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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-24 · Heft 6 (24.1.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 6 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9lt 6* Wien, Freitag [ , - --~.vHmnnm.mm, Gis zählt heute mehr ÄS 300.000 Mann und besteht nus lettischen und chinesischen Söldnern, sowie aus früheren österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen, anxxblich meistens Magyaren. Der Monatssold beträgt 350 bis 500 Rubel; trotz der allgemeinen Hungersnot werden dis Soldaten reichlich und ausgezeichnet Verpflegt. Unter der Aufsicht von Trotzkij haben deutsche Offiziere ihre eiserne Disziplin in die bolschewistische Armee eingeführt und haben sie ganz nach deutschem Muster manövrieren gelehrt. Mit den regulären Truppen der Westmächte würde die Armee es vermutlich, nicht aufnehmen können, aber für so schlecht aus- ^erlistete Truppen wie die, über welche die kontrerevolutionäre Bewegung im Omsker Gouvernement verfügt, bildet sie einen furchtbaren Gegner. Satvinkow machte auch einige aufklärende Angaben Über die Umstände, welche der Regierung Trvtzkij-Lenin zum Siege verhalsen. Die russische Revolution, sagte er, .ist, sv paradox es klingen mag, vorüber. Rußland besitzt eine fast durchwegs agrarische Bevölkerung von 150 Millionen, welche zum größten Teil völlig ungebildet, beziehungsweise analphabetisch ist. Man hat vft gefragt, wieso es möglich sei, daß diese Bauern unter dem Zarismus überzeugte Monarchisten waren, während sie später überzeugte Sozialrevolutionäre oder Bolschewisten wurden. In Wirklichkeit waren sie nur davon überzeugt, daß sie das Land zum Eigentum bekommen müßten. Nun, nachdem sie es bekommen haben, wünschen sie lediglich, es auch zu behalten. Sie sind daher völlig konservativ geworde nund streben nach der Aufrichtung irgendeiner sozialen Ordnung, welche ihnen diese Möglichst sichert. Das ist, wie Sawinkow meint, die Grundtatsache der russischen Revolution. Als das alte Regime zusammenbrach, war die Revolution unter den 19 Millionen Bauern, welche die Armee bildeten, populär, weil sie Aussicht auf Frieden bot. Die Bolschewisten wurden in den breiten Schichten der: Landbevölkerung, zu welcher die Soldaten gehörten, populär, weil sie ihnen Land versprachen. Die von KerenSkij geführten sozialen Revolutionäre waren weniger populär, weil sie weniger radikal waren. Lenin und Twtzkij sicherten sich außerdem die Unterstützung von 6 Millionen Arbeitern dadurch, daß sie eine Diktatur des Proletariats proklamierten. Auf diese Weise bekamen sie die geschlossenen Massen der russischen Bevölkerung auf ihre Seite. Aber der Mangel an Lebensmitteln, welcher sich infolge der rücksichtslos durchgeführten Requisition auch bei den Bauern schwer fühlbar machte, hat die Landbevölkerung zu einer Revision ihrer Stellungnahme veranlaßt und die Lenin- Trohkij haben mehr und mehr mit Indifferenz und passiver Resistenz im gnzen Lande zu kämpfen. Sawinkow hat es sich zur-Aufgabe gemacht, den alliierten Regierungen über die Verhältnisse ■ genauen Bericht zu erstatten und sie zur energischesten Bekämpfung des Bolschewismus zu veranlassen.,' Erhat erst unlängst Omsk verlassen, wo sich das Zentrum einer gegen Trotzkij und Lenin gerichteten Bewegung befindet An der Spitze der dort errichteten Regierung steht Admiral Koltschak, welcher über die tatkräftige Unterstützung der gutorganisicrten . sibirischen