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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-23 · Heft 5 (23.1.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (23.1.1919)
Date
1919-01-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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£a*u.C 4 Wien, Bomrersrag ■iTbinÄuSgegeben, der die Wahlen in dem Vvn tschechischen Truppen besetzten Gebiet untersagt. Der Erlaß, der uns im Wortlaut vorliegt, stützt sich auf deN § 65 a des österreichischen Strafgesetzbuches. Dieser Paragraph besagt: . „Des Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe xiacht sich schuldig, wer öffentlich ober vor mehreren Leuten «der in Druckwerken, verbreiteten Schriften oder bildlichen Darstellungen a) zur Verachtung oder zum Hasse wider die Person deS Kaisers, wider den einheitlichen StaatSverband des Kaisertums, wider, die Regierungsform oder Staatsverwaltung aufzureizen sucht." Daß sich gerade die Tschechen diese Bestimmung Zur Verbrämung einer undemokratischen Handlungsweise, aufsuchen, mutet-im Hinblick auf die Bekanntschaft/ dir so viele ihrer Volksgenossen mit dem. Z 65 gemacht haben, zumindest sonderbar.. an. Wobei noch Zu bemerken ist, daß sie den deutschradikalen Feiglingtn, SH« Deutschböhmen im Stich gelassen haben und in Wien für gutes Geld Staatsrat spielen, einen großen Gefallen tun. Denn diese - würden vvn ihren Wählern l'd .Deutschböhmen wahrscheinlich gesteinigt werden. Forderungen der Fortschrittspartei in Böhme«. Prag» 32. Jänner. (Tel. der „Wc. Morgenztg.") Sonntag fand pr A n ssrg eine Dertraumsmännertagung der deutschen Fortschrittspartei für Böhmen statt. Die Versammlung beschloß, für dir Deutschen in Böhmen und Sudetenland das volle und vtfrtsf« Selüstbeftimunmgsrecht nach der Wilsonschen Formel zu fordern. Eine etrvaige Entscheidung . der Friedenskonferenz über Deatschböhmqr zugunsten de§ tschecho-slowakischen StgateS müßte als ein Anschlag auf die Deutschen der Sudetenländer'und daS »Deutschtum tiberhaupt empfunden werden und die Aufrichtung wir Zuständen im Gefolge haben, die eine stete Bedrohung des Friedens , in Mitteleuropa und damit für ganz Europa bedeuten würdm. ,. , Bezüglich, der Wahlen i n b t c d e u tsch 8 stevreichisch.e Nationalversammlung oder einer eigenen Vertretung DeutschböhmenZ wurde einstimmig erklärt, daß die Partei als streng demokratisch und freisinnig nur der BorusHutt von W ah l e n zustimmen könne, die auf Grund des allgemeine» Wahlrechtes erfolgen. Somit spreche sich die Parier grundsätzlich gegen eine Wahl durch Ber-- ri tU-.ensrnänner aus, die sie nur unter dem Zwang der Verhältnisse rmtmachcn würde. Gleichzeitig gebe sie ihrer Anschauung dahin Ausdruck, Zaß der Wahltermin für Deutschch ö h ur e u nötigenfalls v e r f ch o b e n werden könnte bis dir ^^'y-?.>wnserenz in Paris gesprochen haben werde. MegramMe. der tschechö-florvakrfchLA Slepublik. ■Dr« Regrernng versprichtden Deutschest nationale Autonomie. Prag, 22. Jänner. (Meldung des Tschecho-flöwai.- Prchvureaus.) Justizminister Dr. S o u kup tn'.pftttg gestern einen Mitarbeiter des Prager Tagblatt, dem gegenüber er sich über die Handhabung des Sprachenrechtes in der tfchecho-flowakischen Republik folgendermaßen äußerte: Führendes Prinzip irr btt Sprachenfrage unserer Republik ist und wird sem, örch jeder ihrer Angehörigen sein Recht in seiner M u t t e r s p r a ch e geltend machen und 'durchsetzen könne. Es ist auch selbstverständlich, daß die Deutschen in unserer Republik alle ihre nationalen und national-kulturellen Angelegenheiten in voller Auto.nomie selbst verwalten werden, weil es die Aufgabe der tschechoslowakischen Republik sein wird, alle ihre inneren »iw. ».UM. ■ . -' >__1 _ - Jg—■ L - ' ■■■ ..