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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-23 · Heft 5 (23.1.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (23.1.1919)
Date
1919-01-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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»sL- "IjjÜiUiiC x'-jlv Seite Jfr fco» Kerbst 1016 bis End e 1918, sind inzwischen genauer festgesteLL worden. Die Zahlen sind weit höher, als Man bisher angenommen hat. Es hat sich erschreckende Tatsache ergehen, daß mehrals 900.000 Tode sfäll e lediglich auf Ern ährungsf ch w i e r i g ketten z u r ü ck z u f ü h t e n sind. Die Feststellungen sind mit der größten Vorsicht gesoffen worden und gehen eher eine zu kleine als zu ipeoße Zahl. Alls diese Menschen sind' eines elenden Todes gestorben. Ihre Leiden waren mit den schwersten psychischen Leiden ihrer Angehörigen verknüpft, die rhnen nicht geben. konnten, was sie brauchten Es handelt sich besonders um schwache Frauen» Me Personen und. Kinder, kurz um Personen, die nach ihrem Zustande die mangelhafte Ersatznahmng besonders -schlecht vertrugen. Es wurden nur Angehörige der Zivilbevölkerung gezählt.!Die Untersuchung geht von den jährlichen Sterbeziffern der weiblichen. Bevölkerung vor dem Kriege -Und während des Krieges aus. Alle auf Epidemien, ftvie.Ruhr, Grippe sowie. auf andere besondere Ursachen zurückzusührenden Sterbesälle werden in Abzug gebracht. Die indirekten Folgen der mangelhaften Ernährung, die sich unter anderem in der erhöhten Sterblichkeit der nächsten Jahre deutlich zeigen werden, lasten sich nicht in Zahlen fasten. Der Streik in Berlin. ' Berlin 22. «Jänner. B. Z. mn Mittag meldet: Bormittags fanden erneute Beratungen wegen des S t r..e iks der Arbeiter der städtischen Elektrizitatschwerke statt. Nachdem der Berliner Magisttat sich bereit . -erklärt Hatte, das E i n i g u n g s a m t des Berliner Gewerbegerichtes anzurufen und, sofern dort ein Vergleich nicht möglich werden sollte, den Schiedsspruch desGerichtes. enttzegenzunehmen» faßten die Arbeiter vormittags auf Vorschlag ihrer Organisationen den gleichen Beschluß. Das Einigungsamt ist vormittags >zusamMengetteten. Wie irr Wien. BerLi«, 22. Jänner. (Meldung der T'elegrchchen- Kompagnie.) Die Kohlenversorgung Berlins ist in den letzten Wochen infolge des Streiks derart gesunken, Laß - Zu weiteren Einschränkungen des Kohlen verbrauch es Maßnahmen getroffen werden irmffen. von denen in erster Linie der Theäterbetrieb in Berlin bettoffen werden dürste. Heute mittags fand iu der Kvhlenstelle Groß-Berlins eine Konferenz zwischen den Leitern der Kvhlenstelle und Delegierten des Berliner Dühnenvereins und des Verbandes Berliner Bühnenleiter statt, in dem die Frage, ob und inwieweü die Theater die Zahl ihrer Spieltage verringern muffen, erörtert wird. .Das Schicksal Kaiser Wilhelms. 21. Jänner. iMelduW der Telegraphen» Kompagnie.) Amerikanische Meldungen lassen durchbacken, daß die französische Forderung nach Bestrafung des gewesenen Kaisers Wilhelm bei dem Präsidenten ÄZÜfon wenig Gegenliebe findet und daß er jedenfalls nichts tun wird, ohne sorgfältige Prüfung der ganzen Schuldftage. Mackensen in der Gefangenschaft. B^npest» 20. Jänner. Wie Magyar Orszag meldet, find die Jntemierungsbesttmmungen für Generalfeldmarfchall M a ck e nsen durch die Franzosen bedeutend g e m i! d e r t worderi. . Der Drahtzaun um das Schloß wurde entfemt und dein Generalfeldmarschall gestattet, sich frei zu bewegen. DieJnternierungsbHtirmnrmgen find dieselben, denen Mackensen während feines Aufenthaltes im Schloß des Grafen- Karolyi Unterworfen-war.' Es wurde ihm gestattet, mit