Bauerngenossenschaften mit 2 Millionen Mitgliedern verfügt. Seine Armee ist gut diszipliniert, sie hat einige Erfolge errungen, welche zeigen, was eine gute Führung auszuvichten imstande wäre. Uebrigens hat sich auch in Sibirien ein radikaler Block aus früheren Sozialrevolutionären gebildet, das heißt aus patriotischen Sozialisten und konstitutionellen - Demokraten, welche den Admiral Koltschak unterstützt. Die sozialrevolutionäre Partei als Partei hat dort völlig ihr Ansehen ver- Borgeschichte der Lemberger Judenpogrome. Don Moses Waldbaum. 11 Den Höhepunkt der antijüdischen Kundgebungen vor. dem Zerfalle Oesterreichs bildeten die Sympathiekundgebungen der galizischen Polen für die Warschauer Negierung, die anfangs Oktober 1918 die Selbständigkeit Polens proklamiert hatte. In allen polnischen Gebieten waren die patriotischpolnischen Kundgebungen mit antisemitischen Demonstrationen innig verquickt, so daß man die nationalen Feiern der Polen in Galizien ohneweiters als antisemitische Demonstrationen bezeichnen konnte. Besonders in Ostgalizien war die Verschmelzung von polnischem Patriotismus und Judenhaß «m innigsten. In Lemberg standen alle im Monat Oktober 1918 von den polnischen Parteien veranstalteten Versammlungen und Umzüge völlig im Zeichen des Judenhasses. Die Polen legten gerade Gewicht darauf, die Juden, wofern sich diese au diesen polnischen Feiern hätten beteiligen wollen, von der Teilnahme auszuschließen. So forderte das polnische Bürgerkomitee in Lemberg anläßlich der Kundgebung für den Anschluß Lembergs an das geeinigt^ polnische. Reich alle Kausteute auf, ihre Läden zu schließen, in die Schaufenster jedoch bas Bild der heil igen Mutter Gottes von Czen stoch au, der Königin Polens, zu stellen. Tatsächlich hielten alle Juden am Tage der Feier ihre.' Geschäfte geschlossen, aber nur aus Angst vor Plünderungen. An der Feier, die einen ausgesprochenen polnisch-christlich-autisemitischen Charakter hatte, nahmen sie selbstverständlich keinen Anteil, vebrlgenhätten die Juden sich auch unter andere,» Ämständeu nicht an dieser Feier beteiligt, denn erstens sind die meisten von ihnen jüdisch-bewußt und überdies wäre ein? Anteilnahme der Juden «ine Provokation der Ukrainer M?le»L.. Der. christlich-gntisemitischx Anstrich der polnischen Wiener Mörgenzeitung 24. Jänner 1919 Seite 8 i koren, sie unterließ es, Kerenskij zu vereidigen, sie unterließ es, die konstituierende Nationalversammlung zu sichern, in welcher sie eine große Majorität besaß, sie versäumte es, die Samara- und Wolgafront gegenüber den Tschecho-Slowaksn zu halten. Ihre' gesündesten Elemente haben sich nun um Admiral Koltschak geschart und sind bereit, mit den konstitutionellen Demokraten und sogar auch mit den konstitutionellen Monarchisten zusammenzuarbeiten, welche sich unter Führung des^ General Denikims in der Domregion zusammengeschlossen haben, um Rußland zu retten. An die Rückkehr des Zarismus denkt man nirgends. Das Offizierskorps neigt zwar zu einer konstitutionellen Monarchie, aber im ganzen genommen strebt die öffentliche Meinung des ^patriotischen Rußland nach einer Föderativrrpublik oder nach einer Zusammenfassung Rußlands zu einer Art „Vereinigten Staaten". Saminkows Ausführungen verdienen Beachtung. Niemand kann die ungeheuren Gefahren verkennen, welche sich aus einem Weit^bestehen der bolschewistischen Herrschaft in Rußland fiiPbie gesamte Welt zweifellos ergeben müßten. Die gegenwärtigen Machthaber in