeblleben. Men. Der Gemüsemarkt war schlecht beschickt, da durch die Wetterberhältniffe die-Zufuhren der auswärtigen Gärtner ausblieben« Stockung in der Kohlenlieserung für Wien. Eine parlamentarische Korrespondenz meldet, daß in der Versorgung Wiens, mit Kohle wieder eine Stockung eingetreten.ist. Sie ist darauf , zurückzusühren, daß eine Anzahl von Kohlenzügen aus Oberschlesien und Mähr.- Ostrau, die für Wien bestimmt wären, von der Brünner Kohlenstation aufgehalten und beschlagnahmt wurden. Nach Ansicht hiesiger maßgebender Stellen, handelt - es, sich hier - tun ein eigenmächtiges Vorgehen untergeordneter Organe, die olfte Wissen der Prager tschechoslowakischen Negierung die Beschlagnahme purchsührten. Es wurde daher sofort die tschech.o-slowakische Regierung in Prag um 'Intervention -angerufen.' und Inan glaubt, daß sie die beschlagnahmte Kohle wieder freigeben wird. Zu dieser unliebsamen Erscheinung kommt noch, daß im.Kohlenrevier von. Köflach in Steter-, mark ein S t r e i k -droht. Die - Grubenarbeiter. 'stellten > schon'vor einigen Wochen große Forderungen, unter anderem verlangen die Häueo 16 Kronen per Tag und die Nebengebühren und drohen für den Fall, daß diese Forderungen nicht erfüllt werden mit dem Streik, ' Pdmc.'Stäatsamt. .für! öffentliche Arbeiten wurde ein' Funktionär nach Köflach entsendet, um mit den Gruben- ‘ Arbeitern in Verhandlung zu treten. Volle Brotqrwte. Wie das Staatsamt 'für Bolksernährung mit- Leilt, wird nächste Woche die volleVrotquo t e mit Rüksich't auf die guten AnM'nste der Ententehilfe .ausgetM.^werden. - * w m. ILnner 1919 Seife 7 Ausgabe von Zucker. Das Staatsamt für Volksev nährung hat verfügt, daß im Jänner in W i e n e i n e b'a l b e MonatSquote an Z n ck e r, das ist drei Achtel K i l o g r a m m p r o P e r s o n, ausgefolgt wird. Etwa noch nicht eingelöste Zuckerkartenabschnitte der letzten .Monate des Vorjahres können nach Maßgabe der Vorräte an Zttckcr in-den.Abgabestellen ebenfalls honoriert werdm. Bühne Md Knnst. Konzert Emil Ritter v. Sauer. In einer Zeit, da Literaten Könige stürzen und Pianisten Reiche-begründen, wirkt der von den Tasten erworbene Adel als historische Reminiszenz an jene Gnaden, welche von höfischer Machtvollkommenheit an die Kunst vergeben wurden. Ihn abzuschbffen, liegt um so weniger Anlaß vor, als er, wie in diesem Fälle, bei jedem Konzert per Akklamation neu erworben wird, und der Monarch zweifellos als Volksbeauftragter gehandelt hat. E m il o. S au e r kam der Demokratie durch ein nicht allzu weit von der Heeresstraße geholtes. Programm entgegen, das so manche Musikbeflissene zwecks willkommener pädagogischer Aufklärung in den Musikvereinssaal lockte. Freilich um zu erkennen, daß die Metsterschaft auch das Alltägliche in nicht zu kopierender Vollendung neuzugestalten vermag, wie es an Mendelssohns Liedern ohne Worte, an Chopins Berceuse erwiesen wurde. So mußte an Stelle des Lernens das Bewundern tteten, was sich in dankbarem und vom Konzertgeber mit Zugaben reich honoriertem Beifall freudig äußerte. Konrad Marti Zur AalL-'iuawrche enlpfiehlt die BuchhandlungR. Lömit, Wien, 1. Bezirk, Rotenturmstraße 22, nachfolgende Schriften: Dr. Alfred N o f f i g, Zur Lösung des Palästmaproblems, Vorschläge für.die Friedenskonferenz und den Völkerbund,. K. 1.66. S. Cem ach. Jüdische Bauern. - Geschichten aus'dem^ neuen Palästina, bros. K. 6.60, geb.