seiner Familie zu korrespondieren und Zeitungen und Bücher Zu bestellen. Seine Briese langen unZensmiert ein. Ermordung von Geiseln. Berlin, 2L Jänner. (Tel. der ^VZr. Morgünztg.") In P o s e n sind vor einigen Tagen, wie das Berliner Tageblatt erfährt» sieben Deutsche von den Polen als Geiseln fortgeschleppt und erscho s s e n Morden. Die Leichen wurden geschändet und in eine Grübe geworfen. Die Aerzte stellten fest, daß die Deutschen in geradezu bestialischer Weise behandelt wurden. Sie wiesen auf ihren Körpern eine Unmenge Wunden auf. Kein Knochen war ganz. Der Berliner Lokalanzeiger meldet hierzu: Unter .den von den Polen ermordeten sieben Deutsche befand sich der frühere Landtagsabgeordnete von Haza- Rsdlitz, ein Mann von 70 Jahren. Er wurde ohne jeden Grund festgenommen, und als ihm daraufhin von der Fliegerstation sechs deutsche Soldaten zu Hilfe kommen wollten»' wurden diese ebenso wie er selbst von .den Polen erschlagen. Bei der Obduktion im Festtmg^lazärett stellten die Aerzte fest, daß ihnen noch memalsso furchtbar zugerichtete Leichen .unter die Hände gekommen seien. MeAsrÄimng der Truppe« in Berlin. Berlin, 22. Immer. (Meldung der Telegraphen- Ksmpagnie.) Gestern nachmittags fanden Besprechungen Wischendem Kriegsministerium und der Kommandantur statt, in Lenen die Verhältnisse der Berliner Garnison in folgender Meise geregelt wurden : Es werden sofort die Mannschaften aller Jahrgänge, die keinen Dienst tun, entlassen Dir sich freiwillig für einen geordneten Dienstbetrieb meldenden MMfchasien^rverdmM festgefügLru Fovnmtionenzusmmnensezogev. Ihre Konckrandeure werden. durch den Ktiegsmmister "einges^lt und von den einzelnen 'Truppenteilen mnrchalb 14 bestätigt. Diese Truppetr unterstehen der Kammündcmtur. Sie haben nach dem Befehl des Volkshrausttagten Noske erst dann zur Unterstützung der Sicherheitswäche ernzugreifen, wenn die Kommandanttir hierzu von der Sicherhettswache aufgefordert wird.' Putsch Lugst irr München. München, 22. Jänner. (Meldung der Telegraphen-Kompagnie.) Eine amtliche Kundgebung warnt die Münchner A r b e i L § l o s e n vor der Tellnahme an hetzerischen Veranstaltungen mit folgender Mahnung: „In München sind Bestrebungen im Gange» die Arbeitslosen zu Putschversuchen zu mißbrauchen. Es besteht der Plan, eine große Demonstration Arbeitsloser zu veranstalten uttb dabei eine Arbeitslosenunterstützung von täglich IS Mark pro Person zu verlangen. Die Veranstalter sagen selbst, daß keine Regierung solche Forderungen genehmigen Lmm, aber es müsse durch eine Demonstration das Verlangen gestellt werden. Nach Ablehnung der Forderung durch die Regierung soll es den Teilnehmern dieser ruhig geplanten Demonstratton überlassen bleiben, selbst zu entscheiden, was sie tun sollen. Das ist ein großer Mißbrauch der Not zu hetzerischen Zwecken, durch die das Unglück noch vergrößert wird. Was sagt unsere Bevölkerung, was sagen unsere zurzett arbeitslosen Volksgenossen zu solchen Plärren?" Bayerischer Landtag. ■ — Mitte Februar. München, 22. Jänner. Die Korrespondenz Hvfsmann meldet amtlich: Die Einberufung des bayerischen Landtages ist für Mitte Februar in Aussicht genommen. Da die Wahlen in der Pfalz infolge der durch die Okkupation veranlaßten Schwierigkeiten erst am 2. Februar stattfinden können und die Feststellung des Wahlergebniffes geraume Zett erfordert, ist die Einberufung vor dem 16. Februar nicht möglich. Ungar». / Die Mdischnationale Bewegung. Temesvsr» 22. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg.^ Bei der hier stattgefundenen Holkszählung daben sich 78 Prozent der jüdischen Bevölkerung zur jüdischen Nation bekannt. Dieses Ergebnis ist der Aufklärungsarbeit des jüdischen Nationalverft ö it b e s für Südungarn, dem sich jetzt eine Kultusgemeinde nach der anderen anfchließt, zu verdanken. So hat vor einigen Tagen eine der größten jüdischen Gemeinden des Banats, Luaos, ihren Anschluß an den Nationalyerband angemelvet. Streik der Bankbeamten. Budapests 22. Jänner. (Tel. der ^Wr. Mor-« genztg.") Die Beamten der hiesigen Filialen des Wiener Bankvereins sowie der Änglo-österreichischen Dank sind heute in den A u s st a n d getreten, da die Beilegung der Differenzen bezüglich Bewilligung der Teuerungszulagen nicht gelungenift. Alle Bureaus sowie die Kaffen dieser beiden Bankinstitute blieben heute geschlossen. ZUgostKWiM. Die aHgestempeLteu VtnrknsLsn vm den Italienern verboLe«. Brrdspsst, 2L Jänner. Der Pester Lloyd meldet aus Fiume: Die Abstempelung des Papiergeldes in Jugoslawien hat den italienischen Nationalrat von Fiume veranlaßt, den staatlichen und^Gemeindekassen die Annahme solcher abgestenipelter Banknoten zu verbieten. ReorgamsaLion des DostWesens., Belgrad, 21. Jänner. Kleber Antrag des Iirstizmimsters wurde im Ministerrat ein Gesetzentwurf über die Re o r g anis atio n des g es g mtenP o st-, Telegraphen- und T e l e p h o n w e s e n s für ganz Jugoslawien beschlossen. Die Zenttalleitnng bleibt in Händen eines Ministeriums. Das Verwaltungsgebiet.wird in neun Direktionsbez i r k e zerfallen, die inAgram, L aibach, Belgrad, Saraiews. Spalato, Temesvar, Risch Uerküb und Eetinje ihren Sitz haben werden Rußland. Rarwa von btn Letten erobert. — TrotzkLI geflohen. Helsingfors^ 20. Immer. Hier eingetroffene Berichte melden die Eroberung von N a r w a durch die e st n i fchen Truppen. Hierbei sei T r o tz k i j, der die Volschewiki persönlich zum Widerstand angefeuert habe, geflohen. Die estnischen Strettkräfte hätten die Offensive gegen Walk begonnen. Belgien. Straßenbahner streik in Brüffel. ' Brüssel, 21. Jänner. (Meldung der Agence Havas.)^ Der größte Teil der Straßenbahnangestellten ist in den Ausstand getteten und verlangt unter anderem Lohnerhöhung, den achtstündigen Arbeitstag und eine Altersrente. * i Brsr-ftaschichte rurtz AnfLsbereinurmtw*, «alen, urck Bszislrtfeukorr^srenz. - ©ms, 8t. Iünnrr. Die Lcholerische DepeschenaseniäÄ ersührr von Arthur!ge ubr.vfon über die einberirfenr ttrter-' nationale Arbeiter- und Ävzialiftenkorrserenz sobgendrS: §öer> SsrschlLS»gleichzeitig mit der FriederSkouftrett-z einex'inset-j. national«« Arbeiiermb Sozialiftenkorcgreß aSzuhaltw'^ wurde zuerst von den Getorrischaften des amerikanisch^«^ DrbeitErbundeS ausgestellt. Ende Noberntzer 1814',! kan« vier Mo«ate nach Kriegs Sc ginn, würde»! der Vorschlag von der Trbeiterkonvention irr P h i l a d e l p h4 einstimmiJ «rrZenommen. Diese stellte sich aus den Punkt, daß dir ir! eg führen de« Nationen daS Recht hätte«»' ihre eigene Politik zu bestimmen, und darum enthielt' sich die amerikanische Arbeiterschaft srder Einmischung in diesti Angelegenheit und beschäftigte sich aWschliestlich mit welche sich aus die Weltresrgauisatio«, daS Kriegsende und die Herstellung eines d a u e r h a f t e u F r i e d e « s zwische«- de« Rationen üezogen. Die im Februar 1918 ix Land vH stattgefundene interalliierte Sszialisten- und 'Arbeiterkonfttay faßte eine Resolution, die Albert Thomas, Emil Baxd.eZ- Velde und Arthur Hendersvu beauftragte, eine Sozialisten- und ArbeiterkonfereilZ zn organisieren, die gleichzeittz) mit der offizielleu Friedenskonferenz tagen soll. Die i»; September (h London obgehaliene. Konferenz hat sich bat* j vierzehn Punkten Wilss «s angeschlofteü unb biv-j stütigt, baß der internattsnale Arbeiierkongreß