Rußland treiben eine Desperadopolitik. Die militärische Macht, über welche sie im Augenblick verfügen, kann ihnen auf die Dauer keinen Rückhalt gewähren, wenn Rußland, wirtschaftlich vollständig lahmgelegt, von Ländern umgeben bleibt, deren gesunde Produktionskräfte sich stärker errveisen als der Bolschewismus. Die russischen Bestrebungen, den Spartelisten in Deutschland zum Siege zu verhelfen, haben letzten Endes den Zweck gehabt, das zwischen Deutschland und Rußland ein ge lagerte Polen mit seiner mittelalterlichen. Feudalwirtscbast bolschewistisch zu umklammern und zum Einsturz zu bringen. Was Deutschland anlangt, so dürste dort der Bolschewismus zunächst seine Rolle ausgespielt, haben. Wenn trotzdem die Gefahr für Polen nicht nur unverändert sortbesteht, sondern täglich riesenhaft wächst, so sind daran allein die wirtschaftlichen und politischen Tendenzen der jetzt in Polen herrschenden Klassen schuld, die in ihrem reaktionären Aufbau den Bolschewismus geradezu fördern und provozieren. Der Sieg, den die reaktionäre Richtung Pade- «rewM-Dmowski gegenwärtig über die demokratische Regierung Pilsudski-Moraezewsri errungen hat, dürste sich bald schwer rächen. Paderewski hat sofort nach seinem Regierungsantritt eine Reihe schwerster Versolgungsmaßregeln gegen jegliche bolschewistische Idecnverüreitung getroffen. Man weiß, was man von ^solchen Maßregeln in Polen zu halten und zu erwarten hat. So kommt auch noch hinzu, daß die Polen, um ungestört ihren imperialistischen Annexionslendeuzen folgen zu können, dmchwegs alles das, was sich ihnen entaegenstellt (sei es aus nationalen Gründen, wie die Nutyenen, sei es aus Gründen der Selbsterhaltung wie die Juden, sei es aus allgemeinen freiheitlichen Gründen wie die Demokraten und Sozialisten) in der breiten Oefsentlichkeit ausnahmslos als Bolschewistendarstellen. Ein Kampf gegen den Bolschewismus unter der Regierung Paderewski- Dmowski bedeutet nichts anderes, als eine Sanktionierung jenes VernichtungS- und Ausrottungsprinzips, mit welchem sich das neuerstandene Polen in die neue Zeilepoche eingesührt hat. Da dürste es nur begreiflich sein, daß sich alle freiheitlichen Elemente in Polen enger zusammenschließen und jba|j überdies gerade für bolschewistische Ideen der Boden nur ■ besser bereitet wird. Wenn es die Absicht der Entente war, durch Förderung, der neuen Regierung in Warschau einen Wall gegen den Bolschewismus anszurichten, so dürfte sie gerade das Gegenteil ihrer Absichten erreichen. Veranstaltung tat das übrige, um sdgar solche jüdische Elemente, die aus Gewohnheit obet aus Angst im polnischen Fahrwasser mitschwammen, von irgendwelcher aktiven Teilnahme an der polnischen Feier fernzuhalten. Die Abstinenz der Juden wurde von den Pblen, die nichts getan hatten, um die Sympathien der Juden zu gewinnen, den Juden sehr übel genommen. In der polnischen Presse flatterte das Wort „Verrat" auf. Die Juden verraten die polnische Sache, die Juden sind Kapitalverbrecher am polnischen Staatsgedanken, die Juden stehen im Bunde mit den Ukrainern . . . solche Aussprüche waten überall zu vernehmen. Wie die Juden fühlten und dachten, erfuhr man einige Tage nach' der polnischen Kundgebung. In 5' Massenversammlungen, an denen ungefähr 30.000 Personen teilnahmen, faßten Juden aller Parteien und aller Berufsschichten Entschließungen. in denen sie seststellteu, daß sie sich als besondere nationale Gruppe betrachten, daß sie die Rechte einer Minderheitsnation