■■■■"I' - ild) sogar in einem Artikel zu der Behauptung, daß die bie einmarschierenden Kosaken jubelnd begrüßt und i^c tlttiht. geküßt hätten. Es wurden sogar Photographien gezeigt, die die Begrüßung der Zkosaken durch die Juden verewigten. (Ls stellte sich aber dann heraus,' baß diese Photographien Fabrikate -einer russischen Filmgesellschaft waren, die diese Begrüßungsszeue irgendwo in Moskau gestellt und eirfgenommen hatte. Kerytowski wurde durch den k. u. L General Collard r^fehi und ' es blieb ein wahnwitziger Haß der polnischen Ä5srllscha?t gegen bie Juden zurück. Jnsolang«, die Armeen d::r Zeniralstaaten in Galizien standen,' und stark genug wsrsn, die Ordnung zu gewährleisten, konnte sich der Judenhaß per Polen nicht offen betätige». Insgeheim ließ aber polnische Beamte und jede polnische Behörde die Juden jiihlTn. daß die jüdisch-polnische, Rechnung unbeglichen ist. Die jahrelang« Fortdauer des - Kriegeschwächte die SJlau}*. bc» österreichische» Zentralismus und erlaubte den Polen.'ihr Haupt zu erheben. Im österreichischen Parlament atitoi&A'u btt alspvl.it'che Partei eine rege politische Tätigkeit und Echo in der galizisch-polnischen Gesellschaft bewies, daß die r'Mrosmlchrn GebsnkengLnge den galizische» Pole« nicht nur gaY/vr^;':", sondern auch Herzenssache waren. DaS zeigte sich fcri aV.tr. Anlässen, wo die allpolnische Partei die polnischen Nsnen in Galizien zu irgendwelche« Aktionen und Lrri.onstrationen «usrief. Diese Kundgebungen, tn denen der, Massenwille des polnischen Volkezum Ausdruck kam, hatten, mochte,r sie welchem -Anlaß immer stattfinden, einen «-UijLdischr» Beigeschmack. Jede Feier deS dritten Mai war jpr gleicher Zeit eine antisemitische Kundgebung. Am deutlichsten trat der «rntijüdische Charakter polnischer Massendemonstrationen zutage, als die Pole» _ 1« MalizieA ßtffäi _ Wrerrer — ----- . -- Verhältnisse derart zu regeln, daß sich niemand weder im Gebrauche seiner Sprache noch in der Pflege seiner Nation bedrückt fühle, daß' aber^ andererseits alle Kräfte zur Erreichung der größten wirtschaftlichen Blüte, welche die Republik erwartet! vereinigt werden. Die tschecho-slowakische Republik wird eine demokratische sein und dieser ihr Charakter ist die größte Bürgschaft gegen Bedrückung der Angehörigen der anderen Nation. Unsere Republik wird glücklich sein, unterstrich der Minister, wenn es ihr gelingen wird, unter loyaler Mitwirkung der Deutschen solche Derhältnifle zu schaffen, daß sich, jeder, ob Tscheche oder Deutscher, in diesem Staate wie im eigenen Hause fühle und jeder ohne Unterschied der Nationalität seine höchste Ambition nicht in destruktiver, sondem in konstruktiver Arbeit finde, damit unsere Republik mit ihxer zentralen Lage in Europa ein Emporium des Westens und Ostens werde und, wenn sie wollen, auch die feste Brücke zwischen der großen Welt der Dentschen undSlawen bilde. Kramarsch will die historischen Grenze«. Paris, 21. Jänner. Exeelsior veröffenüicht ein Jnterwiew mit dem Ministerpräsidenten Doktor Kramarsch, worin dieser erklärt, er verlange für Böhmen, Mähren und Schlesien die hfftorischen Grenzen. Für die Slowakei würden die Grenzen durch die Friedenskonferenz bestimmt werden. Bolschewismus unter den Legionäre«. Prag, 22. Jänner. (Indirekte Meldung der Telegraphen-Kompagnie.) Ueber die Vorgänge, die zu den Truppenmeutereien geführt haben, wird folgendes bekannt: Bereits seit ungefähr vier Wochen hat unter den tschechischen Mannschaften eine scheinbar durch bolschewistische Agitation hineingetragene Bewegung begonnen, die sich vielfach in Auflehnungen gegen das Offizierskorps äußerte. Die Soldaten verlangten nach Haufeentlassen zu werden und protestierten in Versammlungen gegen die Aufrechterhaltung der Mobilisierung. Vielfach wurden Offiziere, namentlich Offiziere der Legionäre, von ihren Mannschaften bedroht und in einzelnen Fällen mißhandelt» als