ststtftnde^i soll, und zwnr gleichzeitig und am gleichen Orte wo die > offizielle Konferenz zur Anfstclluug der FriedenSbebingWrgeyl» staitftndet. Die Konferenz hat sich einverstanden erMr^s daß Vompers Borsitzeender des von Henderss», Vandek»s veld« und Thomas gebildeten SpLzialkomiteeS werde Vorschlag wurde von der Arbeiterpartei Großbritanniens dex \ Trade Unions, den Crbeiterparteisn und den «rganisierte»! Sozialdemokrairn der brUische» autonome» Domiuie«, sowie) EerLienS, Portugals, Rumäniens und Griechenlands angenommen. Alle Parteien, der neutralen Länder und der durch die Mittelmächte besetzten V-cbftk-r Laben ebenfall» dem schlag angenommW. - . Dir hatte«, bemerke Heuderso-n/ w^h'reNd ver Diskussion der Fragen mit den Kruppen der alliierteu Sozis-- listen den Eindruck, daß eine allgemeine Arbeite»- ko»?er enz, die gleichzeitig mit der FriedenN.ikonferanz stattfänds.eineKrmosphäre schafss^ würde, die geeignet wäre, zur Berminseru«M dsr Gchwierigkeiten im Schoße der diplo»»»^ Lisch«« Konferenz beizxrrage». Die i« Sep->! Lember 1918 in Lonbsn vereinigtrir Sozialisten und Arbeiteps der alliierten Länder erinnerten daran, daß die 14 Punkts^ WilsonS, die nun die Grundlage des FriedensvrrtrageS biLentt wesentlich mit den eigenen aufgeftsllten Kriegsziele» übereiw»; stimmen. Die. gegenwurtigen Bemühungen der aMertaAi Sozialisten, die die Annahme der unparteiischen Anwendung^ dieser Prinzipien durch die ganze Internationale anstrebe«,) würden der Sache drö dauerhaften Friedens einen unermeß^ lichen Dienst leisten. Ich füge noch bei, daß die Feststellung eines ArbeitersxistenzminimumS für die Länder «id großer wirtschaftlicher Entwicklung av& für dir Arbeiter iafc allgemeinen von großer Bebrutung sei» würde. Die Frage.^ wird «uf der ssfiZiellr» Friedsnskonfereng aufgeworfen werdew^ und wen» dir " bevollnrächtlzirn Bertretrr der. Arbeit« .i&, dem Augenblick, wo in Paris die Präliminarien des Friedens-^ Vertrages verhandelt werden, sich ins Vinvernehmeu setze«^ wird die internationale Arbetterkonferenz für dir A^ommtsjto«/ die mit der Ausarbeitung dieses. Teiles drS Frirdensvrxtrage-/ beauftragt wird, eins» bedeutenden Wert' habe«. Die Ar« beiter-^nternatio.nale ist gewillt, bei der Ausarbeitung rineG dauerhaften^ Friedens ihren Teil der Arräntwon'skchkrit tragen. / . ./ ' / SpSRiSKi.' ' ■ föaialonltm* ■ Msdrw, 22. Jänner. (Meldung der Agenee; Haoas.) Die Eröffnung der Cortes ging Dienstag nachmittags vor sich. In der Kaimner verlas! Romanones einen Gesetzentwurf, betreffend die Selbstverwaltung Kataloniens. C a U bet an brachte das?SubQtt %ut Verlesung. Dirs Budget sieht vor, daß sich die Ausgaben auf 2Millht arden 65 Millionen, die Einnahmen auf 1 Milliarde 648 Millionen belaufen werden. Der Entwurf erteilt die Ermächtigung zur Ausgabe einer Anleihe zu». Zwecke der Konversion der äußeren Schuld, der Ausfüllung des Fehlbetrages und der Deckung der Aus» gaben für die bei der Einrichttrng neuer D^nstzweige - erforderlichen Arbeiten. £®tigfßme DemoSMfierwW. LsriÄSA, 21, Jänner. Die Times schreibt, es sei! nicht anzunehmen, daß die brttische Armee vor der . Unterzeichnung des Mrdensverttages auf die Stärkef von weniger als eine Million Mann herabgesetzt' wird. v;y4' SüdafrrL« wiL »«sbhSNskg «rerbe«. . Londorr» 21.. Jänner. (Meldung der Telegraph en-Kompagnie.) Die Blätter melden aus Kap» . ftabt, daß der Kongreß der Nationalisten die Generale H e r tz o g und De W e t als Vertteter de» Oranje-Freijtaates angewiesen hat, zu veisucheu, von der Friedenskonferenz eine Unabhängigkettserklänmg für Süd-Afrika zu erlange«. , - -/ i

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