für sich beanspruchen, und daß sie gewillt sind, im voraassichtlichen polnisch-ukrainischen Streit um Ostgalizien vollständige' Neutralität zu bewahren. Ein Massenumzug der Juden. — ungefähr 30.000 Teilnehmer zogen durch die Straßen Lembergs bewies augenfällig, daß die Juden auö gesundem Selbsterhaltungstrieb entschlossen sind, selbständige aktive Politik zu treiben ünh innerlich aufgehvrt haben,'ein willenloses Werkzeug, der polnische» imperialistischen Politik zn sein. Die polnische Gesellschaft nahm diese jüdische Massenkundgebung mit Haßgefühlen ans. Die polnische Presse beschränkte sich darauf, von der Stellungnahme der Juden iu drei Zeilen Notiz zu nehmen. Dem Schreiber dieses sagte ein führender polnischer Journalist: „Warten Sie, bi§ wir erst unbeschränkte Herren in Galizien und bis die österreichischen und deutschen Armeen verschwunden sind! Dann werden sich dir Juden überlegen, im polnischen Lemberg derartige Demonstrationszüge zu veranstalten. Wir können eL nicht zageren, daß Lemberg urplötzlich daS AuS- . Men., chm Mischen. .Ktadt gewinstt," Diese MtzMA. Die WahLen. Reklamiert yrrer Wahlrecht! . Am Freitag werden die Wählerlisten aufgelegt. Sie werden, durch zehn Tage, also bis einschließlich Sonntag den 2. Februar, zur allgemeinen Einsicht aufliegen, und zwar an Wochentagen von 2 bis 7 Uhr, an Sonntagen von 9 bis 2 Uhr.. Jeder wird also iy dieser Zeit nachsehm oder Nachsehen lasten können« ob« sein Name in der Wählerliste enthalten ist. Das soll besonders; dann geschehen, wenn in den Hauslisten der Wähler, die in jedem Hause außerdem angeschlagen werden, wis nicht stimmt,! wenn also bei cmer Wohnung bie Zahl der Wähler, die darin > wohnen, nicht richtig angegeben ist. 1 } , Die Wählerlisten werden in Wien, in 117 Lokalen aufliegen, die den Sitz der Ortswahlbehörden bilden und zugleich Einspruchs'; od.er Reklamationsstellm sind. Zn welchem Wahlsprengek jeder? gehört und in welches dieser 147 Lokale er zu gehen hat, um inj bie Wählerliste Einsicht zu nehmen oder sein Wahlrecht zu rella»; mieren» ersieht inan ebenfalls aus der Hauswählerlifte. i Wenn ein'Mann oder eine Frau, obwohl sie am 1. Jänners d. I. über zwanzig Jahre alt waren und die deutschösterrenhische Staatsbürgerschaft besitzen, in der Wählerliste nicht enthalten sind, dann müssen sie ihr Wahlrecht reklamieren und die notwendigen Dokumente beibringen. Die deutschösterrelchischcStaatöbürgerschaft kann man auch jetzt noch erwerben. v Dokumente, die beigcbracht werden sollen, sind: Meldezettel, Geburtsschein. Arbeitsbuch, Dienstbotenbuch, Militärzerüsikat nsw. Man kann auch das Wahlrecht für einen anderen.refla-, mieren, ebenso wie man Personen, die unberechtigterweise in der. Wählerliste stehen, aus dieser herausrcklamieren kann. Nur wer sich jetzt das Wahlrecht sichert, wird . am 16. Febnrar mitwählen können.! . Auskünfte werden int Hauptagitätionslokal, H., Lilienbnmngasie, Caf6 Müller (Souterrain) von 10 bis 12 und von 3 bis' 7 Uhr erteilt. Einsichtnahme in die Wählerverzeichnisse. Die Wählerverzeichnisse werden ab Freitag dem 24. d. M. durch 14 Tage hindurch zur a l l g e-' meinen Einsicht aufgelegt und können Einsprüche gegen dieselben innerhalb der erstes 10 Tage, das ist vom 24. Jänner bis 2. Februar, an Werktagen von 2 bis 7 Uhr nachmittags, an Sonntagen von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags mündlich oder schriftlich eingebracht werden. Die Zahl i der Reklamätionsstellen beträgt 