- K. 8.80. Eugen H ö flich, Der Weg ins Land. Palästinensische - Auszeichnungen/ bros. K. 4.40, geb. K. 5.50. Jiskor, Ein Buch des! Gedenkens an gefallene Wächter und Arbetier im Landes Israel, geb. 14.30. Paquet, In Palästina, K. 3.62.' Paquet, die jüdischen Kolonisten in Palästina, K. 1'.65.^ Pinkus, Vor ber Gründung des Jubenstaates, K. 6.—«i En der Schweiz erschienen! Verboten gewesen!) Tr ietsch/' Bilder aus Palästina, K. 11.-—. ' Sport. Turnen. Jüdischer Frauenbund für Turnen und Sport,. Berlin. Die MitgliedeMhl dieses Vereines ist in üetem Wachsenbegriffen. Die Vorturnerinnenkurse erfreuen sich* eines äußerstregen Besuches und auch das Turnen selbst wird mit großem^ Eifer betrieben. Wöchentlich finden Heimabende-statt, bei welchen'' durch'geeignete Lektüre jüdische Kenntnisse und das Interesse'für! jüdische Dmge A-hoben werden. Für die Kinder und Mädchenab-i teilungen bestehen wöchentlich Heimnachmittage, deren Bestich' aber in den letzten Wochen durch die .unruhigen Verhältniffe sehr?gv litten hat. Der frische Zug, der durch den Frauenbund geht, ver bürgt das beste für die Zukunft. Wiederaufnahme des Sportbetriebes. - Zahlreiche^ Beweine der H. Klaffe des Niederösterreichischen Fußballverbandes' waren'im Kriege gezwungen, den Betrieb emzustellen. Da jetzt: eine große Anzahl ihre Tätigkeit wieder ausnimmt, hat der Fuß-' ballverband für sie eine eigene Meisterschaft ausgeschrieben, die. noch im Frühjahr zu Ende geführt wird, dä.fie in der Herb'ft-- säison wieder'in der Klasse spielen, der sie vor dem Kriege angehört haben. Berliner FutzbaA. In Berlin haben am Sonntag trotz des Wahltages auf allen Plätzen Fußballspiele stattgestmdeu, du sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen hatten. LeichLsthLstik. / ''V Liften gefallener Spovtleute verlangt der Leicht« athletikverband von seinen Vereinen. Diese 'traurige Statistik, in der auch die Hakoah »eider sehr stark vertreten sein uürd, solllzur Veröffentlichung in' der in- und ausländischen Fachpresseverwendet werden. - , -- --- " Der WolKsWirt. Tausend MiMonen Halbjahrsdefizit. ' Ertlärnngm des SLagtsselvetärs Dr. Steinwender. Gestern abends empfing -der Staatssekretär für -die Finanzen Dr. Steinwender die Vertreter der Wiener Presse, um ihnen die absolute Notwendigkeit her verschärften Steuexeinhebung und der in Erwägung stehenden Steuererhebungen darzulegen. > Der Staatssekretär erklärte: Der Voranschlag für -das' l a u fe n d e H a l b j a h r sch ließt mit er n em D fizit von tausend Millionen Krotten. Äitzses! Defizit.weist noch eine T en.de n z ■%tt r S Le i g er üng mif. ' Die, vollständige Reform des Steuerwesens gegenwärtig undurchführbar. Es wird nicht möglich sein, das Defizit vollständig auszumerzen, aber matt; muß wenigstens so weit gelangen, um den Znsammenbruch zu vermeiden. Später einmal könnte es sich sonst zeigen, daß' der Staat' den von ihm übernommenen Verpflichtungen trotzdem nicht voll-' ständig gerecht werden kann. Diese Üeberzeugung muß' man aber nach reiflicher Erwägung aller Tatsachen gewinnen. . Erft nach . Verhandlnngen und durch Uebereinkommen mit anderen Na-i tionalstaaten wird es möglich, sein, die sicheren' Grundlagen für die Entwicklung'der weiteren Zukunft zu erhalten. ' j Das vorläufige Programm der Ftnanzverwalttmg' erstreckt sich nur auf wenig« Monate, bis zu der Zeit,! wo die Nationalversammlung.gründliche Arbeit Wird! , leMn M. MrstLM.!