die Offiziere versuchten, Ordnung zu schaffen. Antisemitische Exzesse. Prerau, 22. Jänner. (Parlamentskorrespondenz.) Bekanntlich war kürzlich Holleschau der Schauplatz bolschewikischer Exzesse, die einen pogromartigen Charakter hatten. Unter dem Vorwände einer Demonstration gegen die herrschende Teuerung wurden sämtliche Geschäfte der. Stadt Holleschau, insbesondere die der Juden, gestürmt und geplündert. Soweit die Waren nicht sofort weggeschleppt wurden, warf man sie auf die Straße. Die jüdischen Geschäftsinhaber hatte man bereits vor Ausbruch der Exzesse aufgefordert, die Stadt verlassen. Wie nun in Prerau verlaptet, wird nunmehr auch K o j e t e i n und Prerau selbst an die Reihe kommen. Kojetein wurde von den jüdischen Bewohnern bereits verlassen. In Prerau wurde den Geschäftsleuten sozusagen ein Ultimatum bis Samstag gestellt. Falls bis zu diesem Tage die Lebensmittelpreise nicht eine bestimmte Ermäßigung erhalten haben, soll den Geschäftsleuten in Prerau dasselbe Schicksal bereitet werden, wie denen von Holleschau. Die sinkende Kohlenprodnktion. Prag, 21. Jänner. (Meldung der Telegraphen- Kompagnie.) Pravo Lidu richtet einen Appell an die Bergarbeiter, in welchem es auf die sinkende Kohlenförderung und die damtt verbundenen großen wirtschaftlichen Nachteile, insbesondere auf den schlechten Zustand der Betriebe und die wachsende Zahl der Arbeitslosen hinweist. Der Ausfall qn Kohle rühre zum Teil von b e t Verringerung der den Drest-LitotvSker Frieden in Massenumzügen demonstrierten. Im ganzen Lande wurden gleichzeitig mit Aufrufen gegen den Grafen Czernin Flugzettel gegen bie Juden verbreitet. In Lemberg wurden kn allen Aemtern und Schulen von Polen der verschiedenste» Parterrichtungen Aufrufe gegen die Juden verbreitet. In allen geheimgedruckten Protestschriften hieß es immer, daß die österreichisch-„jüdische" Armee, die österreichisch-„jüdkschen" Politiker, der österreichisch-„jüdische" Czernin Polen, verraten habe». Alle Flugschriften klangen ln der Aufforderung auS: „Protestiert gegen die Vergewaltigung deS polnischen Volkes und tretet ein für die Gritjudung deS polnischen Landes und der polnischen Gesellschaft!" Die Verquickung von nationaler Agitation mit Judenhetze war bewußte Mache aller allpolnifchen Grundsätze» huldigenden Polen, denn die Anrufung der antisemitischen Instinkte verbürgte den Imposanten Dusfgll der polnischen Protestkundgebungen. Tatsächlich waren alle Demonstrationen gegen den Brest-LitowSker Frieden in Galizien auch Massenkundgebungen gegen bie Juden. In vielen Städtchen Galizien» kam es im Februar 1018 zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. In Krakau wurden jüdische Geschäfte geplündert und ein Miniaturpogrom heischte bas Lebe« «ine» Juden. In Lemberg mußten die jüdische» Geschäftsleute fast zwei Wochen lang ihr« Läden geschlossen halten, au» Furcht vor Plünderung und Raubüb erfüllen. Als die jüdische Presse über diese Ausschreitungen berichtete, da legten sich die verantwortlichenipolnischen Politiker die Ausrede zurecht, daß es sich in allen. Fällen um Hungerrevolten gehandelt habe. Warum anläßlich' dieser Hungerrevolten nur jüdische Geschäft« geplündert und nur Juden geprügelt wurden, darüber gaben die polnischen Führer keino p h y's i s 'ch e n ' & ti ft ii ngsf. ah i g 6 e i t, de? V?briLcr. zum Teil-» aber Lttch vsn der herrschende» A r b e! L s v n l u ft her. In dem Appell heißt es unter anderem: In einer Zeit höchsten Ernstes wende« wir uns an euch mit der Bitte, diese Unlust zu über» 'roiribm Die Republik braucht Kohle,'um dem Volke Brot Zu schaffen, zur Ausrechtethalttmg der Eisenbahnverkehres, der Betriebe und m Beseitigung des Arbeitslosigkeit. Dir Existenz der Republik hängt von eutfl Kohlenförderung ab. Sszisttsiernng btt Industrie., Prsg, 22. Jänner. (Meldung