158. Jüdische Massenversammlung im Prater. Gestern abends veranstaltete der Jüdische National Verein im Prater eine massenhaft besuchte Wählerversammlung, in der die nationaljüdischen Kandidaten Dr. P lasch kes, Stricker und Frau Erna Patak, ferner Gesinnungsgenossin Anitta Mül 1 er sprachen. Die Begrüßungsrede hielt Herr Siegmund S tark. - _ Dr. LsopoH Plaschkes führte aus: Wir zionistischen Nationaljuden sind min-' bestens ebenso gute Staatsbürger wie die unsvernadernden Assimilanten.a ber wir fordern Treue um Treue. Man hat uns in der jungen Republik schon wiederholt vergewaltigt: durch das reaktionäre Staatsbüpgergesctz, das so viele Juden vom Wahlrecht ausschließt und durch die'merkwürdige Wahlordnung, deren ausgeklügelte Geometrie' bef wirken soll, daß die 300.000 beutschösterreichischen^ Juden ohne rechte Vertretung bleiben. Jetzt wollen! die Judenhasser den „Volkssturm" entfachen, Dr. Öftrer aber als Gegenmittel Judendebatten verhinber n, anstatt vor aller Welt unsere Rechte zu fordern. Unsere Kandidatenliste stellt eine Vereinigung aller Klassen bar, die im Judentums vertreten sind. Für den jüdischen Kleinbürger müssen Kredit« - vrganisationcn, Konsumvereine, Baugenossenschaften ge-! gründet werden und den Großbanken, die man „Juden«! banken" nennt, und welche für den Judenboykottt für! spiegelt die Durchfchnittsmeinung der polnischen Gesellschaft; wider. Denn tatsächlich hatte die Abstinenz der Juden von; der polnischen Feier, die Nichtbeflaggung der jüdischen Häuser! mit polnischen Fahnen, augenfällig gezeigt, daß das gewerbe-; treibende, arbeitende Lemberg nur zu einem Bruchteile polnisch j' ist. Die jüdische Massenkundgebung am 24. Oktober bewies' vollends, daß Lemberg eigentlich weder einen rein polnische«,' noch einen ukrainischen, sondern vielmehr zum großen Teile einen jüdischen Charakter hat. Dieser Umstand verdroß die Lemberger Polen besonders. Darum ist auch die Haltung der Lemberger Presse während der kritischen Monate beS Zerfalles Oesterreichs und beS Eittstehens ber Nationalstaaten den Juden gegenüber feindseliger.gewesen als jemals zuvor. Die Lemberger Polen hatten bas- Gefühl, daß die Juden innerlich und äußerlich von dey. Polen abgerückt sesen und fürchteten, daß im Momente der Entscheidung für die Polen oder für die Ukrainer,; die Juden sich dem Volke ünschließen werden, bas den! nationalen Forderungen der Juden in höherem Maße ent-! gegenkömmen wird. So nahm die polnische Presse die Er«! klärung der konstituierenden ukrainischen Nationalversammlung' über die Anerkennung der nationalen Rechte der Juden mit! Todesschweigen ans. Sie befolgte die' Taktik, baß für die ■ Polen die nationaljüdischen Bestrebungen und die jüdische»! Beschwerden einfach nicht existieren. Man hatte angesichtsder Haltung der polnischen Oefsentlichkeit und der polnischen > Presse das Gefühl, daß die Polen nur den formellen und! faktischen Zerfall Oesterreichs abwarten, um mit den Inden' obzurechnen. Die Stimmung in der Stadt war derart, baß bewußte jüdische Kreise noch zur Zeit, , da die öfter-. reichischen Militär- und politischen Behörden funktionierten und die Ukrainer sich noch nicht in den Besitz der Stadt gesetzt hatten, bereits die Notwendigkeit erkannten, ■ eine jüdische Selbstwehr ins Lebe» zn rufen, tim für! den Fall der Übernahme ber RegierungSgewalt durch die! .Kolen dM.Lebm der. Luden schütze,; zu können. Mart .kann1

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