des Tscheche flowakischen Preßbureaus.) . Ceske Slovo meldet; Dienstag den 12. d. M. wurden die Vertreter der tschechischen Industrie vom Präsidenten M a s a t y k empfangen. Der Vorsitzende de« Verbandes der Industriellen, M a l i n s L y, verpries darauf, daß die Stimmung im tschechischen öffentliche» Leben der Industrie nicht günstig sei. , Nichtsdestoweniger betonte er jedoch, daß die tschechische Industrie bereit sei, bei der Durchführung sozialer Reformen mitzuarbeiten. Präsident Masaryh informierte sich Über die Situaüon der einzelnen Zweige der Industrie und erklärte, daß bei der heutigen Situation eine rasche Lebensmitieleinfuhr einen Ausweg darstelle. Der Präsident habe sich überzeugt, daß das Lank a u s g e r a u b t und dev Lebensmittel urü Rohprodukte beraubt wurde. Die Gefamtsituatto» beffere sich jetzt. Dabei dürfe nicht vergessr« werden, daß die Derhältnifle in der Nachbarschaft weit schlimmer sind. Er verwies weiters darauf, wie die Amerikaner die Frage der Sozialisierung der Unternehmungen regeln. Es geschehe das auf dir Weise, daß jeder Arbeiter eiyen Anteil am Kapital genieße, bas im Untemehmen investiert sei. So nehme er an der Prosperität des Unternehmens teil, und dieser Umstand übe einen wohltuenden Einfluß auf seine Beschäftigung. Deutschland. Die Hetzjagd nach Eichhorn. Berlin, 22. Jänner (Meldung der Telegraphen- Kotnpagnie.) Es verlautet, daß der frühere Polizeipräsident von Berlin, Eichhorn, sich noch in Berlin befindet. Nach einer Meldung des Lokalanzeiger fei das Haus, in dem Eichhorn sich aufhält, umstellt, so daß seine Verhaftung bevorzusteheni scheint. Zum Schntz der Ostgrenze. Berlin, 22. Jänner. (Meldung der Telegraphen« Compagnie.) Das große Hauptquartier wird bereits: am 24. Jänner nach Kolb erg verlegt. Die dazu nöttgen technischen Vorbereitungen sind so gut wie abgeschlossen. Zwei Armeeoberkommandos, 'mit.- Sitze in Königsberg und Breslau werde« den Schutz der Ostmark übernehmen. Das Gudergebuks der deutsche« Wahlen. VerUn, 22. Jänner. DaS E n b 11 $ t & «I # an B de» Wahlen zur deutschen National« versamrylung setzt sich «ach nichtamtlichen Meldungen folgendermaßen zusammen^ In 37 Wahltreisen mit 421 Abgeordnete« hahen erhalten: Die deutschnationale Dolksh»artei 34, die christliche VolkSpartei 88, di« deutsche VoWpartri 23, die deutsche demokratische Partei 77, die sozialdemokratische Partei 164, die unabhängige sozialdemokratische Partei 24 Sitze; ferner sind 11 FraktionSlose gewählt, die sich arrS 4 Welfen, Vertreter der Bauer« und Laudarbeiterdemokratett, 4 SLyrifchen Vauernbsindlern und 2 Vertretern des tNürttem» bergischen Bauernnnd BsirgrrbnndeS zufammrnsstzen. Die NaLionalver?smurlnng i% Weimar. Berlin, 22. Jänner. (Meldung der Telegraphen- Kompagnie.) Wie in gut unterrichteten Kreisen vevlautet, war der Entschluß, die Nationalversammlung nach Weimar zu verlegen, schon vor einigen Tag« gefaßt worden. Er wurde aus verschiedenen Gründ«' bisher geheimgehalten. In Weimar selbst hatte man schon seit mehreren Tagen mit diesem Beschluß gerechnet und mit den Vorbereitungen für die Tagung! begonnen. Die Beratungen der Nationalversammlung in Weimar dürsten etwa, zwei Monate in Änspmch nehmen. Dann wird die preußische Nationalversammlung zusammentreten. Don anderer Seite wird hierzu noch gemeldstz daß die Wahl Weimars auf Ersuche» Scheidemanns - lmo Eberts sowie nach Besichtigung des großherzogliche» Residenzschlofles durch eine Abordnung der Berliner Reichsregierung erfolgte. Die Vorarbeiten für btt Tagung der Nationalversammlung sind in volle« Gange. Eine halbe Miktion Menschen verhungert» Berlin» 21. Jänner Das Wölfische Bureau meldet Die Wirkungen derB l o ch a d e während des Krieg«., «kl die S t.eI d l i.ch.k.ri tM »aunntlich

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